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4-minuten: Positivismuskritik

"4 Minuten" wurde hinreichend auf anderen Blogs rezensiert. Die Kritik daran: ein wildromantisches Knastbild, das der Realität kaum nahekommen dürfte, eine langweilige Geschichte mit Längen, das Klavierspiel außerhalb des Abschlusskonzerts nicht annähernd so genial, wie es die Filmstory behauptet, ferner eine etwas überzogene Ärztekritik. Ohne auf eine längere Analyse des Filmes abzuzielen, seien hier kurz Stichpunkte angeführt, die ihn dennoch zu einem positiv hervorzuhebenden Highlight im deutschen Kino machen:
 
- Die radikale Positivismuskritik. Der dickliche Wärter, der die europäische Musik- und Literaturgeschichte mithilfe der Lehrerin Traude Krüger (Monica Bleibtreu) auswendig lernt, verinnerlicht bis kurz vor Ende nichts vom aufklärerischen Gehalt. Er lernt für eine Quizshow, in der abfragbares Wissen zählt, nicht die Erfahrung, die dieses erst wertvoll macht. In der letzten sympathischen Frage der Quizshow: "Wenn Mozart eine Oper über Cinderella geschrieben hätte, welcher Käse wäre da wohl dabei herausgekommen?" muss er scheitern, denn Selbstironie und intellektueller Witz ist nicht vorgesehen im Positivismus. Die Antwort "Mozarella" liegt ihm so fern, wie der Inhalt der Werke, die er verbissen lernt, weshalb er in der Folge brutal und intrigant reagiert.
 
- Die Unmöglichkeit der Aufarbeitung nationalsozialistischer Verbrechen wird bei gleichzeitiger Reflexion auf das Fortwirken in die Gegenwart abgebildet. Kongenial die Reaktion Jennys (Anna Herzsprung) auf Krügers etwas selbstmitleidige Schilderung von der Hinrichtung der lesbischen Freundin durch NS-Schergen: "Soll ich jetzt heulen, oder was?" Krügers Mitschuld wird in der Ersatzhandlung verdrängt und bisweilen ins Selbstmitleid gewandelt. Jennys Reaktion ist die ihrem bisherigen Verhalten gut anstehende aggressive und autoaggressive Wendung des eigenen Leids, das es ihr unmöglich macht, das Leiden anderer zu akzeptieren.
 
- Die Lüge von der "inneren Emigration": Krüger hält ihre Lebenslüge aufrechte, es gehe ihr nur um die Musik. Nur die Sache zähle. Die Person sei ihr nebensächlich. So durchschaubar diese Lüge ist, angesichts ihrer verleugneten Aufopferung, so pervers wird sie dabei mitunter: Als Jenny auf den Wärter einprügelt, erscheint ein Kleinschmetterling, der auf dem Klavier herumhüpft und dem sie zusieht. Langsam entfernt sie sich. Später erwähnt sie Jenny gegenüber, er sei ihr lästig gewesen. Ebenso bedingungslos hat sie ihre Freundin verraten, ohne Anstrengungen zu ihrer Rettung zu unternehmen. Das passive Zuschauen trägt Züge des Sadistischen, die innere Emigration ist zutiefst Teilnahme am Verbrechen.
 
- Aufklärung und Dialektik: Die ganze Musik Krügers hat nicht sie als Menschen gewandelt. Ihre Rede von Disziplin und Negermusik, vom Durchhalten bis zuletzt um der Sache willen trägt noch den Duktus nationalsozialistischer Propaganda. "Eine Sache um ihrer selbst willen tun" , so bezeichnete Wagner das Deutschsein. Das geht problemlos einher mit Kritik an Möchtegernobersturmbannführern wie dem Knastdirektor.
 
Ein Film also, der auf klassische Gut-Böse Stereotypien und somit die Möglichkeit einer bequemen Abspaltung und Gegenidentifikation verzichtet. Der vielmehr sich bemüht, bis in psychologische Tiefen dessen vorzudringen, was das bröselige Fundament der postnazistischen Gesellschaft ausmacht. An dessen Ende die Versöhnung steht, roter Wein und Knicks, Exzess und Kontrolle, Romantik und Aufklärung, Schumann und Buschtrommeln, Stampfen und gezupfte Harfen, Polizeiaktion und das Abwarten des Endes, Respekt vor dem Anderen und Durchsetzen des Privaten.
 
Das versöhnliche Abschlusskonzert läuft unter der Prämisse: "Ich wünschte du wärst tot, Vater!". Die Täter und die unbewussten Schranken müssen auf dem Weg zur Befreiung verschwinden. Dass die Umsetzung im Film nicht immer von der Genialität geprägt ist, die sie zumindest im Ansatz vermuten lässt, bleibt kritisierenswert, insgesamt jedoch ein überraschend gelunges Stück möglicher Aufklärung.
 
Ps:
„Schwach will ich und darf ich nicht sein. Wenn der Mensch nur will – er kann ja ALLES.“
Robert Schumanns Ausspruch ähnelt dem Adornos zur Schwäche, die zur Herrschaft reizt. Möglicherweise bezieht sich der Film auch mitunter auf Paralellen zwischen Jenny und Schumann, beispielsweise Selbstmordversuche und Selbstverletzung.
3.3.07 15:00
 


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