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Freud revisited?


Goya: Bildquelle

Das Freud-Jahr 2006 ist vorüber, und nach all den übereifrigen pflichtbewussten Hagiographien in Hochglanzmagazinen, schlechten Zeit-Hörbüchern und gänzlich ungebildeten Polemiken gegen die Psychoanalyse hat man nun endlich Zeit, sich ein wenig älteren Veröffentlichungen zu Freud zuzuwenden. Mit eine der besten davon ist 1984 erschienen: „Was hat man dir, du armes Kind getan?“ Sigmund Freuds Unterdrückung der Verführungstheorie, von Jeffrey M. Masson. 336 flott lesbare Seiten bei Rowohlt.
 
Masson zeichnet in bestechendem Skeptizismus und Stil den Wandel in Freuds Verständnis von den die Hysterie bedingenden Traumen in der frühen Kindheit sowie die äußeren Umstände, die zu diesem Wandel beitrugen, nach. Freud hatte in seinem Aufsatz „Zur Ätiologie der Hysterie“ von 1886 noch die Ansicht vertreten, dass die Ursache für Hysterie zumeist sexuelle Gewalterfahrungen in der frühen Kindheit sei. Diese Auffassung brachte ihm trotz der in der gleichen Zeit vorgelegten kriminologischen Untersuchungen zum Gegenstand kollektive Ablehnung der Kollegen bei. Insbesondere Fließ, von dem er intellektuell wie emotional abhängig war, spielte eine entscheidende Rolle in der Abkehr von dieser Meinung. Fließ’ Obsession für Nasenoperationen als Alternative zur Psychoanalyse führte dazu, dass Freud ihm seine erste Patientin, Emma Eckstein, aus höchst fahrlässiger Loyalität überließ. Fließ verpfuschte sein Experiment, Emma schrammte knapp am Tod vorbei, weil Fließ einen halben Meter Gaze in der Nase „vergaß“.
 
Aus dem Bedürfnis, seinen Freund für dieses (psychologisch wohl als Attentat auf weibliche Konkurrenz zu verstehendes) „Missgeschick“ zu entschuldigen, widerruft Freud seinen Glauben an die Wahrheit der von Patienten erzählten Geschichten und führt ab diesem Punkt die Komplikationen (Nachblutungen, etc.) wie Emmas Berichte über sexuellen Missbrauch auf Projektion und Phantasien zurück. Wunsch nach Liebe und Angst vor Gewalt werden vertauscht. Fortan spielen weder sexueller Missbrauch noch irgendein Verhalten von Eltern eine große Rolle in der psychoanalytischen Theorie Freuds. (Was übrigens jedem Laienleser auffallen wird).
 
Freud selbst führt bis zu diesem Punkt noch seine eigenen Kindheitserfahrungen an, um die Rolle der sexuellen Gewalt zu verteidigen, berichtet mehrfach von üblen Erinnerungen in dieser Hinsicht. Später tut er dies nicht mehr. Masson legt aufgrund von Robert Fließ’ analytischen Ergebnissen und Stellungnahmen nahe, dass Wilhelm Fließ seinen Sohn just in der Zeit missbrauchte, als Freud von ihm Bestätigung für seine Theorie suchte, und dass Wilhelm Fließ aus diesem eindeutigen Grund mit allen Mitteln von der „Ätiologie der Hysterie“ abbringen wollte. Erst der Widerruf der herausragenden Rolle der sexuellen Gewalt für die Hysterie brachte Freud laut Masson den Erfolg, den er bis zu seinem Lebensende unter mehr oder weniger illustren Gefolgschaften aufrechterhalten wollte.
Der Versuch Ferencszis, mit seinem letzten Vortrag 1932 die vorherrschenden Widerstände gegen die Wahrheit der Patientenberichte zu überwinden, wurde von Freud selbst mitvereitelt. Masson konstatiert eine bis heute verquere Haltung der psychoanalytischen Prominenz gegenüber kritischer Forschung zur sexuellen Gewalt in der Kindheit und Freuds Umgang damit. Weder zu Freuds Zeit noch danach habe je eine ernsthafte wissenschaftliche Widerlegung der Ätiologie stattgefunden, Bashing und peinliches Schweigen seien alleinige Reaktionen auf Forschungen in diese Richtung gewesen. Bei Freud selbst findet sich ein ums andere Mal lediglich der Verweis auf die „Unwahrscheinlichkeit der Häufigkeit solcher Vorkommnisse“, wie sie seine Patienten schildern, die ihn zur Aufgabe der „Ätiologie der Hysterie“ bewegt habe.
 
Masson überzeugt durch klare Beweisführung und kompetentes Wissen um die psychoanalytische Bewegung. Es entsteht nicht der Eindruck, als sei Masson ein prinzipieller Gegner psychoanalytischer Annahmen.
Wenig Klarheit entsteht leider darüber, welche Konsequenzen für die psychoanalytische Theorie eine Rückkehr zur „Ätiologie“ tatsächlich hätte. Es hat den Anschein, als seien allein die gesellschaftliche Abneigung und individuelles Schamgefühl dem Phänomen der sexuellen Gewalt gegenüber maßgeblich für die Widerstände. Von meinem Standpunkt aus vermag ich schlecht zu beurteilen, inwieweit Masson verkürzt oder verfremdet und welchen konkreten Annahmen er widerspricht. Allein aufgrund des Stils und der zahlreichen Zitate halte ich seine Schlüsse weitgehend für bedenkenswert und sehe dadurch auch weder Freuds spätere Theorien zur infantilen Sexualität wie zum Ödipuskomplex in Frage gestellt. Aus Frustration über Kündigung und Ablehnung wendete sich Masson später mit "against Therapy" komplett gegen Psychotherapie und wendete sich seither zahlreichen Tierpsychologischen Themen zu. Gerade dieser etwas merkwürdige Wandel lässt Masson selbst etwas fragwürdiger erscheinen.
 
 
Einen neueren Versuch einer Verteidigung von Freuds Hinwendung zur Kraft der Phantasie leistet David Signer mit "Konstruktionen des Unbewussten: Die Agni in Westafrika aus ethnopsychoanalytischer und poststrukturalistischer Sicht." (1998)
Signer hat eben jene Abwendung Freuds von konkreten, realen Ereignissen in der Kindheit zum Thema. Für Signer ist dies ein positiver Schritt, weg von Determinismus und Positivismus unilinearer psychoanalytischer Modelle. Die Neurose wie das Unbewusste speise sich nicht aus eindeutig lokalisierbaren realen Geschehnissen wie dem sexuellen Missbrauch in der Kindheit. Ethnopsychoanalyse versuche bei Parin/Parin-Mattheys Versuch über die Agni dagegen eine Kolonialisierung des Es zu betreiben und aufgrund von durchsichtigen Übertragungen in der Fragestellung primär Theorie absichern und verifizieren, nicht aber auf das Fremde, Unbewusste wirklich sich zugunsten des Subjekts einzulassen. Die Hinwendung zum Materialismus bei Parin/Parin-Matthey gründe in einen Positivismus, der mittels ökonomistischer Reduktion die Kontingenz psychologischer Prozesse auf einfache Formeln der Kindeserziehung oder der Produktionsbedingungen zurückführen wolle. Freud ist für Signer ein Verfechter des Unbewussten, er lasse sich nicht zu solchen normativen und positivistischen Projekten, die gar "alles zu verstehen trachteten" hinreißen.
 
