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Antisemitismus

Mein Führer - Noch ein Grund dafür.

Der kleine aber feine Gripsiltis hat mit Deutschland erregt sich - "Mein Führer" und die Reaktionen auf einen Versuch, dem deutschen Faschismus mit Humor beizukommen eine interessante These zur Kontroverse um "Mein Führer" aufgestellt:
Der Film fiel bei den Kritikern deshalb durch, weil er konsequent Juden als Opfer und Deutsche als Täter zeigte. Keine verheulten, scheinheiligen Aimees, keine Schindlers, keine naiven Sophies, kein lustiger Benigni, lediglich ein durchgedrehter Mob zwischen Trümmern und eine Familie normaler Menschen, Juden.

«Am Anfang war die Erziehung», Alice Millers Auseinandersetzung mit der «Schwarzen Erziehung», wird von Dany Levi selbst in Verbindung mit seinem Film mehrfach erwähnt und in mehreren Szenen wird direkt bezug genommen auf den kleinen Adolf, der in seiner Position als Diktator das Verhalten nachzeichnet, was sein Vater an ihm vollzogen hat. Der Film redet sich jedoch den Mund fusselig in der Betonung, daß damit nichts rechtfertigt und niemand entschuldigt werden soll. Keine Erklärung, keine Rechtfertigung, bloß lachen über die Deutschen – es wird allmählich deutlich, wieso eine solche Komödie weder dem deutschen Publikum, noch der deutschen Kritik gefallen kann.

18.6.07 18:30


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Kampf den Gewerkschaften!

Der G8-Gipfel zieht derzeit alle notorischen "Was-Tun"-Müsser und gleichgeschaltete autonome Schlümpfe an.
Ganz sicher nicht wird dort gegen britische oder südafrikanische Gewerkschaften demonstriert, die sich inzwischen komplett der Fortführung des Nationalsozialismus in der Vernichtung Israels verschrieben haben, wie unschwer aus diesem lesenswerten Artikel der Jerusalem Post hervorgeht. 
 
31.5.07 18:12


Lexikon der antisemitischen Klischees

Die Versuche den Antisemiten die Juden auszureden, sind so zahllos wie vergeblich. Die unschuldige Diskussion über den Antisemitismus unter anderem mit den Antisemiten, wie sie der Antisemiten-Spiegel 1890 streitbar ins Felde führte, ist nach Auschwitz eine unmögliche geworden. Den Antisemitismus in den Rang eines Vorurteils zu heben und ihm sogar die Weihen der Diskussionsfähigkeit zu verleihen, indem man seine Argumente als solche nimmt, heißt Auschwitz zu verharmlosen, die ungerührte Eifrigkeit, mit der Antisemiten zu Werke gehen, zu leugnen und ihnen einen naiven Selbstzweifel und Kritikfähigkeit anzudichten, die sie nicht besitzen.

Peter Waldbauer versucht mit dem "Lexikon der antisemitischen Klischees" "Antijüdische Vorurteile und ihre historische Entstehung" zu beschreiben und zu wiederlegen, was gründlich danebengerät und sowohl in der Schärfe des Arguments als auch in der Akribie der Beweisführung noch hinter den Antisemiten-Spiegel zurückfällt. Sein Werk ist in keinem Punkt die versprochene Enzyklopädie der antisemitischen Klischees, wie man sie sich als Antisemitismusforscher durchaus wünschen würde: Mit Datum der ersten Nennung des Klischees, der weiteren Vorkommen und einer geschichtswissenschaftlichen Beurteilung der Ursachen von Entstehung und Verbreitung.

Waldbauer versachlicht schon im Titel den Antisemitismus, die ausdauerndste mörderischste Bewegung aller Zeiten, zu einem Vorurteil. Wenn aber dem "antijüdischen Vorurteil" auch noch eine "historische Entstehung" zugesprochen wird, entfällt Individualpsychologie und Traditionslinien entschuldigen das antisemitische Subjekt als bewusstloses Ende einer kulturellen Kette.
Nicht zuletzt bleibt das Argument Waldbauers auf der Ebene der autoritären Wahrheitsbehauptung stehen, die Ursache für das Klischee will er durch empirische Widerlegung ex cathetra leisten, nicht durch Quellenangaben, Statistik oder logische Widerlegung. Häufig sagt er einfach: Es ist ganz bestimmt nicht so oder so, was vielleicht bei einem Bundepräsidentenwort eine gewisse Wirkung auf allzu autoritäre Charaktere hätte, aber kaum geeignet ist, vom Standpunkt eines unbekannten Autoren aus der wahnhaften Phantasiewelt des Antisemiten zu begegnen.

Schon der Fragenkatalog stellt nicht selten Konzessionen auf den Antisemitismus ab. Es wird den Antisemiten kaum kümmern, ob Rosenkranz nun ein jüdischer oder ein katholischer Namen ist.
"Erkennt man einen jüdischen Geschäftsmann an seiner "Wohlstandszigarre"? lässt Waldbauer einen fiktiven, naiv fragenden und auf Aufklärung hoffenden Antisemiten zu Wort kommen um ihm burschikos zu antworten:

"Zum Schmunzeln ist dieses Klischee schon, aber bis in die 1960er Jahre galt in Wien ernsthaft noch folgende Regel: Zigarre gleich Wohlstand, Wohlstand gleich Jude."

Was an diesem Klischee überhaupt nicht zum Schmunzeln ist, ist die Ebene der Gewalt, die gerade das antikapitalistische Wahngebilde erst entfachte. Die Ebene der Unglaublichkeit, die den Antisemitismus als historisch überholten Aberglauben zum Diminutiv seiner realen, modernen Gewalt geraten lässt, befindet sich auf dem Niveau der Anekdote über die Hinterwäldler, wird aber in keinster Weise dem Wahn des Antisemitismus gerecht.

90-100 Prozent der vorgestellten Fragen bergen diese selektiv vorgestellte Naivetät: "Kann man Juden an Ihrem Äußeren erkennen" wird mit einem schlagenden Beispielbeweis eines blauäugigen blonden Juden "widerlegt", als hätten nicht Nichtarier als KZ-Schergen ungerührt Zehntausende blonder, blauäugiger Juden ins Gas geschickt.

"Werden die Juden besonders alt" wird teilweise bejaht, denn Juden achteten anscheinend mehr auf ihre Lebensweise. Warum allein im letzten Jahrhundert Millionen von Juden allein aufgrund ihrer Herkunft nicht "besonders alt wurde", i.E. brutalstmöglich ermordet wurden, bleibt selbstverständlich außen vor. Die Harmlosigkeit der Fragestellungpaart sich gerne mit einem ausgemachten Zynismus. Weitere Fragen, die den wissbegierigen und belogenen Antisemiten nach Waldbauer quälen, und über die er anscheinend in einschlägigen Quellen keine eindeutigen Antworten findet, sind:

"Sind Juden hartherzig und skrupellos", "Gehören den Juden alle Banken", "Haben die Warenhäuser die Landwirtschaft geschädigt", und nicht zuletzt historisches Banalwissen, das durch erneute Besprechung eher in Frage gestellt wird, denn belegt: "Gab es im Dritten Reich wieder Ghettos?" Der gute Onkel Waldbauer wäre wahrscheinlich gutmütig genug, dem Antisemiten auch die Frage zu beantworten, ob denn nun die Juden daran schuld seien, dass die Erde flach ist.

Waldbauers unnötige, wissenschaftlich dürftige und bisweilen explizit falsche Zusammenstellung ist ein Ärgernis. Sie würdigt den derzeitigen Stand der Antisemitismusforschung herab, begibt sich auf die Ebene des Unterbelichteten und zeigt in seiner ganzen Verkitschung leider keinerlei Ursachen auf. Er versucht den Antisemitismus und seine Judenfrage ein weiteres Mal vom Judentum her zu lösen, und bespricht dieses zudem wie ein fremdes Tier, das mit ein wenig Erfahrungsebene schon zutraulich werde und auch gar nicht so bösartig sei, wie immer gesagt wird. Ein solches Buch hätte man über Wölfe schreiben können, wohl kaum aber über Menschen, an die sich die Projektion von Millionen und möglicherweise inzwischen Milliarden von Antisemiten fern jeder Argumentation bei gleichzeitiger Bereitschaft zum Äußersten klammert.

Antisemitische Propaganda entbehrt der Logik und des Wahrheitsgehaltes nicht ohne Grund, deren Abwesenheit ist sogar Grundbedingung für das Fortbestehen. Nichts facht den Antisemiten zu intellektuelleren Höchstleistungen an, als eben jene bloßgestellten Lügen zu einem monströseren Gebilde wieder zusammenzimmern zu dürfen, und da finden sich dann selbstverständlich alle Argumente Waldbauers in das Gegenteil ihrer gutgemeinten Absicht verkehrt wieder.

Der Antisemit muss nicht lügen, um Antisemit zu sein, er kann eine Wahrheit über Juden genauso wie eine Lüge aussprechen und sie gegen Juden wenden. Waldbauer hätte besser ein weiteres Geschichtsbuch über das Judentum erarbeitet, oder eine weitere Geschichte des Antisemitismus. So bleibt sein engagiertes Buch ein Fehler, gut allenfalls für den Papierkorb und nicht zuletzt ein Buch, das durch seinen verharmlosenden Charakter der Aufklärung über den Antisemitismus feindlich entgegen steht.

Quellen: Peter Waldbauer, 2007: "Lexikon der antisemitischen Klischees. Antijüdische Vorurteile und ihre historische Entstehung." Mankau Verlag, 193 Seiten, 12,95 €.

Sehr viel lesenswerter: Henrik M. Broder: "Der ewige Antisemit. Über Sinn und Funktion eines beständigen Gefühls."

4.5.07 11:31


Küntzel zensiert!

Matthias Küntzel, die einen oder anderen werden ihn kennen, sollte an der Uni Leeds ein Seminar mit folgendem Titel halten: "Hitlers Legacy: Islamic Antisemitism in the Middle East ."

Das passte einigen Muslims nicht und sie nahmen ihr demokratisches Recht in Anspruch, dagegen zu protestieren. Die Universitätsleitung sah sich in der Folge angeblich außerstande, die Sicherheit zu garantieren und sagte die Veranstaltung ab.

Judeoscope und Times berichten ausfühlich. Der Times zufolge habe die Universitätsleitung einer Umbenennung zugestimmt. Das Seminar soll nun eventuell heißen:

“The Nazi Legacy: the export of antiSemitism [sic!] to the Middle East”

Interessant daran ist, dass Muslime (und in ihrem Gefolge die UNiversitätsleitung) so allergisch reagieren, wenn Islam in Verbindung mit Antisemitismus genannt wird. Das deutet auf ein verdrängtes Bewusstsein der islamischen Täterschaft - also auf ein schlechtes Gewissen - hin. Die Verdrängung fordert um so mehr Gewalt. Interessant auch, dass der Vorschlag "exportierter Antisemitismus" als harmlosere Variante durchgegangen wäre. Das sollte einem zu denken geben: Die Export-These bedient damit ein Bedürfnis nach Entschuldung und sollte tunlichst vermieden werden, abgesehen davon, dass sie falsch ist, auch wenn sie bisweilen von Osten-Sacken und einigen anderen Szeneautoren ins Gespräch gebracht wird. Der Antisemitismus im Islam, d.h. sowohl im Koran als auch in der historischen Realpolitik ist eindeutig nachgewiesen, es kann von einer Verstärkung gesprochen werden, das Wort "Export" müsste aber unbedingt zu "Import" hin verschoben werden, um die aktive Bereitschaft und Täterschaft zu unterstreichen. Antikapitalistisch geprägter Antisemitismus aus Europa, beispielsweise die "Protokolle", war ein Mitbringsel der in Europa studierten nationalistisch-islamischen Elite, die solche Ideen begeistert aufgriff. Husseini hatte zwar Unterstützung erhalten, aber kaum sein komplettes Weltbild importieren müssen.

Dank an Fakten und Fiktionen für eine Kurzinfo. Auf Lizas Welt das Ganze etwas länger aber mit gleichem Tenor.

15.3.07 16:24


Hitler in Taiwan

Adolf Hitler hat in Taiwan eine kleine Fangemeinde gefunden, die sich vor allem für die "Stärke" zu begeistern weiß. Die Jerusalem Post berichtet ausführlicher.
14.3.07 13:01


Radio Ramallah und die Apartheid


Die vom palästinensischen, rassistischen Terror erzwungene "Apartheidmauer" mussten die ausgegrenzten Juden auch noch auf eigene Kosten errichten...

Der Südafrikaner Andrew Bolton will laut Haaretz in Anlehnung an das südafrikanische "702 Talk Radio" einen Radiosender in Ramallah eröffnen.

The station, 93.6 RAM FM, aims to provide a platform for "peaceful dialogue" and is based on the popular South African radio station, 702 Talk Radio, which the station's founders believe played a key role in the transition from the country's apartheid regime to democracy.

Weil der Sender "unpolitisch" ist, wird auch nicht erwähnt, welche Seite man als analog zum Apartheidregime betrachtet. Etwa tatsächlich die palästinensische, die Israelis zwingt, hinter selbstbezahlten Mauern abgeschottet und unter ständiger Angst um Leib und Leben sich zu bewegen, nur weil sie "Juden" sind? Die jeden Kollaborateur mit Israel zum Tode verurteilt? Die Terror gegen die eigene Bevölkerung ausübt, sofern sie noch nicht vollständig den rassistischen Doktrinen der religiösen Führer unterworfen ist? Nun, liest man weiter, verflüchtigt sich jede Sorge um eine korrekte Darstellung der Ereignisse:

We're committed to telling both sides of the story," Andrew Bolton, the station's news editor said. "We are apolitical and will not toe any political line, other than peace." Bolton said the news program would therefore not include either terms like "martyr" or "terrorist," both of which he called "loaded."

Wenn man in Europa beide Seiten der Geschichte erzählt, ist eines sicher: die israelische kommt nur vor, wenn sie antizionistisch ist und die kommunistische Partei Israels vertritt. Es bleibt abzuwarten, inwieweit das Konzept Boltons ein gelungenes wird, ob es den Mut hat, der palästinensischen Bevökerung jene narzisstischen Kränkungen zuzumuten, die notwendig sind, um sie vom Antisemitismus zu heilen.

Die Wahl der Senderlocation Ramallah lässt kaum auf solches schließen, zwar findet man hier eine jugendliche Diskoszene, aber ein allzu kritischer Sender dürfte schnell Opfer von paramilitärischen Anschlägen werden. Wenn Bolton den palästinensischen Terrorismus der palästinensischen Bevölkerung gegenüber nicht als solchen benennen will, stellt dies schon eine Konzession an ihn dar, und er lässt offen, inwieweit man die antisemitische Gewalt benennen will: etwa als Widerstand, wie in Deutschland üblich?

Sicher ist, dass keine israelische Leidensgeschichte einen palästinensischen Antisemiten zur Vernunft bringen wird. In das abgedichtete Weltbild fügt solches jüdische Leiden sich perfekt ein, es entsteht allenfalls ein sekundärer Antisemitismus, der vom Leid der Juden auf ihren Rachedurst schließt und so schon den nächsten "Gegenschlag" vorbereitet. Wie in jedem zirkulären System werden Widersprüche als "Ausnahmen" ignoriert, Selbstreflexion bleibt außen vor. Weil man dies aber den Palästinensern wegen ihrer Subalternität nachsieht, wird Selbstkritik umso heftiger von Israelis erwartet werden. Und jüdische Selbstkritik war dem Antisemiten schon immer eher in Erinnerung geblieben, als Kritik am Antisemitismus.


Die palästinensische Bevölkerung geht durch Checkpoints zur Arbeit im Gefängnis Israel. Umgekehrt ist dies kaum möglich, ein Jude würde jenseits der Mauer in akuter Lebensgefahr durch rassistische Übergriffe schweben.
 
Nachtrag: Der Vergleich zwischen Apartheid-Rassismus und dem palästinensischen Antisemitismus hinkt noch gewaltig, denn letzterer strebt nicht bloß eine Unterwerfung und Segregation an, sondern die totale Vernichtung. Der Apartheid-Vorwurf an Israel wird aus Südafrika prominent von Desmond Tutu erhoben .
21.2.07 14:26


Trügerisches Idyll

Von Proisraelischer Seite wird oft das Argument bemüht, die Araber in Israel wüssten ja, woran sie mit Palästina seien und wären vergleichsweise solidarisch mit Israel. Antiisraelische "Experten" wie Avnery, Zuckermann und co. sehen in der Rückführung weiter Teile der arabischen Flüchtlinge ein Mittel zum Abbau der Gewalt gegen Israel. Wieder andere schwadronieren ein ums andere Mal davon, dass ja der Erfahrungshorizont der Palästinenser mit Checkpoints, Armut und Gewalt sie in das Selbstmordattentat als letzte Waffe der Armen treibe.
Die "Jüdische Allgemeine" vom 8.2.2007 hat solchem Nonsens gegenüber eine interessante Meldung:
 
Undankbar
Vierzehn Prozent der in den vergangenen Jahren verübten Selbstmordanschläge wurden von israelischen Bürgern begangen. Das hat der Sicherheitsdienst Schabak errechnet. Bei den Tätern habe es sich um palästinensische Terroristen gehandelt, die einen israelischen Araber geheiratet hätten und im Judenstaat eingebürgert worden seien. Dank ihres israelischen Personalausweises genossen die Zuwanderer volle Freizügigkeit und konnten ihre Tat ungehindert planen. Nach Auffassung der Terrorabwehr ist das ein triftiger Grund, um den Zuzug palästinensischer Ehepartner nach Israel zu beschränken.
 
Die aggressive Siedlungspolitik der Palästinenser mit dem Ziel, Israel demographisch zu unterwandern, war noch keine UN-Resolution wert, geschweige denn einer Frauenorganisation ein Flugblatt gegen den "Mutterkuh-Status" der arabischen Frau. Dass aber ein Land wie Israel immer noch palästinensischen Nichtisraelis gestattet, die volle israelische Staatsbürgerschaft zu erlangen spricht jenen Hohn, die von einem institutionalisierten Rassismus in Israel sprechen.
Die Frage nach der demographischen Aggression bleibt bestehen. Wo ca. 150000 israelische Siedler im Westjordanland für einen Sturm der Entrüstung sorgen, vernimmt man keine Pläne zur Aussiedelung palästinensischer Familien, EU-Hilfen oder Anreize der arabischen Liga dafür sucht man vergebens und noch niemand hat die palästinensische Noch-Minderheit in Israel als Konfliktursache des Nahostkonfliktes bezeichnet.

Die UN meint : "Ansiedlungen auf besetztem palästinensischen Gebiet, einschliesslich Ostjerusalem, und auf den besetzten syrischen Golanhöhen (sind) illegal und ein Hindernis für Frieden sowie wirtschaftliche und soziale Entwicklung"

Statler und Waldorf wissen demgegenüber das Gegenteil aus dem Golan zu berichten. 

9.2.07 12:20


Le dernier cri: Die Philosemitismuskeule

Marc Chagall : Der Jude in Schwarz-Weiß

Man könnte meinen, ein Gespenst geht um. Der Philosemitismus erregt die Gemüter aller Seiten, ein schwelender Verdacht, geeignet, den vermeintlich Nächsten bis ins tiefste Gemüt zu mustern, um sich des künftigst drohenden Verrats an der Sache zu erwehren.

Ein Begriff, der einst jene antisemitischen Judenhandpuppen meinte, die im Prager ehemaligen Ghetto an Buden verkauft werden, jene Dayan-Rommel-Vergleiche in deutschen Tageblättern, jenen bewusst übertreibenden offensichtlichen Antisemitismus, jene allzu offenkundig als krude zu entlarvende Judenmission der Evangelikalen - ein solcher Begriff ist zunächst ein gefundenes Fressen für die zum Abwehrkampf bereiten Antisemiten, sich ihrer Gegner zu erwehren. Längst hat die Rede vom Philosemitismus dort als stehende Größe Einzug erhalten, wo man Antisemitismus für eine verständliche Reaktion auf die Medienpräsenz von Juden hält.

Die psychoanalytische Erforschung der libidinösen Objektbesetzung betont den möglichen Umschlag: Das Objekt wird, falls es sich als nicht beherrschbar erweist oder die auf es projizierten Fremdanteile durch subjektive Anteile enttäuscht, zum feindlichen, es wird zerstört wie ein Bild vom Wahnsinnigen, ein Star vom Fan attackiert, die untreue Ehefrau vom sie wahnhaft Liebenden ermordet. Der Schritt zum Wahnhaften ist dabei ein rein quantitativer, auf ein jedes libidinös besetztes Objekt wird auch falsch projiziert und in bester kritisch-theoretischer Manier wäre als pathisch erst der Ausfall an Reflexion darin zu benennen.

In gewissem Sinne ist der christlich inspirierte Antisemitismus enttäuschter Philosemitismus. Luther wollte einst die Juden bekehren, als dies nicht gelang entbrannte er in Vernichtungswünschen, die dem nationalsozialistischen nicht nachstanden. Der nationalsozialistische Antisemitismus neidete den Juden ihre Tradition, und suchte die mimetische Kopie authentischer Spiritualität in Massenritualen, Symbolen und dem Tradition heischenden Germanentum. Die Nazis mussten die Bewunderung für die Juden leugnen, und sie deshalb zur Gegenrasse erheben - sie in so weite Ferne rücken, dass niemand auf die Idee kam, das schlecht gefälschte, ins Gegenteil verzerrte Plagiat auf sein erhabenes Original zu prüfen. Und der eifersüchtige Prophet Mohammed vernichtete jene jüdischen Stämme, die ihn der Fälschung ziehen.

Der Philosemitismus in der Linken soll vor dem Sechs-Tage-Krieg 1967 angeblich ein Massenphänomen gewesen sein, der Umschlag in massenhaften Antisemitismus dadurch mitbegründet. Ich halte einen solchen proisraelischen Philosemitismus für nicht annähernd so ausschlaggebend für den dieser Phase folgenden Antisemitismus, wie antisemitisches ideologisches Erbe, die blindwütige Bindung an sowjetische Propaganda und den da schon entfachten Antiamerikanismus.

All diesen "Philosemiten" war der Antisemitismus schon offen ins Gesicht geschrieben, die Juden waren Objekt der Bekehrung oder reine Projektionsfolie. Es bedurfte keiner besonderen Begabung, um ihn als im Kern judenfeindlich zu entlarven.

Aktuell ist der Philosemitismus ein Angstbegriff in der antideutschen Szene. Ich halte ihn für maßlos übertrieben oft und falsch verwendet, was die derzeitige Debatte um die Anti-Ahmadinedschad-Demonstration in Berlin vielleicht verdeutlicht. Ich persönlich hielt von der Demonstration aus folgenden Gründen nichts:

1. Wenn man die israelische Regierung für zu inkompetent hält, eine drohende Vernichtung Israels abzuwenden, warum hält man dann ausgerechnet die deutsche Öffentlichkeit für kompetenter?

2. Wenn tatsächlich dieser Akt der Vernichtung droht, der als "atomarer Holocaust" betitelt ist - was dem Unbedarften vielleicht verdeutlichen soll, dass der noch schlimmer ist, als der "nichtatomare", wegen der Strahlung und so - dann sollte man den Demonstranten wirklich die Frage stellen, warum sie einen spaßigen Ausflug mit anschließender Latschdemo (den Funfaktor ins Zentrum gerückt) für ein geeignetes Mittel halten, diesen zu verhindern.

3. Wieso ist man nicht in der Lage zu benennen, was mit Unterstützung des Iran schon seit Jahrzehnten an Vernichtungsaktionen geplant und ausgeführt wird - über die Hisbollah, über die Hamas.

Mit dem entsprechenden Beitrag zur Diskussion dazu auf Lizas Welt bin ich in weiten Teilen einig. Bedenken erheben sich mir jedoch bei folgendem Schlussplädoyer gegen den Aufruf der Bahamas:

"Den zu der Demonstration aufrufenden jüdischen Gemeinden und Gruppen wird ausdrücklich vorgehalten, sie beteiligten sich „wohl in der Hoffnung, ihrerseits ein Gemeinschaftsgefühl zu erleben“. Es ist die Ebene der Verdachts, die hier ins Spiel kommt, denn Belege für die Spekulation, den Teilnehmern gehe es bloß um eine familiäre Karnevalsparty und nicht um eine ernsthafte Manifestation gegen Judenhass, fehlen gänzlich. Und mehr noch: Es ist eine klassische antisemitische Projektion zu behaupten, der Jude sei individualistisch statt kollektivistisch, setze auf sich allein und nicht auf die Gemeinschaft. Wenn Juden aber nun vorgehalten wird, sie würden ein „Gemeinschaftsgefühl“ erhoffen, so wird ihnen explizit zum Vorwurf gemacht, dass sie nicht der wahnhaften Projektion des gemeinen Antisemiten Folge leisten wollten. Damit denunziert sich die Rage der Bahamas im Kern selbst als antisemitisch. Man kann der Redaktion eines nämlich nicht vorwerfen: einen ungenauen und unüberlegten Umgang mit der Sprache, mithin eine unzureichende Kenntnis der kritischen Theorie des Antisemitismus."

So wenig ich den Text der Bahamas für gelungen halte, seine Kritik greift bei weitem zu kurz und schief, so sehr halte ich es für wichtig, das Zitat nicht zugunsten der Wirkung abzukürzen:

"Sein Nachfolger, Johannes Gerster (CDU), der stolz den „ersten Bibelgarten Deutschlands“ präsentiert, verkündete schon im Dezember dem sächsischen Teil der Gemeinde: „unser Bibelgarten-Bus fährt ab Synagoge Dresden über Großröhrsdorf, Pulsnitz – Kamenz bis zur S-Bahn Berlin-Adlergestell und zurück“. Gerster weiß für die Seinen klar zu benennen, welcher Gewinn eine Großdemonstration „gegen den gefährlichsten Politiker unserer Zeit“ für das deutsche Vereinswesen sein kann: „Heute möchte ich Sie sehr herzlich bitten, soweit es ihre eigenen Veranstaltungen am Holocaustgedenktag zulassen, unsere zentrale Kundgebung mit Herz und Verstand (!) zu unterstützen. Wir wollen uns kraftvoll zu Wort melden, unser Gemeinschaftsgefühl (!!) in der DIG stärken und erfahren, dass wir mit unserer Arbeit nicht allein (!!!) stehen.“ In den Bibelgarten der DIG sind nämlich allerherzlichst auch Deutschlands Juden eingeladen, von denen sich gleich 20 Gemeinden und Gruppen dem Aufruf angeschlossen haben – wohl in der Hoffnung, ihrerseits ein Gemeinschaftsgefühl zu erleben. Ob sie sich darüber im Klaren sind, dass von solcher Beschwörung der nationalen und europäischen Versöhnung gerade diejenigen, um die es doch zuallererst gehen sollte, die vom Angeklagten unmittelbar bedrohten jüdischen Bewohner Israels, qua geflissentlicher Nichterwähnung ausgeschlossen sind?

[...] Bis dahin aber steht zu befürchten, daß im Bibelgarten deutscher Israelfreude, also dem Holocaustdenkmal zu Berlin, immer auch der Mullah zur Stärkung des Gemeinschaftsgefühls deutscher Vereinsmeier beitragen darf, und der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, der schon seit langem Islamkritik als „Islamophobie“ bezeichnet und in die Nähe des Antisemitismus rückt, mit ihm über einen deutschen Professorenaufruf zur Selbstabschaffung Israels diskutiert."

Vom Vorwurf an "die Juden" liest sich hier wenig, dafür etwas Wahres über eine Tendenz einer genauer bezeichneten ideologischen Gruppe.
"Der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland"
an dem das mit Lizas Welt kooperierende Blog Critique: Hector Calvelli eine vernünftige Kritik übt, ist nicht "die zur Demonstration aufrufenden jüdischen Gemeinden und Gruppen", sondern einer, der diesem Aufruf entgegensteht und dennoch in die Kritik eingebunden ist. Das Gemeinschaftsgefühl, das konkret benannte "20 Gemeinden und Gruppen" "ihrerseits" erleben wollen, ist ein von dieser vereinnahmenden Seite aus notwendig enttäuschtes, seine Benennung bezeichnet den deutschen Philosemitismus in der DIG, der mit Juden - des (offenbar bedrohten) Gemeinschaftsgefühls in der DIG wegen - gerne zusammen gesehen werden möchte. Nicht jedoch lassen sich Rückschlüsse aus dem Gesagten über das Gemeinschaftsgefühl innerhalb der jüdischen Gemeinden ziehen, fernab dessen, dass der Redaktion Bahamas ein positiver Bezug auf ein wie auch immer geartetes Gemeinschaftsgefühl fern stehen dürfte.

Der Vorwurf des Antisemitismus wurde von der Bahamas, i.e. Justus, abgeschmettert , die Forderung nach Entschuldigung wurde angeblich laut. Hier stellt sich die Frage nach der Professionalität von Teilen der Redaktion Bahamas im Umgang mit einem zwar logisch ungerechtfertigten, aber emotional verständlichen, nicht ganz unbegründeten Antisemitismus-Vorwurf. Der Vorwurf des Antisemitismus ist dem Gegner des Antisemitismus kein Makel, sondern Grund zur Reflexion! Am Beginn dieser würde eine Einsicht in die Problematik und zugunsten der Polemik verkürzende Nachlässigkeit des Ausgesagten stehen, am Ende vielleicht die Aufforderung zur Reflexion auf der Gegenseite. Keinesfalls eignet sich aber ein solches "Schandfleck"-Gebahren zur Aufklärung über die Sache, nämlich dem Verhältnis von Philosemitismus und Antisemitismus.
Vielmehr ähneln solche "Antisemitismus-Vorwurf"-Debatten Judith Butlers und Moshe Zuckermanns Sprech vom "Missbrauch mit dem Antisemitismusvorwurf", der diesen unglaubwürdig mache. Zuzugeben, bei einem zumeist ernsthaften Kritiker des Antisemitismus wie Lizas Welt durch eine Formulierung ein ungutes Gefühl hinterlassen zu haben, wäre der tabubrecherischen Bahamas allerdings (bedauerlicherweise) wohl doch zuviel der "Schande".

Gehen wir weiter auf den Philosemitismus ein.
Lizas Welt analysiert messerscharf in Kenntnis des Philosemitismuskomplexes:

"Die Bahamas ist, so scheint es, enttäuscht vom Ersatzobjekt ihrer Zuneigung, da es nicht den von ihr vorgegebenen Maßstäben genügt."

Was man der Bahamas nicht vorwerfen kann, ist, dass sie ihr "Ersatzobjekt" im Zentralrat der Juden in Deutschland oder "den Juden" suchen würde. Lizas Welt vermag nicht zu benennen, wofür dieses Objekt ein Ersatz ist. Wenn man der Bahamas zugrunde legt, die "Elemente des Antisemitismus" gelesen zu haben, so erinnert man sich womöglich an einen Satz in diesem reichhaltigen und durchaus fehlerhaften Werk:

"Die jüdischen Massen entziehen sich dem Ticketdenken so wenig, wie nur irgend die feindlichen Jugendverbände." (Horkheimer/Adorno: Dialektik der Aufklärung, S. 185. Fischer 1984)

Meines Wissens nahm die Bahamas nie einen antisemitischen Juden wie Judith Butler oder Moshe Zuckermann von ihrer Kritik aus. Sie vertritt in Bezug auf Israel eine Position der Vernunft, nicht eine des identitären "Gemeinschaftsgefühls", oder der "Schuldfrage". Das Gegenteil wäre nachzuweisen. Demenstprechend hämisch reagieren die von je her Beleidigten, den vermeintlich Überkorrekten einen Fehler nachzuweisen.
Auf dem Badblog vermeldet "Bürger" ein Kommentar zur Diskussion:

Mir erscheint ein Verhältnis zur Zeitschrift Bahamas wie das der Herde zum Hirten, mithin hochgradig irrational, das auf jede Kritik an den Gurus reflexhaft die Stichworte “Ressentiment” und “Vatermord” herunterspult. Ein solcher Vatermord täte einigen vermutlich ganz gut. Es ist ja nicht so, als wäre der Antisemitismusvorwurf einfach so dahingesagt. Der wird ja auch begründet: Es ist der Antisemitismus des vom Objekt seiner unerwiderten Liebe enttäuschten Philosemiten.

Wie jeder in der antideutsche Schule gelernt hat: "Be aware of Philosemitism!" Also lieber nicht zu radikal für Israel sein, sonst kommt hinterher garantiert das Gegenteil heraus.
Gleich darunter bemerkt Edward E. Nigma nach einer längeren, richtigen Kritik:

Ansonsten kann ich nur gelangweilt mit der Schulter zucken und werde die Protagonisten des Disputes nicht mehr ernst nehmen, angesichts des philosemitischen Reflexes der sich da so derart Argumentfrei Bahnen bricht, nur weil der ein oder andere mit seiner Identität nicht mehr zurecht kommt und nur deshalb den Schwachsinn im Munde, ebenso wie die Keule in der Hand führt…

Meines Erachtens besteht dringendster Bedarf an der Schärfung eines Begriffs vom Philosemitismus. Weder ist er ein Reflex, noch ein derart einheitlicher Komplex wie der Antisemitismus.

Philosemitismus rettete zahlreiche Juden vor der Vernichtung. So verwerflich die Bekehrungsabsicht der evangelikalen Christen in Amerika ist, so viel tun sie für den Erhalt Israels. So eindeutig sich philosemitische Herrscher des Mittelalters die Juden nutzbar machen wollten, so hilfreich erwies es sich in zahlreichen Fällen für Juden, mit Schwert und Schild vor marodierenden Kreuzrittern, plündernden Bauern oder fanatischen Christen gerettet zu werden. Philosemitismus kann die völlig rationale atheistische Begeisterung für die jüdischen Texte ebenso bedeuten, wie der harmlos zu nennende Kaballa-Fanatismus Madonnas. Philosemitismus kann eine Reaktionsbildung auf den Antisemitismus, der die Juden real zum auserwählten Volk macht, sein, wie die Erkenntnis, dass der Antisemitismus der Feind des Menschen ist, und daher auch der des sich mit diesen notwendig solidarisierenden Individuums. Keinesfalls ist solchen Formen des Philosemitismus notwendig der Umschlag in Antisemitismus eingeschrieben. Am Beginn eines solchen Philosemitismus steht in der Regel ein aufgeklärtes Interesse und häufig eine Abkehr vom klassischen Antisemitismus, bisweilen eine Bekehrung zum Judentum.

Philosemitismus sollte vielleicht besser unterschieden werden in einen latent oder offen antisemitischen und in einen reflektierenden, der zu benennen weiß, warum er diesen oder jenen jüdischen Text oder die israelische Politik gutheißen kann und sich möglicherweise damit identifiziert. Von letzterem geht kaum Gefahr aus, ersterer ist meist schon auf den ersten Satz als antisemitisch zu enttarnen.

Anders als der Antisemitismusvorwurf ist der Philosemitismusvorwurf in überwiegendem Maße ein Instrument des Antisemitismus, wie neudeutsche Blogs im Stile von Lysis reich belegen. Darauf zu reflektieren sollte die weitere Verwendung zumindest eindämmen und auf explizit zu begründende Fälle reduzieren. Und spätestens hier übergebe ich an Menschen, die tiefer in das Phänomen einzudringen wissen und möglicherweise auch ein paar mehr Bücher zum Thema auf Lager haben.

Nachtrag:

Was der antisemitische Philosemitismus-Vorwurf will:

- Identität von Ideologie und Volkszugehörigkeit:
"Du bist kein Jude, also darfst du seine Meinung nicht teilen."

- Verdecken des eigenen antisemitischen Arguments:
"Wenn ich Antisemit sein soll, dann bist du Philosemit und das ist schlimmer!" (vgl. Manifest der 25)

- Aufspreizen zum Kritiker:
"Du bist der, der sich Gedanken machen sollte, weil morgen bist du viel mehr Antisemit als ich"

- Trennung von aufgeklärtem Interesse und israelischer Verteidigung: "Du bist doch nur für Israel, weil du Juden toll findest, und deshalb die schlimmen Dinge, die die wirklich machen, nicht sehen willst."

- Identität von Ideologie und Volkszugehörigkeit:
"Du bist Antideutscher, also kein Jude, weil (gute) Juden nicht diese Meinung haben, also Philosemit, also schlimmer als Antisemit."

- Nichtidentität von Ideologie und Volkszugehörigkeit:
"Ich kenne Juden, die Israel voll schlimm finden, und du findest Israel gut, und meinen Juden doof, weil er dein philosemitisches Vorurteil kränkt."

Die GWG hat hier eine lesenswerte Kritik an Lizas Welt verfasst.  

Die Forderung nach Entschuldigung wurde aktuell von Seiten des Bad Blog vorgebracht. 

30.1.07 20:37


"Mein Führer" - Die wirklich wahrste Wahrheit

Wer den Text unten liest, sollte auf jeden Fall "Sichtblenden" von Lizas Welt lesen, ferner sei meine Diskussion "Zwischen Levi und Liza" emfohlen.

"Langweilig" und "Verharmlosend" ist der Tenor von Jüdische Allgemeine, Lizas Welt und Fuchsbau über Dani Levis neuen Film „Mein Führer“. Dabei wird der Vergleich bemüht, das Hitler-Genre durchdekliniert. Chaplins „Meisterwerk“ sei nicht zu toppen, Benignis „Das Leben ist schön“ noch weit entfernt und überhaupt sind alle sauer, weil man nicht wirklich gut einen ablachen kann.

Lachen kann man durchaus. Wenn zu Trümmerlandschaft und Tucholskys Küss-Parole das Kitschlied „Mir ist so nach dir“ ertönt. Wenn Nazis aus dem Hitlergrüßen nicht herauskommen. Wenn Hitler Kartoffeln über den Tisch spuckt. Wenn Hitler das Formular 611 (?) abschafft. Und wenn „Blondi“ ihr „Heil“ jault. So what? Der Film wurde als Komödie angekündigt. Das ist zwar eine Lüge, aber Satire trifft es ziemlich genau. Und die muss nicht notwendig zum Lachen reizen.

Geschichtsfälschung wurde Levi vorgeworfen. Weil er seinen Film unter das Motto stellt „Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler“?

Spielberg durfte sein blutrünstiges „Jude-Blut-Und-Geld-Massaker“ „München“ unter das Zeichen „beruht auf einer wahren Begebenheit“ pressen. Der gleiche zeichnete in „Schindlers Liste“ die perverse Menschenauslese minutenlang nach, lässt nackte Frauen um den Lagerarzt rennen, natürlich der Dokumentation willen… Benigni wurde nie „Geschichtsfälschung“ für sein Kitschepos „Das Leben ist schön“ vorgeworfen, das Mittdreißigern zu beweisen suchte, dass man auch in der schlimmsten Lage mit kleinen Lügen und etwas buddhistischer Schicksalsergebenheit noch lustig und gut drauf sein kann. Als könnte ein Kind ein Lager mit einem Freizeitspiel verwechseln. „Der Untergang“, ein elegischer Psychoporno aus dem Führerbunker ohne jeden intellektuellen Gehalt sollte gar als pädagogisch wertvoll in die Schulpflichtlektüre einfließen.

Filme über den Nationalsozialismus gibt es massenweise und alle sind sie schlecht, außer zweien: „Shoah“ und „Zug des Lebens“.

Ähnlich wie „Shoah“ verweigert sich Levis „Mein Führer“ dem plump-pädagogischen Zuschaustellen von Leichenbergen, der Angstlust von Spielbergs Gaskammerduschen, dem personalisierenden Slapstick von Chaplin. Und ähnlich wie „Zug des Lebens“ ergeht sich Levi in lustvollen Projektionen von nachträglichen, weitgehend harmlosen Rachephantasien.

„Zug des Lebens“ gewinnt seinen Katharsis-Effekt aus einer einzigen Sekunde, in der Shlomo zum Standbild hinter Stacheldraht erstarrt. Der Rest davor ist brillantester jüdischer Witz. Die reale Geschichte lässt sich nicht neu verfilmen, sie ist in Schwarzweiß dokumentiert und ins Gedächtnis der Opfer gebrannt.

Auch Levis Film bricht stets dann ab, wenn das Individuum Hitler zu sehr in den Vordergrund rückt. Dann erscheinen die dokumentarischen Aufnahmen von Massen, die deutlich machen, dass jegliche individualisierte Erklärung fehl gehen muss, angesichts der gesellschaftlichen Tendenz. Wo „Der Untergang“ einer Hitlers und seiner Bande ist, bleibt Levis „Mein Führer“ ein steter Verweis auf die Ersetzbarkeit Adolf Hitlers, auf die, die ihn ohne zu zögern ersetzt hätten, auf die Massen, die einen solchen wollten. Wo „Der Untergang“ Antisemitismus zum individuellen Spleen und neglectum possibile degradiert, die Sekretärin verdutzt wie Kuhscheiße aufblickt, als der Führer ihr seinen Antisemitismus im Testament „beichtet“, wird bei Levi die Funktionsweise des Antisemitismus aufgedeckt: „Der Jud tut gut“. Das ist ein klassisches Ressentiment der postnazistischen Gesellschaft. Hätte man die Juden nicht vernichtet, man könnte sie wie ein Medikament vielleicht zum Nutzen aller verwenden und Deutschland hätte den Krieg gewonnen. Der „gute Jude“ ist stets markiertes Eigentum der Gesellschaft, die ihn beherbergt, auch die positive Bekanntschaft ändert nichts.
Der Boxkampf: „Warum wehrt er sich nicht, der Jude, wenn wir ihn deportieren“ denunziert das verbreitete Opferlamm-Ressentiment als antisemitische Projektion. Die Psychologisierung des Individuums Hitler wird von Grünbaum entlarvt als Freisprechung der Massen. In der Rede sind seine letzten Worte die über ein armseliges Würstchen, das seinen Projektionen freien Lauf lassen kann, wenn Millionen… ja, wenn sie was? Dumm sind? Ebenfalls arme Würstchen? Wenn sie alle deutsche Nazis sind?

„Mein Führer“ ist eine radikale Absage an die Verführungstheorie, die das deutsche Volk unter einer unbarmherzigen Diktatur geknechtet wähnt. „Mein Führer“ ist mehr als jeder andere Hitler-Film eine Entindividualisierung, eine Entpsychologisierung des Nationalsozialismus und eine Rückkehr zu offenen Fragen. Wo "Der Untergang" Hitler selbst zum Thema hat, ist Levis intellektueller Gegenschlag der Versuch, ein Film zum Sprechen (und Filmen) über Hitler zu sein, und Antworten zu vermeiden. "Hitler war Jude" gibt eine der interviewten Teenager zu Protokoll und trifft damit den postnazistischen Antisemitismus ebenso auf den Kopf, wie Grünbaum, als er sich spontan bei Hitler für dessen jüdischen Großvater entschuldigt.

Die empfindlichsten Stellen im Film sind die Vergleiche Hitlers mit Grünbaum. Der erste erfolgt durch seine Frau: „Du bist ein genauso meschuggener Größenwahnsinniger wie er“. Dies jedoch allein im Hinblick darauf, dass er sich für unentbehrlich hält! Genau wie Hitler ist er entbehrlich und ersetzbar für eine rasende Volksgemeinschaft.

Der zweite Vorwurf geht von Grünbaum an seine Frau: „Sonst bist du wie er, dass du einen schwachen wehrlosen Mensch tötest“. Hier entlarvt Levi Grünbaum selbst als „verdammten Humanisten“, wie zuvor dessen Sohn Adam bemerkt, ohne ihn dafür zu verurteilen.
„Küsst die Faschisten, wo ihr sie trefft“
ist nicht notwendig das Fazit des Films, sondern eine solche gutmenschliche Einstellung wird einerseits persifliert, andererseits wird auf der Frage beharrt, was denn geworden wäre, wenn man Hitler ermordet hätte, ja, wenn ihn ein Jude ermordet hätte. Goebbels hätte ihn ersetzt, danach Himmler, letztlich vielleicht ein Putsch. Den Filmintriganten Goebbels und Himmler wäre der Jude Grünbaum als Mörder des Führers gerade recht. Diesem Plan verweigert sich Grünbaum. Ebenso verweigert sich der Charakter Grünbaum dem Witz. Er lacht nie über Hitler/Schneiders komischen Seiten. Er kann am Dokumentengehabe nichts Lustiges finden, denn es betrifft ihn selbst.

Levi sympathisiert mit Grünbaums Frau, er sympathisiert mit Adam und eben auch mit Grünbaum selbst. Keinem von diesen gibt Levi die Schuld am Fortbestand des Nationalsozialismus. Weder hätte sich „der Jude mehr wehren müssen“, noch hätte er „nicht so werden dürfen wie die Nazis“. Die Schuld trägt bei Levi das jubelnde Volk, das sich vom Antisemitismus lösen muss, aber selbst nach Aufdeckung der Armseligkeit ihres Führers noch den schlaffen Witz „Heil dich selbst“ nachbetet und keinesfalls durch ein wenig Wahrheit aufzuklären wäre. Es ist bei Levi gerade der groteske Zuschnitt auf die groteske Figur Hitler, der diese Einsicht ermöglicht. Und somit ist der Film ein treffsicherer Schlag ins Gesicht der deutschen Leugner, Schönredner, Dokutainmentfilmer und Antisemiten.

Rezensionen werden heute nicht verlinkt, die kann sich jeder selbst ziehen, eine sehr gute und wohlwollende war übrigens in der taz zu lesen.

Nachtrag:

Interessant ist zudem die Rolle Speers als treuer Vasalle Hitlers. Ein Verweis auf "Speer und er"? Ich habe den Film leider (zum Glück?) nicht gesehen.

In der Konkret ist ein im Wesentlichen dem Obigen zustimmendes Interview mit Levi zu finden.

Nachtrag 2:

Ein Kommentar bemängelte, ich ginge nicht auf die Kritik des verlinkten Artikels "Wahrheit ohne Mühe" bei Lizas Welt ein. So sehr ich dieses Blog schätze, so daneben finde ich diesen Artikel. Und zwar, weil er in seiner Kernaussage falsch ist.

Am Ende des Films nämlich wird 5 mal nach der realen Figur Adolf Grünbaum gefragt. Ein kleines Mädchen antwortet: "Das war mein Ur-Ur-Urgroßvater." Adolf Grünbaums gab es viele, und es stimmt nicht, dass der Film dessen reale Existenz verachten würde. Diskutierenswert wäre tatsächlich der Mord am Juden am Ende des Films und die Frage nach der Einfühlung. (s.u.) Einen derartigen Verriss und Vergleich mit Walsers "Tod eines Kritikers" rechtfertigt das nicht. Denn Grünbaums (nicht gezeigter) Tod im Film ist nicht der des "nörgelnden jüdischen Kritikers" bei Walser. Sondern der Tod des sympathischen Protagonisten verweist von der Fiktion auf die Realität (Das BLUT, das über die BRILLE läuft) in einer ähnlichen Manier wie Shlomos Standbild am Ende von "Zug des Lebens". Man sollte etwas taktvoller sein mit Unterstellungen, die mit psychoanalytischem Halbwissen leicht herumgewälzt werden können. Shlomos Standbild ist nicht der unbewusste Wunsch, das Ausagieren des Antisemitismus des Regisseurs. Ebenso wenig ist Levi eine Lust, wie sie Walser beim literarischen Ermorden sicher empfindet, zu unterstellen.

Statt den Juden Grünbaum als Kritiker der Deutschen oder wie in Lizas Artikel weit hergeholt wird, als Kritiker der Psychoanalyse einzuführen, ist dieser selbst permanent der gemeinen, als Kritik verstandenen Beleidigung und parasitären Vereeinahmung durch Ausbeutung und Vernichtungswünsche der deutschen Täter ausgesetzt. Dadurch setzt Levi die Akteure des Films, die den Juden mit ihren Befindlichkeiten (Die Weltlage, der Krieg, die vielen Toten) bis ins Ehebett nachsteigen, mit ein wenig jüdischer Folklore gut schlafen können um am nächsten Morgen frisch ausgeruht mit der (nicht persönlich gemeinten) Vernichtung fortzufahren, der Kritik aus und enthält sich jeglicher Kritik an einem der Grünbaums. Ein Happy End jedoch wäre Geschichtsfälschung, und genau diesem verweigert sich "Mein Führer" wie auch "Zug des Lebens".

Ich finde es schade, dass Levi so durchweg missverstanden wird. In weiten Teilen möchte ich behaupten, dass viele der "Kritiker" den Film nicht gesehen haben, bevor sie sich ihr Urteil bildeten. Was dabei herauskommt, ist nicht die Kritik, die der Film (u.a. das Verhalten Helge Schneiders danach) verdient, sondern das Projizieren gesellschaftlicher Missstände auf einen Film. Die Frustration über "Untergang" und andere Zumutungen kumuliert an einem Objekt, das für Kritik offen ist und Schwäche zeigt.

Die Forderung nach realistischer Darstellung erübrigt sich seit "Shoah". Levis durchaus korrekte Aussage ist, dass jeglicher Versuch des Dokutainment, wie es "Schindlers Liste" und "Der Untergang" betreiben, verfehlt ist. Und das es vielmehr um die Diskussion geht, um das Reden darüber, um die Darstellung selbst, in der Aufklärung zu finden sei. Nicht jedoch findet man sie im detailgetreuen, ethnologische Einfühlung heischenden Herunterhungern von Hauptdarstellern wie in "Der Pianist", um der Schaulust der Zuschauer und dem Bedürfnis nach Authentizität zu genügen.



15.1.07 14:06


Das Grundübel

„Das Grundübel ist die seit 1967 andauernde israelische Besetzung palästinensischen Gebiets. Die Besetzung bedeutet Entwürdigung und Entrechtung der Palästinenser. Sie lähmt ihr wirtschaftliches, politisches und soziales Leben.“
 
All diese falschen Worte verbreitet „Schalom 5767 – Berliner Erklärung“ mit bestem Unwissen und Gewissen. Nie ging es Palästinensern besser als in der Zeit der Besetzung. Sie konnten laut Ulrich Sahm, dem NTV Nahostkorrespondenten, an die israelische Küste zum Picknicken, hatten Arbeit in israelischen Fabriken und keine Hamas am Hals. Welches politische Leben hätten Palästinenser ohne ihren Hauptarbeitgeber, die UN, die im Friedensfall sich wahrscheinlich auflösen würde? Welches soziale Leben wäre möglich, wenn man nicht alle paar Wochen die frisch herangezüchteten Hamas-Guerrilleros unter Beschuss nehmen würde und so deren Zahl einigermaßen auf konstantem Level hält? Und warum soll es unter autochtonem Recht, der Scharia, den Menschen dort besser gehen?
 
Ähnlich wie das „Manifest der 25“ folgt Schalom 5767 der Fehlwahrnehmung, dass in Deutschland „zu viele“ Menschen über Israel schwiegen. Es kann sogar sein, dass in Deutschland derzeit eine der am wenigsten antizionistischen Regierungen regiert. Aber warum und wie soll eine solche Regierung im Verein mit offen antisemitischen Linksregierungen wie in Spanien und Italien den Palästinensern helfen? Noch mehr Geld in undichte Apparate pumpen und somit Sprengstoffgürtel und AK-47 bezahlen?
Schalom 5767 fordert nicht weniger:
- Die israelische Besatzungspolitik nicht länger zu tolerieren
- kurzfristig den Boykott der palästinensischen Autonomiebehörde beenden
- endlich die Verwirklichung eines lebensfähigen palästinensischen Staates ernsthaft anzustreben, in Gaza und dem gesamten 1967 besetzten Westjordanland einschließlich Ost-Jerusalems mit voller Souveränität und freiem Verkehr.
 
Kein auch nur halbwegs mit Realitätssinn ausgestatteter Mensch würde so etwas durchsetzen wollen. Wie soll es aussehen, wenn Europäer die „israelische Besatzungspolitik nicht länger tolerieren“? Ein Boykott? Ein kleines Blitzkrieglein? Und warum soll dann Europa im Gegenzug auch noch eine Regierung tolerieren, die offen und ehrlich sagt, dass sie Millionen Menschen umbringen möchte und all ihr Tun, Handeln und Denken darauf hin ausrichtet und keinen Beweis für die Ernsthaftigkeit zu bringen verpasst?
 
Diese selektive Doppelmoral, die Israel verurteilt, und im gleichen Atemzug Antisemiten mehr Rechte zukommen lassen will, macht Schalom 5767 antisemitisch. Ein palästinensischer Staat auf den gesamten palästinensischen Gebieten würde das Gaza-Phänomen in größeren Dimensionen erzeugen.
Die Vertreibung von Zehntausenden jüdischen Siedlern ohne Garantien, die Zerstörung jüdischer Kulturstätten wie seinerzeit das Jakobsgrab, und ein vom islamistischen Terror durchwestes Hinterland, in dem Rackets sich zanken, Terroristen ihre Ausbildungslager betreiben, Hobbybastler neue Kassams entwickeln und professionelle palästinensische Trauerfrauen wie immer ihre Hände theatralisch gen Himmel recken, um die Juden für all das zu verfluchen.
 
Auch ein dummer Mensch hat ein Gewissen und kann dieses gebrauchen. Die Menschen, die Schalom 5767 geschrieben haben, sind nicht dümmer als andere, wie Henrik M. Broder in der Jüdischen Allgemeinen annimmt. Genau genommen sind sie und denken sie wie alle anderen. Was in Deutschland weder verwundert noch verstört. Sondern ziemlich banal ist und kein Grund, großartige Theorien über jüdischen und nichtjüdischen Antisemitismus, Erfahrungshorizont und Erkenntnisphilosophie zu wälzen.
Während also selbst die Jüdische Zeitung vom Januar auf Seite 3 unkommentiert eine ganze Seite solchem Spleen widmet, hat CNN eine andere Taktik. Langweilige antizionistische Manifeste, in denen seit Jahren immer wieder das gleiche zu lesen ist, hat die Welt genug und keinen haut’s noch vom Hocker. „Inside the middle East“ präsentiert Antisemitismus ganz cool: „Who’s the real terrorist“ rappen DAM (Da Arabian MC's) bis zum Erbrechen in die Kameras, mischen mit Hip Hop, Tupac-Postern und, wie rebellisch, umgedrehten Mützen die arabischen Israelis ordentlich auf. Dahinter Streams aus der Intifada, ein paar Hubschrauber, Raketen, schutzlose Palästinenser, Leuchtbuchstaben auf Mauern: You can’t divide us! Das kommt doch mal fett. So macht Israel-Bashing Spaß, und nie war Hip-Hop konformistischer. Ob sie mit ihren Baggy-Pants in Palästina die Arschritze blitzen lassen dürften und gegen „Terrorismus“ singen?
 
Und weil der Kontrast es so will, kommt direkt nach den coolen Underground-Arabern ein Beitrag über uncoole Juden, die mit komischen Mützen ihre Religion voll arg krass raushängen lassen und überhaupt nicht so fette Tupac-Poster im Laden hängen haben, dafür aber schwule Röcke tragen. Die Botschaft war deutlich, danke CNN, ich schalte dann mal lieber nicht so schnell wieder ein.
 
Das einzige, was einem da noch Hoffnung gibt, ist wieder einmal die letzte Insel der Aufklärung: Southpark. Die Folge „Good Times with Weapons" ist nicht nur zum Totlachen, sondern stellt zugleich mit der Fokussierung auf Cartman den Antisemitismus als zentralstes Motiv in den Folgen heraus. Kaum noch eine Folge, in der nicht Mel Gibson für den Antisemitismus dieses kleinen miesen Scheißers herhalten muss. Na dann, Schalom Kyle!
11.1.07 22:59


Wie geht es uns, Herr Zuckermann?


Namhafte Antisemiten auf der Holocaust-Konferenz in Teheran.

Selbst ist der Adornoschüler: Weils mit der PR für den Postzionismus in Israel nicht klappt, versucht es MZ hierzulande. Mal wieder. Die taz machts möglich, allen Ticketreitern eine Freifahrt zu gönnen, da brauchts eine peppige Überschrift, politisch korrekt als Zitat eines Juden: "Bis zum letzten Blutstropfen."

Taz: „ Unterschätzen sie nicht den Hass auf arabischer Seite?“
MZ: „Der Hass speist sich aus dem Nahostkonflikt, nicht umgekehrt. […] Wir können nicht erwarten, dass erst der Hass verschwinden muss, bevor wir Frieden machen.“

„Frieden machen“, das geht wie Sandförmchen oder Friedensforschung studieren:

MZ: „Den Krieg haben wir ausprobiert. Das einzige, was wir noch nicht ausprobiert haben, ist der Friede.“

Israel hat einen Friedensvertrag mit Ägypten, mit Jordanien ist man sich weitgehend einig und bis letzten Juni hielt sogar Syrien das Maul. Jeder, der von Israel Frieden wollte, hat ihn bislang bekommen. Den Palästinensern bot man ein ums andere Male Frieden an, trug ihn ihnen auf den Händen nach, verzichtete auf militärisch gebotene Aktionen zugunsten des Prestiges, liefert Hilfsgüter nach Gaza, hält den Palästinensern die ärgsten Verbrecher mittels Raketentechnologie vom Leib, aber MZ ist das nicht genug. Er will die freiwillige Selbstauflösung ohne Garantien: Räumung, Rückzug, Jerusalem und Rückkehrrecht. Die Räumung der Siedlungen in Gaza wurde durchgeführt, weil jüdische Existenz unter Feinden trotz allen Widerstandes nicht auf Dauer möglich ist. Das Zeigen von Schwäche wurde noch nie in der Geschichte von Palästinensern und anderen Islamisten belohnt. Jerusalem als Hauptstadt zweier Staaten vorzuschlagen ist ein schlechter Witz, wo einer von beiden noch vor der Gründung zwischen Bürgerkrieg und Regierungsunfähigkeit schwebt. Und dann sollen laut MZ noch 150000 bis 200000 in Flüchtlingslagern geschulte Palästinenser zurückkehren dürfen.

Die Wahnidee MZs ist, dass Israel schuld ist am Nahostkonflikt. Weil Israel sich als berechenbar und verhandlungsfähig erwiesen hat, meint nun alle Welt, dies ausnutzen zu müssen und auf mehr Zugeständnissen an die Palästinenser zu beharren, um eine Verhandlungslösung vorzutäuschen. Die Palästinenser haben noch nie ein Rückkehrrecht für verfolgte Juden, Reparationen für die Zerstörungen in jüdischen Vierteln oder einen Stopp der Siedlungstätigkeit von Palästinensern in Israel diskutiert. Wenn die Palästinenser ein ums andere Mal die „demographische Waffe“ zücken, Selbstzeugnis islamischer Potenz, erhebt sich kein Protest, das naturgemäße Wachstum einiger jüdischer Siedlungen im Westjordanland aber stört den Weltfrieden nachhaltig.

MZ sieht jüdische Blutschuld als Auswirkung dieser Störung:

Taz: „Welche Auswirkungen haben all diese Entwicklungen denn auf die jüdischen Gemeinden in Europa?“
MZ: „Was ich nicht ertragen kann, ist, dass die jüdischen Gemeinden in Europa ihren Kampf bis zum letzten Blutstropfen auskämpfen – und zwar bis zu unserem letzten Blutstropfen, dem der Juden in Israel. Ein Grund dafür: Die meisten Israelis finden es unmöglich, dass man als Jude in Deutschland oder Österreich noch leben kann – nach der Schoah. Im Unkehrschluss fühlen sich die jüdischen Gemeinden verpflichtet, noch jeden Aspekt der jüdischen Politik zu unterstützen.“

Ach, dann ist ja gut, Herr Zuckermann. Die jüdischen Gemeinden in Europa schächten also mehr oder weniger indirekt die Juden in Israel. Die liebe Taz lässt auch kein Fettnäpfchen aus und hakt nach:

Taz: „Spielt denn da nicht auch die Angst [wohlgemerkt, nur die Angst, nicht der reale Antisemitismus, d.A.] vor einem „neuen Antisemitismus“ eine Rolle?“
MZ: „Es gibt den Antisemitismus als sozialpsychologisches Phänomen – der braucht oft nicht einmal Juden. Aber der Antisemitismus wird heute auch durch die Geschehnisse im nahen Osten gespeist. Ich sage nicht, dass der Nahostkonflikt den Antisemitismus schafft. [ggvgl. oben MZ: „Der Hass speist sich aus dem Nahostkonflikt und nicht umgekehrt“ d.A.] Aber die israelische Politik verleiht dem Antisemitismus Legitimation. Da kann ich nur sagen: Bravo, tolle Leistung! Und wie wird darauf reagiert? Indem man versucht, jede Kritik an Israel mit Antisemitismus gleichzusetzen. Sogar Juden wie ich, die Israel kritisieren, werden als objektive Zuträger des Antisemitismus bezeichnet – absurderweise sogar von nichtjüdischen Israelfans, die behaupteten Antisemitismus benützen, um sich selbst zu profilieren.“

Nun, eines kann man nach diesem Interview MZ versichern: Niemand wird ihn hier bloß als „objektiven Zuträger des Antisemitismus“ bezeichnen. Wer derart unverschämt den Antisemitismus als aus einer von Israel aus gestörten Realität legitimierbar und gespeist bezeichnet und jüdischen Gemeinden eine Blutschuld wegen der Unterstützung Israels unterstellt, der macht sich des Antisemitismus mehr als verdächtig, jüdische Mutter hin oder her. Den Antisemiten verliehen Ritualmordlegenden Legitimation, das Märchen von der zionistischen Weltverschwörung, sogar ein umgefallener Sack Reis in China wäre einem Antisemiten Legitimation zum Pogrom genug, aber nein, MZ will ausgerechnet die Juden selbst zur Verantwortung für den Antisemitismus ziehen. Immer noch sinnvoller wäre es, das Umfallen von Reissäcken in China endlich dauerhaft einzuschränken.

Wer einem Reporter auf die unverschämte Frage: „Angesichts all dessen: Ist Israel eher gut oder eher schlecht für die Juden?“ nicht mindestens mit einem Abbruch des Gesprächs antwortet, sondern noch einen draufsetzt:
„Wenn wir es nicht schaffen, Frieden im nahen Osten zu schaffen, dann wird Israel etwas sehr schlechtes für die Juden gewesen sein“,
den kann man meines Erachtens getrost vergessen im Kampf gegen den Antisemitismus. MZ ist derart beseelt von seiner Mission gegen die Blutschuld der jüdischen Gemeinden, die ihn "bis zum letzten Blutstropfen" opfern, da verschafft kein Waffenstillstand oder gar Friedensangebot Linderung. Ohne den Nahostkonflikt wäre es die Armut oder der innerisraelische Rassismus, wegen dem Leute zu Antisemiten werden. Und dann bleibt ja doch noch die gute alte Weltverschwörung übrig.

15.12.06 20:47


UNbelehrbar

EyeontheUN hat eine interessante Kollektion von Flugblättern und anderer Propaganda von der Antirassismuskonferenz 2001 in Durban zusammengestellt. 2009 soll wieder eine stattfinden.

Bildquelle

14.12.06 15:59


6.12.06 11:52


Friedensnazis und Konfliktforschung

Die Friedens- und Konfliktforschung ist seit ihrer Geburt zumindest in Deutschland Tummelplatz des ekelhaftesten akademischen Antisemitismus. Hier wird Studenten von Beginn an eingetrichtert, dass die USA und Israel als Konfliktparteien dem zivilisatorischen Hexagon eben nicht genügen, sich einen Feind wie Al Quaida "erwählen" um von inneren Differenzen abzulenken, hier bezeichnet man Theorien als "Geschmackssache", die wie eine Pizza eben dem einen schmeckt oder nicht. Ob "Mein Kampf", die Ofenkartoffel solcher Friedensforscher, oder Adorno, das Sellerieschnitzel, kein Grund, normativ zu werden. Die jüdische Allgemeine nimmt nun am 23.11.2006 das "Manifest" all jener Friedensforscher, für die die "25" unter Steinbach nur repräsentativ den "Kopf hinhalten", auseinander, wie es ihm gebührt. Durch die Veröffentlichung in einer renommierten Zeitung, der Frankfurter Rundschau, wird solche Propaganda deutscher Befindlichkeiten auch noch zum Diskurs geadelt. Die Jüdische Allgemeine titelt lakonisch: "Bedingt fürsorglich" und kommt zum Schluss: "Argumentierten Studenten so schlampig wie diese Professoren, fielen sie in jeder Prüfung durch. Wenn Friedensforscher nichts besseres als dieses Manifest bieten können, sollte man die Budgets für ihre Institute lieber zum Wiederaufbau palästinensischer Olivenhaine verwenden." Ihr Wort in des Tetragrammatons Ohr!

Nicht die primitive Unbildung der Konflikt"forscher", die in krassem Kontrast zum selbstüberschätzenden akademischen Gestus steht, ist das wirklich ekelerregende, solcherlei Gebaren ist schließlich Norm an deutschen Universitäten, sondern der blanke Antisemitismus, der sich zwischen den Zeilen unverblümt als projektive Halluzination hervorkotzt:  "Kritik an israelischen Verhaltensweisen sollte, wenn überhaupt, nur äußerst verhalten geäußert werden und besser unterbleiben, solange die Existenz dieses Landes nicht gesichert ist." Als die Nazis schon halb Europa beherrschten, gaben sie sich noch als unterdrückte Opfer und Vorkämpfer der Meinungsfreiheit. Und wackeren Mutes treten deren Erben in den restlichen Zeilen gegen diesen Popanz an, machen ein solches Dogma, so fiktiv es ist, wünschenswert, denn dann bliebe man fortan verschont von solcherlei durchschaubarstem sekundären Antisemitismus, dessen Credo lautet: Wegen dem Holocaust für Palästina (und selbstverständlich gegen Israel und Antisemitismus).

Über auffällig unfriedliche Friedensforscher wurde auf diesem Blog veröffentlicht:

Friedens- und Konfliktnazis als Kriegsgewinnler

Mit Friedensforschung zum intellektuellen Paläolithikum  

 

2.12.06 15:03


Hurra, wir sind Opfer!!!

Die Euphorie nach dem vereitelten Anschlag auf ein Flugzeug der israelischen El-Al in Deutschland kennt keine Grenzen. Man feiert, bis der Arsch kracht. Deutschland, jawohl, Deutschland sei nun ins „Visier der Terroristen“ geraten, wegen der Außenpolitik. Man hat es sich redlich verdient. Ein paar Waschlappen nebst KSK nach Afghanistan entsandt, ein kleines Böötlein vor der libanesischen Küste herumlottern lassen, ein bisschen am Kongo Haschisch kaufen und vor Somalia Sonnenstudio sparen, und schwupps: Die Islamisten hassen einen, noch dazu fast irgendwie während der WM (man muss das ja mal erwähnen, die war nämlich in Deutschland, huihuihui)!!! Das geht runter wie das Öl von Mullahs.
Aber noch mal langsam. Was ist da eigentlich passiert? Ein israelisches (!) Linienflugzeug sollte von deutschem (!) Boden aus von Palästinensern gesprengt werden.
Im Visier der Terroristen also offensichtlich ein israelisches Flugzeug und nicht „Deutschland“. Die Basis der Terroristen: Deutschland. Wie also kommt dieser Mob aus Außenministern, Innenministern und flachdeutschen Oberkackenheimern dazu, sich als Opfer dieses Anschlags auszumachen? Auch wenn ihnen zu danken wäre, den Anschlag guten Willens vereitelt zu haben und zu verabscheuen, ja sie sogar tatsächlich potentielle Opfer hätten sein können, so ist und bleibt dies doch ein antisemitischer Anschlag. Wer da von Deutschland als Opfer spricht, hat nur das zwanghafte Bedürfnis, es immer dann zu tun, wenn Antisemiten die Täter sind.
21.11.06 19:21


Die Verkehrung des Alten Testaments zum christlichen Antisemitismus

Als Nachtrag zu dem unten einsehbaren Text "Das Buch Ester und der antike Antisemitismus" wird hier noch kurz eine Verkehrung angesprochen, die darin, wie in zahlreichen anderen Texten und Vorträgen zum christlichen Antisemitismus zu kurz kommt.

Die Entscheidung der frühen Judenchristen und Christen, das Alte Testament als Beweis für die göttliche Wahrheit Jesus Christus in die Religionslehre aufzunehmen, ist zunächst nur kultureller Diebstahl:
Weil für die eigene Lehre keine wirklich imposanten Texte vorlagen, die Evangelien kaum ohne Bezug auf die jüdischen Lehren auskamen, behalf man sich mit der Kopie des gesamten Textes. Mohammed machte sich wenigstens die Mühe, den vorhandenen Stoff zu einem Frankensteinschen Monster aus den ihm bekannten Religionen (Mekkanische Polytheismen, Judentum, Christentum) zusammen zu halluzinieren.

Liest man das alte Testament aus jüdischer Perspektive, ergibt sich eine permanente, beißende, fast schon masochistische Selbstkritik. Für die biblischen Juden sind sie selbst an ihrem Unglück schuld, weil sie gegen Gesetze verstoßen. Propheten wettern nicht gegen äußere Übel, diese waren jedem ersichtlich, sondern gegen die religiöse Korumpierung innerhalb der jüdischen Gesellschaft. Diese selbst wird in der Genesis und im Exodus als "störrisches Volk" bezeichnet.
Wird dieser Text nun in das Glaubensverständnis von Heidenchristen, also allen nichtjüdischen Christen aufgenommen, so erhält der gleiche Text einen völlig anderen Sinn: Er dient der Vergewisserung, dass die Juden schon immer gegen Gott rebelliert haben, ihn gelästert haben, von ihm bestraft werden. Der jüdische Text wendet sich in fremder Hand gegen sie selbst, weil sie ein Maß an tiefsinniger Selbstkritik entwickelten, das anderen, stärker narzisstisch geprägten Religionen unzugänglich war. Aus (von religiösem Wahn nicht freier) Selbstkritik wurde antisemitische "Kritik". Jostein Gaarder diente der jüdische Prophet Amos als Munition, gegen Israel zu schießen. Nicht unmöglich und sogar wahrscheinlich ist, dass "moderne" Antisemiten, die doch vor allem in Kirchen sozialisiert wurden, sich vom Buch Ester inspirieren ließen, dort ihre "säkularen" "Argumente" vorfanden und damit ihre vorhandenen, durch äußere und tiefenpsychologische Umstände bedingten Vernichtungsphantasien fütterten.

12.11.06 13:56


Das Buch Ester und der antike Antisemitismus

Das Buch Ester im dritten Teil der hebräischen Bibel unter den „Fünf Festrollen“ entstand etwa um 300 v. Chr. und liefert die Begründung für das Purim-Fest. „Pur“ bedeutet „Los“, weil das Los einen Tag entschied, an dem der Judenhasser Haman sämtliche Juden im Perserreich des Artaxerxes auslöschen wollte. Die Geschichte sei kurz wiedergegeben:

Des Königs Frau, Waschti, weigert sich, bei einem Festmahl zu erscheinen. Daraufhin beschließen die Berater und der König, sie zu verstoßen, da ihr Beispiel Schule machen könne, etwa alle Frauen des Reiches ihren Männer den Gehorsam verweigern. Der König kann jedoch den Verlust nur durch Ersatz verschmerzen und ruft daher einen „Wettbewerb“ aus um die Nachfolge seiner Ex-Frau. Der Jude Mordechai, Nachkomme von durch Nebukadnezar Verschleppten Juden aus Jerusalem, hat eine schöne Pflegetochter, Ester, die in die nähere Auswahl einbezogen wird und schließlich des Königs neue Frau wird. Mordechai hat so Zugang zum Hof und deckt eine Verschwörung von zwei unzufriedenen Kämmerern gegen den König Artaxerxes auf. Dieser vermerkt dessen Tat, die Verschwörer werden „gehängt“, was zu dieser Zeit bedeutete, dass erst die anderweitig getöteten Leichen auf einen hohen Galgen zur Schau ausgehängt wurden.

Infolge irgendwelcher „Ereignisse“ wird Haman zum zweiten Mann im Reich erhoben. Mordechai verweigert den Kniefall vor ihm mit der Begründung, keinem anderen außer Gott zu huldigen. „Als Haman merkte, dass Mordechai nicht vor ihm niederfiel, wurde er zornig. Aber es schien ihm nicht genug, nur Mordechai zu beseitigen. Da man ihm gesagt hatte, welchem Volk Mordechai angehörte, wollte Haman alle Juden im Reich des Artaxerxes vernichten – das ganze Volk Mordechais.“ (Ester, 3:5f)

Der Ausrottungsplan: „Im ersten Monat, dem Monat Nisam, im zwölften Jahr des König Artaxerxes, warf man in Gegenwart Hamans das Pur, das ist das Los, über die einzelnen Tage und Monate, und das Los fiel auf den dreizehnten Tag des zwölften Monats, des Monats Adar. Darauf sagte Haman zu König Artaxerxes: Es gibt ein Volk, das über alle Provinzen deines Reiches verstreut lebt, aber sich von den anderen Völkern absondert. Seine Gesetze sind von denen aller anderen Völker verschieden; auch die Gesetze des Königs befolgen sie nicht. Es ist nicht richtig, dass der König ihnen das durchgehen lässt. Wenn der König einverstanden ist, soll ein schriftlicher Erlaß herausgegeben werden, sie auszurotten. Dann kann ich den Schatzmeistern zehntausend Talente Silber übergeben und in die königlichen Schatzkammern bringen lassen.
Da zog der König seinen Siegelring vom Finger und gab ihn dem Agagiter Haman, dem Sohn Hammedatas, dem Feind der Juden, und er sagte zu Haman: Das Silber lasse ich dir; mach mit dem Volk, was dir richtig erscheint.“ (Ester, 3,7-11)

Man sandte den Befehl aus: „Man solle alle Juden, jung und alt, auch Kinder und Frauen, am gleichen Tag, dem dreizehnten Tag im zwölften Monat, dem Monat Adar, ermorden und ausrotten und ihren Besitz plündern.“ (Ester, 3,13) Der Briefbefehl beinhaltete ferner folgendes: Artaxerxes betont, dass er aus Milde und Güte handle, seinen Untertanen ein ruhiges Leben, Wohlstand und „…allen Menschen wieder den ersehnten Frieden zu schenken.“ (Ester, 13,13a)

Haman habe ihn „…darauf hingewiesen, daß sich ein bestimmtes heimtückisches Volk unter alle Nationen der Erde gemischt habe, das durch seine Gesetze zu jedem anderen Volk in Gegensatz stehe. Es missachte ununterbrochen die Anordnungen unserer Könige, so daß die Verwaltung des ganzen Reiches beeinträchtigt ist, obwohl sie von uns ausgezeichnet geleitet ist. So sind wir zu der Ansicht gelangt, daß dieses Volk als einziges sich gegen alle Menschen ohne Ausnahme feindselig verhält, nach absonderlichen und befremdlichen Interessen lebt und sich gegen die Interessen unseres Landes stellt und die schlimmsten Verbrechen begeht, so daß im Reich keine geordneten Verhältnisse eintreten können. Darum ordnen wir an: Alle […] sollen […] samt ihren Frauen und Kindern ohne Gnade und Erbarmen durch das Schwert ihrer Feinde ausgerottet werden. So werden diese seit jeher feindseligen Menschen an einem einzigen Tag eines gewaltsamen Todes sterben und in die Unterwelt hinabfahren, unser Land aber wird sich in Zukunft einer beständigen und ungestörten Ruhe freuen.“ (Ester, 13d, ff.) Ester wird von Mordechai aufgefordert zu intervenieren. Sie zögert, weil sie sich nur dem König auf Abruf nähern darf, ansonsten droht der Tod. Er mahnt sie: „Glaub ja nicht, weil du im Königspalast lebst, könntest du dich als einzige von allen Juden retten.“ (Ester, 4:13)

Mordechai betet zu Gott und betont seine fromme Absicht bei der Verweigerung der Huldigung an Haman: Er wolle keinen Menschen über Gott stellen, wenn er Israel retten könnte, würde er jedoch Haman die Füße küssen, dies könne er aber nicht, ohne Gott zu lästern. Ester betont in ihrem Gebet ihre Frömmigkeit, sie habe keine Abweichung vom Gesetz begangen und trage die Königswürde mit der gleichen Abscheu, „…wie die blutigen Stofffetzen zur Zeit meiner Unreinheit…“.

Ester dringt zum König vor, fällt vor dem wütenden König in Ohnmacht, Gott „erweicht sein Herz“ und er verzeiht ihr. Sie fällt abermals in Ohnmacht, und verlangt ein Festmahl mit Haman, dort wolle sie dem König in Anwesenheit Hamans erzählen, was sie belaste. Haman freut sich über die Einladung, läuft erneut an Mordechai vorbei, der ihn wieder nicht grüßt. Seine Freunde stiften ihn dazu an, ihn am nächsten Tag vor dem Festmahl aufzuhängen. Des Nachts kann der König nicht schlafen, er lässt sich Aufzeichnungen vorlesen und stößt auf den Eintrag, in dem Mordechais loyale Rolle bei der Verschwörung vermerkt ist. Der König will Mordechai belohnen, als er erfährt, dass dies bislang versäumt wurde. Also fragt er Haman, wie er einen Mann belohnen solle, der sich um höchste Ehren verdient gemacht habe. Haman denkt, er selbst sei gemeint und schlägt allen erdenklichen Prunk vor. Der König befiehlt zu Hamans Entsetzen, Mordechai derart zu ehren, was Hamans Plan der Ermordung Mordechais vereitelt. Haman wird daraufhin zum Festmahl berufen.

Während des Festmahls erhört der König Esters Bitte ihr Volk zu verschonen, gerät in Zorn über Haman und verlässt den Raum. Haman fleht Ester um sein Leben an, wirft sich über ihr Sitzpolster, was der wieder eintretende König sieht und als Bedrängungsversuch deutet. Haman wird sofort an dem Galgen gehängt, den er Mordechai zugedacht hatte. Der König stattet die Juden per Eildekret mit dem Recht aus, sich zu bewaffnen und ihren Feinden entgegen zu treten. Auf einmal befindet er: „… daß die Juden, die dieser Erzschurke ausrotten wollte, keine Aufrührer sind, sondern daß sie als Bürger nach sehr gerechten Gesetzen leben.“ (Ester, 8, 12p) Infolge dessen geschieht folgendes: „In allen Völkern der Erde bekannten sich viele zum Judentum; denn ein Schrecken vor den Juden hatte sie befallen.“ Die Juden töten ihre Feinde, (75000 wird als Zahl genannt), hervorgehoben wird, dass sie sich nicht am Besitz der Feinde vergriffen. Mordechai befiehlt den Tag fortan als Purimfest zu feiern.

Ausführungen dazu:

Bei einigen Antisemitismusforschern ist es common sense, dass es keinen antiken Antisemitismus vor dem Christentum gegeben habe. Dieser These möchte ich mit einigen Ausführungen zu oben zusammengefasstem Text entgegentreten, nicht um eine Gegenthese zu entwerfen, sondern um Fragen aufzuwerfen, die andernorts von zahlreichen anderen bereits durchdiskutiert oder beantwortet sein mögen, das Wissen darum entzieht sich meinem derzeitigen Horizont. Ob das Buch Ester in der mir heute zugänglichen Übersetzung aus dem Paul Pattloch Verlag, Aschaffenburg, wie sie in Schulen verwendet wird, noch den Sinn enthält, der ihm einmal gegeben war, sei dahingestellt. Anscheinend gibt es zahlreiche historische Widersprüche, die Datierung ist jedoch relativ sicher um 300-400 v.Chr. angegeben. Unabhängig von den realen Begebenheiten hatten die Juden, die diesen Text formulierten einen Antisemitismus beschrieben, wie er irgendwie auch einen realen Gehalt gehabt haben musste, um in den Rahmen des ihnen Vorstellbaren zu geraten. Nimmt man also den sinngemäßen Text für ein halbwegs historisches Dokument, wenn auch zeitlich verschoben und durch märchenhaftes Wunschdenken verfärbt, so entstehen folgende Fragen: Beschreibt der Text einen antiken Antisemitismus? Was würde diesen von dem heute unterscheiden?

Zur ersten Frage möchte ich zusammenfassen:

- Die Juden werden im Buch Ester als die Feinde aller Völker imaginiert.

- Sie seien seit „je her“ feindselig, dies zielt auf ihre Abstammung.

- Man entkommt der Judenfeindschaft nicht durch einen hohen Status oder Bekehrung, alle Juden, unabhängig von konkretem Verhalten sollen ermordet werden.

- Die räumliche Dimension: Es sollten alle Juden im damaligen gigantischen Perserreich ermordet werden.

- Juden werden als heimtückisch bezeichnet, sie verhindern durch Verweigerung, dass Wohlstand und Frieden herrscht. Sie werden als Ursache für ökonomische Krisen markiert. Sobald sie ausgelöscht seien, könnten die Völker in Frieden leben.

- Juden würden „die schlimmsten Verbrechen“ begehen.

- Die Feinde der Juden identifizieren sich aus Furcht vor ihrer Rache mit ihnen.

Sämtliche Merkmale des Antisemitismus sind damit meines Erachtens übererfüllt, so dass ich ohne weiteres hier von „antikem Antisemitismus“ sprechen würde. Vom modernen Antisemitismus unterscheidet sich der im Buch Ester geschilderte überraschend wenig. Es gibt zwar weder Gottesmord noch Ritualmordlegende, dennoch sind „schlimmste Verbrechen“ eine Vorwegnahme dessen. Sie werden mit den negativen Folgen von antiker Expansionswirtschaft identifiziert, als Ursache, dass der Frieden gestört sei. Das Zusammenspiel von Übermacht und Inferiorität, von Machtneid und Konkurrenz ist nicht weit vom heutigen Antisemitismus entfernt. Interessant ist die Vorwegnahme eines sekundären Antisemitismus: Nach der vereitelten Vernichtungstat schwenkt der Hass in Furcht um und aus dieser Furcht heraus bekennen sich viele zu den Juden.
Es wäre also zu überprüfen, ob nicht unbewusst die Furcht vor Bestrafung eine wesentliche Rolle beim sekundären Antisemitismus, dem nach der Tat, spielt.

Die Sehnsucht nach einer exakten Determinierung des Antisemitismusbegriffs zielt meines Erachtens darauf ab, mehr darüber zu sprechen, warum Juden ermordet werden sollten, nicht dass sie ermordet werden sollten. Letzteres sei laut eines anderweitigen Diskussionskommentars Phänomenologie, ersteres fahnde nach den Ursachen und Gesetzmäßigkeiten. Zugunsten einmal liebgewordener, weil einfacher, logischer Gesetzmäßigkeiten wird dafür aber ein geschichtliches Ereignis aus dem Antisemitismuskomplex herausgenommen, weil es nicht in die Theorie passt. Die Juden seien halt aus anderen Gründen dem Vernichtungswillen ihrer Feinde anheim gefallen, aber das sei aus irgendwelchen Gründen kein Antisemitismus, betreffe noch nicht die Totalität, die erst mit dem Kapitalismus sich entfaltet habe. Ein solches Vorgehen steht einer kritischen Theorie nicht an, weil es vermeintliche und tatsächliche Unterschiede eher verdeckt, als wirklich analysiert. Ein Ausweg wäre darin zu suchen, dass man sich entweder darauf einigen müsste, dass größere ökonomische Verwaltungszusammenhänge aufgrund welcher Fetischisierung auch immer, das bliebe der historischen Analyse zu überantworten, auch schon in der Antike derartige Widersprüche hervorriefen, dass sie durch Vernichtung von übermächtigen Volksfeinden gelöst werden sollten (was ich nur bedingt für arbeitsfähig halte), oder dass gewisse Eigenarten des jüdischen Monotheismus bereits für polytheistische Herrscherdynastien mit ihren Gottmenschen als Herrschern, narzisstische Kränkungen bedeutete.

Letzteres ist darum schwierig zu vertreten, weil man leicht darin abgleiten könnte, das Problem des Antisemitismus wiederum bei den Juden zu suchen und der pathischen Projektion einen (randständigen) Bezug auf das reale Verhalten von Juden zuzumessen. Bezieht man allerdings das Polytheistische System mit seinen Widersprüchen in die Analyse mit ein – was selten und marginal stattfindet - und stellt den Widerspruch heraus, den der Monotheismus zu überwinden und zu denunzieren angetreten ist, wäre man durchaus wieder bei der Analyse der pathisch Projizierenden angelangt. Die immense Traditionslinie des Antisemitismus aus Furcht vor Anthropologisierung zu kürzen kann nur auf Kosten der Opfer des Antisemitismus gehen. Das jüdische Sprichwort: „Onkel Risches wird immer da sein“ bezeugt die jüdische Erfahrung mit dem Risches, dem Antisemitismus. Er war Sicht der Juden eben „schon immer“ da und man kann nie vor ihm sicher sein, bis nicht der Messias kommt. Das kann und darf nicht als Anthropologisierung in dem Sinne verstanden werden, dass dies nicht überwunden werden könne. Sondern es macht das Problem des Antisemitismus komplizierter, als die orthodox-materialistischen Theorien es gerne hätten, weil er tiefer geht als die Fetischisierungen, die aus der Kritik der politischen Ökonomie bekannt sind, und sein Grund (nicht seine äußeren Bedingungen) womöglich, wie Freud es vermutet, doch mehr in Kastrationskomplex und Triangulierung, in Kultur und Tradition zu suchen ist.

Link 1: Wikipedia zum Buch Ester

Link 2: Das Buch Ester auf Bibel-Online

Link 3: Das Buch Ester aus dem Hebräischen auf Hagalil

Link 4: Antike Judenfeindschaft auf Wikipedia

 

 

10.11.06 22:53


Tribu Ka - Schwarze Rassisten und Antisemiten

In Frankreich existiert seit 2004 eine afrikanische Untergrundorganisation namens „Tribu Ka“. Sie umfasst einige Dutzend Mitglieder und wurde von Stellio Gilles Robert Capochichi gegründet. Ihre Hauptforderung ist eine strikte Rassentrennung innerhalb Europas in schwarze, weiße und jüdische Städte. Sie beziehen sich positiv auf den altägyptischen Sonnengott Aton und daran, dass die Juden für die Versklavung der Schwarzen seit dem Altertum verantwortlich seien. Nach der tagelangen Folterung und Ermordung des Juden Ilan Halimis durch eine afrikanische Gruppe, die offenbar glaubte, Juden könnten Geld mit magischen Mitteln herbeizaubern, hatte der französische Kach-Ableger, die JDL – Jüdische Verteidigungsliga – dem Mörder mit Selbstjustiz gedroht. Dies nahm Tribu Ka zum Anlass, ein jüdisches Viertel – le Marais – zu stürmen und Menschen zu bedrohen, was zum Verbot der Sekte führte. (Quelle: Jüdische Allgemeine Nr. 43/06, 26.10.2006, S- 2)

Freud nennt den Sonnengott Aton noch die ägyptische Quelle des monotheistischen Judentums, Moses sei ein Priester der gescheiterten Atonreligion gewesen. Ob die schwarzen Rassisten und Antisemiten von Tribu Ka von Freuds Thesen zum Monotheismus kennen ist fraglich. Dessen These, der Antisemitismus sei im wesentlichen der Hass auf den kleinen Unterschied, der Neid der Bruderreligion, wird in der Namensgebung der Tribu Ka untermauert. Das K steht für "Kemiten", die Eigenbezeichnung der Gruppe.

Bernhard Schmid führt weiter aus :

Ein besonderer Stellenwert kommt dennoch der Abgrenzung von den Juden zu. Denn nicht zufällig klingt der Begriff « Kemiten » wie « Semiten » (auf französisch: kémites und sémites). Und auch die Begrifflichkeit vom « auserwählten Volk », unter Anspielung auf das Alte Testament der Bibel, soll wohl den Anspruch verdeutlichen, die Juden von ihrem Platz in der Überlieferung der bekannten monotheistischen Religionen zu verdrängen – und einen neu geschaffenen Mythos an die Stelle der biblischen Geschichtsschreibung zu setzen.

Das Ganze nahm Dave Chapelle in seiner Show vorweg, als er einen blinden, schwarzen Rassisten Clayson Bigsby im Ku Klux Klan mimte. Schon der Name Tribu Ka (Stamm K) erinnert an den Klan. Zwar mag sich der schwarze Rassismus - ein zum Beispiel aus dem Quilombismo, einer brasilianischen Sklavenbewegung, in deren Zentralorgan unter anderem einmal Sympathie für Hitler bekundet wurde, bekanntes Phänomen - dem weißen gefährlich annähern, er bleibt bislang in der Regel doch nur Kopie. Der weiße Rassismus will rechtfertigen, der schwarze koppiert ihn negativ und kommt selten ohne Bezug auf den weißen aus. Wirklich gefährlich ist dagegen der Antisemitismus, der sich von dem "weißen" in nichts unterscheidet.

Youtube 1

Youtube 2

"Frankreich ist eine Schlampe!" von Gudrun Eussner.

Das Naziblatt Deutsche Stimme greift das Modell kritisch-begeistert auf.

Das andere linke Naziblatt leMonde Diplomatique empört sich, dass angeblich Antisemitismus schlimmer als Rassismus sein soll und Tribu Ka anders behandelt werde als die Jüdische Verteidigungsliga.

Ein bisschen alles zusammengewurschtelt haben es die antifaschistischen Nachrichten .

 

Das Logo des Tribu Ka:

1.11.06 23:41


Zwischen Verhältnis und Vergleich

Eine Mücke macht noch keinen Sommer und eine punktuelle Ähnlichkeit schafft noch keine Identität. Manche Verhältnisse unterscheiden sich sogar um so mehr, je ähnlicher sie sich werden. Wenn nun gesellschaftliche Verhältnisse einen strukturellen Gleichklang mit Elementen des Antisemitismus entfalten, so ist es zwingend erforderlich, diese aufzuzeigen, um die Bedrohung aufzuzeigen, die unter anderen oder bereits gleichen Bedingungen für das abstrakt gedachte und das real existierende Individuum existiert. Insofern gibt es eine Wesensverwandtschaft zwischen Homophobie, Misogynie, Rassismus und Antisemitismus. Dies aufzuzeigen bedeutet noch lange nicht, zu behaupten, das Verbot des CSD in Polen sei schon Nationalsozialismus. Wer in der Annahme dessen vom Hundertsten aufs Singuläre schließt reduziert sich selbst den Begriff vom Singulären auf ein Allgemeines, das schon im Gesagtem aufginge.

Ich halte daran fest, dass zwischen dem Verhalten gewisser antideutscher und linker Rauchergruppen gegenüber Nichtrauchern Affinitäten zur Todesverherrlichung und zur Unterdrückung von Ansprüchen des Besonderen, Individuellen bestehen. Das, was Raucher bisweilen veranstalten, wenn sie auf einer Party mit Rauchverbot sich "revolutionär" eine Kippe anstecken, ist Raucherdschihad, völliges Ausblenden der eigenen Suchtsklaverei und Aggression gegen die, die an ein Anderes erinnern, Verherrlichung der eigenen Abhängigkeit bis zum Tode und Verunmöglichung der Befreiung von dieser Suchtsklaverei durch permanente Verführung anderer. Dass ein bewusstes Rauchen möglich ist, sei dadurch ebensowenig geleugnet wie es in der Realität offensichtlich nicht stattfindet, so dass Institutionen zum Schutz von Individuen voranschreiten müssen. Daher bleibe ich dabei: Das Rauchverbot auch in linken Kneipen ist der erste Schritt zu einem besseren Leben für alle, die, die nicht rauchen, die, die schon immer damit aufhören wollten und die, die ohnehin nur aus Verlegenheit rauchen. Dies als kurze Stellungnahme zur Diskussion bei "Rauchen als Verkehrung" .

Nachtrag 2: Da es anscheind ohnehin nichts nützt, zu erklären, sei der Polemik der Vorrang gegeben und die Erklärung gelöscht.

Nachtrag 3: Belassen wird der meines Erachtens aus Gründen der Polemik gerechtfertigte "Vergleich" vor allem deshalb, weil die Protagonisten der Empörung dies nicht als Hindernis nehmen, um nach dessen Beseitigung über den Rest reden zu können, sondern um nach dessen Beseitigung mit restauriertem Selbstbild von alledem schweigen zu dürfen.

Nachtrag 4: Beschämenderweise sind es gerade die konservativen Freunde von der CDU, die auf einmal die Schankwirtschaften vom für Mitte 2007 angekündigten Verbot ausnehmen wollen. Das Deutsche Krebsforschungsszentrum protestiert konsequent mit dem Argument, die Gesundheit von Mitarbeitern im Schankbetrieb sei ebenso wenig verhandelbar wie die von Kellnern in Gastronomiebetrieben. Es bleibt zu hoffen, dass Vernunft waltet. Völlig jenseits aller Vorstellungskraft ist, dass linke Kneipen der Emanzipation voranschreiten wollen und das Gesetz freiwillig, konsequenter und früher umsetzen und sich so den Sprung ins kalte Wasser ersparen. Ein kleiner Tipp: Blumensträuße statt Aschenbecher machen das Ganze viel gemütlicher und Nikotinpflaster wie -kaugummies sind auch ein lukrativer Nebenerwerb. Vom Anstieg des Knabberwarenkonsums ganz zu schweigen.
28.10.06 21:21


Die Apotheose Jostein Gaarders

Bisweilen bekommt man Aufträge, die betont offen sind: Schreib mal irgendwas dazu halt so. Wenn man aber denkt, dies sei Ausdruck von individueller Freiheit, hat man schnell einen Artikel von Dutzenden Stunden Rechercheumfang wie bestellt und nicht abgeholt herumliegen. Die Prodomo zum Beispiel hat sich „sagen lassen, dass Sofies Welt ein ziemlicher Schrottschinken ist,“ und wollte irgendetwas zu Gaarder haben. Später erfährt der Autor, man hätte doch eher herausstellen sollen, „wie wahnhaft es ist, die aktuelle israelische Politik mit dem alten Testament in Verbindung zu bringen.“ Stattdessen war es dem Autor ein Anliegen, herauszustellen, wie wahnhaft es ist, genau dies nicht zu tun, also die gesellschaftliche Tat Geschichte außen vor zu lassen, gerade wenn es um ein religiös vorgebrachtes Ressentiment geht. Dazu wurde mit Freud ein wenig Bibelkunde ausgebreitet, beispielsweise vorausgesetzt, dass der Ethik- oder Religionsunterricht von Klasse 6 noch sitzt, dessen Inhalt irgendwann die Geschichte von Josef und seinen Brüdern war.

Man erinnert sich vielleicht dumpf an Geschwisterkonkurrenz, an den jüngsten Lieblingsbruder Benjamin und den Traumdeuter Josef in Ägypten. Aber „Als, wie wohl die meisten Leser der "Prodomo", schwer bibelunkundiger Leser, muss [Prodomo] hier leider passen. Wie ging die Geschichte von Josef und seinen Brüdern? Und: was ist der verschobene Ödipuskomplex? Und was hat das mit Antisemitismus, insbesondere obigem Gaarder-Zitat, zu tun?“ Eine berechtigte Frage, die entweder eine rhetorische ist, die nur exaktere Explikation fordert, dann aber den Leser bevormundet, oder tatsächlich unbedarft, was auch nicht schlimm wäre, schließlich gibt es Bücher, die einem weiterhelfen, beispielsweise die Bibel oder Wikipedia.

Aber wirklich bedenklich wird es dann doch, wenn Kategorien sich verselbstständigen. „Die Kriege der Juden des alten Testaments können nicht antifaschistisch gewesen sein, weil es damals keinen Faschismus gegeben hat. Ohne den biblischen Hintergrund genauer zu klären, [hält Prodomo] es für höchst fragwürdig, eine Bibelstelle zu zitieren, in der "Die Juden alle niedermetzeln". War es für Gaarder "problematisch", dass Juden Cluster-Bombs halt auch auf weiche Ziele, worunter notwendig Zivilisten zu fassen sind, werfen, eine im Krieg kaum zu vermeidende Hässlichkeit, ist es für Prodomo-Leser anscheinend unerträglich von gewalttätigen Juden zu hören, die sich mit dem Schwert ihrer antisemitischen Bedränger erwehren und dabei mit den damals erforderlichen militärischen Mitteln „alles niedermetzeln“. Der Abwehrimpuls bleibt der Gleiche, ein Jude mit blutigem Schwert muss ein böser sein, denn Gewalt und niedermetzeln, das ist böse, soviel blieb dann doch noch vom Ethik-Unterricht haften. Wie man dann aber nachweisen will, dass der Libanon-Krieg antifaschistisch ist, kann nur unter der Prämisse eines sauberen Krieges erfolgen und der sollte jedem aufgeklärten Menschen, der weiß, dass es sich im Stande der Unfreiheit auf das am wenigsten Schlimmste nur zu bewegen gälte, als Fiktion, bürgerliche Verklärung, bewusst sein. Der Krieg der Juden ist nicht unterstützenswert, weil darin nicht „Leute niedergemetzelt“ werden, sondern weil es ein gerechter, weil gegen den Antisemitismus geführter, aufgezwungener ist, bereits im Buch Esther. Und darum schon zu dieser Zeit nicht archaisch, weshalb es überhaupt nicht schlimm wäre, den Libanon-Feldzug unter einer testamentarischen Prämisse zu fassen. Solange man sich auch hier auf die Seite der Juden und nicht in den Dienst der antisemitischen, tatsächlich archaischen Reaktion stellt. Anscheinend aber werden Prodomo-Leser zu Antisemiten, wenn man ihnen Juden präsentiert, die tatsächlich einmal "alles niedermetzeln". Dass im jüngsten Krieg heftige Anstrengungen unternommen wurden, zivile Opfer zu vermeiden, dieses Wissen sollte man allmmählich unterstellen können, es zu beweisen hieße tatsächlich jedes Argument des Antisemiten ernst zu nehmen.

Wer den inzwischen noch erweiterten Artikel "Die Apotheose Jostein Gaarders" als Directors cut lesen möchte, kann ihn auf Anfrage an nichtidentisches@web.de problemlos und ohne Angabe von Gründen erhalten. Im Wesentlichen beinhaltet er eine komplexere Weiterführung der Gedanken, die auf diesem Blog bereits geäußert wurden. Eine Lektüre der ebenfalls auf diesem Blog befindlichen zwei relevanten ins Deutsche übersetzte Texte Gaarders empfiehlt sich zur Vorbereitung. Die Druckrechte sind noch erhältlich. In jedem Fall freut sich der Autor über Kritik und hofft, dass die Prodomo tatsächlich mal wieder in Print erscheint und diese unhöfliche Veröffentlichung von hastigen Briefzeilen nicht als idiosynkratischen Affront wertet, sondern als notwendige Kritik begreift. Aber vielleicht ist der Artikel tatsächlich untauglich, und die Prodomo hat vollkommen recht, das entscheidet das Publikum per Akklamation und so weiter…

Siehe auch "Randnotizen zum Fall Gaarder" und "Sofies Welt braucht keinen Adorno nicht."

17.10.06 00:29


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