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GDL - Bahnstreiks ja bitte

Ich gebe zu, als auf der faulen Haut herumlesenden Magisterprüfling in spe werden mich die Bahnstreiks der GDL wenig treffen. Von daher ist es leicht, mich damit zu solidarisieren. Mein Rat für alle Pendler: Einfach mal Pause machen und zu Hause bleiben.

Wenn die Lokfahrer auf das Missmanagement des Unternehmens pfeifen und auf ihrem Recht bestehen, ihre Ware Arbeitskraft zu einem angemessenen Preis verkaufen und ferner keine nennenswerte Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt auftaucht, im Gegenteil ein Stellenmangel herrscht, den die Bahn nun fieberhaft ausgleichen will, ist dem entschlossenen unbeirrbaren Engagement aus emanzipatorischer Perspektive nur zuzustimmen - wenn die Bahn durch die Forderungen pleite gehen sollte, warum sollten dann ausgerechnet die Lokfahrer diese Pleite durch ihr permanentes Selbstopfer verhindern?

Die Forderung von 16-40 Prozent mehr Lohn und einer Stunde Arbeitszeitverkürzung scheint tatsächlich tough. Wenn man aber die Inflationsrate in Betracht zieht, die Zeit der ausbleibenden Lohnerhöhung, das generell miserable Lohnniveau der 41 Stunden pro Woche mit Höchstkonzentration beanspruchten Schichtarbeiter, die regelmäßig in Hotels übernachten und ohnehin unvorhergesehene Mehrbelastungen tragen müssen, rechtfertigt das die Ansprüche über Gebühr.

Zu erwarten ist, dass öffentliche Medien entrüstet aufprusten, was denn den Lokomotivfahrern einfiele, ihre Schlüsselstellung auszunutzen. So geschieht es derzeit am laufenden Band, schlichter Sozialneid macht sich breit. Dass zu dieser Macht in der Schlüsselposition erstmal die mühevolle Organisation gehört, blenden die Neider aus. Andere jammern, die Bahn sei pleite, Lokführer von Konkurrenzunternehmen bekämen noch weniger, der Kunde müsse den Aufpreis zahlen. Der BDI berechnet schon jetzt die wirtschaftlichen Schäden des Streiks auf Milliardenhöhe und klar ist - für die nächste Krise werden die Lokfahrer verantwortlich gemacht werden.

Dass sich Arbeiter organisieren und so Beispiele eines emanzipatorischen, nicht staatsappellativen Verhaltens liefern, rational ihre Interessen im Gegensatz zu denen des Kapitals stellen, das die Unternehmensführung wider sie vertritt, ist zu befürworten. Anzugehen ist gegen die jämmerlichen Versuche, das als "unsolidarisch" - ergo nicht in die kapitalistische Unternehmensrationalität passend - abzuwerten. Viele Deutsche hätten halt am liebsten einen Staat, der die Löhne garantiert, ohne dass man sich anstrengen oder selbst seine Interessen wahrnehmen muss. Das ist die vorauseilende Sklaverei des Geistes, in der das Eigeninteresse im Staatsinteresse faschistisch oder wahlweise sozialistisch aufgehen soll - als Forderung wird so gemeint, was die Diktaturen stets als Praxis betrieben: Das Verbot gewerkschaftlicher Betätigung.


Fallende Löhne und härtere Arbeitsbedingungen wollen sich die Deutschen in der derzeit auf ekelerregende Weise etablierte Phrase der "Heuschrecken" erklären - dass sie einfach zu unterwürfig sind, um zu streiken und ihnen Organisation über die regressiven Turnvereine, zahllose müßige Stammtischrunden, Faschingsvereine, endlose Dorffeste von Kirchweih bis Fronleichnahm hinaus zuwider ist, kommt ihnen nicht in den Sinn. Nur daraus erklärt sich, dass tatsächlich Ärzte, Arbeiter in der Schlüsselposition schlechthin, die Streichung von Weihnachtsgeld und anderen - etwa einem Metaller selbstverständliche - Errungenschaften hinnehmen wie einen Exitus beim 98-Jährigen.

1.10.07 17:52


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Burma - mahnende UN-Klapse statt Revolution

Die durchschnittliche Presse hat schnell das Interesse verloren, Burma ist allenfalls noch in den hinteren Teilen der Zeitungen zu finden, allein CNN und SPON berichten noch ausführlicher. Verschwörungstheorien werden laut, nach denen das Medieninteresse nur von US-amerikanischen Bedürfnissen, China zu schaden, inspiriert sei. Wie immer befinden sich die Antiimperialisten noch mit den ärgsten Regimes im Bunde, wenn nur ein "sozialistisch" gegen "US-Medien" steht - das war nicht anders, als noch Flugblätter für Pol Pot oder den Sendero Luminoso verteilt wurden. In Burma finden derweil Massenverhaftungen statt, ganze Klöster sind über Nacht leer gefallen.

Die Karen National Union fordert Soldaten zum Überlaufen auf und bekundet den Willen, die Regierung zu stürzen. Das wird sie vermutlich auch anfällig für Spione machen, ungefähr 90 Soldaten seien bislang übergelaufen. Etwa 1900 festgenommene Mönche und Nonnen, darunter Kinder, sollen in strengsten Arbeitslagern inhaftiert bleiben. Aus 400 verhafteten Mönchen wurden 90 aus mangelnden Verdachtsgründen gezielt in ein von der Junta gekauftes Kloster verbracht.
10 Parlamentsmitglieder und 137 Parteimitglieder der NLD wurden verhaftet. 10 000 demonstrierten trotz Verbot in Arakan. Die Junta kauft Demonstranten und zwingt sie, an Protestmärschen gegen die Mönche teilzunehmen. Irrawaddy spricht von bis zu 130 Toten und 3000 Verhaftungen im Verlauf der Proteste. Ein geflohener Offizier berichtet von hunderten von Toten und Schießbefehlen, an anderer Stelle wird ein Massaker an 200 Mönchen bezeugt. Bangladesh schottet derweil seine Grenzen gegen Flüchtlinge ab.

Die Junta  scheint auf die Brechung duch Folter und Absonderung von jeglichen Aufrührern in Arbeitslagern - ohnehin eine feste Institution für weite Teile der Bevölkerung - zu setzen. Wieviele dort unbeachtet in Zivilkleidung (also ohne die weinroten Roben) über die Jahre sterben, erfährt die Öffentlichkeit nicht. Die ohnehin spärlichen Informationen werden durch Kampagnen der Regierung gegen zivile Journalisten weiter eingedämmt. Was im Geheimen stattfindet ist zu Recht und leider auch über die Maßen Anlass von Spekulationen.

