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Die Judas-Meerschweinchen

Seit man dem Deutschen die kirchliche Obrigkeit genommen, den Adel enthauptet und das Judenmorden verboten hat, fühlt er sich leer. Seiner kulturellen Identität beraubt versucht der kulturnationale Deutsche dennoch unverzagt, dem himmelschreienden Elend der Kulturlosigkeit zu trotzen. Beim Pilgern auf dem Jakobsweg verspürt er andächtig spirituelle Weihen, beim Promi-Dinner schreibt er die Rezepte mit und beim allabendlichen Comedy-Kabarett haut er sich auf die Schenkel, dass es klatscht. Weil ja zur Kultur auch Lesen gehört, hat der Deutsche überall Buchläden an Bahnhöfen und Tankstellen. Dort wird alles verkauft, was nicht unter eine Mindestdicke und nicht über ein Höchstniveau steigt. Die Titel werden beim Scrabble-Spielen zusammengemischt, mindestens ein Trigger muss dabeisein: Blut, Gift, Mord, Raub, Sex. Mehr als drei Silben sollte kein Titel haben, das würde zu intellektuell wirken. So liest der Deutsche im Zug zum Pilgerstartpunkt noch rasch einen Wälzer wie "Der Schwarm", "Die Zwerge" oder eben frisch aus dem Schaufenster "Das Judasgift", "Der Judasfluch " oder "Die Kinder des Judas".

Die ersten beiden Bestseller sind aus der Hand des britischen Autoren Scott McBain. In ihnen wurde ein unlesbares Bollwerk von Scheinhandlung um die Silberlinge, mit denen Judas laut neuem Testament für seinen Verrat an Jesus entlohnt wurde, gebaut. Diese Silberlinge sind selbstverständlich verflucht und richten weiter Unheil an, töten den Papst, drohen die katholische Kirche zu stürzen, wenn sie in falsche Hände geraten und so weiter.

"Die Kinder des Judas" von Markus Heitz ist auf dem gleichen Mist gewachsen: Es geht um eine geheime Sekte, die seit dem Mittelalter Wissenschaftler und böse Männer für die Erlangung der Unsterblichkeit engagieren und sich natürlich ganz nebenbei, wen wunderts, an Blut laben. Das will von dritter Seite mit dem folgenden Satz rezensiert sein:

"Die Kinder des Judas halten sich selbst für Auserwählte, sie sind aber nicht weniger verdammt, als diejenigen, über die sie sich selbstgefällig erheben."

Da schwingt die gesamte Tonleiter des christlichen Antisemitismus lauthals mit. Dabei gibt man sich äußerst unschuldig, genutzt wird der geschichtliche Spannungswert des Signifikants und behauptet wird, nichts von dieser Geschichte zu meinen. 2000 Jahre wird nun Judas als Jesusverräter mit den Juden gleichgesetzt, die antisemitischen Gassenhauer von Chrysostomos über die Päpste mit dem Namen Innocens zu Stöcker und Hitler wählten stets die noch gleichen Schlüsselwörter der modernen Romänchen: Gift, Heimtücke, Sex, Geld und Machenschaften. Das zieht sich weiter in die ohnehin erbrechenswert faschistoiden Rollenspiele.
In dem Rollenspiel "Dark Seattle" gibt es die "Judaskinder" als Non -Player-Charaktere:

"Zusätzlich nimmt ihre Besessenheit von Schmerz und Leid die Judaskinder ziemlich mit. Sie sind emotional instabil und dadurch schwankt die Willenskraft eines Judaskinder ausgesprochen stark. Wann immer das Judaskind einen Punkt temporäre Willenskraft ausgibt (um einen automatischen Erfolg zu erzielen, um in Raserei eine Runde kontrolliert zu handeln, um eine Disziplin zu aktivieren) verliert es automatisch einen weiteren Punkt temporäre Willenskraft. Hat das Judaskind nur noch einen Punkt temporäre Willenskraft und gibt diesen aus, erleidet es automatisch eine Stufe schwer heilbaren Schaden."

Auch bei Monstersgame gibt es das Judaskind:

"In Südosteuropa gelten rothaarige Vampire als Abkömmlinge des möglicherweise rothaarigen Judas Ischariot.
Das herausragendste Merkmal der Judaskinder ist, das sie Ihre Opfer meist mit einem einzigem Biss oder auch Kuß töten können. Wenn sie gebissen haben, hinterlassen sie nicht den üblichen Vampirbissabdruck, sondern die Wunde sieht aus wie 3 Kreuze. Das gilt als Symbol für die 30 Silberlinge ( den Judaslohn! ) das Judas bekommen hatte nachdem er Christus verriet!"

