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Die Totemsmahlzeit bei Apokalypse now - Redux

"Apokalypse now" war einer jener Filme, die verstörend genug waren, um das viele Blut nicht bereits zum einzigen Grund des Grauens zu nehmen. Leichen erschienen nicht wie in einem Kriegsfilm gehäuft, sondern nur in der besonderen Drapierung stets als Zeichen, selbst in ihrer Häufung war nicht das Quantitative, sondern die Qualität des Todes wesentlich für das Rätsel, dem sich der Film stellt. Erst mit der Lektüre von Totem und Tabu wird offensichtlich, worum es bei diesem Film geht: Nicht allein, vielleicht gar nicht einmal wesentlich um das Grauen des spezifischen Vietnamkrieges, sondern um Zivilisation und Barbarei, um menschliche Entwicklung.

Klimax des Filmes ist die Opferszene, bei der Kurtz von Willards mit der Machete getötet wird, während draußen die Menge einen schwarzen Stier in Stücke haut. Freud schreibt analog in Totem und Tabu:

„Der hl. Nilus berichtet von einer Opfersitte der Beduinen in der sinainitischen Wüste um das Ende des vierten Jahrhunderts nach Christi Geburt. Das Opfer, ein Kamel wurde gebunden auf einen rohen Altar von Steinen gelegt; der Anführer des Stammes ließ die Teilnehmer dreimal unter Gesängen um den Altar herumgehen, brachte dem Tier die erste Wunde bei und trank gierig das hervorquellende Blut; dann stürzte sich die ganze Gemeinde auf das Opfer, hieb es mit Schwertern in Stücke und verzehrte sie roh in solcher Hast, daß in der kurzen Zwischenzeit zwischen dem Aufgang des Morgensterns, dem dieses Opfer galt, und dem Erblassen des Gestirns vor den Sonnenstrahlen alles vom Opfertier, Leib, Knochen, Haut, Fleisch und Eingeweide vertilgt waren. Dieser barbarische, von höchster Altertümlichkeit zeugende Ritus war allen Beweismitteln nach kein vereinzelter Gebrauch, sondern die allgemeine, ursprüngliche Form des Totemopfers, die in späterer Zeit die verschiedensten Abschwächungen erfuhr.“ (S. 192 in der Fischer-Ausgabe von 2002)

Freud zufolge geht es in der Totemmahlzeit darum, den ansonsten verehrten Urvater in einem Ausnahmeritual zu töten und zu verzehren, um hinterher die Verehrung aufrechterhalten zu können. Die schlüssige Diskussion, die er dort verfolgt, soll hier nicht nacherzählt werden. Nimmt man sie aber für wahrscheinlich, muss man zum Schluss kommen, dass entweder Copolla Totem und Tabu gelesen hat, und eine Analogie dazu schrieb, oder dass unabhängig davon ob er es gelesen hat oder nicht, sich in ihm die Szene des Mordes am „Urvater“ Kurtz in Bilder zusammenfügte, die dem von Freud Beschriebenen sehr nahe kommen.
Bereits der Song "The End" von "The Doors" zu Beginn des Films mit dem Aufschrei eines ödipalen Begehrens als Fanal Jim Morrisons: "Father, I want to kill you... Mother, I want to fuck you whole night long", ist ein weiterer Hinweis für die zu erwartende psychoanalytische Bildung Coppolas.

Im Zentrum des zwischenzivilisatorischen ersten Filmteils, gekennzeichnet durch die Abwesenheit von zu Beginn zentralen Ventilatoren, die in Vietnamkriegsfilmen stets die Opposition zum Dschungel bilden, und der Anwesenheit von Hubschraubern, Bier und Grillgut, steht Kilgores Vaterrolle, die er für seine Soldaten einnimmt. Gleichzeitig bleibt er aber in seinen Anforderungen maßlos, will seine Lieblinge im Kugelhagel surfen sehen (ein homoerotischer Akt) und wird aus genau diesem Grunde von Willard seines Surfbretts beraubt. Dadurch macht er Kilgore zum Kastraten, der nunmehr seines einzigen Unterschiedes („Charlie surft nicht“) zum Barbaren entbehrt und wütend Willard mit der Kastration droht.

Ist schon der Kriegszustand im changierenden Graubereich von Zivilisation und Barbarei mit archaischen Rückfällen verbunden, bei denen die Kavallerie mit Hubschraubern reitet, Wagner als Schlachtgesang ertönt und Wellenreiten im Kugelhagel die moderne Symbiose von Barbarei und Zivilisation darstellen, wird der offene Krieg mit dem Vorrücken in den Dschungel immer archaischer. Fragt sich Willard zu Beginn noch, warum bei Leuten wie Kilgore ein Mann wie Kurtz zum Problem hochstilisiert wird, bleibt dies nicht lange offen. Nur naiv-pazifistischen Postmodernen gerät Willards Vergleich zwischen Kilgore und Kurtz zum endgültigen Identifizieren, das im Film lediglich ein vorläufiges und damit ein scheinbares ist. Eine Vietcong-Stellung zu vernichten, um vor dessen Strand die Wellen zum Surfen zu nutzen ist eben nicht der denkbar schlechteste Grund für einen Kriegseinsatz, ebenso wie die Trennung von Frauen und Kindern von den Vietcong-Soldaten noch auf zivilisatorische Standards verweist.

