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Die Apotheose Jostein Gaarders

Bisweilen bekommt man Aufträge, die betont offen sind: Schreib mal irgendwas dazu halt so. Wenn man aber denkt, dies sei Ausdruck von individueller Freiheit, hat man schnell einen Artikel von Dutzenden Stunden Rechercheumfang wie bestellt und nicht abgeholt herumliegen. Die Prodomo zum Beispiel hat sich „sagen lassen, dass Sofies Welt ein ziemlicher Schrottschinken ist,“ und wollte irgendetwas zu Gaarder haben. Später erfährt der Autor, man hätte doch eher herausstellen sollen, „wie wahnhaft es ist, die aktuelle israelische Politik mit dem alten Testament in Verbindung zu bringen.“ Stattdessen war es dem Autor ein Anliegen, herauszustellen, wie wahnhaft es ist, genau dies nicht zu tun, also die gesellschaftliche Tat Geschichte außen vor zu lassen, gerade wenn es um ein religiös vorgebrachtes Ressentiment geht. Dazu wurde mit Freud ein wenig Bibelkunde ausgebreitet, beispielsweise vorausgesetzt, dass der Ethik- oder Religionsunterricht von Klasse 6 noch sitzt, dessen Inhalt irgendwann die Geschichte von Josef und seinen Brüdern war.

Man erinnert sich vielleicht dumpf an Geschwisterkonkurrenz, an den jüngsten Lieblingsbruder Benjamin und den Traumdeuter Josef in Ägypten. Aber „Als, wie wohl die meisten Leser der "Prodomo", schwer bibelunkundiger Leser, muss [Prodomo] hier leider passen. Wie ging die Geschichte von Josef und seinen Brüdern? Und: was ist der verschobene Ödipuskomplex? Und was hat das mit Antisemitismus, insbesondere obigem Gaarder-Zitat, zu tun?“ Eine berechtigte Frage, die entweder eine rhetorische ist, die nur exaktere Explikation fordert, dann aber den Leser bevormundet, oder tatsächlich unbedarft, was auch nicht schlimm wäre, schließlich gibt es Bücher, die einem weiterhelfen, beispielsweise die Bibel oder Wikipedia.

Aber wirklich bedenklich wird es dann doch, wenn Kategorien sich verselbstständigen. „Die Kriege der Juden des alten Testaments können nicht antifaschistisch gewesen sein, weil es damals keinen Faschismus gegeben hat. Ohne den biblischen Hintergrund genauer zu klären, [hält Prodomo] es für höchst fragwürdig, eine Bibelstelle zu zitieren, in der "Die Juden alle niedermetzeln". War es für Gaarder "problematisch", dass Juden Cluster-Bombs halt auch auf weiche Ziele, worunter notwendig Zivilisten zu fassen sind, werfen, eine im Krieg kaum zu vermeidende Hässlichkeit, ist es für Prodomo-Leser anscheinend unerträglich von gewalttätigen Juden zu hören, die sich mit dem Schwert ihrer antisemitischen Bedränger erwehren und dabei mit den damals erforderlichen militärischen Mitteln „alles niedermetzeln“. Der Abwehrimpuls bleibt der Gleiche, ein Jude mit blutigem Schwert muss ein böser sein, denn Gewalt und niedermetzeln, das ist böse, soviel blieb dann doch noch vom Ethik-Unterricht haften. Wie man dann aber nachweisen will, dass der Libanon-Krieg antifaschistisch ist, kann nur unter der Prämisse eines sauberen Krieges erfolgen und der sollte jedem aufgeklärten Menschen, der weiß, dass es sich im Stande der Unfreiheit auf das am wenigsten Schlimmste nur zu bewegen gälte, als Fiktion, bürgerliche Verklärung, bewusst sein. Der Krieg der Juden ist nicht unterstützenswert, weil darin nicht „Leute niedergemetzelt“ werden, sondern weil es ein gerechter, weil gegen den Antisemitismus geführter, aufgezwungener ist, bereits im Buch Esther. Und darum schon zu dieser Zeit nicht archaisch, weshalb es überhaupt nicht schlimm wäre, den Libanon-Feldzug unter einer testamentarischen Prämisse zu fassen. Solange man sich auch hier auf die Seite der Juden und nicht in den Dienst der antisemitischen, tatsächlich archaischen Reaktion stellt. Anscheinend aber werden Prodomo-Leser zu Antisemiten, wenn man ihnen Juden präsentiert, die tatsächlich einmal "alles niedermetzeln". Dass im jüngsten Krieg heftige Anstrengungen unternommen wurden, zivile Opfer zu vermeiden, dieses Wissen sollte man allmmählich unterstellen können, es zu beweisen hieße tatsächlich jedes Argument des Antisemiten ernst zu nehmen.

Wer den inzwischen noch erweiterten Artikel "Die Apotheose Jostein Gaarders" als Directors cut lesen möchte, kann ihn auf Anfrage an nichtidentisches@web.de problemlos und ohne Angabe von Gründen erhalten. Im Wesentlichen beinhaltet er eine komplexere Weiterführung der Gedanken, die auf diesem Blog bereits geäußert wurden. Eine Lektüre der ebenfalls auf diesem Blog befindlichen zwei relevanten ins Deutsche übersetzte Texte Gaarders empfiehlt sich zur Vorbereitung. Die Druckrechte sind noch erhältlich. In jedem Fall freut sich der Autor über Kritik und hofft, dass die Prodomo tatsächlich mal wieder in Print erscheint und diese unhöfliche Veröffentlichung von hastigen Briefzeilen nicht als idiosynkratischen Affront wertet, sondern als notwendige Kritik begreift. Aber vielleicht ist der Artikel tatsächlich untauglich, und die Prodomo hat vollkommen recht, das entscheidet das Publikum per Akklamation und so weiter…

Siehe auch "Randnotizen zum Fall Gaarder" und "Sofies Welt braucht keinen Adorno nicht."

17.10.06 00:29
 


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