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Inland Empire - und in Hollywood herrscht die Wut

Joseph Beuys wäre möglicherweise einen Vergleich mit David Lynch wert. Auch er schaffte es mit bizarrren Abstraktionen zu imponieren, und sich dennoch Esoterik intravenös zu verabreichen.
Der Unterschied bei Lynch liegt jedoch darin: Dessen Abstraktionen sind echt. Lynch verweigert sich tatsächlich der Interpretation und die einzige aufklärerische Konsequenz, die daraus zu ziehen wäre, ist, seine Filme psychoanalytisch zu behandeln und damit weder zu deuteln noch zu interpretieren.
Wesentlich bei Inland Empire erscheint mir der psychotische Einbruch des Irrealen in die reale Welt. Lynch balanciert auf der Rasierklinge der Ambivalenzen, sein Horror besteht in der nie vollzogenen Drohung, sich für eine Seite zu entscheiden. Aus höflichen Gesten zieht Lynch die aufdringliche Aggressivität, an hübsche Gesichter rückt er bis zur Unerträglichkeit heran, verzerrt sie im Weitwinkel zu dämonischen Fratzen aus konzentrierter Angst, die Abscheu erregt, das Jubeln gerät zum archaischen Doppellaut zwischen Angstgeheule und Kriegsgeschrei.
Das ist in seiner Konsequenz und Perpetuierung ein Trick, den Lynch allerdings meisterhaft beherrscht: Die Verformung des allzu Schönen ins unsägliche Grauen. Das ästhetische, Reine, artifizielle, das sich mit dem Schraubenzieher gegen sich selbst wendet, symbolisiert in den immer wiederkehrenden schönen Schauspielern, in den Kino-, Theater- und Zirkusthemen erhält seinen Antagonismus in Schäbigkeit, Prostitution, Slang. Die Zweiheit ist eine starre, determinierte, die nicht zu überwinden ist und schicksalhaft abläuft: Das macht Lynch mit dem Beharren auf so unterschiedlichen Geschlechterrollen deutlich, konkret in der Geschichte der Nachbarin von den bösen Jungen und halbgeborenen Mädchen. Was Lynch hier vorführt ist das Zero-Sum-Universe: Die Befreiung des einen ist das Gefängnis des anderen, Reichtum bedarf der Armut als Nachtschatten, eine Versöhnung ist nicht in Sicht.
Ob Lynch es nun beabsichtigt oder zum Zwecke der Kritik exerziert:
Er spricht den autoritären Charakter an. Die symbolistische Aufladung von minimalen Handlungen mit scheinbar Signifikantem ist das magische Denken, Okkultismus, dem die Stellung von Sternen ebenso viel Sinn verspricht, wie ein im Film weggeworfenes Coladeckelchen, die Farbe von Zimmern oder die Form der Lampen. Dieser Überschuss an Signifikantem schreit im Zuschauer nach einer Autorität, die solche scheinbaren Zusammenhänge für ihn deutet. Im aufgeklärten Individuum wird solches Rätseln in die Anstrengung des Geistes umgewandelt, der seinen Herrschaftsanspruch allerdings vor der allgemeinen Sinnlosigkeit aufgeben muss, wenn er nicht am Rätsel, das keines ist, toll werden will. Das große Rätsel ist der Köder, mit dem Lynch den Geist in antiaufklärerischer Absicht aber mit möglicher aufklärerischer Wirkung an seine Grenzen treiben will. Im Film bietet Lynch mystische Autoritäten an, die Nachbarin, der Bebrillte, der Regisseur, die allesamt vorgaukeln, es gebe das geheime Wissen, es gebe tatsächlich eine Lösung des Rätsels.
Die immer gefälligen Themen Sex, Crime und Tod, oder als Triade von Ödipus, Eros und Thanatos zu denken, fügt Lynch nur in Symbolismen zusammen und schichtet sie in Variationen zu einem monströsen Haufen auf, der Konsistenz heuchelt.
Die aggressive Esoterik in Lynchs Interviews und seinen Websites lässt eine instrumentelle Absicht vermuten: Soll durch das große psychotische Rätsel über drei Stunden der Verstand sturmreif geschossen werden, um letztlich seine transzendentale Meditation als Ausweg, als autoritäre Lösung anzubieten? Zumindest lassen seine Websites das vermuten.
 
