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Antifreudianismus – oder wozu braucht ein Freudianer ein Freud-Jahr?


Das Vorurteil gegen die Psychoanalyse sieht laut Adorno dem Antisemitismus gleich, weil beide jenem spinnefeind sind, wessen Emanzipation wahrhaft bedürfte: Kritischer Reflexion und Selbstreflexion.
Einem aufrichtigen Leser Freuds wird kaum dessen stete Reflexion auf den Zeitkern seiner Theorie entgehen, das vorsichtige Formulieren, die um Simplizität bemühte Form des Schreibens. Der idiosynkratischen Leserschaft, die Freud schon deshalb für überholt hält, weil er vor 150 Jahren geboren wurde, gerät jedes Zögern, und Freud war ein Cunctator, zur willkommenen Schwäche, zur offenen Flanke, auf die um so lustvoller eingedroschen wird. Beispielsweise Freuds Zweifel an der eigenen Theorie des weiblichen Kastrationskomplexes befleißigen die postmoderne Leserschaft zu dem einhelligen Urteil: „Für Freud waren Frauen ein Mysterium, er hat sie nicht verstanden“. Was Freud analysiert und kritisiert, Kultur als Produkt von Sublimierung sexueller Bedürfnisse, wird zu einer Sache, die an ihm zu finden sei. „Das macht Freud ja dauernd.“ Freud reduziere alles auf Sexuelles, und dem verdrucksten Halbgebildeten springt wenn schon nicht die Schamesröte, dann ein metaphorisches „Höhö“ ins Gesicht. Was für ein Perversling, hinter allem einen Phallus zu sehen, so was Sexuiertes und in binären Geschlechtercodes Verhaftetes aber auch.

Weil man es aber ganz genau wissen will, mit wem Freud wann vor allem an Sex gedacht hat, boomt der Markt mit „Freud-Einführungen“, die doch in den allermeisten Fällen Freud-Entführungen sind. Wer behauptet, es bedürfte, um Freud zu verstehen, einer Einführung, muss sich augenscheinlich an Analphabeten wenden. Die kristallklare Einfachheit der Sprache, die Art und Weise, wie Freud seine unterhaltsamen Vorlesungen gestaltete, dürften wohl niemand, der ernsthaft sich um das Thema bemüht irgendwelche Schwierigkeiten bereiten.

Weil aber trotz aller „Überholtheit“ man immer noch erklären muss, dass Freud irgendwie ein „großer Denker“ war, greift man zum einfachsten Trick, einem Autor die Leserschaft zu vertreiben, nämlich pfundschwere Einführungen, mit Daten gespickt, die auf das Lieblingsthema der Leserschaft abzielen: Wie hielt der "Perversling Freud", der "Sexist", der "Patriarch", der "Lustmolch", es mit den Frauen, kurz, wen hat er wann wie gevögelt und hat er sich dabei analysiert? Ein Freud-Comic macht sich beispielsweise darüber lustig, dass der Entdecker der oralen Fixierung selbst stets eine Zigarre im Mund gehabt habe: Unter einer Karikatur und einem Freud-Zitat steht dann in vollendeter Rancune „Ach ja, Herr Freud?“ An gleicher Stelle erklärt man folgende, kiloschwere Anklage: Der Entdecker des Ödipuskomplexes habe „selbst einen Ödipuskomplex gehabt“, und wieder denke man sich dazu ein Anstupsen mit dem Ellenbogen und ein verdrücktes „höhö“.

Gerät man im Bereich der Ethnologie notwendig an Geschichten von Trickstern, bei denen einem Kastrationskomplex und analsadistische Neurosen nur so ins Gesicht springen, in denen beispielsweise Trickster ihre Körperteile, besonders den After unabhängig von sich bewahren können, den Penis dreimal um die Hüfte schlingen, ihn zusammengerollt auf dem Rücken tragen, sich als Frau verkleiden um mit dem Häuptlingssohn zu heiraten, den Penis in eine Eichhörnchenhöhle stecken, wo er per Eichhörnchenzahn auf eine menschliche Länge zurückgestutzt wird, dann ist das für Ethnologen nicht etwa ein Anreiz, über das darin enthaltene Sexuelle nachzudenken, sondern „dies auf Sexuelles herunterzubrechen, wäre zu simpel“, weil „es ja immer auch um soziales Verhalten gehe“. Man müsse also über „den Körper und seine soziale Rolle“ nachdenken, auf keinen Fall aber mit Freud arbeiten, der ja ohnehin nur mit dem Verweis auf die anale Phase antworten würde, wo es doch sonnenklar ist, dass wenn der After des Trickster das Feuer bewacht, es nur um soziale Konstruktion gehe und überhaupt meinen die Indianer ja nichts so wie sie es sagen.

