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Die Philosophin

Orsina (höhnisch): Allerdings? -O des weisen Mannes, den man sagen lassen kann, was man will! -Gleichgültigkeit! Gleichgültigkeit an die Stelle der Liebe? - Das heißt, Nichts an die Stelle von Etwas. Denn lernen Sie, nachplauderndes Hofmännchen, lernen Sie von einem Weibe, daß Gleichgültigkeit ein leeres Wort, ein bloßer Schall ist, dem nichts, gar nichts entspricht. Gleichgültig ist die Seele nur gegen das, woran sie nicht denkt; nur gegen en Ding, das für sie kein Ding ist. Und nur gleichgültig für ein Ding, das kein Ding ist, -das ist so viel, als gar nicht gleichgültig. - Ist dir das zu hoch, Mensch?

Marinelli (vor sich hin): Oh weh! wie wahr ist es, was ich fürchete.

Orsina: Was murmeln sie da?

Marinelli: Lauter Bewunderung. -Und wem ist es nicht bekannt, gnädige Gräfin, daß sie eine Philosophin sind?

Orsina: Nicht wahr? -Ja, ja, ich bin eine. -Aber habe ich mir es itzt merken lassen, daß ich eine bin? -O pfui, wenn ich mir es habe merken lassen, und wenn ich mir es öfter habe merken lassen. Ist es wohl noch ein Wunder, daß mich der Prinz verachtet? Wie kann ein Mann ein Ding lieben, das ihm zum Trotze auch denken will? Ein Frauenzimmer, das denkt, ist ebenso ekel als ein Mann der sich schminkt. Lachen soll es, nichts als lachen, um immerdar den gestrengen Herrn der Schöpfung bei guter Laune zu erhalten. [...]

(Lessing, Emilia Galotti)

Eine der großartigsten Szenen der klassischen Literatur überhaupt und ein Zeugnis von Lessings tief empfundenem Einsatz für die Emanzipation der Individuen. Daneben scheint ein dialektischer Ansatz bereits hervor, der das Ding an sich nicht denken lässt und auf eine Vermittlung von Subjekt und Objekt beharrt.  

3.8.07 11:44


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Fachwerkslums

Wenn Marburg wütet, wird entweder ein Bordell gebaut oder Zivilisation droht damit, sich einzustellen. Der Skandal lockt derzeit im Neubau eines Hauses. Das, soviel mag man noch zugestehen, ist viel verlangt von einer Stadt, die Universitätsgebäude notdürftig zusammenflickt und sogar langfristig sperren muss, um Passanten vor herabstürzenden Fassadenteilen zu bewahren.
 
Damit findet man sich ab, wie weiland mit den aus dritten Stöcken herabgestürzten Abortinhalten. Ebenso gelassen nötigt man Studenten in ein Idyll aus verfaulenden Balken, maroden Einglasfenster, Decken auf Augenhöhe und Duschen für allenfalls Kleinwüchsige im Dachparterre für 300 € Kaltmiete zu ziehen. Nonchalant lotst man Touristengruppen an solchem - meist mit Lack in Farben Lichtjahre jenseits des Ästhetischen zusammengehaltenen - Elend vorbei. Da brilliert die Eigentlichkeit in olivgrünen Balken und löchrigen Dächern und am barbarisch Urtümlichen weidet sich lüstern, wer in luxuriösen lichten Neubauten am Stadtrand wohnt.
 
Ein ebensolcher Neubau, so beteuert man, zerstöre das traute Stadtbild, rage einen Meter in die herrliche Aussicht vom lutherischen Kirchhof auf das öde, Kiefernwaldverseuchte Land. Der Zivilisierte spricht heimlich einen Segen über alle Großfeuer der Vergangenheit, die nach Betrauerung der Opfer menschenwürdiges Wohnen erst ermöglichten und dem Denkmalschutz ein Schnippchen schlugen. In Sachen Architektur lobt er die städtebaulichen Umgestaltungsmaßnahmen der Royal Air Force. Jedes Haus, das über 50 Jahre zählt, erinnert ihn an Mörder, die zufrieden darin wohnen durften. Der Leser der Oberhessischen Presse dagegen schimpft auf Bausünden, das könne nicht rechtens sein, und während er das Elend zum Anblick aufwertet, richtet nicht er selbst sich darin ein, sondern zwingt den studierenden Subalternen, der längst amortisierten Bausubstanz noch weiter Wert zu zollen.
 
