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Symbolistische Exorzismen statt Entnazifizierung - das Kerner-Prinzip

Günter Jauch, Harald Schmidt oder war es Johannes B. Kerner? Einer von denen jedenfalls lud eine Autorin ein, deren Positionen er kannte und der er eine Plattform bieten wollte, sich dafür zu entschuldigen. In einer aufregenden Talkshow-Runde mit einigen Ex- und In-spe-Granden des Showgeschäfts sollte "Missverständliches" geklärt werden können.
Offensichtlich gab JBK vor allem sich selbst und den Anwesenden eine Plattform, eine rituelle Handlung zu vollziehen, die als Schuldbock-Projektion bekannt ist: In der harmlosesten Variante dessen wird eine Ziege symbolisch mit den Sünden aller Anwesenden beladen und in die Wüste geschickt.

Das Formelwesen der Entnazifizierung verhindert Aufklärung über die Schwäche der Mehrheitsideologien für subtile antisemitische und faschistische Codes. Die scheinbar resolute, klare Handlung des Rauswurfs durch JBK trieft nur so von Hilflosigkeit und intellektueller Inkompetenz. Das Reizwort "Autobahnen" - was genau da gesagt wurde, weiß man nicht, wenn man den Beitrag nicht im Volltext gesehen hat - genügte wohl, um den Schwachsinn, den ein Professor der Geschichte verzapft, zu übergehen: Die Rede von der "gleichgeschalteten Presse" sei ein Nazibegriff und damit tabu. Schauen wir mal in den Volltext rein:

Wippermann: Nein also, das stimmt nun nicht, das „Gleichschaltung“ kein nationalsozialistischer Begriff ist. Natürlich war „Gleichschaltung“ ein nationalsozialistischer Begriff. Gleichschaltung der Parteien, der Verbände und der Länder. Und sie haben hier einen nationalsozialistischen Begriff gebraucht. Und ich finde es irgendwie sehr problematisch, dass sie Zitate, dieses Zitat, dem haben sie ja auch ihre Entlassung zu verdanken, das ist in allen Zeitungen. Jetzt sagen Sie, das hat es nicht gegeben. So kann man da nicht mit umgehen als Historiker. Das ist doch sozusagen da.
Herman: Also wie sie damit umgehen, kann ich auch nicht damit umgehen, da tut mir leid.
Wippermann: Und deswegen machen sie jetzt Verschwörungselogien und sprechen von verlorenen Bändern, an die man nicht mehr rankommt.
Herman: Ja.
Wippermann: Das ist eine Verschwörungspathologie, die sie dort haben. Also, das ist doch sehr problematisch.
Herman: Seien Sie doch ein bisschen vorsichtig mit dem was Sie hier äußern mir gegenüber. Und ich möchte jetzt auch ehrlich gesagt zu Ihnen gar nicht mehr Stellung nehmen. Und ich möchte auch nicht mehr Stellung nehmen zu weiteren Vorwürfen in diesem Zusammenhang, denn nochmal: Sie müssen nur Google eingeben. Und da können sie jede Zeitung durchgehen, welche Zeitung diesen Begriff bereits benutzt hat.
Kerner: Aber auch falsch, auch falsch.
Herman: Natürlich ist er da benutzt worden. Aber es sind auch Autobahnen damals gebaut worden und wir fahren heute drauf. Moment.
(Unruhe im Publikum)
Wippermann (ruft): Ja, das ist ja das Schöne. Adolf hat die Autobahnen gebaut – ja, das war es (ironisch) Das Autobahn-Argument ist das beste (ironisch).

