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Emanzipatorischer Sadomasochismus?

Ein Kleinod des postmodernen Feminismus fand ich auf einem Bücherflohmarkt: „Ansichten der Prostitution“ von Alice Frohnert, Frankfurt 1991, R.G. Fischer-Verlag, 195 Seiten.
Der Hass auf die angepassten „Schlampen“ sitzt tief in den Feministinnen, wie in "normalen" Frauen. Liza Li will sie „erschießen“, andere bezeichnen sie als aufgedonnerte, hörige „Schicksen“, Frohnert als „Verräter und Verbrecher an uns selbst“ (9).
Markant ist der offene und widersprüchliche Sado-Masochismus, mit dem Frohnert ihr „Objekt Frau“ behandelt und degradiert. Sie hasst mit dem Hass auf Männer, die Frauen das antun, Frauen für alles, was sie in der „Männerwelt“ darstellen: „Busenklingel, Mammon, große, exquisite Limousinen, Pin-Up-Girls“ (17). Primitiver Antikapitalismus mengt sich mit banalster Patriarchatskritik: „Die Frau stellt in allerlei Hinsicht einen flexiblen, plastischen Baustein des Kommerzes dar und ermöglicht das zielgerichtete Fließen der Wunschträume und somit mehr oder weniger das Fließen des Geldstromes“ (16). Ein wenig jesuitisch geht es zu in solcherlei Objektphantasien: „Der Körper der Frau wird geopfert, um die patriarchalische Gesellschaftsordnung zu konsolidieren“ (17).
An Poesie hat sie auszusetzen:
„Diese verstiegenen und überspannten Imaginationen des Frauenbildes entspringen dem suchenden männlichen Geist [Ahasver lässt grüßen, d.A.], seinen mentalen Vorstellungen und ästhetischen Utopien von einer Frau, die adäquat ist, den Funktionen seiner Wunscherfüllung gerecht zu werden. Es handelt sich hierbei um ein psychotechnisches Programm, das reaktionär und kriminell ist. Den Mensch wird fiktiv eine Deterritorialisierung, eine Dekodierung seines ihn umgebenden Ambiente insinuiert, wodurch er umso günstiger und leichter, ohne großen Aufwand von Polizeiapparaten und Bürokratismus, aber doch ‚gewaltsam’ territorialisiert wird. Sie erschließt neue Möglichkeiten des Lebens, simultan aber wird sie benutzt, um eine Kontestation seiner selbst, eine eventuelle Liberation zu prävenieren. Ihr verschiedenartiges Funktionieren maschinisiert die Frau in ihren somatischen Partialitäten und läßt sie stets dienlich sein. Es kann je nach Notwendigkeit von ihr profitiert werden“ (19)
 
Man fragt sich, auf welcher der beiden Seiten, auf dem totalen Objekt oder auf dem totalen Subjekt, Frohnerts sadomasochistische Identifikation mehr greift, sicher ist, dass vor allem sie selbst von diesem „Wunschbild“ profitiert. Der Leidensgewinn als Objekt ist enorm, gestattet er es doch, „die Frau“ von ihrer eigenen wie von der Restgeschichte freizusprechen, und ebenso groß ist der insgeheime und verleugnete Drang, sich mit diesem ominösen, allmächtigen männlichen Subjekt zu identifizieren, die Phantasie auszuschmücken bis ins letzte Detail und keine Übertreibung zu scheuen, den Folterer an der Folterbank der Geschichte darzustellen, natürlich ganz objektiv um ihn zu verdammen.
So zieht es sich durch das Buch fort: Im gegenwärtigen Status quo ist die Frau ein minderwertiges, verächtliches, geknechtetes Wesen, das den Namen Mensch nicht verdient. Dem (Selbst-) Mitleid kommt das Naserümpfen gleich. Das Subjekt hinter all dem: Der böse, durch "die Macht" verklemmte, lustgetriebene Mann, der die Frau seinen Wünschen total unterwerfen kann, weil ihm ebendieses System zu Diensten ist, dass es ihm erlaubt, die Frau zu „säßieren“ und zu „illudieren“ (15).
 
Als Nebenfeind, wie überraschend, kommt die Monogamie ins Spiel, die das freie Wirken der Lüste einschränke und so herrschaftstauglich werde: „Die Monogamisierung stellt ein herrschaftsstabilisierendes Moment dar. Sie mündet in der Institution der Ehe, die sowohl den Mann als auch die Frau betrügt und sie gefangen hält. Die Frau und der Mann werden daran gehindert, als freie Menschen ihr Dasein auszuleben und ihre reellen Wünsche, ihre Vorhaben zu erkennen, geschweige denn sie zu realisieren. Das gesellschaftliche Leben wird zu einem Gefängnis, das die Frau in einem weit größerem Maße betrifft als den Mann. […] Es wird über sie disponiert wie über tote Materie, sie wird bezwungen, getrimmt und abgerichtet wie ein Tier.(60)
 
