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Departed – Unter Feinden

Eine kurze Analyse des neuen Scorsese unter fünf Gesichtspunkten.

Der Witz und das Lachen

„Unter Feinden“ ergibt einen doppelten Sinn. Einen offen ersichtlichen, auf den Film bezogenen. Und einen verdeckten, auf das Publikum bezogenen. Wer den Film sieht, wird schnell bemerken, dass sich letzteres aufteilt in zwei Lager. Die, die sich über jeden Mafiapatenwitz beeiern und einfach einen netten Brutalofilm gucken wollten, und die, die entsetzt von eben jener Subalternität sich schwören, nie wieder einen Film inmitten deutschen Pöbels, also „unter Feinden“ anzuschauen. Dieses Verhältnis zum Witz liegt Scorsese am Herzen und er macht es in einer der ersten Gewaltszenen deutlich: Costello ermordet eine Frau und lacht. Sein Komplize fragt ihn, warum. Er antwortet: „Ich fand’s lustig, wie sie hingefallen ist.“ Der Mitmörder antwortet: „Oh Mann, du solltest echt mal auf die Couch.“ Spätestens hier wird deutlich, was Scorsese selbst von all den billigen Mafiazoten und deren humoristischen Gehalt hält, die noch folgen. In der Szene mit der abgehackten Hand wiederholt sich dieser Witz. Der Komplize Costellos sagt ihm: "Ich fands lustig, wie du ihn gefragt hast, mit welcher Hand er onaniert."
Das „Böse“ ist nicht lustig, so sehr es sich auch bemühen mag. Dass Witz in Zusammenhang mit Gewalt noch existieren kann, dass die billigen Witze im Publikum funktionieren, ist für Scorsese eben der Skandal gerade dieses Witzes. Auch das Publikum findet es lustig, wie dieser oder jener hinfällt, je nach Witz, der dabei gerissen wird, etwa in der Szene, als Billy aus Versehen einem Schuldner drei Zähne ausschlägt. Wer mitlacht, besser, wer sich da noch überrumpeln ließ und der Katharsis-Effekt eben nicht eintrat und er danach noch über Costellos Witze lacht, ist der prinzipiellen Brutalität nach ein potentieller Mafia-Pate. Auch das Verhältnis zwischen Auftragsmord, der widerwillig als „Drecksarbeit“ hingenommen wird und dem sadistischem Foltermord, wie ihn der Mafiaboss vollzieht wird in dieser Szene zur Diskussion gestellt. Sie verhalten sich trotz des Grauens unterschiedlich. Die erste Gewalt hat einen Zweck, die zweite hat sich selbst als Zweck, es werden trotz Reichtums Drogen geschmuggelt und Leute abgemurkst, weil es dem Paten Spaß macht, der Vergleich zum Sex wird in einem der Gags geführt. Leider muss man Scorsese unterstellen, auch ein primitiveres Publikum bereitwillig zu bedienen. Er kritisiert zwar, aber verunmöglicht nicht die Identifikation über den Witz. Der Film ist von beiden Hälften des Publikums aus konsumierbar, die einen sehen einen geilen Mafiafilm, die anderen das komplizierte Geflecht und die Fragen, die daraus erwachsen.

Das Ende der Knarre

Die zentrale Frage am Anfang des Filmes ist: Wenn du am anderen Ende einer Knarre stehst, welchen Unterschied macht es dann?“ Gut und Böse zu verwischen ist immer ein Anliegen des Genres. Die hochphilosophischen Fragen, die meist auf Zen-Buddhismus und das Gute im Bösen hinauslaufen, werden von Scorsese zwar auch aufgeführt, aber als Maskerade des Bösen, zur Rechtfertigung seiner selbst entlarvt, die stets auch zu einer Rechtfertigung gegenüber des und damit im Publikum führt, das solche Fragestellung ernst nimmt. Der Mafiosi hat die Wahl, aufzuhören. Er muss nicht seinen Weg weiterbeschreiten. Collin Sullivan steht mehrfach vor der Wahl und entscheidet sich aus was für Gründen auch immer bis zum Schluss dagegen. Im Gegensatz dazu will der Undercover Billy Costigan aufhören, kann es aber nicht. Das ist der ganze Unterschied am Ende der Knarre, der für das Opfer sehr wohl Konsequenzen hat. Exemplifiziert wird dieser Unterschied in der Szene am Ende des Filmes. Billy hält Collin die Knarre an den Kopf, erschießt ihn aber nicht, wie dieser es getan hätte. Dass dieser es getan hätte, beweist er in der Szene, als er den Unbeteiligten in der Verfolgungsjagd nach dem Pornokino ersticht. Das Anliegen des Filmes ist also auch ein existentialistisches: Das Individuum hat die Wahl, warum es sich so entscheidet wird allerdings nicht ontologisch erklärt, sondern psychoanalytisch. Auch wenn die Rezeption der Psychoanalyse etwas simplifizierend daherkommt, etwa vom Alkoholismus eines Elternteils auf das Lügen geschlossen wird, sie ist doch ein zentrales Anliegen und eines der gelungensten Elemente des Filmes: Eine hochintelligente Hauptfigur, die mit Psychologie arbeitet und sich schützt. So gelingt es Billy, Costellos Misstrauen vor dem Neuen umzuwandeln in eine ödipale Furcht vor dem, der ihn ersetzen will.