Wohl dem, der noch nicht die kollektive Volkswut aus den Medien unisono lärmen hörte. Und so wie Herman in der Presse anschließend ausschließlich in Halbsätzen zitiert wurde liegt der Verdacht zumindest nahe, dass da überkompensiert wird. Grundsätzlich hat Herman hier völlig recht: Gleichschaltung ist ein in jedem Schulbuch zu findender Begriff, der völlig korrekt aus antifaschistischer Sicht das faschistische Vorgehen kritisch bezeichnet. Dass sich die Nazis positiv darauf bezogen, macht das Wort eben zum Begriff, dessen Aufladung von dem abhängig ist, der wie auf der Autobahn darauf fährt. Auch Faschismus ist ein von den Faschisten erfundener Begriff. Dass Wippermann seinen Fauxpas nun mit einem gefundenen Fressen, der Identifizierung von Hermans berechtigter Kritik mit dem alten deutschen Loblied auf Adolfs Autobahnen übertünchen will, ist mehr als dümmlich.

An Herman wurde ein Exempel statuiert, das der Realität Hohn spricht und darum verharmlost. Im Osten verfallen ganze Landstriche dem Volkssport Nazismus. In Moscheen wird für Totalverhüllung und lebenslange Seklusion von Frauen geworben. Ein Vertreter der Muslim-Liga Bonn vergleicht im Rathaus Marburg Scharon mit Hitler ohne auch nur Gegenrede von den anwesenden illustren Intellektuellen zu erhalten - Dialog der Kulturen. Stoiber, der einst vor der "durchrassten Gesellschaft" menetekelte, wird derzeit mit Ehrbekundungen und Laudatien überhäuft. In jedem Nest finden sich opulente Kriegerdenkmäler, mal für die "Helden", mal für die, die "für uns starben" - 1938-1945 selbstverständlich. Sudetendeutsche und pommernsche Landsmannschaften fordern und fördern die "Repatriierung" Ostpreußens mit expliziter Unterstützung der CDU/CSU, verharmlosen nach Kräften und drängen mit ihrem Opferdenken in die Schulbücher. Im Fernsehen wird ein Panzer aus einem dreckigen deutschen Fluss gefischt, im Hintergrund die General-Feldmarschall-Rommel-Kaserne. Dort werden immer noch auf dem Ehrenfriedhof SS-Soldaten geehrt, die im suizidalen Endkampf 7 amerikanische Sherman-Panzer abschossen. Zwei weitere Kasernen sind dem Nazi-Offizier und gescheiterten Wegbereiter der prospektiven Vernichtung der Juden in Afrika und Palästina gewidmet, man fragt sich, wie viele der im Publikum Anwesenden in solchen Kasernen ihren Ehreneid leisteten und SS-Denkmäler schrubbten.

An einem immerhin naiven und damit billig zu inkriminierenden Subjekt wie Herman agiert sich die Mehrheitsgesellschaft aus, die einen aggressiven Faschismus in sich trägt und über das Ritual vor sich selbst zu verbergen sucht. Die romantisch-regressive Hinwendung an das "früher" und die intakte Familie findet sich in beliebigen CDU-Parteiprogrammen und -Wahlwerbungen, ein prägnanterer Sexismus lässt sich beim vom Volksmund bejubelten Mario Barth entdecken. Expliziter Antisemitismus lässt sich nicht bei Herman, wohl aber in den Berichten des ZDF und der ARD über Israel aufspüren. Ausländerfeindliche Hetze ist bei Herman vergeblich zu suchen, bei illustren und immer gern gesehenen Talkshow - Gästen wie Lafontaine oder Stoiber aber vielfach dokumentiert. Das Streicheln der deutschen Gemütlichkeit wird auf Bierfesten ebenso allumfassend vollzogen wie bei deutschen Comedians Zivilisationsfeindlichkeit und penetranter Antiamerikanismus.

