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Le dernier cri: Die Philosemitismuskeule

Marc Chagall : Der Jude in Schwarz-Weiß

Man könnte meinen, ein Gespenst geht um. Der Philosemitismus erregt die Gemüter aller Seiten, ein schwelender Verdacht, geeignet, den vermeintlich Nächsten bis ins tiefste Gemüt zu mustern, um sich des künftigst drohenden Verrats an der Sache zu erwehren.

Ein Begriff, der einst jene antisemitischen Judenhandpuppen meinte, die im Prager ehemaligen Ghetto an Buden verkauft werden, jene Dayan-Rommel-Vergleiche in deutschen Tageblättern, jenen bewusst übertreibenden offensichtlichen Antisemitismus, jene allzu offenkundig als krude zu entlarvende Judenmission der Evangelikalen - ein solcher Begriff ist zunächst ein gefundenes Fressen für die zum Abwehrkampf bereiten Antisemiten, sich ihrer Gegner zu erwehren. Längst hat die Rede vom Philosemitismus dort als stehende Größe Einzug erhalten, wo man Antisemitismus für eine verständliche Reaktion auf die Medienpräsenz von Juden hält.

Die psychoanalytische Erforschung der libidinösen Objektbesetzung betont den möglichen Umschlag: Das Objekt wird, falls es sich als nicht beherrschbar erweist oder die auf es projizierten Fremdanteile durch subjektive Anteile enttäuscht, zum feindlichen, es wird zerstört wie ein Bild vom Wahnsinnigen, ein Star vom Fan attackiert, die untreue Ehefrau vom sie wahnhaft Liebenden ermordet. Der Schritt zum Wahnhaften ist dabei ein rein quantitativer, auf ein jedes libidinös besetztes Objekt wird auch falsch projiziert und in bester kritisch-theoretischer Manier wäre als pathisch erst der Ausfall an Reflexion darin zu benennen.

In gewissem Sinne ist der christlich inspirierte Antisemitismus enttäuschter Philosemitismus. Luther wollte einst die Juden bekehren, als dies nicht gelang entbrannte er in Vernichtungswünschen, die dem nationalsozialistischen nicht nachstanden. Der nationalsozialistische Antisemitismus neidete den Juden ihre Tradition, und suchte die mimetische Kopie authentischer Spiritualität in Massenritualen, Symbolen und dem Tradition heischenden Germanentum. Die Nazis mussten die Bewunderung für die Juden leugnen, und sie deshalb zur Gegenrasse erheben - sie in so weite Ferne rücken, dass niemand auf die Idee kam, das schlecht gefälschte, ins Gegenteil verzerrte Plagiat auf sein erhabenes Original zu prüfen. Und der eifersüchtige Prophet Mohammed vernichtete jene jüdischen Stämme, die ihn der Fälschung ziehen.

Der Philosemitismus in der Linken soll vor dem Sechs-Tage-Krieg 1967 angeblich ein Massenphänomen gewesen sein, der Umschlag in massenhaften Antisemitismus dadurch mitbegründet. Ich halte einen solchen proisraelischen Philosemitismus für nicht annähernd so ausschlaggebend für den dieser Phase folgenden Antisemitismus, wie antisemitisches ideologisches Erbe, die blindwütige Bindung an sowjetische Propaganda und den da schon entfachten Antiamerikanismus.

All diesen "Philosemiten" war der Antisemitismus schon offen ins Gesicht geschrieben, die Juden waren Objekt der Bekehrung oder reine Projektionsfolie. Es bedurfte keiner besonderen Begabung, um ihn als im Kern judenfeindlich zu entlarven.

Aktuell ist der Philosemitismus ein Angstbegriff in der antideutschen Szene. Ich halte ihn für maßlos übertrieben oft und falsch verwendet, was die derzeitige Debatte um die Anti-Ahmadinedschad-Demonstration in Berlin vielleicht verdeutlicht. Ich persönlich hielt von der Demonstration aus folgenden Gründen nichts:

1. Wenn man die israelische Regierung für zu inkompetent hält, eine drohende Vernichtung Israels abzuwenden, warum hält man dann ausgerechnet die deutsche Öffentlichkeit für kompetenter?

2. Wenn tatsächlich dieser Akt der Vernichtung droht, der als "atomarer Holocaust" betitelt ist - was dem Unbedarften vielleicht verdeutlichen soll, dass der noch schlimmer ist, als der "nichtatomare", wegen der Strahlung und so - dann sollte man den Demonstranten wirklich die Frage stellen, warum sie einen spaßigen Ausflug mit anschließender Latschdemo (den Funfaktor ins Zentrum gerückt) für ein geeignetes Mittel halten, diesen zu verhindern.

3. Wieso ist man nicht in der Lage zu benennen, was mit Unterstützung des Iran schon seit Jahrzehnten an Vernichtungsaktionen geplant und ausgeführt wird - über die Hisbollah, über die Hamas.

Mit dem entsprechenden Beitrag zur Diskussion dazu auf Lizas Welt bin ich in weiten Teilen einig. Bedenken erheben sich mir jedoch bei folgendem Schlussplädoyer gegen den Aufruf der Bahamas:

"Den zu der Demonstration aufrufenden jüdischen Gemeinden und Gruppen wird ausdrücklich vorgehalten, sie beteiligten sich „wohl in der Hoffnung, ihrerseits ein Gemeinschaftsgefühl zu erleben“. Es ist die Ebene der Verdachts, die hier ins Spiel kommt, denn Belege für die Spekulation, den Teilnehmern gehe es bloß um eine familiäre Karnevalsparty und nicht um eine ernsthafte Manifestation gegen Judenhass, fehlen gänzlich. Und mehr noch: Es ist eine klassische antisemitische Projektion zu behaupten, der Jude sei individualistisch statt kollektivistisch, setze auf sich allein und nicht auf die Gemeinschaft. Wenn Juden aber nun vorgehalten wird, sie würden ein „Gemeinschaftsgefühl“ erhoffen, so wird ihnen explizit zum Vorwurf gemacht, dass sie nicht der wahnhaften Projektion des gemeinen Antisemiten Folge leisten wollten. Damit denunziert sich die Rage der Bahamas im Kern selbst als antisemitisch. Man kann der Redaktion eines nämlich nicht vorwerfen: einen ungenauen und unüberlegten Umgang mit der Sprache, mithin eine unzureichende Kenntnis der kritischen Theorie des Antisemitismus."

So wenig ich den Text der Bahamas für gelungen halte, seine Kritik greift bei weitem zu kurz und schief, so sehr halte ich es für wichtig, das Zitat nicht zugunsten der Wirkung abzukürzen:

"Sein Nachfolger, Johannes Gerster (CDU), der stolz den „ersten Bibelgarten Deutschlands“ präsentiert, verkündete schon im Dezember dem sächsischen Teil der Gemeinde: „unser Bibelgarten-Bus fährt ab Synagoge Dresden über Großröhrsdorf, Pulsnitz – Kamenz bis zur S-Bahn Berlin-Adlergestell und zurück“. Gerster weiß für die Seinen klar zu benennen, welcher Gewinn eine Großdemonstration „gegen den gefährlichsten Politiker unserer Zeit“ für das deutsche Vereinswesen sein kann: „Heute möchte ich Sie sehr herzlich bitten, soweit es ihre eigenen Veranstaltungen am Holocaustgedenktag zulassen, unsere zentrale Kundgebung mit Herz und Verstand (!) zu unterstützen. Wir wollen uns kraftvoll zu Wort melden, unser Gemeinschaftsgefühl (!!) in der DIG stärken und erfahren, dass wir mit unserer Arbeit nicht allein (!!!) stehen.“ In den Bibelgarten der DIG sind nämlich allerherzlichst auch Deutschlands Juden eingeladen, von denen sich gleich 20 Gemeinden und Gruppen dem Aufruf angeschlossen haben – wohl in der Hoffnung, ihrerseits ein Gemeinschaftsgefühl zu erleben. Ob sie sich darüber im Klaren sind, dass von solcher Beschwörung der nationalen und europäischen Versöhnung gerade diejenigen, um die es doch zuallererst gehen sollte, die vom Angeklagten unmittelbar bedrohten jüdischen Bewohner Israels, qua geflissentlicher Nichterwähnung ausgeschlossen sind?

