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Ilan Pappés Hatemail zu Israels sechzigstem Gründungstag

Israel ist 60 Jahre alt. Zeitungen und andere Medien überschlagen sich nicht gerade mit ehrlichen Geburtstagsglückwünschen, vielmehr wird das Datum genutzt, um allerorts gegen den jüdischen Staat Stimmung zu machen. Halbgare Berichterstattung reiht sich an offene Hetzpropaganda. Mancher Geburtstagsgruß ist vergiftet und nur sehr vereinzelt hört man wirkliche Freude darüber, dass die demokratische Gesellschaft im nahen Osten nach 60 Jahren Kriegszustand bei allen notwendigen und überflüssigen Mängeln weiter demokratisch und wehrhaft bleibt.
 
Israels rühmenswerte Errungenschaften in Solartechnik, Desalinationsanlagen, der Renaturierung und landwirtschaftlichen Nutzbarmachung arider und semiarider Zonen, der Nanotechnologie, der Informationstechnologie und der Medizin, von Gesellschafts- und Geschichtswissenschaften sowie Kunst ganz zu schweigen, sind kaum der Rede wert. Einzig relevanter Topos in der Berichterstattung der meisten Medien ist die Situation in Palästina und natürlich palästinensische Geschichte von A wie Armut bis Z wie Zionistische Weltverschwörung. Israels 60-jährige Geschichte hört für die Feullietonisten stets mit der Flucht der Palästinenser auf.
 
In der „Die Zeit“ durfte der israelische Extremist unter den Historikern Ilan Pappé essayistisch tätig werden. Er behauptet originellerweise, den Nexus von Holocaust, Israel und al-Nakbah erfunden zu haben:
 
Es gibt nur wenige Zusammenhänge, die so sensibel sind wie der zwischen dem Holocaust, Israel und dem, was die Palästinenser al−Nakbah (die Katastrophe) nennen. Daher überrascht es nicht, dass sich Wissenschaftler, Journalisten und Essayisten, die sich mit dem Palästinakonflikt beschäftigen, jeweils nur einem dieser drei Themenkomplexe gewidmet haben, als gebe es keine Verbindungen zwischen ihnen. Sechzig Jahre nach dem Beginn der Enteignung der Palästinenser ist es höchste Zeit, diesen Konflikt zu verstehen und zu seiner Lösung beizutragen. Verschiedene Faktoren haben zu dem Untergang der Palästinenser 1948 beigetragen.
 
Der wichtigste war zunächst die zionistische Ideologie und später die israelische Politik. Seitdem die zionistische Bewegung in Palästina im späten 19. Jahrhundert angekommen ist, hat sie davon geträumt, so viel Land wie möglich zu erobern, um darauf einen jüdischen Staat zu gründen. Ein wichtiger Aspekt dieser Vision war das Ziel, so wenig Palästinenser wie möglich in dem zukünftigen jüdischen Staat anzusiedeln. Diese Vision wurde zur Realität, als die Briten Februar 1947 nach 30jähriger Herrschaft beschlossen, Palästina zu verlassen. In weniger als einem Jahr, zwischen Februar und Oktober 1948, hat die israelische Armee systematisch 500 palästinensischen Dörfer und elf Städte entwurzelt und zerstört. Die Hälfte der einheimischen Bevölkerung wurde in dieser Zeit vertrieben. Ihre materiellen und kulturellen Besitztümer wurden von den Israelis beschlagnahmt und damit auch die palästinensischen Spuren im Land verwischt.
 
Im historischen Sprung mit Scheuklappen lässt der sensible Pappé dann bereits eines der nach ihm maßgeblichen Nexuselemente völlig weg, weil es ihn nur als instrumentell gegen die Opfer zu wendenden interessiert: die Shoah. Auf dem Weg zum „Untergang der Palästinenser“ – die, wie jeder gute Historiker belegen könnte, sich anders als die Mohikaner bestens wachsender Nachkommenschaft erfreuen – zensiert er ebenso leichtfertig die Weigerung der Palästinenser, 1948 einen eigenen Staat zu bekomme, wie die unmittelbar folgende Kriegserklärung der arabischen Staaten. Dieser Akt wird zur antizipierenden Selbstverteidigung retuschiert: Weil jeder gewusst habe, dass die Zionisten die Vertreibung der Palästinenser schon seit dem 19. Jahrhundert, wenn nicht schon seit Moses geplant hätten, sei auch die Kriegserklärung und die Weigerung der Palästinenser nur Notwehr. Pappé weiß noch dreister zu selektieren:
 
Das hätte jedoch nicht stattfinden können, hätten nicht einige Faktoren der beschriebenen Entwicklung in die Hände gespielt. Zum einen war die britische Mandatsregierung verantwortlich, weil sie sich nicht einmischte, als es noch möglich war. Die Vertreibung fand also unter den Augen von Beamten und Soldaten statt. Zweifelsohne hat auch die arabische Welt eine negative Rolle gespielt.
Die Impotenz ihrer Armeen und der mangelnde Einsatz ihrer Chefs haben die ursprüngliche Hoffnung einer pan−arabischen Solidarität in eine Farce verwandelt. Für die Palästinenser sollte sich herausstellen, dass es ein kolossaler Fehler war, ihre Interessen von der Arabischen Liga vertreten zu lassen. Diese war dazu unfähig. Aber der wichtigste Faktor, der häufig übersehen wird, ist die internationale Gleichgültigkeit gegenüber der Vertreibung.
 
Diese israelische Politik wäre nicht durchgeführt worden, hätte es nicht die Tolerierung durch die internationale Gemeinschaft gegeben. Die zionistische Führung wusste, dass sie sich auf die Passivität und das Stillschweigen verlassen konnte. Das war keine Selbstverständlichkeit.
 
Das Scheitern der arabischen Armeen noch für seine Impotenz und mangelnden Einsatz der „Chefs“ zu bedauern, schlägt jedem Überlebenden dieses gescheiterten Vernichtungsfeldzuges ins Gesicht. Soviel Eifer Pappé darauf verwendet, die Flucht der Palästinenser als zionistischen Plan zu bestimmen, so sehr bemüht er sich nach Kräften, allgemein bekanntes historisches Wissen zu ignorieren. Vor, während und nach der Shoah war Palästina ein Dreh- und Angelpunkt des nationalsozialistischen Antisemitismus. Von hier nahm 1938/39 gleichsam als abgelegener Auftakt des deutschen Vernichtungskriegs der Terror Al-Husseinis seinen Ausgang und aus eben jenen palästinensischen Radios dröhnten 1948 die Drohungen der arabischen Führer:
 
„Dieser Krieg wird ein Vernichtungskrieg sein und zu einem furchtbaren Massaker führen, von dem man in Zukunft ebenso sprechen wird, wie von den Massakern der Mongolen und Kreuzritter.“ (Ab dar-Rahman Assam, Generalsekretär der arabischen Liga auf einer Pressekonferenz in Kairo 1948 nach Küntzel 2002: 56. Siehe auch Giniewski 1997: 230. Siehe auch Schröder in Gremliza 2001)
 
Palästina war lange vor der Staatsgründung Israels ein Schauplatz antisemitischer Agitation, die zunächst von christlichen Arabern und Missionaren getragen wurde (Küntzel 2002: 41) und seit Gründung der Muslimbruderschaften zur massenhaften Erscheinung in der islamisch-arabischen Bevölkerung wurde. Die Araber in Palästina waren mitnichten gänzlich dieser Ideologie zugewandt und nicht wenige unterstützten die zionistische Einwanderung, von der sie sich mehr versprachen als von der andauernden brutalen Gleichschaltung durch die Truppen Al-Husseinis. (Küntzel 2002: 41ff) So wurden sicherlich auch unschuldige Palästinenser in einen Krieg verwickelt, den sie nicht wollten. Das gesamte arabische Palästina allerdings als naives, völlig am vorherigen Geschehen unbeteiligtes Grüppchen harmloser Bauern und Hirten zu zeichnen ist so sehr Strategie der Antisemiten wie infame Lüge. Hätten nicht schon seit 1920 Pogrome teilweise mit Unterstützung der Briten stattgefunden (Giniewski 1997: 196) und wären nicht spätestens seit 1936 die stark arabisch besiedelten Gebiete Ausgangspunkt permanenter terroristischer Aktivitäten gegen Juden als Juden gewesen, hätten nicht Nejada und Futuwa sowie transjordanische und andere arabische Freiwillige von Galiläa aus permanent die Vernichtung der Juden in Israel angekündigt, vorbereitet und praktiziert, hätten die jüdischen Organisationen Haganah, Irgun und Lehi und später die Zahal kaum Anlass gehabt, dort gegen die Nester der Terrorangriffe zu agieren und arabische Dörfer in – wie auch immer im Einzelfall berechtigten oder unberechtigten – Strafaktionen zu sprengen. (Siehe Giniewski 1997: 208ff)
Vor 1945 dominierte allerdings der „konstruktive“ Widerstand: Als Antwort auf mörderische Terroraktionen wurden in Nacht- und Nebelaktionen jüdische Wehrdörfer errichtet, die sich einer strikten Verteidigungspolitik in Kooperation mit den Briten unterwarfen. Jegliche Zerstörung wurde mit größeren Konstruktionen beantwortet. (Gieniewski 1997: 180) Die palästinensische Propaganda erhält aus zahlreichen Tatsachen allein durch das Moment der Verschweigung der arabischen Aggression eine Vielzahl an auf Wahrheiten basierenden Übertreibungen. So bleibt es Anekdote, dass arabische Dorfbewohner die erste jüdische Kanone, die „Davidka“ aufgrund der lauten Detonation für eine Atombombe hielten und flohen. Weniger anekdotisch sind die sehr wenigen tatsächlich belegten Entgleisungen jüdischer Extremisten. Die geschichtswissenschaftliche Diskussion, ob die Geschehnisse in Deir Jassin, Ramle und Lod nun Massaker waren oder militärisch nachvollziehbare Operationen, sei profunder Forschung überlassen. 
 