Wenn JBK also diese absolute Mehrheit der deutschen Medienlandschaft und der deutschen Gesellschaft in Herman symbolisch aus dem Saal verweist, so sollte er seine "Gedanken" auch kundtun. Wenn er den Antiindividualismus Hermans mit dem Rosenbergs vergleich, muss er zur Sprache bringen, welchen Ideologien und Bevölkerungsgruppen das noch zupass kommt. Sich als Mehrheitsgesellschaft aufzuspielen und an einem Symbol rituelle Reinigungsakte vorzuspielen, damit das intakte Bild der gesunden, kritischen Öffentlichkeit gewahrt bleibt, ist Ideologie und fauler Zauber. Von einer inhaltlichen Beschäftigung mit dem Nazismus ist bei den Anwesenden wenig zu merken. Man kann sich des Populismus der Veranstaltung gewahr werden, wenn man sich überlegt, ob Walser, Stoiber oder Kohl im Falle eines ähnlichen Diskussionsverlaufs "hinausgebeten" worden wären. Das von den Kurzmeldungen kryptologisch verkürzte und damit für alle Projektionen geöfftnete Ende analytisch zu deuten, ist einfach: Senta Berger hat ihre Hausaufgaben nicht gemacht und will schwänzen. JBK will ihr diese Peinlichkeit ersparen und betont, dass er sich Gedanken gemacht hat, obwohl in der ganzen Sendung kein einziger intelligenter Satz gefallen ist. Mario Barth ist Thronfolger und darf ein wenig komödiantisch parlieren. Der männliche Phallus enttrohnt den matriarchalischen Angriff unter wohlwollender Zustimmung der Autorität und Genugtuung macht sich breit. Von einem intellektuell begründeten "Rausschmiss", geschweige denn von relevanten Gründen dafür, ist wenig zu entdecken.

Berger: Die jungen Leute in Sachsen-Anhalt haben doch keine Jobs. Man muss Arbeit schaffen. Das ist ihr gutes Recht und dann können sie auch eine Familie gründen. Ich muss gehen. Ich kann diese Diskussion nicht mehr führen. Dann muss ich mich besser vorbereiten und ihre Bücher lesen.
Kerner: Es sind die Momente, wo man sich Gedanken macht, wie man weitermacht. Ich habe mich entschieden, dass ich mit drei Gästen weitermache und dich, Eva, jetzt verabschiede. Danke schön.
(Eva Herman geht, großer Applaus, Kerner zeigt auf Mario Barth und bietet ihm Eva Hermans Stuhl an)
Barth: Soll ich mich setzen?
Berger: Ja bitte. Es hängt jetzt an dir.

Volltext 1
Volltext 2

Nachtrag

So, jetzt habe ich auch die Sendung mal gesehen. Das Gespräch ist etwas informativer als die Abschrift. Und fraglos schwafelt Herman auch einigen sehr deutschtümelnden Quatsch, von demographischen Kurven, braunen Keulen, dass man vom "Verlauf der Geschichte" nicht reden dürfte, etc... Dennoch distanziert sie sich sehr deutlich von dem Doppelsinn, den sie mitverursacht hat. Was von anderen nicht akzeptiert wird, denn das würde den Sinn der Sendung auflösen. Hätte Kerner wirklich Herman auf den Zahn fühlen wollen, wäre der Zweier-Talk erfolgsversprechender gewesen. Wenn man die deutsche Ideologie hinter Hermans Äußerungen diskutieren hätte wollen, wäre man gut beraten gewesen, das Thema auch darauf zu beschränken und hätte nicht noch über Mario Barths Frisur oder Hausaufgaben reden müssen. Der Rausschmiss erfolgte zu einem Zeitpunkt als die Diskussion wirklich interessant wurde und nicht nach einem Eklat. Dieser wäre schon vorher da gewesen und hätte auch entsprechend noch geklärt oder aufgeklärter konfrontiert werden können. Das wurde nicht gemacht und damit ist eine aufklärerische Absicht perdu.

