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Zwischen Levi und Liza...

Weit davon entfernt, endgültig ein Urteil gefällt zu haben, schrieb ich eine positivere Rezension zu Levis "Mein Führer" - Die wirklich wahrste Wahrheit, vorerst ohne Lizas ersten Artikel dazu zu lesen und ohne die Kenntnis anderer Interviews mit Levi. Filme halte ich generell für untauglich, zur Reflexion über den NS beizutragen, es geht mir nicht darum, zu diskutieren, ob das Genre überhaupt vom aufgeklärten Standpunkt eine Berechtigung hat, (das hat es nicht und insofern ist Levis Film auch überflüssig), sondern ob die spezifische Kritik an diesem Film gelten kann.

Lizas Welt feuerte mich aufgrund meiner Interpretation aus der Stammelf (oder habe ich mir nur eingebildet, da je mitgespielt zu haben? Vielleicht saß ich auch schon länger auf der Wartebank). Ich habe mir den Artikel dieses Blogs auch aus Gründen des Selbstzweifels nochmal angeschaut.

Der zentrale Vorwurf an Levi ist, dass er von der Misshandlung von Kindern auf den Nationalsozialismus schließe, zudem die Spezifik des deutschen Antisemitismus ausblende, und Hitler zum Opfer mache.

"Noch einmal Levy: „Man wird als Zuschauer dazu gebracht, sich in Hitler einzufühlen – genau so, wie sich auch der Jude Adolf Grünbaum in den Mörder seines Volkes einfühlt und ihn am Ende deshalb nicht mehr töten kann, weil er in ihm ein zerrüttetes, armes Kind sieht.“" (nach: Lizas Welt)

Das habe ich weder bei mir noch bei Anderen so empfunden, halte es aber durchaus für möglich, dass es massenweise so interpretiert wird. Kritik darf sich nicht aus Gründen des möglichen Missverständnisses durch "die Massen" zensieren. Da ich das Interview nicht kenne, muss ich zudem in Frage stellen, ob das Levi's endgültige Ansicht ist, oder ob diese "Einfühlung" auch entscheidend gestört und in Frage gestellt wird, was meines Erachtens der Fall ist. Stünde es so da, als Absicht Levis, sollte man den Film tatsächlich getrost verwerfen.

Zum Argument der Psychologisierung wäre zu sagen, dass Antisemitismus prinzipiell überdeterminiert ist. Es wäre meines Erachtens falsch, die Kindesmisshandlung grundsätzlich aus dem Komplex des Antisemitismus auszugrenzen. Freud nennt den gescheiterten Kastrationskomplex und die Triangulierung als Nährboden, Fenichel und Simmel stehen dem nicht fern, Adorno führt den "Autoritären Charakter" ein. Diese ist weder ein notwendiger noch ein hinreichender Grund, und ich hatte nicht den Eindruck, als würde Levi dies vertreten. Die Kritik an Erziehungsmethoden des frühen 20. Jahrhunderts bereits wie "Lizas Welt" als "Antipädagogik" darzustellen, greift fehl.

Die Zitate von Levi, die Lizas Welt anführt, geben leider Grund zur Annahme, dass Levi tatsächlich einer monokausalen Erklärung den Weg bereitet. Meines Erachtens ist diese Interpretation im Film nicht notwendig vorgegeben, die Psychologisierung wird im Gegenteil als lächerlich dargestellt, Hitler erweist sich als nicht therapierbar. Schneider/Hitlers Selbstmitleid ist nicht geeignet, Mitleid zu wecken. Als er sein Trauerspiel vorbringt, grinst er nach kurzem Innehalten Grünbaum an und fragt (sinngemäß, Zitat nicht genau): "War ich gut? Schauspielern lag mir schon immer." Wer in den Film geht und Mitleid mit dem realen oder auch nur mit der Filmfigur Hitler entwickelt, hatte schon vorher ein gehöriges Problem.Levis Hitler ist nicht der historische, sondern er personifiziert das heutige Deutschland. Das Argument, dass der Charakter Grünbaum Mitleid mit Hitler entwickelt, greift meines Erachtens fehl. Grünbaum ist weder die einzige Identifikationsfigur, noch läge ihm die Ermordung auf Dauer fern. In zwei Fällen unterbricht nur der Zufall den Mord.

