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Odysseuskapitel revisited

Die "Dialektik der Aufklärung" gehört zu jenen furchtbaren Büchern, die ein mutagenes Innenleben entwickeln. Auch nach der dritten Lektüre haben sich ähnlich den Treppen in Harry Potters Hogwarths scheinbar aufs Neue wichtige Sätze eingeschmuggelt, andere ihre Bedeutung gewandelt, und immer kann man sicher sein, etwas noch Exotischeres in den verwinkelten düsteren Gängen und dichten ephemeren Wäldern dieses unscheinbaren Büchleins zu finden. Mimetisch schmiegt sich der eigene, um Erfahrung bereicherte und beraubte Geist an das stets zwischen Kontakt und Rezeption selektiert wahrgenommene Geschriebene neu an, legt alte Hüllen wie Larvenhäute ab.

Unter dem Aspekt der Mimesis betrachtet, wird erst deutlich, wie sehr die Dialektik der Aufklärung auf dieses Konzept angewiesen ist:

"In Wahrheit verleugnet das Subjekt Odysseus die eigene Identität, die es zum Subjekt macht und erhält sich am Leben durch die Mimikry ans Amorphe. Er nennt sich Niemand, weil Polyphem kein Selbst ist, und die Verwirrung von Name und Sache verwehrt es dem betrogenen Barbaren, der Schlinge sich zu entziehen: sein Ruf als der nach Vergeltung bleibt magisch gebunden an den Namen dessen, an dem er sich rächen will, und dieser Name verurteilt den Ruf zur Ohnmacht. Denn indem Odysseus dem Namen die Intention einlegt, hat er ihn dem magischen Bereich entzogen. Seine Selbstbehauptung aber ist wie in der ganzen Epopöe, wie in aller Zivilisation, Selbstverleugnung. Damit gerät das Selbst in eben den zwangshaften Zirkel des Naturzusammenhangs, dem es durch Angleichung zu entrinnen trachtet."
(DdA 1971, S. 62)

Der seiner selbst unmündige Mensch bedarf ebenso wie Polyphem des Konkreten, um seinen Rachegelüsten Namen zu verleihen. Vor dem Abstrakten erstarrt er in Unverständnis (dieses kommt in seinem Konzept nicht vor) um beim leisesten Geräusch eines Konkreten mit Pflastersteinen zu werfen, Bankenscheiben zu zertrümmern, Geld, Bücher oder Flaggen zu verbrennen. Die Nazis verlasen nicht ohne Grund explizit die Namen und Titel der verbrannten Werke.
Dazu passt eine andere Geschichte aus Japan: Die Samurai prahlten vor dem Kampf Mann gegen Mann mit den Aufzählungen ihres Stammbaumes und ihren Heldentaten. Der Name war alles, was kämpfte. Ohne Ehre hatte das Subjekt keine Berechtigung. Die anrückenden feindlichen Truppen vom Festland dagegen schritten unverzagt direkt zum Kampf und überraschten die auf den Kodex versessenen Samurai mit tödlichen Attacken, während diese noch fanatisch ihre Liturgie herunternudelten. 
Das namenlose Heer der Neuzeit ist der Niemand, den Odysseus mimte, die Samurai bedurften wie Polyphem des Namens, um zum Kampf zu schlagen. Gegen ein Heer aus Niemanden konnten sie schlecht kämpfen.
 
Erst die postnazistische Moderne lernte unter dem Einfluss der Guerrilla das Massenheer und den damit einhergehenden Bewegungskrieg, den das Maschinengewehr zum Selbstmord machte, geringer zu schätzen, als Elitetruppen. Die Human-Wave ist zwar immer noch ein von schlechten Strategen eingesetztes taktisches Mittel. Gegen den vereinzelten Hubschrauberpiloten im Apache kann kein Massenheer mehr etwas anrichten und ein John Rambo, mimetisch mit der umgebenden Natur verschmolzen, besiegt im Alleingang ganze Garnisonen.
 
Damit steigt paradoxerweise der Wert des Individuums in der Armee, das bis in Untergruppen und den Einzelkämpfern der Elitetruppen taktisches Geschick aufweisen muss. Die Generäle sitzen zwar immer noch abseits des Schlachtgeschehens auf dem High-Tech-Hügel. Jeder bessere Anti-Kriegsfilm hat aber heute Befehlsverweigerung (allein zur Durchsetzung des militärischen Erfolgs!) und individuelles taktisches Geschick zum Thema. Der römische Legionär in der anonymen Quadratformation ist Vergangenheit.
 
Die Mimesis an Natur, vermeintliches Charakteristikum der Wilden, wirkt weiter: Der Pilot ist mit der Waffe komplettiert zum Superkämpfer. Der wehrhafte Hubschrauber das Abbild der harmlosen Libelle und des Ahornsamens. Diese Mimesis ist keine andere, als das immer noch übliche jahrmillionenalte Beschmieren mit Tarnfarbe und Schlamm, die Camouflage, die sich Natur gleichmacht, zum unsichtbaren Niemand zu werden sucht, um letztlich den Sieg über Polyphem, das einäugige Andere, davonzutragen. Die Cyborgs der Sci-Fi-Serien sind Kopien, Mimikry des Menschen. Zwischen Borg und Mensch allerdings entsteht hier erneut der Konflikt, Commander Data entwickelt wie der kleine Junge in AI von Spielberg eine menschlich-emotionale Intelligenz, Technik wagt den mimetischen Rückschlag, wo sie doch via Mimesis Beherrschung der menschlichen und außermenschlichen Natur bringen sollte.
 
 
Ende des Fragments. In der nächsten Mimesis-Folge wird John Rambo genauer unter Mimesis-Aspekten betrachtet werden.

16.3.07 22:25
 


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