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Comedy bis alles in Scherben fällt

Comedy erfreut sich in Deutschland wachsender Beliebtheit. Wer den blutigen Ernst des Alltags am liebsten verdrängen möchte, zappt inzwischen an manchen Abenden von einem Comedy-Programm ins Andere, Sketchfeuerwerk gereiht an billige Sitcom-Epigonen von „Al Bundy“.
Wo einmal im Kabarett ein subversives Potential verborgen lag, ist dieses längst beerdigt, die Kulturindustrie fraß noch den ätzenden Zynismus von Southpark und den Simpsons, wandelte ihn durch Dauerwiederholung und Nachahmung in locker-seichte Abendunterhaltung. Allenfalls zum Hofnarren, wenn nicht zum Valium des Volkes degenerierte Comedy zur unbedingten Affirmation des Bestehenden.

Die Programme eint das Lachen über den Ausgeschlossenen, zur Kristallisation getrieben bei Stefan Raab. Hier erfreut sich die Rancune des zu kurz gekommenen Kleingeistes an Versprechern, billigen Zoten und den Allen peinlichen Begebenheiten. Sadomasochistisch rächt sich der Pöbel im Publikum an denen, die es wagen, in der bürgerlichen Gesellschaft sich eine Schwäche zu leisten. Masochistisch, weil die Manipulation offensichtlich ist, die Zuschauer ekeln sich vor dem billigen Witz, den schleimigen Avancen ans Gastpublikum, und tun sie sich dennoch an, sadistisch, weil es sich in seinem Ekel suhlt, daran ergötzt, und diese Minderwertigkeit als überwertig erscheint, sobald sie im Kollektiv Schutz findet. Nunmehr ist der Ausgeschlossene, mit dem jeder einzelne sich identifizieren darf, das Opfer des Lachens aller.

In diesem Lachen gellt die Fratze der orgiastischen Wut über die eigene Schwäche mit. Wer dem Kollektiv die Schwäche erinnert, es wagt, sie in Versprechern und Unfällen offen zu legen, sie in ihrer Selbstgewissheit kränkt, wird durch das Lachen niedergebrüllt auf Kommando der Autorität, der Comedian, dessen Aufgabe es ist, auf dem Klavier der Minderwertigkeitskomplexe seines Publikums zu brillieren.
Wo kein personaler Führer mehr nötig ist, genügt die Stimme aus dem Off und das eingeblendete Lachen, dem man sich anschließen möge. Wo einst der Herrscher noch mit der Drohung an Leib und Leben seine Untergebenen zum Belachen seiner schlechten Witze zwang, ist heute die Furcht vor dem Nonkonformismus ein besserer Ersatz. Mitlachen muss, wer nicht von der Kamera im Zuschauerraum als Miesepeter penetriert werden will, der Beweis, dass der Witz verstanden wurde, gewirkt hat, ist abzuliefern im Mitlachen. Niemand will der letzte sein, der einen Witz versteht.

Neu auf dem Markt sind Shows, in denen nach dem amerikanischem Vorbild „Jackass“ die Schadenfreude, und der sexuell gewordene Sadomasochismus direkt angesprochen wird. Hatte das Vorbild „Jackass“ schon zur Folge, dass auf Rockkonzerten betrunkene Jugendbanden Dixitoiletten samt Insassen umkippten, und Folterpraktiken, wie sie in „Jackass“ als Fun des toll gewordenen Bürgers verherrlicht werden, praktisch samt Anwendung und möglicher Wirkung gelernt werden können, sind nunmehr gänzlich debile Nachahmungen entstanden. Was passiert, wenn deutsche Antiamerikaner etwas besser als die Amerikaner machen wollen, liegt auf der Hand. Shows wie „Clip Charts“ spielen den analsadistischen Charakteren am heimischen Fernseher in Amateursequenzen vor, wie Kinder vom Stuhl fallen, Menschen sich alle Knochen brechen und Tiere jaulend von Vorhangsstangen fallen.