Signer greift in seinen zumindest intelligenten Tiraden gegen eine "totale" Wissenschaft fehl, weil er nicht den kategorischen Imperativ Adornos mitdenkt. Wissenschaft über den Menschen darf nicht länger in Experimenten herumspielen, sie muss auch bei beibehaltener Absage an ein totales Verständnis wie es der Positivismus vorgaukelt zumindest ein normatives Verständnis von Aufklärung haben und unter dieser Prämisse so tief zu dringen versuchen, dass der Antisemitismus wirksam bekämpfbar wird. Von daher ist die Empathie, mit der Signer ein ums andere Mal eine Verteidigung des Chaos, des Unbewussten als schützendem, nie total zu verstehenden Wert vorbringt, fehl am Platz, wenngleich er darin bisweilen der kritischen Theorie sehr nahe kommt.
 
Trotz aller Vorbehalte bleibt seine Arbeit ein glänzender Versuch, Freud neu anzuwenden und ethnopsychoanalytischer Arbeit einige kritische Denkanstöße zu geben. Daneben bietet Signer einen relativ dichten Überblick über strukturalistische und poststrukturalistische Psychoanalyse, die er teils mit in die Kritik einbezieht, auf der er jedoch viel öfter in gar nicht unspannender Weise aufbaut.
 
Von David Signer wurde auf diesem Blog "Die Ökonomie der Hexerei - Oder warum es in Afrika keine Wolkenkratzer gibt" rezensiert.
3.1.07 23:49
 


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bisher 3 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Frank (10.1.07 01:02)
Kommentar zum Vorwurf im ersten von dir rezensierten Buch. Wohlgemerkt nicht zum Buch selbst, da ich dies nicht gelesen habe.

Die von der Allgemeinheit gegen die Psychoanalyse gehegten Widerstände betreffen zumeist nicht die Psychoanalyse als solche, sondern deren anmaßende Ambition Allgemeingültigkeit zu besitzen.
So werden sich die Wenigsten der Möglichkeit verweigern, dass ein offensichtlich geisteskranker Mensch inzestuöse Tendenzen besitzt. Erst wenn man ihnen selbst
„was von ihrer Mutter“ erzählen will, setzt die Abwehr ein.
Wird nun ein Moment, wie der Kindesmissbrauch, gefunden, dass einen überwältigenden oder gar alleinigen Anteil an der Ätiologie der Neurosen hat, aber nur bei einem verhältnismäßig kleinen Teil der Bevölkerung eine Rolle spielt, so können die Erkenntnisse der Neurosenforschung auch nicht mehr auf die Gesamtheit übertragen werden und der gesellschaftskritische Anspruch der Psychoanalyse ist zurückgewiesen.

Auch das Argument, dass Kranke und Normale prinzipiell die gleiche psychische Konstitution haben, es aber eines einschneidenden Erlebnisses, Traumas bedarf um zu erkranken, läuft ins Leere. Denn die Norm ist eben nicht geistige Gesundheit sondern Antisemitismus also hochgradig pathologisch. Auch in diese Richtung kann man Freuds Verweis auf die „Unwahrscheinlichkeit der Häufigkeit solcher Vorkommnisse“ interpretieren


nichtidentisches (10.1.07 12:04)
Würde ich auch so sehen. Wie gesagt, ich bin mir nicht ganz sicher in der Argumentation, sehe aber dein Argument. Es ließe sich mit Masson etwas entkräften dadurch, dass Freud nicht aus wissenschaftlicher Erkenntnis und Interesse seine Theorie verwarf, um etwas gesellschaftskritischeres zu schaffen, sondern aus ziemlich primitiven Motiven. Was in den von Masson zitierten Briefen schon ziemlich offen ersichtlich heraussticht.
Ob durch diese Umformung und der Nachbearbeitung dann doch etwas positiveres herauskam, bleibt für mich eindeutig mit ja zu beantworten, Totem und Tabu hats ebenso wenig geschadet wie dem Mann Moses.
Ich habe aber leider bislang keine psychoanalytische Gegenrede zu Masson gefunden.


nichtidentisches / Website (28.1.07 13:46)
Signer ist übrigens schon recht nervig. Aber nicht unintelligent...

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