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Goyas Geister

"Der Schlaf der Vernunft gebiert Monstren".

Francisco Jose de Goya y Lucientes (1746-1828) hat nun endlich auch seinen eigenen Film bekommen. Düster und grotesk surrealistisch wird in „Goyas Geister“ die Zeit des Wiederaufflammens der spanischen Inquisition, des „limpieza del sangre“, der französischen Revolution und der wütenden Widersprüche eingefangen.

Die Kirche, von Goyas fantastischen, kritischen Tiefdrucken in ihrem Selbstbild gekränkt, beschließt die Intensivierung der Inquisition um ihren Ruf wiederherzustellen. Während einer Sitzung in Goyas Atelier behauptet sein Modell Ines beiläufig, eine „richtige Hexe“ gesehen zu haben, in Gestalt einer alten, stinkenden Frau. Goya erwidert ihr sarkastisch, er selbst sehe gerade in diesem Augenblick eine Hexe vor sich, die wunderschön sei, und nach Jasmin dufte. Ines protestiert: Sie sei keine Hexe!

In dieser harmlosen Szene verdichtet sich der dialektische Ansatz des Filmes. Ines wird selbst, weil sie bei einem Bankett ein Spanferkel verschmähte, wegen „Judaisierung“ vors Inquisitionsgericht gezerrt, gefoltert und bis zur Ankunft der französischen Truppen 15 Jahre im Kerker eingesperrt. Am Ende dieser Zeit ist sie selbst eine alte, zerschundene Frau, ihres Verstandes verlustig und an einem Stockholm-Syndrom leidend, das sie an ihren Folterknecht und Vergewaltiger Lorenzo kettet.

Die unschuldige, schöne Frau vom Beginn des Filmes ist keineswegs nur unschuldig: In einer alten Frau erblickt sie eine Hexe, macht sich zu einer potentiellen Gafferin bei dem Prozess, der dieser aufgrund ihrer Aussage gemacht werden könnte. Ihr naiver Aberglaube ist notwendiger Teil des mörderischen Inquisitionssystems, dem sie selbst zum Opfer fällt. Der Fanatismus, den Goya in seinen Bildern beim einfachen Volk in glotzenden, brüllenden Fratzen einzufangen verstand wird keineswegs nur von höchsten Gnaden, von dunklen Kirchenzirkeln befohlen. Hier wie dort sind Perversionen von stets sich unschuldig wähnenden Rädchen im System machtvolle Triebfedern der Geschichte, die doch nur das immergleiche hervorbringen.

Stets vermeidet der Film einfache Identifikationslinien mit einem der Charaktere, ohne jedoch die prinzipielle Notwendigkeit der gewaltförmigen Revolution komplett zu denunzieren. Erst durch den Einfall der französischen Truppen wird dem Inquisitionssystem endgültig der Garaus gemacht, die durch die Briten reinstallierte Variante gibt sich zumindest dem Anschein nach gemildert und auf Vergebung bedacht.
Die Erleichterung über die Auflösung der Inquisitionsherrschaft schlägt um in Entsetzen über die Brutalität der französischen Revolution, auf deren Seite sich der Inquisitor, Ines Peiniger, letztlich geschlagen hat. Dennoch, den einmal pompös vorgebrachten Glauben an die gleiche Freiheit der Menschen verrät er anders als seinen christlichen nicht einmal unter der Androhung der Folter und letztlichen Vollstreckung des Garrotierens. Von einem perversen Mönch wurde er zu einem pragmatischen Machtmensch und schließlich zu einem selbsterkorenen Märtyrer für die Glaubenssätze der französischen Revolution. Auf einem Karren durch die Gasse geschleift hält sein umnachtetes Opfer Ines ihm die Hand, umringt von einem Reigen fröhlich singender Kinder, gefolgt von einem verzweifelten Goya.

Goya selbst wird merkwürdig naiv und passiv gespielt. Er versteht sich laut Film vor allem als „Maler des Königs“, der zwar ironisch und aufgeklärt, aber gutmütig und seinen „mächtigen Freunden“ gegenüber höchst loyal eingestellt ist. Sein Verhalten steht in seltsamer Diskrepanz zu seinen Werken, weder begreift er den wahren Charakter des Inquisitors und Revolutionärs Lorenzo, noch schreitet er wirklich zur Rettung von Ines. Zwar geschockt, aber vollkommen außerhalb der Ereignisse stehend ist er allein ein Geschichtsmaler, er will dokumentieren, vielleicht das einzige, was ihm bleibt. Als die zwiespältige Figur des Inquisitormönches letztlich garrotiert wird, steht er in der Menge und zeichnet seinen Tod. Ob aus Befriedigung oder aus Entsetzen bleibt unklar. Unabhängig davon, ob der Film dem echten Goya gerecht wird, so ist er doch in sich konsistent, opulent umgesetzt und wahrlich sehenswert. Dies allein schon der zahlreichen, huldigenden Abbildungen seiner zum Heulen gewaltigen Werke wegen.

NZZ

20.11.06 00:40
 


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