Nochmal die Sprachanalyse, sofern ich ihr mächtig bin:

„Wir müssen den Familien Entlastung und nicht Belastung zumuten und müssen auch eine Gerechtigkeit schaffen zwischen kinderlosen und kinderreichen Familien. Und wir müssen vor allem das Bild der Mutter in Deutschland auch wieder wertschätzen lernen, das leider ja mit dem Nationalsozialismus und der darauf folgenden 68er-Bewegung abgeschafft wurde. Mit den 68ern wurde damals praktisch alles das, alles, was wir an Werten hatten, es war eine grausame Zeit, das war ein völlig durchgeknallter, hochgefährlicher Politiker, der das deutsche Volk ins Verderben geführt hat, das wissen wir alle, es ist damals eben auch das, was gut war, und das sind Werte, das sind Kinder, das sind Mütter, das sind Familien, das ist Zusammenhalt - das wurde abgeschafft.“
 
Teil 1 des Zitats ist klar: die 68-er Bewegung wurde nicht abgeschafft, daher ist das "und" eine eindeutige Reihung: Im NS und durch die 68-er wurde ein Bild der Mutter abgeschafft.
Teil 2 des Zitats ist fragwürdig: Hier wäre dem Unbesonnenen tatsächlich nicht ersichtlich, ob Herman nun die Werte des 3. Reiches meint. Hätte man den Rest der Sendung, die, wie Herman glaubhaft betont, nicht herausgegeben wird, könnte man ein klareres Bild bekommen. Ich halte Hermans Hinweis auf ihr Kapitel im Buch und ihre Distanzierung für glaubhaft genug, um zum Schluss zu kommen, dass der möglicherweise zu entnehmende Doppelsinn sich bei ihr verbietet. Sie bezieht sich recht eindeutig auf die klassische bürgerliche Familie.

Sendung Teil 1 , 2 , 3 , 4 , 5 , 6.

11.10.07 21:54
 


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bisher 30 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Frank (12.10.07 08:47)
Nur weil die deutsche Mehrheitsgesellschaft selbst ein antisemitismus und nazismus Problem hat, ist dass noch lange kein Grund Eva Braun, ich wollte sagen Eva Herman in irgend einer Weise in Schutz zu nehmen. Auch das paradoxe Phänomen des Volkskampfes gegen Naziaufmärsche, wo schon mal Innenstädte von Nazis "rein gehalten" werden sollen und diese sozusagen zu Volksschädlingen werden ist kein Grund um auch nur in irgendeiner Weise für die bekennenden Nazis Partei zu ergreifen.


Verify (12.10.07 10:38)
Richtig, so macht man aich zum Apologeten verquerer Theoretiker, die das 'Wort nicht mal verdienen.


nichtidentisches / Website (12.10.07 11:33)
Frank, lies nochmal und sag mir, wo Herman im Interview eine verwerflichere Position einnimmt als Senta Berger oder JBK oder dieser krude Historikprof.
Nur weil sie ein Problem mit dem Satzbau hat, muss man nicht so tun, als sei jetzt aber mit dem Rauswurf Hermans das vierte Reich verhindert.


Tony Montana / Website (12.10.07 11:40)
"Die Focus-Redakteurin Carin Pawlak forderte im Anschluss an die Sendung dazu auf, Eva Hermans Bücher anzuzünden."

(Wikipedia-Eintragzu Eva Herman)


Leo / Website (12.10.07 12:12)
Ich bin der folgenden Meinung: http://wind-in-the-wires.blogspot.com/2007/10/ber-autobahnen-gleichschaltung-und-eva.html


Verify (12.10.07 12:37)
Die Einladung an sich war eigentlich schon ein Indiz für einen möglichen Skandal, der ganz bewusst von Kerner und Co. zur Steigerung der Quoten anvisiert wurde.

Ich gebe zu, dass mir der Rauswurf egal ist, ich sehe es als Strafe für ihr repressives Frauenbild an. Und jetzt könnt ihr mich schlagen


Stefan / Website (12.10.07 12:49)
Die gleichen Leute, die Eva Herman in Schutz nehmen, beschweren sich bei anderen, dass sie alles für den schnöden Mammon tun würden.