Nimm dir, was du willst.

Zu Beginn scheint es noch so, als wäre im Film ein Pathos auf das amerikanische Ideal enthalten. Costellos Rede zu Beginn über „die Ithaker und die Iren“ entspannt den Mythos vom Einwanderer, der Präsident werden kann. Die irische Mafia, nicht die italienische oder die jüdische oder die schwarze, ist Thema, das jenseits eines sattsam bekannten Klischees stattfinden soll. So enthält der Film ein etwas merkwürdig, rassistisches Bild, das mitunter einer Hommage gleicht, aber eben über jeden allzu politisch korrekten Slang hinausweist. Möglicherweise will Scorsese tatsächlich mithilfe eines Klischees auf eine heilsame Kränkung einer von ihm als problematisch markierten Gruppe hinarbeiten, was zu diskutieren wäre. „Irish“ bedeutet zumindest im Englischen auch „dumm“. „Are you irish?“ heißt: Sag mal, bist du komplett bescheuert? Das „Irish“ auf Costellos T-Shirt in der Schlussszene weist eigentlich ziemlich deutlich auf jene Konnotation hin. Auffälligerweise sind die Hauptprotagonisten Billy und Collin, sowie Madeleine aber überhaupt nicht dumm, sondern samt und sonders hochintelligent, der Psychoanalyse zugewandt und (entgegen Freuds Urteil) zugänglich. Rassismus wird an einer Stelle sehr explizit thematisiert, als der etwas unangenehme Vorgesetzte Billys konstatiert: Die meisten Bullen würden zur Polizei kommen, um mal einem Schwarzen den kopf durch die Scheibe donnern zu können.

Um zum amerikanischen Pathos zurückzukehren: Ich denke, dass Scorsese eben die potentielle Entgrenzung, Grenzen und Schein des amerikanischen Ideals denunzieren will. Nach oben wollen, ist Ideal, ob bei Billy, Colin oder Costello. Wer nach oben will, ist versucht, es auf zwei Wegen zu tun: Über die Polizei oder über die Mafia. Als Beispiel dafür steht Billy: Er will nach oben, kann es aber aufgrund seiner Herkunft nicht, so sehr er sich auch bemühen mag, was dem Tellerwäschermythos die nackte Realität vor Augen hält und ihn kränkt. Jedoch auch hier bleibt das Moment der Wahl erkenntlich: Billy bezeugt gegenüber Costello, ihn ersetzen zu können, es aber nicht zu wollen. Der Weg nach oben muss nicht mit aller Gewalt geführt werden. „Unten“ kann es genauso sinnhaft sein, Madeleine bleibt im Staatsdienst, trotz all ihrer Diplome. Als Billy stirbt, hat er tatsächlich einmal versucht, sich etwas zu nehmen, was er will, und es geht genauso wie bei Costello schief. Er will unbedingt Colin verhaften, anstatt seinen Karton mit Bändern zu kopieren und an irgendwelche Journalisten und staatliche Einrichtungen zu senden oder Colins "Wendung" zu akzeptieren. Das Verbrechen muss jedoch gesühnt werden, es bleibt keine Wahl. Das Tabu schützt sich selbst.

Die Geschlechter

Frauen treten im Film ausschließlich in klar weiblichen Rollen auf. Prostituierte, Opfer, Polizeisekretärinnen oder zuhörende Psychiater. Keine Ahnung, ob Scorsese dadurch etwas kritisieren will. In „Cape Fear“ nimmt er ja die kleinbürgerliche Familie in die Kritik. Dennoch sind dort Frauen Agierende. In „Departed“ gibt es keine agierenden Frauen. Sie können gebildet, hübsch, intelligent sein, aber nicht aggressiv. Vielleicht will Scorsese damit auf männlich-ödipale Gewalt fokussieren. Homophobie wird ja durch die plumpen Witze recht selbstverständlich lächerlich gemacht als Abwehrreaktion.