Die offensichtliche Erbärmlichkeit der antizionistischen Argumentation Pappés liegt schon aus militärhistorischen Gründen auf der Hand: Der israelischen Führung zu unterstellen, mit zwei Avia-Flugzeugen und ein paar gegen das UN-Embargo eingeschmuggelten Kisten Munition und Waffen aus Tschechien und Soldaten, die in Teilen aus den Auffanglagern in Zypern und Europa geflohen waren, einen Masterplan für die Vertreibung von 750 000 Menschen zu betreiben, muss zwangsläufig in der antisemitischen Konzeption jüdischer Magie und Übermacht münden. Die Führung der Israelis, die Pappé permanent nur als Zionisten betiteln will, weil das schärfer klingt, habe sich nämlich auf „Passivität und Stillschweigen“ verlassen können. Eben jene Führung der Israelis flehte die US-amerikanischen und europäischen Staaten vergeblich um militärische Unterstützung an und verteidigte sich mit selbstgebastelten Bomben, ausgeleierten Sten-Guns und nicht selten allein durch Attrappen und Täuschung. So wird die Ignoranz der Weltöffentlichkeit zur Passivität zugunsten Israels. Dass die wie auch immer genauer zu bestimmende „israelische Politik“ gegen die „Interessen der Palästinenser“, wie Pappé den dort bekanntermaßen schon lange vor 1948 manifestierten antisemitischen Vernichtungswunsch bezeichnet, nicht ohne die Kriegserklärung komplett wahnsinnig gewordener arabischer Staaten stattgefunden hätte, wird vorenthalten.
Pappé erklärt sich sein abgedichtetes Schema wie folgt:
 
Nach dem Zweiten Weltkrieg, als der Kalte Krieg gerade begonnen hatte, waren die Großmächte auf das Wohlwollen der arabischen Länder angewiesen. Gewissenhaftere Teile der westlichen Gesellschaft unterstützten zunehmend anti−koloniales Gedankengut. Sicher versuchten die beiden führenden maroden Kolonialmächte England und Frankreich, ihre Präsenz und ihren Einfluss in der arabischen Welt aufrechtzuerhalten. Aber zumindest augenscheinlich waren sie gezwungen, den Eindruck zu erwecken, als würden sie das Recht der arabischen Bevölkerung auf Unabhängigkeit und Souveränität unterstützen. Besonders als Frankreich sich vehement gegen die symbolische Unabhängigkeit Algeriens stemmte, weil es die Interessen seiner Staatsbürger in dem Land wahren wollte, stellte sich die europäische öffentliche Meinung hinter die algerische Unabhängigkeitsbewegung.
 
Nichtsdestotrotz: Strategische Überlegungen, christlicher Zionismus unter den britischen Führern und ein nicht zu unterschätzender Antisemitismus haben London dazu bewegt, die Ansiedlung vom europäischen Juden weit weg von Europa inmitten der arabischen Welt zu unterstützen. Die Vereinten Nationen entschieden am 29. November 1947 über die Zukunft Palästinas. Man sprach den Palästinenser weniger als die Hälfte des Landes zu und schlugen eine Wirtschafts− und Währungsunion mit den jüdischen Siedlern vor, die mehr als die Hälfte des Landes bekamen.
 