Die tristen, verfallenen Dächer Marburgs, die schimmligen Wände darunter, die notdürftig verflickten, gichtigen Fassaden, die man vom Kirchhof zu erblicken gezwungen ist, bieten Reiz allein für den, der nie in solchem Modder suhlen musste, oder qua Gewalt noch Lust daran empfinden lernte.

5.8.07 12:24


Galileo - kristalliner Positivismus

Die Fernsehserie Galileo soll den Zuschauer zwischen Simpsons und Primetime auf dem Sessel halten. Populärwissenschaftlicher Schwachsinn reiht sich da an überflüssiges Trivialwissen. Mittels äußerst fragwürdiger Experimente ohne Vergleichsgruppe, angemessene Versuchreihen und Doppelblindszenarien versucht man ein ums andere Mal so blödsinnigen Fragen auf den Grund zu gehen wie: "Kann eine Citroen-Ente an Fallschirmen heruntersegeln" und natürlich immer beliebt: Sind Frauen so oder Männer so.

Dabei wird Naivität zum Programm erhoben, der ungebildetste Zuschauer soll sich noch per Identifikation mit dem fragestellenden Moderator in seinem Elend einrichten dürfen. Ausgeschlossen wird analytischer Verstand und Logik, zwei Grundbedingungen für naturwissenschaftliches Verständnis. Was gewusst werden will, wird ausprobiert, das Kleinkind führt es vor und so schreitet man infantilisiert voran. Vorausdenkende Konstruktion ist verpönt. Alles scheint in Empirie aufzugehen. Noch das nutzloseste Experiment gilt als konsistente Beweisführung. Dem fragmentarischen Verstehen wissenschaftlicher Annäherung wird die ganze Wahrheit und die harten Fakten entgegengehalten. Anstatt sich also wirklich der Aufklärung zu widmen und professionelle Hilfe beim Verstehen naturwissenschaftlicher Prozesse zu liefern, schafft Galileo das Gegenteil: darüber hinwegzutäuschen, was aufgeklärte Wissenschaft ausmacht.

Wissenschaft, vom Verwertungsprozess getrieben, träumt von einem Besseren und versucht es in zahllosen Gedankenspielen und endlos langweiligen Versuchsreihen umzusetzen. Dazu müssen mitunter Tausende von Ratten auf stupide Art getötet, zahllose falsche Thesen durchdacht und widerlegt und massenweise wertvolles Material verschwendet werden. Manchmal kommt per Zufall ein anderer Nutzen heraus. Das Hinter-die-Kulissen-schauen zum Anfassen mit Lolly danach bei Galileo ist nichts als Kulisse, eine äußerst unansehnliche dazu. Es ist ein unappettitlicher Wunschtraum von simpler Weltanschauung zwischen 19:00 und 19:45.

7.8.07 19:51


Humoristik des Antiintellektualismus

In deinen bericht über MR solltest du schon ein bisschen bessere nachforschungen anstellen.
Ich als Alt eingesessene MRlerin muß sagen das gerade die studenten in MR viel kaputt gemacht haben.Und solange studenten Bereit dazu sind solch horende preise zu zahlen sollen sie sich nicht wunderen über eben solche.Es grenzt schon an Unverschämtheit solch einen text zu vabrezieren der solch ein licht auf eine stadt zu werfen die solchem gesocks wie studenten den vorzug gibt in sachen wohnungen und geldern die Familien zustehen die durch fremdschuld zB ohne arbeit und oder wohnraum da stehn.
Aber hauptsache ihr studenten habt.........

da könnt ich kotzen.

