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"Wo bitte geht's zu Gott" bald indiziert? Ein Lehrstück in Sachen Kritikresistenz

Heide Oestreich, gelegentliche Produzentin eines pseudo -feministischen Antifreudianismus, berichtet in der taz recht positionslos und langweilig über den Indizierungsantrag des Familienministeriums gegen das beim Alibri-Verlag erschienene Buch "Wo bitte geht's zu Gott" von Schmidt-Salomon/Nyncke. Den inhärenten Antisemitismus, den das Bilderbuch transportiert, wies ich bereits vor längerem hier nach. Das Ergebnis des Verbotsantrages: Das Buch kletterte kurzfristig auf Platz 3 der Amazon-Charts, in der taz tobt sich die halbaufgeklärte Elite gegen den Antrag aus und von den Autoren ist wenig Selbstreflexion zu vermerken. Wie es dem wahnhaften Verhalten so recht passt, münzt man sich vom Angreifer in den völlig zu Unrecht Attackierten und geht so auf einer eigens eingerichteten Website in Notwehrstellung:
 
Ganz offensichtlich werde in dem Antrag „ein Feindbild aufgebaut, das in dem Buch überhaupt keine Entsprechung findet". Im Gegenteil, die „ganz bewusste gestalterische Gleichbehandlung aller drei Religionsvertreter werde absichtlich unterschlagen und in antijüdische Propaganda umgemünzt". „Eine Unverschämtheit", so der Zeichner.
 
Ein Unrechtsbewusstsein hat der Täter selbstverständlich nicht, deshalb wird er erst recht unverschämt.
 
Möglicherweise habe „die verantwortliche Referentin des Familienministeriums in Ausübung ihrer beruflichen Pflichten zu viele Gewaltvideos angeschaut", meint Schmidt-Salomon. Andernfalls könne er sich kaum erklären, warum die Jugendschutzreferentin fantasiere, dass der Rabbi „einem Vertreter des christlichen Glaubens eine Schriftrolle auf den Mund drückt und ihn zu ersticken droht", wie es in dem ministerialen Schreiben heißt: „Also ehrlich: Den Unterschied zwischen einer harmlosen Rauferei und einem Mordversuch sollte man doch schon erkennen können! Nebenbei: Haben Sie schon einmal versucht, einen Menschen mit einer dünnen Papierrolle zu ersticken? Wenn Ihnen das gelingen sollte, melden Sie sich doch bitte bei Uri Geller!"
 
Auf einmal soll das vom Buch angeblich kritisierte Verhalten, nämlich der religiöse Fanatismus, "eine harmlose Rauferei" sein - zumindest inkonsequent. Warum ausgerechnet der jüdische Zauberkünstler und Taschenspieler Uri Geller jemanden mit einer "dünnen Papierrolle" ersticken sollte, ist nur aus dem trotzigen, zirkulären Verharren im antijüdischen Ressentiment zu erklären. Für den Fall des Zusammenbruchs des eigenen Weltbildes durch die juristische Aburteilung hält man Verschwörungstheorie parat:
 
„Wenn vernünftige Argumente bei dieser Verhandlung auch nur einen Pfifferling wert sind, kann ich mir das beim besten Willen nicht vorstellen!", sagt Schmidt-Salomon. „Ich gehe fest davon aus, dass die Verantwortlichen der Bundesprüfstelle diesen verrückten Indizierungsantrag abschmettern werden und somit das Buch auch weiterhin frei über den Buchhandel erhältlich sein wird! Allerdings sollte man nicht übersehen, dass auf der Gegenseite mächtige Interessensgruppen mit im Spiel sind. Man muss also auf alles gefasst sein..."
 
1938 Personen unterstützen bislang die Solidaritätserklärung mit den Autoren. Indizierung ist prinzipiell ein falsches Mittel der Aufklärung, im Falle von Kinderbüchern jedoch zu erwägen. Das Argument des Antrags zumindest unterstütze ich hiermit voll und ganz. In einer längeren privaten Korrespondenz mit Nyncke war keine Spur von auch nur angedachter Selbstkritik zu bemerken. Da sich die Autoren trotz der vernünftig vorgetragenen und sehr begründeten Kritik von jedweder auch nichtreligiöser Seite an der inhaltlichen und graphischen Gestaltung und nicht am prinzipiellen, erklärten Zweck einer Religionskritik für Kinder, nicht im entferntesten zum Denken animieren lassen, kann der Befund nicht mehr Irrtum oder Unachtsamkeit, sondern allein Antisemitismus lauten.
1.2.08 11:52


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Adipositas - Orale Gier als Waffe der Armen

Dickleibigkeit trete in signifikanter Korrelation mit Armut und schlechtem Bildungsabschluss auf, so sich neu brüstende Studien. Das ist zunächst einmal positiver als die gemeinhin für normal befundene Koexistenz von Armut und Hunger, wie sie etwa Engels in verstörender Gewalt aus dem England des 19. Jahrhunderts beschreibt, als Brote mit Asche und Staub gestreckt wurden und über Generationen hungerbedingte Degenerationserscheinungen entstanden.
Das Phänomen Adipositas und Armut aus bloßem Bildungsmangel oder zu fetten billigen Speisen zu erklären, schlägt fehl, wenngleich der Erlernbarkeit des Essens und des Geschmacks prinzipiell Richtigkeit zuzugestehen ist.
Die gesellschaftlichen Zustände lassen aber vielmehr das Essen, in Deutschland wie gemeinhin bekannt günstiger als im näheren Rest-Europa, als einzigen Laster der Armen zu. Wo Lustgewinn nicht aus teuren Sport- oder Karnelvalsvereinen, Fitnessstudios oder entspannenden Golfparties gewonnen werden kann, bleibt als einziger Kick der Griff zum Highlight der Zivilisation, dem form- und geschmacksvollendeten 1-Euro-Jobber-Stundenäquivalent mit dem Namen "Cheeseburger" von MacDonalds (forget all about the BurgerKing). Hier bekommt man fürs Schlangestehen ein süßsaures Äquivalent bar auf den Magen - im Kreisjobcenter trägt man dagegen nur die eigene Haut zu Markte, und kann sich sicher sein, ums Äquivalent der nackten Existenz systematisch betrogen zu werden. Was hier in hartem Papierkrieg und noch von französischen Revolutionen zehrend der Gesellschaft abgerungen wurde, trägt den Stempel des autoritären Zwangs, der prospektiven Sklaverei. Die solchermaßen Deprivierten wollen den sichtbaren Teil ihrer Existenz mehren, um so den Anschein des Wertes, den die Gesellschaft ihnen zukommen lässt, als vergegenständlichten zu mehren. Was sie sich einverleibt haben, kann ihnen keiner mehr nehmen. Es muss nicht mehr beantragt werden und ist sicher. Zugleich spiegelt es nach außen Existenz, die als bedrohte sich wappnen muss, eine Schutzschicht zwischen sich und gefühlter Kälte des asozialen Sozialneids von oben bringen will - wer weiß schließlich, was noch alles kommt, zum Hungern ist noch Zeit genug.
Das durchs Restindividuum gefilterte gesellschaftliche Verhältnis hat seine subkutane Form erhalten, die nun als äußerliche Kategorie bequem analysiert und skandalisiert werden kann. Das Problem ist nun nicht mehr Armut an sich, sondern die oh Wunder damit zusammenfallende Demütigung und Missachtung dessen, was der Gesellschaft das Individuum darstellt, des Körpers. Impliziert wird die Kränkung der narzisstischen Gesellschaft durch diese als monströs perhorreszierte Fremdheit wabernder Gestalten. Statt Abschaffung des Hungers und der prekären Armut drohen nun Aufklärungskampagnen für so recht gesunde Armenküche - damit der ideelle Gesamteindruck einer sportlichen und ansehnlichen Nation erhalten bleibt.
2.2.08 21:46


Dolchstoßlegende am Rosenmontagsumzug

Der Deutsche kann von gewissen liebgewonnenen Traditionen nicht lassen. Am Rosenmontagsumzug präsentierte der Kölner Zoch wieder ein auserlesenes Modell deutscher Kleinkunst: Ein Nokia-Handy verwandelt sich in einen Dolch, der drei harmlose deutsche Arbeitskräfte aufspießt.
 
Damit wird die öffentliche Meinung eingefangen, bei Nokia handele es sich um einen "Subventionsbetrüger", eine Heuschrecke gar, die am deutschen Blute zapfe, um selbstsüchtig das Kapital zu mehren.
Dass Deutschland quasi Rumänien über Jahre hinweg durch Subventionen den Nokiastandort noch abpresste, ist sein gutes Recht inmitten nationalstaatlicher Konkurrenz. Der Vertrag, in dem gemeinhin das Maß der jeweiligen Äquivalenten, die zum Tausch anstehen, besiegelt ist, ist allerdings ebenso gutes Recht, und darin steht, dass Nokia nach einiger Zeit in Rumänien Arbeiter zum 10-fach günstigeren Lohntarif ausbeuten und mit den dann dort hoffentlich Streikenden verhandeln darf. Nun mag man sich über die Dummheit deutscher Staatsideologie empören, die solche Verträge überhaupt festschreibt, um der Krisenhaftigkeit des Kapitals auf einen prolongierten Zeitraum zu entwischen und den dringend benötigten Schein eines krisenfreien Kapitalismus zu polieren. 
Wenn nun dieser Schein unter dem Presslufthammer der globalen Realität und Mobilität des Kapitalverhältnissen durchbrochen wird, kräht man schnell von heimtückischen Kräften, die dem eigentlich guten, wahren, schönen Arbeitsverhältnis ungebührliche Gewalt antun. Es zählt eben die willige, ehrliche Arbeitsbereitschaft nichts mehr beim Kapitalisten, dieser hat, oh Wunder, sein patriarchales Verhältnis aufgegeben und entfleucht ungehemmt und ungebunden zum Weltmarkt für schnöden Mammon. Anstatt, dass man sich dem darin enthaltenen Versprechen, der freien, grenzenlosen Fluktuation von Geist, Waren und Körper anschmiegt und das positive daran aufzuheben versucht, nimmt man Nokia übel, dass es in Rumänien Arbeitskräfte heuern will, und dort nicht wie anständige Deutsche nur billig Urlaub macht. Nicht verstehen kann man, dass Nokia die hübschen deutschen arbeitssamen Gesichtlein und die liebliche Aussicht auf deutsche Gauen gegen ein gerütteltes Maß an Profitrate eintauschen will.
Dem schleicht sich subtil Rassismus ein: Dass nun "der Zigeuner da unten" auch wenn er jetzt endlich "da unten" bleibt, dem Deutschen noch im "eigenen Land die Arbeitsplätze wegnimmt", die auch noch, wie befremdend, "der Finne" von "da oben" "gemacht" hat, ist wirklich der Gipfel an Zumutung, den deutsche Gartenzwerge erdulden müssen, und wie gewohnt geht er statt zum streiken zum Fasching, um hinterher wieder bei Kaffee und Vanillekrem vom Elend der globalen Marktwirtschaft zu lamentieren.
Den vom Lebensstandardabsturz betroffenen Arbeitskräften gilt meine Solidarität solange, als sie das Kapitalverhältnis an sich als ihnen feindlich gesinnt begreifen und sich nach verständlicher Empörung entsprechend nüchtern und rational verhalten und organisieren. Sobald jedoch im Rahmen deutscher Gemütlichkeit Herr Kraut und Frau Kartoffel ihre höchst individuellen Deprivationsängste auf diese banale Werksschließung projizieren zu müssen glauben, hat man als Individuum von je das Schlimmste von diesen zu erwarten.
 
5.2.08 12:40


Kenia - eine Zusammenfassung

Kenia – Das bedeutet für viele immer noch den warmen Klang eines recht netten, ruhigen und wohlhabenden afrikanischen Landes mit Sonne, Meer, Litschis und einem gesunden Hochlandklima. Für diese vor 30-40 Jahren annähernd gültige Anschauung waren die jüngsten Massaker eine Überraschung: Ausgerechnet Kenia.
Andere kommentierten die Krise lakonisch unter Verweisen auf doch bitte zu streichende Entwicklungshilfe und wandten sich wie gewohnt von Afrika ab, nachdem ein angewiderter Blick den eigenen Überlegenheitsdünkel fütterte.

Afrika sorgt deshalb immer wieder für neue Überraschungen auf dem Gebiet des schlimmstmöglichen Denkbaren, weil ein Grundirrtum einen nüchternen Blick auf die Lage dort versperrt: Der Kolonialismus sei an allem schuld.
Antiimperialistisches Schuldbewusstsein erspart die intellektuelle Anstrengung, die zahllosen Faktoren und Facetten auch nur annähernd erfassen zu wollen. Es erhebt sich selbst über tatsächliche Lösungsansätze, da das basse Dagegensein, gegen Neoliberalismus und Imperialismus, schon als emanzipatorische Tat gilt. Die leere Hülle Afrika, deren Subjektstatus in dieser Wahrnehmung untergeht, habe eigentlich kein Problem außer dem Westen und dem Kapitalismus. Auf dieses Credo werden alle Probleme in Afrika zurückgeführt, und damit Afrikaner auf eine höchst aggressive Art und Weise entmündigt. Am nichtindustriellen Massenmord in Ruanda sei allein die Rassenpolitik der Europäer schuld. Die Probleme Südafrikas seien allesamt der Apartheid geschuldet. Und Nigeria versinke allein wegen der Ölfirmen in Korruption und Chaos. IWF und Weltbank würden jeden Fortschritt verhindern, um heimtückisch völlig intakte Ökonomien systematisch zu plündern und zu zerstören.

Im Falle Kenias zeichneten sich die Gewaltausbrüche seit langem ab. Seit der Dekolinisierung wurde die Ethnisierung gezielt gefördert. Ein Patronagesystem fordert vom jeweiligen Machthaber das Bedienen des jeweiligen ethnischen Klientels, von dem sie im Gegenzug gewählt werden. Der erste Präsident, Jomo Kenyatta, wurde vor allem von Kikuyu, Kamba und Luo unterstützt. Die Somalis im Norden blieben weitgehend unbeachtet und entsprechend desintegriert, sie forderten einen Anschluss an Somalia, das bewaffnete Banden unterstützte und Ende der 60-er das sicherheitspolitische Hauptproblem Kenias war.

Kenyatta hatte zwar eine integrative Politik angedacht, bediente allerdings vor allem sich selbst und den eigenen Clan bei Landverkäufen und Elfenbeinhandel. Eine Dominanz der bereits vorher besser gestellten Kikuyu war nicht zu übersehen, allerdings auch wenig verwunderlich, waren diese doch unter der Kolonialmacht besser gestellt und verfügten daher über mehr Ressourcen und höhere Einstiegsbedingungen.

1969 flammten angesichts offener Widersprüche innerhalb der Regierungspartei KANU und dem folgenden Austritt des Vizepremiers und Luo Oginga Odinga Unruhen auf. Die von letzerem gegründete KPU wurde nach einem Attentat auf Kenyatta in einem Luo-Gebiet verboten, Kenia wurde zum Einparteienstaat. 1975 gab es erneut Blutvergießen, nachdem der innerhalb der KANU oppositionelle Josiah Kariuki ermordet wurde. Mit Kenyattas Herrschaft breitete sich zudem die Macht der Kiambu-Mafia aus. Kenias Außenpolitik war seit Kenyatta streng prowestlich, im Land wurden Traditionalismus und Aufwertung afrikanischer Identität betrieben.

Kenyatta starb 1978 und hinterließ Daniel Arap Moi die Macht. Dieser wurde von dem Finanzminister und Kikuyu Mwai Kibaki entscheidend gefördert. Arap Moi gehörte den Tugen an und verfolgte eine ethnische Politik der Vereinigung kleinerer ethnischer Gruppen, vor allem der Kalenjin. Er überlebte einen Putschversuch 1982 mit ca. 1000 Toten, als dessen Drahtzieher der heutige Oppositionsführer Raila Odinga und dessen Vater Oginga angeklagt wurden. 1982 wurde Mois Herrschaft offen repressiv und ethnozentrisch. Luo und Kikuyu wurden systematisch benachteiligt und entmachtet. 1988 wurde Mwai Kibaki, heute umstrittener Präsident Kenias, entlassen. In Führungspositionen wurden gezielt Kalenjin befördert, die Bande mit Maasai, Samburu, Turkana, Kisii und kleineren Gruppen wurden gestärkt. Moi bereicherte sich und seinen Clan bis zum Ende seiner Amtszeit um etwa 3 Mrd. US$, die Korruption blühte durch das Patronagesystem.

1990 kam es dann zu regelrechten Revolten mit 18 Toten. Moi wurde durch internationalen Druck und eine erstarkende Opposition gezwungen, demokratische Wahlen einzuleiten. Da die Opposition sich jedoch zerstritt, konnte Moi noch zweimal zum Präsidenten gewählt werden. Gegenbewerber war unter anderem Oginga Odinga, der Vater des heutigen Oppositionsführers Raila Odingas. Bereits bei den ersten Wahlen war der Wahlkampf von ethnischen Konflikten geprägt: 1991 vertrieben Kalenjin und Maasai zugewanderte Luo und Kikuyu. 1500 Tote und 250 000 Vertriebene waren bis 1994 zu verzeichnen. Kenia versackte in Gewalt und Korruption, das Chaos ruinierte die Wirtschaft. Bei den Wahlen 1997 kam es erneut zu ethnischen Massakern, in Mombasa wurden an die 100 Menschen getötet und 100000 vertrieben. Opfer waren hier vor allem Luo, zwischen Maasai und Kisii und Kisii und Luo kam es ebenfalls zu Zwischenfällen.

Angesichts dieser Tradition von ethnischer Fragmentierung und Gewalt, von Korruption und Wahlmanipulation ist die jüngste Krise zu befürchten gewesen.

50% Arbeitslosigkeit und eine unter den durch die Korruption hochgetriebenen Produktionskosten ächzende Wirtschaft, eine von Traditionalismus und notorischem Nepotismus geprägte Ideologie und die stark patriarchal organisierte Machtverteilung sind Hauptbedingungen für die Massaker, denen im Januar und Februar 2008 ca. 1000 Menschen zum Opfer fielen. Die ausgeprägte Identifizierung von Herrscher und ethnischem Klientel im afrikanischen Kommando- und Patronagestaat führt auf Oppositionsseite zur Identifikation des jeweiligen ethnischen Klientels mit der diesem zugeneigten Regierung. Den männlichen Jugendlichen, denen Kritik in Familien und Partei versagt bleibt, bietet sich im Angriff auf wehrlose Vertreter der ethnisch bestimmten Machtgruppen ein willkommenes und einfaches Mittel, ihre oedipale wie ökonomische Frustration sadistisch abzureagieren.
Auf die Diskreditierung des Mehrparteiensystems bedachte prospektive Diktatoren instrumentalisieren die zur Gewalt bereiten Gruppen gezielt [1,2] um dann Einheit und Autoritarismus als Konsequenz gegen das "demokratische Chaos" einzufordern. Fernab des psychologischen Gewinns und der Instrumentalisierung knüpft das Plündern und Mordbrennen an alte Traditionen an – wer tötet, gewinnt Macht und Ansehen, gilt als Krieger und erntet Prestige. Das Morden dient so als Surrogat für herkömmliche Initiationsriten, die in der traditionellen Gesellschaft das Individuum rigide und totalitär bis zu seinem Tode in hierarchischen Stufen verwalten.
Die Gewalt nützt dadurch auch der traditionalistischen Bewegung Mungiki, die eine Rückkehr zu eben jenen straffen Riten fordert, und dabei wie bereits Kenyatta auch FGM als unabdingbaren Teil der afrikanischen Identität verherrlicht.

Mitnichten ist also die Gewalt ein von außen kommendes, überraschendes Übel, sondern sie hatte zahllose Vorläufer und Vorboten. Im Moment ist von der gut organisierten und eher liberalen Armee wenig zu befürchten, Polizei und Geheimdienst dagegen sind berüchtigt für Übergriffe und Duldung von Übergriffen. Der Schießbefehl, den Kibaki ausgab, um Plünderungen und Massaker zu stoppen, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auch missbraucht werden, um alte Rechnungen zu begleichen. Dennoch dürfte beiden Seiten nicht entgangen sein, dass weite Teile der Bevölkerung Frieden und Fortschritt tatsächlich wollen und des Überlebens wegen dringend brauchen und dass das Chaos kaum Möglichkeiten zur Bereicherung bietet. Das Abflauen der Gewalt gibt zumindest zaghaften Anlass zur Hoffnung auf weitergehende Veränderung. Diese wird allerdings kaum von den Parteien und ihren korrupten Potentaten vorangebracht, als vielmehr von den zivilgesellschaftlichen NGOs, Juristenverbänden und insbesondere den Frauenorganisationen.

Informationen in weiten Teilen entnommen aus:

Martin Pabst: Kenia. 2001: Beck’sche Reihe Länder. 208 Seiten.

Wikipedia



6.2.08 15:39


Die Keffyah als Schnuffeltuch

Als ich die 9-jährige Freundin der Tochter meines Mitbewohners mit Keffyah auf der Straße mit dem Modellflugzeug spielen sah, dachte ich noch "die werden ja auch immer jünger immer krasser".
Seitdem gehe ich mit etwas wacheren Augen durch die Straße und wundere mich: Virtuell jedes Gör, das schon alleine frei rumlaufen darf, hat sich so einen palästinensischen Halstschador gekauft und umgehängt. Ob nun die ökobewegten Eltern das Ding als Stoffwindel kauften und dem Kind zur Sicherheit nochmal in die Schule mitgeben, oder ob Karstadt schon einen so großen Einfluss auf Kindermode hat:
Es ist nicht lustig.
Pubertäres Aufbegehren erhält so eine Abfuhr in einem als Widerstand symbolisierten Stück Stoff. Das verbindet die Kleinen, die noch nicht Tagesschau gucken dürfen, weil das zu brutal wäre, mit den Großen, die vom schwarz-weißen Schnuffeltuch nicht lassen können, weil sie sich so zur gleichen Zeit mächtig individuiert und kollektiv zu Hause glauben dürfen. Echtes, und in diesem Alter dringend notwendiges Aufbegehren, Zeichen einer gelungenen Erziehung, findet nun auf einer rein symbolischen Ebene statt - Denken wird durch das Kaufen des als rebellisch goutierten Artefakts ersetzt. Solchermaßen wird das Kind von je bevorzugt an Fasching durch den gefährlichen Pirat, den Cowboy, der kaum laufen kann, die Hexe, die dann doch noch weint, domestiziert: Es darf die Aggression in diesen Phantasiespielen ausleben. Ein harmloses Geschäft, solange das infantile Symbol des Antisemitismus nicht zum legitimen des infantilen wird. Noch schlimmer wird es, wenn Eltern ihr Kind als Litfasssäule ihrer eigenen Komplexe missbrauchen, weil sie selbst nicht in der Lage sind, klare Grenzen zu setzen. "Mein Kind ist jetzt schon politisch interessiert" - so soll wohl dann die Botschaft jener lauten, für die ein Selbstmordattentat politisches Engagement bedeutet.
11.2.08 12:04


Irak - Situation der Frauen und Kinderterroristen

Ein sicheres Anzeichen dafür, dass Al-Quaida (zu) langsam im Irak die Puste ausgeht, war der Missbrauch von zwei geistig behinderten Frauen als Selbstmordattentäterinnen. Ein weiteres ist die Rekrutierung von Kindern als Terroristen und Selbstmordattentäter.

Unterdessen steigt die Gewalt gegen Frauen unabhängig von der Zugehörigkeit zu offen als terroristisch bezeichneten Organisationen an: der Terror der religiösen und patriarchalen Fanatiker wird individualisiert gegen die ubiquitärsten und schwächsten Ziele der Gesellschaft. Ein Bericht darüber findet sich in der NZZ.

11.2.08 15:00


Der Krieg des Charlie Wilson

Es gibt Filme, die muss ich nicht zerpflücken, weil sie für sich selbst sprechen. Der Krieg des Charlie Wilson ist so einer. Bedenkenlose  und unbedingte Empfehlung meinerseits.
11.2.08 21:02


Lesen lernen mit Fidel Castro

Ein ganz erlesenes Kulturgut der Menschheitsgeschichte fand ich im WG-Bücherregal. Fidel Castro erklärt kleinen Kindern, wie man Alphabetisierung als antiimperialistischen Abwehrzauber einsetzt.

Hübsch klein und emanzipiert schreiten schwarz, weiß, männlich und weiblich vor der Festung Spalier.

Mit dem Phallus Stift, gängiges Symbol in Schulbüchern, wird die Festung des Imperialismus angegriffen.

Darin sieht es wie oben aus: Armut wird von hakennasigen Zigarrenmännern, fiesen Militärs und sündigen Prostituierten begleitet. Letztere sticht durch ihre feuerroten Haare besonders hervor. Sie tritt aus dem Bild heraus, die verborgene Ambivalenz lässt sie gerade noch als begehrenswert erscheinen, zwischen ihr und dem armen Schuhputzer stehen dagegen die beiden bösen Männer.

"Stürzt den Mörder Batista". Die erniedrigte und mit einer blutigen Nase in eine devote Position gezwängte ödipale Vaterfigur, ein Batista-Polizist, darf in Höllenfeuern des enteigneten Großgrundbesitzerguts gebraten werden. Die rebellierende Bande der Jungmänner zieht sich zurück.

Zwar will das Gesamtkonzept Rassismus offenbar ansprechen, hier wird jedoch explizit auf eine typische Negerkarikatur, wahrscheinlich ist Batista selbst gemeint, zurückgegriffen. Alle mit roten Phalli ausgestatteten Verteidiger des riesenhaften Monsters sind mit extremen Nasen und Über- oder Unterbiss versehen.

Friedlich sitzt die Taube auf dem Phallus Kanonenrohr. Rot sind hier die beiden Blumen, die Kreativität symbolisieren wollen. Die Aneignung des Phallus leugnet Destruktivität und behauptet die friedliche Nutzung desselben.

Muttergleich empfängt Castro selbst mit seinem gewaltigen Bart die Kindlein in der Festung seines Herzens. Hier dürfen sie zurückkehren in den dunkel-heimeligen Uterus.

Nach getaner Übung reiht man sich stolz ins Fahnenträgertum ein, wie SDAJ oder FDJ am anderen Ende der Welt. Ob ihre Väter und Großväter, seien es ehrliche Kommunisten, Gewerkschafter oder reaktionäre Konservative, von Castro und seinem Mordbruder Guevara an die Wand gestellt wurden, juckt sie nicht mehr. Hunger steht ihren Pausbäckchen schlecht an und von Foltergefängnissen, deren Wärter sie später darstellen, weiß man noch nichts. Im fröhlichen infantilen Ringelrein frönt man der Geschichtsfälschung und Verherrlichung. Lesebücher dieser Provenienz wurden übrigens bei sozialistischen Alphabetisierungskampagnen auf Nicaragua eingesetzt. Ein Faktum, das den Terror der Contras nicht rechtfertigte, aber bedingte, nicht zuletzt dadurch, dass viele der eher konservativen, englischsprachigen Miskito-Indigenas sich - eben wegen solcher permanenten Indoktrination und gleichzeitigen mörderischen Verbringungen in Sammellager - den Contras anschlossen.


15.2.08 14:18


Eine ganz andere Flüchtlingsfrage

Die Jerusalem Post berichtet nach einem Anschlag der Hamas auf eine Bibliothek der YMCA in Gaza: 

"The Palestinian Christian population has dipped to 1.5% of the West Bank and Gaza Strip, down from at least 15% a half century ago, according to some estimates. No city in the Holy Land is more indicative of the Christian exodus than Bethlehem, which fell under full Palestinian control last decade as part of the Oslo Accords. The town of 30,000 is now less than 20% Christian, after decades during which Christians were the majority. Elsewhere in the PA territories, only about 3,000 Christians, mostly Greek Orthodox, live in the Hamas-run Gaza Strip, among a strongly conservative [sic! NI] Muslim population of 1.4 million."

 

15.2.08 14:56


Hexenjagd in Saudi-Arabien

In Saudi-Arabien droht einer Frau die Exekution wegen Hexerei. Human Right Watch hat eine Petition dagegen verfasst, auf WOMD wird das prompt von "Mr.President" als Zeichen der Rückständigkeit kommentiert:

Hexen haben in Saudi-Arabien keine Chance: Staat und Religionspolizei gehen mit einer “zero tolerance”-Strategie gegen jegliche Aktivitäten mutmaßlicher Hexen vor. Man weiß allerdings nicht genau, was “Hexerei” eigentlich ist und im Rest der Welt glaubt auch niemand mehr so richtig an die Existenz von Hexen. Aber anscheinend bietet die Hexenjagd den Saudis einen tollen Vorwand um ihre Frauen noch brutaler zu unterdrücken.

Wenn diese Verrücktheiten keine Menschenleben kosten würden, dann würde man wohl laut darüber lachen. Arme Irre!

In vielen afrikanischen Staaten, v.a. Kamerun schmoren Menschen seit Jahrzehnten wegen Anti-Hexereigesetzen im Gefängnis, werden gesteinigt, verbrannt oder mit Macheten zerhackt. Wenn so etwas in Afrika, Indien oder Indonesien passiert, regt sich keiner derer, die vorgeblich wissen, was man im "Rest der Welt" so glaubt, darüber auf - möglicherweise einfach aus Unwissen. Informationen über moderne Hexenjagden, die seit 1900 mehr Opfer forderten, als die europäischen der frühen Moderne, erhält man schließlich nur als universitäre Bückware oder bei renommiertesten Medien alle halbe Jahre mal - man müsste andernfalls ernsthaft aktiv werden oder die Dialektik der Aufklärung verinnerlichen oder schlimmer noch: postkoloniale Subjekte kränken und kritisieren.
Wird in Iran eine Frau gesteinigt, gibt es zahlreiche Institutionen, die Petitionen verfassen und über die unterschiedlichsten Netzwerke weiterleiten. Das ist sehr gut so. Nur, warum habe ich noch keine einzige Petition gegen die in Kamerun üblichen Hexerei-Urteile oder die in Tansania weithin üblichen Lynchmorde gesehen? Das wirft in der Tat Fragen nach engstirniger, mithin ethnozentristischer Selektion der Lieblingsobjekte und allgemeiner Kritikfähigkeit auf. Anscheinend ist es weitaus unpopulärer, afrikanische Gesellschaften und Staaten zu kritisieren. Afrika wird lieber "geholfen" als gescholten.
In Iran hat das Engagement gegen Steinigungen, die anscheinend nur dort als Zeichen der Barbarei gelten, übrigens tatsächlich dazu geführt, dass Ehebrecherinnen fortan nicht mehr gesteinigt werden. Die Mullahs entschlossen sich, fortan nur noch zu erhängen. Welch ein Fortschritt.

16.2.08 20:41


Castros Rückzug - Kein Sieg der Freiheit...

„La historia me absolverá!"
Fidel Castro

Fidel Castro Ruz verdankte seinen Aufstieg vom Großgrundbesitzersohn zum Präsidenten zunächst zu nicht unwesentlichen Teilen den USA. Diese verhängten gegen Batista nach Massenmorden an Oppositionellen ein Waffenembargo und verweigerten ihm ein militärisches Eingreifen. Weite Teile der linken Presse in den USA präsentierten Castro als Vorkämpfer der Freiheit. Von kommunistischen Ideen schwieg der damalige Räuberhauptmann noch, die Hinwendung zur Sowjetunion erfolgte erst nach der Abwendung vom nunmehr imperialistischen Erzfeind. Die zahlreichen gescheiterten Mordversuche beförderten seine Paranoia ebenso wie seinen Führerkult.

Nach den hinlänglich bekannten Ereignissen der kubanischen Revolution 1959 schwang sich Castro zum Diktator auf: Die versprochenen freien Wahlen erklärte er für überflüssig, Anhänger der katholischen Gewerkschaft, die mit Castro gegen Batista gekämpft hatten, wurden ebenso an die Wand gestellt wie Oppositionelle, Batistaanhänger, ehemalige Kampfgenossen. Der Arzt Ernesto Guevara war dafür bekannt, diesen Hinrichtungen zur Entspannung beizuwohnen. In seinen Schriften zum Guerillakrieg, den er zunächst ausschließlich auf faschistische Zustände zuschnitt, und dann im Zuge antiimperialistischer Wahnphantasien immer weiter fasste, wurde ein Haupttelos die totale Vernichtung der Armee des Feindes nach dem Sieg der Guerilla. Das Gefängissystem Kubas entwickelte sich in der Folge zu einem der brutalsten in der Geschichte Südamerikas. (Souchy)

In der kubanischen Gesellschaft wurden Homosexuelle, Abweichler und jeder Hauch von Selbstorganisation durch stalinistischen Terror unterdrückt. Die ökonomischen Fehlentscheidungen und der autoritäre Regelungsstil bis ins kleinste ökonomische Detail führte zu einem exorbitanten Rückgang der Produktion, so dass auf der Zuckerinsel Kuba für die eigene Bevölkerung der Zucker rationiert wurde und der Hunger sich breitmachte. Guevara wurde zum Banken- und Industrieminister, weil er die Frage, wer in der Runde der Revoluzzer etwas von Ökonomie verstehe, akustisch falsch verstand und sich meldete. Zur Frage der Gewerkschaften lies der grandios scheiternde Minister dann 1960 verlauten:

"Der Arbeiter muß sich von allen bürgerlichen Illusionen befreien. Er ist nichts anderes als ein Diener des Staates; seine Funktion ist, so gut wie möglich zu arbeiten und so viel wie möglich für das Vaterland zu produzieren."

1963 erklärte er:

"Es ist das Schicksal der Gewerkschaften, zu verschwinden. Wir müssen sie darauf vorbereiten zu verschwinden. Und die Arbeiterführer müssen wir psychologisch darauf vorbereiten zu verschwinden." (Beide nach: Souchy 1974)

Der ökonomische Absturz Kubas hatte die möglicherweise von Castro erzwungene Auswanderung Guevaras zur Folge: In Afrika versuchte er, kongolesischen Guerillas das zünftige Kämpfen beizubringen, die Verhandlungen und politischen Interessen der Anführer selbst interessierten ihn wenig. In Bolivien fand er dann das, was er eine beträchtliche Zeit seines Lebens suchte und verherrlichte: Den Märtyrertod.
Dass sein ihn überlebender Mordbruder Castro als innigster Vertreter des Linksfaschismus nicht gestürzt wurde, sondern nun lediglich aus Alters- und Krankheitsgründen zurücktritt, ist eine Niederlage für die Freiheit und kein Grund zum Jubeln. Solange in Kuba keine Zivilgesellschaft mehr existiert, in der die Verherrlichung des Staates und der Führerkult nicht durch alle Poren gedrungen wären, hängt die Befreiung Kubas von der Politik seiner Befürworter und Gegner ab.

Quellen:
Souchy, Augustin : Betrifft Lateinamerika.  Zwischen Generälen, Campesinos un Revolutionären. Edition Mega. 1974. 217 Seiten.

Lahmbert, Robert: Die Guerilla in Lateinamerika.  Theorie und Praxis eines revolutionären Modells. DTV: 1982.

Allemann, Fritz Rene: Macht und Ohnmacht der Guerilla. Piper. 532 Seiten.

Guevara, Ernesto Che: Der afrikanische Traum. Kiepenheuer&Witsch, 2000. 319 Seiten.

Ders.: Bolivianisches Tagebuch. Trikont Dianus, 1985. 227 Seiten.

Ders.: Guerilla Warfare

Wikipedia: Fidel Castro  

19.2.08 11:42


Gesammelte Werke

Die Kategorie "Gesammelte Werke" habe ich zur Erleichterung der Suche alter Artikel auf allen Seiten überarbeitet und damit diese alte Baustelle zum Abschluss gebracht.
20.2.08 13:13


Dogmen, Zäsuren und Paradigmenwechsel

Seit zwei Jahren blogge ich nunmehr regelmäßig Beiträge, die ich zum einen für mich selbst als Notiz ausformuliere und zum anderen als Kritik und Diskussionsvorschlag verstehe. Über 270 Artikel sind Grund genug für ein konsterniertes Innehalten. Von der Kritik der Bewegungslinken, an der ich mich zunächst in einem vergeblichen Bemühen um Reflexion auf den Narzissmus des kleinen Unterschiedes und jenem aufs Ganze abarbeitete, schwenkte ich allmählich auch auf eine Kritik gewisser antideutscher Auswüchse um. Da ich in diesem Klientel zugleich die wohl größten Anteile der auf durchschnittlich 200 Seitenabrufe täglich angewachsenen Leserschaft vermute, wollte ich dahingehend auch solche Themen besonders beleuchten, die ich als blinde Flecken in den Diskursen vermisste: ein ethnologisches Wissen insbesondere um Afrika, eine Evolutionismuskritik, wie sie Adorno/Horkheimer explizit einbringen, und eine Relativierung gewisser dogmatischer Positionen.
 
Damit wären wir beim Thema Paradigmenwechsel. Eine Zeit lang verlockte die Anonymität des Mediums dazu, Reflexion über narzisstische Kränkungen, i.e. Übertreibungen, Pauschalisierungen und Beleidigungen derjenigen voranzutreiben, die durch eben jene Züge sich besonders blamierten. Zum einen ist diese Anonymität den aufmerksamen Lesern gegenüber nicht mehr aufrecht zu erhalten (das Private trapste mit Riesenschritten in den öffentlichen Raum), zum Anderen fallen mir in der Retrospektive einige sprachliche Neigungen auf, die ich zukünftig eher vermeiden möchte. Grund ist weniger ein Schamgefühl: viele renommierte Wissenschaftler blamieren sich sicherlich konsequenter und erhalten dennoch Zuspruch und Lohn. Und auch noch so korrekten Kritikern (und damit mir selbst) gestatte ich das Recht zu, sich zu irren oder im Ton zu vergreifen, sofern darauf später reflektiert wird. Ursächlich für ein Umdenken ist mehr ein von meiner Seite aus gewachsener Anspruch an den eigenen Text.
 
Als Konsequenz daraus möchte ich die überaus geschätzte Leserschaft vorsichtig darauf vorbereiten, dass zukünftig vermehrt kritisch-theoretische und damit unorthodoxe Wissenschaftlichkeit im Vordergrund meines Strebens steht, begleitet von einer womöglich skeptischeren und vorsichtigeren Ausformulierung und dass im Zuge dessen die Polemik auf den Rang einer Hilfswissenschaft verwiesen wird.
Auch wenn das Vorsichhertragen der Frustriertheit über gesellschaftliche Zustände nachvollziehbar ist, so ist es zugleich auch mit einem Lustgewinn besetzt, der auf die kritische Analyse jener Zustände negative Auswirkungen hat - die Abkürzung und das permanente Voraussetzen schleicht sich dann als Dogma und Verkürzung ein. Und damit kündige ich insgeheim einen Beitrag über Theodor Reiks "Dogma und Zwangsidee" an.
 
Noch etwas möchte ich festhalten: Die Kommentarfunktion erschien mir in vielen Fällen als Segen und ich hoffe, dass auch den schärfsten Gegnern die Behauptung schwerfallen wird, ich würde Kritik am Vorgetragenen nicht dulden oder berücksichtigen. Allen aufmerksamen Korrektoren und Kritikern sei hiermit mein herzlichster Dank gesagt.
Wer Beleidigungen austeilt, muss selbst welche aushalten können, und so verfuhr ich in der Regel auch mit Hatespeech und den substanzlosen Schmähungen, deren Lustgewinn an anderer Stelle erörtert sein will. Was mich daran bisweilen wirklich tangiert, ist das Dropping, das Abladen von Pseudokritik aus purem Beleidigtsein heraus, denn dieses versagt jeder Diskussion ihre Berechtigung und verspricht im Wort bereits die Exekution des politischen Gegners. Daher richte ich an solche Kandidaten die Bitte, auch polemische, harte Kritik und an meine Adresse gerichtete Beleidigungen doch wenigstens in mehreren Sätzen auszuformulieren und mir die Gelegenheit zu geben, selbst den absurdesten wahren Kern darin zu erkennen.
24.2.08 14:36


Fragment über die Umfrage

Kulturkritik, so Adorno, ist dazu prädestiniert, dass sie ihr eigenes Hervorgehen aus Kultur vergisst und verleugnet.
 
Das Vorrecht von Information und Stellung erlaubt ihnen, ihre Ansicht zu sagen, als wären sie die Objektivität. Aber es ist einzig die Objektivität des herrschenden Geistes. Sie weben mit am Schleier. [...] Immer enger werden die Maschen des Ganzen nach dem Modell des Tauschaktes geknüpft. (Adorno 1963: 9)
 
In der Entscheidung des Kritikers, im nüchtern rationalen Abwägen, Durchmustern, Verwerfen und Zustimmen wird ein Schein von Freiheit entworfen, der die Besinnung auf die eigene Unfreiheit um so schwerer macht. Die Konsumentenkultur ist kein Luxus, sondern die "Verlängerung der Produktion". (ibid:15)
 
In der derzeitigen Manie des Bewertens kommt das zu sich selbst, was Adorno bereits an den damals viel geringeren Symptomen erkannte. Dieser Tage kann man keine E-Mail lesen, ohne nicht mindestens dreimal nach seiner Meinung gefragt worden zu sein. Die mittlerweile bei allen Zeitungen und größeren Portalen gängigen Abstimmungen entbehren systematisch der Qualität der Fragen und der Auswertung. Der gemeinüblich sein Recht auf demokratische Meinungsäußerung auslebende Forumsuser kann auf tools zurückgreifen, die ihm selbst jegliche Fragestellung abzurufen erlauben. So können Tests, ob man nun eher Superman oder Spiderman sei, Identität schaffen und das Individuum für einen Moment darüber hinwegtäuschen, dass seine Rest-Besonderheit nichts gilt, sofern sie nicht markttauglich kategorisierbar und abwägbar ist. Zugleich stoßen sie es aber um so erbitterter auf diese Wahrheit und tun ihres zur Disziplinierung des maßlosen Wunsches nach Omnipotenz und Freiheit, wie sie in Superhelden sich ausdrückt.
 
Das zieht sich als Unsitte durch und durch. "Das perfekte Dinner" und "Promi-Dinner" kumuliert brauchbare Kochtips, moralische don'ts und do's des gesellschaftlichen Lebens, der implizite Zweck jedoch ist das Heben der Punktetäfelchen. Der Leistungssport okkupiert noch die intimsten Bereiche: Auf Viva wird eine Sendung ausgestrahlt, bei der Kandidaten nach verschiedenen Kategorien auf ihre sexyness hin beurteilt werden. Je nach Wertung werden sie aus dem Saal geschickt oder auf ein Drehpult gestellt, bis der Nächstbessere sie verdrängt. Archaische Balzrituale kehren so wieder im äffischen Einnehmen des Ausguckfelsens, nur dass nicht mehr bloße haarige Muskelkraft, sondern auch ein solides Lächeln und eine Portion cuteness gefragt sind. Fair gratuliert der Verlierer noch, wie das Beta-männchen sich einst in die Horde zurückbegibt um weiter Blätter zu kauen. Monogamie und Gleichberechtigung fordern eben solches von der Frau, die einem verbreiteten Unglauben entgegen nicht die erste war, an der die Schätzung und Wertung in Misswahlen, dem innovativen Pendant zum Kriegsheldentum sich vollzog.
 
Um wieviel ehrlicher ist der barbarische Boxkampf, bei dem die Konkurrenz bewusst ausgelebt wird, der Ring die Grenzen zur Zivilisation markiert und im Betrachten des Kerns des eigenen Alltags dieser seinen Schrecken kurzzeitig verliert.
Solcher Wiederholungszwang, in den Runden und stets prolongierten Wiederholungskämpfen eines Rocky meisterhaft versinnbildlicht, feiert derzeit den Endsieg. Kaum ein Bereich, in dem nicht bewertet würde, was hot und was not ist.
Die epidemisch zelebrierte Freiheit des Entscheidens ist ein Symptom der Demokratisierung, die ihren drohenden Umschlag schon in sich trägt. Sadistisch wird hinabgestoßen, zurechtgestutzt mit dem Ausblick auf Konsumtion des eben noch Tragbaren. Dieter Bohlen, der den Teenagern die narzisstischen Kränkungen zumutet, die ihnen ihre in der allseitigen Konkurrenz nicht hinnehmbare Flausen und Träumereien austreibt, ist nicht eine Beleidigung, sondern Kern der Gesellschaft. Diese lauert im Brandmarken mit dem Zeichen der deklassierten Devianz schon aufs Pogrom. Das Ausmerzen an sich selbst, das nötig war, um Klasse zu erreichen, will ebendieses an anderen als Pflicht und Vernunft rationalisieren: Die endlose Wiederholung der eigenen Schmerzen im Anderen versucht vergeblich die eigenen vergessen zu machen. Das Feindliche wird nach einmal verlorenem Kampf ins Überich introjiziert und fortan zur Norm, zur Vernunft, zur Moral. Nicht Prüfung dieser Vernunft, sondern Vergessenmachen des Kampfes, des Leidens, der eigenen Kränkungen stehen im Telos moderner Abstimmungsrituale, Kämpfe und Wettbewerbe.
In diesem neurotischen Wiederholungszwang wird Massenkultur verständlich. Sie soll nicht ablenken und zu Träumereien inspirieren, wie noch das französische Gemüse der Leinwand, nach Adorno schon selbst ein Traum (Adorno 1951: 77f), sondern auf Wunsch der Disziplinierten hin disziplinieren und wieder und wieder die Einfühlung in den Wert als Prinzip zelebrieren, um sie zuletzt noch erträglich zu machen. Als kärglichen Leidensgewinn darf man dann mit dem Cowboy, dem Mörder, dem verfolgenden Hauptkommisar und Privatdetektiv, dem Showmaster, der Masse des Publikums die eigenen zu beseitigenden Gelüste kurzweilig verleben.
 
 
Quellen:
 
Adorno, Theodor W.: Prismen. Kulturkritik und Gesellschaft. 1963. München: dtv Verlag. 283 Seiten.
Adorno, Theodor W.: Minima Moralia. Reflexionen aus dem beschädigten Leben. 2001 (1951). Frankfurt a.M.: Suhrkamp Verlag. 481 Seiten.
28.2.08 11:57


Rwanda - 1 074 000 Todesopfer des Genozids

Die Schätzungen zu den Opferzahlen des Völkermordes in Ruanda bewegten sich bislang zwischen 500 000 und 1 000 000. Auf allAfrica.com wurde nun über eine Untersuchung von MINALOC (Rwanda Ministry of Local Government) berichtet, die die tatsächliche Zahl bei 1 740 000 veranschlagt. Wie sich herausstellte, handelt es sich um einen Fehler, bekanntgegeben wurde die Zahl 1 074 000.

Der Massenmord in Ruanda war nicht industriell. Dennoch war er auch nicht archaisch. Die Macheten wurden über internationale Handelswege vom anderen Ende der Welt eingeführt. Mit Radios wurde die Bevölkerung aufgestachelt und das Morden orchestriert. Die Systematik und Kälte, mit der individueller Hass organisiert wurde, die kalte sadistische Wut, mit der Todeslisten geprüft und abgehakt wurden verweisen auf die gleichen Ressourcen, die der Nationalsozialismus für seinen Vernichtungskrieg nutzbar machte.
Vieles spricht dafür, dass die Potentaten sogar bewusst auf die nationalsozialistischen Techniken der Planung eines solchen Massenmordes zurückgriffen. Die systematische Vernichtung von mindestens 1 000 000 Menschen in 100 Tagen mit primitivstem Gerät bedeutete den bislang zynischsten Fortschritt der Massakergeschichte. Es bedurfte dazu einer Fragmentierung und Vereinzelung der Gesellschaft, wie sie Grundlage für die bürgerliche ist. Ein abgrundtiefer Hass und Sadismus, eine gärende Wut waren auf Seiten der Täter vonnöten, dass eine größere Zahl von Menschen das Tötungstabu derart spielend überwand. Die ihren Sadismus am willkommenen, auf Abruf degradierten Objekt abtobenden Mörder mussten nicht ausgebildet werden. Ein seit Dekaden trainiertes Ressentiment ermöglichte das blitzartige Rekrutieren von bis zu 30 000 Interahamwe-Mördern und das Aufhetzen von bislang friedlichen Nachbarn. Und wieder einmal zeigten sich die UN unfähig, ihrem protektiven Anspruch gerecht zu werden: Nach dem Tod von 10 UN-Soldaten zogen ihre Truppen weitgehend ab und hinterliesen im besten Wissen um das Geschehen vor Ort den Interahamwe die killing-fields.

Jegliches Kategorisieren und Vergleichen droht angesichts der absoluten Barbarei in Rationalisieren abzugleiten. Auschwitz wird sich nicht wiederholen, es hat sich nie wiederholt und es war immer schon ein Teil eines noch größeren Grauens.
Dass jedoch nichts irgend Ähnliches geschehe ist gleichsam der Kern des von Adorno nur mühsam ausformulierten kategorischen Imperativs der Menschheit nach Hitler. In Ruanda zeigten moderne Demokratien zum wiederholten Male, dass sie nicht in der Lage noch Willens sind, Völkermorde zu verhindern. Jedes Fazit erübrigt sich.

29.2.08 18:14


Heftige Raketenattacken auf Ashkelon und Sderot

In den letzten 24 Stunden schlugen 80 Kassams im südlichen Israel ein. Neun wahrscheinlich in Ägypten eingekaufte Katjusha-ähnliche GRAD-Raketen russischer Herkunft trafen Ashkelon und verwundeten 2 Personen. 1000 Raketen wurden seit Anfang 2008 von Terroristen aus dem Gaza-Streifen abgefeuert.
Quelle: Israel News
29.2.08 21:31


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