Das erste, was feministische Bewegungen in islamischen Ländern fordern, ist die Abschaffung der Polygamie und die Durchsetzung der Monogamie. Monogamie ist zunächst keine notwendige Konstante von Unterdrückung und umgekehrt. Die christliche und islamische Frauenfeindlichkeit, wie sie im Zölibat und anderen Institutionen zum Ausdruck kommt, und wie sie auf Monogamie wie auf Polygamie gleichermaßen sich auswirkt, wäre konkret zu benennen, wenn die Analyse mehr als ein bloßes Feindbild bleiben soll.
Und weil es ansonsten nicht ohne das böse Geld geht, kommt es hier als Subjekt ins Spiel:
 
„Das Mana, der Fetisch, die sie [die Frau, d.A.] berücken und auf die sie gerichtet sein soll, kommen aus der Sphäre des männlichen Aktionsradius. Es ist der Mammon und seine Magie. Sie erfährt eine Introjektion, die Ehe stellt für sie ein Refugium, eine Geborgenheit dar, ihre materielle und moralische Sicherheit. Die Verehelichung steht als Synonym für Sekurität gegen irgendeine drohende Gefahr. Sie ist ein endgültiger Platz, die Annahme eines gesellschaftlichen Ranges, um nicht ahasverisch in Panik zu geraten.“ (60)
 
Allein Polygamie sei ein Ausweg, das freie Ficken unter freiem Himmel: „Liebe bedeutet ätherische Freiheit, kann nicht institutionalisiert werden, kennt keine Regeln, keine Gesetze.“(71) Ein solches christliches Liebesverständnis, das Liebe von seiner Grundbedingung, der Gegenliebe, abtrennt, und auf einen „ätherischen“ Begriff theologisiert, geht bei Frohnert einher mit einer Hinwendung zum rein Körperlichen, dem Orgasmus als biologischer Funktion und nicht einzuengendem Bedürfnis, wie es im Christentum einhergeht mit Frauenfeindlichkeit, die das reine, ätherische Bruderliebeideal aufrechterhalten muss.
 
Interessant ist, dass Frohnert trotz ihrer eklatanten Frauenfeindlichkeit zu einem relativ differenzierten Begriff der Prostitution schreitet. Doppelmoral ist dabei allerdings allein eine des Mannes, einen dialektischer Begriff von Prostitution sucht man vergebens. Der Mann (i.e. der Freier, was bei Frohnert eins ist) sehe die Prostituierte als hygienischen Makel der Gesellschaft an, auf den er doch im privaten nicht verzichten kann und will. Der Mann ist alleiniger Agent der Prostitution, die vom Mammon errichtete Gewalt der Ehe „amputiert“ seine Bedürfnisse. Und bei Frohnert weiß man nie, ob sie gerade anprangernd ihr Bild von der Realität wiedergibt oder selbst schon diese vertritt: „ Die ontologischen Ansprüche des Seienden nehmen eine konkrete Gestalt an, je nach den materiellen, sozialen, rechtlichen Lebensmöglichkeiten, die sich ihnen eröffnen. Wie sich der Körper einer Frau anderen Körpern gegenüber erlebt, ist für seine existentielle Situation von einer maßgebenden Importanz. Das prinzipielle Konstrukt des Existierenden ist von Werten charakterisiert, welche Muskelkraft, das Werkzeug, den Phallus glorifizieren und sie im Sein transzendieren. Die Frau ist in diese gegebene Globalität von Werten inkludiert.“ (46)
Ontologisierend ist vor allem Frohnerts Bestimmung von Bedürfnissen, "echter" Liebe und Freiheit, die von je an Sein sollen und daher zur Utopie erhoben werden.
 
Alles in allem ist Frohnerts Buch bisweilen interessant, intelligent und stellenweise durchaus sympathisch und empfehlenswert, aber doch meistenteils intellektuös geschrieben. Psychoanalytische Versuche wirken sich im Abgang angenehm aus, das allzu herbe Timbre von Sozialkritik als proselytisches Fluchen gegen Boulevardmedien, Männer und den Mammon lässt jedoch einen holzigen Geschmack sehr unangenehm stechend hervortreten. Auch nach 15-jähriger Lagerung entweichen dem Ganzen noch frische, stechende Odeurs und Aromen, die sich störend auf tiefschichtigere Spuren von Gesellschaftskritik auswirken. Ein Hautgout von Pomade und effektheischerischem sprachmuskelprotzendem Emporkömmlertum dominiert und säßiert jegliche vielversprechende, flüchtige, kritische Töne, die bereits auf der Zungenspitze verpuffen.
Ein interessantes Interview in der Jungen Freiheit:
 
 
 
"Nach zwölf Jahren hasse ich die Männer." Interview mit Alice Frohnert.

 

11.12.06 14:52
 


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