Davon entfernen sich die weiteren Erfahrungen, bei denen völlig unsublimiertes Gewaltinteresse vorherrscht, dem Kilgore sich gerade nicht komplett gehen lässt. Während dieser Musik, Surfen, Spaß und seine Jungs in das Zentrum der Kampfhandlungen stellt, die er verabscheut, was er durch Überidentifikation kaschiert, ist der „Zwischenfall“ mit dem Patrouillienboot völlig unsublimiertem, individuellem Hass Mr. Cleans geschuldet. Vor dem gleichen Wegfallen aller Sublimierung fliehen die Playmates aus Hau Phat. Zivilisation, verkörpert in verführerischen Frauen, die man nicht anfassen darf, Hubschraubern und Treibstoff, flüchtet den Zustand der Barbarei, der enthemmten männlichen Masse, die auf Vergewaltigung drängt. Die letzte Festung vor der Grenze, die Do-Lung-Brücke, erscheint dann als völlig verselbstständigter Kriegszustand, in dem postmodernes Schattenboxen ebenso Realität sind wie Autoritätsverlust. Kein Kommandant nirgends, kein Feind sichtbar, kein Sinn, kein Zweck, ein naturkatastrophales Hereinbrechen der Vietcong-Angriffe ist nicht aufzuhalten, lediglich Flucht bleibt als Lösung.

Scheinbare Zivilisationsangebote ergeben sich im folgenden Verlauf des Films an zwei weiteren Stellen. Der Tauschhandel, Treibstoff gegen Sex, als Gegenstück zur vorherigen Szene, bei der die Playmates ohne jegliche Vermittlung von einer Masse bedroht wurden. Hier werden sie verschachert, nicht mehr als Unterwerfungsobjekt, sondern als Tauschobjekt behandelt. Zwei verweigern sich dem Handel, Willard selbst und der Kapitän, der mit der zweideutigen Frage „Gibt’s da auch Mamas“ den Handel ausschlägt. „Mamas“ ist sowohl ein Slangausdruck für dicke schwarze Frauen, für die der Kapitän eine ausschließliche Schwäche haben könnte, als auch ein deutlicher Verweis auf die ödipale Situation des Ganzen möglich wäre. Ein weiteres Angebot macht die französische Enklave, auf der allerdings das Gesetz des Vaters zu erdrückend lastet. Die Frauen ertränken ihren Freiheitsdrang in Opium und Sex. Würde Willard bleiben, müsste er sich wie die Söhne dem Patriarchen unterwerfen. Wo diese die Möglichkeit sehen, den Krieg einfach so zu beenden, was von Pazifisten wiederum als Statement gegen den Krieg interpretiert wird, ahnt die Filmfigur Willard, dass es nicht so einfach geht und verabschiedet sich.

Ebenso wie John Rambo in "Rambo 2 - Der Auftrag" muss einer nach dem Krieg und währenddessen aufräumen und den Anschein von Ordnung und Moral, der eben nicht nur Schein ist, sondern immer auch verkümmerter Rest und Unterschied ums Ganze, zwischen dem alle Charaktere in klassischen Vietnamfilmen oszillieren, aufrechterhalten. Die simple Formel, dass der Vietnamkrieg schon Barbarei sei, ist zu einfach, ohne Ambivalenz: dass in Barbarei Menschlichkeit und Zivilisation möglich sind und umgekehrt, was auf individuelle Verantwortung dringt; ohne Dialektik: dass Zivilisation und Barbarei in einem Verhältnis stehen, nicht bruchlos ineinander übergehen können, sondern ein komplexes Werk aus Psyche, Trauma und Autorität die Unterschiede formt.

Das Erreichen des Kurtz’schen Alptraums gestaltet sich ebenso ambivalent, unheimlich, weil heimlich heimelig, mit abgeschnittenen Köpfen und Leichen ebenso wie mit den großartigen Tempeln und der Darstellung von Kurtz als Poeten, Zeichen der Zivilisation. Kurtz’ „Zivilisation“ ist wie alle auf einem Berg von Leichen gebaut. Das macht sie aber nicht zu einer wie alle anderen, sondern eben jener Wegfall von Sublimierung in der Form, der Kilgore noch in Begräbnisritualen wie dem Verteilen von Spielkarten auf toten Körpern folgt, bedeutet auch die völlige Enthemmung im Inhalt. Kurtz verlangt Liebe und Verehrung und fordert diese blutig ein. Seine Liebe ist Anthrophagie, das Verschlingen des Anderen. Er kastriert den, der sich nicht unterwirft. Köpfeabschneiden und Kastration sind Äquivalente, am deutlichsten ersichtlich, als er Willard den blutigen Kopf seines Funkers in den Schoß wirft. Kilgore dagegen ertauscht sich noch die Liebe mit Bier, Verständnis und eigener Leistung, allein die Kastration des Surfbretts nimmt er Willards übel.

