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Die Butler-Bibel

 

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In Kooperation von Bad Blog und Nichtidentisches soll in den nächsten Tagen und Wochen der nicht mehr ganz neue Reader „AS-ISM_2“ des Antisexismus-Bündnisses-Berlin dem Spaltpilz der Kritik ausgesetzt werden. Dazu gibt es individuelle Beiträge zu verschiedenen Elementen des Readers. Jeder Beitrag steht für sich, eine blogübergreifende redaktionelle Bearbeitung fand nicht statt. Wir hofften dadurch, der Emanzipation eine Bresche zu schlagen, die Eindimensionalität ihrer Gegner und falschen Verfechter bloßzustellen, und letztlich uns selbst gegen Zumutungen zur Wehr zu setzen, die uns im Namen der Dekonstruktion aufgenötigt werden.
 

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Die Butler-Bibel

Der Dekonstruktivismus ist eine Religion, die ihre Anhänger über ihre Grundbedingungen hinwegzutäuschen vermag, ohne sie je dem Gefühl des Mangels auszusetzen.

Den Fanatismus der charismatischen Bewegung der Dekonstruktivisten am eigenen Leib erfahren kann, wer es wagt, auf einer Gender-Blurparty ohne Transgenderverkleidung aufzukreuzen. Flugs wird zwangsgeschminkt, eine Plastik-Boa gespendet oder doch zumindest manch böser Blick geworfen, von denen, die sich qua Lidschatten von Sünden der Heteronormativität befreit haben. Travestie, so hat man gelernt, ist politischer Ausdruck des Widerstandes gegen das Regime der heterosexuellen Matrix.

Ebenso gibt man sich der exotistischen Vorstellung hin, Schwule, Lesben und Transsexuelle würden ständig Parteys als Drag-Queens in Amsterdam feiern, überhaupt viel hipper als Heterosexisten sein und den Zwängen der Gesellschaft ein Schnippchen geschlagen haben. Die Spielmarke ist aufgeklebt und verheißt Eintritt ins Glück: Dieser kostete schon den Steppenwolf den Verstand. Der Katzenjammer danach wird verleugnet als drohender Rückfall in die Heteronormativität, und jeder Kritiker des Konzepts gilt schon als Sexist und überhaupt nicht zeitgemäß. Wie Dershowitz es ausdrückt:

Many of the same people, who correctly insist on greater ‚diversity’ based on gender, race and ethnicity seek homogeneity of viewpoints. […] The last thing they want is diversity of viewpoint, especially on issues of gender, race and politics.

Das dieser charismatischen Bewegung zugrundeliegende Evangelium, Judith Butlers „Gender Trouble“ fasst die a.g.gender-killer in „Das Unbehagen der Geschlechter“ – Für Queer-Einsteiger_innen zusammen. Lustigerweise geht man davon aus, dass der Text nicht verständlich genug sei, verschweigt aber, warum dies so ist: Weil Judith Butler als Poststrukturalistin offenbar jegliche Struktur in einem wissenschaftlichen Text ablehnt, dem interessierten Leser gegenüber eine selten unverschämte Missachtung entgegenbringt und stets, wenn sie einmal etwas ausformuliert hat, noch ein „anders formuliert“ nachschiebt. Stilistisch also ein redundantes Machwerk, das sich ständig wiederholt und bei dem man sehr lange brüten muss, bis man herausfindet, wo Butler gerade referiert, kritisiert oder gar eine eigene Position entwickelt. Die Faszination Butler generiert sich wohl zu nicht geringen Teilen aus den idealisierenden Identifizierungen ihrer fanatischen Anhänger.

Wo die feministische Bewegung weibliche Vorbilder sucht und ins Zentrum der Beachtung rücken will, kommt eine wie Butler gerade recht: Aufmüpfig, das alte verwerfend, auf den Muff wetternd, und am besten: viele postmoderne Spezialbegriffe einbauen, die den Außenstehenden Respekt einflöße sollen. Das ist nicht zu verwechseln mit den klassischen Fremdworten. Diese stehen in jedem Fremdwortlexikon. Adorno beispielsweise kann kaum eine unsaubere Sprache vorgeworfen werden: die Begriffe, die er verwendet mögen viele verunsichern, sie sind zumeist seit Jahrhunderten üblich in der Philosophie und sie beziehen sich auf eine Realität. Anders Butler und die Postmodernen: Sie entwerfen neue Begriffe, die deshalb Popanz sind, weil sie auf einem Nichtwissen anderer Begriffe und Realitäten aufbauen.

Vollmundig behaupten nun die Gender-killer, Judith Butler sei „in aller Munde“, und an ihren Werken nicht vorbeizukommen, wenn es um Themen wie „Sexismus“ und „neuerdings gender“ gehe. Gender, ein Begriff wie ein alter Putzlumpen, längst in den EU-Gremien angekommen und in allen staatlichen Broschüren und Forschungsaufträgen konform, ist so neu wie die Nachricht, dass der Mond aus Käse besteht. Auch eine Kritik am Sexismus wird man überall finden, nur nicht bei Butler. Konkrete Ereignisse wie sexuelle Gewalt interessieren sie nicht, wie später zu sehen ist.

Die Gender-killer, sich schon dem Namen nach positiv mit dem Kastrationsakt identifizierend, um drohenden Konflikten mit Überich-Instanzen aus dem Wege zu gehen, zeichnen nun in ganz naiver Sprache Butler nach:

Im bisherigen Feminismus waren „die Frauen“ als Kollektiv das politische Subjekt. D.h. es gab den Anspruch oder die Idee, es gäbe „die Frauen“, die alle gleichermaßen von einem universellen Patriarchat unterdrückt wären. Seit den feministischen Debatten in den 80ern wird jedoch davon ausgegangen, dass nicht alle Frauen gleich, sondern in ganz unterschiedlicher Weise von Sexismus betroffen sind. Eine schwarze Frau z.B. anders als eine weiße, eine Lesbe anders als eine Hetera usw.

Das ist zunächst einmal ein Schlag ins Gesicht aller aufgeklärten Feministinnen und Feministen der vergangenen Jahrhunderte. Da wird der esoterische Ökofeminismus mit all seiner Matriarchatsforschung als alleiniger Vertreter des Feminismus gehandelt, als habe es Emma Goldmann genauso wenig gegeben wie Rosa Luxemburg, die Suffragetten oder andere aufgeklärte Vertreter der Bewegung. Was vom Ökofeminismus übernommen wird, ist die Annahme, man lebe nach wie vor unter einem „universellen Patriarchat“. Allein: Dessen Kategorien sind zu grob gefasst, man braucht mehr Schubladen, um genau das voranzutreiben, was Butler doch eigentlich kritisieren möchte: Dass Festigen von Identitätskategorien im Rahmen der Triple-Opression.

Bezeichnend für Butler, wie für ihre Anhänger, ist der logische Zirkelschluss, der von einer unbelegten Grundannahme ausgeht, um daraus formallogischen Humbug zu zaubern. Das offenbart sich schon in den einfachsten Vorraussetzungen der Gender-killer:

Ein Problem ist, dass ein Subjekt immer ein geschlechtliches Subjekt sein muss. Subjekte sind überhaupt nur Subjekte, weil sie eine feste Geschlechtsidentität besitzen; andernfalls wären sie gesellschaftlich nicht als Subjekte anerkannt.

Merkwürdig. Ist in der modernen bürgerlichen Gesellschaft gemeinhin die menschliche Existenz festgeschrieben als Grundbedingung des Status als Rechtssubjekt, können Transsexuelle ebenso einkaufen wie Richter werden, haben sogar Tote ein Recht auf Totenruhe, halluzinieren die gender-killer auf einmal eine Instanz, die prüft, ob ein Geschlecht vorhanden ist, und bei fehlendem Geschlecht den Subjektstatus aberkennt. Die Frage, ob Menschen überhaupt Subjekte ihrer Geschichte sind, oder ob sie vielmehr Subjekt-Objekt eines objektiven Verwertungsprozesses sind, entsteht für die gender-killer gar nicht.

Die Kapitalisten der englischen Industrialisierung interessierten sich für das Geschlecht der Arbeiter nur insoweit, als innerhalb der notwendigen und zugleich mit Bevölkerungswachstum und Rationalisierung überschrittenen Reproduktionssphären Kinder billiger waren als Frauen und Frauen billiger als Männer. Alle zusammen sperrte man mal mit Gewalt, mal mit dem Zwang der unsichtbaren Hand in Kohleminen, Ziegelgruben oder trieb sie von der Straße in working-houses. Engels konstatiert in der „Lage der arbeitenden Klasse in England“:

In vielen Fällen wird die Familie durch das Arbeiten der Frau nicht ganz aufgelöst, sondern auf den Kopf gestellt. Die Frau ernährt die Familie, der Mann sitzt zu Hause, verwahrt die Kinder, kehrt die Stuben und kocht. […] Ist die Herrschaft der Frau über den Mann, wie sie durch das Fabriksystem notwendig hervorgerufen wird, unmenschlich, so muß auch die ursprüngliche Herrschaft des Mannes über die Frau unmenschlich sein. (MEW2:369ff)

Wo Engels allein aus aufgeklärtem Rationalismus den logischen Schluss zieht, dass die erlittene ökonomische Gewalt jeden Menschen unabhängig vom Geschlecht in seinen Worten „kastriert“ so sehen die gender-killer von ökonomischen Zwängen der Unterdrückung und der Möglichkeit ihrer Aufhebung oder Verschiebung gänzlich ab.

