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Horst-Eberhard Richter zwischen Mord und Krieg

"Wir sagen und Ich meinen ist eine von den ausgesuchtesten Kränkungen" (Theodor W. Adorno, Minima Moralia)

Eine der wichtigsten Erkenntnisse, die mein Deutschlehrer mir einst zu vermitteln wusste, war die, dass das Wörtchen "man" für Nazis eine fundamentale Bedeutung für die Selbstentschuldigung hatte. Wer "man" sagt, ist der Rationalisierung verdächtig.

Horst-Eberhard Richter, Psychoanalytiker, liefert dafür ein herausragendes Beispiel in dem Interview "Plötzlich wird das Morden zur sozialen Tat" in der taz vom 26.10.2007.

Zunächst wird Richter gefragt, wie er als Wehrmachtssoldat "den Tod erlebt" hat. Es folgt die Schilderung eines traumatischen Erlebnisses, der Fund einer deutschen, blonden Leiche mit zerschossenem Gesicht. "Das war am ersten Tag unseres großen Angriffs. Das Bild bin ich nie mehr losgeworden."

Darauf wird er gefragt: "Haben sie getötet?" und er antwortet: "Ja, natürlich."

Wo die Natur berufen wird, soll es kein anderes geben, die individuelle Schuld wird aufgelöst in einem naturhaften Allgemeinen, dem man sich natürlich untergeordnet habe. Das immerhin weiß das Journalistenteam und hakt nach; "Natürlich"? Richter weicht aus, indem er die Frage nach der Rationalisierung falsch versteht und als Frage nach dem Töten umdeutet. Er antwortet: "Ich war bei der Artillerie. Als Richtkanonier. Die Haubitze war eine LFH-18 mit Schubkurbelflachkeilverschluss und Rohrrücklauf-Fahrbremse. "

Das Flüchten ins technische Detail ist ebenfalls bekannt als Technik des Umgehens wirklich relevanter Fragen. Interessant ist, dass Richter nun in diesem Block von der Ich-Position auf die Wir-Position schwenkt, um sich wenig später im "man" niederzulassen:

" (Forts.) Das weiß ich noch ganz genau. Ich bekam Kommandos, wie ich das Kanonenrohr einstellen sollte. Mit welcher Entfernung. In welchem Winkel. Das war meine Aufgabe. Mit dem Ding schossen wir (!) fünf, sechs, bis zu zehn Kilometer weit. Erst später, beim Nachrücken auf dem Vormarsch mit unseren Geschützen, haben wir gesehen, was wir angerichtet haben."

Das Betonen des "Kommandos" hat ebenfalls den Zweck, Unschuld zu betonen, die kleine Rolle, die der Nazi stets einnahm, auch wenn er wie Richter immerhin anerkennt, dass das auch "Töten" war. Das "genau wissen" und die mechanische Beschreibung führt jedoch auffällig über das hinweg, was Richter am eigenen Gefühlsleben verschweigt und was wirklich von Interesse wäre: Was hat den jugendlichen Richter damals vom Krieg emotional berührt, in welcher Art und Weise, und wo liegen die aggressiven, lustvollen Anteile? Aufklärung des Individuums darüber gäbe nicht Rückschlüsse auf das Individuum, sondern von da ausgehend die dringend benötigte Aufklärung über das Allgemeine.

"Was haben Sie gesehen" wird er gefragt, und er antwortet: "Tote russische Soldaten. Tote Frauen. Tote Kinder." "Das sieht man dann - und schießt weiter?" "Es gibt nur wenige Momente, wo man so etwas wie Scham hat."

Interessant ist hier, dass das "man" von Seiten des Journalisten eingeführt wird, was vergleichbar ist mit den Reaktionen der 2. Generation, die ihre Eltern vorauseilend vor Vorwürfen in Schutz nahm, weil sie die Ambivalenz, von Mördern liebevoll aufgezogen worden zu sein. nicht ertragen konnten. Im Interview schwenkt Richter wieder zurück auf die individuelle Position, um dann endgültig im "man" zu landen:

"Dann haben sie das ausgehalten?" "Man kühlt ab. Als ob irgendetwas in einem erfrieren würde. Stellen Sie sich vor, man kann dann in einer Gefechtspause ruhig essen, auch wenn da um einen herum Tote liegen. Man hat Appetit, kann jederzeit pennen. In meiner Sicht findet da eine Verrohung statt, die Abscheu und Mitleid reduziert. Es ist eine Reduzierung des Sensoriums und die Abtötung der Sensibilität. Man bewegt sich so automatisch - wie ein Roboter."

