Startseite
    Antiamerikanismus
    Antisemitismus
    Islamismus
    Verwaltete Welt
    Kulturindustrie
    Rassismus
    Aberglaube
    Kulturalismus
    Make a wish
  Über...
  Archiv
  African Islamism
  Gesammelte Werke
  Texte
  African witch-hunts
  Gästebuch
  Kontakt
 

  Abonnieren
 


 
Links
   Sofakunst
   Wikipedia
   Fremdwörter-Lexikon
   Marx-Engels-Werke
   Asia Times
   This is Zimbabwe
   
   Achse des Guten
   adf
   africa daily
   african studies quarterly
   african sun news
   aftershow
   against
   allafrica.com
   Antibürokratieteam
   Arabs for Israel
   Jaegerzaun
   Atlas Shrugs
   Bad Blog
   Bahamas
   What is witchcraft?
   Botschaft Israels
   ca ira Verlag
   unterdemstrich
   Camera
   classless
   ChinaDaily
   Die Jüdische
   Dissidenz
   Emma
   e pluribus unum
   Ex-Blond
   EYEontheUN
   FdoG
   Frontierpost Pakistan
   Fuchsbau
   Gripsiltis
   Haaretz.com
   Hadith Database
   honestly concerned
   Iranfocus
   iraqui bloggers central
   israel defence force
   Israel News Infolive
   Israpundit
   Ivison
   Jerusalem Post
   John Cox
   kaffe ohne sahne
   Karwan Baschi
   LittleGreenFootballs
   lizas welt
   maedchenblog
   Matthias Küntzel
   MEMRI
   Middle East Info
   myissue
   nada
   No Blood for Sauerkraut!
   planethop
   prodomo
   sandmonkey
   sozioproktologe
   spirit of entebbe
   starblog
   Telegehirn
   tous et rien
   ugly dresden
   unkultur
   WADI
   weapons of modern democracy
   western resistance
   Wind in the Wires

kostenloser Counter

Webnews



https://myblog.de/nichtidentisches

Gratis bloggen bei
myblog.de





 
Ibsens Gespenster

Klassiker wie Henrik Ibsens "Gespenster " zeichnen sich durch zeitlose Aktualität aus. Ibsen ermöglicht ein ausgezeichnetes Stimmungsbild aus der Zeit der norwegischen Aufklärungsbestrebungen. Der Adel war bereits abgeschafft, an allen Ecken Europas brach aufklärerisches Gedankengut in die kirchlichen Pfründe ein.

Die Vertreter der Aufklärung, Helene und Oswald Alving, treten in einen offenen Interessensgegensatz zur kirchlichen Prüderie. Sie verfechten freie Ehe, rationale Argumente, Bildung und Kunst gegen die Zumutungen der vernunftfeindlichen Kirche, personalisiert in Pastor Manders.

Das aufgeklärte Bürgertum erhält seine Erweiterung in einem Dienstknechtproletariat, das, auf seine eigenen Interessen bedacht, sich in ein ausschließlich instrumentelles Verhältnis zu Kirche und Bürgertum setzt und beiden Seiten je nach Ermessensvorteil andient.

Darin verborgen sind zwei zeitlose Konflikte: Die ödipale Idealisierung der Vaterfigur, bzw. im kirchlichen Rahmen, der Eltern und die Auflösung von Identitäten.

Helene trägt das materielle Erbe, die Investitionsbasis, den Brautpreis des Gatten mit sich herum, will es loswerden, um dem Sohn ausschließlich eigenes Erbe zu vermachen und auf ihren Unternehmensgeist und Autonomie als Frau zu beharren. Das Kapital als Investitionskapital wird getrennt von dem, was es an Wert unter ihrer Leitung zuzusetzen vermochte. Der Kapitalzweck findet seine Erfüllung in der bürgerlichen Rationalität. Helene Alving, die den lästigen, gescheiterten Mann als Instrument ihres unternehmerischen Genies benutzte, und dafür systematisch zur moralisch integren Gestalt aufbaute, arbeitet insgeheim darauf hin, mit der Bewahrung des Andenkens an den Mann auch seine Abschaffung zu betreiben.

Der syphillitische Gatte kommt dem ungewollt zuvor, vererbte er doch dem Sohn die Krankheit, die bei diesem das Nervensystem befallen hat und auszubrechen droht. Warum Helene davon nicht betroffen wird, bleibt ungeklärt. Möglicherweise ist ihre Kreativität, als Steigerung der kognitiven Fähigkeiten, ein typisches Symptom der Krankheit, die hier stellvertretend eintritt als Strafe Gottes oder Inzestdrohung. Der aufgeklärte Geist der Beiden kann in einer Gesellschaft keinen Bestand haben, die zuinnerst erkrankt ist. Ibsen führt hier die Rache Gottes insgeheim wieder ein und wirkt damit trotz allem affirmativ: Das Asyl zu Ehren des Vaters brennt ab, der Sohn erkrankt an Syphillis. Ersteres kann noch als eher griechische Wendung der Religiosität interpretiert werden: Die Weigerung, eine Versicherung abzuschließen bedeutete, Gott zu versuchen. Die Syphillis wird jedoch auch als Strafe Gottes an den Nachkommen interpretierbar.

Die Krankheit wirkt allerdings dadurch auch als Inzestdrohung: Die Abwesenheit des Vaters hat das Zusammenleben von Mutter und Sohn erst ermöglicht. Zu Lebzeiten musste der Sohn geschützt bleiben vor dem schlechten Beispiel, seine Idealisierung sollte den ödipalen Aufstand verhindern. Nun west die Krankheit des Vaters im Sohn fort, schwächt ihn so sehr, dass die Mutter nur noch den Zweck hat, seinen Tod herbeizuwirken. Sie, die erst die inzestuöse Verbindung mit der heimlichen Halbschwester Regine, dem Dienstmädchen, zu verhindern versuchte, droht nun selbst zur allseitigen Pflegerin des Sohnes zu werden. Dabei bekommt die Pflege durchaus gewollt erotische Konnotationen: Der Sohn erwartet "Alles" von ihr, was auch Regine getan hätte. Erst als sie einwilligt, wird das "Alles" in einen Tötungsakt umgewandelt, die tödliche Morphiumdosis beim drohenden Ausbruch der Krankheit.

Über Regine urteilt Oswald, dass es gerade ihre instrumentelle, rationale Art sei, die ihr ermöglichen würde, ihn zu töten. Die Mutter erhält schließlich dieselbe Aufgabe, weil sie als genaues Gegenteil dessen aus vollster Liebe handeln muss.

In dem Stück verborgen ist ferner die Frage nach der Identität: "Gespenster" fungieren als Ausdruck jener Vergangenheit des Individuums, die vergessen werden muss, um Identität und damit Schein aufrecht zu erhalten. Die Widerkehr des Verdrängten ist allerdings unvermeidlich, ähnlich Poes "Tell-Tale Heart" gibt es ein sich selbst rächendes Tabu. Indem die Mutter den Schein systematisch zu zerstören versucht, schafft sie jedoch in den Gespenstern nur neue Identitäten. Die Zerstörung muss das Geständnis, die Aufklärung über die Vergangenheit beinhalten, um die Gespenster zu verscheuchen. Die dadurch aus dem Schein der Identität auftauchenden Widersprüche können bei Oswald nur im Tod gelöst werden. Er verliert seinen Geist an die Krankheit und wird zum bloßen, lallenden Körper, der nach dem Willen des Geistes sterben soll.

Der einzige, der auf die Identität von Nichtidentität und Identität beharrt, ist der Pastor Manders:

Pastor Manders: "Niemals . auch nicht in meinen heimlichsten Gedanken habe ich in ihnen etwas anderes gesehen als die Ehefrau eines anderen."

Frau Alving: "Wirklich?"

Pastor Manders: "Helene!"

Frau Alving: "Man verliert sich selbst so leicht aus dem Gedächtnis."

Pastor Manders: "Ich nicht. Ich bin derselbe, der ich immer war."

Seine Identität vermag er aufrechtzuerhalten, weil er Gott als Zwangsidentität aller Widersprüche, seiner eigenen Wünsche wie seinen moralischen Geboten, aufrecht erhält. Dem gegenüber steht ein an ihrer Geschichte bewusst arbeitendes Individuum in Helene Alving und ein der Knechtschaft durch Prostitution entrinnendes Individuum in Regine, die vermutlich dem gleichen Fluch der Krankheit erliegen wird.

Der Sohn Oswald vermag die Aufspaltung in Körper und Geist, bzw. den Tod des Geistes nur mit dem Tod des Körpers zu beantworten, er setzt seinen Tod in Abhängigkeit von Anderen aus freien Stücken: Wo er kein kreatives, schaffendes, aufgeklärtes, liebendes Individuum mehr sein kann, ist er lieber nicht mehr und versinkt in der Anbetung des erlösenden Todes als "Sonne" des Morphiums. Die Knechtung des Geistes und des Körpers durch die Kirche als Vertreterin einer externalisierten Herrschaft über beide erhält ihren Gegenspieler in der Trennung des Geistes vom Körper, die letztlich als vermittelte Identität im Tod wieder zur Einheit wird und damit auch Freiheit bedeutet: Wo der Körper den Geist mit ins Verderben zu ziehen vermag, erhält dieser die Freiheit, dem vorzugreifen und seine Herrschaft über den Körper zu behaupten.

Ibsen greift damit dem "short century" vorweg, das dem Individuum vor Augen führte, dass es schlimmeres als den Tod gibt. Anders als Heidegger, dem das tödliche Räsonieren zum Tode zum Tod des Räsonierens führte, beharrt Ibsen auf der Herrschaft des Subjekts über seinen Körper, und letztlich auf der Vollendung der Liebe im zugelassenen Aufgeben des Objekts, die Erfüllung der Liebe in der Erfüllung des Freiheitswunsches des jeweils Anderen.

30.8.07 10:48
 


Werbung


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


Die Datenschuterklärung und die AGB habe ich gelesen, verstanden und akzeptiere sie. (Pflicht Angabe)

 Smileys einfügen
s



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung