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Hexenkult in Afrika

Der Glaube an Hexen scheint dem Mittelalter anzugehören, und mancher wähnt den technischen Fortschritt für Mittel genug, um ihn zu überwinden. Dass dem nicht so ist, zeigt das Beispiel Afrika. Im gesamten subsaharischen Raum gibt es eine durch und durch integrierte Hexenglaubenkultur. In Nigeria ist es üblich in Zeitungen die verdächtigten Personen öffentlich zu machen, nirgends ist der Hexenglaube wirklich geächtet, Minister und Ingenieure gehen gleichermaßen zum Orakel. Nun darf man sich das nicht so harmlos vorstellen, wie hierzulande „Astro-TV“ oder ähnliche esoterische Lebenshilfen.
Hexenglaube ist

1. integriert, häufig dominant und absolut üblich!

2. funktioniert nach dem Prinzip der pathischen Projektion. An Tod, Krankheit, Misserfolg, Unfruchtbarkeit, Impotenz sind immer eine Hexe oder seltener ein Hexer schuld.

3. hat eine Doppelgestalt, es gibt gute und böse Hexerei und Zauberei. Dieser Punkt wird in der Literatur häufig erwähnt. Das Beispiel anderer Gruppen hat jedoch gezeigt, dass „gute“ Hexerei automatisch immer auch der „bösen“ verdächtigt werden kann. Der Heiler der einen Gruppe kann für die andere ein Hexer sein.
Man darf sich allerdings nicht zu groben Verallgemeinerungen hinreißen lassen.

Öffentliche Selbstbezichtigungen haben ihre Ursache in einem teilweise (noch!) "toleranten Umgang", allerding wird auch von historischen Steinigungen und Verbannungen in den Busch berichtet! In Tansania wurden zwischen 1994 und 1998 ca. 5000 Menschen wegen Hexerei ermordet. In Südafrika werden Hexen als Ursache von Arbeitslosigkeit vermutet, sie sollen Zombies schaffen, die anderen die Arbeit wegnehmen, die Opferzahlen von Hexenjagden steigen stetig an.
Die "Hexenkraft" wird in vermeintlichen Organen lokalisiert oder ist vererbbar oder an roten Augen erkennbar. Der größte Teil der Opfer sind alte Frauen.
Nicht ausgeschlossen ist, dass selbst die beschuldigte "Hexe" an Hexerei glaubt!
Zahlreiche Institutionen haben die Aufgabe per Orakelspruch eine Hexe ausfindig zu machen, zu bestrafen oder davon abzuhalten, weiter zu hexen. Häufig muss die so beschuldigte Hexe eine Entschädigung zahlen, der Hexerei abschwören und sich einem reinigenden Ritual unterziehen, aktuell ist aber ein heftiger Anstieg der Hinrichtungen festzustellen, der historisch so keine Tradition hat und eine Erscheinung der Moderne ist.

Bei einer moderneren, vergleichsweise gewaltarmen Hexenjagd scharte sich in Nigeria eine Gruppe um einen Führer, der dann gemächlich von Dorf zu Dorf zog und Hexen ausfindig machte.
„Dr. Moses“, der Anführer, hatte mit einem Thermometer die Temperatur der Dorfbewohner gemessen und nach ihrem Hexereigrad einteilt. Besonders oft waren hier alte Frauen und ökonomisch erfolgreiche Frauen betroffen. Allen Personen wurde ihre „Temperaturzahl“ mit einer Rasierklinge in die Haut geritzt und eine „Medizin“ eingerieben. Die besonders mit Hexerei "infizierten" Personen wurden teilweise gedemütigt und geschlagen. Die Hexenjäger wurden v.a. von jungen Personen ins Dorf geholt. Diese beschrieben danach diese v.a. für ältere Menschen demütigende Situation als befreiend. Psychologie Gründe dafür könnten in der Gerontokratie zahlreicher afrikanischer Gesellschaften liegen.