Erbärmliches Ende

Die letzte Szene des Filmes bleibt mir unbegreiflich. Eine Ratte kreuzt den Blick auf die Kirchenkuppel, die von Billy des öfteren fixierte Riesenkuppel. Gut möglich, dass die Kirchendiener, unter denen Collin war, diesen missbrauchten, was Costello andeutet, und dass hier der Ursprung jener Homophobie Collins liegt. Auch das von Billy beklagte "nicht kümmern um die Mutter" könnte etwas mit jener busenförmigen, üppigen Kuppel zu tun haben. Es kann sein, dass Scorsese in dieser Kuppel den Ursprung der Ratte symbolisieren wollte. Die einfachere Interpretation würde einen lahmen Symbolismus unterstellen, der den ganzen Film zum Kitsch verkommen ließe. Die Ratte musste vergegenständlicht werden, vom Symbol zum Ding. Oder die einzige "echte" Ratte, Costello, kehrte in ihr wieder, um seine Rache zu genießen. Das wäre zu dick aufgetragen.

Alles in Allem ein Film, den man nicht unbedingt gesehen haben muss, der einem aber doch einige Denkanstöße liefert und großartig besetzt ist. Die Kamera enttäuscht etwas, es fehlt an Stimmung und genialer Bildkomposition, bei gleichzeitig auf sattsam bekannte Weise unrealistischen Spezialeffekten, mal wieder fliegen Menschen von Kugeln getroffen drei Meter durch die Luft und Autos explodieren wie eh und je. Von gewollt nüchterner Distanz der Kamera kann also kaum ausgegangen werden.

Der „Rattenmann“

Freuds "Rattenmann" erfährt von einem Vorgesetzten über die Existenz der chinesischen Rattenfolter, bei der ein Topf mit Ratten unter dem Anus des Angeklagten befestigt wird, die sodann sich durch den Weg des geringsten Widerstandes ins Freie fressen. Diese Schilderung löst bei ihm eine Reihe von neurotischen Ersatzhandlungen aus.

Da Scorsese sich wie jeder gute amerikanische Regisseur ausgiebig mit Freud beschäftigt hat, liegt nahe, dass der Rattenmann im wahrsten Sinne des Wortes für „Departed“ Pate stand. Costello umreißt seine Taktik dem Vorgesetzten Billys gegenüber am Telefon so: „Wir lassen ihn an unserem Arsch schnuppern, bis er reinkriecht.“ Die abgehackte Hand (Kastration, Verweis auf Matthäus 5.30), die Szene im Pornokino, all das macht es nötig, die zahlreichen Verweise auf Kindheit, Väter und Familie, die vor allem zu Beginn des Filmes als harmloses Sujet untergeschoben werden, unter psychoanalytischem Gesichtspunkt ernster zu nehmen. Scorsese will seine Charaktere mit ziemlicher Sicherheit analysiert wissen, sonst ergäben die mannigfachen Andeutungen zu Freud und pädophilen Priestern, zu Homophobie und zum Sexismus kaum einen Sinn.

Die gesamte Rattenjagd auf beiden Seiten wäre dann primär als homophobe Abwehr zu interpretieren, keiner will sich von der jeweils anderen Seite „ficken“ lassen, wie es bezeichnenderweise im Slang heißt, ökonomische Interessen stehen ohnehin im Hintergrund, Collin handelt aus Loyalität, Costello aus Spaß am Verbrechen und Billy riskiert sein Leben für einen Hungerlohn und einen Verdienstorden.

Collin gibt diesen (durch die Realität zum rational gewordenen) Verfolgungszwang mit der kathartischen Tötung Costellos auf, er richtet sich darauf ein, die Stelle zu übernehmen, für die er ebenfalls eine ungeliebtere Vaterimago (fahrlässig) töten ließ und die ihm als weitaus bequemere erscheint.

12.12.06 07:55
 


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bisher 3 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Tony Montana / Website (29.8.07 16:33)
Ich habe mir Departed vor kurzem noch einmal angesehen und mir deine Rezension in Erinnerung gerufen. Zu dieser muss ich dir einfach nochmal gratulieren. Hast du eigentlich schon mal was anderes über die Dialektik von Gut und Böse geschrieben. Deine Gedanken dazu würden mich sehr interessieren.


nichtidentisches / Website (30.8.07 09:47)
Danke! Zur Dialektik von Gut und Böse schrieb ich bislang nichts explizites, dazu müsste ich vermutlich erstmal 4000 Jahre Philosohpiegeschichte nachholen. Moralphilosophie ist ja eines der zentralsten Themen von Philosophie, quasi ihr innerster Zweck, daher auch die Minima moralia.
Bis denne


Ferdinand (10.6.13 09:48)
Eine sehr schöne Analyse, welche mir viele Fragen nach erneutem Anschauen des Filmes, wenigstens teilweise beantwortet hat. Meine zentrale Frage, nach dem Wieso des Auftretens des Themas Homosexualität hast du mir größtenteils beantwortet.

Ich danke dir viemals für deinen Text!

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