Startseite
    Antiamerikanismus
    Antisemitismus
    Islamismus
    Verwaltete Welt
    Kulturindustrie
    Rassismus
    Aberglaube
    Kulturalismus
    Make a wish
  Über...
  Archiv
  African Islamism
  Gesammelte Werke
  Texte
  African witch-hunts
  Gästebuch
  Kontakt
 

  Abonnieren
 


 
Links
   Sofakunst
   Wikipedia
   Fremdwörter-Lexikon
   Marx-Engels-Werke
   Asia Times
   This is Zimbabwe
   
   Achse des Guten
   adf
   africa daily
   african studies quarterly
   african sun news
   aftershow
   against
   allafrica.com
   Antibürokratieteam
   Arabs for Israel
   Jaegerzaun
   Atlas Shrugs
   Bad Blog
   Bahamas
   What is witchcraft?
   Botschaft Israels
   ca ira Verlag
   unterdemstrich
   Camera
   classless
   ChinaDaily
   Die Jüdische
   Dissidenz
   Emma
   e pluribus unum
   Ex-Blond
   EYEontheUN
   FdoG
   Frontierpost Pakistan
   Fuchsbau
   Gripsiltis
   Haaretz.com
   Hadith Database
   honestly concerned
   Iranfocus
   iraqui bloggers central
   israel defence force
   Israel News Infolive
   Israpundit
   Ivison
   Jerusalem Post
   John Cox
   kaffe ohne sahne
   Karwan Baschi
   LittleGreenFootballs
   lizas welt
   maedchenblog
   Matthias Küntzel
   MEMRI
   Middle East Info
   myissue
   nada
   No Blood for Sauerkraut!
   planethop
   prodomo
   sandmonkey
   sozioproktologe
   spirit of entebbe
   starblog
   Telegehirn
   tous et rien
   ugly dresden
   unkultur
   WADI
   weapons of modern democracy
   western resistance
   Wind in the Wires

kostenloser Counter

Webnews



https://myblog.de/nichtidentisches

Gratis bloggen bei
myblog.de





 
Antiamerikanismus

'Vernunftresistent tiefer in den afghanischen Krieg' - Neue Forschungsergebnisse aus dem Marburger I

Herr PD Dr. Johannes M. Becker, Geschäftsführer des Marburger Instituts für Friedens- und Konfliktforschung und altbekannter Haudegen aus epischen Schlachten gegen Israel (1, 2, 3), fühlte einmal wieder den instinktiven Drang, sich ein paar Kröten und Prestige durch drittklassige Kommentare in drittklassigen Zeitungen dazuzuverdienen.
 
In der Ausgabe der "Oberhessischen Presse" vom 16.10.2007 liegt ihm vorgeblich Afghanistan besonders am Herzen. Er empört sich über die "erschreckende Mehrheit" im Bundestag, mit der das Afghanistan-Mandat verlängert wurde.
"Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass schon weitaus größere militärische Kontingente am Irrglauben zugrunde gingen, politische Probleme ließen sich am Hindukusch mit militärischen Mitteln lösen."
Wahrscheinlich meint er nicht die Mongolen oder Alexander den Großen, sondern die Sowjetunion. Die Lage in Afghanistan sei schlimm, die Wirtschaft am Boden, die Bevölkerung gegen die Regierung, die Frauen schlimmer als je zuvor unterdrückt.
Die PRT (Province Reconstruction Teams) seien gescheitert, weil sie nicht von militärischen Operationen zu unterscheiden seien und damit medico international zur Zielscheibe von Anschlägen mache. Daraus schließt Becker:
"Allein der Abzug der Truppen würde schon einen Beginn für die wirkliche Wiederherstellung der Souveränität Afghanistans bedeuten. Die Integration aller gesellschaftlichen Kräfte in den Neuaufbau des Staates wäre dann von Nöten. Eingeschlossen [...] die Taliban und die Mudschaheddin. Wiederaufbau und Interventionstruppen widersprechen einander."
 
Man fragt sich, ob Becker als Student bei einem anderen Konfliktforscher mit einer solchen primitiven Konfliktanalyse überhaupt eine Zwischenprüfung bestehen könnte. Nicht im geringsten interessiert ihn, auf welche Mittel die andere Seite baut und wie dieser Aggression zu begegnen sei. 
Finanziell unterstützt unter anderem durch Saudi-Arabien führen die Taliban derzeit einen Krieg und streben alles andere als bloß eine "Integration aller gesellschaftlichen Kräfte" an. Sie versuchen mit Erfolg eben jene "Lösung" von politischen Problemen mit militärischen Mitteln: Wobei für sie das "politische Problem" die Existenz afghanischer Frauen, Musik, Fernseher und jedes Buch außer dem Koran ist. Beckers Integration verzichtet auf eine Einbindung von Frauen, die eine Beteiligung der Taliban, die niemals eine Frau als Ministerin akzeptieren würden, schon ausschließt. Die Taliban verwechselt er mit einer wählbaren Partei, weil er mit ihnen sympathisiert.
Becker vermag nicht zu benennen, dass die afghanischen Frauenverbände an der derzeitigen Politik eben die allzu willfährige Kooperation mit Mudschaheddin und Warlords geißeln. Dass die Hilfsorganisationen deshalb militärisch geschützt werden müssen, weil es laufend zu Entführungen wie der von Daniel Pearl kommt. Die Angriffe auf Hilfsorganisationen haben ein propagandistisches System, das dem Propagandisten Becker entgeht.
Wenn er von Widersprüchen redet, bleibt Intelligenz außen vor. Wie ein Wiederaufbau in einem retalibanisierten Afghanistan stattfinden solle, davon braucht Becker nicht zu reden, denn um Afghanistan oder gar die Lage der Frauen geht es ihm gar nicht. Seine Opmhaloskopie schließt eine ernsthafte Beschäftigung mit dem Objekt aus, solange nur die Gegnerschaft gewahrt bleibt. Sobald Becker sich also als moralisch überwertig präsentiert hat und den Bad Guy in den USA und dem diesen angeblich hörigen deutschen Bundestag markiert hat ist der Sinn der Rede erfüllt, Widersprüche im Thema sind da Nebensache.
16.10.07 13:08


Werbung


Why Democracy? – Why not, if YOU really want?

Gibney hat im Auftrag des ZDF und ARTE in der Reihe „Why Democracy – Demokratie für alle?“ (2007) die preisgekrönte Folge „Taxi to the dark side“/„Taxi zur Hölle“ gebastelt. Zeichen des europäischen Abgrenzungsbedürfnisses bricht der Beitrag vor allem Schuldprojektionen Bahn und maskiert derbsten Antiamerikanismus als oberflächlich inszenierte Aufklärung.
 
Der zweistündige Beitrag will nachweisen, dass die Regierung Bush Folter begünstigte und implizit anordnete. Das ist ein legitimes Unterfangen. In bedrückenden, wenngleich nicht besonders neuen Details arbeiten sie anhand von Zeugen und Täterinterviews Verhörmethoden heraus, die mehr als abstoßend und keiner Demokratie würdig sind. Glaubhaft machen sie auch, dass in der Regierung Bush insbesondere Cheney und Gonzalez Verantwortung tragen für die Vorgänge. Zwar erscheinen mir manche Berichte als ungereimt gedoppelt, selektiv und unnötig „geschönt“, mit drastischen Nachstellungen und subtilen musikalischen Beeinflussungsversuchen, die das Anliegen der Dokumentation verraten.
Darüber, dass Folter abzulehnen ist, dass die Ereignisse in den fraglichen US-Gefängnissen Folter waren und dass sie protegiert und begünstigt wurden, besteht von meiner Seite allerdings kein Zweifel. Dennoch ist der Beitrag ein herausragendes Beispiel, wie unter den Zwängen des derzeit üblichen linksmoralischen Engagements noch jede demokratische Empörung und jede gerechtfertigte Kritik in Antiamerikanismus verpufft.
 
Als erstes Anzeichen dessen ist die Entschuldung des Individuums zu bemerken. Die Täter erscheinen in Interviews durchweg als verlegene, ob ihren Aktionen erschrockene Menschen. Jede der Aussagen mündet in einen Verweis auf allzu vage Aufträge und Allgemeinplätze über menschliches Verhalten in Verhörsituationen. Der Film stellt das nicht in Frage, sonder baut darauf auf. Die Empfindsamkeit der Täter wird nicht dem fanatischen Wahn der Al-Qaida Folterhandbücher und der islamistischen Folterer gegenübergestellt, die nach der Tat weder schlechtes Gewissen noch Rechtfertigungszwänge behelligen. Darin bestünde tatsächlich ein substantieller Unterschied, dessen Beleuchtung relevant und interessant wäre.
 
Die zur Schau gestellte Empfindsamkeit der Täter dient vor allem der Kanalisierung von Aggressionen und Ängsten des Zuschauers: Die Tat wird auf die Auftragsgeber zurückgeführt, die mit „Erfolgsdruck“ und „vagen Angaben“ regelrecht Folter befohlen hätten. Der Widerspruch zwischen dem normalen Mensch auf der Leinwand und seiner Tat – dem sadistischen Übergriff auf einen wehrlosen Mensch – wird in der Entfernung der Schuld auf die Strippenzieher projiziert: Auf Bush, Gonzales und die bösen mächtigen Männer.
 
So sehr der Anteil dieser an der juristischen Rechtsverdrehung bemerkenswert ist, so wenig entschuldigt das die Privatinitiative einer beachtlichen Gruppe von Soldaten, die auf eigene Faust Informationen aus ihren Gefangenen herausquälten. Dass diese Folterer aber voll und ganz Opfer einer höheren Politik seien, ist nur konsequentestes deutsches Nachkriegsdogma von der Unschuld des individuellen Soldaten. Vom Individuum und seinen Widersprüchen schweigt der Film: der Makel ist allein bei den Mächtigen angesetzt. Der dem Antiamerikanismus implizite Besitzwunsch nach der militärischen Macht der USA ist auf solcherlei Spielchen angewiesen um sich in der Projektion als korrekter und darum erfolgreicher Führer der Truppen zu gefallen. Die Attacke auf die Spitzen will diese austauschen und besetzt sie im Vorfeld mit Angstlust: um diese zu stimulieren werden die Bilder von Foltervideos und Leichen (!) mehr als dutzendfach wiederholt präsentiert, natürlich stets mit dem Verweis, dass solche Bilder die islamische Wut nur steigern werden und dürfen. Der gemeinhin akzeptierte journalistische Ehrenkodex, Leichen so wenig wie möglich zu zeigen, um die Würde des Opfers zu wahren, wird hier zugunsten des Emotion-Effekts verletzt - Dokumentation wird zum Snuff.
 
Weiteres Merkmal der abgrundtiefen Gemütslage der Produzenten ist die eklatante Verharmlosung des deutschen Nationalsozialismus. Um die Genfer Konvention und deren Vorschrift für die Behandlung von Kriegsgefangenen zu begründen werden Fotos aus nationalsozialistischen Vernichtungslagern und Konzentrationslagern eingestreut und mit Filmausschnitten amerikanischer Militäroperationen kontrastiert. Die zweckrationale Missachtung der Menschenwürde durch die Folter in Afghanistan und im Irak wird so mit der völlig zweckfreien Vernichtungsorgie der Nazis in eins gesetzt und dessen Opfern als „Kriegsgefangene“ noch eine Eigenverantwortung am Elend aufgebürdet.
 
Dritter wesentlicher Punkt der Kritik ist die Rechtfertigung, ja der Aufruf zum Terror insbesondere gegen Ende des Beitrags. Mehrfach erklären unterschiedliche Personen vom amerikanischen Bürgerrechtler bis zum Folteropfer, dass durch ein solches Verhalten Terrorismus provoziert würde, ja sogar, dass die regelrechte Pflicht zur Rache auf Seiten der Islamisten bestehe. Präsentierte man eben noch John McCain als vietnamnesisches Folteropfer und inzwischen angesehenes Kongressmitglied und Gegner der Folter, erlegt einem die Logik des Films auf einmal auf, dessen menschliche Pflicht hätte eigentlich darin bestehen müssen, fortan auf Vietnamnesenjagd zu gehen und in allen vietnamnesischen Restaurants Bomben zu zünden.
 
Besonders perfide wird eine Sequenz eingestreut, in der US-Soldaten die Opfer eines Anschlags von einem brennenden Bus wegtragen, und diese Soldaten als Verursacher des Anschlags erscheinen. Dazu passt, dass jüngst auf CNN Umfragen präsentiert wurden, nach denen 25 % der jungen amerikanischen Muslime Selbstmordattentate für gerechtfertigt halten. Dieser Beitrag lässt befürchten, dass bei der nichtmuslimischen Bevölkerung mindestens gleich hohe Wertigkeiten zu erwarten sind. 
Ferner tritt dieses Phänomen in Allianz zur gängigen antiamerikanischen Meinung auf, die USA hätten den Terrorismus im Irak zu verantworten.
 
Zuletzt verbreitet der Film einige populäre Missverständnisse über die Folter: Sie liefere unbrauchbare Ergebnisse und sei somit antiquiert.
Folter liefert lediglich bei vollständig Unschuldigen und sehr gut Trainierten unbrauchbare Ergebnisse. Bei der breiten Mehrheit der Verhörten liefert sie ein relativ gut verifizierbares Informationsspektrum. In den südamerikanischen Foltergefängnissen, die bekanntlich von der CIA teilweise mitgenutzt, bzw. gefördert wurden, haben die zumeist faschistoiden Diktaturen auf diese bewährte Weise fast alle südamerikanischen Guerillas zerbrochen. Nicht nur Informationen lieferte die Folter, sondern sie drehte Insurgenten regelrecht um, war Bestandteil der Gehirnwäsche. Wer einmal durch Folter gebrochen wurde, hat von Politik zumeist die Nase voll, distanziert sich von den Kampfgefährten, macht sie für das Erlittene verantwortlich, flüchtet häufig ins Private, in Wahnsinn, in Drogen. Der durch Folter erst fanatisierte Revolutionär oder Terrorist ist eine idealisierte Ausnahmeerscheinung, Wunschprojektion zahlloser Mythologien.
Nicht wenige wurden durch die Folter tatsächlich treue Gefolgsleute des Regimes – eine dem Stockholm-Syndrom nicht unähnliche Erscheinung, Angleichung zur Konfliktvermeidung, Inversion. Somit ist Folter durchaus ein rationales und nützliches Machtinstrument, das für Herrschaftszwecke jeder Art einsetzbar ist. Zur Demokratie gehört, dass man sich die Möglichkeiten, die dieses perfide Mittel eben doch bietet, bewusst versagt. Das macht der Film allerdings nicht. Gegenrede erscheint fast nur justiziarisch, in Form von Verweisen auf Paragraphen. Die ethische Frage wird nicht gestellt, eine moralische Debatte findet nicht statt, Prozentzahlen sollen die Wirksamkeit widerlegen, Gerichtsverhandlungen Gerechtigkeit diskutieren. Dass lediglich die real existente Dehnbarkeit eines abstrakten Terminus wie „Menschenwürde“ oder „feindlicher Kombattant“ bis zur Verkehrung von den entsprechenden Stellen, darunter Bush, genutzt wurde, und dass gerade darum so etwas wie das Völkerrecht tatsächlich nichts ist, worauf man sich berufen könnte, bleibt hinter dem Appell an das Recht verborgen.
 