Ebenso geheuchelt ist die Emanzipation der Hauptdarstellerinnen, denn primär sollen sie als Identifikationsobjekt dienen, das mehr Angstlust zu erzeugen vermag, als Lynchs männliche Charaktere, deren Drohung an die weibliche Emanzipation schon zu sehr zelebriert wird, um nicht auch eine dem Film und damit Lynch inhärente zu sein. Die Frau tritt in Inland Empire als Hexe, Hure oder Opfer auf. Sie ist nie Subjekt der Handlung, sondern passives Objekt, als Empfehlung an den Zuschauer lässt sie sich von ihren Instinkten leiten, folgt überirdischen Mächten und öffnet wie "magisch" angezogen Türen, die jeder gesunde Menschenverstand geschlossen ließe. Der Gewalt gegen sie ist stets eine Rechtfertigung implantiert, sei es nun die Entdeckung der Untreue, das Beharren auf den heiligen Bund oder die einzige Frage des Bebrillten: nach dem Wahrheitsgehalt des männlichen Verdachts der Untreue. Zu wenig entscheidet sich Lynch hier für eine Seite, um nicht mit der Gewalt auch zu sympathisieren oder zumindest die Abscheu über den Anlass zu teilen.
Was Inland Empire unappetitlich macht ist ein Rekurs auf den Zigeunerfluch, den Lynch nicht zu entlarven sucht, sondern ihn als billige Posse aufrechterhält. Der Antiziganismus von "Thinner" wird dabei nur umgemodelt. Zigeuner sind die Bösen im Inland Empire, sie schnattern hässlich drauflos, verfluchen mit Fingerzeigen und betreiben einen menschenhandelnden Wanderzirkus. Das Fremde als Bedrohlich zu zelebrieren ist Lynchs Metier. In Inland Empire gerät es zu oft in die Nähe rassistischer Stereotypien.
 
Die Hollywood-Feindschaft von Lynch wird in "Inland Empire" bis zum Erbrechen simpel abexerziert, es tropft doch tatsächlich noch Blut auf den Walk of Fame. Als vergeistigter Esoteriker muss Lynch Dekadenz zum Feindbild erklären, und seinen Aggressionen gegen die Prostitution freien Lauf lassen - die Stars als Prostituierte und damit moralisch zu verurteilende.
Lynchs Bluff ist ein Bluff des Bluffs des Bluffs. Er hat tatsächlich kein großes Blatt auf der Hand. Das allerdings spielt er so meisterhaft, dass man meint, man sei am verlieren. Obwohl man mit jeder Frage, die Lynch aufwirft, nur gewinnt, wenn man sie als Selbstzweck und nicht als Mittel zum Zweck einer vorgefertigten Antwort betrachtet. Man sollte also Lynchs Rat ernst nehmen, und sich im Film einfach treiben lassen, ästhetische Inspiration suchen, den infantilen Ängsten nachspüren und hinterherschnuppern, wenn die seltsamen Räume auf der Leinwand in uns noch einmal die Befremdung auslösen, die wir zuletzt als Kind verspürten, als wir merkten, dass eine Wand ein sinnlich erfahrbares und damit prinzipiell bedrohliches Objekt außerhalb unserer selbst ist, eine Kellertüre monströse Ängste hervorrief, wir stundenlang Lampen ein- und ausschalteten und schlechtgeflickte narzisstische Wunden uns als ewig Halbgeborene herumlaufen ließen.
Die großartigen Einstellungen auf die Person in ihrem Verhältnis zur Architektur sind Lynchs Meisterstück, und mancher Screenshot ist hier schon allein ein meisterhaftes Gemälde mit überwältigender Komposition der Perspektiven, Farben und Lichtwirkung.
 
 
 
27.5.07 02:03
 


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bisher 29 Kommentar(e)     TrackBack-URL


schlipsiltis / Website (27.5.07 15:16)
Bereichernder Beitrag, lieber nichtidentischer!

