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Why Democracy? – Why not, if YOU really want?

Gibney hat im Auftrag des ZDF und ARTE in der Reihe „Why Democracy – Demokratie für alle?“ (2007) die preisgekrönte Folge „Taxi to the dark side“/„Taxi zur Hölle“ gebastelt. Zeichen des europäischen Abgrenzungsbedürfnisses bricht der Beitrag vor allem Schuldprojektionen Bahn und maskiert derbsten Antiamerikanismus als oberflächlich inszenierte Aufklärung.
 
Der zweistündige Beitrag will nachweisen, dass die Regierung Bush Folter begünstigte und implizit anordnete. Das ist ein legitimes Unterfangen. In bedrückenden, wenngleich nicht besonders neuen Details arbeiten sie anhand von Zeugen und Täterinterviews Verhörmethoden heraus, die mehr als abstoßend und keiner Demokratie würdig sind. Glaubhaft machen sie auch, dass in der Regierung Bush insbesondere Cheney und Gonzalez Verantwortung tragen für die Vorgänge. Zwar erscheinen mir manche Berichte als ungereimt gedoppelt, selektiv und unnötig „geschönt“, mit drastischen Nachstellungen und subtilen musikalischen Beeinflussungsversuchen, die das Anliegen der Dokumentation verraten.
Darüber, dass Folter abzulehnen ist, dass die Ereignisse in den fraglichen US-Gefängnissen Folter waren und dass sie protegiert und begünstigt wurden, besteht von meiner Seite allerdings kein Zweifel. Dennoch ist der Beitrag ein herausragendes Beispiel, wie unter den Zwängen des derzeit üblichen linksmoralischen Engagements noch jede demokratische Empörung und jede gerechtfertigte Kritik in Antiamerikanismus verpufft.
 
Als erstes Anzeichen dessen ist die Entschuldung des Individuums zu bemerken. Die Täter erscheinen in Interviews durchweg als verlegene, ob ihren Aktionen erschrockene Menschen. Jede der Aussagen mündet in einen Verweis auf allzu vage Aufträge und Allgemeinplätze über menschliches Verhalten in Verhörsituationen. Der Film stellt das nicht in Frage, sonder baut darauf auf. Die Empfindsamkeit der Täter wird nicht dem fanatischen Wahn der Al-Qaida Folterhandbücher und der islamistischen Folterer gegenübergestellt, die nach der Tat weder schlechtes Gewissen noch Rechtfertigungszwänge behelligen. Darin bestünde tatsächlich ein substantieller Unterschied, dessen Beleuchtung relevant und interessant wäre.
 
Die zur Schau gestellte Empfindsamkeit der Täter dient vor allem der Kanalisierung von Aggressionen und Ängsten des Zuschauers: Die Tat wird auf die Auftragsgeber zurückgeführt, die mit „Erfolgsdruck“ und „vagen Angaben“ regelrecht Folter befohlen hätten. Der Widerspruch zwischen dem normalen Mensch auf der Leinwand und seiner Tat – dem sadistischen Übergriff auf einen wehrlosen Mensch – wird in der Entfernung der Schuld auf die Strippenzieher projiziert: Auf Bush, Gonzales und die bösen mächtigen Männer.
 
So sehr der Anteil dieser an der juristischen Rechtsverdrehung bemerkenswert ist, so wenig entschuldigt das die Privatinitiative einer beachtlichen Gruppe von Soldaten, die auf eigene Faust Informationen aus ihren Gefangenen herausquälten. Dass diese Folterer aber voll und ganz Opfer einer höheren Politik seien, ist nur konsequentestes deutsches Nachkriegsdogma von der Unschuld des individuellen Soldaten. Vom Individuum und seinen Widersprüchen schweigt der Film: der Makel ist allein bei den Mächtigen angesetzt. Der dem Antiamerikanismus implizite Besitzwunsch nach der militärischen Macht der USA ist auf solcherlei Spielchen angewiesen um sich in der Projektion als korrekter und darum erfolgreicher Führer der Truppen zu gefallen. Die Attacke auf die Spitzen will diese austauschen und besetzt sie im Vorfeld mit Angstlust: um diese zu stimulieren werden die Bilder von Foltervideos und Leichen (!) mehr als dutzendfach wiederholt präsentiert, natürlich stets mit dem Verweis, dass solche Bilder die islamische Wut nur steigern werden und dürfen. Der gemeinhin akzeptierte journalistische Ehrenkodex, Leichen so wenig wie möglich zu zeigen, um die Würde des Opfers zu wahren, wird hier zugunsten des Emotion-Effekts verletzt - Dokumentation wird zum Snuff.
 
Weiteres Merkmal der abgrundtiefen Gemütslage der Produzenten ist die eklatante Verharmlosung des deutschen Nationalsozialismus. Um die Genfer Konvention und deren Vorschrift für die Behandlung von Kriegsgefangenen zu begründen werden Fotos aus nationalsozialistischen Vernichtungslagern und Konzentrationslagern eingestreut und mit Filmausschnitten amerikanischer Militäroperationen kontrastiert. Die zweckrationale Missachtung der Menschenwürde durch die Folter in Afghanistan und im Irak wird so mit der völlig zweckfreien Vernichtungsorgie der Nazis in eins gesetzt und dessen Opfern als „Kriegsgefangene“ noch eine Eigenverantwortung am Elend aufgebürdet.
 
Dritter wesentlicher Punkt der Kritik ist die Rechtfertigung, ja der Aufruf zum Terror insbesondere gegen Ende des Beitrags. Mehrfach erklären unterschiedliche Personen vom amerikanischen Bürgerrechtler bis zum Folteropfer, dass durch ein solches Verhalten Terrorismus provoziert würde, ja sogar, dass die regelrechte Pflicht zur Rache auf Seiten der Islamisten bestehe. Präsentierte man eben noch John McCain als vietnamnesisches Folteropfer und inzwischen angesehenes Kongressmitglied und Gegner der Folter, erlegt einem die Logik des Films auf einmal auf, dessen menschliche Pflicht hätte eigentlich darin bestehen müssen, fortan auf Vietnamnesenjagd zu gehen und in allen vietnamnesischen Restaurants Bomben zu zünden.
 
Besonders perfide wird eine Sequenz eingestreut, in der US-Soldaten die Opfer eines Anschlags von einem brennenden Bus wegtragen, und diese Soldaten als Verursacher des Anschlags erscheinen. Dazu passt, dass jüngst auf CNN Umfragen präsentiert wurden, nach denen 25 % der jungen amerikanischen Muslime Selbstmordattentate für gerechtfertigt halten. Dieser Beitrag lässt befürchten, dass bei der nichtmuslimischen Bevölkerung mindestens gleich hohe Wertigkeiten zu erwarten sind. 
Ferner tritt dieses Phänomen in Allianz zur gängigen antiamerikanischen Meinung auf, die USA hätten den Terrorismus im Irak zu verantworten.
 
Zuletzt verbreitet der Film einige populäre Missverständnisse über die Folter: Sie liefere unbrauchbare Ergebnisse und sei somit antiquiert.
Folter liefert lediglich bei vollständig Unschuldigen und sehr gut Trainierten unbrauchbare Ergebnisse. Bei der breiten Mehrheit der Verhörten liefert sie ein relativ gut verifizierbares Informationsspektrum. In den südamerikanischen Foltergefängnissen, die bekanntlich von der CIA teilweise mitgenutzt, bzw. gefördert wurden, haben die zumeist faschistoiden Diktaturen auf diese bewährte Weise fast alle südamerikanischen Guerillas zerbrochen. Nicht nur Informationen lieferte die Folter, sondern sie drehte Insurgenten regelrecht um, war Bestandteil der Gehirnwäsche. Wer einmal durch Folter gebrochen wurde, hat von Politik zumeist die Nase voll, distanziert sich von den Kampfgefährten, macht sie für das Erlittene verantwortlich, flüchtet häufig ins Private, in Wahnsinn, in Drogen. Der durch Folter erst fanatisierte Revolutionär oder Terrorist ist eine idealisierte Ausnahmeerscheinung, Wunschprojektion zahlloser Mythologien.
Nicht wenige wurden durch die Folter tatsächlich treue Gefolgsleute des Regimes – eine dem Stockholm-Syndrom nicht unähnliche Erscheinung, Angleichung zur Konfliktvermeidung, Inversion. Somit ist Folter durchaus ein rationales und nützliches Machtinstrument, das für Herrschaftszwecke jeder Art einsetzbar ist. Zur Demokratie gehört, dass man sich die Möglichkeiten, die dieses perfide Mittel eben doch bietet, bewusst versagt. Das macht der Film allerdings nicht. Gegenrede erscheint fast nur justiziarisch, in Form von Verweisen auf Paragraphen. Die ethische Frage wird nicht gestellt, eine moralische Debatte findet nicht statt, Prozentzahlen sollen die Wirksamkeit widerlegen, Gerichtsverhandlungen Gerechtigkeit diskutieren. Dass lediglich die real existente Dehnbarkeit eines abstrakten Terminus wie „Menschenwürde“ oder „feindlicher Kombattant“ bis zur Verkehrung von den entsprechenden Stellen, darunter Bush, genutzt wurde, und dass gerade darum so etwas wie das Völkerrecht tatsächlich nichts ist, worauf man sich berufen könnte, bleibt hinter dem Appell an das Recht verborgen.
 
Aufklärung im Sinne einer ethischen Haltung zu Menschen jenseits der Setzung ihresgleichen als Mittel zum Zweck bleibt völlig außen vor. Zuletzt bleibt nach den gängigen Schlussfolgerungen der Bürgerrechtler zu fragen. Solange diese Folter skandalisieren gehe ich mit ihnen völlig d’accord. Die Empörung über Folter ist allerdings zuallermeist einem ganzen Wahngebäude eingefügt, das sie als aufgesetzt erscheinen lässt. „Bring our Boys home“ oder „USA raus aus dem Irak“ steht dann auf den Schildern, nicht „Schluss mit der Folter“. Durch diese Bigotterie machen sich gerade die, die eben noch die Rede gegen die Folter im Munde geführt haben zu deren fleißigsten Apologeten: Indem sie zum islamistischen Terror aufrufen, ihn nach Wahl mit allgemeinmenschlichem Nachempfinden oder kultureller Empfindsamkeit rechtfertigen und ihm mit dem Truppenabzug ein militärisch-politisches Feld der Reproduktion eröffnen wollen.
9.10.07 00:04
 


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