Aufklärung im Sinne einer ethischen Haltung zu Menschen jenseits der Setzung ihresgleichen als Mittel zum Zweck bleibt völlig außen vor. Zuletzt bleibt nach den gängigen Schlussfolgerungen der Bürgerrechtler zu fragen. Solange diese Folter skandalisieren gehe ich mit ihnen völlig d’accord. Die Empörung über Folter ist allerdings zuallermeist einem ganzen Wahngebäude eingefügt, das sie als aufgesetzt erscheinen lässt. „Bring our Boys home“ oder „USA raus aus dem Irak“ steht dann auf den Schildern, nicht „Schluss mit der Folter“. Durch diese Bigotterie machen sich gerade die, die eben noch die Rede gegen die Folter im Munde geführt haben zu deren fleißigsten Apologeten: Indem sie zum islamistischen Terror aufrufen, ihn nach Wahl mit allgemeinmenschlichem Nachempfinden oder kultureller Empfindsamkeit rechtfertigen und ihm mit dem Truppenabzug ein militärisch-politisches Feld der Reproduktion eröffnen wollen.
9.10.07 00:04


'Can't someone else do it?' - The Call for US in Burma

"Wo bleiben denn die USA in Burma jetzt?"

So oder ähnlich lauten die Kommentare unter einigen Diskussionen zu der unberechenbaren Lage in Burma. Man könnte denken, der aus Selbstverteidigung erwachsende Handlungsrahmen der USA in der postsozialistischen Welt sei auf Zustimmung gestoßen, die Anerkennung als "Weltpolizei" durch den autoritären Charakter vollzogen. Wer jedoch in dem Ruf nach US-amerikanischen Truppen für Burma tatsächlich eine rational artikulierte Forderung sieht, könnte den darin verdunkelten psychologischen Interessen nicht mehr auf den Leim gehen.

Mitnichten ist die in zynischem Unterton verfasste Forderung an Burma oder überhaupt an konkreten politischen Ereignissen interessiert. Vielmehr ist sie Ausdruck der Ambivalenz des Antiamerikanismus, der zwischen Neid und Abwertung, Bedrohungsängsten und Überlegenheitsdünkel oszilliert.

Nicht Anerkennung eines durch die USA im Irak vertretenen Interesses an Demokratie und Sicherheit ist ausschlaggebend für den Ruf nach US-Truppen in Burma, sondern das Verleugnen. Die Unerfüllbarkeit der an die - mit zwei militärischen Konflikten an ihre ökonomischen Grenzen stoßenden - USA gestellten Aufgabe ist so offenbar, dass sie auch diesen Leuten nicht vorgebetet werden muss. Die USA können maximal einen weiteren Krisenherd kurzfristig beherrschen, ohne in die totale Kriegsmobilisierung im zweiten Weltkrieg zurückzufallen - und als dieser droht ob des Appeasement der Europäer vorerst der Iran am akutesten.

Nicht einmal ein Eingeständnis, dass die von den USA maßgeblich finanzierten UNO eine wirkungslose Sakralinstitution ohne Befugnisse oder Kompetenzen ist, verbirgt sich in der Aussage. Dieses Eingeständnis würde wiederum eine ernsthafte Hinwendung an die USA als paternalistische Schutzmacht beinhalten. Das Postulat ist so nihilistisch wie widersprüchlich: Es hat einen einzigen Pol und der ist auf der anderen Seite der USA. Egal wohin diese sich bewegen werden, das "Argument" verschafft sich Zugang zur anderen Seite. Ob nun der Welthunger, der Terror im Irak, der Klimawandel, der ökologische Raubbau - all das wird man den USA stets dort entgegenhalten, wo sie in den Interessen anderer ihr Eigeninteresse wahrnehmen oder aus purem Altruismus sich emanzipatorisch betätigen.

Das scheinbare Aufzeigen von existenten Widersprüchen auf Seiten der USA hat außer der Häme und Bosheit keinen Antrieb, es bedient sich des Widerspruchs um ihn instrumentell zu nutzen, nicht in der Vorsorge auf seine Aufhebung - diese wird phantasmagorisch durch den Angriff aufs Feindbild geleistet. Den Hunger wähnt man für erledigt, sobald man die USA dafür verantwortlich gemacht hat, den Terror im Irak braucht man nicht mehr zu fürchten, wenn der Abzug der USA seine Auflösung zeitigen soll, Burma kann man nach der Attacke gegen die USA ihrer Fürsorge anheim fallen lassen - natürlich nur um das als Beispiel für ein angebliches Bestrebens der USA nach der Rolle des Weltpolizisten zu inkriminieren.

Negative Kritik kann das nicht heißen - das würde beinhalten, sich über das Objekt der Kritik wenigstens halbwegs im Klaren zu sein. Klar ist, dass merkwürdigerweise niemand von Großbritannien, Deutschland, Japan oder Frankreich ein Eingreifen fordert, China und Russland sind ohnehin völlig numinose Mächte, die amorph dem antiimperialistischen Bedürfnis nach Appelation entrückt sind. Die USA müssen herhalten: Als unbezahlter Garbageman, dem man seinen Dienst noch nachträgt.


7.10.07 19:48


Burma - ein neuer Tag

Heute waren laut dvb die Proteste verhaltener und unorganisierter, die Reaktionen des Militärs etwas weniger brutal. Möglicherweise hat Chinas Aufruf zur Mäßigung dazu beigetragen. Auf dem Land schützen dagegen Bürgerwehren aller Religionen buddhistische Klöster mit Alarmketten, Steinschleudern und Knüppeln erfolgreich gegen Razzien. Erstmals partizipierten auch die buddhistischen Nonnen an den Protesten. Die US-Regierung verurteilte erneut das Regime, das Ergebnis der UN-Dringlichkeitssitzung steht wohl noch aus. Gestern informierte CNN mit ausführlichen Interviews von bekannten Bloggern aus Burma.

Grundlegendes siehe hier und hier.

28.9.07 15:43


Al-Qaida in der Defensive

Wie Al-Qaida im Irak an der Endogamie der Stämme ihre Heiratspolitik, an der ökonomischen Vernunft der Menschen ihren Terror scheitern sieht, Tomaten und Gurken auf Märkten wieder nebeneinander verkauft werden dürfen und die amerikanischen Offiziere mit Militärethnologie und Antiguerillataktiken den Krieg in der Provinz Anbar und Dyala gewinnen schildert ausführlich dieser Artikel der Weltwoche.
28.9.07 10:47


Stop this regime! Free Burma now!

Das Militär in Rangun (Burma) geht aktuell mit Waffengewalt und Massenverhaftungen gegen die friedlichen Demonstranten vor. Inwiefern das die aufkeimende Revolte, an der zuletzt 100 000 Menschen teilnahmen, noch einschüchtern kann ist fraglich. Auf einigen Videos bewaffnen sich jedoch selbst Mönche mit langen Knüppeln. Alle, die an Protesten teilgenommen haben, wissen, dass sobald sich die maulfaule Weltöffentlichkeit abwendet, erst recht Massaker und Morde stattfinden werden. Jetzt nachzulassen würde das Erreichte - internationales Interesse und die Erfahrung des organisierten Widerstandes - konterkarieren. Für das Regime steht alles auf dem Spiel, somit ist das schlimmste zu befürchten. Inwieweit das Regime auf nennenswerte Unterstützung in der 55 Millionen zählenden Bevölkerung bauen kann, ist mir nicht ersichtlich.

Wie burmanesische Blogger (Ko Htike und Nyein Chan Yar) berichten, wird den buddhistischen Mönchen - treibende Kraft hinter den Revolten - aktuell unterstellt, eine Moschee angegriffen zu haben, was sie selbst als absurd beizeichnen. Die Junta hat zum einen einige Mönche gekauft, nachdem die Klöster ihr den spirituellen Segen verweigern, und verfolgt ferner die Minderheiten der Christen und Moslems. 3000 Dörfer wurden in den letzten 10 Jahren im Osten des Landes zerstört, was sich der Film "John Rambo" als Schauplatz nimmt. Alle Stimmen rufen nach Solidaritätsbekundungen aus dem Ausland. Die UN-Vollversammlung konnte zuletzt wegen des allfälligen Vetos Chinas und Russlands keinen klaren Beschluss fassen.

Das burmanesische Regime hat sich lange völlig isoliert und brutal das unter der Kolonialverwaltung ungemein prosperierende Land in den Ruin gestürzt. Nachdem das Land 1948 unabhängig wurde, hatte eine sozialistische Junta sich 1962 an die Macht geputscht und seither 2 größere Aufstände blutig niedergeschlagen: 1974 und 1988 mit 3000 Toten. 1990 wurden Wahlen annulliert, die Gewinnerin Aung San Suu Kyi steht seitdem unter Hausarrest. Laut Touristenberichten werden mitunter ganze Dörfer zur Zwangsarbeit eingezogen. Mit den meisten ethnischen Guerillas herrscht Waffenstillstand, in den Nachbarländern existieren starke, feministische Exilbewegungen. Die straffe Zensur lässt kaum objektive Nachrichten zu. Ein hervorragende Quelle ist das Irrawaddy News Magazine.

27.9.07 14:39


§166 abschaffen!

§ 166 StGB:

„(1) Wer öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) den Inhalt des religiösen oder weltanschaulichen Bekenntnisses anderer in einer Weise beschimpft, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Ebenso wird bestraft, wer öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) eine im Inland bestehende Kirche oder andere Religionsgesellschaft oder Weltanschauungsvereinigung, ihre Einrichtungen oder Gebräuche in einer Weise beschimpft, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören.“

Aus den Reihen der CSU kommt wieder einmal der markige Vorschlag, den widerwärtigen und undemokratischen Paragraphen 116 zu verschärfen und fortan auch alles, was nach Verspottung der Kirche riecht, mit 3 Jahren Knast zu bestrafen. Als wäre der Paragraph nicht ohnehin ein abzuschaffendes totalitäres Monstrum, undefiniert wie ein faschistischer Willkürerlass, will man in den Reihen der Möchtegernfundamentalisten von der Radikalität der Islamisten etwas abschöpfen und zurück in feudale Verhältnisse, ohne gleich wie diese die Propaganda der Tat bemühen zu müssen.

Wo man in Dörfern wie in Städten freie Individuen mit Glockengeläut um 6.00 morgens an die fortwesende Gewalt des irrsinnigen Kollektivs gemahnt wird, das Nachtschichtarbeiter wie Langschläfer aus Überzeugung als parasitärer Pöbel, der Rücksicht nicht wert, aus dieser Gemeinschaft aussondert, man also Ruhestörung des öffentlichen Friedens in Prozessionen und ohrenbetäubendem Gebimmel tagauf, nachtein kultiviert, Folterszenen in blutigen Geißelikonen Kindern auf Sandsteinstelen, Fresken und Wegkreuzen entgegengrellen, soll also eben diese Störung des öffentlichen Friedens, die das Christentum wie der Islam von je kultivieren, noch vor Kritik gesetzlich beschirmt werden und Gotteslästerung nicht mehr nur mit Vergewaltigung auf eine rechtliche Stufe gestellt, sondern nach geheimsten Wünschen der CSU wohl demnächst mit Straflager vergolten werden.

In dem Gewahrwerden des offen aufklaffenden Widerspruchs zwischen Realitätsprinzip und degenerierter Religion unter der Persistenz der Warenfetischs auf Identität, rufen die, die diesen Widerspruch nicht ertragen können, nach staatlicher Verordnung gegen Kritik, deren Recht sie in aller Abwehr als berechtigte fürchten gelernt haben. Hätten sie Erfolg, würde in Klassenzimmern wieder ein auf Balken getackerter Leichnam den Kindern ihre schlimmsten Ängste steigern, könnten die in bayrischen wie in polnischen Dörfern munter weiterlebende Hexenjägerei und Judenhass Seit’ an Seit’ mit den islamischen Hetzern, denen man noch jede Gotteslästerei nachsah, sich zur Kultur einrichten, würden blutige Rituale wie das Nachnageln an Ostern, das bislang nur auf fernen Inseln als Passionsspiel überlebte, neben den schiitischen Selbstverstümmelungsprozessionen, anthroposophischen Erdanbetungsritualen und mönchischer Homophobie auf den unterjochten Straßen wandeln.

Es ist den Christen ins Gesicht zu schreien, dass der öffentliche Friede ihre ureigenste Perversion birgt und stets den Scheiterhaufen meint. Dass sie es denen, von denen sie noch die wertvollsten und philosophisch zu nennenden Teile ihrer Glaubensinhalte bezogen, mit Pogromen und Autodafes dankten. Solange noch eine Ideologie das Recht auf Schutz vor Kritik beansprucht, ist sie selbst zu ihren eigenen Gunsten als nicht reformierbar auf den Müllhaufen der Geschichte zu werfen.

„Schade, dass Gott nicht mehr am Leben ist, um das zu sehen.“ (Homer Simpson)

10.9.07 20:07


Documenta: Das gabs schon mal bei den Simpsons!

Die documenta liest sich als prunkloses, liebloses, Agitpropverliebtes, drittklassiges Sammelsurium aus Spam, politischem Flugblatt und wenigen irrlichternden Qualitäten. Diesen habhaft zu werden fällt schwer. Wo Abstraktes faszinieren könnte, ist es umhängt von schlechtem Licht, dicken Jalousien und kontextfreiem Gepräge. Marktschreierisch drängt sich Information an den Besucher heran, wo sie nicht nötig wäre, prangen ellenlange Texte, die man allenfalls in einem schlechten Seminar ertragen könnte, wird Subjektives im Allgemeinen aufgelöst.
 