Die Sache ist eigentlich ganz einfach. Eva Herman stellt alberne Thesen auf, mit denen sie natürgemäß aneckt (das weiß sie auch), sie wird durch die Talkshows und Medien gereicht (auch das nimmt sie dankend in Kauf, weil es die Auflage erhöht), verrennt sich dann allerdings mit krudem Gedankengut und beschwert sich nun, dass alle ihr ans Leder wollen. Sie hat es so gewollt. So funktioniert nun mal die Medienlandschaft (übrigens auf der ganzen Welt). Sie hätte es wissen müssen. Sie kommt ja daher.

Ich unterstelle ihr übrigens gar keine rechte Gesinnung. Ich unterstelle ihr nur, dass sie total überfordert ist mit der Situation. Ich habe JBK gesehen, fand es in der Tat ein wenig inquisitorisch, allerdings hat Eva Herman auch alles dafür getan, dass es so enden musste. Wer ist sie denn überhaupt, dass sie sich anmaßt, soziologische Theman aufgreifen zu müssen, an denen schon ganz andere gescheitert sind? Ihre Bücher sind so überflüssig wie ein Kropf und wäre sie nicht Eva Herman, wäre die Auflage 0. Kein Hahn würde danach krähen.


nichtidentisches / Website (12.10.07 13:07)
Inwiefern sind ihre Thesen "albern"?


Stefan / Website (12.10.07 16:00)
Was ist daran nicht albern? Gesellschaften verändern sich permanent. Nichts bleibt wie es ist. Die Gesellschaft ist nicht die von vor 20 Jahren und die vor 20 Jahren ist nicht die von vor 40 Jahren und wird nicht die in 20 Jahren sein. Warum hat sie sich nicht das Mutterbild aus den 20ern oder das von 1887 als Beispiel genommen? Wer Stillstand mag, dem machen Veränderungen Angst. Wer akzeptiert, dass die Welt sich dreht, der kann damit umgehen. Ich gehöre einer Patchworkfamilie an. Nach Eva Hermans Thesen müsste meine Tochter alkoholisiert und verroht in der Gosse liegen. Tut sie aber nicht. Sie führt ein glückliches Leben, hat zwei leibliche Eltern, die sie zu jeder Zeit sehen kann und Großeltern, die sie ebenfalls jederzeit sehen kann, ihre Mutter ist voll berufstätig, sie lernt, selbständig zu agieren. Nach Eva Hermans Thesen dürfte es das nicht geben. Eva Herman pflegt ein sehr enges Weltbild. Schwarz Weiß eben. Dumm sind die, die darauf reinfallen. Eben Bildzeitungsniveau.


Frank (12.10.07 16:28)
Was müsste da erst aus mir geworden sein, wenn ich mir meine Familiengeschichte anschaue, die wohl so ungefähr das Gegenprinzip zu dem von E. Herman darstellt.


Frank (12.10.07 16:41)
@ nichtidentisches

Der Überschrift deines Artikels stimme ich ja voll und ganz zu. Aber auch wenn der Unterschied zwischen der Post-nazistisch „antifaschistischen“ deutschen Mehrheitsgesellschaft und bekennenden Nazis nur oberflächlich sein sollte, so bin ich doch dankbar dafür dass er überhaupt existiert. Man bezieht sich nicht positiv auf irgendetwas aus der Nazizeit, Punkt. Das hat aber Herman mit dem „ damals war auch nicht alles schlecht“ getan. Außerdem, wenn alles nur ein großes, auf Naivität gründendes Missverständnis ist, dann hätte sie das ja mit einigen wenigen Worten ausräumen können.


nichtidentisches / Website (12.10.07 21:16)
Hat sie ja auch halbwegs...
das Zitat ist auch missverständlich und etwas krude, möglicherweise schwingt da auch was mit. Sie stellt es aber halbwegs klar.