[...] Bis dahin aber steht zu befürchten, daß im Bibelgarten deutscher Israelfreude, also dem Holocaustdenkmal zu Berlin, immer auch der Mullah zur Stärkung des Gemeinschaftsgefühls deutscher Vereinsmeier beitragen darf, und der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, der schon seit langem Islamkritik als „Islamophobie“ bezeichnet und in die Nähe des Antisemitismus rückt, mit ihm über einen deutschen Professorenaufruf zur Selbstabschaffung Israels diskutiert."

Vom Vorwurf an "die Juden" liest sich hier wenig, dafür etwas Wahres über eine Tendenz einer genauer bezeichneten ideologischen Gruppe.
"Der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland"
an dem das mit Lizas Welt kooperierende Blog Critique: Hector Calvelli eine vernünftige Kritik übt, ist nicht "die zur Demonstration aufrufenden jüdischen Gemeinden und Gruppen", sondern einer, der diesem Aufruf entgegensteht und dennoch in die Kritik eingebunden ist. Das Gemeinschaftsgefühl, das konkret benannte "20 Gemeinden und Gruppen" "ihrerseits" erleben wollen, ist ein von dieser vereinnahmenden Seite aus notwendig enttäuschtes, seine Benennung bezeichnet den deutschen Philosemitismus in der DIG, der mit Juden - des (offenbar bedrohten) Gemeinschaftsgefühls in der DIG wegen - gerne zusammen gesehen werden möchte. Nicht jedoch lassen sich Rückschlüsse aus dem Gesagten über das Gemeinschaftsgefühl innerhalb der jüdischen Gemeinden ziehen, fernab dessen, dass der Redaktion Bahamas ein positiver Bezug auf ein wie auch immer geartetes Gemeinschaftsgefühl fern stehen dürfte.

Der Vorwurf des Antisemitismus wurde von der Bahamas, i.e. Justus, abgeschmettert , die Forderung nach Entschuldigung wurde angeblich laut. Hier stellt sich die Frage nach der Professionalität von Teilen der Redaktion Bahamas im Umgang mit einem zwar logisch ungerechtfertigten, aber emotional verständlichen, nicht ganz unbegründeten Antisemitismus-Vorwurf. Der Vorwurf des Antisemitismus ist dem Gegner des Antisemitismus kein Makel, sondern Grund zur Reflexion! Am Beginn dieser würde eine Einsicht in die Problematik und zugunsten der Polemik verkürzende Nachlässigkeit des Ausgesagten stehen, am Ende vielleicht die Aufforderung zur Reflexion auf der Gegenseite. Keinesfalls eignet sich aber ein solches "Schandfleck"-Gebahren zur Aufklärung über die Sache, nämlich dem Verhältnis von Philosemitismus und Antisemitismus.
Vielmehr ähneln solche "Antisemitismus-Vorwurf"-Debatten Judith Butlers und Moshe Zuckermanns Sprech vom "Missbrauch mit dem Antisemitismusvorwurf", der diesen unglaubwürdig mache. Zuzugeben, bei einem zumeist ernsthaften Kritiker des Antisemitismus wie Lizas Welt durch eine Formulierung ein ungutes Gefühl hinterlassen zu haben, wäre der tabubrecherischen Bahamas allerdings (bedauerlicherweise) wohl doch zuviel der "Schande".

Gehen wir weiter auf den Philosemitismus ein.
Lizas Welt analysiert messerscharf in Kenntnis des Philosemitismuskomplexes:

"Die Bahamas ist, so scheint es, enttäuscht vom Ersatzobjekt ihrer Zuneigung, da es nicht den von ihr vorgegebenen Maßstäben genügt."