Die anthropologisierende Absicht der Allgemeinposition "man" wird verstärkt durch den auffälligen Wechsel vom Präteritum ins Präsens. Ebenfalls interessant ist die Phrase des "Stellen sie sich vor", eine Aufforderung zur Mittäterschaft in der Empathie. Wieder ein Wechsel in die Ich-Position, als es darum geht, dass Richter in den Pausen auch mal was für die Bildung tat. Die Flucht ins "man" ist jedoch sofort wieder da, als er gefragt wird:

"Heißt das, dass sie überhaupt keine Todesangst hatten?"
"So eine tiefe Angst hat man gar nicht. Man hat gar nicht die Zeit dazu. Man ist so funktional eingestellt, dass man in jeder Sekunde überlegt: Was muss ich tun? Es gibt da nur Kommandos und Feuer und fertig. Man bewegt sich so, als wäre es Routine. Egal ob neben einem Leute tot da liegen, sterben oder jammern. Eine hektische Pragmatik."

Das Betonen "und fertig" verweist nur zu eindeutig darauf, dass da im jugendlichen Richter sehr viel mehr ablief, als nur das Kommando, und das zu erwähnen für einen Psychoanalytiker eine Selbstverständlichkeit wäre: Die lustvolle Unterwerfung unter den Befehl, die Aggressionen gegen die toten Kameraden, der Ekel vor den Leichen, das Abgespaltene im Normalisierten, dessen Betonung immer auf den Zwang verweist, der zu seiner Herstellung notwendig war. Richter merkt das, will aber weiter auf dem "man" beharren.

"Keinerlei Hemmungen?" "Sie meinen Tötungshemmungen?" "Ja." "Nein. Das ist fast wie in diesem Charly-Chaplin-Film." "Wie in Modern Times?" "Genau. Als Soldat wird man wirklich zum reinen Werkzeug. Es ist schwierig, dieses mechanische Leben zu beschreiben. Wir in der Psychoanalyse nennen das Regression. Die Niveausenkung des psychischen Apparats. Die Ausschaltung des Gewissens, um das innere Gleichgewicht zu bewahren. Man wird auf Stand-by reduziert."

Die Differenz zwischen dem der Auflklärung dienlichen Subjektbericht:"Ich habe damals wie viele andere regrediert und mein Niveau gesenkt." und dem Gesagten ist offensichtlich. "Wir in der Psychoanalyse" ist zudem eine ziemlich perfide Abspaltung des eigenen Anteils am soldatischen mechanischen Leben. Wir hier - die Soldaten damals. Das Gespräch über Modern Times, in dem es um Fabrikarbeit geht und eben nicht um Soldatentum, versucht auf die Ebene des zivilen überzuleiten. Dass Richter in dieser Zeit keine Hemmungen hatte, besagt eben noch nichts über das Wesen des Soldaten an sich, sondern über das des nationalsozialistischen Soldaten. Dass diese mit offensichtlichen und unerhörten Mitteln dazu angehalten wurden, Tabus zu überschreiten und dass ihnen ebenso Befehle so vage und kryptisch erteilt wurden, dass sie selbst diese bis zum negativen Extrem auslegen konnten, dass in ihnen deutsche Ideologie wirkte, was sie von den russischen und alliierten Soldaten zumindest häufig unterschied, bleibt ungesagt, weil daraus Schuld und der Ruf nach einem verantwortlichen Subjekt generiert werden könnte. Diesen Unterschied zu verwischen, Schuld im Allgemeinen aufzuheben, tritt das Interview an, und es wird bruchlos übergeleitet zum Status quo:

"Und heute? Wo wieder deutsche Soldaten im Kampfeinsatz sind?" "Heute ist das anders. Heute wird das Sterben und Töten zum Schützen und Helfen." "Wie meinen sie das?" "Der Jung hat eine Sprachtechnik, die dem Soldaten pausenlos in den Kopf hämmert: Du bist ja nur dazu da, um zu schützen. Du bist ja nur dazu da, um die anderen nicht im Regen stehen zu lassen. Der Kohl konnte das auch. Es wäre gemein, wenn wir Deutschen jetzt nicht den anderen Soldaten helfen würden." "Eine Art sprachliche Umwidmung?" "Der Verteidigungsminister kann das fabelhaft. Es gibt eine karitative, moralisierende Logik, in der das Töten und das Schießen und das Morden umgekehrt werden zu einer guten, sozialen Tat." "In Afghanistan." "Genau. Das hat der Jung jetzt wieder gesagt: Auch wenn wir jetzt nicht im Süden Afghanistans kämpfen, werden wir den Amerikanern - und wer da noch alles in Not ist - beistehen, helfen, und sie nicht alleine lassen. Also für mich ist das ganz fantastisch. Diese caritativ-therapeutische Sprachwelt, die da auftaucht, nur um das Gegenteil von dem zu suggerieren, was wirklich passiert. Alles dient nur dazu, das Böse abzuwenden."

Es wäre müßig, daran zu erinnern, dass der nationalsozialistische Vernichtungsfeldzug unter dem Vorzeichen des Schutzes vor dem imaginierten jüdischen Bolschewismus stand, denn dann hätte man sich schon auf Richters unerhörte Gleichsetzung eingelassen. Die Rede von der "moralisierenden Logik" streicht Moral und Logik gleichermaßen durch, verbietet sich einen objektiven Standpunkt, von dem aus sehr wohl ein "Böses" ausgemacht werden kann. Dass Soldaten stets ähnlich gedrillt wurden und werden und im Ernstfall auch mechanisch funktionieren müssen (es aber nicht tun), heißt noch lange nicht, dass der aliierte Feldzug gegen Saddams Baath und afghanische Taliban deren Projekt gleichsieht. Das will Richter aber nicht wahrhaben, denn sein Anliegen ist es, individuelle Schuld in einer Übertragung als allgemeine Naivität darzustellen, die auszubeuten wahre Schuld erst produziert. Ein mündiges Subjekt ist in diesem reaktionären Konzept nicht zu finden. Die Journalisten folgen dem:

"Defensiv ist doch auch der Satz "Deutsche Interessen werden am Hindukusch verteidigt." Warum sagt man denn nicht die Wahrheit - und zwar: Soldaten töten und sterben doch auch in Afghanistan."

Diese Frage entkräftet mit dem billigen Skandalisieren des gemeinhin bekannten Faktums, dass Krieg mit Leid und Tod verbunden ist, die daran wenigstens zu stellende Minimalforderung der Vernunft: Dass dieses Leid und Tod einer Demokratie nur dann erlaubt werden kann, wenn wirklich schlimmeres Leid und Tod verhindert werden kann. Verallgemeinernde Rationalisierung geht denn Richter auch vor Differenzierung, denn in der Antwort läuft er zu Höchstform auf:

"Ja. Aber dieser Gedanke strengt zu sehr an. Sehen sie mal: Der Bush. Der hat den Irak angegriffen, um die Welt zu beschützen. Jetzt hat er gesagt: Wenn man im Iran nicht für Ordnung sorgt, dann wird der Iran die ganze Welt bedrohen. Er malt einen nuklearen Holocaust an die Wand. Die gesamte kulturelle Mentalität bei uns, represäntiert durch Bush oder durch Jung oder durch Schäuble, ist eingestellt auf eine gespaltene Welt. Und wenn man sich den ersten Kreuzzug mal anschaut, dann war das schon damals ganz genauso. Papst Urban der II hat im Jahre 1095 in Clermont eine Rede gehalten mit der Botschaft: Entweder ihr seid auf unserer Seite, der Seite Gottes, oder ihr seid auf der Seite der gottlosen Schurken und Muslime. Kommt ihnen das nicht bekannt vor?" "George W. Bush hat das in leicht abgewandelter Form nach den Anschlägen vom 11. September gesagt." "Ja." "Das ist Carl Schmitt in Reinform." "Ja." "Ds Freund-Feind-Schema." "Ja." "Und wir hier im Westen sind natürlich die Guten." "Genau. Das geht ziemlich tief rein. Das manichäische Weltbild kann man sich so erklären, das ist nun auch ein bisschen meine Forschung, dass uralte, archaische Instinkte oder Anlagen zum Vorschein kommen. Es ist nicht nur die Bereitschaft, sich diese einfache Welterklärung gefallen und auch befehlen zu lassen. Sondern rattenfängerartig wird eine Hörigkeit ausgelöst, die dann massenpsychologisch dazu führt, dass es geradezu als Erlösung empfunden wird, vom eigenen Gewissen befreit zu sein. Ein absolutes Feindbild ist nötig, um mit sich im Reinen zu bleiben."