4.10.07 11:09


Defamation - der Al-Dura Fall

Wer auf der Documenta war, wird sich vielleicht noch an ein gut besuchtes Kunstwerk erinnern, bei dem ein paar aquarellierte Fotos von Mohammed al-Dura an die Wand gepappt wurden, um den Schrecken von Krieg im Allgemeinen näher zu bringen. In der Jerusalem-Post fasst Nathan Sharansky nochmal die Einzelheiten zusammen:
Kanal France 2 hatte Videomaterial über eine Schießerei mit Schauspieleinlagen manipuliert und einen 59 Sekunden-Clip gesendet, der unterstellte, dass israelische Soldaten einen 12-jährigen Jungen mutwillig erschossen. Der Clip fachte die 2. Intifada an, in der deutschen Presse war wieder einmal die Rede von israelischen Kindermördern und die palästinensische Sache brummte wie selten. Ein Journalist, Philippe Karsenty, hatte die Entlassung der verantwortlichen Journalisten gefordert und wurde prompt vom Sender wegen Rufmordes verklagt.
Nun forderte der Richter, der über den Fall der "Defamation" Karsentys urteilt, die Herausgabe und Sendung der 27-minütigen Rohfassung des Zusammenschnitts, der bislang von 3 Journalisten eingesehen werden durfte und nach deren Aussagen erbärmlich gefälscht ist. Man darf gespannt sein, ob die Originalversion auch in Deutschland gezeigt werden wird.
Wann sich die großen Medien endlich zu einer objektiven und - angesichts von Skandalen wie der Massaker-von-Jenin-Lüge und den Fälschungen von Qana - vorsichtigen Berichterstattung über Israel durchringen, bleibt vermutlich vergeblich abzuwarten. Schließlich lechzt die Leserschaft nach Titeln wie "Auge um Auge in Nahost", nach "Falken und Terroristen auf beiden Seiten", nach kleinen Jungen mit Steinchen gegen dicke Panzer, kurz: nach bösen Juden, die den Antisemitismus der Vergangenheit im Nachhinein rechtfertigen sollen.
4.10.07 11:51


'Die Israel-Lobby'? Nicht der Rede wert...

Wenn sich derzeit viele Blogs und andere Medien (1, 2, 3, 4, 5) mit Mearsheimers und Walts neuem antisemitischen Wälzer befassen, liegt das vielleicht ein bisschen an der Bequemlichkeit, mit der den beiden ein manifestes Antisemitismusproblem diagnostiziert werden kann. Wenn ich mich als notorischer Bonvivant nicht ausführlicher damit befasse, liegt das an der gleichen Bequemlichkeit.
Wer wie manche Vollhonks diesem Buch nicht schon am Klappentext die Diskussionsfähigkeit abzusprechen vermag, wem nicht schon in den ersten Zeilen der konzentrierte Wahn in die Augen springt, dem ist mit einem ausführlichen Artikel über das Buch auch nicht mehr zu helfen. Selten habe ich ein plumperes, populistischeres und gewollt skandalisierendes Machwerk in der Auslage einer linken Buchhandlung gesehen.
Nicht die gegebene und bei Mears/Waltheimer völlig übertriebene Existenz einer Israellobby verstört die Massen, sondern dass diese eine vernünftige Politik in Bezug auf Israel vorschlägt, was so gar nicht den gemeinhin standardisierten sozialbewegten Anforderungen an brave Juden entspricht. Darauf aufbauend wird jegliche rationale US-amerikanische Politik auf jüdisch-zionistischen Einfluss zurückgeführt.
Daraus ergibt sich notwendig das Fazit beim vom Buch begeisterten politblog:

"Die US-Regierung boykottiert die “UN World Conference against Racism”, weil Israel irgendein Problem damit hat."

5.10.07 16:18


'Can't someone else do it?' - The Call for US in Burma

"Wo bleiben denn die USA in Burma jetzt?"

So oder ähnlich lauten die Kommentare unter einigen Diskussionen zu der unberechenbaren Lage in Burma. Man könnte denken, der aus Selbstverteidigung erwachsende Handlungsrahmen der USA in der postsozialistischen Welt sei auf Zustimmung gestoßen, die Anerkennung als "Weltpolizei" durch den autoritären Charakter vollzogen. Wer jedoch in dem Ruf nach US-amerikanischen Truppen für Burma tatsächlich eine rational artikulierte Forderung sieht, könnte den darin verdunkelten psychologischen Interessen nicht mehr auf den Leim gehen.

Mitnichten ist die in zynischem Unterton verfasste Forderung an Burma oder überhaupt an konkreten politischen Ereignissen interessiert. Vielmehr ist sie Ausdruck der Ambivalenz des Antiamerikanismus, der zwischen Neid und Abwertung, Bedrohungsängsten und Überlegenheitsdünkel oszilliert.

Nicht Anerkennung eines durch die USA im Irak vertretenen Interesses an Demokratie und Sicherheit ist ausschlaggebend für den Ruf nach US-Truppen in Burma, sondern das Verleugnen. Die Unerfüllbarkeit der an die - mit zwei militärischen Konflikten an ihre ökonomischen Grenzen stoßenden - USA gestellten Aufgabe ist so offenbar, dass sie auch diesen Leuten nicht vorgebetet werden muss. Die USA können maximal einen weiteren Krisenherd kurzfristig beherrschen, ohne in die totale Kriegsmobilisierung im zweiten Weltkrieg zurückzufallen - und als dieser droht ob des Appeasement der Europäer vorerst der Iran am akutesten.

Nicht einmal ein Eingeständnis, dass die von den USA maßgeblich finanzierten UNO eine wirkungslose Sakralinstitution ohne Befugnisse oder Kompetenzen ist, verbirgt sich in der Aussage. Dieses Eingeständnis würde wiederum eine ernsthafte Hinwendung an die USA als paternalistische Schutzmacht beinhalten. Das Postulat ist so nihilistisch wie widersprüchlich: Es hat einen einzigen Pol und der ist auf der anderen Seite der USA. Egal wohin diese sich bewegen werden, das "Argument" verschafft sich Zugang zur anderen Seite. Ob nun der Welthunger, der Terror im Irak, der Klimawandel, der ökologische Raubbau - all das wird man den USA stets dort entgegenhalten, wo sie in den Interessen anderer ihr Eigeninteresse wahrnehmen oder aus purem Altruismus sich emanzipatorisch betätigen.

Das scheinbare Aufzeigen von existenten Widersprüchen auf Seiten der USA hat außer der Häme und Bosheit keinen Antrieb, es bedient sich des Widerspruchs um ihn instrumentell zu nutzen, nicht in der Vorsorge auf seine Aufhebung - diese wird phantasmagorisch durch den Angriff aufs Feindbild geleistet. Den Hunger wähnt man für erledigt, sobald man die USA dafür verantwortlich gemacht hat, den Terror im Irak braucht man nicht mehr zu fürchten, wenn der Abzug der USA seine Auflösung zeitigen soll, Burma kann man nach der Attacke gegen die USA ihrer Fürsorge anheim fallen lassen - natürlich nur um das als Beispiel für ein angebliches Bestrebens der USA nach der Rolle des Weltpolizisten zu inkriminieren.

Negative Kritik kann das nicht heißen - das würde beinhalten, sich über das Objekt der Kritik wenigstens halbwegs im Klaren zu sein. Klar ist, dass merkwürdigerweise niemand von Großbritannien, Deutschland, Japan oder Frankreich ein Eingreifen fordert, China und Russland sind ohnehin völlig numinose Mächte, die amorph dem antiimperialistischen Bedürfnis nach Appelation entrückt sind. Die USA müssen herhalten: Als unbezahlter Garbageman, dem man seinen Dienst noch nachträgt.


7.10.07 19:48


Why Democracy? – Why not, if YOU really want?

Gibney hat im Auftrag des ZDF und ARTE in der Reihe „Why Democracy – Demokratie für alle?“ (2007) die preisgekrönte Folge „Taxi to the dark side“/„Taxi zur Hölle“ gebastelt. Zeichen des europäischen Abgrenzungsbedürfnisses bricht der Beitrag vor allem Schuldprojektionen Bahn und maskiert derbsten Antiamerikanismus als oberflächlich inszenierte Aufklärung.
 
Der zweistündige Beitrag will nachweisen, dass die Regierung Bush Folter begünstigte und implizit anordnete. Das ist ein legitimes Unterfangen. In bedrückenden, wenngleich nicht besonders neuen Details arbeiten sie anhand von Zeugen und Täterinterviews Verhörmethoden heraus, die mehr als abstoßend und keiner Demokratie würdig sind. Glaubhaft machen sie auch, dass in der Regierung Bush insbesondere Cheney und Gonzalez Verantwortung tragen für die Vorgänge. Zwar erscheinen mir manche Berichte als ungereimt gedoppelt, selektiv und unnötig „geschönt“, mit drastischen Nachstellungen und subtilen musikalischen Beeinflussungsversuchen, die das Anliegen der Dokumentation verraten.
Darüber, dass Folter abzulehnen ist, dass die Ereignisse in den fraglichen US-Gefängnissen Folter waren und dass sie protegiert und begünstigt wurden, besteht von meiner Seite allerdings kein Zweifel. Dennoch ist der Beitrag ein herausragendes Beispiel, wie unter den Zwängen des derzeit üblichen linksmoralischen Engagements noch jede demokratische Empörung und jede gerechtfertigte Kritik in Antiamerikanismus verpufft.
 
Als erstes Anzeichen dessen ist die Entschuldung des Individuums zu bemerken. Die Täter erscheinen in Interviews durchweg als verlegene, ob ihren Aktionen erschrockene Menschen. Jede der Aussagen mündet in einen Verweis auf allzu vage Aufträge und Allgemeinplätze über menschliches Verhalten in Verhörsituationen. Der Film stellt das nicht in Frage, sonder baut darauf auf. Die Empfindsamkeit der Täter wird nicht dem fanatischen Wahn der Al-Qaida Folterhandbücher und der islamistischen Folterer gegenübergestellt, die nach der Tat weder schlechtes Gewissen noch Rechtfertigungszwänge behelligen. Darin bestünde tatsächlich ein substantieller Unterschied, dessen Beleuchtung relevant und interessant wäre.
 
Die zur Schau gestellte Empfindsamkeit der Täter dient vor allem der Kanalisierung von Aggressionen und Ängsten des Zuschauers: Die Tat wird auf die Auftragsgeber zurückgeführt, die mit „Erfolgsdruck“ und „vagen Angaben“ regelrecht Folter befohlen hätten. Der Widerspruch zwischen dem normalen Mensch auf der Leinwand und seiner Tat – dem sadistischen Übergriff auf einen wehrlosen Mensch – wird in der Entfernung der Schuld auf die Strippenzieher projiziert: Auf Bush, Gonzales und die bösen mächtigen Männer.
 
So sehr der Anteil dieser an der juristischen Rechtsverdrehung bemerkenswert ist, so wenig entschuldigt das die Privatinitiative einer beachtlichen Gruppe von Soldaten, die auf eigene Faust Informationen aus ihren Gefangenen herausquälten. Dass diese Folterer aber voll und ganz Opfer einer höheren Politik seien, ist nur konsequentestes deutsches Nachkriegsdogma von der Unschuld des individuellen Soldaten. Vom Individuum und seinen Widersprüchen schweigt der Film: der Makel ist allein bei den Mächtigen angesetzt. Der dem Antiamerikanismus implizite Besitzwunsch nach der militärischen Macht der USA ist auf solcherlei Spielchen angewiesen um sich in der Projektion als korrekter und darum erfolgreicher Führer der Truppen zu gefallen. Die Attacke auf die Spitzen will diese austauschen und besetzt sie im Vorfeld mit Angstlust: um diese zu stimulieren werden die Bilder von Foltervideos und Leichen (!) mehr als dutzendfach wiederholt präsentiert, natürlich stets mit dem Verweis, dass solche Bilder die islamische Wut nur steigern werden und dürfen. Der gemeinhin akzeptierte journalistische Ehrenkodex, Leichen so wenig wie möglich zu zeigen, um die Würde des Opfers zu wahren, wird hier zugunsten des Emotion-Effekts verletzt - Dokumentation wird zum Snuff.
 
Weiteres Merkmal der abgrundtiefen Gemütslage der Produzenten ist die eklatante Verharmlosung des deutschen Nationalsozialismus. Um die Genfer Konvention und deren Vorschrift für die Behandlung von Kriegsgefangenen zu begründen werden Fotos aus nationalsozialistischen Vernichtungslagern und Konzentrationslagern eingestreut und mit Filmausschnitten amerikanischer Militäroperationen kontrastiert. Die zweckrationale Missachtung der Menschenwürde durch die Folter in Afghanistan und im Irak wird so mit der völlig zweckfreien Vernichtungsorgie der Nazis in eins gesetzt und dessen Opfern als „Kriegsgefangene“ noch eine Eigenverantwortung am Elend aufgebürdet.
 
Dritter wesentlicher Punkt der Kritik ist die Rechtfertigung, ja der Aufruf zum Terror insbesondere gegen Ende des Beitrags. Mehrfach erklären unterschiedliche Personen vom amerikanischen Bürgerrechtler bis zum Folteropfer, dass durch ein solches Verhalten Terrorismus provoziert würde, ja sogar, dass die regelrechte Pflicht zur Rache auf Seiten der Islamisten bestehe. Präsentierte man eben noch John McCain als vietnamnesisches Folteropfer und inzwischen angesehenes Kongressmitglied und Gegner der Folter, erlegt einem die Logik des Films auf einmal auf, dessen menschliche Pflicht hätte eigentlich darin bestehen müssen, fortan auf Vietnamnesenjagd zu gehen und in allen vietnamnesischen Restaurants Bomben zu zünden.
 
Besonders perfide wird eine Sequenz eingestreut, in der US-Soldaten die Opfer eines Anschlags von einem brennenden Bus wegtragen, und diese Soldaten als Verursacher des Anschlags erscheinen. Dazu passt, dass jüngst auf CNN Umfragen präsentiert wurden, nach denen 25 % der jungen amerikanischen Muslime Selbstmordattentate für gerechtfertigt halten. Dieser Beitrag lässt befürchten, dass bei der nichtmuslimischen Bevölkerung mindestens gleich hohe Wertigkeiten zu erwarten sind. 
Ferner tritt dieses Phänomen in Allianz zur gängigen antiamerikanischen Meinung auf, die USA hätten den Terrorismus im Irak zu verantworten.
 
Zuletzt verbreitet der Film einige populäre Missverständnisse über die Folter: Sie liefere unbrauchbare Ergebnisse und sei somit antiquiert.
Folter liefert lediglich bei vollständig Unschuldigen und sehr gut Trainierten unbrauchbare Ergebnisse. Bei der breiten Mehrheit der Verhörten liefert sie ein relativ gut verifizierbares Informationsspektrum. In den südamerikanischen Foltergefängnissen, die bekanntlich von der CIA teilweise mitgenutzt, bzw. gefördert wurden, haben die zumeist faschistoiden Diktaturen auf diese bewährte Weise fast alle südamerikanischen Guerillas zerbrochen. Nicht nur Informationen lieferte die Folter, sondern sie drehte Insurgenten regelrecht um, war Bestandteil der Gehirnwäsche. Wer einmal durch Folter gebrochen wurde, hat von Politik zumeist die Nase voll, distanziert sich von den Kampfgefährten, macht sie für das Erlittene verantwortlich, flüchtet häufig ins Private, in Wahnsinn, in Drogen. Der durch Folter erst fanatisierte Revolutionär oder Terrorist ist eine idealisierte Ausnahmeerscheinung, Wunschprojektion zahlloser Mythologien.
Nicht wenige wurden durch die Folter tatsächlich treue Gefolgsleute des Regimes – eine dem Stockholm-Syndrom nicht unähnliche Erscheinung, Angleichung zur Konfliktvermeidung, Inversion. Somit ist Folter durchaus ein rationales und nützliches Machtinstrument, das für Herrschaftszwecke jeder Art einsetzbar ist. Zur Demokratie gehört, dass man sich die Möglichkeiten, die dieses perfide Mittel eben doch bietet, bewusst versagt. Das macht der Film allerdings nicht. Gegenrede erscheint fast nur justiziarisch, in Form von Verweisen auf Paragraphen. Die ethische Frage wird nicht gestellt, eine moralische Debatte findet nicht statt, Prozentzahlen sollen die Wirksamkeit widerlegen, Gerichtsverhandlungen Gerechtigkeit diskutieren. Dass lediglich die real existente Dehnbarkeit eines abstrakten Terminus wie „Menschenwürde“ oder „feindlicher Kombattant“ bis zur Verkehrung von den entsprechenden Stellen, darunter Bush, genutzt wurde, und dass gerade darum so etwas wie das Völkerrecht tatsächlich nichts ist, worauf man sich berufen könnte, bleibt hinter dem Appell an das Recht verborgen.
 
Aufklärung im Sinne einer ethischen Haltung zu Menschen jenseits der Setzung ihresgleichen als Mittel zum Zweck bleibt völlig außen vor. Zuletzt bleibt nach den gängigen Schlussfolgerungen der Bürgerrechtler zu fragen. Solange diese Folter skandalisieren gehe ich mit ihnen völlig d’accord. Die Empörung über Folter ist allerdings zuallermeist einem ganzen Wahngebäude eingefügt, das sie als aufgesetzt erscheinen lässt. „Bring our Boys home“ oder „USA raus aus dem Irak“ steht dann auf den Schildern, nicht „Schluss mit der Folter“. Durch diese Bigotterie machen sich gerade die, die eben noch die Rede gegen die Folter im Munde geführt haben zu deren fleißigsten Apologeten: Indem sie zum islamistischen Terror aufrufen, ihn nach Wahl mit allgemeinmenschlichem Nachempfinden oder kultureller Empfindsamkeit rechtfertigen und ihm mit dem Truppenabzug ein militärisch-politisches Feld der Reproduktion eröffnen wollen.
9.10.07 00:04


Symbolistische Exorzismen statt Entnazifizierung - das Kerner-Prinzip

Günter Jauch, Harald Schmidt oder war es Johannes B. Kerner? Einer von denen jedenfalls lud eine Autorin ein, deren Positionen er kannte und der er eine Plattform bieten wollte, sich dafür zu entschuldigen. In einer aufregenden Talkshow-Runde mit einigen Ex- und In-spe-Granden des Showgeschäfts sollte "Missverständliches" geklärt werden können.
Offensichtlich gab JBK vor allem sich selbst und den Anwesenden eine Plattform, eine rituelle Handlung zu vollziehen, die als Schuldbock-Projektion bekannt ist: In der harmlosesten Variante dessen wird eine Ziege symbolisch mit den Sünden aller Anwesenden beladen und in die Wüste geschickt.

Das Formelwesen der Entnazifizierung verhindert Aufklärung über die Schwäche der Mehrheitsideologien für subtile antisemitische und faschistische Codes. Die scheinbar resolute, klare Handlung des Rauswurfs durch JBK trieft nur so von Hilflosigkeit und intellektueller Inkompetenz. Das Reizwort "Autobahnen" - was genau da gesagt wurde, weiß man nicht, wenn man den Beitrag nicht im Volltext gesehen hat - genügte wohl, um den Schwachsinn, den ein Professor der Geschichte verzapft, zu übergehen: Die Rede von der "gleichgeschalteten Presse" sei ein Nazibegriff und damit tabu. Schauen wir mal in den Volltext rein:

Wippermann: Nein also, das stimmt nun nicht, das „Gleichschaltung“ kein nationalsozialistischer Begriff ist. Natürlich war „Gleichschaltung“ ein nationalsozialistischer Begriff. Gleichschaltung der Parteien, der Verbände und der Länder. Und sie haben hier einen nationalsozialistischen Begriff gebraucht. Und ich finde es irgendwie sehr problematisch, dass sie Zitate, dieses Zitat, dem haben sie ja auch ihre Entlassung zu verdanken, das ist in allen Zeitungen. Jetzt sagen Sie, das hat es nicht gegeben. So kann man da nicht mit umgehen als Historiker. Das ist doch sozusagen da.
Herman: Also wie sie damit umgehen, kann ich auch nicht damit umgehen, da tut mir leid.
Wippermann: Und deswegen machen sie jetzt Verschwörungselogien und sprechen von verlorenen Bändern, an die man nicht mehr rankommt.
Herman: Ja.
Wippermann: Das ist eine Verschwörungspathologie, die sie dort haben. Also, das ist doch sehr problematisch.
Herman: Seien Sie doch ein bisschen vorsichtig mit dem was Sie hier äußern mir gegenüber. Und ich möchte jetzt auch ehrlich gesagt zu Ihnen gar nicht mehr Stellung nehmen. Und ich möchte auch nicht mehr Stellung nehmen zu weiteren Vorwürfen in diesem Zusammenhang, denn nochmal: Sie müssen nur Google eingeben. Und da können sie jede Zeitung durchgehen, welche Zeitung diesen Begriff bereits benutzt hat.
Kerner: Aber auch falsch, auch falsch.
Herman: Natürlich ist er da benutzt worden. Aber es sind auch Autobahnen damals gebaut worden und wir fahren heute drauf. Moment.
(Unruhe im Publikum)
Wippermann (ruft): Ja, das ist ja das Schöne. Adolf hat die Autobahnen gebaut – ja, das war es (ironisch) Das Autobahn-Argument ist das beste (ironisch).

Wohl dem, der noch nicht die kollektive Volkswut aus den Medien unisono lärmen hörte. Und so wie Herman in der Presse anschließend ausschließlich in Halbsätzen zitiert wurde liegt der Verdacht zumindest nahe, dass da überkompensiert wird. Grundsätzlich hat Herman hier völlig recht: Gleichschaltung ist ein in jedem Schulbuch zu findender Begriff, der völlig korrekt aus antifaschistischer Sicht das faschistische Vorgehen kritisch bezeichnet. Dass sich die Nazis positiv darauf bezogen, macht das Wort eben zum Begriff, dessen Aufladung von dem abhängig ist, der wie auf der Autobahn darauf fährt. Auch Faschismus ist ein von den Faschisten erfundener Begriff. Dass Wippermann seinen Fauxpas nun mit einem gefundenen Fressen, der Identifizierung von Hermans berechtigter Kritik mit dem alten deutschen Loblied auf Adolfs Autobahnen übertünchen will, ist mehr als dümmlich.

An Herman wurde ein Exempel statuiert, das der Realität Hohn spricht und darum verharmlost. Im Osten verfallen ganze Landstriche dem Volkssport Nazismus. In Moscheen wird für Totalverhüllung und lebenslange Seklusion von Frauen geworben. Ein Vertreter der Muslim-Liga Bonn vergleicht im Rathaus Marburg Scharon mit Hitler ohne auch nur Gegenrede von den anwesenden illustren Intellektuellen zu erhalten - Dialog der Kulturen. Stoiber, der einst vor der "durchrassten Gesellschaft" menetekelte, wird derzeit mit Ehrbekundungen und Laudatien überhäuft. In jedem Nest finden sich opulente Kriegerdenkmäler, mal für die "Helden", mal für die, die "für uns starben" - 1938-1945 selbstverständlich. Sudetendeutsche und pommernsche Landsmannschaften fordern und fördern die "Repatriierung" Ostpreußens mit expliziter Unterstützung der CDU/CSU, verharmlosen nach Kräften und drängen mit ihrem Opferdenken in die Schulbücher. Im Fernsehen wird ein Panzer aus einem dreckigen deutschen Fluss gefischt, im Hintergrund die General-Feldmarschall-Rommel-Kaserne. Dort werden immer noch auf dem Ehrenfriedhof SS-Soldaten geehrt, die im suizidalen Endkampf 7 amerikanische Sherman-Panzer abschossen. Zwei weitere Kasernen sind dem Nazi-Offizier und gescheiterten Wegbereiter der prospektiven Vernichtung der Juden in Afrika und Palästina gewidmet, man fragt sich, wie viele der im Publikum Anwesenden in solchen Kasernen ihren Ehreneid leisteten und SS-Denkmäler schrubbten.

An einem immerhin naiven und damit billig zu inkriminierenden Subjekt wie Herman agiert sich die Mehrheitsgesellschaft aus, die einen aggressiven Faschismus in sich trägt und über das Ritual vor sich selbst zu verbergen sucht. Die romantisch-regressive Hinwendung an das "früher" und die intakte Familie findet sich in beliebigen CDU-Parteiprogrammen und -Wahlwerbungen, ein prägnanterer Sexismus lässt sich beim vom Volksmund bejubelten Mario Barth entdecken. Expliziter Antisemitismus lässt sich nicht bei Herman, wohl aber in den Berichten des ZDF und der ARD über Israel aufspüren. Ausländerfeindliche Hetze ist bei Herman vergeblich zu suchen, bei illustren und immer gern gesehenen Talkshow - Gästen wie Lafontaine oder Stoiber aber vielfach dokumentiert. Das Streicheln der deutschen Gemütlichkeit wird auf Bierfesten ebenso allumfassend vollzogen wie bei deutschen Comedians Zivilisationsfeindlichkeit und penetranter Antiamerikanismus.

Wenn JBK also diese absolute Mehrheit der deutschen Medienlandschaft und der deutschen Gesellschaft in Herman symbolisch aus dem Saal verweist, so sollte er seine "Gedanken" auch kundtun. Wenn er den Antiindividualismus Hermans mit dem Rosenbergs vergleich, muss er zur Sprache bringen, welchen Ideologien und Bevölkerungsgruppen das noch zupass kommt. Sich als Mehrheitsgesellschaft aufzuspielen und an einem Symbol rituelle Reinigungsakte vorzuspielen, damit das intakte Bild der gesunden, kritischen Öffentlichkeit gewahrt bleibt, ist Ideologie und fauler Zauber. Von einer inhaltlichen Beschäftigung mit dem Nazismus ist bei den Anwesenden wenig zu merken. Man kann sich des Populismus der Veranstaltung gewahr werden, wenn man sich überlegt, ob Walser, Stoiber oder Kohl im Falle eines ähnlichen Diskussionsverlaufs "hinausgebeten" worden wären. Das von den Kurzmeldungen kryptologisch verkürzte und damit für alle Projektionen geöfftnete Ende analytisch zu deuten, ist einfach: Senta Berger hat ihre Hausaufgaben nicht gemacht und will schwänzen. JBK will ihr diese Peinlichkeit ersparen und betont, dass er sich Gedanken gemacht hat, obwohl in der ganzen Sendung kein einziger intelligenter Satz gefallen ist. Mario Barth ist Thronfolger und darf ein wenig komödiantisch parlieren. Der männliche Phallus enttrohnt den matriarchalischen Angriff unter wohlwollender Zustimmung der Autorität und Genugtuung macht sich breit. Von einem intellektuell begründeten "Rausschmiss", geschweige denn von relevanten Gründen dafür, ist wenig zu entdecken.

Berger: Die jungen Leute in Sachsen-Anhalt haben doch keine Jobs. Man muss Arbeit schaffen. Das ist ihr gutes Recht und dann können sie auch eine Familie gründen. Ich muss gehen. Ich kann diese Diskussion nicht mehr führen. Dann muss ich mich besser vorbereiten und ihre Bücher lesen.
Kerner: Es sind die Momente, wo man sich Gedanken macht, wie man weitermacht. Ich habe mich entschieden, dass ich mit drei Gästen weitermache und dich, Eva, jetzt verabschiede. Danke schön.
(Eva Herman geht, großer Applaus, Kerner zeigt auf Mario Barth und bietet ihm Eva Hermans Stuhl an)
Barth: Soll ich mich setzen?
Berger: Ja bitte. Es hängt jetzt an dir.

Volltext 1
Volltext 2

Nachtrag

So, jetzt habe ich auch die Sendung mal gesehen. Das Gespräch ist etwas informativer als die Abschrift. Und fraglos schwafelt Herman auch einigen sehr deutschtümelnden Quatsch, von demographischen Kurven, braunen Keulen, dass man vom "Verlauf der Geschichte" nicht reden dürfte, etc... Dennoch distanziert sie sich sehr deutlich von dem Doppelsinn, den sie mitverursacht hat. Was von anderen nicht akzeptiert wird, denn das würde den Sinn der Sendung auflösen. Hätte Kerner wirklich Herman auf den Zahn fühlen wollen, wäre der Zweier-Talk erfolgsversprechender gewesen. Wenn man die deutsche Ideologie hinter Hermans Äußerungen diskutieren hätte wollen, wäre man gut beraten gewesen, das Thema auch darauf zu beschränken und hätte nicht noch über Mario Barths Frisur oder Hausaufgaben reden müssen. Der Rausschmiss erfolgte zu einem Zeitpunkt als die Diskussion wirklich interessant wurde und nicht nach einem Eklat. Dieser wäre schon vorher da gewesen und hätte auch entsprechend noch geklärt oder aufgeklärter konfrontiert werden können. Das wurde nicht gemacht und damit ist eine aufklärerische Absicht perdu.

Nochmal die Sprachanalyse, sofern ich ihr mächtig bin:

„Wir müssen den Familien Entlastung und nicht Belastung zumuten und müssen auch eine Gerechtigkeit schaffen zwischen kinderlosen und kinderreichen Familien. Und wir müssen vor allem das Bild der Mutter in Deutschland auch wieder wertschätzen lernen, das leider ja mit dem Nationalsozialismus und der darauf folgenden 68er-Bewegung abgeschafft wurde. Mit den 68ern wurde damals praktisch alles das, alles, was wir an Werten hatten, es war eine grausame Zeit, das war ein völlig durchgeknallter, hochgefährlicher Politiker, der das deutsche Volk ins Verderben geführt hat, das wissen wir alle, es ist damals eben auch das, was gut war, und das sind Werte, das sind Kinder, das sind Mütter, das sind Familien, das ist Zusammenhalt - das wurde abgeschafft.“
 
Teil 1 des Zitats ist klar: die 68-er Bewegung wurde nicht abgeschafft, daher ist das "und" eine eindeutige Reihung: Im NS und durch die 68-er wurde ein Bild der Mutter abgeschafft.
Teil 2 des Zitats ist fragwürdig: Hier wäre dem Unbesonnenen tatsächlich nicht ersichtlich, ob Herman nun die Werte des 3. Reiches meint. Hätte man den Rest der Sendung, die, wie Herman glaubhaft betont, nicht herausgegeben wird, könnte man ein klareres Bild bekommen. Ich halte Hermans Hinweis auf ihr Kapitel im Buch und ihre Distanzierung für glaubhaft genug, um zum Schluss zu kommen, dass der möglicherweise zu entnehmende Doppelsinn sich bei ihr verbietet. Sie bezieht sich recht eindeutig auf die klassische bürgerliche Familie.

Sendung Teil 1 , 2 , 3 , 4 , 5 , 6.

11.10.07 21:54


Jobs wanted

Nachdem ich nun mit meiner Magisterarbeit fertig bin, wartet ab Dezember die Arbeitslosigkeit auf mich, bis mein Antrag auf ein Promotionsstipendium hoffentlich durch ist.
 
Um meinen Lebensunterhalt in der Zwischenzeit unter möglichst rationaler Verwertung der Qualitäten meiner Ware Arbeitskraft zu bestreiten, dachte ich, ich frage ich mal höflichst bei meiner Leserschaft nach eventuell bekannten Teilzeitjobs, die möglichst gutbezahlt am PC im journalistischen oder wissenschaftlichen Bereich zu erledigen sind. Anfragen über Vorträge zu Kulturindustrie, Kritische Theorie, Antisemitismus oder Hexenjagden in Afrika sind ebenso willkommen wie kurzfristige Spenden in beliebiger Höhe.
 
nichtidentisches@web.de
15.10.07 16:23


'Vernunftresistent tiefer in den afghanischen Krieg' - Neue Forschungsergebnisse aus dem Marburger I

Herr PD Dr. Johannes M. Becker, Geschäftsführer des Marburger Instituts für Friedens- und Konfliktforschung und altbekannter Haudegen aus epischen Schlachten gegen Israel (1, 2, 3), fühlte einmal wieder den instinktiven Drang, sich ein paar Kröten und Prestige durch drittklassige Kommentare in drittklassigen Zeitungen dazuzuverdienen.
 
In der Ausgabe der "Oberhessischen Presse" vom 16.10.2007 liegt ihm vorgeblich Afghanistan besonders am Herzen. Er empört sich über die "erschreckende Mehrheit" im Bundestag, mit der das Afghanistan-Mandat verlängert wurde.
"Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass schon weitaus größere militärische Kontingente am Irrglauben zugrunde gingen, politische Probleme ließen sich am Hindukusch mit militärischen Mitteln lösen."
Wahrscheinlich meint er nicht die Mongolen oder Alexander den Großen, sondern die Sowjetunion. Die Lage in Afghanistan sei schlimm, die Wirtschaft am Boden, die Bevölkerung gegen die Regierung, die Frauen schlimmer als je zuvor unterdrückt.
Die PRT (Province Reconstruction Teams) seien gescheitert, weil sie nicht von militärischen Operationen zu unterscheiden seien und damit medico international zur Zielscheibe von Anschlägen mache. Daraus schließt Becker:
"Allein der Abzug der Truppen würde schon einen Beginn für die wirkliche Wiederherstellung der Souveränität Afghanistans bedeuten. Die Integration aller gesellschaftlichen Kräfte in den Neuaufbau des Staates wäre dann von Nöten. Eingeschlossen [...] die Taliban und die Mudschaheddin. Wiederaufbau und Interventionstruppen widersprechen einander."
 
Man fragt sich, ob Becker als Student bei einem anderen Konfliktforscher mit einer solchen primitiven Konfliktanalyse überhaupt eine Zwischenprüfung bestehen könnte. Nicht im geringsten interessiert ihn, auf welche Mittel die andere Seite baut und wie dieser Aggression zu begegnen sei. 
Finanziell unterstützt unter anderem durch Saudi-Arabien führen die Taliban derzeit einen Krieg und streben alles andere als bloß eine "Integration aller gesellschaftlichen Kräfte" an. Sie versuchen mit Erfolg eben jene "Lösung" von politischen Problemen mit militärischen Mitteln: Wobei für sie das "politische Problem" die Existenz afghanischer Frauen, Musik, Fernseher und jedes Buch außer dem Koran ist. Beckers Integration verzichtet auf eine Einbindung von Frauen, die eine Beteiligung der Taliban, die niemals eine Frau als Ministerin akzeptieren würden, schon ausschließt. Die Taliban verwechselt er mit einer wählbaren Partei, weil er mit ihnen sympathisiert.
Becker vermag nicht zu benennen, dass die afghanischen Frauenverbände an der derzeitigen Politik eben die allzu willfährige Kooperation mit Mudschaheddin und Warlords geißeln. Dass die Hilfsorganisationen deshalb militärisch geschützt werden müssen, weil es laufend zu Entführungen wie der von Daniel Pearl kommt. Die Angriffe auf Hilfsorganisationen haben ein propagandistisches System, das dem Propagandisten Becker entgeht.
Wenn er von Widersprüchen redet, bleibt Intelligenz außen vor. Wie ein Wiederaufbau in einem retalibanisierten Afghanistan stattfinden solle, davon braucht Becker nicht zu reden, denn um Afghanistan oder gar die Lage der Frauen geht es ihm gar nicht. Seine Opmhaloskopie schließt eine ernsthafte Beschäftigung mit dem Objekt aus, solange nur die Gegnerschaft gewahrt bleibt. Sobald Becker sich also als moralisch überwertig präsentiert hat und den Bad Guy in den USA und dem diesen angeblich hörigen deutschen Bundestag markiert hat ist der Sinn der Rede erfüllt, Widersprüche im Thema sind da Nebensache.
16.10.07 13:08


Omphaloskopie und Befindlichkeiten

Es gibt Tage im Leben, da frage ich mich als subjektorientierter Blogger und Adornit, ob ich denn überhaupt noch eine intellektuelle Rechtfertigung dafür anführen muss, um folgenden Satz zu treffen, ohne in die stets dräuenden Ölmühlen des Nihilismus zu geraten:
 
Ich finde heute gerade mal alles sowas von komplett meschuggiert.
17.10.07 22:00


'Blue Eyed' - no way to reflection

Im Moment kommen anscheinend Seminare in Mode, die auf "Blue Eyed" von Jane Elliot beruhen. Diese trennte und trennt in den USA Klassen oder Kompanien in Blauäugige und Braunäugige und trietzte dann die Blauäugigen so lange, bis sie ihre Moral verkündet hat. Ihr theoretisches Konzept ist so simpel wie angreifbar: Nachempfinden ermögliche Reflexion. Eye to Eye ist eine Organisation, die in Deutschland solche Seminare anbietet. Man hat es offensichtlich auf Multiplikatoren abgesehen, bildet aus und kaum eine Woche vergeht, in der man nicht irgendeinen Bericht über ein Seminar aus irgendeiner Schule lesen könnte.
 
"Blue Eyed" erscheint mir als grundsätzlich aufklärungsfeindlich und gefährlich. Wer den Film "Blue Eyed" von Jane Elliot kennt, kann den Verdacht nicht abstreiten, dass sie selbst auch lustvoll und sadistisch in die Position des Rassisten schlüpft.
 
Dabei wird die Ambivalenz des Gefühlslebens ausgeblendet.
Zunächst kann die Projektleitung nicht feststellen, ob unter den blauäugigen Schülern Personen sind, die durch eine planvolle Erniedrigung retraumatisiert werden könnten.
Und was, wenn bei den Braunäugigen nicht Reflexion einsetzt, sondern nur Lust am Spiel mit der Unterwerfung geweckt wird? Wie kann die Leiterin Erfolg garantieren und Misserfolg rechtzeitig erkennen? Dann würde auf dem Schulhof das "Spiel" weitergehen. Eye to Eye bemerkt im Werbefoto:

Magdeburg 9.1.2001.
Es erstaunt immer wieder,
wie stark beide Gruppen
ihre Rolle annehmen.


Vermittelt wird, dass zur Einfühlung in die Situation des Anderen das Einnehmen seiner Situation nötig sei. Wenn heute von der "Gnade der späten Geburt" geredet wird und über die Unmöglichkeit über Nazis in ihrer Zeit zu urteilen, ist das nichts wesentlich anderes. Auf diesem Konzept aufbauend müsste man Kinder schlagen, um aus ihnen keine Gewalttäter werden zu lassen. Solcherlei Homöopathie verbietet sich der Vernunft.
 
Die Kinder, die dem Experiment unterworfen sind, lernen ein Gefühl kennen. Die einen das der Erniedrigung, die anderen das der Überlegenheit (s. o.). Welche Seite davon einen Nutzen davontragen soll, bleibt fraglich. Warum das bloße Lesen von Geschichten zum Thema, oder auch das Betrachten von Bildern aus dem Nationalsozialismus nicht ebenfalls zur Reflexion taugen könnten, bleibt außen vor. Die Rosskur entspricht einer unter dem Verwertungszwang auf Effizienz ohne Erfahrung verkürzten Bildung. Zwei Stunden Brachialempathie sollen ersetzen, wofür vormals umfassende Bildung für nötig gehalten wurde. Feinsinniges Urteilen wird so nicht gefördert.
 
Zudem täuscht das Experiment über Ursachen hinweg. Rassismus erscheint als Willkür, als zufällige Erscheinung, die sich ein Individuum ausgedacht habe, um andere zu knechten. Die ökonomische und psychologische Dimension bleibt außen vor. Weder wird über das Kapital gesprochen, das bekanntlich für 300% Profit alle Bedenken in den Boden stampft, noch über historische Bedingungen und Transformationsmöglichkeiten des Rassismus.
 
Ein Irrtum zudem, zu glauben, es seien besonders die Blauäugigen prädestiniert für Rassismus. Das mag im Amerika der 40-er so gewesen sein. Heute ist die am Rassismus am meisten partizipierende Gruppe der politische Islam, daneben reihen sich schwarze Diktatoren, Indigenismus-Bewegungen oder asiatische Rassisten ein. Das legt den Verdacht nahe, dass an den blauäugigen Kindern von heute späte Rache genommen werden soll: Sie werden sublim als besonders anfällig für Rassismus gekennzeichnet und damit aufgrund eines Phänotyps als potentiell krank. Es wurde eben nicht ein zufälliges, unbelastetes Merkmal wie Blutgruppe oder angewachsene Ohrläppchen, Zungenroller, Doppelzehen, etc. gewählt, sondern bewusst ein Merkmal, mit dem Elliot das Schönheitsideal der amerikanischen Mittel- und Oberschicht kränken wollte.
 
Von einer möglichen Pathologie des auf strukturelle Symbole geprägten Antirassismus, wie er in den Rassismuskonferenzen der UNO zu Tage tritt, nämlich als Antisemitismus, schweigt die Gruppe, weil sie ein eben solchermaßen zur Verkehrung verkürztes Rassismusverständnis hervorbringt. Man sieht dann das große Symbol der "Apartheidmauer" in Palästina und hat schon das Urteil zugunsten der vermeintlich geknechteten Palästinenser gefällt. Wo Rassismus und wo Verfolgungswahn sich bedingen, zeigt die Methode "Blue Eyed" nicht auf, sondern begünstigt solches noch:

Wie deutlich, wird mir klar, als ich unseren "Blauaugen-Knast" betrete. Einige der Jungs haben sich Davidsterne an die Brust geheftet, auf denen "Deutscher" steht. "Mittlerweile werden Rechte in Deutschland verfolgt wie die Juden damals", behauptet Stephan auf meine Frage nach der Bedeutung des Sterns. (Bams)

Wann aufgrund historischer Ereignisse und geprüfter Rationalität tatsächlich Rassismus gegeben ist, und wann nur das politisch korrekte Idiom die Kritik an den phänotypischen Opfern des singulären, klassisch-weißen Rassismus unterdrücken soll, können diese Seminare nicht aufdecken. Sie bieten nicht einmal eine Grundlage zur weiteren Aufarbeitung an. Diese hat ja offensichtlich bei der Gründerin des Experiments ebenso wenig eingesetzt wie die Epigonen auf die Idee kämen, Mängel aufzuzeigen weil diese den Kern des Konzepts angreifen. Sie verkaufen ein Universalrezept. Das ist im freien Wettbewerb der Ideologien legitim. Aus öffentlichen Schulen jedoch sollte man solche Quacksalberei aus ethischen und inhaltlichen Gründen verbannen und an ihre Stelle historisches Wissen und die Schulung positiver Empathie setzen.
18.10.07 09:59


Up and away

Hier ist Sendepause bis zum 2.11., ich bin in Bern, Paul Klee angucken.
Bis dahin habt ihr ja genug zum Lesen.   

 

20.10.07 20:46


Voice of the simple minded

Manche Kommentare hier sollten unbedingt der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden: Nicht ob des Spotts über ein Individuum, sondern um eine besondere Ausformung einer gesellschaftlich weit verbreiteten Neurose der Analyse habhaft werden zu lassen. Vollzitat, no comment: 

Tante Emma (31.10.07 13:18)

Versteh ich das richtig ja?Du bist wirklich der Meinung das man das Persische Volk ausrotten sollte weil du denkst etwas ueber sie zu wissen? Wusstest du das ein wichtiger Grund fuer die Abneigung gegen Israel der ist,das Israel im Irak-Iran Krieg an beide Parteien alles an Waffen verkauft hat was benoetigt wurde!!!Da stellt sich die Frage einfach nach dem warum!!! Warum so undankbar?? Wir haben nicht wie die Deutschen,Russen ect.versucht sie auszurotten!!! Ohne die Persiche Geschichte waeren die Juden schon in Babylon damals ausgerottet worden. Aus der Sicht eines Persers und Moslems kann ich dir nur sagen,das ich,wir, Juden,Christen,Bhuddisten,Hindus,Atheisten einfach alles ehren und schaetzen.

Wichtig ist fuer dich doch eher warum damals Jesus A.S davon gesprochen das in seinem Namen viele Sterben werden und viel unheil verbreitet werden wird.Was meinte er damit und wann bekennt man sich dazu,mnahct es besser beziehungsweise. Was meinte Jesus damit als er sagte er sei gekommen um Feuer,Schwert,krieg in die Welt zu werfen. Das man im Islam keinen steinigen darf weiss jeder,warum du nicht?? Jesus hat es doch auch erlaubt oder nicht,nur der Suendenfreie soll es halt tun!!!! Das selbe ist im Islam auch der Fall,da es keinen Suendenfreien Menschen gibt,wird auch keiner gesteinigt!!!! Und eine Sache zum Zionismus! Warum demonstrieren Weltweit Rabbiner dagegen wenn es doch so sehr mit dem Judentun zusammen haengt wie du denkst und vormachen moechtset. Einfach mal den Thalmud lesen und dann weiss wogegen die Rabbiner demonstrieren. Willst du auch denen Wahnsinn und Judenhass vorwerfen???:-) Einfach malo das obere Ende von deinem Koerper zum denken hernehmen dann klappst besser wie hier denke ich!!!!!

31.10.07 22:18





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