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Stasi-TV

Während im Osten eines notorisch deutschen Staates Spitzel jedes kleinste Detail durchleuchteten, griff im Westen eine Adaption eben dieses Verhaltens im Privaten um sich: Harmlose Familienväter und seltener Mütter betätigten sich als Hobbyfilmer und kopierten jeden selbstständigen Akt der Autonomie ihrer Zöglinge über Handkameras auf schlechtes Band. Versichert wurde sich so der Distanz zum als feindlich begriffenen Objekt Kind wie dem gleichzeitigen Festhalten seiner Unterlegenheit als Abwehrzauber gegen seine drohende Autarkie.
Filmen bedeutete Unterwerfung, Kontrolle und Amusement für spätere Tage. Die Angst vor der fälschenden Kraft der eigenen Erinnerung wurde verscheucht im revozierenden Raunen des Videogeräts. Narzisstisch bietet man gegen die Vergänglichkeit das Bild auf – durch das Eingeständnis des darin verbreiteten Scheins erscheint das scheinhafte Glück in der Retrospektive zugleich realer, obgleich es doch ein zur Sublimierung in die Kamera gezwungenes war.
 
Seit dem Beginn des neuen Jahrtausends, in dem man vom domestizierenden Nutzen der Filmproduktion bald noch jeden künstlerischen und subversiven Mehrwert abzieht, wurden eben jene paranoisch überwachenden Eltern animiert, die gefilmten Unfälle ihrer Kinder des kollektiven Spaßes halber in Sendungen wie „Uups – die Pannenshow“ einzubringen. Zur gleichen Zeit werden Stasi-Akten geöffnet: Bespitzelte erhalten Einblicke in das ihnen oft ohne ihr Wissen zugemutete Grauen. Zur gleichen Zeit wird der Discounter Lidl beschuldigt, Angestellte bis in die Privatsphäre durch Privatdetektiv ausspioniert zu haben. Und wieder zur gleichen Zeit akzeptiert jene Gesellschaft die lückenlose öffentliche Dokumentation von gesellschaftlich sanktioniertem Fehlverhalten:

In „Die dümmsten Angestellten der Welt“ darf man voyeristisch den Verfehlungen von Angestellten auf den Grund gehen. Eine Küchenhilfe sammelt auf den Boden gefallene Wurst auf und packt sie ein. Ein klarer Fall für ekeltaugliche Gegenidentifikation: Vergiftungsphantasien als ambivalenter Konter zur Ablösung von der nährenden Mutterbrust. 
Ein Klempner ascht in die Cola eines zufällig kurz abwesenden Büroarbeiters. Eine Putzkraft, zynisch-euphemistisch Raumkosmetikerin genannt, steckt 10 Euro ein.

Wie artig kam da noch das DDR-Fernsehen daher. Dort wurde die Arbeiterin Berta vorgeführt, wie sie zum Zwecke des Cocktailschlürfens mit dem Klassenfeind in Westberlin den elektrischen, sozialistischen Webstuhl vorzeitig verlässt. Als Schmarotzerin am Fabrikpranger gebrandmarkt will sie ihre Scharte auswetzen und fährt künftig freiwillig Überstunden. Die Überwachung musste noch durch exaltierte Schauspielerei ersetzt werden. Wieviel demokratischer gestaltet sich das Reality-TV, das Big Brother mitnichten erst einläutete: es verwandelt sich in TV-Reality, in der das Spiel der gesellschaftlich tragfähigen Rolle bis ins Private zu perennieren genötigt wird. Kein Aufatmen ist im Großraumbüro Gesellschaft mehr möglich, kein Kratzen an entlegenen Körperstellen wird mehr geduldet, das nicht unmittelbar dem Beruf geschuldet sein könnte. Nicht allein der Kapitalzweck wacht hier über den Äquivalententausch.
Dass kein Betrug mehr an der Arbeitszeit wie am Kunden mehr möglich sein soll ist der Gerechtigkeitsfetisch, dem von je gehuldigt wurde und der in der allseitigen Vertragserfüllung doch den Betrug am Einzelnen fortsetzt. Nunmehr drängen die Massen selbst auf Disziplinierung derer, die ihnen als feindlich gegenübertreten, weil sie ihre ureigensten Wünsche repräsentieren. Schlampigkeit, einst die subtile Form der Sabotage, wird ihr lustvolles Recht abgesprochen und unmöglich: Sie mutiert zur Unfähigkeit, zur Zumutung, zum Ekel. Zugleich wird noch ein Rest an verborgener Lust mimetisch ausgelebt: Die Klempner wälzen sich vor Vergnügen, es dem studierten Computerheini mal gezeigt zu haben, die Putzkräfte schwelgen in den Möglichkeiten der Deprivation im Privaten.  
Das präsentierte Verhalten ist dabei wenig von Belang und austauschbar. Am Ende kulminiert alles doch in der Zurichtung auf die universelle Überwachung, auf die Unterwerfung unter gesellschaftliche Zwecke und Kontrolle ungeachtet ihres Inhalts – gerade wegen der Freiheit des Einzelnen, auf seinem Vertrag zu bestehen. Das angestrengt belustigte Lachen des Moderators ist dabei nur die sublimierte Form der Exekution.

27.3.08 11:13
 


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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Laura (30.3.08 08:12)
ui, der blöde link! entschuldige, wollte nicht das layout verhauen. lösch den obigen kommentar einfach

http://www.tectum-verlag.de/inhaltsverzeichnis/3828891268.pdf

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