Was man der Bahamas nicht vorwerfen kann, ist, dass sie ihr "Ersatzobjekt" im Zentralrat der Juden in Deutschland oder "den Juden" suchen würde. Lizas Welt vermag nicht zu benennen, wofür dieses Objekt ein Ersatz ist. Wenn man der Bahamas zugrunde legt, die "Elemente des Antisemitismus" gelesen zu haben, so erinnert man sich womöglich an einen Satz in diesem reichhaltigen und durchaus fehlerhaften Werk:

"Die jüdischen Massen entziehen sich dem Ticketdenken so wenig, wie nur irgend die feindlichen Jugendverbände." (Horkheimer/Adorno: Dialektik der Aufklärung, S. 185. Fischer 1984)

Meines Wissens nahm die Bahamas nie einen antisemitischen Juden wie Judith Butler oder Moshe Zuckermann von ihrer Kritik aus. Sie vertritt in Bezug auf Israel eine Position der Vernunft, nicht eine des identitären "Gemeinschaftsgefühls", oder der "Schuldfrage". Das Gegenteil wäre nachzuweisen. Demenstprechend hämisch reagieren die von je her Beleidigten, den vermeintlich Überkorrekten einen Fehler nachzuweisen.
Auf dem Badblog vermeldet "Bürger" ein Kommentar zur Diskussion:

Mir erscheint ein Verhältnis zur Zeitschrift Bahamas wie das der Herde zum Hirten, mithin hochgradig irrational, das auf jede Kritik an den Gurus reflexhaft die Stichworte “Ressentiment” und “Vatermord” herunterspult. Ein solcher Vatermord täte einigen vermutlich ganz gut. Es ist ja nicht so, als wäre der Antisemitismusvorwurf einfach so dahingesagt. Der wird ja auch begründet: Es ist der Antisemitismus des vom Objekt seiner unerwiderten Liebe enttäuschten Philosemiten.

Wie jeder in der antideutsche Schule gelernt hat: "Be aware of Philosemitism!" Also lieber nicht zu radikal für Israel sein, sonst kommt hinterher garantiert das Gegenteil heraus.
Gleich darunter bemerkt Edward E. Nigma nach einer längeren, richtigen Kritik:

Ansonsten kann ich nur gelangweilt mit der Schulter zucken und werde die Protagonisten des Disputes nicht mehr ernst nehmen, angesichts des philosemitischen Reflexes der sich da so derart Argumentfrei Bahnen bricht, nur weil der ein oder andere mit seiner Identität nicht mehr zurecht kommt und nur deshalb den Schwachsinn im Munde, ebenso wie die Keule in der Hand führt…

Meines Erachtens besteht dringendster Bedarf an der Schärfung eines Begriffs vom Philosemitismus. Weder ist er ein Reflex, noch ein derart einheitlicher Komplex wie der Antisemitismus.

Philosemitismus rettete zahlreiche Juden vor der Vernichtung. So verwerflich die Bekehrungsabsicht der evangelikalen Christen in Amerika ist, so viel tun sie für den Erhalt Israels. So eindeutig sich philosemitische Herrscher des Mittelalters die Juden nutzbar machen wollten, so hilfreich erwies es sich in zahlreichen Fällen für Juden, mit Schwert und Schild vor marodierenden Kreuzrittern, plündernden Bauern oder fanatischen Christen gerettet zu werden. Philosemitismus kann die völlig rationale atheistische Begeisterung für die jüdischen Texte ebenso bedeuten, wie der harmlos zu nennende Kaballa-Fanatismus Madonnas. Philosemitismus kann eine Reaktionsbildung auf den Antisemitismus, der die Juden real zum auserwählten Volk macht, sein, wie die Erkenntnis, dass der Antisemitismus der Feind des Menschen ist, und daher auch der des sich mit diesen notwendig solidarisierenden Individuums. Keinesfalls ist solchen Formen des Philosemitismus notwendig der Umschlag in Antisemitismus eingeschrieben. Am Beginn eines solchen Philosemitismus steht in der Regel ein aufgeklärtes Interesse und häufig eine Abkehr vom klassischen Antisemitismus, bisweilen eine Bekehrung zum Judentum.

