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Warum Krieg? Freuds Höhen und Tiefen...


Siegmund Freud schrieb als Antwort auf eine Anfrage Albert Einsteins einen Brief mit dem Titel „Warum Krieg“. In diesem abstrahiert er Erkenntnisse der Psychoanalyse des Individuums auf allgemeine Prozesse in der Gesellschaft. Die Aussagen stellen ein in Freuds Werk seltenes Aufscheinen von Verknüpfung ökonomischer, politischer und psychologischer Analyse dar.
Ein tiefgründiges Verständnis von politischer Gewalt zeigt Freud in folgendem Vorschlag, wenngleich er den Staatsfetisch nicht zu durchdringen vermag:
„Darf ich das Wort ‚Macht’ durch das grellere Wort Gewalt ersetzen? Recht und Gewalt sind uns heute Gegensätze. Es ist leicht zu zeigen, dass sich das eine aus dem anderen entwickelt hat […] “
„Wir haben gehört, was eine Gemeinschaft zusammenhält sind zwei Dinge: Der Zwang der Gewalt und die Gefühlsbindungen – Identifizierungen heißt man sie technisch – der Mitglieder. Fällt das eine Moment weg, kann möglicherweise das andere die Gemeinschaft aufrechterhalten.“

Freud kann uns hier nicht beantworten, wie Identifizierung Gewalt bedingt, wie Identifizierung auf Abgrenzung eines Nichtidentischen und möglicherweise dessen Auslöschung beruht. Dazu fehlt ihm wie vielfach moniert, die philosophische Beschäftigung mit Marx und Hegel. Dennoch kommt er wie Marx zu der nicht weiter schwierigen Erkenntnis, dass erfolgreiche, emanzipatorische Triebsublimierung nicht (allein) auf Mangel oder Überfluss an Rohstoffen baut:

„Es soll in glücklichen Gegenden der Erde, wo die Natur alles, was der Mensch braucht, überreichlich zur Verfügung stellt, Völkerstämme geben, deren Leben in Sanftmut verläuft, bei denen Zwang und Aggression unbekannt sind. Ich kann es kaum glauben und möchte mehr über diese Glücklichen erfahren.“

Hier wird bei aller Ironie deutlich, dass Freud ein Leben ohne Zwang und gewaltförmiger Aggression durchaus als Ziel emanzipatorischer Bestrebungen befindet und nicht Aggression als Kern allen Fortschritts im Sinne Spenglers oder eines späten Nietzsches setzt. Er fährt im besten Nietzschen Pessimismus fort:

„Auch die Bolschewisten hoffen, dass sie die menschliche Aggression zum Verschwinden bringen können dadurch, daß sie die Befriedigung der materiellen Bedürfnisse verbürgen und sonst Gleichheit unter den Teilnehmern an Gemeinschaft herstellen. Ich halte das für eine Illusion. Vorläufig sind sie aufs sorgfältigste bewaffnet und halten ihre Anhänger nicht zum mindesten durch den Hass gegen alle Außenstehenden zusammen.“

Die Reflexion auf das totalitäre Moment des aufklärerisch gestikulierenden Bolschewismus findet hier noch statt, zwiespältiger liest sich Folgendes:

„Es ist ein Stück der angeborenen und nicht zu beseitigenden Ungleichheit der Menschen, dass sie in Führer und in Abhängige zerfallen. Die letzteren sind die übergroße Mehrheit, sie bedürfen einer Autorität, welche für sie die Entscheidungen fällt, denen sie sich meist bedingungslos unterwerfen. Hier wäre anzuknüpfen, man müsste mehr Sorge als bisher aufwenden, um eine Oberschicht selbstständig denkender, der Einschüchterung unzugänglicher, nach Wahrheit ringender Menschen zu erziehen, denen die Lenkung der Massen zufallen würde. Daß die Übergriffe der Staatsgewalten und das Denkverbot der Kirche einer solchen Aufzucht nicht günstig sind, bedarf keines Beweises. Der ideale Zustand wäre natürlich eine Gemeinschaft von Menschen, die ihr Triebleben der Diktatur der Vernunft unterworfen haben. Nichts anderes könnte eine so vollkommene und widerstandsfähige Einigung der Menschen hervorrufen, selbst unter Verzicht auf die Gefühlsbindungen zwischen ihnen. Aber das ist höchstwahrscheinlich eine utopische Hoffnung.“

Freuds merkwürdiger Elitismus steht gerade in krassem Widerspruch zum faschistischen Zeitgeist, er möchte Unabhängigkeit von Staatsgewalten und Kirchen, eine wie wenig auch immer kritisch durchdachte Diktatur der Intellektuellen, und nicht zuletzt die Diktatur der Vernunft. Damit ist er Marx sehr viel näher als den Faschisten seiner Zeit. Freud erachtet Staat und Kirche als dem freien Menschen feindliche Institutionen, ein Sakrileg im Austrofaschistischen Österreich. Sein Fortschrittspessimismus mündet notwendig in Pragmatismus:

„Es ist fraglich, ob die Gemeinschaft nicht auch ein Recht auf das Leben einzelner haben soll; man kann nicht alle Arten von Krieg in gleichem Maße verdammen; solange es Reiche und Nationen gibt, die zur rücksichtslosen Vernichtung anderer bereit sind, müssen diese anderen zum Krieg gerüstet sein.“

Letztlich gelingt es ihm dennoch einen halbwegs dialektischen Begriff von Zivilisation zu entwickeln, der sich an den der Kulturrelativisten anschmiegt und von dem begeisterten Evolutionismus der bürgerlichen Gesellschaft wie der Bolschewisten seiner Zeit absonderte.

„Seit unvordenklichen Zeiten zieht sich über die Menschheit ein Prozeß der Kulturentwicklung hin. (Ich weiß andere heißen ihn lieber Zivilisation.)
Diesem Prozeß verdanken wir das Beste, was wir geworden sind, und ein gut Teil von dem, woran wir leiden.“

Den wohl gröbsten Absturz in seinem Werk macht Freud dann doch mit folgenden Zeilen:

„Vielleicht führt er [der Prozeß der Kulturentwicklung] zum Erlöschen der Menschenart, denn er beeinträchtigt die Sexualfunktion in mehr als einer Weise, und schon heute vermehren sich unkultivierte Rassen und zurückgebliebene Schichten der Bevölkerung stärker als hochkultivierte. Vielleicht ist dieser Prozeß mit der Domestikation gewisser Tierarten vergleichbar; ohne Zweifel bringt er körperliche Veränderungen mit sich; man hat sich noch nicht mit der Vorstellung vertraut gemacht, dass die Kulturentwicklung ein solcher organischer Prozeß sei.“

Wenn Zivilisation über Vermehrung gesichert werden soll, steht hier doch im Hintergrund ein gewisses Ideal der sexuell aktiven Urhorde, möglicherweise bezieht Freud hier unbewusst aus seinen eigenen Familienstolz Aggressionen, die er gegen die von ihm verachteten unemanzipierten/unkultivierten Menschen richtet, von denen er sich und seine Familie durchaus zu Recht bedroht fühlt, es ihm aber nicht gelingt, die Ursache der Bedrohung zu durchschauen.

Die Verwendung von Begriffen wie „Rasse“ steht zu dieser Zeit noch unter weitgehend differenzierteren Vorzeichen, Rasse meint häufig Einstellung, Konstitution, körperliche Verfassung, aber auch sehr wohl bereits den klassischen Sinn der verschiedenen Hautfarben und weitergehend vermeintliche angeborene Unterschiede von Eigenschaften. Freud ist zumindest vorzuwerfen, hier weniger als in „Das Unbehagen in der Kultur“ und noch weniger als in anderen Schriften, wirklich der Affirmation zu entraten. Sein Pessimismus oder eine gewisse Patzigkeit mag auch aus der quälenden Krankheit erwachsen sein, die ihn wie Nietzsche am Vorabend von Vernichtungskriegen aus dem Anspruch der Gewalt gewordenen Zivilisation heraus zu befremdlichen Annahmen zog, zu entschuldigen oder gar zu rezipieren sind sie nicht. Das psychoanalytische Werk Freuds, das nie allein seines, sondern einer größeren Zirkels ist, kann kaum als relevant von den falschen Prämissen affiziert betrachtet werden.
24.6.06 13:50
 


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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


nichtidentischer (23.7.06 11:47)
Müsste aber weiterhin untersucht werden. Es tritt doch öfter als aus den zahlreichen mir bisher bekannten Schriften bei Freud ein gewisser Lamarkismus und Biologismus auf, der merkwürdig neben gegensätzlichen Ansätzen steht...

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