An anderer Stelle bettelt man schon um Jahreszahl und Herkunftsort des Kunstwerks. In der dicken Suppe von Raritätenkabinett, Allerweltskunst und Mottenkiste geht noch jede Qualität im Einzelwerk unter. Isolierter Betrachtung, der Hoffnung, mit dem Genuß eines Werkes das Versprechen auf mehr Genuß bei anderen zu kommen, versagt der drängende Puls des investierten Preises. Vom Rosa hechtet sichs ins Grün der Wände und ins regressive Dunkel. Ob der Besucher bei dem Licht noch die filigranen Schriften auf den zu massenhaft gehängten Bildern lesen kann, ob er dem Text noch etwas abgewinnen will, das interessiert nicht mehr. Die Documenta ist auf Führung ausgelegt:
Das Begrifferaten im erfahrungsfreien Raum spielt Ätschebätsch mit denen, die auf eigne Faust erschließen wollen. Autorität als Leitprinzip. Wandtexte mal ja, mal nein, und wo sie nicht erscheinen, Ratlosigkeit. Ästhetischer Reiz aus der Retorte.
 
Mancher Künstler hätte besser sein Buch geschrieben, der Symbolismus anderer Werke ätzt sich noch dem Ungebildesten an. Fritierte Panzer, klarer Fall, ein toller Gag. Korkgeschnitzte Reliefe, auch ein nettes Novum. Etwas Malewitsch an Kuchen, keine Frage, tolles Ding. Wenn Kunst gesellschaftliche Antithesis zur Gesellschaft sei, nicht unmittelbar aus dieser zu deduzieren (Adorno 1970:19) was war dann hier die These? Postmodernes Gazpacho mit Bröckchen.
 
Anstatt die Subalternen sprechen zu lassen, heißt es doch schon wieder „die“ und „they“. Schaut die armen Menschen dort im löchrigen Boot. Wie gut „WIR“ es doch haben, iss auf und sei dankbar. Oder: Biopiracy, mein Gott wie böse! Setzt noch stets US vor den Konzern, damit die Klage wirkt. Der „Krieg gegen die Juden“, wenigstens ein Fünkchen Ehrlichkeit an Fotos von Mercedes Benz zwischen Gasbetonbauten, die man Flüchtlingslager nennt. Die zu Israelflaggen starrende Giraffe, kahl an Stellen, hat sie Hunger oder ist sie schlichtweg dumm?
Rassismus, schlimm, jaja. Auch AIDS hat man nicht gern, um das zu wissen, braucht es scheinbar Kunst. Krieg, den soll man nicht gut finden, hat uns die documenta just erzählt. Verdinglichte Binsenweisheiten, gewürzt von etwas Kunsthandwerk. Information und Prinzipienvermittlung, wo gezielte Desorganisation angebracht wäre. Und alles mit der Ausflucht der Doppeldeutigkeit, die Deutigkeit zumindest noch verspricht. Falls was schief geht, war es Provokation, ein Denkanstoß, die Fühlbarmachung des nicht Habhaften von Sinn und Identität. Die Frechheit dem Betrachter gegenüber wird sich so zur Gesellschaftskritik umgelogen. Einstürzende Bauten und dürrende Reisfelder zur Kreativität umgemünzt, wie das Kleinkind Destruktion und Kreativität nicht trennen kann. In allem lauert Nichtidentisches, gezückt zur Identität falls ebendie versagte. Hans Stadens „wahrhafftige Historia von den nacketen Menschenfresserleut…“ per Video auf eine inszenierte multikulti-Party mit Kunstpuppen zu projizieren: Ebenso primitiv rassistisch zu werten wie als primitive Rassismuskritik.
Dito das Pädophilenvideo, in dem Kindern Cumshots gleich ein Löffel Joghurt ins lachende Gesicht geschleudert wird. Die einen nehmens lüstern mit der Handy-Kamera auf, den Anderen ists verstörend, gar Kritik am Porn. Überhaupt: Wo man vor sinnfreien Videos noch nach Sinn glotzt, hat kein Bild seinen Raum und Ruhe, stets lauert im Winkel schon das nächste. Versöhnung von Lustprinzip und Realitätsprinzip obhagt hier nicht. Es tritt allein Lustprinzip gegen Lustprinzip an, Regressionsbedürfnis gegen Schaulust. Wo Kant Kunst dem Begehren des Banausen, sie abzuschmecken und abzutasten, entreißen wollte, liefert die documenta dem Kunden die erwartete Verwirrung, den verlangten kleinen Aufruhr, die konformistische Revolte, das Gefühl des Gebildetseins, das befriedigend unverstandene Abstrakte.
 
Um den Gegenstand zu wissen, schlicht im Führungslauf Erlerntes anzuwenden, ist noch keine Abstraktion. Abstraktion bindet an nicht habhaft zu werdender Erfahrung an, erwartet die Erfahrung der Abstraktion ebenso wie die Fähigkeit dazu. Wenn Benjamin die Worte als Segel im Wind der Geschichte malt, und die Art und Weise sie zu setzen als Begriff, so ist die documenta ein affirmatives Geisterschiff in der Flaute, eine redundante Wiederholung von Geschichtslosem, hohler Abstraktion des Immergleichen. Reife Kunst sah einmal anders aus. Die infantile Wiederkehr des Totemismus macht sich auch am Totem Kunst zurecht, Triangulierung zwischen Affirmation und Empörung ersetzt Reflexion. Die inoffizielle Parole: Weitergehen! Hier gibt es nichts zu sehen!
Dann schon lieber Schirn, MMK, und möglichst bald Paul Klee in Bern.  
 
10.9.07 18:15


Gegen den Irakkrieg

Von Zeit zu Zeit sollte man seine Überzeugungen und Erkenntnisse einer Inventur unterziehen. Der Abzug der britischen Truppen aus Basra ist dazu ein willkommener Anlass.

Als die Truppen der "Koalition der Entschlossenen" den Irak binnen Wochen stürmten, Saddams Truppen sich reihenweise ergaben und Saddam in einem Erdloch steckte, war auf der Seite der schiitischen Iraker und Kurden Jubel groß: Saddam Statuen wurden johlend durch die Stadt geschleift, Bush als "Man of Peace" gefeiert. Die durch jahrzehntelange Korruption und Faschisierung geschleifte Zivilgesellschaft regte sich zaghaft in der Einrichtung von Radiostationen, Zeitungen und Fernsehsender.

Auf der anderen Seite herrschte Empörung. Old Europe weinte einem guten Kunden nach, der mit Ölmilliarden Giftgas und Waffentechnologie aufkaufte. Die Linke, von Kosovokriegs-Euphorie getränkt und noch im Banne der Trauer um die Sowjetunion als vermeintliches Korrektiv zur verhassten Gegenmacht USA brüllte vor Empörung: Erneut wurde in der Geschichte ein faschistisches Regime durch die USA und ihre Verbündeten gestürzt und der Linken damit die Unzulänglichkeit ihrer beschränkten Konzepte vor Augen geführt. Das Hauptargument gegen den Krieg war freilich nicht der Terror, der damals noch nicht abzusehen war, sondern vielmehr Rechtsverletzungen ("völkerrechtswidrig"] und Hegemoniebestrebungen ("Ölkrieg", "Imperialismus"]. Man trauerte um Saddam, den guten Onkel, dessen Krankenhäuser doch so vorbildlich waren, fürchtete den Einfluss der USA.

Heute herrscht zumindest auf einer Seite Reflexion: Fehler werden zugegeben, andere Strategien vorgeschlagen, der Situation entsprochen. Die andere Seite dagegen hat an Geschichtsbewusstsein nichts gewonnen, die Argumente wurden allenfalls modifiziert, nunmehr geht es gegen die kulturologische Dominanz der USA, wird mangelnder Aufbauwille kritisiert und überhaupt habe man das vermeintliche Versagen vorausgesagt.

An dieser Stelle ist nach dem Ziel von Kritik zu fragen: Die friedensbewegte Linke ist komplett zu vergessen, sie ist hirnlos, maliziös, projektiv, ungebildet und kann darauf nicht einmal reflektieren. Sie kann kein Moment der Kritik sein, weil sie gegen diese immun ist, nichts, aber auch gar nichts an Diskussionswillen ist bei ihr zu bemerken. Die Linke ist faschistoid, unterstützt faschistische Diktaruren und islamistische Guerillas, und hat als Hauptantriebsfeder den Antisemitismus, den sie Antizionismus nennt. Es gibt nichts mehr, was sie von den gewöhnlichen Nazis unterscheidet, es sei denn die öffentliche Akzeptanz als anerkannte Meinung. Linke zünden keine Asyle an, sondern spenden "10 Euro für den Widerstand im Irak" oder blockieren Militärbasen der antifaschistischen Allianz.

Kritik wäre an den Stellen anzusetzen, an denen der öffentliche Druck der Linken in eine Praxis umschlägt, die einen äußerst blutigen Bürgerkrieg entfacht hat und weiter verschärft. Das ist im Abzug der britischen Truppen und der damit einhergehenden eitlen Kritik an den USA als "intellectually bankrupt" gegeben. Das ist ebenso im US-amerikanischen Kongress der Fall, wo die Demokraten hirnrissige Forderungen aufstellen und schlimmstenfalls damit sogar die Wahlen gewinnen. Hier hat der Populismus, der Krieg schlimm und Frieden gut findet, Einzug erhalten. Lieber spricht man tausend Lügen, als einem Mächtigen, den man ersetzen will, Recht zu geben.

Das einzige Ergebnis, das aus der derzeitigen Situation abgeleitet werden kann, ist MEHR Soldaten in den Irak zu schicken, die Milizen zur Kooperation zu zwingen, bis sie sich an demokratische Gepflogenheiten gewöhnt haben oder sie nötigenfalls aufzureiben. Der Irak ist nicht Vietnam. Es gibt keine Sowjetunion mehr, die noch jede rot angemalte Guerilla mit Tanks, kubanischen Hilfstruppen und Luftwaffe unterstützen würde. Dafür gibt es eine gewaltige kriegsmüde Flüchtlingsbewegung im Ausland, auf die gebaut werden könnte, sobald die Lage sich stabilisiert hat. Das erfolgt nicht aus der Aufgabe der Einflussbereiche, sondern durch Verstärkung der Truppen und kluges militärisches und politisches Agieren. Jedes Zugeständnis an die Milizen fördert deren Kampfeswillen und erregt die Wut der Bevölkerungsteile, die den anschließenden Säuberungsaktionen und dem grotesken Alltagsterror ausgesetzt ist.

Die einzige politische Partei, die solchermaßen ernsthaft zu diskutierende Strategien aufzeigt, sind die Republikaner in den USA und einige wenige Elemente im internationalen Rahmen. Allein sie sprechen im, dem Kitsch der Linken zuwiderlaufenden, Realismus aus, dass zum Frieden im Irak der Krieg gegen die Amok laufenden Terroristen gehört. Und so wenig man die Republikanern ob ihrer spießbürgerlichen und religiösen Attitüden unterstützen kann, so sehr muss man fairerweise bemerken, dass es der Linken und den Demokraten an ähnlichen spießbürgerlichen Elementen nicht mangelt. Bush hat mit der eisernen, vernünftigen Irakpolitik die Wiederwahl seiner Partei gefährdet. Seine Argumente sind durchwegs humanistische: Freiheit und Frieden im Irak um Freiheit und Frieden in Amerika zu garantieren. Ein solches Risiko macht ihn und seine Crew, allen voran Condoleeza Rice, zum integresten Politiker dieser Zeit. Die Mängel entsprechen den Mängeln anderer Parteien. Diesen hat er den Realismus voraus, der nötig ist, um Frieden in der derzeitigen Weltordnung durchzusetzen.

Nach Beobachtung und Prüfung aller Argumente unterstütze ich wie gewohnt und bekannt George W. Bush im "War on Terror". Das steht nicht im Widerspruch zu einer kommunistischen Grundhaltung, sondern entspricht ihr, geht zuinnerst aus ihr hervor und widerspricht in keinster Weise einer der aufklärerischen Theorien. Der ob des Terrors frohlockenden Häme der vorgeblichen Kriegsgegner gegenüber kann das nicht oft genug betont werden. Diese besteht auf den illusionären sauberen Krieg und fordert gleichzeitig mit dem Truppenabzug einen faulen Scheinfrieden ein, der in Wahrheit einer der blutigsten Bürgerkriege dieser Zeit sein würde, an dessen Ende ein geteilter Irak mit mindestens zwei wahnsinnigen islamistischen Diktatoren und ein von allen Seiten bedrängtes Kurdistan stehen würde.

Zu hoffen bleibt, dass die kriegslüsternen Terroristen sich abschleifen, dass die Bevölkerung im Stande der Unfreiheit sich eines Besseren besinnt und dass die moralische, intellektuelle und finanzielle Unterstützung für die Terroristen aus den Reihen der europäischen Friedensbewegungen einen stets offensiven Gegenpart erhält in offener Unterstützung des Projekts "Enduring Freedom".

"Ohne Rancune läßt er all denen, hüben und drüben, ihre Freude, die verkünden werden, sie hätten es immer gesagt, und nun sei der Autor geständig." (Theodor W. Adorno, 1966)


4.9.07 11:43


Jargonzo – das neue Genre der politischen Literatur

In Kooperation von Bad Blog und Nichtidentisches soll in den nächsten Tagen und Wochen der nicht mehr ganz neue Reader „AS-ISM_2“ des Antisexismus-Bündnisses-Berlin dem Spaltpilz der Kritik ausgesetzt werden. Dazu gibt es individuelle Beiträge zu verschiedenen Elementen des Readers. Jeder Beitrag steht für sich, eine blogübergreifende redaktionelle Bearbeitung fand nicht statt. Wir hofften dadurch, der Emanzipation eine Bresche zu schlagen, die Eindimensionalität ihrer Gegner und falschen Verfechter bloßzustellen, und letztlich uns selbst gegen Zumutungen zur Wehr zu setzen, die uns im Namen der Dekonstruktion aufgenötigt werden.
Contributions so far: The Others und Die Edlen und die Verbrecher von Bad Blog und Intransingente Galanterie sowie Jargonzo - das neue Genre der politischen Literatur von Nichtidentisches.

-----------------------------------------------------------------------------------

Jargonzo - Das neue Genre der politischen Literatur...

Die gedankenfreie Rede ist zur Conditio sine qua non der politischen Debatte geworden. Bezüge auf Theoretiker oder Quellen sucht man ebenso vergebens wie den Willen zur Diskussion. Das Auskotzen über jegliche erlittene Ungerechtigkeit lustwandelt auf dem ADF munter vor sich hin. Hier folgt eine vorläufige Analyse von Scheinargumenten, wie sie vermutlich jeder in dieser Debatte Intervenierende kennt und fürchtet.

Eine Mrs. Jump antwortete auf meinen Hinweis zum derzeitigen Projekt einer umfassenden Kritik des AS.ISM_2-Readers :

ein dreifach donnerndes halleluja auf den rechtsstaat!
ist es nicht herrlich, nach erlittener vergewaltigung sich von einem spezialisierten, sensiblen vertreter der ärztlichen zunft seine intimsten körperregionen begutachten zu lassen, vor völlig unbekannten menschen im rahmen eines verhörs die vermutlich (mit) schlimmsten minuten seines lebens detailliert nachzuzeichnen und zur abrundung eines aufregenden tages vielleicht noch einmal dem täter höchstpersönlich im gerichtssaal ins auge zu schauen? die zwei, drei skandalurteile pro jahr sind unbedeutende marginalien gegen ein solches spektakel.

p.s.
dass mehr als die hälfte der vergewaltigungen in der familie bzw. im näheren bekanntenkreis sich vollziehen, was die theoretische option der anzeige noch mehr erschwert, wird natürlich nicht erwähnt - vermutlich weil nichtidentisches davon ebensowenig wusste wie er ahnung vom gegenstand überhaupt hat

Mrs. Jump schlägt also vor, Opfer von einer Hinwendung an herkömmliche Institutionen der Medizin und Gerichtsbarkeit durch das Ausmalen von den dort anscheinend üblichen perfiden Grausamkeiten abzuhalten. Das Opfer soll sich stattdessen einer klatschwütigen Linken anvertrauen, in Szenebars und feministischen Frauenmagazinen sein Schicksal zur Schau stellen und von einer Strafverfolgung absehen. Aufs Spektakel haben es jene abgesehen, die keiner Schweigepflicht unterliegen, vielmehr dem Drang, dem abgedichteten Weltbild einmal ein Element der Realität anzuschweißen und es dafür auszubeuten.

Die Abspaltung ist offensichtlich: Die moderne Medizin wird als phallokratisch-lüstern inspizierende dämonisiert, der Frauenarzt (Gynäkologinnen gibt es bei Mrs. Jump nicht) wird zum Oberfiesling, die Gerichtsverhandlung zur Inquisition. Das verallgemeindernde Bild von „der ärztlichen Zunft“, deren stereotype Vertreter also jeweils füreinander stehen und austauschbar sind, ist von der klassischen Aggression auf die Macht der Heilung gezeichnet und sieht vom Prinzip her den antisemitischen Reden wider die jüdische Ärzteschaft gleich.

Was man im freundschaftlich-linken Kreis (wir sind ja alle eine Gemeinschaft), also im Dorfklatsch und in Zirkularen wie Emma, Xanthippe, etc. detailliert nachzeichnet, wird der Justiz untergeschoben, die eben jenes aus dem rationalen Interesse des Gewaltmonopols heraus exekutiert und nicht aus subjektiven Motiven der Agitation oder der Einfühlung in das Opfer.

„Wurscht“ hat ebenso wenig Argumente und greift zu simplen Verbalinjurien, nicht der schlechteste Weg der deutschen Ideologie:

Intellektuell waren Sie schon immer eine zwielichtige Gestalt, manchmal schrullig, oft einfach ein Schwafler und, wenn Sie denn mal Dinge beim Namen nennen mussten, hin und wieder auch ganz okay. Die Kooperation mit diesen inhaltlichen Flachpfeifen des B-Blog hingegen, senkt den Wert Ihrer Curriculum Vitae ernorm. Vielleicht liegen Sie mit denen in puncto Sexismus ja auf einer Linie: deutsch-patriarchal. Und dass Sie sich dieses negative Aushängeschild ganz bewusst um den Hals legen, zeigt, dass man mit dem Meiden Ihres Blogs bisher richtig lag und bis auf weiteres wohl auch richtig liegt.

Die „zwielichtige Gestalt“ des Intellektuellen, dessen Meinung man nie habhaft werden kann, entfleucht dem traditionellen Repertoire des Antiintellektualismus. Wo Dialektik die Widersprüche nicht in einer Synthese vereinen kann, will das simple Geschöpf Identität, es will eine eindeutige Meinung, die es nachbeten kann. Der Hass auf die Verhältnisse heftet sich an das, was an den Widerspruch noch erinnert, an Uneindeutiges, das sich noch nicht einem Ticket verpflichtete.

Acces denied, sonst gerne auch mal ein Kritiker der deutschen Ideologie, verschwendet kein Wort zuviel:

ich spar mir den rest vom text, das ist ja nicht auszuhaltener blödsinn, nur krude uminterpretationen, relativierungen und haltlose unterstellungen ohne den geringsten beleg.
und der text vom wertmüller aus dem quellenverzeichnis ist das gleiche scheiss-niveau.

Positivismus einfordern und dann noch nicht mal selbst ein Faktum, ein Argument oder eine einfache inhärente Widerlegung abzuliefern verweist auf die tiefen Seelenqualen, die das Nachdenken über einen Gegenstand auslöst und die es in analen Reaktionen von sich wegstößt als „Scheiss-Niveau“. Der Geist muss sich nicht mit Ausscheidungen befassen, hat er sie doch schon lange abgewertet. Was er als identisch mit dem einst abgelehnten Geschenk Kotstange setzt, kann er durch Identifizierung mit der Muttergestalt Linke fürderhin bequem vermeiden. Ekel ersetzt Reflexion.

Ginge es um einen neutralen Gegenstand wie den Tschetschenienkrieg wüsste jeder der hier zitierten Geistesathlethen stolz auf ein Buch zu verweisen oder zumindest ein paar Fakten aus der Wikipedia vorzutragen. Über dieses Thema jedoch will man nicht gegen die Masse denken, weil man in Kenntnis des eigenen Aggressionspotentials genau weiß, was man von dieser zu befürchten hat.

Libido versucht sich in Dialektik:

nunja, ich halte die definitionsmachtdebatte ja für ziemlichen schund und der berliner reader scheint mir da lediglich ein weiteres exemplar des recht dubiosen versuchs, "definitionsmacht" als politisches - will heißen: nach vernünftigen kriterien ungeprüftes - dogma zu etablieren, aber beeindruckend ist nicht weniger, mit welcher regelmäßigkeit sich ihre kritiker zur absolut perfiden annahme hinreißen lassen, es würde auch bloß gelegentlich vorkommen, dass menschen sich dadurch persönlichen machtgewinn versprechen, dass sie andere als vergewaltiger denunzieren. noch ein bisschen perfider ist es dann wohl, dass sie vergewaltigungsopfern eher den gynäkologen auf den hals hetzen wollen als ihnen glauben zu schenken.

Wie bei Mrs. Jump hat Libido die Institution Gynäkologie vermännlicht und zum „hetzenden“ Bluthund stilisiert. Gerade also die Fachrichtung der Medizin, die unsere Geschlechtskrankheiten vom Herpes über Papilloma bis hin zu Lues behandelt, die Tag für Tag die Peinlichkeiten erträgt und überwindet, für die zur Routine wurde, was andere „schamzerpört“ mit sich herumtragen, um mit August Stramm zu sprechen, gerade diese Medizin der Aufklärung wird nun abgewertet. Warum? Weil ihr zur Pflicht wurde, was andere sich versagen müssen: der Blick auf und ins Geschlecht. Die Aggression auf die Gynäkologie (die demnächst mehrheitlich weiblich besetzt sein wird) entspricht dem Niveau des sexistischen Gynäkologenwitzes. Sie ist primär dazu gedacht, das Opfer von professioneller Hilfe zu entfernen und in die eigenen Arme zu schließen. Die Hilflosigkeit des Opfers reizt zum Lustgewinn bei der Tröstung und der versprochenen Rache in rettender Rüstung.

Definitionsmacht ist ein Betrug am Opfer. Es soll darüber im Dunkeln gehalten werden, was man weiter mit ihm vorhat, und in plastischen Farben malt man ihm die schrecklichen Folgen eines Abfalls vom prädestinierten Subjekt des Vertrauens aus. Was die Emanzipation durchsetzt, das abstrakte Recht, vor dem jeder ohne Ansehen des Geschlechtes gleich ist, soll nun ersetzt werden durch präjudizierte Wahrscheinlichkeitsrechnungen und die beschränkte Vorstellungskraft von allgemein menschlicher Perfidie.

Weil Definitionsmachtsgeschwafel die Institutionen für nicht reformierbar hält, spricht es eben jenen Anstrengungen Hohn, die Reformierung versuchten und erreichten: Mit der Durchsetzung der Gleichberechtigung bei der Kontoführung, mit der Gleichberechtigung am Arbeitsplatz, mit der Skandalisierung von machistischen Urteilen etc.
Das Geschwätz will einen Fortschritt nicht kennen, weil es Regression zum Ziel hat und die Waffe der Kritik schon lange durch das Gummischwert der Dekonstruktion ersetzt hat.

20.8.07 21:56


ES WIRD KEINE SLIME-REUNION GEBEN

Slime war die beste und intelligenteste Deutschpunk-Band. Soviel war als 14-Jähriger ohnehin klar, man musste deshalb mindestens die "Schweineherbst", die "Compilation" und die "Viva la muerte" kaufen und zu gnadenlos guten Akkordfolgen (mehr als 3!) mit dem zugedröhnten Kopf wackeln, der nicht hinter die Poesie der Texte kommen wollte. Diese erste überhaupt in Deutschland indizierte Punkband war einfach nochmal um Längen schneller, heftiger und wütender als das Ton-Steine-Scherben Hippie-Geschmachte mit Triangel und Xylophon.

Einigen war das nicht genug, man wollte Heilige, die sich von Mana ernährten: Aufgrund der steigenden Popularität und des kommerziellen Labels tauchten erste "Ausverkaufs-" und "Verrats"vorwürfe in der linken Szene auf; nunmehr prügelten sich nicht nur Publikum und Polizei, sondern in Hannover und München auch Publikum und Band.

Weniger ein Anlass zu Prügeleien war der Antiamerikanismus der Band:

Slime I (1981) [Originalwerbung von www.slime.de]

Legendäres Debut: Alle Hits der ersten Stunde - von "Bullenschweine", "A.C.A.B." zu "Deutschland muß sterben" - als CD komplettiert mit "Polizei SA/SS". DER Soundtrack zur Straßenschlacht.

Darin der Titelsong:

Yankees raus
SLIME 1982 - Text & Musik von Stephan Mahler / Elf (Michael Mayer-Poes)

Tausende von Menschen
Maenner, Frauen und Kinder
Zerfetzt von Napalm in Vietnam
Tausende von Menschen
Rote und Schwarze
Gejagt und getoetet vom Ku-Klux-Klan
USA - Das Blut fliesst durch sie jeden Tag
USA - Das Blut fliesst durch sie seit dem Tag
Seit dem es sie gibt
Yankees raus, Yankees raus
Wir sind Millionen und wir schreien es raus
Yankees raus, Yankees raus
Wir sind Millionen und wir schreien es raus
Amis raus
Imperialisten, Kriegsriskierer
Friedenswille stoesst Euch vom Thron
Zu viel Schrecken droht dem Verlierer
Eure Gegner stellen eine Nation
Ref.
Ghettos in Frisco, Slums in L.A.
Das ist der American Way
Im Land der Freiheit sind alle gleich
So gleich wie damals im dritten Reich
Ref.

Der Song "Yankees Raus" war nicht etwa eine peinliche Begebenheit, sondern trug die Band, wurde auf der "Compilation" als einziger Song gleich zweimal aufgenommen, und eroberte 2003 auf einem attac-Sampler neues Terrain.

Der Song wurde von Rubberslime für den Sampler mit einem anderen Text als dem des Originals von 1982 neu aufgenommen. Besonders die Textzeile "Weltpolizei SA - SS" erregte die Gemüter einiger Attac-Mitglieder, da sie nach ihrer Meinung die Verbrechen der NS-Zeit verharmlost und zugleich die USA auf eine Stufe mit der SA, bzw. der SS stellt. (Wikipedia )

Der neue Song von 2003:

Yankees raus
RUBBERSLIME 2003 - aktualisierter Text von Elf

In Hiroshima fing alles an
Die letzten Schranken fielen in Vietnam
Ein Albtraum "Made in America"
Das 4. Reich ist schon lange da

Ref. U S A - Das Blut fließt durch sie jeden Tag
U S A - Das Blut fließt durch sie seit dem Tag
Seit dem es sie gibt

Yankees raus, Yankees raus
Wir sind Millionen und wir schreien es raus
Yankees raus, Yankees raus
Wir sind Millionen und wir schreien es raus
Amis raus!

Imperialisten, Kriegsriskierer
Weltpolizei SA - SS
Am Ende seid ihr die Verlierer
Machthunger wird für euch zur Pest

U S A - Blut fließt durch sie jeden Tag
U S A - Blut fließt durch sie seit dem Tag
Seit dem es sie gibt

Yankees raus, Yankees raus
Wir sind Millionen und wir schreien es raus
Yankees raus, Yankees raus
Wir sind Millionen und wir schreien es raus
Amis raus!

Solo

U S A - Das Blut fließt durch sie jeden Tag
U S A - Das Blut fließt durch sie seit dem Tag
Seit dem es sie gibt

Yankees raus, Yankees raus
Wir sind Millionen und wir schreien es raus
Yankees raus, Yankees raus
Wir sind Millionen und wir schreien es raus
Amis raus!

Krieg in Afghanistan, Krieg im Irak
Welches Land ist wohl als nächstes dran
Hey George double U, hör mal zu
Saddam ist auch nicht schlimmer als du

Refrain
Yankees raus!

In der attac-debatte um die Veröffentlichung des Sonds meint der interviewte Mit-Autor des Songs:

Erst einmal sind weder "Yankees" noch "Amis", Bezeichnungen für eine Rasse. Zweitens muss man in einem Songtext der nur drei Strophen und einen Refrain hat und außerdem aus dem Bereich PUNK kommt auch mit Provokation arbeiten. Man kann ja keinen weitschweifigen Diskurs über das Für und Wider der amerikanischen Außenpolitik in einem kurzen Punksong unterbringen. Das wäre auch total langweilig! [...] Der Song ist gegen Bush gerichtet und nicht gegen alle Amerikaner!!! Ich behaupte mal, Michael Moore [...] würde den Text auch OK finden.

"Total langweilig" ist das größte Feindbild des Punk, und damit wurde er total langweilig. Mit Michael Moore, dem Vorgartenblockwart der Deutschen in Amerika, macht man als Punk ebenso gern gemeinsame Sache wie mit Nazipropaganda oder Saddam Hussein. In anderen Bereichen ist man im Vergleich dazu doch merkwürdig reflektiert und zahm geworden:

Texte wie "Bullenschweine" würde ich aber in der Form wie vor 23 Jahren heute nicht mehr schreiben, das ist dann doch zu einfach und zu krass.