Besondere Aufmerksamkeit sollte aber die Verknüpfung von Hexenglaube mit der Ökonomie gezollt werden. Jeglicher ökonomische Erfolg wird als von Hexerei verursacht betrachtet. Die Verdinglichung als Fetisch ist hier nicht nur ein entlehnter, sondern ein treffender Terminus. Große Städte werden als „heiß“, d.h. lebenszehrend und verhext bezeichnet. V.a. auf den Marktplätzen tummeln sich magische Kräfte zuhauf. In dem Maße, in dem also eine Kapitalisierung und Umwälzung der traditionellen Lebensverhältnisse stattfindet, wird Hexerei als übermächtig und ansteigend betrachtet.
Technisierung hat nur geringen Effekt auf aufgeklärte Grundhaltung, Ajatollahs können Atombomben bauen und jeder Analphabet kann die segmentierte Fließbandproduktion eines Computers ausführen. Hexenglaube wird also nicht wie ein „cultural lag“ bei Adorno oder ein „träger Habitus“ nach Bourdieu einfach irgendwann verschwinden. Sondern sich möglicherweise steigern und transformieren.
Eine mögliche Transformationsform ist der Antisemitismus. Muslimische Missionierung, verrückte Herrscher, Globalisierunsgegner und das Internet tun ihren Teil dazu, die Ursache der mit Hexerei assoziierten ökonomischen Gesetze in den USA und Israel zu suchen. Dass also aus der lokalen Hexerei, die mit vergleichsweise harmlosen Strafen geahndet wird ein Pogrom an weiter entfernten Minderheiten oder eine antisemitische und antiamerikanische Bewegung entsteht ist nur ein jeweils kleiner ideologischer Schritt.

In den aufgeklärteren Regionen sind Jugendliche oft sehr proamerikanisch, allerdings hetzte die letzte Friedennobelpreisträgerin ihre Leute dazu auf, die Ursache für AIDS in der bösen Absicht der Weißen zu suchen. AIDS wird ohnehin als Krankheit der Fremden betrachtet, sie sei Strafe oder heimtückisches Attentat. Dass die rasche Ausbreitung der Krankheit in den meisten Regionen in einer rigiden Männlichkeitsverherrlichung, in Genitalverstümmelung und Vergewaltigungen einen Ursprung hat, wird verleugnet. Häufiger ungeschützter außerehelicher Sex dürfte für die in vielen Ländern über 90 % qualvoll genitalverstümmelten Frauen ohnehin keine Ursache für das Ausbreiten der Infektionskrankheit sein. Hexenglaube verschafft auch hier „Abhilfe“, mit ausgeheckter Scharlatanerie preisen „Heiler“ ihre Fähigkeiten an, AIDS zu heilen.

Aufklärung über einfache biologische Funktionen, Wertschätzung des Menschen und insbesondere der Frauen, sowie über ökonomische Gesetze muss in Afrika wie in zahllosen anderen Regionen der Welt unverzüglich und konsequent stattfinden. Dabei wird man sich den Vorwurf des Kulturimperialismus und der Dominanzkultur von quäkenden KulturalistInnen wie von „subalternen“ Volksverhetzern schulterzuckend gefallen lassen müssen. Die jetzige Situation, die Gefahr einer bereits erfolgten Steigerung (Ruanda) und nicht zuletzt die schnellen Erfolge bei derartigen Missionen sollten Grund genug sein, solche Projekte zu fördern wo es nur geht. Ein schweres Aufklärungsdefizit über solche als Phantasie eines rassitischen Exotismus abgetane Phänomene besteht leider vor allem in Europa.

Zur Lektüre empfohlen: „Modernity and its Malcontents. Ritual and Power in Postcolonial Africa.“ hrsg. Von Jean und John Comaroff. ISBN 0-226-11440-6
1.4.06 13:00
 


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