Einen solchen Gästebucheintrag werde ich natürlich selbstredend der Öffentlichkeit zugänglich machen. Und ich unterstütze jeden Antrag zur tautologischen Aushebelung wirtschaftlicher Mechanismen, zur Schaffung Studentenreiner Grünzonen mit angeschlossenem Kindergarten, zur Entfernung von Buchhandlungen und zur Abschaffung des Mondes.

Ich werde unverzüglich Nachforschungen anstellen.   

11.8.07 00:06


Kampf der Gewerkschaften

Nachdem die britischen Gewerkschaften sich einmütig für einen Boykott Israels aussprachen und damit in jedem Antifakalender als rechtsradikale Organisation geführt werden müssten, die südafrikanischem dem Vorbild nachdödelten, weil sie anscheinend keine eigenen Probleme haben in einem Land mit über 30 % AIDS-Infektionsrate und 40% Arbeitslosigkeit, gibt es einen Lichtblick, der wie immer aus dem Hort der Emanzipation, aus den USA herüberscheint:  
 
Die US-amerikanischen Gewerkschaften haben den Beschluß gefaßt, sich von diesen Erscheinungen zu distanzieren und sie offen zu kritisieren. Die Jüdische Allgemeine vom 9.8.2007 berichtet darüber etwas ausführlicher. 
Anscheinend kommen jetzt auch die deutschen Gewerkschaften unter Zugzwang. Wie das ausgehen wird, weiß man ja, der Kommentar der Gewerkschaften wird vermutlich so oder ähnlich lauten:
Boykotte sind der falsche Weg, um Israel zu vernichten, schafft Frieden in der Region, ergo: unterstützt lieber die Hisbollah. Aber so offen dürfe man das ja nicht sagen, weil die Juden die Medien beherrschen.   
12.8.07 09:39


Jargonzo – das neue Genre der politischen Literatur

In Kooperation von Bad Blog und Nichtidentisches soll in den nächsten Tagen und Wochen der nicht mehr ganz neue Reader „AS-ISM_2“ des Antisexismus-Bündnisses-Berlin dem Spaltpilz der Kritik ausgesetzt werden. Dazu gibt es individuelle Beiträge zu verschiedenen Elementen des Readers. Jeder Beitrag steht für sich, eine blogübergreifende redaktionelle Bearbeitung fand nicht statt. Wir hofften dadurch, der Emanzipation eine Bresche zu schlagen, die Eindimensionalität ihrer Gegner und falschen Verfechter bloßzustellen, und letztlich uns selbst gegen Zumutungen zur Wehr zu setzen, die uns im Namen der Dekonstruktion aufgenötigt werden.
Contributions so far: The Others und Die Edlen und die Verbrecher von Bad Blog und Intransingente Galanterie sowie Jargonzo - das neue Genre der politischen Literatur von Nichtidentisches.

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Jargonzo - Das neue Genre der politischen Literatur...

Die gedankenfreie Rede ist zur Conditio sine qua non der politischen Debatte geworden. Bezüge auf Theoretiker oder Quellen sucht man ebenso vergebens wie den Willen zur Diskussion. Das Auskotzen über jegliche erlittene Ungerechtigkeit lustwandelt auf dem ADF munter vor sich hin. Hier folgt eine vorläufige Analyse von Scheinargumenten, wie sie vermutlich jeder in dieser Debatte Intervenierende kennt und fürchtet.

Eine Mrs. Jump antwortete auf meinen Hinweis zum derzeitigen Projekt einer umfassenden Kritik des AS.ISM_2-Readers :

ein dreifach donnerndes halleluja auf den rechtsstaat!
ist es nicht herrlich, nach erlittener vergewaltigung sich von einem spezialisierten, sensiblen vertreter der ärztlichen zunft seine intimsten körperregionen begutachten zu lassen, vor völlig unbekannten menschen im rahmen eines verhörs die vermutlich (mit) schlimmsten minuten seines lebens detailliert nachzuzeichnen und zur abrundung eines aufregenden tages vielleicht noch einmal dem täter höchstpersönlich im gerichtssaal ins auge zu schauen? die zwei, drei skandalurteile pro jahr sind unbedeutende marginalien gegen ein solches spektakel.

