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Schlachtrufe und Punkinvasion!


Bildquelle: Schwarze Katze, Interview mit Punks .

Heute gibt es ein Punkrock-Special, nach Jim Knopf ein weiteres Projekt im Rahmen der Aufarbeitung postinfantiler und pubertärer Literatur.

Meine erste CD, die ich mit meinem ersten Ghettoblaster (furchtbares Wort) mit 12 oder 13 gekauft habe, war nämlich die erste "Schlachtrufe"-Compilation Anfang der Neunziger, die hellblaue.

Zu dieser Zeit war die Punk-Bewegung in Baden-Württemberg der einzige irgend revolutionäre Lichtblick, an den sich identitäre Pubertierende klammern konnten, und Punks waren die Einzigen, die Nazis wirklich zur Weißglut treiben konnten und ihnen konsequent mit der Faust begegneten. Was unter anderem Jugendliche mit Migrationshintergrund anzog, die in Straßenschlachten ein unberechenbarer dritter Faktor neben Punks und Polizei waren. So neu ist nämlich das Phänomen "Rütli" nicht.

"Punks fressen kleine Kinder" prahlt der Schlachtrufe-Sampler mit geheuchelter Selbtironie. Die Texte sind pathetisch wie enthusiastisch gesungen, die Gitarren haben noch unüberhörbar mit echten Emotionen und wenig Übung ausgestattete Riffs aus drei Akkorden zu bieten, die dann doch an unprofessionelle Lagerfeuermusik erinnern.

Blechern scheppert "Normahl" los mit "Schwarz Rot Gold", grottenschlechter Dichtung und grauenvoller Syntax, aber eingängigem Kopfschüttelrhytmus:

Unser Staat den fast jeder mag
kotzt mich an Tag für Tag
Politiker, die nur reden
und von uns auch noch leben.

Schwarz Rot Gold
Auf daß euch bald der Teufel holt

Steuern hier, Steuern dort, sie nehmen mit mein Geld nur fort.
Bei den großen Staatsempfängen
sitzen nur Bonzen auf den Rängen.
BRD, England USA
Hitler ist bald wieder da.

Doch wir hoffen soweit wird's nicht kommen
Ham wir erst die Barrikaden erklommen
und Bonzen die nur von uns schnorrn
dann endlich in der Hölle schmorn.

Man wundert sich dann doch über die Offensichtlichkeit der Projektion: Punk, die Ideologisierung des Schnorrens und faulen Lebens, sieht sich auf einmal in der Rolle des Steuerzahlers, der von Politikern ausgenommen wird. "Bonzen, die nur von uns schnorrn", das ist die Einstellung derer, die dem Punk gewöhnlich auf die Frage nach der obligatorischen Mark als "geh doch mal arbeiten" entgegenspringt.

Klassisches Spießertum mischt sich bei "Normahl" mit dem Heldenmut des Intifadisten: in "Pflasterstein flieg" lautet der Refrain:

Doch wir werden siegen
Wenn die Steine fliegen

und weiter in köstlichster Poesie:

Pflasterstein flieg
wir ham mit den Bullen Krieg
Gummiknüppel, Pflasterstein
Politikerschein muß das den sein

Die Sprache ist komplett versachlicht, dient nicht mehr der Kommunikation, sondern dem eingeschliffenen Festhalten dessen, was "der Fall" ist. Die Konsequenzen liegen in scheinbar unumstößlicher Logik da und ein surrealistisch anmutender Symbolismus macht das Ganze zu einem Sammelsurium des Jargons der Eigentlichkeit.

Danach wenden sich die "Maniacs" als pädagogisch geschulte Bewährungshelfe mit dem Tourneehit "Deutschland" in aufklärerischer Absicht an den Nazi.

Du bist zu schwach um selbst zu leben
und Denken hast du nie gelernt

woran sich die Mahnung mit erhobenem Zeigefinger in Richtung der potentiellen Nazis unter den Punks anknüpft:

Doch ein starkes Deutschland hat immer
nur Blut gebracht


"The White Rose", ebenfalls von den "Maniacs", ist ein einziger schrammelnder Chor von Lagerfeuersängern, die im nächsten Atemzug genauso gut "Über den Wolken" oder "Mrs. Robinson" klampfen könnten. Jedes Wort ist hier mit Bedeutung vollgepumpt und der Sänger fühlt das in esoterischer Verzückung vor. Wegen Softcorepunk gibts auch ein verlegenes Gitarrensolo auf die immer wiederholten Akkorde CGaF. Dagegen ist das direkt anschließende Gebrüll von den Boscops in "Bulle halt's Maul", unverkennbare und erholsam echte Wut:

Ihr Schweine in grün
ihr kenn kein Verzeihn
Gepeinigt durch den Stein
Der Haß empfiehlt Kartei

So verständlich die Empörung gegen die Punkkartei ist, so deutlich ist die christliche Messdienererziehung in der biblischen Sprache noch zu erkennen: "Verzeihen", aber was? "Gepeinigt durch den Stein", da fragt man sich doch, wer da hasst und die Aggression wegprojiziert. Damit das nochmal klar wird, folgen die humoristischeren Varianten desselben Liedes: "Bulle halt's Maul (sonst gibts Banane)" und in "Können Schweine schwimmen" endlich auf die Formel gebracht:

Bullenschweine
Bullenschweine
Bullenschweine

(da capo, etc.)

Pazifismus ist dem Punk mit seinen Kriegserklärungen an die Polizei heilig, zumindest "Chaos Z" mit "Krieg":

Die Mächtigen, die wollen den Krieg
sie sind es, die zu Hause sicher stecken
das ist nur ein brutaler Trieb
bei dem tausende anderer verrecken
Das ganze Pack will den totalen Sieg

Krieg wird wie in Deutschland üblich als Priestertrug, als Verarsche der Kleinen Wähler und Steuerzahler verharmlost. Auch in "1980" wird wieder Steuergeld, das die meisten der pogenden Kinder niemals gezahlt haben dürften, zurückgefordert, der Punkrocksänger als Steuerberater des Arbeitslosen:

Steuergeld Steuergeld
hier wirst du um viel geprellt

Aus der Distanz erweckt das Ganze eine gewisse Komik, wirkt merkwürdig archaisch, wie aus einer anderen Zeit, in der Chaos-Tage ein echter Event mit Toten und viel Rot aus den Bildtitelseiten waren, und es noch keine Loveparade gab. Diese verzichtet als Lehre aus dem Punk ganz auf Texte, dem Rhythmus zuliebe.

Die holzschnittartigen Texte - bar jeder Intelligenz - entsprechen der übersteigerten Kunst der Achtziger, als es galt, so expressiv und groß wie möglich, ohne jeden Gedanken, esoterisch aus dem Innersten heraus zu klecksen was das Zeug hält um dem "eigentlichen Sein" recht nahe zu kommen. Das wilde Geschrammel war eine undisziplinierte Ausgeburt des halbgebildeten Spießertums, das seine Aggressionen gegen dieses nicht zuletzt wegen der Nähe von Irokesenfrisur und Gartenzwerg abspaltete, zu kanalisieren versuchte und Musik dem einzigen Zweck der Kriegstrommeln unterwarf. Die Aggression richtete sich häufig gegen andere, nicht selten wurden einem beim Pogen Zähne ausgeschlagen von den umherfliegenden Ketten mit Kiloschweren Hängeschlössern oder anderen Artefakten als Anhängsel, stahlkappenbewehrte Springerstiefel rammten Unvorsichtigen beim Blutpogo die Schienbeine in Trümmer. Wer den Punk als Apostat verließ und es wagte zu den Tekkern oder gar zu den Poppern zu wechseln, wurde ausgegrenzt und als Verräter an der Sache, an der Idee der Selbstzerstörung gezeichnet. Depressionen und Psychosen, Alkoholabhängigkeit und Gewalt waren die gewollten, kultivierten Folgen und Vorbedingungen dieses sado-masochistischen Exzesses, der sich Deutschpunk nannte und zum Glück in seiner Reinform seit der endgültigen Auflösung von "Slime" tot ist. Von dieser Band wird der zweite Teil handeln.

28.4.07 09:19
 


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bisher 9 Kommentar(e)     TrackBack-URL


didi (28.4.07 13:59)
wer anfang der neunziger erst zarte 12-23 war, ist IMHO nicht fähig die aussagen von deutschpunktexten der 80er zu erfassen. die kommen aus ihrer zeit, und wenn man die nicht miterlebt hat, versteht man auch das gefühl nicht, was in ihnen transportiert wird.


nichtidentisches / Website (28.4.07 17:56)
Ah, stimmt, man muss auch im NS gelebt haben um das ganze Feeling hinter Mein Kampf zu verstehen, und so, und erst dann das Urteil, gelle.


nichtidentisches / Website (28.4.07 18:01)
Und es geht doch bei Punk gerade darum, die Aussage in drei Worte zu packen, oder im Falle von "Können Schweine schwimmen" sogar in eines. Also verstehe ich nicht, was da mehr impliziert sein soll, vielleicht magst du ja einfach versuchen es in Worte zu fassen?


Hochdorff (2.5.07 21:39)
"Punks waren die Einzigen, die Nazis wirklich zur Weißglut treiben konnten..."

...naja und wie war das mit "Negern und Türken" oder Homosexuellen, Juden und Kommunisten oder - um bei Jugendbewegungen zu bleiben - Grufties.
Am Essener Hbf und an anderen verhielt es sich jedenfalls so, daß dort (unter früher Vorwegnahme ideologischer Gemeinsamkeiten der späteren Erwachsenen) Punks und Nazis zusammen "gesoffen" haben.

Grüße
Hochdorff, der früh wusste, warum er nie Punk war.


nichtidentisches / Website (3.5.07 00:34)
Da geb ich dir recht. Das gabs, wurde auch kontrovers diskutiert, die ganze OI-Punk-Szene, etc.
Ich beziehe mich hier nur auf einen fragmentarischen Ausschnitt der Chaostage, im ganzen ist das ein unzulässliches Urteil...


kaffe-ohne-sahne / Website (6.5.07 15:52)
http://kaffe-ohne-sahne.myblog.de/kaffe-ohne-sahne/cat/184188/0/Kurzgeschichten

War gerade in Arbeit, als ich deinen Text las, als kleine Ergänzung betrachten, und wenn du Lust und Laune hast, kannst du auch eine kleine Kritik daran formulieren


nichtidentisches / Website (7.5.07 11:18)
und immer wieder assoziiere ich "OI!OI!OI!" mit dem jüdischen Klagelaut "ojojoj!" was die letzteren beklagen, wird in Stücke gerissen und des weichen Bindekonsonantens beraubt zum euphorischen schlachtruf?


vill (27.9.07 19:32)
zuerst muss man die OI szene mal getrennt von der Punkbewegung betrachten, auch wenn sie sich TEILWEISE(personenbezogen) mehr als nur vermischt. Aber die punkbewegung über einen Schlachtrufesampler zu definieren ist unzureichend, da es bei den Schlachtrufplatten fast ausschließlich um gewalt geht. gewalt, der die szene nicht distanziert gegenübersteht, das ist mir klar. Aber hier wird nur über die gewalt diskutiert(dieses thema wird im übrigen auch innerhalb der szene kontrovers betrachtet) Aber Punk in seiner ganzen Vielfalt und Energie hat ihren Schwerpunkt wohl wo anders. In einem Versuch, sich möglichst normfrei zu bewegen und ein möglichst hohes Niveau an Freiheit zu erreichen. Bin seit Jahren in der szene und, ja man glaubt es kaum, ich pöbel nicht, ich provozier keine schlägerein (trotzdem ich dazu steh zurückzuschlagen) und verdammt noch mal, ich versteh mich sogar sehr gut mit "Hippies" "Poppern" etc. Die ganze diskussion ist im grunde umsonst, weil ihr bzw. wir es nie schaffen werden, eine bewegung wie Punk im allgemeinen zu definieren. und wie kann man über etwas urteilen, was man nicht definieren kann, was man nicht kennt! und wie kann man noch weiter gehen, über etwas zu urteilen, was man nie gelebt hat (ja ich weiß, ich war auch nicht im dritten reich und urteil darüber, @"nichtidentisches" aber das kann man definieren und die fakten durchaus beurteilen) ihr könnt euch über gewaltgeile pseudomoralistische punks gern auslassen. aber das ist nicht punk!!!


nichtidentisches / Website (27.9.07 21:08)
Das ist definitiv Punk. Ich weiß das, weil ich Punk war und die ganzen Fanzines doch nix anderes sind als Konzentration dieser Ideologien. Slime-Kritik ist doch für die meisten Punks tabu.

Wenn du dich angegriffen fühlst, tut mir das leid, ich abstrahiere notwendig von den konkreten Individuen, die, das habe ich auch erlebt, nonkonformistisch, intelligent und durchaus angenehmer als der deutsche Durchschnittsrest sein können. Nur in gewissen Punkten trifft sich der Nonkonformismus strukturell wieder mit dem Konformismus, die Avantgarde frisst nun mal gern ihre Kinder.

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