Philosemitismus sollte vielleicht besser unterschieden werden in einen latent oder offen antisemitischen und in einen reflektierenden, der zu benennen weiß, warum er diesen oder jenen jüdischen Text oder die israelische Politik gutheißen kann und sich möglicherweise damit identifiziert. Von letzterem geht kaum Gefahr aus, ersterer ist meist schon auf den ersten Satz als antisemitisch zu enttarnen.

Anders als der Antisemitismusvorwurf ist der Philosemitismusvorwurf in überwiegendem Maße ein Instrument des Antisemitismus, wie neudeutsche Blogs im Stile von Lysis reich belegen. Darauf zu reflektieren sollte die weitere Verwendung zumindest eindämmen und auf explizit zu begründende Fälle reduzieren. Und spätestens hier übergebe ich an Menschen, die tiefer in das Phänomen einzudringen wissen und möglicherweise auch ein paar mehr Bücher zum Thema auf Lager haben.

Nachtrag:

Was der antisemitische Philosemitismus-Vorwurf will:

- Identität von Ideologie und Volkszugehörigkeit:
"Du bist kein Jude, also darfst du seine Meinung nicht teilen."

- Verdecken des eigenen antisemitischen Arguments:
"Wenn ich Antisemit sein soll, dann bist du Philosemit und das ist schlimmer!" (vgl. Manifest der 25)

- Aufspreizen zum Kritiker:
"Du bist der, der sich Gedanken machen sollte, weil morgen bist du viel mehr Antisemit als ich"

- Trennung von aufgeklärtem Interesse und israelischer Verteidigung: "Du bist doch nur für Israel, weil du Juden toll findest, und deshalb die schlimmen Dinge, die die wirklich machen, nicht sehen willst."

- Identität von Ideologie und Volkszugehörigkeit:
"Du bist Antideutscher, also kein Jude, weil (gute) Juden nicht diese Meinung haben, also Philosemit, also schlimmer als Antisemit."

- Nichtidentität von Ideologie und Volkszugehörigkeit:
"Ich kenne Juden, die Israel voll schlimm finden, und du findest Israel gut, und meinen Juden doof, weil er dein philosemitisches Vorurteil kränkt."

Die GWG hat hier eine lesenswerte Kritik an Lizas Welt verfasst.  

Die Forderung nach Entschuldigung wurde aktuell von Seiten des Bad Blog vorgebracht. 

30.1.07 20:37
 


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bisher 22 Kommentar(e)     TrackBack-URL


(31.1.07 14:20)
was soll denn das hier darstellen? ein bißchen marx, ein wenig psychoanalyse und der rest antideutsches stammtischgefasel?


nichtidentisches / Website (31.1.07 19:22)
Du hasts erfasst!


(1.2.07 16:58)
na da bin ich ja beruhigt, dass es nichts ernstes ist.


Edward E. Nigma / Website (1.2.07 18:44)
Mhm, wenn da mal nicht der Wurm drin ist.

Nichtidentisches, du hast ja im Zusammenhang mit der Kritik von Lizas Welt an der Bahamas ganz deutlich gezeigt, was passiert, wenn man unzutreffend - sprich verkürzt - zitiert. Warum machst du es dann bei meinem Zitat hier? Das verstehe ich nicht ganz...

Zumbesseren Verständnis hier der Link zu meinem kompletten Kommentar: http://bad-blog.com/2007/01/28/bahadas/#comment-498

Wenn du sagst, dass der Vorwurf des Antisemitismus dem Gegner des Antisemitismus kein Makel sein sollte, sondern ein Grund zur Reflexion, dann frage ich mich wieso du meinen Beitrag nicht ebenso einordnest. Mit dem achselzuckenden Philosemitismusvorwurf hatte ich gehofft, dass Goldfinger & Co. sich vielleicht ihrer Rage bewusst werden und endlich den - nicht nur - logisch ungerechtfertigten Antisemitismusvorwurf reflektieren um ihn dann zurückzunehmen...