p.s.
dass mehr als die hälfte der vergewaltigungen in der familie bzw. im näheren bekanntenkreis sich vollziehen, was die theoretische option der anzeige noch mehr erschwert, wird natürlich nicht erwähnt - vermutlich weil nichtidentisches davon ebensowenig wusste wie er ahnung vom gegenstand überhaupt hat

Mrs. Jump schlägt also vor, Opfer von einer Hinwendung an herkömmliche Institutionen der Medizin und Gerichtsbarkeit durch das Ausmalen von den dort anscheinend üblichen perfiden Grausamkeiten abzuhalten. Das Opfer soll sich stattdessen einer klatschwütigen Linken anvertrauen, in Szenebars und feministischen Frauenmagazinen sein Schicksal zur Schau stellen und von einer Strafverfolgung absehen. Aufs Spektakel haben es jene abgesehen, die keiner Schweigepflicht unterliegen, vielmehr dem Drang, dem abgedichteten Weltbild einmal ein Element der Realität anzuschweißen und es dafür auszubeuten.

Die Abspaltung ist offensichtlich: Die moderne Medizin wird als phallokratisch-lüstern inspizierende dämonisiert, der Frauenarzt (Gynäkologinnen gibt es bei Mrs. Jump nicht) wird zum Oberfiesling, die Gerichtsverhandlung zur Inquisition. Das verallgemeindernde Bild von „der ärztlichen Zunft“, deren stereotype Vertreter also jeweils füreinander stehen und austauschbar sind, ist von der klassischen Aggression auf die Macht der Heilung gezeichnet und sieht vom Prinzip her den antisemitischen Reden wider die jüdische Ärzteschaft gleich.

Was man im freundschaftlich-linken Kreis (wir sind ja alle eine Gemeinschaft), also im Dorfklatsch und in Zirkularen wie Emma, Xanthippe, etc. detailliert nachzeichnet, wird der Justiz untergeschoben, die eben jenes aus dem rationalen Interesse des Gewaltmonopols heraus exekutiert und nicht aus subjektiven Motiven der Agitation oder der Einfühlung in das Opfer.

„Wurscht“ hat ebenso wenig Argumente und greift zu simplen Verbalinjurien, nicht der schlechteste Weg der deutschen Ideologie:

Intellektuell waren Sie schon immer eine zwielichtige Gestalt, manchmal schrullig, oft einfach ein Schwafler und, wenn Sie denn mal Dinge beim Namen nennen mussten, hin und wieder auch ganz okay. Die Kooperation mit diesen inhaltlichen Flachpfeifen des B-Blog hingegen, senkt den Wert Ihrer Curriculum Vitae ernorm. Vielleicht liegen Sie mit denen in puncto Sexismus ja auf einer Linie: deutsch-patriarchal. Und dass Sie sich dieses negative Aushängeschild ganz bewusst um den Hals legen, zeigt, dass man mit dem Meiden Ihres Blogs bisher richtig lag und bis auf weiteres wohl auch richtig liegt.

Die „zwielichtige Gestalt“ des Intellektuellen, dessen Meinung man nie habhaft werden kann, entfleucht dem traditionellen Repertoire des Antiintellektualismus. Wo Dialektik die Widersprüche nicht in einer Synthese vereinen kann, will das simple Geschöpf Identität, es will eine eindeutige Meinung, die es nachbeten kann. Der Hass auf die Verhältnisse heftet sich an das, was an den Widerspruch noch erinnert, an Uneindeutiges, das sich noch nicht einem Ticket verpflichtete.

Acces denied, sonst gerne auch mal ein Kritiker der deutschen Ideologie, verschwendet kein Wort zuviel:

ich spar mir den rest vom text, das ist ja nicht auszuhaltener blödsinn, nur krude uminterpretationen, relativierungen und haltlose unterstellungen ohne den geringsten beleg.
und der text vom wertmüller aus dem quellenverzeichnis ist das gleiche scheiss-niveau.

Positivismus einfordern und dann noch nicht mal selbst ein Faktum, ein Argument oder eine einfache inhärente Widerlegung abzuliefern verweist auf die tiefen Seelenqualen, die das Nachdenken über einen Gegenstand auslöst und die es in analen Reaktionen von sich wegstößt als „Scheiss-Niveau“. Der Geist muss sich nicht mit Ausscheidungen befassen, hat er sie doch schon lange abgewertet. Was er als identisch mit dem einst abgelehnten Geschenk Kotstange setzt, kann er durch Identifizierung mit der Muttergestalt Linke fürderhin bequem vermeiden. Ekel ersetzt Reflexion.

Ginge es um einen neutralen Gegenstand wie den Tschetschenienkrieg wüsste jeder der hier zitierten Geistesathlethen stolz auf ein Buch zu verweisen oder zumindest ein paar Fakten aus der Wikipedia vorzutragen. Über dieses Thema jedoch will man nicht gegen die Masse denken, weil man in Kenntnis des eigenen Aggressionspotentials genau weiß, was man von dieser zu befürchten hat.

Libido versucht sich in Dialektik:

nunja, ich halte die definitionsmachtdebatte ja für ziemlichen schund und der berliner reader scheint mir da lediglich ein weiteres exemplar des recht dubiosen versuchs, "definitionsmacht" als politisches - will heißen: nach vernünftigen kriterien ungeprüftes - dogma zu etablieren, aber beeindruckend ist nicht weniger, mit welcher regelmäßigkeit sich ihre kritiker zur absolut perfiden annahme hinreißen lassen, es würde auch bloß gelegentlich vorkommen, dass menschen sich dadurch persönlichen machtgewinn versprechen, dass sie andere als vergewaltiger denunzieren. noch ein bisschen perfider ist es dann wohl, dass sie vergewaltigungsopfern eher den gynäkologen auf den hals hetzen wollen als ihnen glauben zu schenken.

Wie bei Mrs. Jump hat Libido die Institution Gynäkologie vermännlicht und zum „hetzenden“ Bluthund stilisiert. Gerade also die Fachrichtung der Medizin, die unsere Geschlechtskrankheiten vom Herpes über Papilloma bis hin zu Lues behandelt, die Tag für Tag die Peinlichkeiten erträgt und überwindet, für die zur Routine wurde, was andere „schamzerpört“ mit sich herumtragen, um mit August Stramm zu sprechen, gerade diese Medizin der Aufklärung wird nun abgewertet. Warum? Weil ihr zur Pflicht wurde, was andere sich versagen müssen: der Blick auf und ins Geschlecht. Die Aggression auf die Gynäkologie (die demnächst mehrheitlich weiblich besetzt sein wird) entspricht dem Niveau des sexistischen Gynäkologenwitzes. Sie ist primär dazu gedacht, das Opfer von professioneller Hilfe zu entfernen und in die eigenen Arme zu schließen. Die Hilflosigkeit des Opfers reizt zum Lustgewinn bei der Tröstung und der versprochenen Rache in rettender Rüstung.

Definitionsmacht ist ein Betrug am Opfer. Es soll darüber im Dunkeln gehalten werden, was man weiter mit ihm vorhat, und in plastischen Farben malt man ihm die schrecklichen Folgen eines Abfalls vom prädestinierten Subjekt des Vertrauens aus. Was die Emanzipation durchsetzt, das abstrakte Recht, vor dem jeder ohne Ansehen des Geschlechtes gleich ist, soll nun ersetzt werden durch präjudizierte Wahrscheinlichkeitsrechnungen und die beschränkte Vorstellungskraft von allgemein menschlicher Perfidie.

Weil Definitionsmachtsgeschwafel die Institutionen für nicht reformierbar hält, spricht es eben jenen Anstrengungen Hohn, die Reformierung versuchten und erreichten: Mit der Durchsetzung der Gleichberechtigung bei der Kontoführung, mit der Gleichberechtigung am Arbeitsplatz, mit der Skandalisierung von machistischen Urteilen etc.
Das Geschwätz will einen Fortschritt nicht kennen, weil es Regression zum Ziel hat und die Waffe der Kritik schon lange durch das Gummischwert der Dekonstruktion ersetzt hat.