Nur ein Faktor hatte die UN−Sonderkommission dazu bewogen, jedes konventionelle Prinzip von Staatlichkeit und Unabhängigkeit über Bord zu werfen, um die zionistische Bewegung zu befriedigen: der Holocaust. Die Schaffung eines jüdischen Staates als Kompensation für den Holocaust war ein starkes Argument. So stark, dass niemand der prompten Ablehnung der UN−Resolution seitens einer überwältigenden Mehrheit der palästinensischen Bevölkerung Beachtung schenkte. Mehr als deutlich wurde hier der europäische Wunsch, etwas wieder gutzumachen.
 
Die Europäer, und besonders Deutschland, erhofften sich von dem neu gegründeten jüdischen Staat Vergebung. Schließlich war es viel einfacher, die Sünden der Nazis gegenüber der zionistischen Bewegung zu korrigieren, als den Juden der Welt gegenüber zu treten.
 
Für Pappé gilt das Argument der Shoah natürlich ebenso wenig, wie die Erfolge zionistischer Projekte und die Tatsache, dass in Palästina seit Jahrtausenden Juden leben und dort jüdische Städte lange vor 1933 aus dem Boden gestampft wurden – durchaus zum Nutzen der Palästinenser. Den massenindustriellen Vernichtungskrieg noch zu „Sünden“ zu verniedlichen kann Pappé nur überbieten, indem er ernsthaft die „Juden der Welt“ – vulgo „Weltjudentum“ – als relevante Instanz halluziniert. Eben jenes „besonders Deutschland“-Deutschland hatte Juden weiterhin jedes Recht auf Freiheit untersagt und in Auffanglagern Juden über Jahre nach der Shoah festgehalten, um sie am Übersiedeln nach Palästina ebenso zu hindern wie an der Ansiedelung in europäischen Städten. Von den anderen europäischen Staaten lies lediglich Tschechien ein veritables Engagement zugunsten Israels erkennen. Frankreich war damit beschäftigt, die Rolle der Resistance nationalistisch auszuschlachten, Großbritannien hatte trotz Shoah keine Aufhebung der Einwanderungsbestimmungen angedacht und Spanien war noch gänzlich im faschistischen Sumpf gefangen. Dass Israel 1947 immer noch die UN und Großbritannien um Intervention bitten musste und einen skandalös armseligen Teilungsplan vorgeschlagen bekam, den es im Gegensatz zu den Palästinensern akzeptierte – all das ist für Pappé keinen Funken an Empörung wert. Pappé faselt nur konsequent weiter:
 
Es war weniger komplex und, noch wichtiger, man musste sich nicht mit den Holocaust−Opfern selbst auseinandersetzen, sondern nur mit einem Staat, der versprach, diese zu repräsentieren. Palästina war nun das Land der Juden Europas, auch derjenigen, die noch nicht angekommen waren und auch nie vorhatten, jemals anzukommen. Europas Schuld, Deutschland zu erlauben, die europäischen Juden auszurotten, sollte durch die Enteignung der Palästinenser gebüßt werden.
 
Das hat zu dem geführt, was Edward Said die Kette der Opfer genannt hat. Die Palästinenser wurden zu den Opfern der Opfer. Dieses Konzept wurde von Israel und seinen Verbündeten nie akzeptiert. Ebenso wenig fand es die Zustimmung der deutschen politischen Elite, die sich mir der Formel, Israel als einziges Opfer in diesem Konflikt anzusehen, äußerst wohl fühlte. Die Israelis hingegen mussten sich nicht vor westlichem Druck fürchten und haben die Enteignung der Palästinenser bis heute fortgesetzt.
 
Die Grenzen ihres Handelns wurden von dem israelischen Journalisten Aryeh Caspi treffend definiert: Solange die Israelis den Palästinensern nicht das antun, was die Nazis den Juden angetan haben, bewegen sie sich innerhalb des legitimen und moralischen Rahmens zivilisierten Verhaltens. Dennoch ist das Repertoire dieser Aktionen auch innerhalb dieser Grenzen ziemlich erschreckend, wie sich derzeit im Gazastreifen zeigt.
 
Von „Opfern der Opfer“ spricht der globalgalaktische Antisemit, wenn er partout darauf bestehen muss, dass die „Juden der Welt“ eben an allem schuld seien, auch wenn sie Opfer sind. Was Pappé in schlechthinniger Umnachtung als hegemoniale Position der „deutschen Elite“ deliriert, spielt sich auf gleichem Niveau ab. Implizit wird die Relativierung der Shoah nach Kräften betrieben, von palästinensischer Täterschaft und antisemitischen Traditionslinien darf Pappé in der Zeit beflissentlich schweigen. Final kämpft Pappé natürlich für eine deutsche Einmischung und beklagt wie Ahmadinedjad die angebliche deutsche Zurückhaltung, die – welch Wunder – den Frieden verhindert.
 