Doktor Urlaub (1.2.07 22:10)
Also bitte, nichtidentisches, man kann auch zu sehr herumeiern. Was soll den ein logisch falscher, aber emotional verständlicher und irgendwo doch wieder begründbarer Antisemitismus-Vorwurf sein?


nichtidentisches / Website (1.2.07 23:29)
HI Edward: Dein Beitrag wurde schon im Text verlinkt! Der Zusatz "sonst sehr reflektiert" bezog sich u.a. auf den Rest des Beitrags. Du führst den Philosemitismus an, um die Bahamas Position gegen Lizas Welt und Goldfinger zu verteidigen. Das habe ich zu wenig herausgearbeitet und würde dir prinzipiell zustimmen, habe das falsch gefasst. Stehenlassen tu ichs trotzdem mal, denn "Philosemitismus" ist nicht die Ursache des Disputs. Da geht es um merkwürdigere, subtilere Botschaften, um Verrat, um Enttäuschung, eher um auf die Bahamas einst projizierte Wünsche und Ängste, als um auf "die Juden" projiziertes. Das Ersatzkollektiv sind nicht Juden, sondern "die intellektuelle Avantgarde der Antideutschen". Und darin ähnelt das Ganze natürlich dem realen "Philosemitismus". (Als These vorstellen, den Faktizität heischenden Duktus wegdenken, danke)

An den Urlaub:
Emotional verständlich verweist auf das meines Erachtens zu Recht empfundene intuitive Unbehagen an dieser Stelle des Textes. Das sich bei genauerem Nachdenken als falsch herausstellen sollte. Verständlich eben.


Joachim (2.2.07 22:49)
oh mein Gott.. ich bin in eine K-Gruppen Diskussion geraten.
Dabei bin ich Jahrgang '72 .... oh Mann, wer als "schwach" denunziert wird, wird immer usammengeschlagen ... egal, von wem (und gerade von denen, die neulich vielleicht mal Opfer gewesen sind)


Joachim (2.2.07 22:50)
ich hab ein "z" vergessen


Edward E. Nigma / Website (3.2.07 17:25)
Joachim, du hast nicht nur ein 'z' vergessen, sondern auch noch die Möglichkeit deine wirren Gedanken dem Publikum zugänglich zu machen... Respekt!


Hochdorff (4.2.07 21:31)
Schöner Text, aber woher hast du die "philosemitischen Herrscher" aus dem Mittelalter?

Die waren nicht philosemitisch, sondern hatten lediglich einen Weg gefunden, den Juden noch ein wenig Geld abzupressen ohne sie gleich töten zu müssen. Falls sich dann die Kreuzfahrer doch über sie hermachten, halfen sie ihnen auch nicht, wobei gesagt werden muss, daß ihnen manchmal auch die Möglichkeit dazu fehlte.

Literatur dazu:
Robert Chazan, European Jewry and the first crusade.(Berkley/Los Angeles/London 1987)

Ändert inhaltlich natürlich nichts an deinem Text, macht ihn aber wo's historisch wird richtiger.

Beste Grüße
Hochdorff


nichtidentisches / Website (5.2.07 13:16)
Ich müsste jetzt in die Recherche einsteigen. Es gab durchaus Fälle, in denen antisemitische Mobs an Aktionen verhindert wurden, bisweilen aus Menschenfreundlichkeit des zuständigen Herrschers, wenngleich häufiger aus wirtschaftlichem Interesse. Antisemitismus war Zeitgeist, aber als solcher nicht zu entschuldigen, da es auch Gegenbeispiele gab, in denen der Antisemitismus selten auch von kirchlicher Seite aus gebremst oder auch bekämpft wurde.


nichtidentisches / Website (5.2.07 13:17)
Quellen dazu liefere ich bei Gelegenheit und Muße nach, kannst ja auch dazu recherchieren und gerne hier reinstellen.