Doch scheint mir - bis auf den Aspekt Lynchs überbordenden Hollywood-Hasses, der in Inland Empire weit offener und gegenstandsloser als noch in Mulholland Drive zu Tage tritt (die "Kritik" bezieht sich nicht mehr konkret auf die Bevormundung bei der Wahl eines Darstellers etwa, sondern erscheint total) - bisweilen der Zusammenhang zwischen der treffenden Analyse der Wirkung des Films und Lynchs eigenen Haltungen vielleicht zu schnell hergestellt. Abgesehen davon, dass Laura Dern tatsächlich auch als Subjekt in Erscheinung tritt, dann nämlich, wenn sie dem Bebrillten ihre Geschiche von Vergewaltigung und Rache erzählt, lässt sich mit der Darstellung von Rechtfertigungsmomenten in der Gewalt etwa noch kein Rückschluss auf Lynchs marginalisierende Haltung zu solcher Gewalt ziehen.

Inland Empire leistet mehr als jeder andere Lynch-Film den Dienst, ein Großteil seines Publikums - entgegen der eigentlicen Empfehlung des Regisseurs? - in jenen authoritären Bann zu ziehen. Ob das die (böswillige) Intention von Lynch ist, halte ich zumindest für spekulativ. Allerdings vermittelt das Werk damit gesellschaftliche Realitäten.

schlipsi


vorbewusstes / Website (27.5.07 16:43)
Verehrter Schlipsi
Ich bedanke mich für die Lektüre und Kritik, auf die ich kurz eingehen möchte.

Die Vermittlung von Werk und gesellschaftlicher Realität ist eine knifflige, und ich versuche die Möglichkeit (!) aufzuzeigen, dass Lynch bei aller Gewaltdarstellung doch zumindest zum Teil (unbewusst vielleicht) damit sympathisiert, oder dass dies zumindest ein Effekt beim Zuschauer sein könnte, weil die Positionierung m.E. nicht so klar verläuft, dass ich sagen könnte: Hier ist eindeutig eine Ebene der Kritik an Ursachen und Folgen männlicher Gewalt erreicht. Das übliche Problem der Ästhetisierung von Gewalt mal außen vorgelassen.

"dass Laura Dern tatsächlich auch als Subjekt in Erscheinung tritt, dann nämlich, wenn sie dem Bebrillten ihre Geschiche von Vergewaltigung und Rache erzählt"

Ja, da hatte ich allerdings (was andere Filmfetzen bestätigen, sie wird ja nie in Notwehr gewalttätig) den Eindruck, als wäre das die Sphäre phantastischer Kompensation. Sie tritt als Verwundete, als Opfer auf, ob sie tatsächlich den Tätern heimgeleuchtet hat bleibt mehr als spekulativ.

Liebste Grüße


vorbewusstes / Website (27.5.07 16:46)
Das mit der Empfehlung des Regisseurs ist so eine Sache. Bei Mulholland Drive gab er noch die berüchtigten Tipps, auf solche Kleinigkeiten wie die Farbe der Lampen zu achten. Wobei dort das Rätsel noch als reale Möglichkeit zu denken war.
Aber es ist Lynch zugute zu halten, dass er die Interpretation bei Inland Empire nicht einfordert. Aber irgendwie tut ers durch den Film ja doch, indem er eine Lösung des Rätsels durch die Autoritäten vorgaukelt. Hm.


vorbewusstes / Website (27.5.07 16:48)
Ich müsste auch nochmal eines der Bücher über Lynch lesen um ein Urteil zu fällen.
Beispielsweise erinnerte mich die Hasenfamilie sehr an die kleinbürgerliche Triade bei Eraserhead. Wie Lynch eine Kritik an Familie und familiären Zwängen entfaltet, müsste ich halt dann durch mehr Filme und Bücher überprüfen, kann ich grad net leisten, daher verharre ich ja auch meistenteils auf der Ebene der Reflexion über den Film (also seiner rein emotionalen Auswirkung auf mich als Individuum) und versuche die Interpretation (meistens) außen vor zu lassen.


