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Fragment über die Umfrage

Kulturkritik, so Adorno, ist dazu prädestiniert, dass sie ihr eigenes Hervorgehen aus Kultur vergisst und verleugnet.
 
Das Vorrecht von Information und Stellung erlaubt ihnen, ihre Ansicht zu sagen, als wären sie die Objektivität. Aber es ist einzig die Objektivität des herrschenden Geistes. Sie weben mit am Schleier. [...] Immer enger werden die Maschen des Ganzen nach dem Modell des Tauschaktes geknüpft. (Adorno 1963: 9)
 
In der Entscheidung des Kritikers, im nüchtern rationalen Abwägen, Durchmustern, Verwerfen und Zustimmen wird ein Schein von Freiheit entworfen, der die Besinnung auf die eigene Unfreiheit um so schwerer macht. Die Konsumentenkultur ist kein Luxus, sondern die "Verlängerung der Produktion". (ibid:15)
 
In der derzeitigen Manie des Bewertens kommt das zu sich selbst, was Adorno bereits an den damals viel geringeren Symptomen erkannte. Dieser Tage kann man keine E-Mail lesen, ohne nicht mindestens dreimal nach seiner Meinung gefragt worden zu sein. Die mittlerweile bei allen Zeitungen und größeren Portalen gängigen Abstimmungen entbehren systematisch der Qualität der Fragen und der Auswertung. Der gemeinüblich sein Recht auf demokratische Meinungsäußerung auslebende Forumsuser kann auf tools zurückgreifen, die ihm selbst jegliche Fragestellung abzurufen erlauben. So können Tests, ob man nun eher Superman oder Spiderman sei, Identität schaffen und das Individuum für einen Moment darüber hinwegtäuschen, dass seine Rest-Besonderheit nichts gilt, sofern sie nicht markttauglich kategorisierbar und abwägbar ist. Zugleich stoßen sie es aber um so erbitterter auf diese Wahrheit und tun ihres zur Disziplinierung des maßlosen Wunsches nach Omnipotenz und Freiheit, wie sie in Superhelden sich ausdrückt.
 
Das zieht sich als Unsitte durch und durch. "Das perfekte Dinner" und "Promi-Dinner" kumuliert brauchbare Kochtips, moralische don'ts und do's des gesellschaftlichen Lebens, der implizite Zweck jedoch ist das Heben der Punktetäfelchen. Der Leistungssport okkupiert noch die intimsten Bereiche: Auf Viva wird eine Sendung ausgestrahlt, bei der Kandidaten nach verschiedenen Kategorien auf ihre sexyness hin beurteilt werden. Je nach Wertung werden sie aus dem Saal geschickt oder auf ein Drehpult gestellt, bis der Nächstbessere sie verdrängt. Archaische Balzrituale kehren so wieder im äffischen Einnehmen des Ausguckfelsens, nur dass nicht mehr bloße haarige Muskelkraft, sondern auch ein solides Lächeln und eine Portion cuteness gefragt sind. Fair gratuliert der Verlierer noch, wie das Beta-männchen sich einst in die Horde zurückbegibt um weiter Blätter zu kauen. Monogamie und Gleichberechtigung fordern eben solches von der Frau, die einem verbreiteten Unglauben entgegen nicht die erste war, an der die Schätzung und Wertung in Misswahlen, dem innovativen Pendant zum Kriegsheldentum sich vollzog.
 
Um wieviel ehrlicher ist der barbarische Boxkampf, bei dem die Konkurrenz bewusst ausgelebt wird, der Ring die Grenzen zur Zivilisation markiert und im Betrachten des Kerns des eigenen Alltags dieser seinen Schrecken kurzzeitig verliert.
Solcher Wiederholungszwang, in den Runden und stets prolongierten Wiederholungskämpfen eines Rocky meisterhaft versinnbildlicht, feiert derzeit den Endsieg. Kaum ein Bereich, in dem nicht bewertet würde, was hot und was not ist.
Die epidemisch zelebrierte Freiheit des Entscheidens ist ein Symptom der Demokratisierung, die ihren drohenden Umschlag schon in sich trägt. Sadistisch wird hinabgestoßen, zurechtgestutzt mit dem Ausblick auf Konsumtion des eben noch Tragbaren. Dieter Bohlen, der den Teenagern die narzisstischen Kränkungen zumutet, die ihnen ihre in der allseitigen Konkurrenz nicht hinnehmbare Flausen und Träumereien austreibt, ist nicht eine Beleidigung, sondern Kern der Gesellschaft. Diese lauert im Brandmarken mit dem Zeichen der deklassierten Devianz schon aufs Pogrom. Das Ausmerzen an sich selbst, das nötig war, um Klasse zu erreichen, will ebendieses an anderen als Pflicht und Vernunft rationalisieren: Die endlose Wiederholung der eigenen Schmerzen im Anderen versucht vergeblich die eigenen vergessen zu machen. Das Feindliche wird nach einmal verlorenem Kampf ins Überich introjiziert und fortan zur Norm, zur Vernunft, zur Moral. Nicht Prüfung dieser Vernunft, sondern Vergessenmachen des Kampfes, des Leidens, der eigenen Kränkungen stehen im Telos moderner Abstimmungsrituale, Kämpfe und Wettbewerbe.
In diesem neurotischen Wiederholungszwang wird Massenkultur verständlich. Sie soll nicht ablenken und zu Träumereien inspirieren, wie noch das französische Gemüse der Leinwand, nach Adorno schon selbst ein Traum (Adorno 1951: 77f), sondern auf Wunsch der Disziplinierten hin disziplinieren und wieder und wieder die Einfühlung in den Wert als Prinzip zelebrieren, um sie zuletzt noch erträglich zu machen. Als kärglichen Leidensgewinn darf man dann mit dem Cowboy, dem Mörder, dem verfolgenden Hauptkommisar und Privatdetektiv, dem Showmaster, der Masse des Publikums die eigenen zu beseitigenden Gelüste kurzweilig verleben.
 
 
Quellen:
 
Adorno, Theodor W.: Prismen. Kulturkritik und Gesellschaft. 1963. München: dtv Verlag. 283 Seiten.
Adorno, Theodor W.: Minima Moralia. Reflexionen aus dem beschädigten Leben. 2001 (1951). Frankfurt a.M.: Suhrkamp Verlag. 481 Seiten.
28.2.08 11:57
 


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bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


/ Website (28.2.08 17:24)
bei uns in der Schule sind jetzt Abi-abschluss Umfragen: jetzt ist es raus, wer die größte Nervensäge(ich), der Streber(Ich) und der Looser (auch ich) ist- nervend ist das, was über(der "Intelektuelle") oder unter (der Dummkopf) der repressiven, gewitzigten Mitte steht.


/ Website (28.2.08 17:32)
aber, und damit sei wieder daran erinnert, dass die Differenz zwischen dem Kritiker und des Individums, dass dieser ist- oft erstaunlich groß sein kann- so wie durch einen Akt der Konzentration auf die Sache ein Text entsteht, der von dem Leser nicht irgendwie bewertet werden soll, sondern über dessen Inhalt reflektiert werden soll, so schnellt der Kritiker- oder auch der Künstler- nach der geistigen Anspannung wieder hinein in seine Monadenhaftigkeit und fragt doch jeden, wie er das Geschriebene findet.

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