Hochdorff (5.2.07 20:24)
Hi,

es gab gelegentlich (Erz-)Bischöfe, die einiges Taten (Gebot der Nächstenliebe) und den Juden Zuflucht in ihren Burgen gewährten bis der Druck des Mobs zu hoch wurde bzw. sich gelegentlich die Juden zum Kiddush-HaShem entschlossen.

Im Interesse der Trennschärfe würde es sich anbieten in mittelalterlichem (und davor) Kontext von Antijudaismus zu sprechen, da diesem die rassistische Komponente des (modernen) Antisemitismus.

Literatur zu Juden und Judenverfolgung im MA:

Michael Toch, Die Juden im mittelalterlichen Reich. (München/Oldenbourg 1998). -> zusammenfassend und als Bibliographie

Bernd Martin/Ernst Schulin, Die Juden als Minderheit in der Geschichte. (München 1981). -> alt und bürgerlich, aber ein sehr guter Einstieg, gibt's manchmal für ein paar Euro 2nd Hand

Jörg R. Müller, Judenverfolgung und -vertreibung zwischen Nordsee und Südalpen. In: Alfred Haverkamp, Geschichte der Juden im Mittelalter von der Nordsee bis zu den Südalpen. (Hannover 2002). 189 - 222.

Ganz wichtig für die Geschichte der Kreuzzüge ist der bereits erwähnte Chazan.

Wobei bei alledem zu bedenken ist, das es sich um Werke der positivistischen Geschichtswissenschaft handelt, von Chazan vielleicht mal abgesehen. Wenn du noch Literatur hast, die kritisch-theoretisch an diese Sache herangehen, bin ich sehr interessiert.
Das einzige was ich in diesem Bereich kenne:

Hans Steidle, Vorindustrielle Judenfeindschaft am Beispiel Würzburgs. In: AK Kritik des deutschen Antisemitismus (Hrsg.), Antisemitismus - die deutsche Normalität. (Freiburg 2001). 17 - 34.

-> Hier auch zum Unterschied zwischen Antijudaismus und Antisemitismus.

Grüße
Hochdorff


nichtidentisches / Website (6.2.07 20:20)
Hi, nette Literaturliste. Ich persönlich halte die allzu scharfe Trennung von Antijudaismus/Antisemitismus für nicht hilfreich: http://myblog.de/nichtidentisches/art/9643796


nichtidentisches / Website (6.2.07 20:23)
kritisch-theoretisch angehauchte Klassiker natürlich von Gerhard Scheit:
Verborgener Staat, Lebendiges Geld. Zur Dramaturgie des Antisemitismus.
Und von Detlev Claußen: Grenzen der Aufklärung: Die gesellschaftliche Genese des modernen Antisemitismus.


(6.2.07 20:24)
Claussen, sorry.


Hochdorff (7.2.07 20:51)
Im Antijudaismus ist jedes Ressentiment des Antisemitismus präfiguriert, allerdings entbehrt er einer rassistischen Begründung. Er lässt den Juden ein allerletztes Schlupfloch, die Konversion, das ihm der Antisemit nicht zugesteht (sogar das Gegenteil versucht er zu bewirken).
Scharf kann man sicher nicht trennen, aber einen Unterschied gibt es doch, allerdings ist der Antijudaismus heute ein ausschließlich historisches Phänomen.

Danke für die Literatur, wird wohl doch Zeit Mitglied bei der ISF zu werden bzw. beim Verlag.


nichtidentisches / Website (8.2.07 02:01)
Ich finde nicht. Das Konversionsschlupfloch wird oft bemüht, war aber häufig Makulatur, etwa bei den Pogromen in London oder anderen Pogromen. Die Konversion hätte mit Christus stattfinden müssen. Ansonsten hätte die Christusmörder-Masche ja nicht mehr gegriffen.
Scheit bemüht dazu Matthäus irgendwas: "Und euer Vater war der Satan und der war ein Mörder von Anfang an." Darin sieht er eine Präfiguration des Rassebegriffs. Es gibt aber viele bessere Beispiele aus dem antiken Antisemitismus, in denen schon sehr deutlich von Rassemerkmalen und der Unverbesserlichkeit der Juden die Rede ist.