Christoph / Website (12.10.07 22:59)
Einer der wenigen guten Beiträge zum Thema. Wunderbar!


klarer / Website (13.10.07 18:15)
Nach dem Betrachten der Sendung komme ich zu dem Schluß: es sollte eine neuen anitfaschistische Parole ausgerufen werden die da heißt "Autobahn geht gar nicht" um den Gehalt der Auseinandersetzung mit dem NS - nicht nur in dieser Sendung - einmal auf den Punkt zu bringen.


klara (13.10.07 19:49)
Wie leicht das über die Lippen geht - Eva Hermann mit Eva Braun zu vergleichen, sich selbst dabei ein wenig ereifern und mit der eigenen Unschuld kokettieren.
Eva Herrmann mit ihrer konserativen Meinung und ihrer unreflektierten Wertevorstellung erschreckt mich nicht, weil diese diskutierbar ist. Trotz Ihrer aufgezwängten Rolle des Schwarzen Schafs scheint sie während der Sendung Argumenten zugänglich, wenn sie doch einfach mal welche hören könnte. Denn was ihr von ihren GesprächspartnerInnen entgegenkommt sind im Eigentlichen Gefühlsausbrüche, entschuldigt mit politisch korrekten Wortfetzen, die in der Schule auswendig gelernt und wieder halb vergessen wurden. Das bedeutet letztendlich - es wird keine Meinung ver-äußert, die mit der notwendigen Distanz diskutiert werden kann, sondern eine Wahrheit wird verkündet und mit autoritären Mitteln durchgesetzt.
Eine Wahrheit - bestehend aus den eigenen nicht zu ertragenden, deshalb abgespaltenen Gefühlen - für die nun das blonde (schwarze) Schaf herhalten muss, die sich mit ihrer Dreistigkeit gegen das feministische Einheitsgeklüngel zu argumentieren, ja eh schon als unhaltbar geoutet und sich jegliches Recht auf freie Meinungsäußerung verspielt hat.
Mich ängstigt jene Diskussionsstruktur, bei der ein bekannter Faschismusforscher, andere in ihrer Meinungsäußerung einschüchtern will, indem er sie wiederholt zur Anpassung ermahnt -"..., das können sie doch nicht meinen" oder ... das wollen sie doch nicht, oder?".
Wie umschifft man am geschicktesten und öffentlichkeitswirksamsten das Wesentliche, um weiterhin bequem einer Meinung sein zu können?


klarer / Website (13.10.07 20:14)
Gerade habe mir ich mal einen Auftritt von Mario Barth (ich glaube bei "TV-Total") angesehen: da macht er sich über einen Freund lustig, der mit seiner Freundin kocht, Städtereisen unternimmt und mit ihr spazieren geht, daß ganze läßt sich zusammenfassen mit dem Satz: der ist jetzt nicht mehr so ein richtiger Kerl, mit dem ich über Titten quatschen kann. Ich kenn den nicht wirklich, aber sympathischer als Eva Herman ist er jedenfalls nicht. Interessant auch, daß der Video- Mitschnitt, welches ich gesehen habe, genau dort aufhört, wo Hermann geht, was haben die wohl gemacht/geredet, als sie unter sich waren?


Frank (13.10.07 21:26)
Will Eva Herman Errungenschaften des 3.Reiches hochhalten, dann hat sie es nicht besser verdient, wenn nicht, dann erzählt sie trotzdem noch Quatsch den niemand interessieren würde wenn sie nicht irgendwie prominent wäre, darum sind ihre "Thesen" auch nicht "diskutierbar". Man kann sich nicht mit allem kruden Zeug herrumärgern das irgendein Wichtigtuer in der Welt verbreitet.