Eine andere anscheinend überhaupt nicht zu krasse Slime-Hymne des Antiamerikanismus ging neben "Yankees out" fast unter:

Großer Bruder

Sie sind wie Kannibalen
Sie fressen die Völker auf
Politik der Stärke
Der Mörder sitzt im Weißen Haus
Was ist mit El Salvador
Was mit Nicaragua

Was war denn auf Grenada
Jedenfalls schon lange da
Kurzgeschorene Söldner
Ziehen in die Schlacht
Im Namen der Freiheit
Werden Menschen umgebracht
Was ist mit El Salvador
Was mit Nicaragua
Was war denn auf Grenada
Jedenfalls schon lange da
Wir brauchen keinen großen Bruder
Der mordet und plündert und Kinder erschießt
Wir brauchen keinen großen Bruder
Der mordet und plündert und Menschen frißt
Sie brachten uns McDonald's
Cola und Pershing 2
Und wenn wir uns nicht wehren
Bringen sie uns Weltkrieg 3
Was ist mit El Salvador
Was mit Nicaragua

Was war denn auf Grenada
Das zweite Vietnam ist schon lange da
Wir brauchen keinen großen Bruder
Der mordet und plündert und Kinder erschießt
Wir brauchen keinen großen Bruder
Der mordet und plündert und Menschen frißt

Die USA als menschenfressender Kannibale, der sich an "den Völkern" vergeht, ist nur das allen bekannte antisemitisch/antiamerikanische Idiom. Cola und MacDonalds, im Prinzip die Freunde jedes gutgenährten Punks, sind Pershing 2 und Vietnam gleichgesellt, die Halluzination kennt nur Übel, die auf eine ödipale Vaterfigur reduziert werden: Den bluttrinkende Mörder im strahlend-weißen Haus. Ob der Song "Bruder" auf der "Viva la muerte" Bezug auf den Song "großer Bruder" nimmt, ist mir nicht klar.

Der Punk war bestrebt, alles einfacher zu machen, und schoß mit 3 Akkorden und Zwille auf komplexe Verhältnisse, von denen er dann am wenigsten Ahnung hatte, wenn er sich am meisten davon betroffen wähnte. Das Kapitalismusverständnis von Slime trägt bei "goldene türme" die Bereitschaft zum masochistischen Antiimperialismus:

Es ist sehr einfach, es liegt auf der Hand
Diese Menschen kommen hier in "unser Land"
Weil wir sie um das ihre betrogen
Es ihnen abgenommen und ausgesogen
Sie folgen ihrem gestohlenen Leben
Was uns reich gemacht
Und Überfluss gegeben
Es ist folgerichtig, es wird so sein

Goldene Türme wachsen nicht endlos
Sie stürzen ein

Wie denkst du dir die perfekte Welt?
Was denkst du, woher kommt das ganze Geld?
Ich kann mir nich vorstellen, dass es wirklich so ist
Dass du so dumm, unmenschlich und ohne Augen bist
Nicht zu sehen, der Rest der Welt krepiert
Weil nach wie vor die Herrenrasse regiert
Es ist folgerichtig, es wird so sein

Goldene Türme wachsen nicht endlos
Sie stürzen ein

Manchmal denk' ich, es wäre auch OK
Selbst wenn ich in dem Fall auch draufgeh'
Dass man nicht mehr anklopft, "dürfen wir?"
Sondern in Waffen reinstürzt durch die offene Tür
Mit wilden Augen sie von überall kommen
Und sich zurückholen, was wir ihnen genommen
Es ist folgerichtig, es wird so sein

Goldene Türme wachsen nicht endlos
Sie stürzen ein

Nur folgerichtig diente ein derartiger Text den Antisemiten nach dem 9/11 als Inspiration und Bestätigung.
Wut gegen allzu abstrakte Vorgänge entbirst dem, der gerade noch die Stromgitarre einzustecken vermag, und so gesellen sich in "Deutschland muß sterben, damit wir leben können" zu den AKW's die Computer:

Wo Raketen und Panzer den Frieden sichern,
AKW´s und Computer das Leben verbessern,
bewaffnete Roboter überall

Das passt in eine Zeit, in der Georg Danzer beispielsweise noch mit luddistischen Songs wie "Zerschlagt die Computer" in den linken Charts landete.
Überhaupt nicht verwunderlich bei derartig eifernem Konservativismus ist daher eine Sexualmoral, die Punks merkwürdig doppelmoralisch zu Gesicht steht:

Die Discowichser tanzen sich tot
Hirnis überall wohin du siehst - Discopopper
Geschniegelt, gebügelt und verspiegelt - Discoficker
Hirnlos, machtlos, kein Gewissen - Discopopper
Solche Typen haben bei uns verschissen - Discoficker
Samstag Nacht - Discozeit
Girls girls girls zum Ficken bereit
Eltern überall in großer Not
Die Discowichser tanzen sich tot

Tot!

Zu solchen Zeilen pogte die Menge, um hinterher ungeniert nach der Straßenschlacht den Koitus im Vollsuff als Option Nr. 1 anzukreuzen. Das Feindbild sieht eben dem Selbst doch immer wieder ähnlich. "ich hasse euch, ich bin kein teil von euch" heißt es in feuer" auf der "Schweineherbst".
In einem einzigen Fall allerdings ist Slime ein gutes Stück politischer Sachverstand zuzugestehen:

Iran Iran
Zieht Mörderschweine an
Panzer Panzer
Apokalypse der Landser
Iran Iran
Mörderisch brutal
Revolution Revolution
Freiheit auch nicht dieses Mal
Koran Koran
Bibel von Faschisten
Schah und Khomeini
Ab in die Kisten
Iran Iran
Mörderisch brutal
Revolution Revolution
Freiheit auch nicht dieses Mal

Wenigstens einer hat an diese Tradition ein klitzekleines bisschen angeknüpft, und man darf vielleicht, möglicherweise, ein klein bisschen hoffen, dass es um ihn nicht komplett vergebens sein wird und Slime sich irgendwann auch noch entschuldigen wird für das exzessive Schüren von Hass und Gewalt gegen Beamte und Amerikaner:

Stephan Mahler, Drummer der Ex-Band SLIME und wesentlicher Mit-Urheber der Originalfassung von "Yankees raus" schreibt am 13.09.03:
"Wogegen ich mich halt verwahre, ist wenn im Namen Slime Dinge öffentlich gemacht werden die ich nicht nur nicht mittragen kann sondern einfach inhaltlich grauenhaft finde: Diese ewige,wirklich abgedroschene Bezugsetzung zum Faschismus in Deutschland im Falle des US Imperialismus und dem Angriff auf den Irak, nur weil es so griffig ist und sich hart anhört, gefällt mir nicht, sie ist in Ihrer Einfallslosigkeit politisch schlicht falsch; mir kommt das so vor als wenn jemand halb überlegt und dann halt irgendetwas rausposaunt, unwissentlich über die Verantwortung gegenüber den Worten und der Öffentlichkeit. Meiner Ablehnung gegenüber dem US Imperialismus und seinen Kriegen kann ich heutzutage nicht mehr mit Plattheiten gerecht werden - Der umgeschriebene Text von Yankees raus ist aber nicht nur platt und z.T. albern (siehe letzte Strophe) sondern solche Textzeilen wie USA SA SS sind für mich aufgesetzt effekthascherisch, das ist die Sprache, die wir zum Teil vor zwanzig Jahren gewählt haben und die direkte Umsetzung unseres Schwarz/weiß Denkens war, es sollte auch nicht sonderlich reflektiert sein. Nun sind aber über zwanzig Jahre vergangen und die Dinge liegen sehr viel komplexer, denen wird man mit diesen Plattitüden wahrlich nicht gerecht. Es sei denn, man will das, aber das lehne ich ab, also bitte nicht (auch ) in meinem Namen.. Vielleicht hätte Elf das Alles lieber mit einer gänzlich neuen Band und einem Namen, der nicht im direkten Bezug zu Slime steht verfolgen sollen. Ansonsten unterstütze ich Eure Arbeit und deren Ziele absolut. Viele Grüsse, Stephan

24.5.07 13:18


Kindermörder

In Afghanistan wurde ein der Spionage für die USA Beschuldigter von einem 12-jährigen Taliban enthauptet. Das Allahu Akbar Gekreische beim Mordakt ähnelt sehr dem Inhalt der antisemitischen Projektionen von Religiosität und Ritualmord, die diese Meschen sicherlich aus der islamistischen Propaganda kennen. Das zeigt nicht nur, dass die These vom strukturellen Antisemitismus etwas hinkt. Die Realität des Antisemiten gestaltet dieser nach seinen antisemitischen Projektionen, und da finden sich Kindsmord ebenso wie das Streben nach Weltherrschaft, einer ins Dämonische verzerrten Religiosität und rituelle Blutopfer unter Anrufung des Gottes. Der gewaltförmige Islamismus ist das, was sein Antisemitismus auf die Juden projiziert.
 
Die Botschaft ist zwiespältig: Zum einen kann daraus geschlossen werden, dass die Taliban mittlerweile so geschwächt sind, dass sie Kinder brauchen.
Das wäre jedoch zu kurz gedacht und würde die Taliban in ihrer propagandistischen Gewitzheit unterschätzen.
Ich glaube vielmehr, dass das Video eine verheerende Handlungsanweisung mit sich trägt und bewusste, psychologisch durchdachte Propaganda ist: Jedes Kind kann Amerikaner mit den einfachsten Mitteln treffen. Das Kind wird so in seiner narzisstischen Unschuld aufgewertet, es ist aus sich heraus befähigt alleine Urteile fällen und seinen Kastrationsängsten den Weg zum Mord ebnen: Es darf alles und ist darin den Männern gleich, initiiert in den Kampfbund.
 
Nicht umsonst ist die Anordnung im Video klar hierarchisch organisiert: die knienden Frauen, der ebenfalls kniende und mit Augenbinde "verschleierte" männliche Feind, das mit dem Messer bewaffnete Kind vor dem Initiationsritual, und die männlichen Taliban als stehende Kämpfer. Durch den Mordakt ist er sich sowohl der Anerkennung der Männer als auch der begeisterten Zustimmung der Frauen gewiss.
 
Die Psychologie von Kindern wird von Terroristen und Warlords erkannt und missbraucht. Ihnen nützt es nur, wenn Gutmenschen die potentielle Grausamkeit von Kindern leugnen und zu etwas Anerzogenem, Konstruierten oder nur durch Medien inplantierten, dem reinen Kind Äußerlichen reduzieren. Das deutsche Strafgesetzbuch ist anders als das britische ein Zeichen davon, indem es mordende Kinder schlichtweg nicht kennt.
 
Dieses Kind hat ein subjektives Interesse an seiner Tat, es führt nicht bloß einen Befehl aus, es ist ein Mörder, es hat sich entschieden, seine Triebe über das Töten zu kanalisieren, es wäre ihm ein leichtes, gegen die Väter sich zu verweigern. Als Kindersoldat wird es vermutlich in irgendeinem Kampf getötet und der Presse stolz als Märtyrer präsentiert werden, wie zahlreiche palästinensische Kinder, die mit MGs und Sprengstoff hantieren und damit israelische Soldaten angreifen. Wer diese Kinder zum Feind hat, kann nur verlieren, und das wissen die Islamisten sehr gut. Nicht zuletzt zielt die Botschaft auf die Psyche der Nato-Soldaten ab, die sich auf einmal mit einer Situation konfrontiert sehen, in der Kinder ihre erbitterten Feinde sind und sie damit rechnen müssen, jemanden Auge in Auge erschießen zu müssen, der ihren eigenen, geliebten Kindern so sehr ähnelt.
 
"Kinder besitzen keinen Selbsterhaltungstrieb, sie spüren und begreifen nicht die Todesgefahr, kennen die Furcht nicht, die erst das Erwachsensein mit sich bringt."
(Thomas Miessgang: Die Wunde des Seins. In Tobias Wendl (Hg.) 2004: "Africa Screams. Das Böse in Kino Kunst und Kultur. S. 264.)   
23.4.07 12:24


Neues aus der Anstalt

Vorbei die Zeiten, als ein Marburger Metzgerpensionär noch wegen Beleidigung eines Verbündeten angeklagt wurde, weil er in seinen vielbewunderten Schaufenstern die USA und Israel wegen der Befreiung Afghanistans als Nazis beschimpfte.

Heute, genauer am 17.4.2007 um 23.00 kann einer wie Hagen Rether auf ZDF offen zum Mord an George W. Bush aufrufen. Jemand, der auf seiner Website unter "Kritiken" ausschließlich hagiographische Lobhudeleien bietet, darf natürlich von der Süddeutschen Zeitung den Titel "Deutschlands schärfste Schneide" einfahren. Als solche heimst er als Preis ein Beil ein, wir sind schließlich in Deutschland, wo man traditionell den Witz dem Mord beigesellt, und darf auch seinen Antisemitismus einem Publikum ins Gesicht rotzen, das begeistert applaudiert. Der "Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen e.V." gefällt diese deutsche Schneide so gut, dass sie ihn beweihräuchert: 

Dazu gehört vielleicht auch der unverkrampftere Umgang mit bisherigen Tabuthemen: "Israel, ein ganz normaler Apartheidsstaat". Kein Antisemitismus, nirgends. Selten eine klügere Missbilligung jüdischer Politik gehört.

Und was man andernorts von Comedy erwarten kann, wird hier zur Ausnahmeerscheinung:  

Und für den schnellen Lacher zwischendurch gibt’s öfter einen Witz. Hier der kürzeste: "Der Irak wurde in drei Sektoren aufgeteilt: Super, Normal und Diesel." Es wird Zeit, dass sich das deutsche Feuilleton Gedanken über das Comeback des guten alten Witzes macht.

Der gute alte Witz ist ein Deutscher. Comedy wirkt in Deutschland vor allem nach innen, eint die Volksseele, als dass sie ätzt und schmerzt. Rether wird als mutige Ausnahmeerscheinung wahrgenommen und ist doch ein konformer Überzeugungstäter, ein Mörder im Geiste, jemand, der israelische Atombomben von iranischen nicht unterscheiden kann, und doch Bush Bretzeln in den Hals und sonstige Tode wünscht, weil er meint, damit etwas gegen die Massaker im Irak auszurichten:

150000 tote Zivilisten im Irak - wer weiß, was aus denen hätte werden können, wenn heute noch amerikanische Präsidenten erschossen würden. Aber Bush hat ja keinen Cabrio.