Das Ressentiment, das einem in wissenschaftlichen Kreisen in Deutschland entgegenschlägt, wenn Freud’sche Psychoanalyse zum Thema wird, ist enorm. Es mit Freud selbst zu bekämpfen bleibt vergeblich, wer Freud nicht unbedingt kritisch erwähnt ist selbst ein „Orthodoxer“, ein „Ewiggestriger“, der Karen Horney nicht gelesen habe und überhaupt einer völlig überholten Theorie anhinge.

Diese Gesellschaft muss Freud verdrängen, weil ihr Sexualität als letztes Refugium des bürgerlichen Glücksversprechens gilt: was sich objektiv in anderen Bereichen als mindestens dialektisch herausstellte, soll in diesem eingegrenzten Zoo der Gesellschaft geschützt verharren, Reinheit, Ehrlichkeit und Lust verheißen. Und wie von der Ware der Wert abgespalten wird, wie sich Konkretes und Abstraktes im Warenfetisch trennt und in Gut und Böse teilt, so muss sich auch Sexuelles trennen in die Sexualität des Citoyen, der sich und anderen damit Gutes tut und Fortpflanzung, Eheglück und Kinderlachen anstrebt, und auf der anderen Seite in die bösen abstrakten Implikationen des Ich-zentrierten Bourgeois, in Penisneid, in Inzestuöses und Homoerotisches. Das Abstrakte wird sodann abgespalten und verdinglicht, als Sache, die nur Freud betreffe, oder den Perversen, ebenso wie der Wert nur das Geld betreffe und als solches abzuschaffen sei.
Kultur wähnt sich so als reine, freie, wo sie immer mehr die Befangenheit von Sexualität im beschädigten Leben verleugnet und so Perversion fördert, Beschädigung an andere weitergibt und abspaltet. Wer auf die Beschädigungen aufmerksam macht, setzt sich der narzisstischen Wut des Gekränkten aus.
Wo man nicht umhinkann, Freud anzuerkennen, muss er anscheinend zwanghaft historisiert werden. Er sei Produkt der bürgerlichen, patriarchalen Gesellschaft und seine Aussagen beträfen nur diese, heute gäbe es ja gänzlich andere Zustände. Fetischisierung von Geschichte als stetem Fortschritt wirkt trotz und wegen Auschwitz weiter als identitätsstiftende Ideologie, als falsches Bewusstsein der eigenen Stellung im geschichtlichen Verhältnis.
Je mehr man also im Freud-Jahr über Freud plärrt, desto weniger ist sicher gestellt, dass Freud tatsächlich begriffen, rezipiert und von diesem Standpunkt auch kritisiert und weiterentwickelt werden kann.

Anm.: Nahezu alle Zitate stammen aus Seminaren deutscher Universitäten, es sei darauf hingewiesen, dass studentische Beiträge zu Freud in der Regel qualitativ nicht von denen der Dozenten zu unterscheiden sind.
16.6.06 18:19
 


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bisher 3 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Leo (27.6.06 19:08)
Wie man geschickt Antifreudianismus und Antiamerikanismus verbindet? Beides einpacken, Satire 'draufschreiben und dem lechzenden Publikum mitbringen...
Bush goes Freud

Widerwärtig!


nichtidentischer (28.6.06 14:53)
Danke, krasser Beitrag schon vom Anschauen her, kann mir denken, was gesprochen wird...


Anonymer Freud-Phllosoph (23.2.09 11:07)
Der Mensch kann nicht auf das Sexuelle reduziert werden, und doch ist das Sexuelle ein Teil seines Wesens. Was ist das Sexuelle? Dazu später vielleict mehr.

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