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Natascha

Kleine Ereignisse erregen die aufs Boulevardniveau verhexte Öffentlichkeit notwendig mehr, als abstrakte Prozesse, die jenseits ihrer Vorstellungswelt verlaufen. Gerade deshalb ist es aber nicht gering zu schätzen, wie sich Gewalt in solchen scheinbar kleinen Ereignissen verdichtet, zu einem medialen Sturm aufs Individuelle rüstet. Nicht das Ereignis selbst steht also zur kritischen Analyse an, sondern der Mythos, den die Öffentlichkeit daraus formt.
 
Nimmt man Nataschas Schicksal als in Allgemeinheiten Subsumiertes, als bloß positivistische Statistik, die Leiden in der Anzahl von Jahren, die in Haft verbracht wurden, in der Zahl der täglich verabreichten Kalorien oder in der Fläche des Zimmers aufrechnet, so müsste ein solche Bewusstsein notwendig zynisch Irritation ausstrahlen, darüber, dass es schlimmere, grausamere und zahlreichere Einzelschicksale gibt und gegeben hat, an denen sich aber nur geringeres Interesse kristallisiert. In einem solchen infantilen Beleidigtsein über das Ungerechte der Mediengesellschaft, die Zehntausende von versklavten Kindern ignoriert, aber an einem befreiten Individuum überreichlich Maß nimmt, blökt verdinglichtes Bewusstsein seinen Erz gewordenen Hass aufs Besondere hinaus. Hier arbeitet Eifersucht aufs Leiden anderer, stellvertretende Opferkonkurrenz, die in frühster Kindheit ihre Narben empfing und nun aus anderen, mächtigeren, bedeutenderen Opfern Identität extrahieren will.
 
Mit den klatschhaften Überlegungen zu der Psychopathologie des Täters, wie der des Opfers, entblößt sich Gesellschaftliches quasi exhibitionistisch selbst, versucht durch das Erschrecken anderer das eigene zu dämpfen. Wenn man die Identifikation untersucht, für die notwendig die starke Reaktion Beispiel gibt, dann spaltet sich diese auf in eine mit dem Opfer und eine mit dem Täter, dessen Opferanteile das Enigmatischere, den mysteriösen Reiz stellen, die Frage, was jemanden dazu treibt, so etwas zu tun. Auch diese Identifikationen spalten sich wiederum auf in eine weitere, lustvolle und aufbegehrende. Es ist zu unterstellen, dass die Menschen (nicht Natascha, möglicherweise nicht einmal der Täter) sich am Leiden Nataschas ergötzen, Angstlust hervorbringen, und das zum versteckten Grund der selten weiter beschriebenen Ignoranz und der Abscheu gerät, die in Abwehr gegen das Medienspektakel ihre Form findet. Man möchte da nicht mitmachen, das nicht anschauen, findet es allgemein ganz furchtbar, dass die Medien das so ausschlachten.
 
Insgeheim wehrt man sich dabei vor Identifikation, stellt sie gerade nicht kritisch zur Analyse, sondern verunmöglicht diese durch Verweigerung. Nicht allein verdrängte polymorphe Wünsche der Anteil nehmenden Individuen - beispielsweise ein Objekt ebenso vollständig zu besitzen, ein Kind ebenso totalitär zu erziehen, zu überwachen wie der Täter, oder der insgeheime Wunsch, umsorgt zu werden, in einem Uterusgleichen Raum bewacht und behütet vor äußeren Gefahren, der sich janusköpfig an ersteren anheftet und daher nicht selten umschlägt wie beim Sadomasochismus – sondern auch der philosophisch-religiöse Gehalt der Entführung stehen zur Disposition. Nataschas Selbstzeugnis, sie habe ihrem späteren Ich versprochen, auf ihre Befreiung hinzuarbeiten, ist ein zutiefst aufgeklärtes Bewusstsein, im jüdischen Messianismus ebenso wie im kommunistischen oder im bürgerlichen Glücksversprechen sich wieder findendes Motiv. Dass alle Umstände umzustoßen sind, in denen der Mensch ein geknechtetes, verächtliches, gequältes Wesen ist, ist der Marxsche Imperativ, an dem sich jegliche Befreiung zu messen hat.
 
Befreiung kann nur eine totale sein, sie schließt die Unfreiheit des anderen aus. Die Geschichte Nataschas (und nur die medial verarbeitete, gesellschaftliches Objekt gewordene ist hier relevant, Natascha selbst zu analysieren steht allein ihr selbst beispielsweise in der Psychoanalyse an), erzählt von den schrittweisen Verbesserungen, wie Einkaufen, Autowaschen, und ähnlichen Errungenschaften, die sie sich erkämpfte, mit denen sie sich aber nicht zufrieden gegeben habe. Manche kurze Wege zur Befreiung wurden ausgeschlagen, andere, auf fremde Hilfe ausgelegte, scheiterten, nicht zuletzt an bürgerlicher Kälte. Allein das Subjekt Natascha selbst konnte in einem psychologischen Wissen um den Täter, in einem Forschungsprozess, in dem sowohl die äußeren Umstände und Möglichkeiten als auch die inneren Kämpfe mit dem Täter und seiner Psyche stets überprüft und auf das einzige Ziel der Befreiung gerichtet waren, diese erringen.
 