klara (13.10.07 22:19)
Warum nochmal sind ihre Thesen nicht diskutierbar? Vielleicht wollen sie von manchen nicht diskutiert werden, das ist aber eine andere Sache und vorallem eine subjektive Entscheidung nicht darauf einzugehen. Etwas für "Quatsch" und sie für eine prominente Wichtigtuerin zu halten ist kein Argument dafür, ihr Redeverbot zu erteilen.
Ich muss mich auch nicht herumärgern, ich tu es einfach, auch nicht gern, weil es sich aufwühlend und verunsichernd anfühlt, da hilft bei mir nur das "darüber nachdenken" und eine Diskussion wäre dabei hilfreich, allerdings eine, die auch mal nach der Bedeutung der gebrauchten Begriffe fragt. Was sind denn zum Beispiel eigentlich die Werte der Familie, des Zusammenhalts usw. - ich weiß es nicht, denn darauf wurde nicht eingegangen, außer das dagegen ja niemand was hat und wenn doch, dann nur deshalb, weil auf einmal jemand, vielleicht ungewollt, die Nähe zu rechten Ideologien aufzeigt. Huch und dann wirds heikel, reden wir lieber nicht mehr drüber, sondern lösen wir Widersprüche indem wir die Welt in Gut und Böse einteilen, dann sind wir uns ja wenigstens in einem Punkt mit der lieben Eva einig. Zusammenhalt halt ... ?


Frank (14.10.07 07:11)
Wenn morgen Ulrich Wickert ein „kapitalismuskritisches“ Werk herausbringt interessiert mich das ja auch nicht, auch wenn die Kritik der politischen Ökonomie kaum überschätzt werden kann. Genauso mit dem „Evaprinzip“. Vor allem erzählt die ja nichts neues sondern gibt nur das ganz alte und Gott sei Dank halbwegs überkommene für Zukunftsweisend aus.


emma (14.10.07 20:46)
moishe hundesohn und seine "koscher-ente" Ruth lassen grüßen: http://www.israeli-art.com/satire/hermann.htm


geschreibsel / Website (15.10.07 15:06)
@klara:"Denn was ihr von ihren GesprächspartnerInnen entgegenkommt sind im Eigentlichen Gefühlsausbrüche, entschuldigt mit politisch korrekten Wortfetzen, die in der Schule auswendig gelernt und wieder halb vergessen wurden. Das bedeutet letztendlich - es wird keine Meinung ver-äußert, die mit der notwendigen Distanz diskutiert werden kann, sondern eine Wahrheit wird verkündet und mit autoritären Mitteln durchgesetzt.
Eine Wahrheit - bestehend aus den eigenen nicht zu ertragenden, deshalb abgespaltenen Gefühlen"

Danke für diese Aussage und die explizite Formulierung. Genau das ist es was mich an der "Diskussion" und dem Eva-Rauschen im Blätterwald am Meisten irritiert.
Es fühlen sich Frauen verletzt und angegriffen und beißen um sich, ohne das Eva sie überhaupt persönlich angreift. Therapiebedürftigt ist nicht Eva, die macht grade ihre Therapie in Buchform. Therapiebedürftig scheinen mir alle die so politisch korrekt aufschreien und "Erwerbsarbeit für Frauen über alles" singen.


Frank (15.10.07 16:45)
"Es fühlen sich Frauen verletzt und angegriffen und beißen um sich, ohne das Eva sie überhaupt persönlich angreift. Therapiebedürftigt ist nicht Eva, die macht grade ihre Therapie in Buchform"

Jetzt sind wir schon per Du. Irgendwie scheinen einige Einträge hier und auch der Hauptartikel von dem Bedürfniss geleitet zu sein sich als Rächer der Verfolgten Unschuld aufzuspielen, die an dem Trouble, der sich doch schon längst wieder gelegt hat, in Form enormer Buchabsatzsteigerung eine Kompensation für ihr Martyrium erfahren hat.


nichtidentisches / Website (16.10.07 12:22)
Dass der ganze Bohei berechnendes Kalkül zur Absatzsteigerung gewesen sei, meint auch die taz und ich halte es nicht für völlig abwegig. Die Reaktionen der Publikumsgäste wirkten allerdings nicht sehr berechnet und auch Herman wäre ihre Spontanität ("jetzt geht das schon wieder los" ) abzukaufen.
Es geht m.E. nicht um die "Rache einer Verfolgten Unschuld" sondern um das symptomatische Aufflackern einer antifaschistischen Inkompetenz in dem dilletantischen bürgerlichen Versuch, dem Doppelsinn beizukommen.