vorbewusstes / Website (27.5.07 17:18)
Ich meine, auch die vermeintlich so toughe Frau lässt sich ja stets aufs Neue auf brutale Männer ein, und stolpert den Rest des Filmes so hilflos herum wie falschgeficktes Falschgeld, man verzeihe das harsche Wort, aber von der kurz imaginierten Gegenwehr bleibt doch wenig übrig. Ich meinte schon, in der Frage des Bebrillten auch ein gewissen: Und haben sie es verdient? herauszuhören, mit dem Lynch sich durch die abwertende Darstellung des Prostituiertenschwarms ja auch gemein macht. Der Rekurs auf die weibliche magische Macht im Abspann ist dann die übliche Tröstung gegenüber der brachialen Macht des Holzfällermannes und der übrigen Männer im Film.


vorbewusstes / Website (27.5.07 19:17)
Zumindest wirkt es auf mich so.


vonWegen / Website (27.5.07 21:22)
Seitdem ich mich bemühe, Lynchs Filme nicht mehr zu verstehen, verstehe ich sie besser. Ich schalte dazu den Kritik- und Realitätsmodus, so weit es eben geht, aus. Anders gesagt: Ich träume seine Filme während der Vorführung. Ich denke, dass man eine Wertung oder Interpretation dessen, was man da sieht und fühlt, nicht vornehmen muss. Man kann es zwar versuchen, aber ich habe bisher nicht den Eindruck gewonnen, dass das zu irgendetwas führt - zumindest nicht zu einer halbwegs sicheren Erkenntnis über Inhalte, Figuren, Symbole etc. Mit dem Besteck der Psychoanalyse an Inland Empire ranzugehen halte ich nur dann für sinnvoll, wenn man durch den Film etwas über sich selbst erfahren möchte. Alles darüber hinausgehende ist m.E. zwangsläufig eine Projektion eigener Themen in seine Bildangebote.


vorbewusstes / Website (28.5.07 10:57)
Ja, aber Bildangebot und Projektion sind zumindest im Film stark bedingt. Man zöge insbesondere das Tonangebot dazu. Gerade das massenhafte gleiche Gefühl, das Triggern, wird doch bei Filmen insgesamt und bei Lynch besonders stark durchgespielt. Universalistische Urerfahrungen machen den Film zum Psychohorror, weil alle sie gemacht haben. So wird das Mittel des plötzlichen Heranzoomens eines Gesichts, das dabei zur Fratze wird, zum Auslöser. Warum das bei (wohl fast) allen wirkt, darüber kann dann die individuelle Psychologie Rückschlüsse erlauben. Aber wie gesagt geht es mir nicht darum einen starren Sinn hineinzudeuteln, sondern davon zu sprechen, was wohl jeder fühlen könnte in den Mikrosegmenten des Films, die emotionale Landkarte abzutasten.


vorbewusstes / Website (28.5.07 10:58)
Übrigens denke ich mir bei einigen Szenen schon, dass Lynch sie kichernd eingebaut hat: "So, und jetzt noch was für die Pschoanalytiker." Etwa den Kampf um den Hammer.


Alficek (28.5.07 20:12)
Ich bin verwirrt. Letzens hast Du Dir einen Film, der aufgrund rassistischer Klischees und faschistischer Ästhetik in der Kritik war ("300"), zum "unbedingt mal anschauen" vorgemerkt und nun werden rassistische Stereotypien moniert. Erst kommt die Ideologie und dann die Kritik an Rassismus?


vorbewusstes / Website (28.5.07 22:26)
Es gibt keinen spezifischen "Anti-Persismus" und keine antipersische Mythologie. 300 ist eine fast völlig fiktive Geschichte, eine Comic-Adaption. Wer die Monster aus 300 mit real existierenden Persern assoziiert, hat eindeutig ein psychiatrisches Problem.
Antiziganismus dagegen ist ein spezifisches und ziemlich exakt eingrenzbares Problem. Wenn Zigeuner in Filmen auftauchen, ist schwupps die Magie im Spiel wie im Falle der Juden das Blut und das Geld, nur dass es bei Zigeunern sehr viel akzeptierter scheint, Spielberg mal beiseite gelassen. Nun gut, eine von Martin Walser geschriebene Tatortfolge wurde wg. Antiziganismus eingestampft.
Borat macht sich darüber übrigens sehr genial über solche antiziganistischen Tendenzen lustig mit den Zigeunertränen und den Schrumpfpuppen.