In einem Raum, in dem die Gesetze der bürgerlichen Gesellschaft wie in einer Zelle außer Kraft gesetzt sind, in der sie ihrer Zeit ausgesetzt war, die sie nicht nach freiem Willen verwenden konnte, in einem Zustand, der antagonistisch zum bürgerlichen Subjekt entworfen wurde, findet dennoch das bürgerliche Bewusstsein seinen Platz im Streben nach ebenjenem Subjektstatus, den Natascha nach ihrer Selbstbefreiung am deutlichsten im Wunsch artikuliert, zu reisen und Bonbons zu kaufen ohne kontrolliert zu werden.
 
Das künstliche Implantat eines Raumes, in dem die Gesetze der bürgerlichen Gesellschaft ausgehebelt werden, in ebendiese Gesellschaft, scheiterte an dem vermittelten Willen der Person, die ebenjene Gesetze wiederaufzurichten trachtet. Nicht die Gewalt des Staates, die moralische Kontrolle der Mitmenschen, sondern allein der Überlebenswillen und Freiheitsdrang des Individuums besiegte diesen Plan, ein persönliches, feudales Abhängigkeitsverhältnis mit Gewalt wiederaufzurichten. Ebenso kann weder Staat noch ein richtiges Gesetz den bürgerlichen Staat vor dem Umschlag in den faschistischen schützen, sondern allein die aufgeklärte Haltung der Individuen, die um dieser Aufklärung willen ihre Umstände erforschen, auf Möglichkeiten zur Flucht abklopfen und in keinem Fall sich mit der halben Freiheit abfinden. Nicht umsonst wählte der Täter beim Scheitern seines Planes die Selbstvernichtung, die Identität, die er mit einem solchen, ein Drittes ausschließendem System zu schaffen oder auch nur zu kompensieren trachtete, kann er allein im Tod finden.
 
Möglicherweise ist die Projektion auf das brave Kind, das alles richtig gemacht hat, das reine Kind, als narzisstische Projektion nicht minder maßgebend für das gewaltige Interesse, mit dem die Gesellschaft im Fall Natascha an sich selbst herumspielt. Aus diesem Narzissmus speist sich die quälende Frage, die im einen Fall penetrant spioniert und phantasiert, im anderen mit Ekel genau dieses insgeheim vertraute Verhalten abwehrt, ob denn sexueller Missbrauch stattgefunden habe. Die Frage stellt sich nur dem, der eine solche jahrelange Gefangenschaft nicht schon als sexuellen Missbrauch genug befindet und einer Kategorie bedarf, in die er den Täter und damit die Tat wie das Opfer ein für allemal pressen kann. Sie zielt darauf ab, die eigenen Gelüste zu befriedigen und das Subjekt Natascha als Objekt-Opfer zu stigmatisieren, das demnach den Phantasien der polymorph-perversen Gesellschaft ausgesetzt ist.
 
Es bleibt mit gutem Grund zu hoffen, dass die positive Projektion des Messianismus dominiert wie sie treffend in die bewundernde Äußerung einer CNN Nachrichtensprecherin mündete: „Was für eine bemerkenswerte junge Frau.“
Auf dem Versprechen der Freiheit im Stande der Unfreiheit zu beharren, einen versöhnten Zustand anzustreben, dessen Aufblitzen, Reflektion aus der Utopie in die Realität, ein Gefühl der grenzenlosen Sympathie, der Liebe, vermittelt, wäre das schönste, leider nicht das einzige, Resultat, das man im Befragen nach dem Wesen des Interesses an Nataschas Geschichte finden könnte.
In weiten Teilen Bezug auf:
Gerhard Scheit: Suicide Attack - Zur Kritik der politischen Gewalt. Freiburg, ca-ira. 2004.
9.9.06 16:20
 


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bisher 5 Kommentar(e)     TrackBack-URL


bigmouth / Website (11.9.06 03:25)
das mit der schlechten adorno-imitation kriegst du immer besser hin. muss ich schon gut lachen, respekt!


l f o / Website (11.9.06 22:15)
Bigmouth versucht schon wieder auf platteste Weise durch Schmähungen zu punkten. Es gelingt ihm nach wie vor nicht. Noch nicht mal richtig dissen kann diese Kanaille. Setzen, sechs.


bigmouth / Website (11.9.06 23:11)
ja, so gut wie du die opfer sexueller übergriffe dissen kannst, bin ich noch lange nicht.


Samuel Laster / Website (17.9.06 00:55)
Bemerkensweter Beitrag zum Thema.
Musste mich (weil in Interviews isr. Medien dazu befragt) intensiv mit dem Thema beschäftigen und dies hier ist eine wohltuende Reflexion abgeklärter
Art. Hut auf, wie Journalisten gönnerhaft einander
zuflüstern..


Nichtidentischer (19.9.06 15:00)
Wie geahnt schlägt die Begeisterung stellenweise in Hass oder zumindest Desinteresse um. Bild titelte "Woher kommt dieser Hass" weil in Foren gelästert wurde: "So sieht kein Opfer aus". Opferkonkurrenz wie bemerkt und Enttäuschung darüber, dass das Opfer nicht der eigenen Projektion gemäß handelte.
@Samuel: Danke für den Support!

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