Es wäre ein leichtes, Richter ad absurdum zu führen, ihm sein eigenes Feindbild offen zu legen, das ihn vom eigenen Gewissen befreit. Er erleichtert das:

"Wer ist der Rattenfänger?" "Na Bush. [...]"

Im Gerede von archaischen manichäischen Instinkten geht natürlich eines komplett unter: Was Richter immerhin dazu bewegt hat, 1944 zu desertieren und vor den Kameraden in eine Alpenhütte zu fliehen. Das individuelle und besondere des Nationalsozialismus wird in einer Allgemeinheit aufgelöst, die man nur relativierend nennen kann. Hier streicht sich jede Kritik durch angesichts des psychoökonomischen Interesses nach Rationalisierung durch Irrationalisierung. Hitlers Nazis sind demnach auch nur kleine Fische zwischen Papst Urban und George W. Bush. In die Relativierung mischt sich Verkehrung: Bush mahle einen "nuklearen Holocaust an die Wand." Solange der Feind bestimmt ist, muss man auch nicht mehr über real drohende Gefahren aus dem Iran reden, die Bush, der Atheist verbietet sich das "Gott sei dank", als einer der wenigen noch zu benennen weiß. Richter muss dagegen schweigen von Taliban oder realen Gefahren des nuklear bewaffneten Islamismus. An anderer Stelle schreibt er:

"Der Westen panzert sich mit immer neuen Sicherheits- und Überwachungsgesetzen. Gleichzeitig weidet er sich an der im Schutz der Pressefreiheit entfachten islamischen Wut über den vielfachen Nachdruck der Bilder, die Mohammed als Terroristen karikieren. "Wir kommen in die Hölle, wenn wir dagegen nichts tun!", soll einer der beiden libanesischen Kofferbomben-Attentäter von Köln zu seinem Mittäter gesagt haben - laut NDR-Magazin Panorama, das den einen Täter in Beirut interviewen konnte. Also hatte die westliche Provokation funktioniert, aber mit welchem schrecklichen Risiko!"

Das macht Richter gerade so unglaubwürdig, dass er im Westen Mechanismen zu erkennen glaubt, die er an anderen Phänomenen, wo sie wirklich ihre gesamte Gewalt entfalten, leugnet und dem Primat des westlichen Auslösers unterordnet. Wie Richter seinerzeit nur Objekt von Rattenfängern war, sollen die Islamisten von heute, und unter diesen selbst die offenen Terroristen, nur Objekte der Provokation des Westens bleiben. Diese Verkehrung macht ihn nicht nur unglaubwürdig, sondern verlogen, reaktionär und letztlich zum Flakhelfer des Islamofaschismus.

9.11.07 11:34
 


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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


thinktankboy / Website (30.12.11 13:38)
"Wie Richter seinerzeit nur Objekt von Rattenfängern war, sollen die Islamisten von heute, und unter diesen selbst die offenen Terroristen, nur Objekte der Provokation des Westens bleiben. Diese Verkehrung macht ihn nicht nur unglaubwürdig, sondern verlogen, reaktionär und letztlich zum Flakhelfer des Islamofaschismus."

Vielen Dank für den Artikel, dem ich gerne zustimme. Richters Ansichten waren und sind leider noch immer sehr weit verbreitet in vielen (pseudo) linken Zirkeln die bis ins grün-alternative Milieu hineinreichen.

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