Frank (16.10.07 16:54)
Auch wenn ich nicht weis was du mit "doppelsinn" meinst; mich beruhigt es trotzdem dass im Nachfolgestaat des Dritten Reiches noch so viel von Reeducation und verordneten Antifaschismus übrig ist, dass auf Eva Hermans Auslasungen, die meiner Meinung nach eindeutig mit nazistischer Ideologie sympathisieren, mit offener Ablehnung und nicht mit verdeckter Zustimmung reagiert wird.


nichtidentisches / Website (16.10.07 21:36)
Wo sympathisiert sie denn wirklich...
Antiindividualismus schön und gut, aber den gibts wie gesagt bei Aldi für 2,50 im Doppelpack.


Frank (17.10.07 07:21)
"Mit den 68ern wurde damals praktisch alles das, alles, was wir an Werten hatten, es war eine grausame Zeit, das war ein völlig durchgeknallter, hochgefährlicher Politiker, der das deutsche Volk ins Verderben geführt hat, das wissen wir alle, es ist damals eben auch das, was gut war, und das sind Werte, das sind Kinder, das sind Mütter, das sind Familien, das ist Zusammenhalt - das wurde abgeschafft.“

Verstehe ich als "die 68er hatten damals alles abgeschaft, was irgendwie mit dem 3. Reich zu tun hatte, klar das mit den Juden war nicht so gut, aber es gab eben auch Dinge die lobenswert waren damals..."


nichtidentisches / Website (17.10.07 12:52)
Frank, eine Grundbedingung für die Auseinandersetzung sollte sein, dass du auch das liest, was ich schon dazu geschrieben habe. Siehe Nachtrag:
"Teil 1 des Zitats ist klar: die 68-er Bewegung wurde nicht abgeschafft, daher ist das "und" eine eindeutige Reihung: Im NS und durch die 68-er wurde ein Bild der Mutter abgeschafft.
Teil 2 des Zitats ist fragwürdig: Hier wäre dem Unbesonnenen tatsächlich nicht ersichtlich, ob Herman nun die Werte des 3. Reiches meint. Hätte man den Rest der Sendung, die, wie Herman glaubhaft betont, nicht herausgegeben wird, könnte man ein klareres Bild bekommen. Ich halte Hermans Hinweis auf ihr Kapitel im Buch und ihre Distanzierung für glaubhaft genug, um zum Schluss zu kommen, dass der möglicherweise zu entnehmende Doppelsinn sich bei ihr verbietet. Sie bezieht sich recht eindeutig auf die klassische bürgerliche Familie."


Frank (17.10.07 14:36)
Eigentlich ist es mir ja egal und ich habe schon viel zu viele Gedanken an E. Herman verschwändet. Denoch, wer sagt denn dass ich den "Nachtrag" nicht gelesen habe? Oder meinst du so überzeugend zu sein, dass niemand auch nur auf die Idee kommen könnte eine andere Interpretation zu liefern?


sven (17.10.07 16:00)
Dass sie grammatikalischen Mist baute ist klar. Semantisch war die Sache allerdings nur zu klar - man stilisiert sie zu Eva Braun und ja, verharmlost, relativiert, vereinzelt die ganze Scheiße. Man kann doch über ihr antiquiertes Familienbild sprechen - insbesondere über den damit verbundenen missionarischen Eifer. Wie in einem Kommentar bereits geschrieben wurde: sie versucht Wahrheiten zu verkünden. Naja, letzten Endes eine der sinnlosesten Veranstaltungen ever. Eine Debatte über Form, niemals über Inhalte.


nichtidentisches / Website (17.10.07 20:29)
thx

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