Zu schnell entsteht der Eindruck, dass die Kinder und der Journalist Kurtz wirklich lieben. Sie verehren ihn, weil er tut, was sie sich insgeheim wünschen, aber sie fürchten ihn zugleich, und müssen dies verleugnen. Der Journalist verdrängt seine Abscheu durch Verehrung. Willard könnte hier die Liebe des Vaters und den Wegfall der Sublimierung durch Unterwerfung unter das Gesetz des Vaters eintauschen. Damit wäre er betrogen und nichts wäre gewonnen, er wäre mimetischer Teil der Wahnphantasie von Kurtz. Wie dieser sich seiner Umgebung gleichmachte, um den Wahnsinn zu ertragen, würde er dem Journalisten gleich die Leichen akzeptieren, um einen stärkeren Wahnsinn nicht länger ertragen zu müssen.

Krieg ist eben nicht gleich Krieg in „Apokalypse now - Redux“. Die Herrschaft des symbolischen Urvaters, den Freud beschreibt, ist archaischer als der Verbund der Nachfolger, die an seine Stelle treten. Das Patriarchat der französischen Familie ist archaischer als der Staat mit seinen Vermittlungen. Der Krieg, den Kurtz gegen seine nach außen projizierten Feinde führt, um seinen eigenen Gelüsten freien Raum zu geben, ist ein fundamental anderer als der „code almighty“, der Bombardierungsbefehl, der jene Schreckensherrschaft durch Vernichtung beenden würde.

Der einzige Zwischenweg aus Unterwerfung und "Code Almighty" ist für Willard im Film die ins Reale übersetzte Tötung des Urvaters. Sie wird von den Eingeborenen gewünscht, aber da sie ihn gleichzeitig lieben, müssen sie diesen Akt an seinem schwarzen Stier vollziehen. Willard, auf seinen mimetischen Prozess reflektierend, erkennt das und befreit sich und die Eingeborenen gleichermaßen vom realen Vater, er durchbricht die Sublimierung um sie im gleichen Akt wiederherzustellen.

Das Fazit, das aus diesen Ergebnissen heraus aus dem Film zu ziehen wäre, ist, dass er sich nicht gegen jeden Krieg gleichermaßen wendet. Sondern dass er die Möglichkeit der Barbarei im zivilisatorischen Krieg aufzeigt, abwägt und aus dieser permanenten Möglichkeit heraus zu mehr Vorsicht, zu erhöhter Aufmerksamkeit und Rücksicht auf die Bedürfnisse von zivilisierten Menschen dringt, deren schwache Sublimierungen unter dem Druck des Krieges zusammenbrechen, nur allzu leicht archaischen Gelüsten den Weg freigeben, an deren Ende die Reinstallierung der Urhorde aus Frauen, Kindern und einem Übervater steht, der alle anderen Männchen kastriert und unterwirft.

Mit Freud wäre also der Film rückwärts zu lesen als Geschichte der Kulturentwicklung der Menschheit. Mit jedem Schritt in den Dschungel, ins Natürliche, knackt der Krieg einen weiteren Panzer der Zivilisation und es bedarf Willards übermenschlicher Anstrengung, dem nicht nachzugeben, sondern den Gedanken an Zivilisation aufrechtzuerhalten. Willards, nicht Frieden um jeden Preis, ist das Postulat des Filmes. Ein von den Widersprüchen der Zivilisation geplagter Mensch, der sich angesichts des absoluten Grauens auch militärisch in deren Dienste stellt ohne seine Kritik am Barbarischen im Zivilisatorischen aufzugeben.

20.8.06 17:11
 


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bisher 3 Kommentar(e)     TrackBack-URL


nichtidentischer (21.8.06 01:25)
Angemerkt sei, dass Freuds Theorie von der Urhorde nach dessen eigenen Bemerkungen eine Konstruktion darstellt, die in Wirklichkeit auf tausende unabhängige und über einen gigantischen Zeitraum gestreckt passierte. Leider gleitet Freud am Ende des Mann Moses in die These ab, dass solcherlei Vorgänge in eine Art "Kulturelles Gedächtnis" münden und genetisch vererbt würden. Psychoanalytische Urbilder seien daraus zu erklären.
Dieser letzten These folge ich hier nicht.


Frank (16.4.12 15:05)
Hallo,

ich habe kürzlich wieder einmal Apocalypse Now (leider nicht die Redux Version) angesehen und mich dabei an diesen Artikel erinnert, den ich damals sehr gelungen fand.

Dazu eine Anmerkung, wenn noch von Interesse: ziemlich gegen Ende des Films, zeigt eine Kammerafahrt durch Kurtz Gemächer auch einige verstreute Bücher und Manuskripte. Darunter ist auch sehr prominent, an oberster Stelle eines Stapels, das Buch "The Golden Bough" von Frazer zu erkennen, auf was sich Freud ja intensiv in Totem und Tabu bezieht.

Schöne Grüße

Frank


Felix Riedel / Website (16.12.12 10:28)
Danke dir, Frank, das ist ein guter Hinweis!

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