Angesprochen wird dadurch die stets Angst des Zuschauers zu versagen, sich ähnliche Peinlichkeiten zu erlauben, ebenso verletzlich zu sein. Weil es diese Angst an sich verleugnet, lacht es über den, der einen Augenblick unachtsam ist, mit den Anforderungen der Alltagswelt nicht zurechtkommt, die Verlierer. Überdurchschnittlich häufig sind das Kleinkinder, Alte, Fette und Tiere. Selten zu sehen sind in solchen Sketchen dynamische Jungunternehmer, toughe Frauen, wirkliche Herrschaftsträger.
Wo Comedy, Satire oder Kabarett sich Machtträger aussucht werden diese kaum wegen realer Irrtümer gegeißelt. Es sind häufiger die Grimassen, die Mimik, die Schweißflecken, Versprecher, alles was den Zuschauer an sich selbst gemahnt wird zum Gegenstand des Lachens. Das Publikum will den perfekten Führer, es will nicht, das die gefürchteten Idole aus der Glanz- und Zwischenwelt der High society wie der Politik ihm ähnlich sehen. Es kann nicht akzeptieren, dass eine Kanzlerin eine schlechte Frisur hat, dass ein Minister sein eingefrorenes Lächeln zugunsten einer ehrlichen Reaktion entgleisen lässt. Und doch wird mit dem Vorführen solcher Reaktionen dem Zuschauer klar: Diese Person ist eine von uns. Die Identifikation führt aber zu Selbstekel und muss um jeden Preis verleugnet werden.

In Comedy wie Kabarett lacht sichs am besten über Minderheiten, es regiert der Schwulenwitz in „Was guckst du“ wie in den homophoben Serien „Der bewegte Mann“ und „bully parade“, oder Frauenfeindlichkeit bei Mario Barth und co.
Frauencomedy tut ihr übriges dazu und weicht in der Regel keinen Deut von Klischeebildung ab. Was im Klischee noch Wahres kritisiert werden könnte, wird ontologisiert und zum Wesen schlechthin entschuldigt.

Widerwärtig und abstoßend wird Comedy aber erst recht, wenn sich ekelhafteste Kleinbürgerei als Kritik verkauft. Wo man den Gestus des Tabubrechers, des Vertreters von unausgesprochenen Meinungen, des politisch aktiven Künstlers pflegt, kommt untrüglich der Punkt, an dem sich der Wahn seinen adäquaten Inhalt im Antiamerikanismus findet. Urban Priol und Konsorten kommen sich mächtig rebellisch und tough vor, wenn sie dem Publikum einen weit entfernten unerreichbaren Machthaber wie Bush vorsetzen und sich über dessen Versprecher oder seinen IQ lustig machen. Man weiß sich auf der sicheren Seite, Klagen sind nicht zu befürchten, aber es lockt der Nervenkitzel, es wenigstens rhetorisch mit den Mächtigsten der Welt aufgenommen zu haben. Unter der Bettdecke frönt man dann dem Wahn, dass dies der Grund sei, warum man vor drei Jahren den begehrten Vertrag bei einem anderen Sender nicht erhielt oder dass man wegen seiner Widerständigkeit ein kleineres Publikum bediene.

Wo sich Comedy so von jeder Restvernunft ablöst im höchst konformen Hetzen gegen Irakkrieg, Bush und Heuschreckenkapitalimus und dann zur auf den Witz beschränkten weil diskriminierten Kritik aufbläst, bestätigt das Lachen des Publikums nur den gesellschaftlich gewordenen Wahn. Comedy wird zum Ticket der postmodernen Gesellschaft, die ihr tägliches Versagen realisiert, aber als Witz verharmlost und auf andere projiziert.
Im Lachen des Publikums ist nicht Reflexion des Unbewussten, wie einstmals im Witz enthalten, sondern der Pogrom, die konformistische Revolte, angedeutet. Das Lachen über das Ausgegrenzte ist das gleiche wie das über brennende Häuser und das stolpernde Kind. Es ist infernalische Fratze der Kulturindustrie, die sich selbst im Spiegel erblickt und vor Ekel Wahn erbricht.
31.3.06 13:22
 


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