Die deutsche Zurückhaltung beeinflusst die derzeitige Chance auf Frieden. Natürlich sind die USA am ehesten in der Lage, effektiven Druck auf Israel auszuüben. Aber jede Möglichkeit, Israel zu einem Kurswechsel zu bewegen, hängt von Europa ab. Eine starke europäische Position ist ohne eine Änderung der deutschen Politik nicht möglich. Dabei hat Deutschland sowohl auf gesellschaftlicher als auch auf Regierungsebene die Pflicht, so einen Politikwechsel zu unterstützen. Es war wichtig und gerechtfertigt, dass die ersten Jahrzehnte nach dem Holocaust der Aussöhnung mit der jüdischen Welt gewidmet waren.
 
Nun ist es Zeit, sich um die Opfer der Opfer zu kümmern. Deutschland ist keine unbedeutende Verbindung in der Opferkette und kann seine Verantwortung nicht zurückweisen. Die andauernde Gewalt in Israel und Palästina hat das Potenzial, nicht nur den Nahen Osten in endlose Kriege zu verstricken, sondern auch Europa. Aber dieser naive Artikel beschäftigt sich mit Moral und Gerechtigkeit, die auch für die junge deutsche Generation wichtig ist. Eine Generation, die sich bewusst ist, dass sie als Nation ihrer Vergangenheit begegnen muss. Man trifft sie als freiwillige Helfer in den besetzten Gebieten und sieht ihr Engagement in den zahlreichen europäischen Solidaritätskampagnen für Palästina. Wir brauchen sie alle, weil die Geschichte uns lehrt, dass Besatzung und Enteignung irgendwann zu einem Ende kommen.
 
Die Rede von Kanzlerin Angela Merkel kürzlich in der israelischen Knesset machte jedoch deutlich, dass Deutschland in naher Zukunft keine konstruktive Rolle im Friedensprozess zwischen Israel und den Palästinensern spielen wird. Merkel präsentierte eine fast beschämend parteiische, pro−israelische Position, in der sie die Besatzung mit keiner Silbe erwähnte. Stattdessen fand sie lobende Worte für Israel, das als Vorbild für Gerechtigkeit, Demokratie und Zivilisation diene. Das wird nur die aggressiven und gewalttätigen Aspekte der israelischen Politik stärken und gleichzeitig die Palästinenser jegliche Hoffnung auf eine bessere Zukunft nehmen. Ohne Hoffnung wird die Verzweiflung jedoch immer noch größer, was wiederum zu mehr Gewaltbereitschaft führt. Wir müssen einen Abschluss für das 20. Jahrhundert finden. Nicht um zu vergessen und schon gar nicht um zu vergeben, sondern um ein normales und gesundes Leben zu führen. Das gilt für die Opfer und die Täter gleichermaßen.
 
Wenn Pappé meint, für Deutschlands Engagement gegen Israel zu streiten und Opferketten wie Nahrungsketten funktionalistisch ausdeuten zu können, ist das sein antisemitisches Privatvergnügen. Als Wissenschaftler disqualifiziert er sich selbst durch bodenlos unverschämtes Zensieren, Lügen und Leugnen.
 
Dass allerdings eine der größten und sich liberal dünkenden Zeitungen Deutschlands sich diese Position als Leitartikel zum Thema „Israels Geburtstag“ zu Eigen macht, ist mithin eine Widerwärtigkeit, ein Skandal.
 
 
Literatur (Auswahl):
 
Pappé, Ilan: 60 Jahre Israel. Israel muss sich seiner Geschichte stellen. Auf Zeit-online am 12.5.2008.
 
Giniewski, Paul: Das Land der Juden. Vorgeschichte des Staates Israel. Winterthur: Cardun, 1997. 259 Seiten.
 
Gremliza, Hermann L. (Hg.): Hat Israel noch eine Chance? Palästina in der neuen Weltordnung. Hamburg: konkret, 2001. 239 Seiten.
 
Küntzel, Matthias: Djihad und Judenhass. Über den neuen antijüdischen Krieg. Freiburg: ca-ira. 180 Seiten.
 
Lewis, Bernhard: „Treibt sie ins Meer!“ Die Geschichte des Antisemitismus. Frankfurt a/M: Ullstein, 1989. 342 Seiten.
14.5.08 11:01
 


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