Wenn Levi tatsächlich Grünbaums Statement "sonst bist du genauso wie er" ernst nimmt, dann wäre der Film tatsächlich zu verurteilen. Ich bin mir nicht sicher, ob das zutrifft. Vieles spricht dafür, dass Levi nicht dieser Gutmensch ist, unter anderem klare Statements Levis in Interviews für die "Jüdische Allgemeine" und "konkret".

Fraglich ist aber tatsächlich der moralische Anspruch: Ist es ethisch einzufordern, dass jeder Mensch zu jeder Zeit einen abgrundtief bösen Menschen erschlagen können muss? Grünbaum schafft es nicht, das ist nicht "sein" Fehler. Andere hätten es in zahlreichen anderen Gelegenheiten vollziehen können, Levi verurteilt m. E. niemand, der dies wünscht oder einfordert. Die Abkehr vom Attentat ist keine moralische Forderung Levis, ebenso wenig wie Mitleid. Angesichts der von Levi immer wieder eingeführten echten Filmteile von Massenversammlungen stellt sich tatsächlich die Frage, ob die Ermordung Hitlers eine wesentliche Veränderung gebracht hätte.

Der Punkt der Spezifizierung der deutschen Verantwortlichkeit wird von Lizas Welt so umrissen:

"Antisemitismus? Spielte keine Rolle: Juden traf es nur so, zufällig, en passant, weil sie eben da waren. Und wäre die Erziehung früher nicht so heftig gewesen, wäre alles anders gekommen. Beeindruckend simpel, das Ganze."

Dass es sie zufällig treffe, wird von Levi nicht behauptet. Im Film wird als Grund ihre Wehrlosigkeit genannt, mit Adorno zu sprechen: Schwäche, die zur Herrschaft reizt. Die allerdings auch durch Herrschaft produziert wird. Es ist jedoch ein Leichtes zu behaupten, die Frage sei endgültig geklärt. Warum die Juden? Lag es gar doch an der revolutionären Philosophie des Judentums selbst? Am Christentum und dem negativen Bezug auf das Judentum? Am kleinen Unterschied? Oder ist es doch eine anthropologische Konstante, die zufällig auf Juden traf, die der Antisemit nicht erst erfinden musste? Warum wurde ein Land wie Amerika mit einem starken Hotel-Antisemitismus bis in die Fünfziger hinein nie akut judenfeindlich? Warum die Unterstützung für die SS-Truppen durch ukrainische und baltische Schergen, die primitive Freude der polnischen Bauern über die Ermordung der Juden? War es die spezifische, ökonomische Lage in Verbindung mit der antisemitischen Tradition in Deutschland? Und warum soll die eine materialistische Erklärung die Täter entschuldigen, die andere jedoch nicht? Auch die kritische Theorie gibt da keine endgültigen Antworten und Levi bringt nicht umsonst im Abspann das Statement, dass man trotz der Versuche, dies zu begreifen, es nicht schaffen könne. Wer behauptet, er habe das, was da geschehen ist, vollständig verstanden und begriffen, ist meines Erachtens nicht wirklich zurechnungsfähig.

Um Antisemitismus und seine Funktionsweise geht es in Levi's "Mein Führer" mehr als in jedem anderen mir bekannten Film zum Nationalsozialismus. Dies legte ich in meinem Artikel "Mein Führer" - Die wirklich wahrste Wahrheit" dar, es kann sein, dass ich einiges übersehen oder überinterpretiert habe.