Selbstverständlich ist das der einzige Charakter des Spiels, der in der Beschreibung ein Ausrufungszeichen erhält, der Text wird herumkopiert und findet sich identisch auf zahlreichen anderen Foren.

Ob Judas nun rote Haare hatte oder nicht, ob er sich von den 30 Tacken eigentlich einen Bausparvertrag oder ein Zitroneneis kaufen wollte, interessiert niemanden. Was reizt, ist die mitschwingende Gefühlsebene. Der große Verrat ist der notwendige Antipode zum narzisstischen allumfassenden Gutsein des ewigen Jesuskindleins. Wohl wissend, dass Judas nur irgend wo ein Freak gewesen ist, kauft sich der Deutsche die in absurd schlechter literarischer Qualität gehaltenen Schinken und ergraust sich wohlig am Wähnen vom möglicherweise enthaltenen Fünkchen der Wahrheit, das ihm in allem Schmarrn wahrzunehmen beigebracht wurde. Wohl wissend, dass im Ernstfall auch der Skandal sich gut verkauft, liebäugeln die Autoren noch mit Antisemiten als breite Käuferschicht. Ein solches zynisches Unterfangen ist leicht gewagt und daher sei hier einmal citius, altius, fortius auf den fahrenden Zug aufgesprungen:

Die Judas-Meerschweinchen (Abstract)

Vor uralter Zeit (also wirklich lange her) lebte Judas Ischariot. Bevor er seiner eigentlichen Berufung folgte, züchtete er Meerschweinchen. Als er den hübschen Jesus traf, verkaufte er sie, und folgte dem Guru. Später reute ihn seine Tat, er verkaufte den Sektenführer an irgendwelche Römer, um von dem Geld die viel netteren Meerschweinchen auszulösen. Diese aber hatten längst einen Geheimbund gegründet und planten die Weltherrschaft an sich zu reißen. Dazu wollten sie ein unsterbliches Supermeerschweinchen erfinden, das künftig den Lauf der Geschichte zu ihren Gunsten verändern sollte. Judas starb tragisch, wie alle Figuren eines Romans, mit denen der Leser sich garantiert nicht identifizieren soll. Als er am Baume baumelte, tropfte sein verfluchtes Blut auf ein just in diesem Moment kopulierendes Meerschweinchen, das fortan ebenfalls verflucht war. Und seine Nachkommen natürlich ebenfalls. So kam es, dass der Lauf der Geschichte fortan von den Judas-Meerschweinchen bestimmt wurde: blutgierige, verfluchte Wesen, mit dem unstillbaren Durst nach Macht und Geld. Und wenn niemand an ernsthaften Komplikationen gestorben ist, leben alle Protagonisten noch heute in einem unentdeckten Atoll, auf dem ein verrückter Wissenschaftler Dinosaurier aus dem Blut einer Mücke klonen will, aber das ist eine andere Geschichte.

8.11.07 15:37
 


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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Martin / Website (9.11.07 18:16)
Einige eilige Literatur-Fundstellen zum „Fall Judas“ trage ich gerne bei:

1) Herfried Münkler: „Judas Ischarioth“ in: [ders.] „Odysseus und Kassandra. Politik im Mythos“ – Frankfurt am Main [Fischer] 1991, Seiten 63-77
Zitat: „Stets ist Judas präsent. Judas ist ein moderner Mensch.“

2) Hans Blumenberg: Artikel „Treue“ in: [ders.] „Begriffe in Geschichten“ – Frankfurt am Main [Suhrkamp] 1998, Seiten 195-198
Zitat: „Treue ist eine zweifelhafte Tugend. Sonst hätte sie nicht Heinrich Himmler zu der seinen und der seines Ordens machen können.“

3) Hans Conrad Zander, aus der Lammengg wiedergegeben: Auch er, Zander (70, rk) hätte Jesus kreuzigen lassen. – Weil dieser im religiösen Endzeitrausch eine politische Katastrophe im römisch besetzen Ländchen provoziert habe. – J.I. habe als Kassierer der Jesus-Groupies im Auge gehabt, dass der Meister im Wahn der eschatologischen Naherwartung die Sekten-Kasse geleert hatte.

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