vorbewusstes / Website (28.5.07 22:28)
"der aufgrund rassistischer Klischees und faschistischer Ästhetik in der Kritik war" Bei Ahmadinedschad und der taz. Hast du auch seriöse Quellen anzuführen? Bei Gelegenheit schaue ich mir den Film mal an.


Alficek (28.5.07 23:07)
Im deutschen Wikipedia-Artikel gibts einen Überblick über die Kontroverse: Ehre, Durchhalteparolen, Heldenverehrung, Körperkult usw. Außerdem halt das übliche: helle Überhelden gegen dunkle Untermenschen - und das sind ja auch sehr konkrete rassistische Stereotype.

Ich habe den Film allerdings auch noch nicht gesehen und wäre auch interessiert. Organsisier doch mal was mit Beamer oder so.


vorbewusstes / Website (29.5.07 12:19)
Also: ein Stereotyp ist noch kein Rassismus. Das mindeste was ich von einem Actionfilm erwarte ist Heldenverehrung und Körperkult, ferner die Guten und die Bösen. Dass die Bösen meistens hässlich sind, kann man monieren.
Mir scheint 300 eine Parodie auf ebenjenes zu sein, eine komplette Überzeichnung, und wer dann noch aufquikt und schreit: Die Bösen sind ja hässlich in dem Film, und so tut, als sei das eine große Kunst zu entdecken: lächerlich. Dann müsste man jeden Horrorfilm deiner Logik zufolge als "Rassistisch" beurteilen.
Nochmal: Durch 300 wird kein konkreter Mensch in einer typischen Weise pauschalisiert. Es gibt keine Perser mehr und es gibt kein antipersisches Stereotyp, nach dem Perser von je als schwule Zombies bezeichnet würden.
Ferner habe ich den Film allein aus polemischer Absicht heraus gehypt, denn ein Teil der zionistischen Weltverschwörung, da muss man hin, und seis noch so schlecht. Eines ästhetischen oder inhaltlichen Urteils habe ich mich nie schuldig gemacht, da ich den Film nicht gesehen habe.
Der Antiziganismus jedoch stellt seit knapp 1000 Jahren auf die Magie ab, mit dem Ziel, Zigeuner als unbeherrschbaren Teil der Natur zu setzen und damit den Persilschein zur Beherrschung zu erlangen. So fanden sich auf Jagdlisten aus dem 18. Jh. neben Rehen und Hasen 2 Zigeunerkinder.


vonWegen / Website (29.5.07 20:10)
Seltsam, ich empfinde bei Lynchs Filmen nie Horror somdern so ein leichtes & angenehmes Gruseln wie ich es bei Märchen als Kind erlebt habe.
Der Genuss von Lynchs Filmen und der Erkenntnisgewinn wird übrigens nach meiner Erfahrung durch eine tiefenpsychologische Analyse seiner Inhalte und Mittel nicht größer. Da ich psychoanalytisch nicht unerfahren bin, habe ich sowas zwar auch schon gelegentlich ausprobiert - aber dabei auch festgestellt, dass es reizvoller das von Lynch verfilmte unbewusste Material einfach auf sich wirken zu lassen. Interessanterweise führt auch das zu erkenntnisauslösenden Prozessen, allerdings eher auf die Gefühlswelt bezogen als auf Ideologien oder andere rationalisierbare Muster. Letztlich heißt das, dass ich das Material, das Lynch anbietet, kritiklos akzeptiere - aber da ich seine Filme schon lange kenne, habe ich genug Vertrauen, dass das meinem Ideosynkrasiesystem keinen Schaden zufügt ;-)


vonWegen / Website (29.5.07 20:11)
--- muss natürlich Idiosynkrasiesystem heißen, sorry.


vorbewusstes / Website (29.5.07 22:46)
Ui, das mit dem Idiosynkrasiesystem musst du mir erklären. Was ist das?
Ich kriege immer den Horror vor den heranrückenden Fratzen. Da erschreck ich mich obwohl ich weiß, jetzt kommt bestimmt so ne Scheiße, zu Tode. Das Gesicht aus der Nähe, und auch das verzerrte Gesicht, das Angst auslöst, ist ja schon ein Dauerbrenner bei Lynch, etwa der Fratzenmann in MD.


nichtidentisches / Website (29.5.07 23:09)
Jetzt hat die freche Sau den Namen geändert. Man denke sich bei vorangegangenen Kommentaren statt Vorbewusstes Nichtidentisches. Und rülpse glatt drauflos.


vonWegen / Website (29.5.07 23:41)
Mein Idiosynkrasiesystem ist das kaum hinterfragbare, selbstschützende System instinktiver Ablehnung und Abwehr von Erlebtem - Ekel zum Beispiel.


nichtidentisches / Website (30.5.07 09:44)
"instinktiv"?
Wo bleibt da die anale Phase? ich bitte um weitere Erläuterung, Usprung des Begriffs etwa.


nichtidentisches / Website (30.5.07 10:57)
oh, ich meinte natürlich im ersten Kommentar "phantasmagorisch" nicht "phantastisch".


dissi / Website (30.5.07 16:58)
hey, und wo ist mein kommentar? der war wohl zu lange ?!

copy & paste - part 1:

"vonWegen" hat das toll bezeichnet mit der "projektion eigener themen" in die "bildangebote".
mein reply hatte ich aber bereits geschrieben, daher dennoch here we go via copy&paste:

einen david lynch-film "psychoanalytisch zu behandeln", ist genauso ein legitimes, aber eben subjektives und im endeffekt vielleicht relativ vernachlässigbares "deuteln" wie jede andere, ja dem regiesseur durchaus willkommene befassung mit seinem film.
der unterschied liegt vielleicht darin, dass der psychoanalytische blick dazu neigen kann, zu psychopathologisieren und sich selbst als analytiker, beobachter und kritiker um die eigentlich zugedachte rolle des reizüberfluteten betrügt. sich filmen mit politischer überkorrektheit zu nähern, ist zudem sehr häufig vollkommen verfehlt, entsprechend augenzwinkernd willkommen ist dann ja auch hier der neue rambo-teaser.
tatsächlich ist jedenfalls der vorwurf, lynch bzw. sein film hätte eine antiziganistische mission in etwa so tragfähig wie die vermutung, "mulholland drive" sei strukturell antisemitisch, da dort in den chefetagen hollywoods nur teilweise sichtbare hintermänner verschwörerisch die geschicke leiteten.
"hostel" ist auch zutiefst anti-osteuropäisch, wenn da ein blutiger puff des todes in tschechien angesiedelt ist und der film sein blutiges ende auf einem ostdeutschen bahnhofsklo findet. aber vielleicht ist jener film auch ein seitenhieb auf schmerzhaft prollige amerikanische rucksacktouristen, die sich ausgerechnet in einem land niedrigerer wirtschaftlicher potenz und individuellen lebensstandards die hörner abstoßen möchten.


dissi / Website (30.5.07 16:59)
copy & paste - 2.1:

was sind denn die assoziationen mit osteuropa, entsprechendem akzent und polnischer pampa? wir sind ja erfreulicherweise nicht "clear" wie ein scientologischer antirassist. ich muss z.b. an "lilja 4-ever" denken, wenn wir bei filmen bleiben.
wir stellen in unserem gehirn teilweise auch naheliegende verbindungen her und es ist durchaus denkbar, dass lynch gar keine heftigere bedeutungsschwere verlangt als diesen vorgang. und eine naheliegende assoziation ist die prostitution aus armut, die ungefragte schuld, mit der man(n) als potentieller konsument im voraus belegt wird. allein das bietet ja psychologisches futter, das ist klar. aber ob davon u.a. eine "aggression gegen die prostitution" abzuleiten wäre, aus der letztlich das auf den walk of fame tropfende blut resultiere, ist ganz schon hahnebüchen, denn die schraubenzieher-täterin ist weder polnisch noch prostituierte. aber auch sie irrt wie hypnotisiert durch die nächtlichen straßen von los angeles, so wie viele andere junge frauen ebenfalls, die später u.a. ausgiebig in "hustler barely legal" oder "my first audition" zu bewundern sind, also in produktionen der zweitverwertung all jener, die es nicht wirklich nach hollywood geschafft haben. ist eine assoziation in diese richtung eigentlich schon "hollywood-feindlich"? ich weiß es nich.
bei jener schraubenzieher-geschichte erscheinen wir noch zwei dinge als scheinbar "wichtig":


dissi / Website (30.5.07 17:00)
c&p 3:
1.) der schraubenzieher stammte "quasi" vom nur zeitweise real existenten "nachbarn" der später befreiten fernsehguckerin, die zu ihrer familie in das schäbige reihenhaus zurückkehrt. der schraubenzieher wird laura dern ausgehändigt, nicht der späteren attenäterin.
2.) und viel wichtiger: die natürlich extremst dramatische szene vom tod auf dem walk of fame wird ja erst dadurch viel krasser, das sie sich selbst nachträglich als illusion, als publikumsverarsche herausstellt, da die langsam nach hinten schwindende kamera in der totalen durch einen sichtbaren kamerakran von rechts gesellschaft bekommt und sich all das wiederum nur als teil des schwülstigen films herausstellt, an dem dern derzeit arbeitet und ihr sichtlich den verstand zu rauben droht.

im sinn des geraubten verstands sehe ich in dem bebrilltem übrigens das vielleicht naheliegenste, nämlich am ehesten selbst eine art psychoanalytiker. ansonsten sah ich in ihm auch ein bisschen was von christian ulmen, aber das ist natürlich extra-subjektiv von mir.


dissi / Website (30.5.07 17:01)
c&p 4:

aber nicht zuletzt weil der film ja mehr oder weniger wieder auf jener couch endet, auf die die mit polnischem akzent agierende grace zabriskie (laura palmers mutter in "twin peaks") mit ihrem finger zeigte und damit eine ähnlich einleitende funktion hatte wie die vermutlich nicht polnische, aber in "mulholland drive" unheil ankündigende louise bonner (http://www.myspace.com/bonnerhag), wäre ja auch eine unfassbar primitive interpretation denkbar: all das ist ein trip. die gutbetuchte, in einer hollywood-seifenblasen-illusion (siehe betty @ "mulholland drive") lebende schauspielerin gerät durch ihre rolle in einem film in eine reise durch mehrere interpretationsoptionen der realität, ihrer persönlichkeit, auch ihrer rolle als frau in einer u.a. von männlicher gewalt geprägten welt.
in angesicht mit dem ulmen-analytiker ist betty schließlich diane selwyn, die verbrauchte version ihrer selbst, tougher, erfahrener, fatalistischer, aber eben auch bereits verletzter, geschädigter.
gegen ende ist sie aber wieder - scheinbar sicher - in ihrer hollywood-villa angekommen bzw. bekommt im abspann gesellschaft durch diane aus "mulholland drive" und nastassja kinski (!), zwei weitere ebenfalls einst getroublte frauen in hollywood.
und noch ne interessante frau ist diane ladd, sowohl laura derns mutter im echten leben als auch in "wild at heart". sie ist die nervtötend stasi-artige rebenbogenpresse-talkerin in einer tv-show, in der laura d. mit dem adam kesher nr.2 sitzt und ähnliche drohungen ausspricht wie im in cannes prämierten film von 1990.
es gibt also auch einiges an selbstironie im film, die "rabbits" würde ich allerdings nicht überbewerten, die gibt's nämlich schon länger (auf davidlynch.com).

spannendes thema, jedenfalls. ich muss den film nochmal gucken, hab mir die engl. dvd bereits bestellt.


dissi / Website (30.5.07 17:17)
selbst wenn die eigentliche kunst des films nur darin liegen sollte, den eindruck zu erwecken, dass es sich lohnen könnte, ihn definitiv mindestens zweimal zu sehen, dass die übergänge von den vielen kleinen patchwork-artig verwobenen sequenzen eine andere übersetzung des zuvor gesehenen sein könnten, ist "inland empire" ein meisterwerk. wenn auch als stilistisch auf die spitze getriebenes blendwerk.

und "300" ist übrigens einfach nichts. es ist nicht selbstironisch, ich fand es nicht mal besonders eindrucksvoll.
zunächst hatte ich ernsthaft gehofft, hier könnte wenigstens durch die quasi-blume ein wenig kulturkampf in richtung demokratie und zivilisation versus barbarei betrieben werden, aber pustekuchen. die "guten" spartaner sind eigentlich selber nazis, was ihren wertekanon angeht.
und ich fand den film aus dem selben grund eklig, der mir in der mitte der neunziger sehr oft das tanzen im frankfurter "omen" vermieste: prolltum, schweiß und nackte männerbrust.


nichtidentisches / Website (31.5.07 06:22)
Nun, ich freue mich der Antwort wegen.
Nur sehe ich mich bestätigt: Die Interpretation bei Lynch neigt zur simplen Freude übers Wiedererkennen, wie der allzu plumpe Rätsel-Analytiker sich am Funde eines Kastrationskomplex' im Märchen x erfreut. Nur was damit, der letztlich doch entschlüsselten, übersetzten Geschichte, gesagt werden soll, was sie für Effekte zeitigt, bleibt außen vor.

Das magische wird schon missbraucht: es ist der böse Mann, der mit den Augen Unheil tut, und sich die Frau zur Mörderin zurechtbog. Das Ganze baut sehr fundamental auf dem zweifelhaften Reiz des Zigeunerfluches auf, und der steht außerhalb des Films im Film. Mir zumindest entbehrte nicht der Missmut. Eine flache, kitschige, entblödete Pointe. Die schwarzhaarigen am Ende glücklich, der Fluch zu ihren Gunsten gelöst (?) und die Blonde an der Hasen statt.

Das hinter die Kulissen sehen und nichts finden nehme ich noch mit vom Film.


(4.9.10 11:25)
http://breitlingy.blogspot.com/
http://www.bloglines.com/blog/breitlingwatch
http://www.blurty.com/users/watch123321
http://watch123321.bravejournal.com/
http://www.desmoinesregister.com/apps/pbcs.dll/section?category=PluckPersona&plckPersonaPage=PersonaBlog&plckUserId=92f42cbdf41a400d826e879e12c29965&U=92f42cbdf41a400d826e879e12c29965&sid=sitelife.desmoinesregister.com
http://watch123321.edublogs.org/
http://watch01.fotopages.com/
http://hubpages.com/hub/breitling-watch
http://iblogs.org/index.php?cmd=/public/user/blogs/name_watch01/
http://watch01.insanejournal.com/


Frank (6.1.15 06:41)
Kürzlich habe ich Lynchs "Twin Peaks" Serie nachholend angeschaut. Durchaus mit Vergnügen. Dabei habe ich mich an diesen, sehr gelungenen, Text erinnert. Dazu folgendes Zitat aus Grunberger, Gedanken zum fühen Über-Ich, in Narzis und Anubis.

"Sein [des Kindes] Erleben ist das einer identifikatorischen Partizipation an der Allmacht, aber nicht weil es versteht, sondern weil es gerade nicht versteht -- wodurch es über die Absolutheit seiner solchermaßen bestätigten Abhängigkeit beruhigt wird (und dank deren Totalität daran partizipiert). [...] Ob es sich um Kunst, um Literatur oder um Psychoanalyse handelt, alles hat heutzutage Erfolg, wenn es nur unverständlich ist, denn die Ur-Mutter, der Sphinx gleich, wird wegen des Mysteriums verehrt, das sie umgibt."

Und weiter:

"Die Sybilische Sprache fasziniert weil ihr Sinn verborgen ist (was den Weg zur narzistischen Regression eröffnet 'Alles ist möglich'). Ihr Sinn ist so verborgen wie die Ursachen des allmächtigen mütterlichen Verhaltens."

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