Dass Helge Schneider vom Film sich distanziert, ist weniger seinem Genie, als seiner kruden Forderung nach dem "alternativen Ende" zu verstehen, in dem er Hitler gerne ein wenig mehr gespielt hätte, nämlich als 116-jähriger Greis... Was selbstverständlich wieder Fragen aufwirft nach Sinn und Verstand des Protagonisten während des übrigen Films.

Levi nennt nicht den Kapitalismus, sondern Kindesmisshandlung als Ursache für die Gleichgültigkeit der Menschen, die ihn jenseits der Figur Hitler am meisten erschrocken habe. Das macht aus Tätern noch keine Opfer, sondern versucht in gleicher Weise wie ökonomistische Ansätze zu gesellschaftlichen Bedingungen vorzustoßen.

Ich würde zustimmen, dass der Film als verharmlosend empfunden werden kann, und wie jeder Film sicherlich nicht geeignet ist, Aufklärung über den Nationalsozialismus zu liefern. Mehr als manche andere ist er das allemal! Wenn die von Lizas Welt aufgeführten Kommentare Levis die endgültige und einzige Absicht des Filmes konzentrieren sollten, was ich noch überprüfen möchte, gebe ich zu, mich in den Absichten des Regisseurs total geirrt zu haben und mich selbst womöglich zum unzulässigen theoretischen Spielen mit dem Objekt verleitet habe.

Der bei meiner unorganisierten, hektischen Überproduktion übliche Nachtrag:

"Grünbaum ist ein Humanist. Als er erkennt, dass Hitler auch nur eine erbärmliche, von seiner Kindheit zerstörte Kreatur ist, kann er eine bestimmte Grenze von Moral und Gefühl nicht überschreiten. Dahinter steckt natürlich der esoterische oder spirituelle Gedanke, dass selbst das grösste Monster, der grösste Verbrecher der Menschheit mit allen anderen noch immer die Gemeinsamkeit des Menschseins teilt. Die Frage, ob man jemanden wie Hitler umbringen kann oder nicht, ist für mich eine systemische und nicht eine moralische Frage: Wenn man grundsätzlich der Meinung ist, dass man niemanden umbringen soll, kann man keine Ausnahme machen. Man könnte diese Frage natürlich philosophisch diskutieren, aber was mich viel mehr interessiert, ist, dass die Figur von Grünbaum ein Gegensystem zum Nationalsozialismus verkörpert." (Interview Levis mit der NZZ , unmittelbar nach dem inkirminierten "Einfühlungs"- Kommentar)

"dass die sogenannte «schwarze Pädagogik» [...] mitursächlich für den Nationalsozialismus war." Mitursächlich, wohlgemerkt. Monokausalität, wie sie Lizas Welt unterstellt, ist davon vorerst weit entfernt.

"Ich bin traditionellerweise bei diesem Thema selbst sehr kritisch gegen das Bilder- Machen - ich hatte zum Beispiel auch protestiert, als «Schindler's List» ins Kino kam, weil ich denke, dass er versucht, die Shoah konsumierbar zu machen."

Bleibt sein unzusammenhängender Kommentar auf die Frage:

Was haben Sie herausgefunden? Es geht dabei ja auch um die Einzigartigkeit der Nazi-Verbrechen.

Nun, in den meisten europäischen Ländern ist es erst seit Mitte der neunziger Jahre strafbar, ein Kind zu malträtieren. Das zeigt doch, wie lange es gedauert hat, bis Gewalt als Erziehungsmassnahme verboten wurde. Unser Erziehungsstil ist politisch wie alles Private überhaupt, und wir haben da eine grosse Verantwortung.

Wer noch nie ein Interview gegeben hat, kann natürlich ausschließen, dass es ihm passieren würde, eine Frage zu überhören und mit einem unabgeschlossenen Topic davor weiterzumachen... Ich bin da persönlich vorsichtig mit Werturteilen.
Dennoch, schlechte Reaktion und Grund für Zweifel allemal.
Der Rest der Ansichten Levis ist allerdings tiefsinniger und intelligenter als der anderer NS-Persifleure und reicht im Kern an den Grundgedanken von "Shoah" heran.

19.1.07 01:59
 


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bisher 10 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Bürger (19.1.07 11:34)
Die Entfernung aus Lizas Stammelf musste wohl sein. Sonst schimpft Tante Gudrun. :-)


salzundessig / Website (19.1.07 11:44)
kann es sein, dass du nur wegen der moeglichkeit einer (nicht)verlinkung in einem anderen blog deine meinung aenderst?
zumal nicht einmal bewiesen ist, dass dies der wirklich grund fuer die entfernung aus einer 'stammelfliste' ist?
ich hoffe, dass ich das fehlinterpretiere, ueber die 'stammelfblogs' moege sich ohnehin jede/r eine eigene meinung bildung.


Bürger (19.1.07 11:54)
Auch ich finde, dass die Änderung deiner Meinung nicht nötig wäre. Eussner und Heni laufen einfach mal so was von Amok.


salzundessig / Website (19.1.07 11:54)
ps: ausserdem ist dein blog seit voriger woche im starblog gelinkt, sollte doch mehr als entschaedigen :-)


l f o / Website (19.1.07 13:24)
Ich empfand es als sehr gut, dass du eine gänzlich andere Interpretation des Films als die der restlichen Blogosphäre lieferste. Normal geht das so: gucken was die anderen schreiben und dann seine Meinung daran ausrichten. Du hast dich nicht an diese Angleichung der Standpunkte gehalten, die zwar bei einzelnen Sachthemen sinnvoll sein kann, normal aber nicht stattfinden sollte. Gerade in diesem Fall geht es um einen relativ harmlosen Spielfilm, insofern ist hier auch legitim verschiedene Meinungen zu haben. Für Borat
Ich präferiere einen liberalen Pluralismus allemal gegenüber einer freiwilligen Gleichschaltung, bei der ich oft den Eindruck habe nicht mit einem Individuum, sondern einer Ideologie zu reden. In diesem Sinne: bitte weitermachen und sich nicht daran stören, wenn andere kontra geben.


nichtidentisches / Website (19.1.07 15:40)
Hi, danke an alle für den Support.


einer, der's weiß (19.1.07 18:00)
Liza hat Dich nicht aus der Stammelf gekickt. Du selbst warst es: Ständig unzureichende Leistungen rächen sich nunmal irgendwann...


nichtidentisches / Website (19.1.07 19:01)
Haaach, diese Kommunisten. Da wird einmal der Plansoll nicht erfüllt...


Mathias (20.1.07 19:11)
Lizas Welt hat viele gute Texte, aber ich schliesse mich deiner Interpretation des Films an und muss zugeben, dass ich diesen Beitrag ueber den "real existierenden" Adolf Gruenbaum doch mehr als merkwuerdig fand, die in ihm enthaltenden Vorderungen schon fast peinlich. Dass ein Blog aus der Stammelf gekickt wird, nur weil es mal eine andere Meinung ueber einen Film (!) artikuliert (und das sprachlich hervorragend), wirft ein schlechtes Licht auf diesen Blog. Fuer mich ein weiteres Indiz, dass dort manchmal zu sehr auf der persoenlichen Schiene gefahren wird, dass man schnell beleidigt ist, wenn jemand nicht bedingungslose Konformitaet zeigt. Auf der anderen Seite, es ist ihre Stammelf und sie haben das Recht Blogs zu streichen und neu aufzunehmen. Und das ohne Begruendung. Wer weiss also, ob deine Kritik wirklich der ausschlaggebende Grund war... Mach dir nichts draus!


nichtidentisches / Website (20.1.07 21:40)
So sehe ich das auch. Lizas Welt kann tun und lassen, was es will. Ich beschwere mich nicht. Es war nur ein ganz nützlicher Denkanstoß für mich. Und auf Blog-Bashing habe ich erst recht keine Lust...

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