Solches Unverständnis von Gesellschaft schlägt sich notwendig in Magie nieder:

Das ist für Butler deswegen so, weil sie einen ganz bestimmten Begriff von Sprache hat. Sprache ist bei ihr nicht einfach ein Medium, das die Welt außerhalb der Sprache beschreibt, sondern sie ist performativ, d.h. sie konstruiert die Welt erst so, wie sie ist. Sie bringt die Dinge erst hervor, weil sie die Wirklichkeit, bzw. die Wahrnehmung der Wirklichkeit konstruiert.

Von Dialektik keine Spur. Wie Zauberer schreiten die Menschen durch die Welt, sagen hier Frau, dort Mann und poff! steht dort eine Frau oder ein Mann aus dem Nichts. So einfach ist die Hexerei des Dekonstruktivismus. Der böse Diskurs, und hier bei Butler primär der feministische, trennt angeblich „sex“ und „gender“ und kann daher „sex“ nur als zweigeschlechtlich denken. Gender müsse demnach auch immer schon auf dieser Bipolarität gründen. Als würde neben den Löwen, Ameisen und Tigern noch „das Tier“ herumlaufen, als würde der Begriff der Blume ein Monstrum aus Veilchen, Akelei und Rose meinen, ist eine Verallgemeinerung den Dekonstruktivisten bereits die Erschaffung einer Realität. Sie stellen Marx vom Bücherregal auf den Kopf und behaupten dann, er würde Hegel heißen.

Und weil die gender-killer deshalb nicht so recht wissen, was an dem falschen Ganzen wie zu kritisieren ist, fragen sie ganz richtig noch mal nach:

Was ist an der Zweigeschlechtlichkeit und der binären Opposition nun scheiße? Sie basiert auf Ausschlussmechanismen für alle diejenigen Identitäten bzw. Körper die aus dem Raster fallen, die ihm nicht entsprechen, z.B. keine Eindeutigkeit aufweisen, sich nicht eindeutig zuordnen lassen. Dahinter steckt ein bestimmter Begriff von Identität bzw. Subjekt, der von Butler stark kritisiert wird, weswegen Butlers Theorie auch oft der Postmoderne zugeordnet wird, die auch Kritik an festen geschlossenen Identitäten übt. Feste geschlossene Identitäten basieren immer auf Ausschluss, und nur solche festen Identitäten bekommen einen Subjekt- bzw. Personenstatus zugesprochen. Außerdem ist für Butler das denken in binären Oppositionen ein typisches Kennzeichen der modernen westlichen abendländischen Philosophie, Wissenschaft, Kultur, etc. Darunter fallen zentrale Begriffe wie Natur/Kultur, weiblich/männlich, Gefühl/Verstand, Emotionalität/Rationalität, Materie/Geist. Dieses Denken an sich ist Teil eines dualistischen Denkens, und wird von Butler als patriarchal und die dahinter stehende Bedeutungsökonomie als maskulin charakterisiert.

Man möge sich das vor Augen führen. Zuerst alle Identitäten und binären Dualismen in Bausch und Bogen verwerfen, und dann eben dieses Denken als patriarchal und die dahinterstehende Bedeutungsökonomie als „maskulin“ charakterisieren. Mag zwar das Opfersubjekt nicht in „den Frauen aufgehen“, so geht doch das Tätersubjekt in „den weißen Männern“ auf. Die Konstrukteure des Geschlechts sind männlich, irgendwie, basta. Und Kritik daran ist simpel, Widerstand einfach: Kayal und Rock, Hose und falscher Bart:

Bei drag gibt es einen Widerspruch zwischen dem Geschlechtskörper, der z.B. als ein männlicher wahrgenommen wird und der performance, die eine weibliche ist. Es entsteht eine Irritation in der Wahrnehmung. Und der Betrachter ist irritiert darüber, welche Geschlechtsidentität diese Person wohl haben mag: Fühlt er/sie sich nun als Frau oder als Mann? Diese Geschlechterverwirrung oder Irritation ist für Butler subversiv und kann als politische Strategie eingesetzt werden.

Ob es nun subversiv ist, dass ein Nazi sich heimlich als Frau verkleidet, oder eine Antisemitin sich breitbeinig hinsetzt und herumgröhlt, ist doch zumindest sehr fraglich. Klar ist: Man braucht von Politik ebenso wenig Ahnung haben wie von Gesellschaft: gender-killer lesen und gender-blur-party feiern, der Rest ergibt sich schon von alleine. Immerhin fügen die gender-killer noch eine kleine Depeche an die Kritik an: Butler sei wahrnehmungsphilosophisch und vielleicht nur auf Randgruppen bezogen, sie befasse sich nicht mit sexistischer Gewalt und ökonomischen Ungerechtigkeiten.

Wahr, wahr, aber warum dann ihre Werk als „zentralsten Text für die gesamte Entwicklung der gender studies“ hagiographieren? Etwa um eine Kritik an ihr zu entwickeln? Vielmehr, um Kritikfähigkeit vorzutäuschen. Kritiker des Konzepts, die essentielle Teile des Werkes in Frage stellen, werden gemeinhin als phallogozentrische Exekutoren des epistemologischen Regimes, also fast so schlimm wie Pädophile, wahrgenommen.

Grundsätzlich ist Butler, orthodox gelesen, auf dem richtigen Wege, was nicht weiter schwer ist, denn der Weg dahin ist kaum zu verfehlen. Dass eine gesellschaftliche Praxis den „Effekt des Natürlichen erzeugt“, eine Aura des „Ursprünglichen“ und der „Unvermeidlichkeit“ (1990:9) ist zunächst eines der wesentlichen Inhalte der Wertformanalyse. Mit Scheit (2001:10) zu sprechen:

Die Methoden der unsichtbaren Hand beruhen zum Teil auf magischen Kräften: sie macht ihre eigenen Vorraussetzungen unsichtbar – das ist das Wunder des Kapitals und die Zauberei der politischen Ökonomie. Die Vergangenheit ist im Bewußtsein des bürgerlichen Subjekts wie ausgelöscht, die Gegenwart in Natur verwandelt.

Davon hat Butler schon gehört und sie verweist diesbezüglich auch auf Marx (1990:61) und Engels (1990:65). Jedoch scheitert Butler an der von ihr verschmähten Dialektik (1990:8), weil sie das Sein aus dem Bewusstsein entspringen lässt. Nicht Dialektik, sondern Genealogie ist ihr Anliegen.

Vielmehr erforscht die Genealogie die politischen Einsätze, die auf dem Spiel stehen, wenn die Identitätskategorien als Ursprung und Ursache bezeichnet werden, obgleich sie in Wirklichkeit Effekte von Institutionen, Verfahrensweisen und Diskursen mit vielfältigen und diffusen Ursprungsorten sind. Die Aufgabe der vorliegenden Untersuchung ist, sich auf solche definierenden Institutionen: den Phallogozentrismus und die Zwangsheterosexualität zu zentrieren – und sie zu dezentrieren. (1990:9)

Im weiteren Verlauf bemüht sich Butler nach Kräften, die diffusen Ursprungsorte in ihrer Diffusität zu belassen. „Macht“ kann als Synonym für diese Diffusität ebenso herhalten, wie jeder andere Begriff, der ein ödipales Unbehagen erzeugt. Ihr Obskurantismus mündet, wie später zu sehen ist, rasch in Dämonologien.

Butlers Anliegen ist scheinbar, der Ontologie entgegenzutreten, und den Befund einer von je natürlichen Geschlechtsidentität zu kritisieren. Das Nichtbegriffliche mit Begriffen aufzutun ist nicht das schlechteste Anliegen, sondern nach Adorno „die Utopie der Erkenntnis.“ Was aber kommt bei dem ganzen heraus?

Anstatt auf das Nichtidentische zu verweisen, das Begriffe von je zeitigen, entstehen Begriffsmonstren, die genau den Anspruch haben, solches Nichtidentische angemessen zu repräsentieren, Verweise auf das immer weiter zu bestimmende im Individuum, die damit nicht einem Besonderen im Allgemeinen Respekt zollen, sondern Allgemeinen von je nicht mehr denken lassen wollen. Das im AS.ISM verwendete Wort „Transgenderfrauenlesbenqueeretc.“ ist nur ein Mangel an Abstraktionsfähigkeit, der zwanghafte Versuch, es dem Begriff mit einem Antibegriff gleichzutun. Mit Reflexion hat das nichts zu tun. Auch Butler widerspricht ein solches Vorgehen nur scheinbar.

Diese schließt vom richtigen aufs Falsche:

Es wäre falsch, von vornherein anzunehmen, daß es eine Kategorie „Frauen“ gibt, die einfach mit den verschiedenen Bestandteilen wie Bestimmungen der Rasse, Klasse, Ethnie und Sexualität gefüllt werden muss, um vervollständigt zu werden. Wenn man dagegen die wesentliche Unvollständigkeit dieser Kategorie voraussetzt, kann sie stets als offener Schauplatz umkämpfter Bedeutungen dienen. Die definitorische Unvollständigkeit der Kategorie könnte dann als normatives Ideal dienen, das von jeder zwanghaften Einschränkung befreit ist. (1990:35)

Dadurch entsteht jedoch eine Tautologie: Entweder es ist alles miterwähnt, dann ist die Kategorie nicht unvollständig, oder sie ist unvollständig, und dann ist sie nicht von jeder zwanghaften Einschränkung befreit, sondern lediglich ein notwendig unzulängliches Mittel. Butler kann dieses Arbeiten mit Unzulänglichkeiten nicht denken, und wähnt daher eine Befreiung von „jeden“ zwanghaften Einschränkungen durch die Kategorie, auf deren Unvollständigkeit reflektiert wird. Der Zwang wird schon durch Reflexion auf den Zwang aufgehoben. Das ist genau das Gegenteil dessen, was Adorno anstrebt: Das von den Begriffen gezwungene mit Begriffen zu eröffnen, ohne es ihnen gleichzutun. Dazu müsste man der Entfaltung des Widerspruches zuneigen. Butler will das Nichtidentische im Begriff allein durch Reflexion auf die Unvollständigkeit aufgehoben wissen. Von einem konkreten Objekt wäre dann abzusehen.

Weil Butler Marx auf den Kopf stellt, wird fürderhin nicht mehr um Macht und Recht gestritten, sondern der Begriff, die Kategorie, wird zum substanzlosen Schauplatz des Kampfes um Gleichberechtigung. So generiert sich eine Ersatzbefriedigung, die mit dem Binnen-I schon gesellschaftliche Verhältnisse umgewälzt sieht, und sich spröde macht gegen das reale Leid von Frauen als Vertreter der Kategorie. Die Konsequenz ist, dass Frauen nicht mehr als Frauen wegen ihrer schlechteren Bezahlung streiken, sondern dass sie sich darüber empören, als Frauen bezeichnet zu werden. Und noch nicht einmal den Akt der diskriminierenden Sprache thematisiert Butler: Sie will auf dem Strukturalismus Leví-Strauss aufbauend weitermachen, ohne dessen Annahme, dass Gesellschaft in einer Grammatik aufgehe, zu verwerfen: Wie ist eine Veränderung des Seins zu denken, wenn Sprache nur das Sein reproduziert? (1990:70, 72) Das ist die zentrale Frage Butlers: Eine Sprache zu entwerfen, die einem normativen Sein recht nahe kommt, um von dieser korrekten Sprache, bzw. dem Sprechen, zu erwarten, dass es die Realität magisch ins Positive verwandle. Das geht nur, wenn man wie der Strukturalismus annimmt, dass Sprache alles ist.

Wenn Butler nun vorschlägt, mit wechselnden Identitäten zu agieren, um die jeweils anstehenden Ziele ('gleichgültig welche') zu erreichen, und gleichzeitig darauf beharrt, dass diese offen bleiben, wird von dem abgesehen, das diese Identitäten negativ produziert: Der Diskriminierung als Frau, Jude, Schwarzer, etc.

Die Beliebigkeit der Zielsetzung ist maßgeblich für die weitere Bearbeitung der Butlerschen Ideologie.

Die Schöpfungslehre

„Im Anfang war das Wort.“

Weil Butler aus dem Nichtidentischen die differance als Diskrepanz zwischen „Signifikant und Signifikat“ macht und absehend von äußeren Umständen dieser differance schon zuspricht „alle Referentialität zu einer potentiell schrankenlosen Verschiebung“ zu machen (1990:70), gibt es wie bei Heidegger letztlich keine geschichtliche Tat und kein notwendig falsches Bewusstsein mehr. Politik soll vom Aushandeln der Interessensgegensätze in die Vervielfältigung von Geschlechtsidentitäten verwandelt werden. (1990:218) Nicht die Unnatürlichkeit jeder Geschlechtsidentität als Identität (vom status quo) oder als Sublimierung (vom status ante), sondern die Unnatürlichkeit der Geschlechterbinarität soll dabei enthüllt werden.

Das Absehen von einem Subjekt, das der Strukturalismus mit seinem Totalitätsphantasma Sprache ermöglicht, findet sich in in einem Absehen vom infantilen Subjekt in Butlers psychoanalytischen Erwägungen wieder. So interessant es sein mag, mit Butler in der Homosexualität die Melancholie – die Bewahrung des Objekts – zu entdecken, der Heterosexualität jedoch die Trauerarbeit – die Aufgabe des Objekts – zuzusprechen, so vernachlässigend ist die Freud-Lektüre Butlers in Bezug auf das infantile Subjekt. Weil sie diesem nicht zugestehen will, ein eigenes Interesse zu haben, weil sie den Narzissmus als Kraft in diesem Konfliktfeld herausimpft, von Penisneid (außer einem (angeblich) nicht spricht und den Kastrationskomplex in seinen multiplen Formen weitgehend ignoriert, stürzt sie sich auf Randbemerkungen bei Freud, die dann als „Lesart“ Bestand haben dürfen, ohne jeden Bezug zur psychoanalytischen empirischen Erfahrung oder gegenläufigen Modellen Freuds und seiner Nachfolger.

Ihre Frage nach dem Begehren, nach den Instanzen, nach der produktiven Kraft des Inzesttabus schließen die Frage nach der Geschlechterdifferenz aus: Den Moment, in dem das Kind unabhängig von seinem wie liberal auch immer auftretenden Elternhaus, erkennt, dass es nicht intakt ist, und ein anderes braucht, um sich zu reproduzieren. Das Kind, das sich selbst als narzisstischen Phallus gesetzt hat, will diesen Phallus aus sich selbst heraus zeugen, ein Kind koten, es durch Verschlucken hervorbringen, bis es entdeckt oder darauf gestoßen wird, dass dazu etwas anderes zwingend notwendig ist: Das jeweils andere Geschlechtsteil, über das es nicht verfügt. Um sich selbst als Phallus zu setzen zu können, ist das Anerkennen des heterosexuellen Aktes als Grundbedingung seiner Existenz notwendig. Der Penisneid ist auf diesem Prozess des Anerkennens ebenso notwendige Begleiterscheinung wie die Kastrationsangst des Jungen. Beide münden in ein Verdoppeln des Phallus: Mit Waffen, Puppen, Stöcken, Büchern, Worten, Taten, Bildung etc.

Butler verschweigt mit der Notwendigkeit des heterosexuellen Aktes zur Zeugung und seiner Bedeutung für die Konzeption von Heterosexualität die Aggressivität des Kindes. Das Inzestverbot bewirkt bei ihr lediglich Trauer oder Melancholie, produziert gleichsam verdrängte Homo- und zwanghafte Heterosexualität.

Dass das Inzestverbot auch Kastrationslust erzeugt, das Zerstören dessen, was von der unmittelbaren Reproduktion und der verworfenen Quelle der oralen Lust abhält, bzw. von Repräsentanten dieses Verbots, kommt bei ihr nicht zur Sprache, weil das hieße, dem Kind einen Subjektstatus einzugestehen, das es aufgrund der Omnipotenz der Sprache und der zu geißelnden Konstruktion nicht haben darf.

Das Butler-Evangelium

Die Erlösung des Individuums, das sich identisch denken will und muss, um bestehen zu können ist Butlers Anliegen. Nach dem Kern von Homosexualität, Inversion, Heterosexualität und den darin innewohnenden Zwängen der Gewalt, die Aggressivität hervorbringen, zu fragen, ist Butler zu schnöde, denn das hieße, allen Subjekten eine Imperfektion, einen Mangel zu unterstellen. Bei Butler sollen sich alle gut fühlen dürfen, wie sie sind. Butler weiß bei ihrem heterogenen Ansatz nicht zu bestimmen, was denn nun pathologisch an Sexualität sei. Ob zu ihren vervielfältigten Geschlechtsidentitäten neben den Polymorph-Perversen, Invertierten, Homosexuellen, Heterosexuellen etc. auch Pädophilie, Nekrophilie, etc. als unterdrückte Geschlechtsidentitäten hinzutreten dürfen, bleibt offen. Vernunft, und sei es eine falsche, ist bei Butler nur als totale denkbar, weil es in ihren strukturalistischen Grundvoraussetzungen so etwas wie ein falsches Ganzes nicht geben kann.

Identität kann in falschen Zuständen, in denen feindliche Interessen und Widersprüche gegeneinander antreten, ich-synton sein: sie ist das einzige Mittel zur Aufrechterhaltung von Handlungsfähigkeit, und falsches Bewusstsein ist damit auch notwendig falsches, solange das Individuum nicht mit diesen Widersprüchen versöhnt ist, oder sie positiv aufzuheben weiß. Wie der den Naturgewalten ausgesetzte einen Gott oder die Gewalten selbst als Götter anfleht und in diesen eigene Ängste und Wünsche aufgebahrt weiß, um bestehen zu können, muss Butler den Individuen die Sprache als Gott vorsetzen, in die sie ihre Wünsche nach Aktion und Veränderung projizieren können. Das macht sie da attraktiv, wo identitäres Verhalten aus auseinanderklaffenden Widersprüchen sich speist. Über die Widersprüche muss dann bei Butler nicht geredet werden: Sie will Identitäten durch Vervielfältigung und Ausweitung stabilisieren. Was sie stabilisiert, ist falsches Bewusstsein von der Krise im Subjekt.

Die Butler-Apokryphen

Weil der Butler’sche Widerspruch, Sprache einerseits als repräsentative Totalität aufzufassen und andererseits mit der Sprache über diese Totalität hinauszukommen, scheitern muss, vollzieht sie doch stets aufs Neue das Abtauchen ins Konkrete. Dies stets dann, wenn es darum geht, ein geheimes Subjekt verantwortbar zu machen: Etwa ein „Bündnis zwischen Medizin und Rechtsprechung“ (1990:59) oder, immer vage und willig: Die Macht.

Dabei gleitet sie zum einen in Exotismus ab, wenn sie vermutet, dass die Frau im strukturalistischen Konzept des Frauentausches wie in der Realität ein „Verbindungsterm“ sei, ein bloßes Objekt. Frauen können trotz dieses Tausches Subjekt-Objekt sein. Auch innerhalb des Tauschgesetzes ist subversives (nicht notwendig revolutionäres) Handeln möglich. Etwas VON den Frauen wird im Akt der Exogamie mit ihnen getauscht und sie versuchen es sich nach Kräften real und in der Phantasmagorie zurückzuholen. Die Mythen der für den Strukturalismus wesentlich zur Hand genommenen Amazonasindianer bieten dafür reichhaltige Beispiele in den Erzählungen von lustvollen Ehebrecherinnen, Göttergattinen und weiblichen Geistwesen. Das setzt unter Umständen die patriarchale Beschädigung nur fort. Keinesfalls ist es jedoch möglich, nur von Objekten zu sprechen.

Zum Anderen wird Butler explizit projektiv, wenn es darum geht, für konkrete Zustände Ursachen aufzuzeigen. In „Gefährdetes Leben“ (2005) fährt sie einen Antisemitismusbegriff auf, der in sich antisemitisch ist und mit „sekundärer Antisemitismus“ bezeichnet werden kann.

Hier tun sich die Abgründe auf, die man an ihrer Theorie nur mühsam erahnt.

Butler ist eine notorische Verfechterin von Boykottaufrufen gegen Israel und bemüht zu diesem Zwecke, und nur zu diesem, ihre jüdische Herkunft. Wer wie Lawrence Summers Boykottaufrufe und antiisraelische Stimmung im Allgemeinen als dem Antisemitismus möglicherweise anheim fallend bezeichnet, dem wird vorgeworfen, ein Redeverbot aufzustellen, Zensur aus Gewissensangst zu üben und überhaupt dem Antisemitismus Vorschub zu leisten. Neben mehreren Israel-Nazivergleichen jammert sie darüber, dass die Welt den Mord an Niklas Berg, der mit einer Axt vor laufender Kamera exekutiert wurde, weil er Jude ist, als Abschlachten bezeichnet wird. Palästinenser, so Butler, würden unermesslich darunter leiden, dass sie ihre Behandlung nicht ebenfalls als abschlachten bezeichnet wissen dürften.

In welchem Ausmaß hat die Weigerung, den Tod von Palästinensern als „Abschlachten“ zu verstehen, eine maßlose Wut auf Seiten der Araber erzeugt, die irgendeine legitime Anerkennung und Lösung für diesen anhaltenden Gewaltzustand suchen? (2005:31)

Nicht konkretes Leid interessiert Butler, sondern das Sprechen darüber, wie es bezeichnet wird. Tod ist ihr ein schlimmes Übel, der Tod von Juden hingegen ist zu verschmerzen, geht es doch um Hegemonien und Bedeutungsträger der Gegenmacht und als solche kommen Juden von je nicht in Betracht. Nicht Israel interessiert sie, sondern wie man es möglichst als Nazi bezeichnen kann, ohne selbst als Antisemit beschimpft zu werden. Das erstere ist bei Butler legitime Kritik, das letztere Zensur durch die Macht. Den Begriff des Antisemitismus wähnt sie als wirksame Waffe gegen naziflaggenschwenkende Synagogenzerstörer. Wie immer ist Sprechen ihre einzige Realität: Nicht nur will sie Nazis durch Beschimpfen bekehren, nein, wer Antisemitismus als Antisemitismus bezeichnet, nehme dem Schimpfwort die Wirkung, schwäche den Begriff.

Auch anderen Phänomenen als dem Furor der antisemitischen Volksgemeinschaft in Palästina kann Butler etwas Positives, Erhaltenswertes, abgewinnen. Weil der Westen böse ist, Kriege macht, die USA und Israel als Macht durchsetzt, müssen die von diesen Bösen als Böse Bezeichneten gut sein. Der Kulturalismus, der Vielfalt will, braucht das Feindbild wie der Papst die Bibel.

Darüber hinaus versucht sie [westliche feministische Theorienbildung], gleichsam eine sogenannte „dritte Welt“, ja einen „Orient“ zu konstruieren, indem sie unterschwellig die Geschlechter-Unterdrückung als symptomatisch für eine wesentlich nicht-westliche Barbarei erklärt. (1990:19)

Nicht-westliche Barbarei darf demnach nicht mehr kritisiert werden, weil die westliche Barbarei dazu kein Recht hat. Im harmonischen Chor der Barbareien findet sich bei Butler, die angeblich Identität und Zwangsheterosexualität kritisiert, eine Lobeshymne auf die Burka. Sie hat einen islamistischen Vortrag besucht und gibt kritiklos wieder:

Ein paar Tage später besuchte ich eine Konferenz, auf der ich einen Vortrag über die wichtigen kulturellen Bedeutungen der Burka hörte, darüber, wie sie für die Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft und Religion, zu einer Familie, einer umfangreichen Geschichte von Verwandtschaftsbeziehungen steht, daß sie eine Übung in Bescheidenheit und Stolz, einen Schutz vor Scham symbolisiert und daß sie auch als Schleier wirkt, hinter dem und durch den weibliche Handlungsfähigkeit wirken kann. Die Sprecherin fürchtete, daß die Zerstörung der Burka, so als sei diese ein Zeichen der Unterdrückung, der Rückständigkeit oder sogar des Widerstandes gegenüber der kulturellen Moderne selbst, zu einer erheblichen Dezimierung islamischer Kultur führen würde und zu einer Ausbreitung von US-amerikanischen kulturellen Annahmen, wie Sexualität und Handlungsfähigkeit zu organisieren und darzustellen seien.

Das gilt ihr als Opposition gegen amerikanische Fotos, die Frauen beim ersten Lüften der Burka zeigen. Diese sind für Butler Konstruktionen des Anderen und die Rechtfertigung von Krieg, der, wie man gemeinhin sich mit allen einig weiß, schlecht ist. Gut ist bei Butler die Burka, denn sie ermöglicht weibliche Handlungsfähigkeit und symbolisiert Schutz vor Scham, einer zentralen Absicht in Butlers Werk: Was sich als unvollkomen geboren fühlt, soll sich gut fühlen, anstatt diese Unvollkommenheit als Hinweis auf die notwendige Gesellschaftlichkeit der eigenen Existenz zu begreifen.

Butler versteht unter Gesellschaft einen kulturalistischen Popanz, in der allerdings einige Vertreter einer Kultur keinerlei Existenzberechtigung haben: die USA, Israel und die heterosexuelle Matrix. Deren Argumente kann sie nicht anerkennen, weil sie sich für ein Sprechen über Realitäten abseits kruder Konstrukte taub gemacht hat. Die Totalität der Sprache geht mit totalitärem Denken im Mäntelchen des Pläsierchens konform. Mit Kritik an Homophobie oder zu eng gefassten Geschlechterkategorien hat das nichts zu tun.


Literaturauswahl:

Butler, Judith: „Das Unbehagen der Geschlechter.“ (1990). Suhrkamp, 236 Seiten.

Butler, Judith: „Gefährdetes Leben“. (2005). Suhrkamp, 177 Seiten.

Riedel, Felix: „Das Gerücht als Diskurs. Judith Butlers postmoderner Antisemitismus.“ In: Bahamas 48/2005, S. 53f.

Scheit, Gerhard: "Die Meister der Krise - Über den Zusammenhang von Vernichtung und Volkswohlstand." Freiburg 2001: ca-ira. 223 Seiten

28.2.05 17:13
 


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bisher 52 Kommentar(e)     TrackBack-URL


nichtidentisches / Website (27.8.07 15:30)
Ich möchte an dieser Stelle nochmal jedem davon abraten, myblog zu wählen, wenn er Spaß am Layouten hat. Leider ist in der Mitte nach wie vor ein Absatz in gesperrter Schrift. Es ist fast unmöglich, hinter die Bugs und Automatismen der Funktionen zu kommen. Über Beratung diesbezüglich freue ich mich.


kuki / Website (27.8.07 19:26)
Wie wärs mit einer Auswanderung zu "blogsport.de"?


nichtidentisches / Website (28.8.07 09:29)
Ui, Umzug ist knifflig...


sammelsurium / Website (28.8.07 13:49)
Ehm, Deinen Umzug zu Blogsport kann eigentlich keiner wollen.

Nach den ersten Absätzen hab ich echt keinen Bock mehr, diesen Schund zu lesen, Du glänzt mit Unkenntnis so ziemlich aller Themen, die Du da anschneidest. Wisch Dir mal den Sabber vom Mund und hetz ein bisschen weniger. Dann gelingt Dir vielleicht auch eine Auseinandersetzung in der Sache, ohne Dich im Hass auf - aus Deinem Blickwinkel - Andersartige zu ergehen.


nichtidentisches / Website (29.8.07 08:55)
Hui, mal wieder einer der Leute, die genau das, was sie selbst als Alltagspraktik vollziehen auf andere projizieren. Wo bleibt deine Auseinandersetzung mit der Sache?


nichtidentisches / Website (29.8.07 08:58)
1. Ich lese nichts zu Ende, was mich stört, weil es anders ist.
2. Ich finde es aber einfach so scheiße und deshalb muss der Typ ja einen Hass auf Andersartige haben...


sammelsurium / Website (30.8.07 20:14)
Genau. Und deshalb löscht Du meine Antwort, witzig.


nichtidentisches / Website (31.8.07 10:25)
Das is die Kommentarfunktion von myblog. Die erlaubt nur eine bestimmte Anzahl an Worten. Lange Kommentare müssen aufgeteilt werden. Kann ich nix für, ich weise mehrfach darauf hin.
Ich lösche prinzipiell nur den ärgsten Mist, Lysis mal und dann noch mal zwei andere. Ansonsten bin ich sehr auf Seiten des amerikanischen Prinzips der Redefreiheit.
Manchmal funktioniert die Kommentarfunktion auch nicht, einfach immer kontrollieren, ob der Kommentar steht. Und gut zwischenspeichern.


sammelsurium / Website (31.8.07 11:23)
Ja. Ein Grund mehr, diesem Text und Deine Fremd-Projektionen nicht zu debattieren. Bringt ja eh nix.


nichtidentisches / Website (1.9.07 17:28)
Was du bislang nicht ein Stück ausprobiert hast, arroganter Idiot. So was Eingebildetes kommt einem selbst in diesem Business selten unter.


(3.9.07 12:47)
Lieber Nichtidentisches,
man/frau könnte es in Betracht ziehen sich mit der Sache auseinander zu setzen, allerdings fehlt dafür eine entscheidende Grundbedingung. Dafür hättest du dich erst einmal mit der Sache auseinandersetzen müssen. Ich gebe sammelsurium Recht und glaube ebenfalls, dass es überhaupt nichts bringt sich hier mit deinen Unzulänglichkeiten zu beschäftigen. Du hast einen Gestus am Leib der an Überheblichkeit, Arroganz und Resistenz kaum zu überbieten ist. Du behauptest alles im Griff zu haben und von allem Wissen und Kenntnis zu besitzen, aber es ist alles erstunken und erlogen. Von Philosophie über Logik bis hin zu den Sprachwissenschaften. Du weißt über nichts Bescheid, aber sprichst von allem und worüber du sprichst, darauf pochst du auch noch. Das du jetzt noch sammelsurium Projektion unterschieben möchtest ist einfach nur lächerlich. Beinahe alle deiner Vorwürfe gegenüber Butler treffen nur zu gut auf dich selbst zu. Du bist sozusagen der Meister der Projektion.Unbelegte Prämissen , schlechter Stil , unsaubere Sprache, Texte nur vom hören kennen u.s.w. . Schreib erstmal einen Text bei dem es sich lohnt zu diskutieren dann hörst du vielleicht auch mal wieder was von mir.
So long
Ollie
P.S. : Wenn du nicht mehr Wort und Begriff verwechselst klappt es vielleicht auch mal mit Adorno


nichtidentisches / Website (3.9.07 20:09)
Achja. Wie soll ich denn sowas ernst nehmen? 20 Zeilen lang hättest du die Gelegenheit mir auch nur EIN Beispiel anzuführen, wo ich konkrete Mängel habe. Stattdessen ein Wust von Allgemeinplätzen, die auf jeden Text geworfen werden könnten, der einem gerade nicht passt.
Und natürlich hast du recht. Ich nähere mich Butler von einem Standpunkt, der lediglich einige Werke Adornos, ein bisschen Nietzsche, Marx und Allgemeinphilosophie sowie etwas kärgliche Lebenserfahrung aufweisen kann, und nicht von einer C4-Professur, die dafür bezahlt wird, ein Jahr lang intensive Literaturrecherchen anzustellen. Spricht das dagegen, Kritik in den Ring zu werfen?
Die Mahnung, mehr zu wissen, ist eine billige. Am konkreten Text hätte ich gerne eine konkrete Mängelliste, dann erst kann ich sagen: Ja, ich habe das aus gutem Grund geschrieben, oder Nein, da müsste ich tatsächlich nachbessern und recherchieren...


sly_von_voigt (31.1.08 18:20)
Kindisch dieser Schmarn. Gibts analog zu den Emo- und Britneyforen, die immer dann hart einschlagen wenn von ihrer Privatsekte die Rede ist, auch ein Butlerforum das sich dann mal eben aufs infantilste wehrt?
Das Infantile scheint überhaupt sehr gut zusammenzugehen mit dem ganzen Genderhype. Das kann man besonders gut in dem Film Gendernauts sehen (http://tinyurl.com/375xhb [imdb]).
Ich würde mal ganz vorsichtig vorschlagen dass, möchte man seine Identität Dekonstruieren/verqueeren, man erst mal verstanden haben muss was es heißt das man bereits eine zugeschrieben bekommen hat.
Dann passiert einem auch nicht so eine Behauptungswut wie oben.


ollie (7.3.08 17:55)
Lieber Nichtidentisches,
„Zur Bedeutung des Palituchs habe ich sehr wohl eine These an Ort und Stelle aufgestellt, nämlich die, dass dadurch einem ambivalenten Bedürfnis nach Identität und Distinktion, Kollektiv und konformistischer Revolte Ausdruck gegeben wird“ „...die simple These aufgestellt, dass eine antisemitische Linke dieses Symbol einer antisemitischen Gruppierung begeistert wegen der antisemitischen Aussage aufgegriffen hat und darum künftig rebellisches Verhalten durch dieses Symbol ausgedrückt werden soll.“ Das sind zwei Behauptungen ohne stützende Thesen. Meilenweit entfernt von dem was mensch im allgemeinen so Argument nennt. Aber selbst diese einfachen Thesen, wurden durch andere Beispiele der Bedeutung falsifiziert, oder zumindest erweitert, was von dir folgte waren Beleidigungen. Desweitern lautete meine Frage doch warum hat es diese Bedeutung, nicht was für eine Bedeutung hat es. Das ist alles andere als eine Basis für eine angemessene Diskussion. Drei Methoden hast du dann doch genannt. Warum hast du nichts davon angewandt, sondern dich auf bloße Behauptungen zurückgezogen?


ollie (7.3.08 17:56)
falscher thread
kannste löschen


Laura / Website (25.3.08 11:08)
"Ist in der modernen bürgerlichen Gesellschaft gemeinhin die menschliche Existenz festgeschrieben als Grundbedingung des Status als Rechtssubjekt, können Transsexuelle ebenso einkaufen wie Richter werden, haben sogar Tote ein Recht auf Totenruhe, halluzinieren die gender-killer auf einmal eine Instanz, die prüft, ob ein Geschlecht vorhanden ist, und bei fehlendem Geschlecht den Subjektstatus aberkennt."

ich kenne eine frau, der wurde beugehaft angedroht, weil sie nicht binnen der vorgeschriebenen 2 wochen einen vornamen für ihr kind angab, aus dem eindeutig das geschlecht hervorgeht. "alex" wäre zB nicht gegangen, denn das könnte ja ein bub oder ein mädel sein.

soweit ich informiert wurde, wurden bislang nur in uk einschlägige gesetze geändert. in den meisten staaten MUSS das geschlecht in das staatliche geburtenbuch eingetragen werden.

und es stellt sich halt auch die frage, SEIT WANN transsexuelle richterInnen werden können.

-- lese den text demnächst zuende, jetzt keine zeit. bin schon gespannt


nichtidentisches / Website (25.3.08 21:30)
"ich kenne eine frau, der wurde beugehaft angedroht, weil sie nicht binnen der vorgeschriebenen 2 wochen einen vornamen für ihr kind angab, aus dem eindeutig das geschlecht hervorgeht. "alex" wäre zB nicht gegangen, denn das könnte ja ein bub oder ein mädel sein."

Und das ist nicht gängige Rechtspraxis, sondern anfechtbar. Maria ist ein völlig gängiger zulässiger Vorname für Jungen seit Jahrhunderten, Carl Maria von Weber beispielsweise. Ein Dorfgericht ist noch nicht der Zustand der bürgerlichen Gesellschaft, auch wenn es manchmal den Anschein hat.


Laura / Website (26.3.08 08:37)
maria - nicht als erster vorname, nur als 2., was ja auch bei dem dir genannten bsp der fall ist.

ich saug mir das nicht irgendwo raus, ich hab das u.a. studiert - legal gender studies. einer namensänderung geht ein ganzer schwulst von verfahren voraus, bestätigungen, dass man _krank_ ist etc.
wie gesagt: nur in england ist es seit kurzem erlaubt, einen geschlechts_neutralen_ vornamen zu tragen, ohne dafür pathologisiert zu werden.

das ist gängige rechtspraxis. so wie es auch gängige rechtspraxis _war_, dass gatten ihren frauen die erwerbsarbeit untersagen konnten, und im 'notfall' auch gerichtlich vorgehen konnten.

mich würde mal interessieren, wo bei dir der bürgerl. staat/gesellschaft beginnt. denn es wurden ja nicht nur frauen viele rechte abgesprochen. auch die judenemanzipation gab es 'nur' weil jüdinnen und juden rechte _nicht_ zugestanden wurden.

wenn dieser bei dir ende des 18. jh beginnt, liegst du bzgl deiner einschätzung, dass _alle_ als rechtssubjekte anerkannt wurden, leider _ganz_ falsch.


Laura / Website (26.3.08 08:45)
in ö wurden in den 1980ern die letzten patriarchalen elemente aus den gesetzen entfernt, etwa ehegesetz, in d erging schon in den 1950ern ein urteil des verfG, es dauerte aber bis in den 70er, bis die haarstäubendsten paragraphen entfernt wurden.

übrigens: dass butler grundlagen der matriarchatsforschung übernahm, ist falsch. vllt nützt es ja was, wenn du dir feministischen studien 1993 mit dem butler-schwerpunkt durchliest, dann kriegst du ne ahnung davon, wie sehr differenzfeministinnen butler hassen.

zu nennen wäre vielmehr althusser. kommt in deinem text aber nicht vor.


nichtidentisches / Website (26.3.08 10:01)
Hi. Das mit der Namensgebung erscheint mir deshalb etwas merkwürdig, weil ich ziemlich viele Leute kenne, die etwa Luca heißen oder nichtdeutsche Namen tragen, die auf den ersten Blick nichts über irgendwelche Geschlechtszugehörigkeit verraten. Ich dachte, es sei so ziemlich alles möglich außer Bin Laden und Hitler, also Namen, die das Wohlergehen des Kindes beeinträchtigen, aber vielleicht gibt es tatsächlich diese Lücke. Dass die bürgerliche Gesellschaft perfekt ist, bin ich sehr weit davon entfernt zu behaupten.
Allerdings ist es in der bürgerlichen Gesellschaft möglich, patriarchales Erbe auf friedlichem Weg zu beseitigen, etwa die Vergewaltigungsgesetze auch auf vergewaltigte Männer anwendbar zu machen, was bis vor kurzem nicht der Fall war und erstritten wurde - u.a. über zahllose Gerichtsgänge.
Abgesehen davon möchte ich aber bestreiten, dass von der Namensgebung für ein Kind (ob nun Natara, Kitara oder Karlheinzrummeniggeerwinowitsch) dessen Freiheit essentiell abhängt. Wichtig ist, ob eine Person, die beispielsweise als Frau geboren ist, durch äußere Umstände zu Arbeiten gezwungen ist, die ihr jegliche Emanzipation verweigern. Namensgebung ist ein extrem narzisstisch besetzter Vorgang. Ich sehe mir gerade die Geburtsanzeigen in der Oberhessisschen Presse an: "Talon Agamemmnon Zeno Mehring".
Ob Talon oder Zeno nun ein männlicher oder weiblicher Name sein soll, ist mir relativ unersichtlich. Das Beispiel zeigt eher ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Distinktionsgewinn über das Kind. Und der ist zu kritisieren, wie auch die Umgebung, die den Namen eines Kindes als Grund nimmt, über es lachen zu dürfen.


Laura / Website (26.3.08 10:32)
hallo!

"Wichtig ist, ob eine Person, die beispielsweise als Frau geboren ist, durch äußere Umstände zu Arbeiten gezwungen ist, die ihr jegliche Emanzipation verweigern."

ja. aber genauso: wichtig ist, dass eine person, die zb als frau geboren wurde, nicht durch äußere umstände davon abgehalten wird, sich durch arbeit (nicht gleichzusetzen mit _lohnarbeit_) zu betätigen.

die aufklärung hat viel versprochen, aber nicht alle versprechen gehalten. gleichheitsfeministinnen haben lange, lange dafür gekämpft, diese versprechen auch für frauen wahr werden zu lassen. am beginn steht de gouges, mit ihren forderungen.
dass die frauenbewegung(en) dabei auf so manchen abgeweg geriet, kann nicht bestritten werden (siehe zb planert, frauenbewegungen und nationalismus).

dass es in der bürgerl. gesellschaft möglich ist, patriarchales erbe _prinzipiell_ friedlich zu beseitigen, bezweifle ich dann doch. die liste der frauen, die in der psychiatrie landeten, dürfte sich nicht allzu kurz gestalten.

ich habe das gefühl, dass du 200 jahre ausblendest. frauen waren lange nichts rechtsfähig.


Laura / Website (26.3.08 10:33)
so ne beschissene kommentarfunktion hier, du solltest umziehen. jetzt weiter.

zur freiheit: das ist doch gar nicht der punkt. der punkt ist, und da hat butler recht, und vor ihr auch schon teresa de lauretis, dass man mann oder frau sein muss, um anerkannt zu werden. denk doch einfach mal an intersexuelle.

"Gender, ein Begriff wie ein alter Putzlumpen, längst in den EU-Gremien angekommen und in allen staatlichen Broschüren und Forschungsaufträgen konform, ist so neu wie die Nachricht, dass der Mond aus Käse besteht."

der begriff stammt natürlich nicht von butler, sondern ist 0815-sprache, im englischen gab es diesen begriff schon lange. gayle rubin hat ihn dann anfang der 70er in ein sex-gender-modell eingebaut:


Laura / Website (26.3.08 10:33)
ich zitiere mich mal selber

Mit Einführung der sex-gender-Trennung sollte der von BiologistInnen immer wieder behauptete Kausalzusammenhang zwischen körperlicher Ausstattung und sozialer Positionierung entkräftet werden (Lorey 1995: 25).
[...]
Doch bereits in den 1980ern wurde feministische Kritik an der sex-gender-Trennung vernehmbar (de Lauretis 1996 [1987], Hagemann-White 1988; Hark 2005: 45f), zunächst jedoch nur am Rande und weitestgehend ungehört (Gildemeister/Wetterer 1992: 203). Der Vorwurf aus den eigenen Reihen lautete, auch die sex-gender-Trennung sei latent biologistisch: „In ihrer Annahme, zwischen biologischem und sozialem Geschlecht unterscheiden zu können und zu müssen, blieben sie immer noch biologistisch, denn sie mußten einen – meist diffus abgegrenzten – Teil der kulturellen Vorstellungen über Maßgebliches der Geschlechterzuordnung als ‚Natur’ festschreiben, um davon die bloß anerzogenen Eigenschaften und Erwartungen trennen zu können“ (Hagemann-White 1988: 29f). Bei der sex-gender-Trennung handle es sich lediglich um eine Verschiebung des Rekurses auf die Natur, doch dabei bleibe der „universelle Status“ des „biologischen Rohmaterials“ (Villa 2000: 56), welches der Sphäre von Gesellschaft und Kultur vorgelagert sei, weiterhin bestehen (Krüger-Fürhoff 2005: 68ff; Hark 2001: 355f; Lorey 1993: 10)."


Laura / Website (26.3.08 10:39)
die eu-gremien verwenden den begriff ganz _anders_ als butler zB. gender mainstreaming argumentiert zumind. implizit differenzfeministisch. butler aber definitiv nicht.

"Die Kapitalisten der englischen Industrialisierung interessierten sich für das Geschlecht der Arbeiter nur insoweit, als innerhalb der notwendigen und zugleich mit Bevölkerungswachstum und Rationalisierung überschrittenen Reproduktionssphären Kinder billiger waren als Frauen und Frauen billiger als Männer."

engels hat sich aber doch zum patriarchat sehr deutlich geäußert. bebel auch. (zweiter rutscht dann aber manchmal ins bevölkerungspolitische ab.)

im kapitalismus ist es eben schon wichtig, dass da ne person ist, die die reproduktionsarbeit vornimmt, also die schäden, die durch die lohnarbeit entstehen, heilt. unbezahlte reproduktionsarbeit eben.


Laura / Website (26.3.08 10:41)
was hältest du von derlei:

„Die Wissenschaft vom Menschen drang seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert von der Betrachtung der Körperoberfläche immer mehr ins Innere des Körpers vor und schrieb jene soziokulturellen Hierarchien zwischen ‚Männern’ und ‚Frauen’, ‚Gesunden’ und ‚Irren’, ‚Normalen’ und devianten ‚Kriminellen’, ‚Zivilisierten’ und ‚Wilden’, ‚Schwarzen’, ‚Juden’ und ‚Nicht-Juden’ in die Strukturen des Körpers ein, die sie dann dort zu ‚entdecken’ glaubten.“ (Planert 2000a: 551)

so, jetzt muss ich lohnarbeiten. ciao.


Laura / Website (26.3.08 10:55)
ah, nur noch schnell ein beispiel für den komplex "race", class, gender: der historikerinnenstreit.

"race": annette kuhn und co haben behauptet, _die_ frauen seien opfer des ns gewesen, verfolgte. ähnlich, aber nicht ganz so krass, auch bock (1986). das ist natürlich topfen, ums mal drastisch auszudrücken: die rampe kannte kein geschlecht (bzw nicht so, wie sich das die forscherinnen vorstellten). "arische erbtüchtige" frauen und jüdinnen gleichermaßen als verfolgte darzustellen, ist jenseitig, und es ist u.a. der feministischen us-historischer claudia koonz zu verdanken, dass damit nun (fast) schluss ist.

beispiel class: die exekution der frauendienstpflicht im ns - es wurden idR nur arbeiterinnen eingezogen.

gruß, laura


nichtidentisches / Website (26.3.08 20:29)
"dass man mann oder frau sein muss, um anerkannt zu werden. denk doch einfach mal an intersexuelle."

Nö. Man muss es nicht "sein". Es gibt zahlreiche Beispiele von privat Schwulen und Transsexuellen, deren Berühmtheit ohne ihre geschlechtliche Bestimmung zu denken wäre. Und Transsexualität wurde zugleich ein Medium für den Exotismus, weil sie von je her fetischistisch besetzt war. Das spiegelt sich in Gemälden wieder, bis hin zu deutlich effeminierten Kostümen und Zoten im Barock und den Dandys. Knechte und Mägde galten ohnehin nicht als heiratsfähig, ihr Geschlecht war völlig zweitrangig für ihren Werdegang.
Insofern macht Gender Trouble genau das Gegenteil von dem was es zu behaupten vorgibt. Es schreibt eine einseitige undifferenzierte Geschichte von monotoner Patriarchalität und binärer Sexualität, die es in dieser Weise gab, jedoch nicht derart vorherrschend.
Transsexualität mag in vielen Gesellschaften ein Tabuthema sein. Onanie oder Atavismen sind das nicht minder.
Die Unterschiede, die sie "zu entdecken glaubten" sind zu trennen in abgeleitete und faktische: Weiblichkeit ist so wenig nichtexistent wie schwarze Haut. Im Übereifer des Gender Troubles wird dann sogar die Sucht nach Unterschiedlichkeit in einer Totalität, die Unterschiede nur noch als Schein zulässt, zu einer Leugnung der Unterschiedlichkeit im Behaupten der Nichtexistenz von Kategorien, die auch den queeren Differenzen gerade zu grunde liegen.


nichtidentisches / Website (26.3.08 20:32)
Die durchaus diskutable und berechtigte Forderung der queers ist, den Status Intersexuell als dritte Kategorie rechtlich zu verankern.
Was Butler will, ist über die Intersexualität, das queere, Subversion zu verbreiten. Das kann sie nur wirkungsvoll einfordern, wenn sie das binäre System zur Totalität erhebt - in Absehung von eben dem, was der Behauptung eine Wahrheit verleiht: Diskriminierung aufgrund biologischer Eigenschaften wie eben Intersexualität. De facto kann sie nichts über den cultural lag oder prinzipielle Vorraussetzungen von Identitätsbildung in den kapitalistischen Gesellschaften sagen.


nichtidentisches / Website (26.3.08 20:37)
"im kapitalismus ist es eben schon wichtig, dass da ne person ist, die die reproduktionsarbeit vornimmt, also die schäden, die durch die lohnarbeit entstehen, heilt. unbezahlte reproduktionsarbeit eben."

Und genau jener Engels beschreibt an genau dem angegebenen Ort um 1840 Zustände, in denen Männer diese Rolle übernehmen - was ihn zu besagtem Zitat veranlasst.
Die ganze Literatur ist u.a. voll von caring men - vom Minnesang über die Eunuchen in den Harems bis hin zu reinen Männergesellschaften, Goldrausch am Yukon etc.
Weil aber Ambivalenzen im Gefüge der Butlerfans nicht denkbar sind, geraten dialektische Momente zur Identität und Widersprüche werden munter vertüncht.


Laura (26.3.08 20:38)
"Mann, bist du fähig, gerecht zu sein? Es ist eine Frau, die dir diese Frage stellt, und zumindest dieses Recht nimmst du ihr nicht. Sag mir, wer hat dir die unumschränkte Herrschaft verliehen, mein Geschlecht zu unterdrücken?"

http://olympe-de-gouges.info/
Erklaerung-der-Rechte-der-Frau-und-Buergerin.
htm#rechte


nichtidentisches / Website (26.3.08 20:41)
Aber fasse doch nochmal zusammen, was deine These ist und wie du auf mein hoffentlich als solches verständliches Gegenargument eingehen möchtest.

Dass die Frauenbewegung kein monolithischer Block sind, ist schon klar.


Laura / Website (26.3.08 22:16)
"Es gibt zahlreiche Beispiele von privat Schwulen und Transsexuellen, deren Berühmtheit ohne ihre geschlechtliche Bestimmung zu denken wäre."

"Knechte und Mägde galten ohnehin nicht als heiratsfähig, ihr Geschlecht war völlig zweitrangig für ihren Werdegang."

die rede war doch von der _bürgerlichen_ gesellschaft. also von der gesellschaft, in der die freiheit zu heiraten gegeben war. zuvor kannte man auch noch nicht das uns heute bekannte geschlechtermodell.

"Es schreibt eine einseitige undifferenzierte Geschichte von monotoner Patriarchalität und binärer Sexualität, die es in dieser Weise gab, jedoch nicht derart vorherrschend."

dass butler andauernd auf irgendwelche patriarchatstheorien rekurs nehmen würde, ist zumindest mir unbekannt. und wenn dann sicher nicht auf eine _einseitige_, im gegenteil, die benennt ja "race" und class. so ist es zB für theoretikerinnen wie butler klar, dass ein "schwarzer" mann schlechter da stand als eine "weiße" frau. damit widerspricht sie aber den hardcore-patriachal-theoretikerinnen.

foetsetzung folgt


Laura / Website (26.3.08 22:23)
"Weiblichkeit ist so wenig nichtexistent wie schwarze Haut."

schau, genau deshalb unterscheidet man im englischen sex/gender. weil die deutsche sprache diese feinheiten nicht kennt. "weiblichkeit" ist gender. was du meinst: es es gibt _biologische_ geschlechtsmerkmale. =sex.
ich kenne einige biologische frauen, die sind männlich. und umgekehrt. auch ich bin schon als "kerl" bezeichnet worden, einfach nur, weil ich mich in diskussionen nicht zurückhalte, wie man das von ner frau erwarten würde (sex-gender --> entsprechung) - die beleidigung (so war das natürlich formuliert, als abwertung) hat mich nicht getroffen.


(26.3.08 22:31)
"Die durchaus diskutable und berechtigte Forderung der queers ist, den Status Intersexuell als dritte Kategorie rechtlich zu verankern."

nein, sie wollen alle kategorien abschaffen.

"Was Butler will, ist über die Intersexualität, das queere, Subversion zu verbreiten. Das kann sie nur wirkungsvoll einfordern, wenn sie das binäre System zur Totalität erhebt [...]"

ich glaube, du bringst den transsex-(pathologie-)diskurs mit butler durcheinander. ?

idenitätsbildung im kap: ich _glaube_, das setzt sie vorraus, da ja kapitalismus & binäres geschlechtermodell eng verwoben sind. das uns bekannte geschlechtermodell verbreitet sich erst in der zeit der aufklärung. (deshalb auch mein de gouges-link.)

"Die ganze Literatur ist u.a. voll von caring men - vom Minnesang über die Eunuchen in den Harems bis hin zu reinen Männergesellschaften, Goldrausch am Yukon etc."

vielleicht, weil man das, was nicht so oft vorkommt, eher beschreibt. würde zur theorie der nachrichtenwerte passen
afrika - andauernd gemetzel, fast nie in den medien, europa - fast nie gemetzel, dann aber around the clock in den medien.


(26.3.08 22:35)
meine these? - würde ich gar nicht so nennen. ich belass' es bei einem: butler kann man kritisieren, aber du schmeisst gleich 4/5 des feminismus über bord, indem du etwa ennimmst, frauen seien in der bürgerlichen gesellschaft/im bürgerlichen staat gleichgestellt. das entspricht den historischen fakten einfach nicht.

dann meine ich noch, dass du übersiehst, dass gerade in deutschland von einem nationalbürgerlichen projekt gesprochen werden muss. und dass gerade in d das private nicht politisch war/ist, da es mit der bevölkerungspolitik verwoben ist.

gruß, laura


nichtidentisches / Website (27.3.08 10:16)
Ich behaupte nicht, dass Frauen auf gesellschaftlicher Ebene gleichgestellt sind. Auch ich fordere gleichen Lohn für gleiche Arbeit, allerdings unter der Prämisse der emanzipatorischen Organisation derer, die mehr Lohn einfordern. So ists nun mal im Kapitalismus: Wer sich nicht organisiert, wird beschissen, wers tut, auch.
Rechtlich sind Frauen allerdings bis auf letzte Lücken gleichgestellt und ich würde behaupten, dass alle Institutionen vorhanden sind, um auf bürgerlichem Wege, also via Wahlen und Organisation, Abhilfe zu schaffen.
Butler greift nicht Kategorien an, sie tut nur so. In Wirklichkeit erhebt sie doch Forderungen nach einer Politisierung des Queeren und damit einer Stärkung dieser Kategorie, die behauptet keine zu sein, und es doch um so mehr ist.
Aber dennoch, zwischen Butler selbst und ihrer Anhängerschaft klaffen schon Welten. Zur Kritik an ihr selbst verweise ich nochmals auf den zweiten Teil des Textes, ich habe den Eindruck, da wurde doch das meiste schon diskutiert.


Laura / Website (27.3.08 14:29)
"In Wirklichkeit erhebt sie doch Forderungen nach einer Politisierung des Queeren"

1. das queere ist politisch. oder wie nennt sich das, wenn menschen nur aufgrund ihrer sexuellen orientierung massiv abgewertet werden tagtäglich? fällt das jetzt in die kategorie "private spässchen"?
2. butler ist definitiv gegnerin einer queeren bewegung, die das queere vereinnahmt. so wie sie auch gegen eine bewegung "der" frauenbewegung ist. und genau deshalb wurde ihr auch vorgeworfen, eine apologetin des liberalen individualismus zu sein.

denn was sich heute viele feministinnen fragen, ist doch: kann es nach butler überhaupt noch eine frauenbewegung geben? oder ist alles, was über eine genderparty hinaus geht, abzulehnen, weil sonst nur die kategorien reproduziert werden? quasi: ich kann immer nur für mich sprechen, nicht für "die frauen".


Laura / Website (27.3.08 14:36)
"Rechtlich sind Frauen allerdings bis auf letzte Lücken gleichgestellt und ich würde behaupten, dass alle Institutionen vorhanden sind, um auf bürgerlichem Wege, also via Wahlen und Organisation, Abhilfe zu schaffen. "

aber das ist doch naiv. wenn es _so_ einfach wäre, dann hätten wir doch in allen möglichen bereichen andere gesetze.

"Zur Kritik an ihr selbst verweise ich nochmals auf den zweiten Teil des Textes, ich habe den Eindruck, da wurde doch das meiste schon diskutiert. "

der israel-teil? ja, kotz. das müssen wir nicht debattieren.

--

interessant wäre ja, sich mal genauer anzuschauen, inwieweit dieses verwerfen der aufklärung durch die rezeption foucaults bestimmt ist, und wer sich alles der foucaultsche theorie bedient (die ja auch was für sich hat, da und dort). die neue rechte macht das ja auch ganz gern.


nichtidentisches / Website (27.3.08 22:17)
"aber das ist doch naiv. wenn es _so_ einfach wäre, dann hätten wir doch in allen möglichen bereichen andere gesetze."

Nun, nicht zuletzt aufgrund eben der Zähigkeit von feministischen Organisationen wurde noch Ende der 90-er der Vergewaltigungsparagraph geändert und einige andere recht nette Sachen eingeführt. Mitnichten abgeschlossen das alles, nur nicht vorschnell aufgeben. Und in Bezug auf Arbeitskampf ist es ohnehin Humbug, auf Gesetze zu bauen: Da hilft nur Organisation, Streik und harte Verhandlungen.

Was Butler unter anderem macht, ist die privaten Späßchen, wenn man Sexualität als solche bezeichnen mag, mit einer Subversivität aufzuladen, die ihnen nicht zukommt und über jene Diskriminierung hinaus verweist. Hach, ich bin es müßig mich zum 10ten Mal in ihren Text zu vertiefen, um die relevanten Zitate rauszusuchen aus ihrem Wust an Geschwalle. Daher tritt die Diskussion hier aufgrund mangelnden Ehrgeizes meinerseits auf der Stelle. Ich freue mich, dass du mit mir trotzdem diskutierst, würde mich sehr freuen, wenn du eine ausführliche Kritik meiner Kritik verfassen würdest, evtl. auf deinem eigenen Blog? Sag mir Bescheid, wenn es soweit ist! Mag sein, dass ich Butler bisweilen übervorteile. Das ist nicht zuletzt daran geschuldet, dass sie ihre Position mitnichten klar hat und fernab jeder Dialektik schwammig bleibt, wo es spannend würde.


nichtidentisches / Website (27.3.08 22:18)
Meine formale Kritik gliedert sich in:
- infantile Sexualität vernachlässigt, dadurch Bisexualität als gesellschaftliche Norm verzeichnet.
- Machtbegriff unklar
- Kulturalismus durch Relativismus in Bezug auf sexuelle Kategorien, die sie eben nicht qualitativ bestimmt (was sie z.B. die Burka als kulturelle Identität verstehen lässt und sie für Pädophilenblogs zum willkommenen Supporter macht)
- Antisemitin
- Geschichte vereinfachen im Stile der Ökofeministinnen: Dadurch gehen weibliche und intersexuelle Partizipation an historischen Prozessen verlustig. Totalität Binärer Code ersetzt Totalität Patriarchat ersetzt Reden von kapitalistischer und gesellschaftlicher Totalität.


Laura / Website (28.3.08 00:24)
1. eigener beitrag: dauert, denn nur wenig zeit & ich krame butler nur _ganz_ ungern raus, weil ich dir
2. nämlich zustimme: es handelt sich zu 99% um redundantes geschwurbel, und man könnte sie locker auf 2 seiten zusammenfassen. der meinung bin ich immer schon.

antisemitin, kulturrelativistin - stimmt.
das mitm ökofeminismus stimmt nicht. wurscht, mehr dazu bei mir, aber das dauert _lange_. (ich hab für ne butler-relektüre frühestens ende april zeit. davor muss ich wichtigeres lesen & viel lohnarbeiten.)

gruß


nichtidentisches / Website (28.3.08 09:53)
Ökofeministin sage ich auch nicht, ich sehe nur einige Stellen, an denen sie wider Willen dem inhaltlich gleichsieht. Genauso wie sie Kategorien abschaffen will, sie aber implizit befördert.


Laura (29.3.08 02:06)
das mit dem bestätigen von kategorien könnte ich nachvollziehen, sprächen wir hier über die haltung transsexueller.

--

switch - zum film "oben ohne", älterer text:


Alles beim Alten: Transsexualität bestätigt den Geschlechterdualismus. No na ned. Denn du willst ein Mann, eine Frau sein.

"Oben ohne" - zurück blieb bei mir: einerseits Bewunderung für eine Person, die das so durchzieht; andererseits die Frage: hätte nicht alles anders sein können? (Wichtig: nicht an Theo gerichtet, sondern an 'die Gesellschaft'.)

Tatsache: als Kind waren alle Freiheiten vorhanden. Heute sagt er, Theo: er wurde erzogen wie ein Junge. Er hatte alle Freiheiten. Er musste nicht mit Puppen spielen. Das Interesse war ausschlaggebend. Dann plötzlich: Da wachsen Brüste! Und der Vater will nun, dass sein Kind sich dem 'Körper' fügt, sich 'weiblich' verhält. Das Kind wird eingeschränkt, ermahnt, belehrt. Es merkt: Brüste = Freiheitsbeschränkung. Zur Feststellung an sich: So weit, so richtig, tragisch wie es nunmal ist. Das Kind, nunmehr geschlechtlich markiert, hat sich zu benehmen. Schluss mit lustig.

Die Konsequenz: Ablehnung der Brüste. Theo lässt sich Brüste operativ entfernen, denn er schämt sich für sie. Fühlt er sich durch sie abgewertet? - Wer könnte es ihm verdenken, denn: so ist es. Brüste werten ab, in dieser Gesellschaft.

Theo selbst sagt: Viele wissen schon mit 5, dass sie in dem falschen Körper stecken, bei mir war das nicht so, erst als die Brüste kamen ... da, da verhielt sich der Vater plötzlich anders ...

Die Frage, die ich mir stelle: ist in diesem Fall die Transsexualität 'nur' Individualisierung? Und ich mache mir die abwertenden Brüste weg, weil ich sonst mit Puppen spielen muss, weil Brüste = Freiheitsbeschränkung (Fakt)? Die Person als 'Problem'/'Krankheitsfall'/'Anderes' - statt der Gesellschaft?

Und vielleicht sind alle Probleme gelöst, wenn die Brüste weg sind und die Penisse ...? Ich ich ich korrigiere mich - und die Gesellschaft?

Ganz persönlich.


Nichtidentisches / Website (30.3.08 11:23)
Ich versteh nicht ganz, was du damit sagen willst?
Das Beispiel zeigt doch sehr deutlich, dass Geschlechts"identität" eben keine ist, sondern u.U. eine ödipale Reaktion beinhaltet. Nicht der Körper des Jungen ist das Ziel, sondern die Gefälligkeit des Vaters. Selbiges wäre bei Freuds Thesen zur Inversion nachzustöbern. Inversion bedeutet mitnichten heiter Geschlechtsidentität, sondern häufig extremen Zwang, Neurose, Ausflucht. Man verhält sich nicht, weil man etwas IST, sondern man IST schon weil man etwas befürchtet und fernhalten will. Weshalb ich auch Gender-Blur-Parties für eine zynische Idealisierung des Daseins als zwanghafter und sehr häufig leidender Transvestit oder Inversiver halte. Davon abgesehen seien Möglichkeiten nicht abgsprochen, mit diesen je individuellen Herausbildungen glücklich zu sein und vice versa sind daraus nur Rückschlüsse auf die "normale" Sexualität zu ziehen, die eben auch nicht "Identität" ist.


Tilman (1.8.10 11:23)
Dekonstruktivismus=Magie? Hm. Ich sehe nix magisches wirken im D.; tatsächlich teile ich aber die Ansicht des D., daß Sprache/Worte maßgeblichen Einfluß auf Diskurse haben; bspw. ist es für mich ein großer Unterschied, ob von "Aus-länderInnen" (im Gegensatz zu "uns" "In-länderInnen") gesprochen wird oder von "MigrantInnen". Letzerer Begriff bezeichnet einfach objektiv einen Zustand, nämlich, daß eine Person von A nach B migriert ist, während der erste Begriff eine normative Wertung beinhaltet.

In allen Zeiten war es üblich, Dinge, die man nicht versteht, mit "Magie" zu bezeichnen; offenbar gelingt dir hier das Gleiche.


panxi (9.8.10 22:47)
ich frage mich nur was dieses bild von Germania und Italia soll, dass über allem schwebt. meiner ansicht nach wird dort von der typengeschichte her das thema aufgegriffen, dass germania sich des kulturellen erbes italiens annimmt, da italien schon schwach ist und germania wird so mit einem antike-bezug national-humanistisch aufgewertet. das hat aber nichts mit butler zu tun.


(4.9.10 11:37)
http://breitlingy.blogspot.com/
http://www.bloglines.com/blog/breitlingwatch
http://www.blurty.com/users/watch123321
http://watch123321.bravejournal.com/
http://www.desmoinesregister.com/apps/pbcs.dll/section?category=PluckPersona&plckPersonaPage=PersonaBlog&plckUserId=92f42cbdf41a400d826e879e12c29965&U=92f42cbdf41a400d826e879e12c29965&sid=sitelife.desmoinesregister.com
http://watch123321.edublogs.org/
http://watch01.fotopages.com/
http://hubpages.com/hub/breitling-watch
http://iblogs.org/index.php?cmd=/public/user/blogs/name_watch01/
http://watch01.insanejournal.com/


Paulo Lucas / Website (1.9.17 16:17)
Aprenda a observar a ejaculação durante a onanismo.


Maria Yasmin (2.9.17 03:03)
Não é a primeira vez que visito este web site,
gosto muito dos seus textos, são agradáveis de se ler.
Tenho visto o tempo todo. E é realmente muito
bom! Parabéns!


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Jose (23.1.18 14:21)
Levante os joelhos com os pés apoiados no pavimento.


Benedict (28.1.18 17:39)
Exemplo: pular corda, polichinelos, corrida, etc.

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