Vor allem erledigt er eine wichtige Angelegenheit, die dem deutschen, gequälten Publikum auf dem Herzen liegt: Er exerziert den gewagten Tyrannenmord mental durch, stellvertretend für alle. Und erleichtert so nicht ihre antisemitische Qual, sondern stachelt auf zu Mord und Pogrom. Mit der Erlaubnis von Deutschlands offizieller Sendeanstalt.

Mr. Bush hat da eindeutig mehr Humor, er ist der bessere Bushkritiker und hat mehr satirischen Witz als Rether jemals erreichen wird. Vor allem aber: Er redet als zivilisierter Mensch zu Menschen, nicht als Propagandist zu Mordbanden im Geiste.
17.4.07 23:48


Darfur und Google earth

Die Geschäftsphilosohpie von Google earth scheint im Falle Darfurs gute Erfolge zu zeitigen: In Zusammenarbeit mit dem United States Holocaust Memorial Museum wurden zahlreiche Markierungen eingefügt, Fotos, Filme und Augenzeugenberichte machen den Genozid öffentlich.
Ich kann jedem nur empfehlen, sich Google earth anzuschaffen und "West Darfur" zu suchen. Auch wenn einige Kommentare auf diversen Foren Schaulust und selektive Wahrnehmung, nebst der ohnehin notorischen Ölkriegsfaseleien von beleidigten Antiamerikanern, unterstellen, halte ich das Projekt für einen gewaltigen Schritt, der unbedingt zu befürworten ist.
13.4.07 11:36


Randglosse zu Indianerweisheiten

"If the white people hadn't stopped us, we'd have killed each other all off".
 
Das sagte ein Navaho-Informant zu Clyde Kluckhohn. Postmoderne Wissenschaftler würden einen solchen Informanten lange darüber aufklären, dass seine Vorfahren uralte Weisheiten vertreten hätten, die den rassistischen Imperialistenschweinen moralisch überlegen gewesen seien, weil sie ein Gleichgewicht in der Gesellschaft hergestellt hätten und Akkumulation von Reichtum verhinderten.
Clyde Kluckhohn, psychoanalytisch orientierter struktur-funktionalistischer Ethnologe, belässt es dabei, dieser Aussage "mehr als ein Körnchen Wahrheit" zuzugestehen.
 
Bei den Diné (Navaho) wurden 1879 40 Personen der Hexerei angeklagt und hingerichtet. Manuelito, Häuptling der Navaho, hatte damit die zum Schweigen gebracht, die gegen die Weißen die Waffen wieder aufnehmen wollten. Die Geistertanzbewegung wurde von vornherein bei den Navaho abgeblockt, nachdem sie der Hexerei bezichtigt wurde. So begegnete ein wahnhafter Hexenglauben einem nicht minder wahnhaften Chiliasmus.
 
Wer Reichtum in außergewöhnlichen Maße ansammelte, wurde bezichtigt, die dazu notwendige ursprüngliche Akkumulation durch den spirituellen Raub von Grabschmuck von den Toten in Gang gesetzt zu haben, also eine Hexe zu sein.

Quelle: Clyde Kluckhohn (1944) in Max Marwick 1970, "Witchcraft and Sorcery", S. 230. Ebenfalls darin findet sich Interessantes zu den Hopi und Pueblo: Elsie Clews Parsons, S. 204f.

Das Land der Navaho oder Diné hatte für die USA besondere Bedeutung weil es die Verbindung nach Californien darstellte. Die spanische Versklavung der Diné hatte diese nicht besonders für Kontakte eingenommen. Wikipedia dazu:

Nur wenige Diné entkamen unter der Führung des Häuptlings Manuelito. Die Lebensgrundlage der Diné war zerstört und im Februar 1864 sammelten sich über 8.000 Diné bei Fort Defiance, das jetzt Fort Canby" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Langer_Marsch_%28Din%C3%A9%29">Langen Marsch nach Osten (engl. Long Walk) - eine der bittersten Zeiten in der Geschichte der Diné begann. Von den Gefangenen starben mehr als 10 Prozent auf dem Weg nach Bosque Redondo. Da es keine Wagen gab, mussten sie über 480 km zu Fuß laufen. Kranke und Erschöpfte, sogar Frauen in den Wehen, wurden getötet.

Am 1. Juni 1868 unterzeichneten Navajo-Häuptlinge einen Vertrag, worin die US-Regierung dem Diné-Volk eine Reservation in seinem alten Land zuteilte und den Überlebenden die Rückkehr bewilligte. Im Gegenzug verpflichteten sie sich, von nun an in Frieden mit den amerikanischen Siedlern zu leben.

 

4.4.07 12:35


Divide et impera! - Immer für eine Veschwörungstheorie gut


Rocky Balboa: Einzelkämpfer mit ungeteiltem Schwein.

Nicht erst seit Moses das rote Meer teilte, wurde in der Politik geteilt. Mal waren es Brote, die gebrochen wurde, mal teilte man die terra incognita oder unter den Armen. Ludwig XI soll dann den Ausspruch "Divide et impera" als Strategie geprägt haben, der genaue Ursprung ist nicht geklärt.

Teilen und herrschen ist ein nicht unkluges Konzept der Politik, setzt aber eines vorraus: Einen absoluten Herrscher, eine irgendwie der konkreten Staatlichkeit untergeordnete Peripherie, und reale Konflikte. Die in Individuen fragmentierte Gesellschaft bedarf übergeordneter Instanzen, an die sich diese wenden, wenn sie ihre Probleme austragen wollen. Das steht dem Einheitsideal im Wege, denn dieses impliziert das Faustrecht der stärkeren, einigeren Fraktion. Einig sein, um stark zu sein, nicht einig sein, um schwach sein zu dürfen, lautet der Schlachtruf der Massendemonstrationen des 20. Jahrhunderts. Wo der bürgerliche Staat Schwäche erlaubt und ihr mit der ihm eigenen Gewalt zum Recht gegen den Stärkeren verhilft, kann der Volksmob Schwäche, die ihn an die seiner kleinsten Teile erinnert, nicht dulden.

Im Falle Deutschlands, das sich mit "Wir sind ein Volk" und nicht etwa mit "Wir sind frei" (von SED oder so) feierte, galt Teilung als Problem, war es doch die Einheit Deutschlands, die Stärke versprach. Im Falle Jugoslawiens war Einheit das Problem, denn ein Volk braucht seinen Lebensraum, und wenn man dafür ökonomisch nicht konkurrenzfähige Ministaaten duldet. Die Wahrnehmung der Zersplitterung Jugoslawiens als perfiden, deutschen Akt des "divide et impera" unterstellt der wahnhaft-völkischen deutschen Außenpolitik Rationalität und kühles Interesse, und entschuldet die schon da real existente wahnhafte Kleinstaatlerei im völkisch durchwesten ehemaligen Jugoslawien, in dem Islamisten und Nationalisten sich an Schwächeren austobten. Divide et impera war und ist auch in der "antideutschen" Szene geeignet, Rationalisierungen, Projektionen und verkürzte Kritik zu katalysieren.

Vom einfachen Blogger bis Telepolis (Mona Sarkis) ist derzeit in Mode gekommen, den USA und insbesondere dem "Dark Overlord" George Bush, bei dessen Wahrnehmung in der antiamerikanischen Projektion Übermacht und Inkompetenz ein gar lustiges Stelldichein feiern, die mörderischen Anschläge im Irak in die Schuhe zu schieben. Die USA wollten gar nichts gegen den Terror tun, er käme ihnen gerade recht und sei zudem praktisch für den Machterhalt. Denn am Ziel der amerikanischen Politik stehe nicht ein demokratischer Irak, sondern zahlreiche kleine, zersplitterte Satteliten, die leicht beherrschbar seien.

Die erträumte Einheit der Antiamerikaner sieht einen Widerspruch im revolutionären Subjekt der Postmoderne - Mullahs, greise Diktatoren und "Big Men" aus Südamerika - nicht gerne. Dafür ein falsches Bewusstsein, gar Weltanschauung verantwortlich zu machen, liegt fern, etwas anderes bequem bei der Hand: Das Imperium! Übermächtig und perfide manipuliert es brave Muslims zu mörderischen Monstren, hetzt sie auf und erfreut sich am blutigen Treiben...

Das antiamerikanische Wahngemälde vom "Divide et Impera" der USA steht in der Tradition des Arbeitermarxismus. Hier entstanden die Verfluchungen der Uneinigkeit der Arbeiterklasse: der Grund für Konflikte liege nicht in dem falschen Bewusstsein der Arbeiter selbst, sondern diese seien ein perfides Mittel der Kapitalisten, ihre Herrschaft zu erhalten. Die real existierenden "Partikularinteressen" sollten demnach einem übergeordneten Zweck, der Revolution, geopfert werden. Später folgte die Verharmlosung und Instrumentalisierung des nationalsozialistischen Antisemitismus zum Ablenkungsmanöver im Klassenkampf.

Die einst löbliche, auf staatliche Vermittlung zielende Politik des Divide et impera wird in wahnhaftem Einheitsdusel zum Feindbild, das Gegenmittel: sich nicht aufzuspalten, Konflikte zu vermeiden und Diskussionen nicht zu führen.
Eine solche Paranoia verschafft sich Lustgewinn durch Kritikvermeidung, durch den ungestraften und damit siegreichen Angriff auf Übermächtiges, und durch rationalisierende Zergliederung von Gewalt in erträglichere Einheiten, an denen gerade wegen ihrer Überwindbarkeit kein eigener Schuldanteil mehr bestehen kann. Den USA wird die gewaltige Macht unterstellt, Widersprüche aufzuheben und Terror von heute auf morgen gegen alle europäische, linksduselige Alternativmeierei zu besiegen, gleichzeitig wird aus dem real erscheindenden Unvermögen Inkompetenz, d.h. falscher Gebrauch dieser Macht, die somit den vereinten Antiamerikanern zum richtigen Gebrauch besser anstünde, sowie schlimmer noch: subalterne Infamie.

Von modernem Staatswesen und Terrorismus hat die Phantasie eines divide et impera im Irak so wenig begriffen, wie eine Schnecke vom Stabhochsprung. Gerade in fragmentierten failed states wie Somalia, Afghanistan und Sudan liegen die größten Gefahren für demokratische Staaten. Ein kleiner Nichtstaat wie Palästina erweist sich als so unbeherrschbar, wie ein in Sunnistan und West-Iran aufgeteilter Irak. Es gibt wohl seit der Zerschlagung Nazideutschlands kein Beispiel, in dem Zersplitterung Regierbarkeit gefördert hätte. Vereinzelt, wie in Somaliland kommt es zu kleinen Inseln des Friedens, in denen aber nicht die Fragmentierung, sondern die Ideologie den auschlaggebenden Faktor darstellt. Von Ideologie wollen Antiamerikaner, die sich die vollständige Durchdringung jeglicher Ideologie auf die Fahne schreiben, nichts begreifen: Es geht immer um Öl, um Diamanten, um Rohstoffe, um Macht und Herrschaft. Nie jedoch um Kultur, Religion, Wahn und Gesellschaft als diese Vermittelndes und Vermitteltes.

Als "auswechselbare Planke", wie Adorno/Horkheimer den Antisemitismus bezeichnen, kann Antiamerikanismus kaum gelten. Er geht stets Hand in Hand mit dem Antisemitismus, ist diesem beigesellt, oft aufs innerste verwoben, ein vollständiger Ersatz ist er nicht.
Nicht Schwäche ist es mehr, die die Wut reizt, sondern Stärke, mit der zum Zwecke der Auslöschung von Schwäche gleichgezogen werden muss, und sei es auf dem Wege der Kompensierung durch Phantastereien vom besseren Wissen.

Nur deshalb muss Bush einerseits als großer Satan herhalten und andererseits mit Eselsohren, Schielauge und stotternden Versprechern ausgelacht werden. Nur deshalb beklagt man die Fortschrittlichkeit der USA im militärischen Bereich um etwas von dummen Amerikanern ohne Kultur, Küche und Kompetenz, die doch zum angemessenen Gebrauch solcher Stärke nötig seien. Vor den Juden aber graut es den Antisemiten: Hier ist nichts Lächerliches mehr in den Karikaturen, allein purer Hass auf die erworbene militärische Stärke der Juden zeichnet die Bilder von Babyleichen und Blutlachen. Den Amerikaner lacht man bisweilen noch aus, er verspricht Stärke, die erreichbar ist. Den Juden hasst man bis aufs Blut, dafür, dass er sich dem antisemitischen Bilde nicht gleichmachen ließ, das ihm Schwäche und Opfersein bis in alle Ewigkeit zu seinem eigenen Nutzen angedeihen lassen wollte. Die Macht der USA will von den Antisemiten übernommen werden, um die Macht der Juden zu brechen.

27.1.07 19:03


Zwischen Levi und Liza...

Weit davon entfernt, endgültig ein Urteil gefällt zu haben, schrieb ich eine positivere Rezension zu Levis "Mein Führer" - Die wirklich wahrste Wahrheit, vorerst ohne Lizas ersten Artikel dazu zu lesen und ohne die Kenntnis anderer Interviews mit Levi. Filme halte ich generell für untauglich, zur Reflexion über den NS beizutragen, es geht mir nicht darum, zu diskutieren, ob das Genre überhaupt vom aufgeklärten Standpunkt eine Berechtigung hat, (das hat es nicht und insofern ist Levis Film auch überflüssig), sondern ob die spezifische Kritik an diesem Film gelten kann.

Lizas Welt feuerte mich aufgrund meiner Interpretation aus der Stammelf (oder habe ich mir nur eingebildet, da je mitgespielt zu haben? Vielleicht saß ich auch schon länger auf der Wartebank). Ich habe mir den Artikel dieses Blogs auch aus Gründen des Selbstzweifels nochmal angeschaut.

Der zentrale Vorwurf an Levi ist, dass er von der Misshandlung von Kindern auf den Nationalsozialismus schließe, zudem die Spezifik des deutschen Antisemitismus ausblende, und Hitler zum Opfer mache.

"Noch einmal Levy: „Man wird als Zuschauer dazu gebracht, sich in Hitler einzufühlen – genau so, wie sich auch der Jude Adolf Grünbaum in den Mörder seines Volkes einfühlt und ihn am Ende deshalb nicht mehr töten kann, weil er in ihm ein zerrüttetes, armes Kind sieht.“" (nach: Lizas Welt)

Das habe ich weder bei mir noch bei Anderen so empfunden, halte es aber durchaus für möglich, dass es massenweise so interpretiert wird. Kritik darf sich nicht aus Gründen des möglichen Missverständnisses durch "die Massen" zensieren. Da ich das Interview nicht kenne, muss ich zudem in Frage stellen, ob das Levi's endgültige Ansicht ist, oder ob diese "Einfühlung" auch entscheidend gestört und in Frage gestellt wird, was meines Erachtens der Fall ist. Stünde es so da, als Absicht Levis, sollte man den Film tatsächlich getrost verwerfen.

Zum Argument der Psychologisierung wäre zu sagen, dass Antisemitismus prinzipiell überdeterminiert ist. Es wäre meines Erachtens falsch, die Kindesmisshandlung grundsätzlich aus dem Komplex des Antisemitismus auszugrenzen. Freud nennt den gescheiterten Kastrationskomplex und die Triangulierung als Nährboden, Fenichel und Simmel stehen dem nicht fern, Adorno führt den "Autoritären Charakter" ein. Diese ist weder ein notwendiger noch ein hinreichender Grund, und ich hatte nicht den Eindruck, als würde Levi dies vertreten. Die Kritik an Erziehungsmethoden des frühen 20. Jahrhunderts bereits wie "Lizas Welt" als "Antipädagogik" darzustellen, greift fehl.

Die Zitate von Levi, die Lizas Welt anführt, geben leider Grund zur Annahme, dass Levi tatsächlich einer monokausalen Erklärung den Weg bereitet. Meines Erachtens ist diese Interpretation im Film nicht notwendig vorgegeben, die Psychologisierung wird im Gegenteil als lächerlich dargestellt, Hitler erweist sich als nicht therapierbar. Schneider/Hitlers Selbstmitleid ist nicht geeignet, Mitleid zu wecken. Als er sein Trauerspiel vorbringt, grinst er nach kurzem Innehalten Grünbaum an und fragt (sinngemäß, Zitat nicht genau): "War ich gut? Schauspielern lag mir schon immer." Wer in den Film geht und Mitleid mit dem realen oder auch nur mit der Filmfigur Hitler entwickelt, hatte schon vorher ein gehöriges Problem.Levis Hitler ist nicht der historische, sondern er personifiziert das heutige Deutschland. Das Argument, dass der Charakter Grünbaum Mitleid mit Hitler entwickelt, greift meines Erachtens fehl. Grünbaum ist weder die einzige Identifikationsfigur, noch läge ihm die Ermordung auf Dauer fern. In zwei Fällen unterbricht nur der Zufall den Mord.

Wenn Levi tatsächlich Grünbaums Statement "sonst bist du genauso wie er" ernst nimmt, dann wäre der Film tatsächlich zu verurteilen. Ich bin mir nicht sicher, ob das zutrifft. Vieles spricht dafür, dass Levi nicht dieser Gutmensch ist, unter anderem klare Statements Levis in Interviews für die "Jüdische Allgemeine" und "konkret".

Fraglich ist aber tatsächlich der moralische Anspruch: Ist es ethisch einzufordern, dass jeder Mensch zu jeder Zeit einen abgrundtief bösen Menschen erschlagen können muss? Grünbaum schafft es nicht, das ist nicht "sein" Fehler. Andere hätten es in zahlreichen anderen Gelegenheiten vollziehen können, Levi verurteilt m. E. niemand, der dies wünscht oder einfordert. Die Abkehr vom Attentat ist keine moralische Forderung Levis, ebenso wenig wie Mitleid. Angesichts der von Levi immer wieder eingeführten echten Filmteile von Massenversammlungen stellt sich tatsächlich die Frage, ob die Ermordung Hitlers eine wesentliche Veränderung gebracht hätte.

Der Punkt der Spezifizierung der deutschen Verantwortlichkeit wird von Lizas Welt so umrissen:

"Antisemitismus? Spielte keine Rolle: Juden traf es nur so, zufällig, en passant, weil sie eben da waren. Und wäre die Erziehung früher nicht so heftig gewesen, wäre alles anders gekommen. Beeindruckend simpel, das Ganze."

Dass es sie zufällig treffe, wird von Levi nicht behauptet. Im Film wird als Grund ihre Wehrlosigkeit genannt, mit Adorno zu sprechen: Schwäche, die zur Herrschaft reizt. Die allerdings auch durch Herrschaft produziert wird. Es ist jedoch ein Leichtes zu behaupten, die Frage sei endgültig geklärt. Warum die Juden? Lag es gar doch an der revolutionären Philosophie des Judentums selbst? Am Christentum und dem negativen Bezug auf das Judentum? Am kleinen Unterschied? Oder ist es doch eine anthropologische Konstante, die zufällig auf Juden traf, die der Antisemit nicht erst erfinden musste? Warum wurde ein Land wie Amerika mit einem starken Hotel-Antisemitismus bis in die Fünfziger hinein nie akut judenfeindlich? Warum die Unterstützung für die SS-Truppen durch ukrainische und baltische Schergen, die primitive Freude der polnischen Bauern über die Ermordung der Juden? War es die spezifische, ökonomische Lage in Verbindung mit der antisemitischen Tradition in Deutschland? Und warum soll die eine materialistische Erklärung die Täter entschuldigen, die andere jedoch nicht? Auch die kritische Theorie gibt da keine endgültigen Antworten und Levi bringt nicht umsonst im Abspann das Statement, dass man trotz der Versuche, dies zu begreifen, es nicht schaffen könne. Wer behauptet, er habe das, was da geschehen ist, vollständig verstanden und begriffen, ist meines Erachtens nicht wirklich zurechnungsfähig.

Um Antisemitismus und seine Funktionsweise geht es in Levi's "Mein Führer" mehr als in jedem anderen mir bekannten Film zum Nationalsozialismus. Dies legte ich in meinem Artikel "Mein Führer" - Die wirklich wahrste Wahrheit" dar, es kann sein, dass ich einiges übersehen oder überinterpretiert habe.

Dass Helge Schneider vom Film sich distanziert, ist weniger seinem Genie, als seiner kruden Forderung nach dem "alternativen Ende" zu verstehen, in dem er Hitler gerne ein wenig mehr gespielt hätte, nämlich als 116-jähriger Greis... Was selbstverständlich wieder Fragen aufwirft nach Sinn und Verstand des Protagonisten während des übrigen Films.

Levi nennt nicht den Kapitalismus, sondern Kindesmisshandlung als Ursache für die Gleichgültigkeit der Menschen, die ihn jenseits der Figur Hitler am meisten erschrocken habe. Das macht aus Tätern noch keine Opfer, sondern versucht in gleicher Weise wie ökonomistische Ansätze zu gesellschaftlichen Bedingungen vorzustoßen.

Ich würde zustimmen, dass der Film als verharmlosend empfunden werden kann, und wie jeder Film sicherlich nicht geeignet ist, Aufklärung über den Nationalsozialismus zu liefern. Mehr als manche andere ist er das allemal! Wenn die von Lizas Welt aufgeführten Kommentare Levis die endgültige und einzige Absicht des Filmes konzentrieren sollten, was ich noch überprüfen möchte, gebe ich zu, mich in den Absichten des Regisseurs total geirrt zu haben und mich selbst womöglich zum unzulässigen theoretischen Spielen mit dem Objekt verleitet habe.

Der bei meiner unorganisierten, hektischen Überproduktion übliche Nachtrag:

"Grünbaum ist ein Humanist. Als er erkennt, dass Hitler auch nur eine erbärmliche, von seiner Kindheit zerstörte Kreatur ist, kann er eine bestimmte Grenze von Moral und Gefühl nicht überschreiten. Dahinter steckt natürlich der esoterische oder spirituelle Gedanke, dass selbst das grösste Monster, der grösste Verbrecher der Menschheit mit allen anderen noch immer die Gemeinsamkeit des Menschseins teilt. Die Frage, ob man jemanden wie Hitler umbringen kann oder nicht, ist für mich eine systemische und nicht eine moralische Frage: Wenn man grundsätzlich der Meinung ist, dass man niemanden umbringen soll, kann man keine Ausnahme machen. Man könnte diese Frage natürlich philosophisch diskutieren, aber was mich viel mehr interessiert, ist, dass die Figur von Grünbaum ein Gegensystem zum Nationalsozialismus verkörpert." (Interview Levis mit der NZZ , unmittelbar nach dem inkirminierten "Einfühlungs"- Kommentar)

"dass die sogenannte «schwarze Pädagogik» [...] mitursächlich für den Nationalsozialismus war." Mitursächlich, wohlgemerkt. Monokausalität, wie sie Lizas Welt unterstellt, ist davon vorerst weit entfernt.

"Ich bin traditionellerweise bei diesem Thema selbst sehr kritisch gegen das Bilder- Machen - ich hatte zum Beispiel auch protestiert, als «Schindler's List» ins Kino kam, weil ich denke, dass er versucht, die Shoah konsumierbar zu machen."

Bleibt sein unzusammenhängender Kommentar auf die Frage:

Was haben Sie herausgefunden? Es geht dabei ja auch um die Einzigartigkeit der Nazi-Verbrechen.

Nun, in den meisten europäischen Ländern ist es erst seit Mitte der neunziger Jahre strafbar, ein Kind zu malträtieren. Das zeigt doch, wie lange es gedauert hat, bis Gewalt als Erziehungsmassnahme verboten wurde. Unser Erziehungsstil ist politisch wie alles Private überhaupt, und wir haben da eine grosse Verantwortung.

Wer noch nie ein Interview gegeben hat, kann natürlich ausschließen, dass es ihm passieren würde, eine Frage zu überhören und mit einem unabgeschlossenen Topic davor weiterzumachen... Ich bin da persönlich vorsichtig mit Werturteilen.
Dennoch, schlechte Reaktion und Grund für Zweifel allemal.
Der Rest der Ansichten Levis ist allerdings tiefsinniger und intelligenter als der anderer NS-Persifleure und reicht im Kern an den Grundgedanken von "Shoah" heran.

19.1.07 01:59


Spagghetti Jargonara

Bildquelle

Weltkritik hat in einem seiner ersten Artikel eine Kritik meines Artikels "Rauchen als Verkehrung" geleistet, die ich natürlich angemessen würdigen will. Eigentlich ähnelt der Disput aber eher einem "Edit-War" , und sollte daher von Niemanden gelesen werden! Sämtliche Ähnlichkeiten mit realen Personen sind rein zufällig! Für diesen Text wurden keine Tiere gequält!


Der Titel verrät schon viel:

"Den Rauchern durch Jargon sich entgegenstellen - Über einen Fall von Begriffsmissbrauch"

Der kluge Mensch sieht gleich: Ein Fall von Missbrauch. Polizei! Und dementsprechend geht es los:

"Es gibt antideutsche Texte, die sind nicht nur klug, sondern auch schön: Die Sätze sind elegant formuliert, die Polemik trifft, die Argumente bestechen durch Klarheit. Genauso kann man aber auch das halbe Begriffsarsenal der Kritischen Theorie in Stellung bringen und dabei nichts produzieren als eleganten Schwachsinn."

Hier der kluge, schöne, bestechende und klare Text. Dort ein Begriffsarsenal, der kritischen Theorie gar, phallisch aufgerüstet und zum Schwachsinns-Erstschlag bereit. Wer wohl mit Ersterem gemeint ist? Und wer mit Letzterem? Ein camoufliertes Eigenlob? Ein "Distinktionsgewinn"?

Man muss nur ein paar Grundfloskeln von Marx und Freud anbringen, vielleicht einige berühmtgewordene Wendungen aus der Bahamas zitieren und das “sich” im Satz immer brav nach hinten rücken, und schon ist er fertig, der antideutsche Jargon.

Grundfloskel und die Flossengrundel sind zwei Wesensverwandte, beide sieht man selten. Die Oberflächenfloskel und die Flugfloskel dagegen sind bekannter noch als die gemeine Floskel, welche von ganz anderer Art. Wem Satire und ernsthaftes Anliegen sich vom Prinzip her ausschließen, der wittert auch in "Sie wissen das nicht, aber sie tun es" einen Jargon, einen Begriffsmissbrauch erster Güte.

Das frisch Erlernte kann man vortan nutzen, um mit einem Aufruf gegen eine simple Nazidemo selbst solche Leute in Verzweiflung zu stürzen, die einen Lesekreis zu Hegels Logik ohne Hirnverschlingung überlebt haben.

Hier das "frisch Erlernte", dort die alte Weisheit. "Was bildet er sich ein, Emporkömmling! Hat er sich etwa den Gefahren eines Hegelkurses ausgesetzt? Seit frühster Jugend an täglich sechs Stunden in die Zellulose gebissen? Wo es doch überhaupt nur um das Verständnis von simplem Nazismus geht? Hinfort mit ihm!"

Dazwischen aber finden sich ellenlange Passagen, in denen der Autor versucht, der Nikotinsucht mit dem ganzen Freudschen Apparat von der Todessehnsucht bis zum Leidensgewinn zu Leibe zu rücken.

Auf einmal ist es nur noch Nikotinsucht. Welch Erfolg! Mein Artikel hat gewirkt! Das Ziel ist erreicht, der Kranke sieht seine Krankheit und ist auf dem Weg der Besserung. Ein wenig plagt ihn aber schon, dass er nicht selbst darauf gekommen ist. Das war doch ganz simpel, sagt er sich jetzt, was brauch' ich dazu Freud.

Wow! “Zivilisation”, “Emanzipation”, “Rechtsstatus des Individuums”, “Freiheit” und, darf nicht fehlen, “Vernichtung”! Jeder einzelne dieser Begriffe hat für antideutsche Kritik eine zentrale Bedeutung, hier aber werden sie alle aus ihrem Zusammenhang gerupft und gedankenlos hingestreut - sie verlieren ihren Sinn und verkommen zu bloßen Wörtern, deren einziger Zweck im Wiedererkennungseffekt für antideutsche Leser besteht. Emanzipation und Zivilisation beschreiben doch ganz Verschiedenes! - Hier könnte man beide Begriffe einfach austauschen oder auch weglassen, ohne dass sich am Argument irgendetwas ändern würde.

Begriffe aus dem Zusammenhang zu "rupfen", das ist ein wahrer Missbrauch! Schließlich wohnt jeder Begriff in einem komplexen Biotop und eine Verpflanzung aus diesem autochtonen Revier, da "verkommen" sie, degenerieren gar! Zu bloßen, dekadenten, wesenslosen Wörtern!

Also hält die Begriffspolizei (BePo) Ausschau nach verdächtigen Begriffen, und wenn sie einen gefunden hat prüft sie die Umgebung und wenn da was nicht passt, dann aber hallo! Was denn genau der Unterschied zwischen Emanzipation und Zivilisation ist und warum dies gar im Satz verwechselt sei, das kann und will die BePo auch nicht aufklären.

Dieses Argument bewahrt nicht nur die Raucher vor einem Mordvorwurf; es gibt dem Autoren auch Gelegenheit, ein Wort in den Text zu kloppen, das vom Klang her den Eindruck geradezu kosmischer Gedankenschärfe weckt, hier aber doch nur “Ziel” meint: Telos. Dafür nimmt er hin, den Begriff der Vernichtung endgültig ad Absurdum zu führen und kürzt den Vorsatz des Täters aus ihm heraus, obwohl der Wille zu Töten in “Vernichtung” noch stärker mitschwingt als in “Mord”.

Da hat einer ein Fremdwort statt eines deutschen Begriffs verwendet, und schon hat die BePo Lunte gerochen: Da will sich wohl jemand großtun!

Mit juristischer Vollschärfe wird das Verhältnis von Vernichtung, Vorsatz und Mord im Nebensatz geklärt. Das sind schließlich altbekannte Rechtnormen!

Man verzeihe mir die Unkenntnis vom Lande, die vor Strafe natürlich nicht schützt...

Es geht dem Autoren schließlich nicht darum, komplexe Zusammenhänge so darzustellen, dass er sie nicht verkürzt oder verfälscht; er übersetzt lediglich ein Allerweltsargument in eine Sprache, die den Eindruck erwecken soll, hier werde die Zukunft der Menschheit verhandelt.

Ein Allerweltsargument! Der "Weltkritik" seit Ewigkeiten bekannt gewest. Das deshalb nicht diskutiert sein muss, denn andernorts ist eine gehobene Sprache denen vorbehalten, die wahrlich die Zukunft der Menschheit verhandeln.

Dieser Trick sorgt für die angenehme Illusion, nicht etwas Älltägliches zu sagen, sondern etwas Wahres, Schönes, Gutes und - vor allem - saumäßig Wichtiges. Er verhindert gleichzeitig, mit MdB Willy Schmidt vom Wahlkreis 98 beim Kampf gegen das Rauchen in einem Boot zu landen - im Jargon hieße das: Der Autor erzielt einen Distinktionsgewinn.

Ein Trick! Illusionismus! Welch Betrug am Volke, das nicht über den Verstand verfügte, dies zu durchschauen! Wo es doch soviel Wichtigeres gibt, als das Wohlergehen eines verirrten, vereinzelten, unwichtigen Nichtrauchers. Der überdies im Bunde ist mit mächtigen Regierenden sich [sic!] befindet und dies nur geschickt verschleiern will!

“Idiosynkrasie” ist auf jeden Fall ein Begriff für Meisterschüler des Jargons, und er stellt zudem gleich einen Zusammenhang her zwischen den rücksichtslosen Rauchern in der WG und den Antisemiten.

Das Jargondereinsatzkommando der BePo rückt ein! Was nicht sein darf, soll nicht sein. Kein Zusammenhang, nirgends...

Überinterpretiert? Nein: Der Autor assoziiert munter weiter und landet bei der Beschreibung der Sorgen antideutscher Nichtraucher gleich beim nächsten Begriff, der an dieser Stelle ausschließlich Jargon-Funktion erfüllt:

Assoziieren, welche schnöde Beschäftigung für den Funktionalisten, dem Sorgen antideutscher Nichtraucher von je jeder Beschreibung spotten.

Von den Rauchern assimiliert zu werden und selbst mit dem Rauchen anzufangen, kann hier sinvoller Weise nur das gleiche bedeuten. Für die Verwendung von “assimiliert” bleibt nur der Zweck, der Leserschaft gewohnte Kost vorzusetzen - auch wenn der krude Zusammenhang dann Assoziationensketten mit Rauchern, Nichtrauchern, Juden und Antisemiten heraufbeschwört, die mit klaren Gedanken nichts mehr am Hut haben und einer Erkenntnis des eigentlich aufgeworfenen Problems schlicht im Wege stehen.

Wo die BePo es besser weiß, ist dem Autor kein Glaube zu schenken. Trennte dieser in zwei Teile, diese sieht aber nur eines, kann dies denen, die alles wissen ergo: "nur das gleiche bedeuten". Ein Unterschied zwischen der Übernahme von Argumenten von Rauchern durch Nichtraucher und der Übernahme der Suchtgewohnheiten gibt es hiermit nicht! Begriffpolizeiliche Verordnung!

"Eigentliche Probleme" werden da verschämt aufgeworfen, aber nicht benannt. Wo doch vormals alles heiter-belangloses Assoziieren von Befindlichkeiten darstellte... Und Assoziationsketten, die dürfen keine sein, die darf man auch nicht irgendwie zu ergründen suchen, wo es um Erkenntnis geht.

Parallelen werden suggeriert, die zwar nicht da sind, die aber in einem derart eingeschliffen-antideutschem Tonfall dargelegt werden, dass sie beim Drüberlesen fast plausibel erscheinen.

Die Parallele im Da-Sein ähnelt dem So-Sein im Hier-Sein. Erscheint fast plausibel, was natürlich so sehr ärgert, dass man flugs darüber hinwegschreibt:

Egal, auf die Wortwahl kommt es an.

Islamische Unterdrückung, Zwangskollektive, das Leiden des Einzelnen an der Allgemeinheit - hier sind es endgültig nicht mehr nur Worte, aus denen sich der Jargon zusammensetzt; es sind Denkfiguren, die sich keinesfalls mehr für alle Leser erschließen, den Antideutschen unter ihnen aber vermitteln, hier gehe es um den Kern der eigenen Gesellschaftskritik.

Ja, was denn: eine Denkfigur, die sich zudem erfrecht, nicht mehr allen Lesern sich [sic!] zu erschließen! Welch volksfremdes Jargonieren! Und das vom Kern der eigenen Gesellschaftskritik weg! Wie unverschämt! Das verstehen nicht alle Antideutsche unter den Lesern, darum muss es die "Weltkritik" nochmals verurteilen, ohne irgendwie etwas genauer zu erläutern, was daran verfehlt sei...

"Was will der Autor mit seinem Text eigentlich zeigen? Dass Raucher irrational ihre Sucht verherrlichen und dabei sich und ihre Umwelt vergiften? Dann soll er das doch einfach schreiben! Statt dessen: “Gewalt”, “Vernunft”, “Wahn”, “freie Assoziation”, “Fetischisierung”, “Individuum”, “Autopoiesis” - alles in einem Satz. “Crazy shit!”, um mal einen Genossen zu zitieren."

Da räusperte sichs im Inquisitor: "Schreib er deutsch! Und lass er die Finger von Sachen, von denen nicht einmal die BePo etwas versteht! Damit wir die Sache mit der Abwehr beim nächsten Mal leichter haben!"

So siehts aus, wenn Jargonkritik das neueste Steckenpferd ist, das man gerade von Überichs Gnaden erhalten hat. Auf einmal passen einem Begriffe nicht mehr, die vormals revolutionär galten. Aus der eigenen Unsicherheit über Vieldeutigkeiten, über die logische Ausweitung der Begriffskritik auf die tendenziell polymorph-perverse "antideutsche" Begriffswelt selbst, speist sich der Überlegenheitstaumel, der aus dem Erfolgsimpuls, den ihm dieses "Weiterkommen" verleiht, schon einen Vorgeschmack auf das finale Triumphgeheul zieht. Das spätesten dann ausbricht, wenn man wirklich endlich für sich behaupten kann, den Begriff ein für alle Mal festgenagelt und ihm Salz auf den Schwanz gestreut zu haben. Darum sei dem hier der alte Hase Adorno vorgesetzt.

"Der Begriff ist ein Moment wie jedes in dialektischer Logik. In ihm überlebte sein Vermitteltsein durchs Nichtbegriffliche vermöge seiner Bedeutung, die ihrerseits sein Begriffsein begründet. Ihn charakterisiert ebenso, auf Nichtbegriffliches sich [sic!] zu beziehen - so wie schließlich nach traditioneller Erkenntnistheorie jede Definition von Begriffen nichtbegrifflicher, deiktischer Momente bedarf -, wie konträr, als abstrakte Einheit der unter ihm befaßten Onta vom Ontischen sich zu entfernen.

Diese Richtung der Begrifflichkeit zu ändern, sie dem Nichtidentischen zuzukehren, ist das Scharnier negativer Dialektik. Vor der Einsicht in den konstitutiven Charakter der Nichtbegrifflichen im Begriff zerginge der Identitätszwang, den der Begriff ohne solche aufhaltende Reflexion mit sich führt. Aus dem Schein des Ansichseins des Begriffs als einer Einheit des Sinns hinaus führt seine Selbstbesinnung auf den eigenen Sinn.

Die Entzauberung des Begriffs ist das Gegengift der Philosophie."

(Adorno, Negative Dialektik, S. 24)

Was "Weltkritik" zu leisten meint, schlägt ins Gegenteil um: Begriffshoheit, Begriffsfetischismus und Begriffskult werden nicht zum Zwecke der Entzauberung kritisiert, sondern dieses Kritisieren gerät sich selbst zum Zweck, wird zum Zauber: primär um des Lustgewinns willen, sekundär um des Begriffs willen, keineswegs jedoch, um zu irgendetwas vorzudringen, was vom Begrifflichen nicht und falsch erfasst wurde, und sei's auf dem Wege der Verneinung falscher Annahmen.

Mein Text kann also vorerst getrost so bleiben, wenn da ernsthaftere Versuche sich nicht am Horizont ankündigen wollen...

"Hier in Deutschland ist es besonders schlimm, es wird so viel geraucht. Wie halten Sie das aus?"
(Christina Aguilera, Spiegel 51/2006, S. 154)

18.1.07 21:30


Saddam is dead! Conspiracy lives...

Ich irrte. Der Antiamerikanismus ist stärker als jegliche orthodox-koranische Märtyrerdoktrin und treibt merkwürdige Blüten: Gossip and Rumour. Im entlegenen Uganda, das wirklich andere Probleme hätte, schwatzen Muslime so alles Mögliche über das "unfaire" Verfahren Saddams. Eine westliche Verschwörung gegen einen Diktator, wo doch gerade der Westen noch nie einen einzigen Diktator zur Verurteilung zerrte, weder Pol Pot, noch Pinochet, noch Franco.

Als gäbe es zu seinem Fall groß Gegenbeweise anzuführen, etwa: Saddam war zur fraglichen Zeit nicht im Gefängnis und hat höchstpersönlich die Folterkeller inspiziert, seinen Sohn dort herumgeführt und mit eigenen Händen Gefangene ermordet, wie diese Dokumente und Filmaufnahmen es nahelegen, sondern wie dieses oder jenes Foto beweist, meditierte er friedlich in einem laotischen Kloster vor sich hin, um sein Chi zu stärken.

Und Uganda? Idi Amin? Da war mal was. Aber kein "unfaires Verfahren". Eher eine Villa in Saudi-Arabien. Die arabisch-afrikanische Solidarität eben.

Nachtrag:

Anscheinend hat einer der Anwesenden bei der Hinrichtung heimlich mitgefilmt. Die Scharfrichter rufen "Muqtada, Muqtada", um iSaddam zu ärgern. Dass die Tonspur gefälscht ist, ist unwahrscheinlich, schließlich könnte das offizielle Video, das bezeichnenderweise ohne Tonspur veröffentlicht wurde, leicht als Gegenbeweis angeführt werden. Sunnitische Demonstranten, die wahrlich keinem Schiiten irgendeinen Prozeß gönnen würden, der in ihre Hände gerät oder auch nur einen Funken an Rechtsempfinden bei Selbstmordattentaten in schiitischen Vierteln vermelden lassen, poltern jetzt erst recht von schiitischer Verschwörung.

Für Al Sadr ist das Ganze perfekte Propaganda, steht er doch als der wahre Mann der Macht, als der Sieger über Saddam da.

Letztlich wird sich aber die Erkenntnis durchsetzen, dass die Ära Saddam nun mal vorbei ist. Ob Syrien und Iran dann unangenehm unberechenbare Provinzanhängsel in Form eines geteilten Iraks bekommen, bleibt vorerst offen, ich schätze mal, die Sunniten wollen kaum das Öl auf schiitischem und kurdischem Boden aufgeben. Obwohl, Islamisten ist prinzipiell jede ökonomische und politische Dummheit zuzutrauen. Wenn es darum geht, sich selbst um Frieden und Demokratie zu bescheißen, sind sie einfach ganz vorne mit dabei. Einen friedlichen Irak gibts halt nicht ohne eine Abschaffung der Todesideologie Islamismus. Was man gerade im Westen nicht hören will.

31.12.06 13:13


Hohlspiegel

Der „Spiegel“ besinnt sich auf seine Tradition als Stürmerersatz für die deutsche Geisteswüste. Im Kino bewirbt er sich mit drei Titelbildern, darunter jenes berüchtigte mit dem Titel „Durfte Brandt knien?, dann noch ein Mauerfall und letzten Endes „Der Krieg im 21. Jahrhundert“, das WTC als legitimes Schlachtfeld eines halt moderner gewordenen Krieges. In den letzten Jahren verkauften sich die in schöner Regelmäßigkeit erscheinenden antiamerikanischen Aufmacher für das "meistzitierteste Medium Deutschlands" besonders gut und deshalb gönnt man sich ein bisschen Mottenkiste und Tabubruch zu Weihnachten: Die Heuschrecke, im Stil eines Ölgemäldes, mampft sich Hochhäuserkauend durch die deutsche Lebensfähigkeit. Eine Frage beantwortet der Spiegel dem interessierten Terrarianer allerdings nicht: Wo kann man diese nützliche Orthopteren-Spezies erwerben, welche Haltungsbedingungen sind optimal und ist ein Zuchtansatz für den Hausgebrauch in kleineren Mittelstädten praktikabel?

 

Über die darauf notwendig folgende Ausgabe über das Judentum und seine Verbrechen schreiben "Apocalypso" und "Hannes Stein".

Fazit des Spiegel-Topthemas: Der Polytheismus ist friedlicher Urzustand, der jüdische Monotheismus kennt nur die Sprache der Vernichtung. Alles Übel der Welt vom Kreuzzug zum Islamismus ist daher jüdisch inspiriert. Obwohl sie auch nur von den Ägyptern "abgekupfert" haben.

Zum friedlichen Polytheismus braucht man kein Wissenschaftlert zu sein, um sich ein Urteil zu bilden. Hinduistische Mobs und Frauenverbrennungen, Menschenopfer, die übrigens in der Bibel schon als das wesentlich Abzulehnende am Polytheismus beschrieben werden, Xerxes, Alexander, Cäsar, Atilla, etc.pp.

22.12.06 12:32


[erste Seite] [eine Seite zurück]  [eine Seite weiter]



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung