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Gegen den Irakkrieg

Von Zeit zu Zeit sollte man seine Überzeugungen und Erkenntnisse einer Inventur unterziehen. Der Abzug der britischen Truppen aus Basra ist dazu ein willkommener Anlass.

Als die Truppen der "Koalition der Entschlossenen" den Irak binnen Wochen stürmten, Saddams Truppen sich reihenweise ergaben und Saddam in einem Erdloch steckte, war auf der Seite der schiitischen Iraker und Kurden Jubel groß: Saddam Statuen wurden johlend durch die Stadt geschleift, Bush als "Man of Peace" gefeiert. Die durch jahrzehntelange Korruption und Faschisierung geschleifte Zivilgesellschaft regte sich zaghaft in der Einrichtung von Radiostationen, Zeitungen und Fernsehsender.

Auf der anderen Seite herrschte Empörung. Old Europe weinte einem guten Kunden nach, der mit Ölmilliarden Giftgas und Waffentechnologie aufkaufte. Die Linke, von Kosovokriegs-Euphorie getränkt und noch im Banne der Trauer um die Sowjetunion als vermeintliches Korrektiv zur verhassten Gegenmacht USA brüllte vor Empörung: Erneut wurde in der Geschichte ein faschistisches Regime durch die USA und ihre Verbündeten gestürzt und der Linken damit die Unzulänglichkeit ihrer beschränkten Konzepte vor Augen geführt. Das Hauptargument gegen den Krieg war freilich nicht der Terror, der damals noch nicht abzusehen war, sondern vielmehr Rechtsverletzungen ("völkerrechtswidrig"] und Hegemoniebestrebungen ("Ölkrieg", "Imperialismus"]. Man trauerte um Saddam, den guten Onkel, dessen Krankenhäuser doch so vorbildlich waren, fürchtete den Einfluss der USA.

Heute herrscht zumindest auf einer Seite Reflexion: Fehler werden zugegeben, andere Strategien vorgeschlagen, der Situation entsprochen. Die andere Seite dagegen hat an Geschichtsbewusstsein nichts gewonnen, die Argumente wurden allenfalls modifiziert, nunmehr geht es gegen die kulturologische Dominanz der USA, wird mangelnder Aufbauwille kritisiert und überhaupt habe man das vermeintliche Versagen vorausgesagt.

An dieser Stelle ist nach dem Ziel von Kritik zu fragen: Die friedensbewegte Linke ist komplett zu vergessen, sie ist hirnlos, maliziös, projektiv, ungebildet und kann darauf nicht einmal reflektieren. Sie kann kein Moment der Kritik sein, weil sie gegen diese immun ist, nichts, aber auch gar nichts an Diskussionswillen ist bei ihr zu bemerken. Die Linke ist faschistoid, unterstützt faschistische Diktaruren und islamistische Guerillas, und hat als Hauptantriebsfeder den Antisemitismus, den sie Antizionismus nennt. Es gibt nichts mehr, was sie von den gewöhnlichen Nazis unterscheidet, es sei denn die öffentliche Akzeptanz als anerkannte Meinung. Linke zünden keine Asyle an, sondern spenden "10 Euro für den Widerstand im Irak" oder blockieren Militärbasen der antifaschistischen Allianz.

Kritik wäre an den Stellen anzusetzen, an denen der öffentliche Druck der Linken in eine Praxis umschlägt, die einen äußerst blutigen Bürgerkrieg entfacht hat und weiter verschärft. Das ist im Abzug der britischen Truppen und der damit einhergehenden eitlen Kritik an den USA als "intellectually bankrupt" gegeben. Das ist ebenso im US-amerikanischen Kongress der Fall, wo die Demokraten hirnrissige Forderungen aufstellen und schlimmstenfalls damit sogar die Wahlen gewinnen. Hier hat der Populismus, der Krieg schlimm und Frieden gut findet, Einzug erhalten. Lieber spricht man tausend Lügen, als einem Mächtigen, den man ersetzen will, Recht zu geben.

Das einzige Ergebnis, das aus der derzeitigen Situation abgeleitet werden kann, ist MEHR Soldaten in den Irak zu schicken, die Milizen zur Kooperation zu zwingen, bis sie sich an demokratische Gepflogenheiten gewöhnt haben oder sie nötigenfalls aufzureiben. Der Irak ist nicht Vietnam. Es gibt keine Sowjetunion mehr, die noch jede rot angemalte Guerilla mit Tanks, kubanischen Hilfstruppen und Luftwaffe unterstützen würde. Dafür gibt es eine gewaltige kriegsmüde Flüchtlingsbewegung im Ausland, auf die gebaut werden könnte, sobald die Lage sich stabilisiert hat. Das erfolgt nicht aus der Aufgabe der Einflussbereiche, sondern durch Verstärkung der Truppen und kluges militärisches und politisches Agieren. Jedes Zugeständnis an die Milizen fördert deren Kampfeswillen und erregt die Wut der Bevölkerungsteile, die den anschließenden Säuberungsaktionen und dem grotesken Alltagsterror ausgesetzt ist.

Die einzige politische Partei, die solchermaßen ernsthaft zu diskutierende Strategien aufzeigt, sind die Republikaner in den USA und einige wenige Elemente im internationalen Rahmen. Allein sie sprechen im, dem Kitsch der Linken zuwiderlaufenden, Realismus aus, dass zum Frieden im Irak der Krieg gegen die Amok laufenden Terroristen gehört. Und so wenig man die Republikanern ob ihrer spießbürgerlichen und religiösen Attitüden unterstützen kann, so sehr muss man fairerweise bemerken, dass es der Linken und den Demokraten an ähnlichen spießbürgerlichen Elementen nicht mangelt. Bush hat mit der eisernen, vernünftigen Irakpolitik die Wiederwahl seiner Partei gefährdet. Seine Argumente sind durchwegs humanistische: Freiheit und Frieden im Irak um Freiheit und Frieden in Amerika zu garantieren. Ein solches Risiko macht ihn und seine Crew, allen voran Condoleeza Rice, zum integresten Politiker dieser Zeit. Die Mängel entsprechen den Mängeln anderer Parteien. Diesen hat er den Realismus voraus, der nötig ist, um Frieden in der derzeitigen Weltordnung durchzusetzen.

Nach Beobachtung und Prüfung aller Argumente unterstütze ich wie gewohnt und bekannt George W. Bush im "War on Terror". Das steht nicht im Widerspruch zu einer kommunistischen Grundhaltung, sondern entspricht ihr, geht zuinnerst aus ihr hervor und widerspricht in keinster Weise einer der aufklärerischen Theorien. Der ob des Terrors frohlockenden Häme der vorgeblichen Kriegsgegner gegenüber kann das nicht oft genug betont werden. Diese besteht auf den illusionären sauberen Krieg und fordert gleichzeitig mit dem Truppenabzug einen faulen Scheinfrieden ein, der in Wahrheit einer der blutigsten Bürgerkriege dieser Zeit sein würde, an dessen Ende ein geteilter Irak mit mindestens zwei wahnsinnigen islamistischen Diktatoren und ein von allen Seiten bedrängtes Kurdistan stehen würde.

Zu hoffen bleibt, dass die kriegslüsternen Terroristen sich abschleifen, dass die Bevölkerung im Stande der Unfreiheit sich eines Besseren besinnt und dass die moralische, intellektuelle und finanzielle Unterstützung für die Terroristen aus den Reihen der europäischen Friedensbewegungen einen stets offensiven Gegenpart erhält in offener Unterstützung des Projekts "Enduring Freedom".

"Ohne Rancune läßt er all denen, hüben und drüben, ihre Freude, die verkünden werden, sie hätten es immer gesagt, und nun sei der Autor geständig." (Theodor W. Adorno, 1966)


4.9.07 11:43


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Angstlust auf Zigarettenschachteln

Die Emanzipation der Nichtraucher schreitet voran. Die ärgsten Zumutungen, Raucherlaubnis in allen Kneipen und Züge mit 17 Raucherabteilen, fallen der bisweilen allzu rationalisierenden Vernunft anheim. Meinetwegen hätte die Beschränkung auf ein Raucherabteil gereicht. Leider ist die Debatte nicht eine der Emanzipation der Individuen verpflichtete, sondern trägt von je fürsorgliche, hätschelnde und damit autoritäre Elemente in sich. Nicht nur sollen die, die sich dagegen entschieden haben, in ihrer Unversehrtheit geschützt werden, sondern die Raucher selbst werden aus volkswirtschaftlichen Gründen Ziel der Bekehrung. Für volkswirtschaftliche Erwägungen gibt es das Instrument der Steuern. Der neueste Vorschlag, Zigarettenschachteln mit abschreckenden Fotos von Folgen zu verzieren, ist dagegen äußerst fragwürdig.
 
Zunächst ist da offensichtlich die Frage nach der Wirksamkeit: Raucher werden schlichtweg zu Metallschachteln greifen und Umfüllen, die Tabakfirmen werden Packungen so zusammenbinden, dass das Frontbild nicht sichtbar ist. Ob tatsächlich Raucher mehr auf visuelle Abschreckung reagieren als auf das bislang Gelesene sei dahingestellt. Möglich, dass es bei einigen wirkt. Andere werden nur trotziger rauchen, beinhaltet Rauchen doch von je das Spiel mit Gefahr und Tod, was es ja erst reizvoll macht. Der Lonesome Cowboy zeigt durch die Zigarette, dass er den Tod verspottet, den er täglich fürchten muss. Die Gefahr schafft erst das Heldentum, das der Anreiz für das Rauchen ist.
 
Die Bilder fördern vielmehr Abstumpfung gegen Wunden und Angstlust. Will man Jugendlichen einen ungeschnittenen Rambo III nicht zumuten, weil dort ein bisschen Kunstblut fließt, sollen Jugendliche ab 16 und Kinder von Rauchereltern nun Bilder sehen, die einen Horrorfilm sofort zum FSK 18 machen würden: verfaulte Zähne in Nahaufnahme, Raucherbeine, Krebsgeschwüre.
 
Das Setzen aufs Visuelle beinhaltet zugleich eine Absage an die abstrakte Vernunft, die aus einem Satz auf eine sinnvolle Handlung schließt. Das deiktische Verfahren soll im Unterbewusstsein wirken, auf Ekel abzielen. Was aber, wenn dadurch nur der Ekel überwunden wird, das Ansehen von Wunden am Objekt mit Belohnung in Form einer Zigarette assoziiert wird? 
Dem Projekt liegt die Annahme zugrunde, dass Ekel eine natürliche, von je aufrecht bestehende Institution sei, und dass die erworbene Sucht sich danach richte. Es bedenkt nicht, dass die Sucht in anderen Fällen schon den Ekel überwand, dass Rauchen selbst einmal überwundenen Ekel verlangte. Es bedenkt ebenso wenig, dass Ekel und Angst im Extremfall auch durch Wiederholung am Anderen bewältigt werden und in Sadismus umschlagen können.
 
4.9.07 12:31


Documenta: Das gabs schon mal bei den Simpsons!

Die documenta liest sich als prunkloses, liebloses, Agitpropverliebtes, drittklassiges Sammelsurium aus Spam, politischem Flugblatt und wenigen irrlichternden Qualitäten. Diesen habhaft zu werden fällt schwer. Wo Abstraktes faszinieren könnte, ist es umhängt von schlechtem Licht, dicken Jalousien und kontextfreiem Gepräge. Marktschreierisch drängt sich Information an den Besucher heran, wo sie nicht nötig wäre, prangen ellenlange Texte, die man allenfalls in einem schlechten Seminar ertragen könnte, wird Subjektives im Allgemeinen aufgelöst.
 
An anderer Stelle bettelt man schon um Jahreszahl und Herkunftsort des Kunstwerks. In der dicken Suppe von Raritätenkabinett, Allerweltskunst und Mottenkiste geht noch jede Qualität im Einzelwerk unter. Isolierter Betrachtung, der Hoffnung, mit dem Genuß eines Werkes das Versprechen auf mehr Genuß bei anderen zu kommen, versagt der drängende Puls des investierten Preises. Vom Rosa hechtet sichs ins Grün der Wände und ins regressive Dunkel. Ob der Besucher bei dem Licht noch die filigranen Schriften auf den zu massenhaft gehängten Bildern lesen kann, ob er dem Text noch etwas abgewinnen will, das interessiert nicht mehr. Die Documenta ist auf Führung ausgelegt:
Das Begrifferaten im erfahrungsfreien Raum spielt Ätschebätsch mit denen, die auf eigne Faust erschließen wollen. Autorität als Leitprinzip. Wandtexte mal ja, mal nein, und wo sie nicht erscheinen, Ratlosigkeit. Ästhetischer Reiz aus der Retorte.
 
Mancher Künstler hätte besser sein Buch geschrieben, der Symbolismus anderer Werke ätzt sich noch dem Ungebildesten an. Fritierte Panzer, klarer Fall, ein toller Gag. Korkgeschnitzte Reliefe, auch ein nettes Novum. Etwas Malewitsch an Kuchen, keine Frage, tolles Ding. Wenn Kunst gesellschaftliche Antithesis zur Gesellschaft sei, nicht unmittelbar aus dieser zu deduzieren (Adorno 1970:19) was war dann hier die These? Postmodernes Gazpacho mit Bröckchen.
 
Anstatt die Subalternen sprechen zu lassen, heißt es doch schon wieder „die“ und „they“. Schaut die armen Menschen dort im löchrigen Boot. Wie gut „WIR“ es doch haben, iss auf und sei dankbar. Oder: Biopiracy, mein Gott wie böse! Setzt noch stets US vor den Konzern, damit die Klage wirkt. Der „Krieg gegen die Juden“, wenigstens ein Fünkchen Ehrlichkeit an Fotos von Mercedes Benz zwischen Gasbetonbauten, die man Flüchtlingslager nennt. Die zu Israelflaggen starrende Giraffe, kahl an Stellen, hat sie Hunger oder ist sie schlichtweg dumm?
Rassismus, schlimm, jaja. Auch AIDS hat man nicht gern, um das zu wissen, braucht es scheinbar Kunst. Krieg, den soll man nicht gut finden, hat uns die documenta just erzählt. Verdinglichte Binsenweisheiten, gewürzt von etwas Kunsthandwerk. Information und Prinzipienvermittlung, wo gezielte Desorganisation angebracht wäre. Und alles mit der Ausflucht der Doppeldeutigkeit, die Deutigkeit zumindest noch verspricht. Falls was schief geht, war es Provokation, ein Denkanstoß, die Fühlbarmachung des nicht Habhaften von Sinn und Identität. Die Frechheit dem Betrachter gegenüber wird sich so zur Gesellschaftskritik umgelogen. Einstürzende Bauten und dürrende Reisfelder zur Kreativität umgemünzt, wie das Kleinkind Destruktion und Kreativität nicht trennen kann. In allem lauert Nichtidentisches, gezückt zur Identität falls ebendie versagte. Hans Stadens „wahrhafftige Historia von den nacketen Menschenfresserleut…“ per Video auf eine inszenierte multikulti-Party mit Kunstpuppen zu projizieren: Ebenso primitiv rassistisch zu werten wie als primitive Rassismuskritik.
Dito das Pädophilenvideo, in dem Kindern Cumshots gleich ein Löffel Joghurt ins lachende Gesicht geschleudert wird. Die einen nehmens lüstern mit der Handy-Kamera auf, den Anderen ists verstörend, gar Kritik am Porn. Überhaupt: Wo man vor sinnfreien Videos noch nach Sinn glotzt, hat kein Bild seinen Raum und Ruhe, stets lauert im Winkel schon das nächste. Versöhnung von Lustprinzip und Realitätsprinzip obhagt hier nicht. Es tritt allein Lustprinzip gegen Lustprinzip an, Regressionsbedürfnis gegen Schaulust. Wo Kant Kunst dem Begehren des Banausen, sie abzuschmecken und abzutasten, entreißen wollte, liefert die documenta dem Kunden die erwartete Verwirrung, den verlangten kleinen Aufruhr, die konformistische Revolte, das Gefühl des Gebildetseins, das befriedigend unverstandene Abstrakte.
 
Um den Gegenstand zu wissen, schlicht im Führungslauf Erlerntes anzuwenden, ist noch keine Abstraktion. Abstraktion bindet an nicht habhaft zu werdender Erfahrung an, erwartet die Erfahrung der Abstraktion ebenso wie die Fähigkeit dazu. Wenn Benjamin die Worte als Segel im Wind der Geschichte malt, und die Art und Weise sie zu setzen als Begriff, so ist die documenta ein affirmatives Geisterschiff in der Flaute, eine redundante Wiederholung von Geschichtslosem, hohler Abstraktion des Immergleichen. Reife Kunst sah einmal anders aus. Die infantile Wiederkehr des Totemismus macht sich auch am Totem Kunst zurecht, Triangulierung zwischen Affirmation und Empörung ersetzt Reflexion. Die inoffizielle Parole: Weitergehen! Hier gibt es nichts zu sehen!
Dann schon lieber Schirn, MMK, und möglichst bald Paul Klee in Bern.  
 
10.9.07 18:15


§166 abschaffen!

§ 166 StGB:

„(1) Wer öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) den Inhalt des religiösen oder weltanschaulichen Bekenntnisses anderer in einer Weise beschimpft, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Ebenso wird bestraft, wer öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) eine im Inland bestehende Kirche oder andere Religionsgesellschaft oder Weltanschauungsvereinigung, ihre Einrichtungen oder Gebräuche in einer Weise beschimpft, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören.“

Aus den Reihen der CSU kommt wieder einmal der markige Vorschlag, den widerwärtigen und undemokratischen Paragraphen 116 zu verschärfen und fortan auch alles, was nach Verspottung der Kirche riecht, mit 3 Jahren Knast zu bestrafen. Als wäre der Paragraph nicht ohnehin ein abzuschaffendes totalitäres Monstrum, undefiniert wie ein faschistischer Willkürerlass, will man in den Reihen der Möchtegernfundamentalisten von der Radikalität der Islamisten etwas abschöpfen und zurück in feudale Verhältnisse, ohne gleich wie diese die Propaganda der Tat bemühen zu müssen.

Wo man in Dörfern wie in Städten freie Individuen mit Glockengeläut um 6.00 morgens an die fortwesende Gewalt des irrsinnigen Kollektivs gemahnt wird, das Nachtschichtarbeiter wie Langschläfer aus Überzeugung als parasitärer Pöbel, der Rücksicht nicht wert, aus dieser Gemeinschaft aussondert, man also Ruhestörung des öffentlichen Friedens in Prozessionen und ohrenbetäubendem Gebimmel tagauf, nachtein kultiviert, Folterszenen in blutigen Geißelikonen Kindern auf Sandsteinstelen, Fresken und Wegkreuzen entgegengrellen, soll also eben diese Störung des öffentlichen Friedens, die das Christentum wie der Islam von je kultivieren, noch vor Kritik gesetzlich beschirmt werden und Gotteslästerung nicht mehr nur mit Vergewaltigung auf eine rechtliche Stufe gestellt, sondern nach geheimsten Wünschen der CSU wohl demnächst mit Straflager vergolten werden.

In dem Gewahrwerden des offen aufklaffenden Widerspruchs zwischen Realitätsprinzip und degenerierter Religion unter der Persistenz der Warenfetischs auf Identität, rufen die, die diesen Widerspruch nicht ertragen können, nach staatlicher Verordnung gegen Kritik, deren Recht sie in aller Abwehr als berechtigte fürchten gelernt haben. Hätten sie Erfolg, würde in Klassenzimmern wieder ein auf Balken getackerter Leichnam den Kindern ihre schlimmsten Ängste steigern, könnten die in bayrischen wie in polnischen Dörfern munter weiterlebende Hexenjägerei und Judenhass Seit’ an Seit’ mit den islamischen Hetzern, denen man noch jede Gotteslästerei nachsah, sich zur Kultur einrichten, würden blutige Rituale wie das Nachnageln an Ostern, das bislang nur auf fernen Inseln als Passionsspiel überlebte, neben den schiitischen Selbstverstümmelungsprozessionen, anthroposophischen Erdanbetungsritualen und mönchischer Homophobie auf den unterjochten Straßen wandeln.

Es ist den Christen ins Gesicht zu schreien, dass der öffentliche Friede ihre ureigenste Perversion birgt und stets den Scheiterhaufen meint. Dass sie es denen, von denen sie noch die wertvollsten und philosophisch zu nennenden Teile ihrer Glaubensinhalte bezogen, mit Pogromen und Autodafes dankten. Solange noch eine Ideologie das Recht auf Schutz vor Kritik beansprucht, ist sie selbst zu ihren eigenen Gunsten als nicht reformierbar auf den Müllhaufen der Geschichte zu werfen.

„Schade, dass Gott nicht mehr am Leben ist, um das zu sehen.“ (Homer Simpson)

10.9.07 20:07


Wer war dieser Allah doch gleich?

Seit März 2006 blogge ich nun mehr oder weniger regelmäßig. Anlaß des Blogs war die Frustration über Hemmnisse von antideutschen Gruppendiskussionen. Der erste Artikel sollte daher einem vormals so nicht veröffentlichbarem Flugblatt Dialogue and conquer Raum geben.

In zahlreichen Beiträgen äußerte ich mich in der Folge zum Islam, zum Islamismus und generell zu religiösem Fanatismus. Mittlerweile ist meine Magisterarbeit über Hexenjagden in Afrika beendet. Vorher arbeitete ich  an Hausarbeiten zum Antisemitismus im Islam.

Neulich wurde ich allerdings von einem sehr geschätzten Leser und Kommentator empört gefragt, wie ich denn auf einmal eine islamische bürgerliche Gesellschaft überhaupt in Erwägung ziehen könne. Ich habe daher eine kleine Linkliste mit meinen bisherigen Artikeln zum Thema zusammengestellt. In keinem erkenne ich wesentliche Widersprüche zu meiner heutigen Position. Einige Thesen würde ich anders formulieren und möglicherweise mit mehr Fachwissen unterfüttern.

Ich möchte dennoch etwas vorweg bemerken: Den Begriff der Islamophobie halte ich für falsch und unnötig. Dessen eingedenk bemerke ich mit Unwillen unter Nationalliberalen und leider auch Antideutschen eine Tendenz, Verhaltensmuster, die vormals an anderen Objekten ausagiert wurden, am Islam zur Anwendung zu bringen. Dabei wird in Unkenntnis oder fanatisiertem Ton hysterisch gekeift, werden Aufzüge und Toilettenwände mit "Fuck Islam" beschmiert und allerlei Turbanwitze gerissen. Eine solche Idiosynkrasie ist leicht zu bemerken am gereizten, abwehrenden Verhalten: Darüber diskutiert man nicht, die sind scheiße, bumms. Gotteslästerung kann auch viel mit ödipalen Problemen zu tun haben. Der Reiz, das, was anderen heilig ist, zu verletzen, ist nicht nur der einer notwendigen Kritik, sondern lustvoll besetzt, und findet dann oft ungeachtet der Besonderheiten des Objekts statt. Gesellschaftliche Zusammenhänge bleiben davon ebenso unhinterfragt, wie solches Verhalten Teil davon ist. Geschichtliches Wissen bleibt bei plumper Gegenpropaganda außen vor. Die ahistorische Tendenz des solcherarts fanatischen Antiislamismus sieht dem bürgerlichen Geschichtsvergessenen gleich. Wer sich da besonders über Mohammeds Eroberungsfeldzug aufregt, überspringt gleichzeitig die stets gewalttätigen, kriegerischen Einigungen von Imperien unter den fragwürdigsten Ideologien, als hätte es dannach keine Conquista, keine Indianerkriege, keine Kolonisierung Afrikas, keinen Sturz gigantischer asiatischer Reiche unter dem Gebot des christlichen Gottes gegeben. Relativismus wirkt in zwei Richtungen: Im Negativen versucht er Kritik von einem geliebten Objekt abzuwenden, im Positiven versucht er zu idealisieren. Kritische Theorie versagt sich beides, um differenzierend zwischen allen Stühlen zu stehen und in der ganzen,  sich immer wiederholenden Scheiße die großen und kleinen Bröckchen zu erkennen. 

Eine Kritik des Islams hat meines Erachtens in Kenntnis des Korans und den Grundzügen der islamischen Geschichte zu erfolgen. Sie war und ist notwendig. Kern meiner Kritik am Islam, sofern man damit die religiöse Lehre meint, ist der unbedingte Literalismus, der so in der Bibel nicht existiert. Das alte Testament ist ein Geschichtsbuch und beinhaltet derart  zahllose Widersprüche, dass jedem klar ist, dass in verschiedenene Zeiten und Umständen verschiedene Gesetze gelten müssen und Vernunft der einzige Weg ist, ohne Kontakt zu Gott eine menschenwürdige Gesellschaft aufrecht zu erhalten. Der Koran dagegen ist von wenigen Leuten in einer kurzen Zeitepoche festgehalten und behauptet von sich selbst, unantastbar zu sein. Das macht es um so notwendiger, den Text zu analysieren. Das macht es auch notwendig, zu überprüfen, inwieweit dieses zentrale Element der Religion von bestimmten Anhängern überwunden wurde, welche Diskussionen es warum innerhalb der Widersprüche im Koran gibt.

Der Islamismus ist ein notwendiges und inhärentes Produkt des Korans. Das heißt nicht, dass er damit identisch ist. Der Koran ist islamistisch, der Islam ist das nicht in allen Teilen. Das auseinanderzuhalten sollte zum guten Ton der Kritik gehören. Meint man mit Islam die Summe seiner einzelnen Teile, ist man auf die Ideologie des Islam selbst schon eingegangen. Es ist möglich, den Islam als abstrakte, dem Weltlichen abgewandte Religion zu praktizieren. Das macht sie nicht harmlos. Jedoch unterscheidet sie sich darin dann nicht mehr von Teilen des Christentums, das unter dem Druck der säkularisierenden Aufklärung wesentlich früher in entsprechende Reservate zurückgedrängt wurde und heute als irgendwie notwendig falsches Bewusstsein gelten kann, das als Privatmeinung zu tolerieren Grundzug einer bürgerlichen Gesellschaft wurde.

Christentum und Islam unterscheiden sich meines Erachtens als Lehre nur geringfügig: Sie stellen auf das Opfer ab. Das Christentum trainiert die Schuldprojektion bei Leid und Elend, der Islam verspricht Macht und legitime Gewalt. Das Christentum ist eher an einem primären Narzissmus, an einem Ausweichen vor dem Ödipuskomplex interessiert, gerade indem es ihn ausagiert als Konflikt zwischen Sohngott und Vatergott während der Islam den Ödipuskomplex gegen die Ungläubigen wendet und verschleust, der Konflikt mit Gott ein nicht denkbarer ist. Das Judentum lässt Zweifel und Hadern mit Gott zu, das Christentum meint, dieses Hadern in der Auferstehung, Himmel und Hölle zu lösen, der Islam dagegen verleugnet es komplett. In vielem ist der Islam lediglich das ehrlichere Christentum und greift dem Protestantismus und Puritanismus vorweg, der Gerechtigkeit auf Erden in Reichtum und Kriegserfolg kennt und gleichzeitig mit finstersten Höllenstrafen vom irdischen Paradies wegtreibt.

Praktisch ist heute der Islam ein fruchtbarer Boden für antisemitische Propaganda. Das Christentum und die säkularisierten Ostblockstaaten sind das allerdings kaum minder. Spricht man von Terror, meint man zu Recht den islamistischen, der jeden anderen in den Schatten stellt. Das bedeutet jedoch nicht, das Augenmerk von den Umtrieben der zahllosen christlichen Kirchen und ihrer Proselyten abzuwenden, und bloß wegen ein paar israelsolidarischen Floskeln der CDU die tiefe traditionellen Einheit von Christentum und Antisemitismus für überwunden zu halten.

Insofern kann ich die "Vernunftdebatte", die Wertmüller seit neuestem dem Papst zuspricht nicht ganz nachvollziehen. Darauf werde ich in einem weiteren Artikel eingehen. Bis dahin sei das Stöbern in älterer Ware empfohlen, die Reihenfolge ist chronologisch.

Antisemiten vom Muslim-Markt

Friedensachse Berlin-Teheran und warum die Deutschen Ahmadinedschad so gern haben

Der Islam in der Gegenwart - der bpb neue Kleider

Mehr zur Psychopathologie des Islam

Bassam Tibis Begriff des Antisemitismus

Mit Friedensforschung zum intellektuellen Paläolithikum

Israelsolidarität - nothing else matters

Iranische Barbarei geht weiter

Generation Gaza

Ihr Kinderlein komohammet

Tunesien rügt Schleier

Das Buch Ester und der antike Antisemitismus

Die Verkehrung des alten Testaments zum christlichen Antisemitismus

Religion Grrrrrrls

Steinigungswut in Iran

Islamismus: Jetzt noch hautfreundlicher

Die Pädophilie Mohammeds: Über ein sinnloses Argument

Le dernier cri: Die Philosemitismuskeule

Nation of Islam

Küntzel zensiert!

Islam und Sklaverei

Kindermörder

17.9.07 22:43


Irans Joker Deutschland

"Where's Germany?", fragt die Jerusalem Post. Deutschland sei das letzte Land, das den Iran vor ernsthaften Konsequenzen für den Bau der Atombombe schütze. Die Sanktionen, so Teheran, seien gemeistert, die von Frankreich zurückgeschnittenen Investitionen würden durch 37 Mrd. Dollar Investitionen allein in den letzten zwei Jahren ausgeglichen.
Während sich die USA und Israel als einzige ernsthaft um Iran sorgen, finden in Deutschland unter den Auspizien der hessischen Landesregierung Tagungen statt, auf denen zu einer Verstärkung der wirtschaftlichen Bindungen zu Iran geraten wird. In Deutschland dominiert der Ruf, dem Iran weitere Chancen zu geben, sein Image aufzupolieren. Dazu die Jerusalem Post:
 
This sort of "give Iran a chance" rhetoric is offensive and absurd in light of Iran's open defiance of the international community. On August 21, the Iranian news agency (IRNA) quoted President Ahmadinejad promising to place nuclear technology "at the service of those who are determined to confront the bullying powers and aggressors."
 
Nach Frankreich wäre Deutschland die letzte Großmacht, die sich zu wirklich schmerzhaften Sanktionen bewegen müsse, um den Iran zur Aufgabe des Atomprogramms zu zwingen.
 
Wer allerdings in Deutschland wohnt, das eine oder andere Mal CDU-Führungskräfte um eine schriftliche Stellungnahme gebeten hat, und das zwielichtige Geschwätz der einzigen Partei, die sich die Solidarität zu Israel halbwegs auf die Fahne zu schreiben traut, kennengelernt hat, kann wenig Hoffnung auf eine solcherarts noch friedliche Lösung des Konflikts hegen. Im Zweifelsfall opfern die Konservativen in Deutschland mit Krokodilstränen die Interessen Israels denen Irans. Das wird für den solcherarts unausweichlichen militärischen Konflikt Folgen haben. Die Friedensforscher und Populisten der SPD, Linkspartei und den just an der Verdummung der Basis kollabierten Grünen streiten bereits jetzt für das Recht Irans auf Kernenergie und Atomwaffen. Den CDU-Reservaten Baden-Württemberg und Bayern war von je jeder Intellekt abhold, die puritanisch-katholische Erwerbsethik schließt den Verzicht auf das lukrative Geschäft mit den Antisemiten ebenso aus, wie man sich durch eine Kriegsteilnahme die künftigen, derzeit brummenden Geschäfte im islamischen Raum nicht verderben möchte.
 
Israel und die USA werden mal wieder allein den Weltgeist intonieren müssen und sich dafür Kriegstreiber schimpfen lassen, nur weil die übrige Welt einem Krieg gegen Israel schon immer achselzuckend gegenüberstand und zu ernsthaften friedlichen Lösungen nicht bereit war.
Wie der ökonomisch vertretbare Militärschlag aussehen würde, erklärte jüngst ein Militärsprecher der USA. Etwa 1000 Angriffsflüge seien notwendig, um die unterirdischen Anlagen aufzubrechen. Das sei machbar. Die neuen B2-Spirits dürften auch für die russischen Radarstationen unsichtbar sein, nachdem die Luftabwehr ausgeschaltet ist, wäre die marode Luftwaffe Irans kein Gegner mehr. Die radioaktive Verseuchung wäre ein in Kauf zu nehmender hoher Preis.
 
Wie danach mit Iran umzugehen ist, weiß kein Mensch, und gerade in Deutschland ist man anscheinend nicht willens, darüber nachzudenken. Die Bewahrung des Frieden geschumpfenenen Status quo unter dem sympathisch-gruseligen Ahmadinedschad geht den Konservativen wie den Konformisten von Links vor.
18.9.07 11:26


New Enemy, New Weaponry, New Conflict - Rambo takes all...

Rambo IV hat anscheinend vom Stil des ersten die Ernsthaftigkeit, vom zweiten die Effekte, vom dritten den politischen Anspruch und die Story, von Braindead den Splatterfaktor, von den Romanen den religiösen Aspekt und von Blood Diamond den Oscar-Geruch. Hier ein neuer Trailer, nix für unter 18.

Falls noch jemand vorher die ersten drei Teile nachholen will, hier ein kleiner Tipp: Uncut kaufen, auf Englisch gucken und daran denken: Niemand lügt so viel über Rambo wie Cl. Trautman.

"There are no friendly civilians." (John Rambo, Rambo - First Blood) 

19.9.07 14:52


RTL-News: Antisemitismus als Imageproblem

Zuerst urteilt der Nachrichtensprecher: "Israel gibt vor, nach Terroristen gefahndet zu haben." Man wundert sich. Angeben hätte es heißen müssen. Ein Tipp bei Freud zu Versprechern kann nicht mehr gesucht werden, denn promt geht es mit einem zweiten Beitrag weiter: Israel erfrecht sich scheints, mit schönen Frauen am Strand um Touristen zu werben. Was anderen Staaten billig ist, sollte Israel recht sein. Pustekuchen: Ein "Imageproblem" solle damit ausgebügelt werden, von den unhaltbaren Zuständen in Palästina abgelenkt, als seien die auf Israel zurückzuführen. Man merke: Ein Imageproblem hat Israel bei den Antisemiten der Welt, die Palästinenser haben bei RTL den Stein im Brett, den sich der als Imageproblem Israels gefilmte Junge fast selber auf die Füße donnerte beim Versuch, ihn wurfgerecht zu zertrümmern.
20.9.07 20:03


Vernunft vs. Christentum: Eine Kritik von Wertmüllers Verteidigung Papst Benedikts

Bei seiner berechtigten Verteidigung der Rede Papst Benedikts gegen seine sensualistischen und positivistischen Kritiker beruft sich Wertmüller auf ein Schisma in der katholischen Kirche, das so nicht existiert. Ich stimme mit Wertmüller überein, dass der Sensualismus, den sich Kulturrelativisten und Fassonsverfechter auf die Fahnen schreiben, ein selbstzerstörerischer Popanz ist, gerade wenn es um Religion und hier insbesondere den Islam geht. Ferner bin ich weder willens noch kundig, der philosophiegeschichtlichen Darstellung etwas entgegenzusetzen.

Wo Wertmüller allerdings den „fundamentalen Unterschied im Wesen zweier Religionen erkennen will“, versiegt die Überzeugungskraft: Die absolute Transzendenz Allahs sei es, die Islamisten ihre Unvernunft als unergründbaren Willen Gottes vertreten lasse. Anstatt nun das Gegenstück im Christentum aufzutun, macht Wertmüller den Sprung zu Ratzinger und dessen individuellen Anspruch an Vernunft. Die Synthese von Christentum und hellenistischer Philosohpie wird von Ratzinger als gangbarer und fälschlich von Duns Scotus unterbrochener Weg aufgezeigt. Gott sei nun mal Logos. Das verteidigt Wertmüller gegen die volkschristlichen und dümmlich-atheistischen Angriffe, um zur Kritik zu schreiten: Die Versöhnung von Religion und Vernunft sei unmöglich. Kants totale Transzendenz sei auch die Wiederkehr des von ihm kritisierten Willkürgottes. Benedikt sei lediglich inkonsequent und entscheide sich für den Glauben, anstatt kritische Theorie zu studieren. Immerhin (!) habe er den Antisemitismus des Vatikan zurückgefahren: Er sehe nämlich Juden nicht mehr als Platzhalter des Bösen, sondern als Teil eines Plans Gottes. Ohne Tötung Christi keine Erlösung der Sünden, daher mussten die Juden Jesus töten.

Meine Kritik an Wertmüllers Text bezieht sich auf drei Elemente: Eine sehr selektive Idealisierung der frühkatholischen Theologie, das Absehen von religiösen Texten und das Ausblenden des Judentums mit dem peinlichen Schweigen vom Antisemitismus.

Gerade der letzte Punkt lässt Misstöne aufkommen: Erstens haben nicht „die Juden“, sondern die Römer Jesus ans Kreuz genagelt. Erst über die Rolle Judas oder die Volksabstimmung zwischen Barnabas und Jesus ließe sich streiten.
Zweitens ist das noch keine Abkehr vom Antisemitismus, denn über das Instrument Gottes sagt es noch wenig aus: Ob Gott nun einen bösen oder einen guten Juden nimmt, um Jesus zu töten, war dem Antisemit von je egal. Die Wut auf den „Gottesmord“ ist ja nur Produkt der Verschiebung, dass Jesus für unsere, also auch meine Sündhaftigkeit sterben musste, also ich armer Sünder am Tode des so reinen, frommen und guten Jesuleins schuld bin. Diese unerträgliche Schuld verlangt geradezu danach, auf ein Objekt abgeladen werden.

Die hellenistische Tradition, die Benedikt frech als christliche ausgiebt, ist originär eine des Judentums, das es über Tausend Jahre hinweg schaffte, solche Elemente bis zu einem Grad der Vernunft zu integrieren, der in „Buch Kohelet“ oder „Weisheit“ zu Tage tritt. Erst über die arabisch-islamischen Übersetzungen unter anderem jüdischer Intellektueller wie Maimonides erhielt das Christentum ab einem gewissen Punkt wieder Zugang zu den einst verpönten philosophischen Texten der griechischen Polytheisten. Wertmüller vermag nicht zu benennen, wieso gerade dem Christentum eine solche Weihe zukommen solle, das Judentum aber mit einem Stillschweigen bedacht wird, das um so unangemessener ist, als auch das hellenistische Christentum mit der hellenisierten Vernunft des Judentums in entscheidenden Stellen kollidiert.

Wo bleibt die Vernunft, der Äquivalententausch zwischen Gott und Mensch, der Vertrag, der es Moses erlaubt mit Gott zu handeln, der die Strafen Gottes rechtfertigt durch das Verletzen des Vertrages und der es sogar Hiob erlaubt, mit Gott trotz allen Glaubens zu rechten, wo bleibt nun diese an Erfahrung geknüpfte Vernunft in der Bergpredigt, als Feinde Freunde werden sollen, der Arme reich, der Schwache stark, der Verrückte vernünftig oder zumindest selig werden soll? Die narzisstische Umkehr, die Grundberger/Dessuant wie auch Vinnai in der Bergpredigt verorten, ist Kern des Christentums, das Vernunft GEGEN die Überzeugung der eigenen Vergottung, der Selbstidolatrie des Narzissmus niemals dulden wird.

Auch Unvernunft wird ambivalent verhandelt. Ist in Gottes Sohnopfer die Erfüllung der absoluten Vernunft, des totalen Plans von der Erbsünde bis zur Erlösung zu erkennen, so scheitert diese utopische Vernunft notwendig an der Realität. Die Christen haben dieses Scheitern mit dem Antisemitismus, Mystizismus und Selbstkasteiung gelöst. Das Judentum gestand Gott zu, unvernünftig und abwesend zu sein.

Als Moses Gott von der Auslöschung des gesamten Volkes am Berg Sinai abhält und doch selbst vor Wut tobt, unterstellt er Gott selbst Unvernunft. Und was sagt Gott über sich selbst? Er sei ein zorniger Gott, Herr der Heere ist einer seiner zahllosen Namen. Noch deutlicher wird dieses Verhältnis zur Vernunft in der Sintflut: Gott reut die ganze Sache, und er belässt den Menschen fortan in seiner Unvernunft, weil Vernichtung nur wieder Unvernunft ist. Gott ist fehlbar, man kann mit ihm handeln, ihn beschwören, ihn beeinflussen, ihn beschwichtigen, wenn sein Interesse dem des Menschen zuwiderläuft oder an ihm zweifeln wie Jonas oder Hiob.

Der christliche Gott hat die Fehlbarkeit überwunden, sich durch das Sohnopfer abgedichtet und mit der Bergpredigt den Wahn vollendet, der es fortan erlaubt, von den Juden das Hinhalten der anderen Wange zu fordern und doch selbst mit dem Schwert in die Welt zu ziehen. WEIL Gott Logos ist, wird alles von Vernunft durchherrscht, vom Sohnopfer bis zum Feudalismus: Knechtschaft wie Herrschaft ist vernünftiger und unangreifbarer Plan Gottes. Das ist die Inversion, die das Christentum betreibt, und von der Wertmüller schweigt. Wenn nun Benedikt beabsichtigt, zu den hellenistisch-jüdischen Wurzeln zurückzukehren, und das wahnhafte Christentum mit einer Portion jüdisch-hellenistischen Realismus' vom Ärgsten zu kurieren, dann ist das recht und billig. Auch dass er in Auschwitz dem Schweigen Gottes die vernünftigen Taten der Menschen entgegensetzen will, sei legitim und sogar beachtenswert. Wenn er jedoch penetrant verschweigt, von WEM dieser Realismus unter Absehen von Dogmen stets neu ausgehandelt wurde, nämlich dem Judentum, das SEINE eigene Kirche von je ausrotten wollte, ist diese Anmaßung und das Plagiat zu kritisieren, und nicht die Glaubhaftigkeit seiner Theorien. Ob Benedikt nun Antisemit oder nicht ist: Wenn er keiner ist, so ist das kein Verdienst, wie Wertmüller andeutet, sondern das mindeste, was man von einem christlichen Offiziellen und von Menschen überhaupt erwarten kann.

Eben aus diesem Schweigen von Vernunft und Unvernunft beim Judentum erklärt sich die recht dürftige Nachlässigkeit, mit der man im Islam das Prinzip der Unvernunft verorten möchte. Weil Allah undurchdringlich ist, könne man nicht mit ihm rechten, daraus zögen die Islamisten heute ihre Energie. Dass hier nur die absolute Vernunft des Weltgeistes durchschimmert, der selbst die barbarischsten Massaker des Kolonialismus noch mit dem Fortschritt der Zivilisation entschuldigte, entgeht der Auffassung, die Ambivalenzen in Texten nicht denken möchte. Die Almohaden entfachten 1148 Judenpogrome dort, wo eben Moslems 711 die Juden aus dem Joch der Christen befreiten. Die katholische Kirche setzte den Antisemitismus gegen die arianischen Christen durch. Inmitten des wucherndsten Antisemitismus widersetzten sich noch Individuen dem auf den gleichen philosophischen und religiösen Prinzipien aufbauend, etwa Ludwig der Fromme oder Karl der Große oder der Bischof Rüdiger von Speyer.

Der Islam IST unvernünftig, weil er auf einem Mangel an historischer Erfahrung literalistisch aufbaut und fünfzig für eine Minderheit erfolgreiche Jahre zum Exempel für Jahrtausende machen will. Er ist nicht unvernünftig, weil er behauptet, es gebe etwas, was nicht zu begreifen sei. Er ist auch nicht unvernünftiger als Hegel, wenn er behauptet, dass dieses Unbegreifliche vernünftig sei. Er ist dann unvernünftig, wenn er wie die Fundamentalisten behauptet, man habe das Unbegriffene mit Begriffen erfasst und Identitäten geschaffen. Eben dem sperren sich allerdings selbst noch einige Suren im Koran, in denen vor der Hinterlist Gottes gewarnt wird: Verschlungen seien die Pfade Gottes und nicht ergründbar, im Irrtum, wer sich voreilig auf ihn beruft. Ohne Frage: Zahllose andere Suren rechtfertigen und fordern Gewalt, Unterwerfung, Judenfeindschaft und Mord, wie Luther baut Mohammed auf dem enttäuschten instrumentellen Wunsch an Juden und der folgenden Vernichtung und Abwertung auf und ja, der Islamismus ist orthodoxer Islam und keine Verfälschung des Textes. Davon spricht Wertmüller jedoch nicht. Geschichte geht ihm in seinem eigenen Text in wenigen Autoren und identischen Begriffen auf, die zudem idealisiert werden, womit sich der letzte Kritikpunkt eröffnet.

Der von ihm als lobenswertes Beispiel für christlich-hellenistische Vernunft angeführte Thomas von Aquin, angeblich hellenistische Oppositionspartei des Schismas zwischen Hellenismus und Sensualismus rechtfertigte den damals noch spärlichen Hexenglauben mit der Vernunft Gottes, die das Böse in die Welt bringe, um Menschen zu prüfen. Wo 906 noch Abt Regino von Prüm, eine Ausnahmeerscheinung, den GLAUBEN an Hexerei als unchristlich verurteilte, beeilt sich Thomas von Aquin nachzuweisen, dass dieser Glauben vernünftig sei, weil Gott über alles Macht habe, und somit den Dämonen erlauben könne, ihr Unwesen zu treiben. Man muss das betonen: GEGEN die frühen psychologischen Erkenntnisse über die Dämonen als Halluzination und Einbildung (denen auch das Judentum entgegen der verfälschenden Übersetzung von ritueller Magie als Hexerei in Levitikus schon folgt) verficht Thomas von Aquin noch jeden Aberglauben, um mit Wertmüller zu sprechen: jedes „Narrenhütchen“ des „kindlichen Volksglaubens“, als göttliche Vernunft. In eben den von Adorno gerühmten „Summen“ des Thomas von Aquin finden sich „Beweise“ des Geschlechtsverkehrs mit einem Sukkubus, und letztlich auch die wissenschaftliche Untermauerung des satanischen Fluges. Gegen die zum Gesetz gegen den Hexenglauben geronnene Vernunft im späten christlichen Rom reinstallierte eben jener Scholastiker den Hexenglauben als Vernunft und bereitete entscheidend den Boden für die Hexenjagden der frühen Moderne vor.

Hat nun Papst Benedikt eben jenem Thomas von Aquin seine Heiligkeit abgesprochen, wegen dessen Unvernunft? Nein. Selbst Wertmüller idealisiert ihn noch zum Vorkämpfer der Vernunft gegen den Sensualismus, Adorno unterstellt ihm sogar noch, nirgends (!) den Begriff der Vernunft zu verfehmt zu haben (q.e.d). Wie nun eine solcher Vernunftbegriff mit dem Glauben an Hexerei, an die (überaus sensualistische) Bergpredigt und an die Johannes-Apokalypse einhergehen soll, bleibt im Dunkeln, wie bei der Kritik an Islam und Christentum von dem geschwiegen wird, woraus beide ihre Stärken ziehen und auf das beide deshalb ihre Mängel projizieren: das Judentum in seiner selbstreflexiven und selbstkritischen literarischen Rationalität, die durchaus schon kritisch-theoretische Elemente der Versöhnung mit der Unvernunft in der Begriffslosigkeit Gottes und der unerklärlichen, existentialistisch anmutenden Wahl des Volkes Israel zum auserwählten trug und trägt. Das Christentum stellte einen gescheiterten, wenngleich im Prinzip notwendigen Versuch dar, diesen Glauben zu universalisieren, und die darin zum tragen kommende Vernunft einem allgemeinen Publikum zugänglich zu machen. Wie die Bergpredigt wollte es dabei allerdings von Besonderheiten und Erfahrungen absehen, das was besonders blieb, nämlich die zu Recht auf die Überlegenheit ihres Textes beharrenden Juden, kränkte das Christentum.

Der Islam schlägt in die gleiche Bresche, vor Gott und Allah sind alle gleich. Ebenso "denkt" das Geld verdrängt im Citoyen. Dem entgegen beharrt das Judentum auf seitenlangen Abstammungslinien, auf der Individualität der intellektuellen Größen wie Salomo oder Kohelet und auf das Heldentum der Makkabäer, die eben nicht wie die Heiligen oder die Dämonen zum großen Plan Gottes oder des Weltgeistes gehörten, sondern auf Gott zwar vertrauten, mehr aber noch wie Bourgeois und Odysseus ihr Glück versuchten, um das Beste zu erreichen.

Die Widersprüche in den Religionen sind beim Islam wie beim Christentum nicht zur Identität zu zwingen. Den Besonderheiten ist nicht durch Verallgemeinerung und Trennung zweier Opponenten zu begegnen. Derart salopp, wie Wertmüller den Islamismus auf ein Prinzip reduziert und den Koran auf ebendieses mag die Sache vereinfachen. Mehr begriffen wird dadurch nicht.

Justus Wertmüller: „Gott hat keinen Gefallen an Blut. Benedikt verteidigt die Vernunft gegen den Islam.“ In: Bahamas 51, 2007.

Justus Wertmüller: "Im Angesicht des Bösen. Deutschland wartet auf die iranische Bombe." In: Bahamas 52, 2007.

Rudolf Krämer-Badoni: „Judenmord, Frauenmord, Heilige Kirche.“ 1988, Knesebeck & Schuler.

Bernard Lewis: „ ‚Treibt sie ins Meer!’ Die Geschichte des Antisemitismus.“ 1989, Ullstein.

22.9.07 16:40


Islamversteher?

Da insistiert man auf Komplexität des Denkens, auf das Besondere im Allgemeinen, auf das Allgemeine in Besonderheiten, und so landet man zwischen den Stühlen.

Eine kleine Wiederholung in verkehrender Kritik:

Der Trend der Islamversteher ist es, Kritik am Islam mit dem Ausweichen auf die blutige Geschichte des Christentums zu begegnen und überhaupt jegliche Barbarei mit Widersprüchen der Zivilisation zu entschuldigen und so das Fortschrittliche in Zivilisation zu verraten. Solche Leute nennt man Kulturalisten. Ihre Kritik an Widersprüchen, so richtig das Argument faktisch sein mag, ist nicht eine Kritik am Zivilisatorischen, sondern eine Hinwendung zum Barbarischen im Verteidigten. Wenn zum Beispiel Genitalverstümmelung neuerdings auf Brustoperationen und Geschlechtsumwandlungen im Säuglingsalter bezogen wird, ist es nicht etwa die Absicht gegenüber einseitigen Verallgemeinerungen zu differenzieren, die diese Leute treibt, sondern die Absicht über Allgemeinheiten Identitäten zu schaffen, die es ermöglichen, sich als Einzelner im feindlich bestimmten "westlichen" Kollektiv als individuell zu dünken und so sowohl Genitalverstümmelung wie Brust-Op nur als Objekt vorschieben, an dem ein solches Verhältnis erzeugt werden kann.

Meine Absicht in den unten folgenden Artikeln war, zu differenzieren! Es kann nicht darum gehen, die historischen Fakten, die solche Kulturalisten aufzählen schlichtweg als falsche zu deklarieren. Es muss darum gehen, ihren merkwürdigen Fleiß beim Aufzählen solcher Fakten auf seinen wahren Grund, der Entschuldigung des Islams und der Identitätsgewinnung an diesem Ersatzobjekt zurückzustoßen.

Insofern bestehe ich weiterhin darauf, zu belegen, wovon man spricht und deutlich zu machen, warum man davon spricht. Die Kritik an Wertmüller beispielsweise habe ich NICHT zur Verteidigung des Islam geschrieben, wie Frank das unterstellt und nicht belegt, sondern um ein identitäres Moment darin aufzubrechen und dem Identischen geopferte Störfeuer der Geschichte ins Licht zu rücken. Das soll nichts vereinfachen, wie das die Kulturalisten mit ihrer Losung: Westen scheiße! tun, sondern zu etwas gründlicheren Recherchen und besseren Belegen und einem Nachsinnen über das eigene Interesse am Belegen anregen. 

Wenn jemand die These vertritt, das Christentum habe ein vernünftiges Element, so ist dies a) am religiösen Text und b) an der Geschichte zu belegen. Beides schlägt meines Erachtens fehl. Vernunft ist die paradoxe Ausnahmeerscheinung im Christentum. Aufklärung als christliches Projekt zu bestimmen scheitert. Dem Islam Vernunftfeindlichkeit aufgrund einiger Sekundärliteraturpassagen nachzuweisen, schlägt ebenso fehl, nicht weil die Grundthese falsch ist, sondern weil die Beweisführung dürftig und tendenziös ist, was gerade dadurch um so schwerer wiegt, als diese Nachweise leicht gefunden werden könnten. Wo Vernunft gerade in Raserei mündet, zeigt Wertmüller in Kenntnis der Dialektik der Aufklärung ja bereits auf. Es wäre dann zuletzt zu fragen, wo das irgend am Christentum als vernünftig zu bestimmende Moment vor solcher Raserei gefeit bliebe. Auch vom dialektischen Standpunkt, der eben ein solcher nicht ist, darf man auf etwas Konsistenz bestehen.
   

 

23.9.07 14:55


Michael Winterbottoms 'Ein mutiger Weg'.

Michael Winterbottoms "Ein mutiger Weg" über die Entführung und Ermordung Daniel Pearls in Pakistan besticht vor allem durch die Komplexität der Charaktere, die Verweigerung des kulturindustriellen "watch and judge": Ein zwielichtig lächelnder Weißer enttäuscht auf lange Sicht die Erwartung einer Verschwörungstheorie, ein folternder Polizeiinspektor bleibt in seiner Melancholie menschlich, angestellte Pakistanis sind eben doch keine Verräter, Terroristen und Islamisten nicht augenrollende Krummnasen.

Die Absage an Verschwörungstheorien gerade durch deren Thematisierung als nicht zu diskutierende leistet der Film auf hervorragende Art und Weise. Wo Islamisten von Reportern als CIA-Agenten sprechen, wo der 11.9.2001 auf den Mossad zurückgeführt wird und Juden als Mossad-Agenten gelten kann es kein Gegenargument geben, keine schale, vorgestanzte Argumentation, weil das Argument nicht existiert.

Der Emanzipation der Frau verpflichtet thematisiert der Film subtile Bevormundungsmuster in der vorgestellten britisch-amerikanischen Gesellschaft, ohne dabei die Möglichkeit der Emanzipation dagegen zu verraten: Frauen treten als vernünftig, autoritär und handelnd auf, als gleichberechtigte Gesprächspartner, nicht als wartende und hoffende passive Objekte männlichen Tatendrangs und Heldentums.

An den wichtigsten Stellen allerdings versagt der Film: Die Forderungen der Entführer werden auf "die Verbesserung der Haftbedingungen in Guantanamo" reduziert und so eine Handlungsebene angedeutet, die nie existierte: Gefordert wurde die Freilassung aller Inhaftierten, deren Rückkehr nach Pakistan sowie der Abzug amerikanischer Aktivitäten aus Afghanistan. Die Taktik der unerfüllbaren Forderung ist perfide, da sie eine Rationalität im Austausch andeutet, die nie existiert. Der Mord ist schon vorprogrammiert, das ganze stets aufs Neue eine Medienshow, Propaganda.

Neben Tränendrüsen-Einsprengseln wie der permanente schwangere Bauch Jolies und der furchtbar synchronisierte Zusammenbruch entsteht auf medialer Ebene eine endlose Redundanz, die dem Opfer wenig Respekt zukommen lässt: Es geht unter in einer Flut von Desinformation und Bildern, der konkrete Fall des Individuums Pearl löst sich in postmoderner Mythologie und lauem Experimentalfilm auf.

Das Schema "Three seconds - one cut" zieht sich durch den gesamten Film und kann als Kritik oder Realismus der Postmoderne verstanden werden, die penetranten Handytöne deuten eher auf Realismus, für den Zuschauer ist jedoch irgendwann ein Moment der Frustration erreicht, an dem ihm die Auseinandersetzung mit Handlung und Absicht nicht mehr gelingen kann und sich Distanzierung einstellt. Mag sein, dass das als Element der Selbstreflexion gedacht ist, die Mimesis zu brechen und die Leistung der in solchem Chaos agierenden Sinnsucher - Journalisten und Polizisten - würdigen will. Dann wäre jedoch der Anlass für ein solches künstlerisches Experiment missbraucht, von Daniel Pearl bleibt nichts im Bewusstsein, der ganze Film ist wie ein Traum rasch vergessen.

26.9.07 10:40


Stop this regime! Free Burma now!

Das Militär in Rangun (Burma) geht aktuell mit Waffengewalt und Massenverhaftungen gegen die friedlichen Demonstranten vor. Inwiefern das die aufkeimende Revolte, an der zuletzt 100 000 Menschen teilnahmen, noch einschüchtern kann ist fraglich. Auf einigen Videos bewaffnen sich jedoch selbst Mönche mit langen Knüppeln. Alle, die an Protesten teilgenommen haben, wissen, dass sobald sich die maulfaule Weltöffentlichkeit abwendet, erst recht Massaker und Morde stattfinden werden. Jetzt nachzulassen würde das Erreichte - internationales Interesse und die Erfahrung des organisierten Widerstandes - konterkarieren. Für das Regime steht alles auf dem Spiel, somit ist das schlimmste zu befürchten. Inwieweit das Regime auf nennenswerte Unterstützung in der 55 Millionen zählenden Bevölkerung bauen kann, ist mir nicht ersichtlich.

Wie burmanesische Blogger (Ko Htike und Nyein Chan Yar) berichten, wird den buddhistischen Mönchen - treibende Kraft hinter den Revolten - aktuell unterstellt, eine Moschee angegriffen zu haben, was sie selbst als absurd beizeichnen. Die Junta hat zum einen einige Mönche gekauft, nachdem die Klöster ihr den spirituellen Segen verweigern, und verfolgt ferner die Minderheiten der Christen und Moslems. 3000 Dörfer wurden in den letzten 10 Jahren im Osten des Landes zerstört, was sich der Film "John Rambo" als Schauplatz nimmt. Alle Stimmen rufen nach Solidaritätsbekundungen aus dem Ausland. Die UN-Vollversammlung konnte zuletzt wegen des allfälligen Vetos Chinas und Russlands keinen klaren Beschluss fassen.

Das burmanesische Regime hat sich lange völlig isoliert und brutal das unter der Kolonialverwaltung ungemein prosperierende Land in den Ruin gestürzt. Nachdem das Land 1948 unabhängig wurde, hatte eine sozialistische Junta sich 1962 an die Macht geputscht und seither 2 größere Aufstände blutig niedergeschlagen: 1974 und 1988 mit 3000 Toten. 1990 wurden Wahlen annulliert, die Gewinnerin Aung San Suu Kyi steht seitdem unter Hausarrest. Laut Touristenberichten werden mitunter ganze Dörfer zur Zwangsarbeit eingezogen. Mit den meisten ethnischen Guerillas herrscht Waffenstillstand, in den Nachbarländern existieren starke, feministische Exilbewegungen. Die straffe Zensur lässt kaum objektive Nachrichten zu. Ein hervorragende Quelle ist das Irrawaddy News Magazine.

27.9.07 14:39


Burmas Junta versucht den Aufstand niederzuschlagen

Wie "The Irrawaddy" berichtet hat sich das Militär zur gewaltsamen Niederlage der Revolte entschlossen. Klöster wurden heimgesucht, zahllose Mönche verprügelt, auf den Straßen in Rangun schießen Soldaten in die Menge, in einem Fall mit einer Panzerfaust auf Unbewaffnete. Nachdem erneut 70-100 000 Menschen zusammenkamen, versuchen die Milizen in den Straßen Schrecken zu verbreiten und schießen willkürlich in jede Menschenansammlung, drohen dies auch vorher an. Ein japanischer Reporter wurde aus nächster Nähe erschossen. Die Junta zensiert populäre Blogs und kappt Telefonverbindungen.
 
Währenddessen bereitet sich das Militär wohl auf intensive Säuberungsaktionen vor, indem zusätzliche Truppen in die Karen-Region entsandt werden und protestierende Menschen gezielt auf Transporter verladen werden. In einem Fall sollen das insbesondere Mädchen und Frauen gewesen sein. Das burmanesische Militär ist bekannt für organisierte Zwangsprostition.
 
Auch wenn und gerade weil die Junta sich einen Dreck um die Meinung im Ausland schert und ein militärisches Eingreifen möglicherweise an Großmachtinteressen Chinas und Russlands scheitert, ist es unabdingbar, der demokratischen Revolution dort alle Aufmerksamkeit zu widmen, die sie braucht. Sie ist in einem Ausmaß im Gange, das sich nicht zurückdrehen lässt und sehr wahrscheinlich entweder in grauenvolle Massaker oder in einen Umsturz mündet. Je mehr die Junta den Mönchen brutale Gewalt als unausweichliche Folge ihres Protestes eröffnet und sie in Massen abtransportiert, desto mehr werden diese die Revolution als einziges Mittel sehen, dies zu vermeiden. Ob es Tendenzen zur Bewaffnung gibt, kann ich schwer absehen, die Guerillas werden möglicherweise unterstützend eingreifen und auf Videos sieht man Mönche und andere Zivilisten mit Holzknüppeln herumlaufen.
 
 
27.9.07 21:31


Al-Qaida in der Defensive

Wie Al-Qaida im Irak an der Endogamie der Stämme ihre Heiratspolitik, an der ökonomischen Vernunft der Menschen ihren Terror scheitern sieht, Tomaten und Gurken auf Märkten wieder nebeneinander verkauft werden dürfen und die amerikanischen Offiziere mit Militärethnologie und Antiguerillataktiken den Krieg in der Provinz Anbar und Dyala gewinnen schildert ausführlich dieser Artikel der Weltwoche.
28.9.07 10:47


Afrika!Afrika! - Kleine Korrektur zu Mathias Schütz

In Prodomo berichtet Mathias Schütz in "Das echte Afrika" von rassistischen Völkerschauen im 21. Jahrhundert. Dabei unterläuft ihm ein kleiner Kunstfehler in der Fussnote.

"Fetischpraktiken und ein wahnhafter Glauben an Verhexung sind zwar in vielen Regionen des Kontinents vorzufinden, aber diese sind von den monotheistischen Religionen, wie sonst auch in der Geschichte der Missionierung, längst vereinnahmt worden."

Nicht nur in vielen, sondern in fast allen Regionen des Kontinents wuchert der Hexenglaube und modernisiert sich bestets aufs Neue. Er ist nicht "vereinnahmt" worden, sondern war entweder schon Bestandteil der christlichen Kirchen und Freikirchen, oder er hat vielmehr diese Kirchen durchwachsen und in gewissem Sinne "übernommen". Der Evolutionismus hält den Monotheismus für derart überlegen, dass ihm nicht in den Sinn kommt, der Synkretismus sei mehr eine Kaperfahrt des Hexenglaubens als eine passive Vereinnahmung durch Kirchen. Der Hexenglaube ist aktives, dynamisches und unberechenbares Moment afrikanischer Gesellschaften.

Die katholische Kirche konnte gegen den Hexenglaube nichts ausrichten, die afrikanischen Diözesen erkennen ihn nicht wider Willen an, sondern weil sie selbst von je an Hexerei glaubten. Der Hexenglaube ist nicht ein religiöses System, sondern diesem vorgängig. Zahlreiche Kirchen bieten allerdings den als Hexen Verfolgten einen Unterschlupf, weil sie den Anspruch haben, von Hexerei mit der Macht Gottes reinigen zu können. Dennoch prägt sie selbst eine tiefe Furcht vor Hexerei. Die ZCC (Zionist Christian Church), eine charismatische Bewegung, die die Bekämpfung von Hexerei durch Reinigungsrituale zum Kern hat, ist mittlerweile größte Kirche in Südafrika. Für von Hexerei verfolgte Personen (zehntausende von Toten in den 1990-ern in Afrika) ist das vielleicht nicht die schlechteste Entwicklung, jedoch sind eindimensionale Urteile mit Vorsicht zu genießen. Der Islam wiederum ist dem Hexenglauben insofern nahe, weil er über die Hodschas und Marabouts selbst Elemente der Hexerei bewahrt hat und Hexenverfolgungen in arabisch-islamischen Staaten durchaus regelmäßig auftreten, etwa in Jemen.  

28.9.07 11:45


Burma - ein neuer Tag

Heute waren laut dvb die Proteste verhaltener und unorganisierter, die Reaktionen des Militärs etwas weniger brutal. Möglicherweise hat Chinas Aufruf zur Mäßigung dazu beigetragen. Auf dem Land schützen dagegen Bürgerwehren aller Religionen buddhistische Klöster mit Alarmketten, Steinschleudern und Knüppeln erfolgreich gegen Razzien. Erstmals partizipierten auch die buddhistischen Nonnen an den Protesten. Die US-Regierung verurteilte erneut das Regime, das Ergebnis der UN-Dringlichkeitssitzung steht wohl noch aus. Gestern informierte CNN mit ausführlichen Interviews von bekannten Bloggern aus Burma.

Grundlegendes siehe hier und hier.

28.9.07 15:43


Im Detritus des Alltags wühlen - mit Harry Potter, Tom Hanks, Flaubert und Kafka.

Der Volksmund meint mit "kafkaesk" die allfällige Stummheit bürokratischer Vorgänge gegen das besondere Individuum. Ist diese Bürokratie doch höchster Ausdruck der Gleichheit des Rechtssubjekts, Garant der Freiheit von den Zumutungen des Nepotismus und der Willkürherrschaft, schlägt diese Freiheit in die Missachtung dessen um, das sich der Kategorie nicht fügt. Des Widerspruchs gewahr wird Aufstand zelebriert und scheitert doch an Übersetzung ins Reale - zu stark der Fetisch, der ihn formt.
Tom Hanks in "Terminal" bringt das kafkaeske auf den Nenner der Emanzipation: Am durch die Maschen Gefallenen und seinen kleinen Missgeschicken, wie auch an den kleinen Erfolgen, dem bauernschlauen Schnippchenschlagen, das den Kleinbürger zu diebischer Freude anfacht, ergötzt sich das dieses kafkaeske doch reproduzierende Ordentliche - das will den ordentlich behandelten Menschen mehr der Ordnung wegen. Bürokratie als fehlerhaft vorführen will nicht die Aufhebung des Zwangs, sondern dessen Vervollkommnung - im besonderen Fall verständlich, im Ganzen fatal. "Terminal" fordert dann neben Kleinkitsch das individuelle Überschreiten a la Don Quijote, das Emanzipieren im Falschen, ohne Gründe für das Scheitern zu benennen.
Harry Potter steigt darüber hinaus, wenn er stets aufs Neue vor den Vorschriften zum Buckeln gezwungen wird und der Rassismus letztlich höchst rationell in Bürokratenwut aufgeht - Aufbegehren bleibt hier individuelles, mit fetischistischer Macht zum Erfolg befugtes, Messianismus die unabdingbare Folge. Rambo - Potter - Jesus, Underdog - Topdog, ein Schema so alt wie die Welt. Der Stellvertreter-Revoluzzer bewahrt den Traum und täuscht ihn doch durch allzu erschöpfendes Miterleben.
Flauberts starre Langeweile, gegen die mit gleichgültigen Handlungen verstoßen wird, vermag den Sturm im Wasserglas des Kleinbürgertums angemessen würdigen - Naturbeschreibung fügt sich neben das spontane, sang- und klanglose Aufgeben der fernen Schönen wie auch in den unspektakulären Ehebruch, Dramaturgie des Besonderen geht auf in der Langeweile und Belanglosigkeit des Ganzen - und so erst entsteht das drückende, das quälend-erschütternde Bewusstsein von der Beschränktheit des Individuums in der Wiederholung des Immergleichen. Der toten Schönen weint man alle Tränen nach - ein Leben passt ja in ein Buch von 200 Seiten, ein guter Grund zur Trauer, wenn nicht gar der beste.
Kafka selbst meint wohl im Alptraum nicht gar so sehr die preußische Aktendisziplin, als vielmehr ein abstraktes Prinzip der Gerechtigkeit, die Strafkolonie als Beispiel: Ein Gott auf Erden, maschinell mehr als im Theater, wäre zugleich die Hölle. Totale Gerechtigkeit hieße totale Berücksichtigung des Besonderen bei gleichzeitigem Absehen von Besonderem -contradictio in adjecto, die nur der Rechtsstaat möglich macht: Als elend lange Einzelfallsprüfung oder als maschinelle Judikative. Mehr noch war der Wartende bei Kafka wohl ein Abbild des Juden vor den Toren der Gesellschaft.
30.9.07 18:12


s



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