Hochdorff (8.2.07 12:53)
Beim ersteren muss ich dir Recht geben, wenn du zu zweiterem (außer Scheit) bei Gelegenheit mal Literatur posten kannst bzw. mir mailen, wäre ich dir sehr dankbar.


nichtidentisches / Website (8.2.07 23:35)
Silberner hat einige Stellen zum antiken Antisemitismus, außerdem Thide/Stingelin: Die Wurzeln des Antisemitismus - Judenfeindschaft in der Antike, im frühen Christentum und im Koran.
Das Porblematischste bei der Trennung Antijudaismus/Antisemitismus ist, dass moderne Formen des Antisemitismus nach dieser Trennung wieder Antijudaismus wären, etwa der Antizionismus der Linken, der auf Rassemerkmale im wesentlichen verzichtet, aber nichtsdestotrotz alle sonstigen antisemitischen Wahnbilder aufweist und zu kaum geringerer Potenz aufbläst.


Hochdorff (9.2.07 16:06)
Dann würde ich es wiefolgt definieren.

Alle drei zeitlich von einander geschiedenen Phänomene sind Erscheinungsformen des Antisemitismus, sind also Variationen eines "Immergleichen".
Während der Antijudaismus zwar alle antisemitischen Motive präfiguriert, aber noch nicht zur allerletzten Konsequenz führt, da ihm noch weitestgehend die biologistisch-rassistische Komponente fehlte.
Wäre zu fragen inwieweit die Shoa, den "klassischen" Antisemitismus überprägt hat, da man ihn nicht einfach so in die post-WWII-Welt retten konnte.
Ganz spontan (ohne tiefergehende Beschäftigung) würde ich sagen, daß man (zunächst) als Linke etwas finden musste, was man von ihm abspalten musste. Da die Shoa in den Augen der Linken eine Sache der "Rechten" war, musste man etwas "rechtes" abspalten, also den Rassismus und nicht z.B. die Identifikation der Juden mit der Zirkulationssphäre. Als Symbolfigur taugte auch "der Jude" nichts mehr, so verfiel man auf das Offensichtlichste, nämlich den Umstand das Juden sich nun staatlich organisierten. Daß das Volk (bzw. die Volksmassen) stehts Bezugspunkt linker Bestrebungen war, tat und tut zur heutigen Ausprägung des Antisemitismus (nämlich den Antizionismus) sein übriges.

Naja, ist nur eine Idee...

Danke für die Literatur.


nichtidentisches / Website (9.2.07 16:43)
Zur Diskussion eigentlich auch immer zu empfehlen ist Henryk M. Broders "Der ewige Antisemit". Dieser definiert die Shoah als Ausnahme, und nicht notwendige Folge einer antisemitischen Konstellation. Bei manchen dialektischen Materialisten (u.a. aus der Ca-ira Schule) wird das manchmal auf eine Rationalisierung herbagebrochen, die monokausal bleibt und den Anlaß als theoretisches Spielzeug verwendet.
Der Tanz um Begrifflichkeiten entbehrt da bisweilen der nüchternen, pessimistischen Aussage Broders. Der Antisemitismus hat sich viele Gewänder zugelegt, eines davon ist die Bekehrung und der Antijudaismus. De facto lief aber auch dieser immer auf Gewalt und nicht selten auf eine totale Gewalt, die von Bekehrungswilligkeit absehen musste, hinaus. Und zwar schon seit Gründung der christlichen Religion.
Interessant dazu auch Max Klesse (Vom alten zum neuen Israel) und sowieso der Altmeister Leon Poliakov.
Auch zu empfehlen ist Coudenhove-Kalergi.
Und sowieso das Erste Testament.

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