20.8.07 21:56


Ibsens Gespenster

Klassiker wie Henrik Ibsens "Gespenster " zeichnen sich durch zeitlose Aktualität aus. Ibsen ermöglicht ein ausgezeichnetes Stimmungsbild aus der Zeit der norwegischen Aufklärungsbestrebungen. Der Adel war bereits abgeschafft, an allen Ecken Europas brach aufklärerisches Gedankengut in die kirchlichen Pfründe ein.

Die Vertreter der Aufklärung, Helene und Oswald Alving, treten in einen offenen Interessensgegensatz zur kirchlichen Prüderie. Sie verfechten freie Ehe, rationale Argumente, Bildung und Kunst gegen die Zumutungen der vernunftfeindlichen Kirche, personalisiert in Pastor Manders.

Das aufgeklärte Bürgertum erhält seine Erweiterung in einem Dienstknechtproletariat, das, auf seine eigenen Interessen bedacht, sich in ein ausschließlich instrumentelles Verhältnis zu Kirche und Bürgertum setzt und beiden Seiten je nach Ermessensvorteil andient.

Darin verborgen sind zwei zeitlose Konflikte: Die ödipale Idealisierung der Vaterfigur, bzw. im kirchlichen Rahmen, der Eltern und die Auflösung von Identitäten.

Helene trägt das materielle Erbe, die Investitionsbasis, den Brautpreis des Gatten mit sich herum, will es loswerden, um dem Sohn ausschließlich eigenes Erbe zu vermachen und auf ihren Unternehmensgeist und Autonomie als Frau zu beharren. Das Kapital als Investitionskapital wird getrennt von dem, was es an Wert unter ihrer Leitung zuzusetzen vermochte. Der Kapitalzweck findet seine Erfüllung in der bürgerlichen Rationalität. Helene Alving, die den lästigen, gescheiterten Mann als Instrument ihres unternehmerischen Genies benutzte, und dafür systematisch zur moralisch integren Gestalt aufbaute, arbeitet insgeheim darauf hin, mit der Bewahrung des Andenkens an den Mann auch seine Abschaffung zu betreiben.

Der syphillitische Gatte kommt dem ungewollt zuvor, vererbte er doch dem Sohn die Krankheit, die bei diesem das Nervensystem befallen hat und auszubrechen droht. Warum Helene davon nicht betroffen wird, bleibt ungeklärt. Möglicherweise ist ihre Kreativität, als Steigerung der kognitiven Fähigkeiten, ein typisches Symptom der Krankheit, die hier stellvertretend eintritt als Strafe Gottes oder Inzestdrohung. Der aufgeklärte Geist der Beiden kann in einer Gesellschaft keinen Bestand haben, die zuinnerst erkrankt ist. Ibsen führt hier die Rache Gottes insgeheim wieder ein und wirkt damit trotz allem affirmativ: Das Asyl zu Ehren des Vaters brennt ab, der Sohn erkrankt an Syphillis. Ersteres kann noch als eher griechische Wendung der Religiosität interpretiert werden: Die Weigerung, eine Versicherung abzuschließen bedeutete, Gott zu versuchen. Die Syphillis wird jedoch auch als Strafe Gottes an den Nachkommen interpretierbar.

Die Krankheit wirkt allerdings dadurch auch als Inzestdrohung: Die Abwesenheit des Vaters hat das Zusammenleben von Mutter und Sohn erst ermöglicht. Zu Lebzeiten musste der Sohn geschützt bleiben vor dem schlechten Beispiel, seine Idealisierung sollte den ödipalen Aufstand verhindern. Nun west die Krankheit des Vaters im Sohn fort, schwächt ihn so sehr, dass die Mutter nur noch den Zweck hat, seinen Tod herbeizuwirken. Sie, die erst die inzestuöse Verbindung mit der heimlichen Halbschwester Regine, dem Dienstmädchen, zu verhindern versuchte, droht nun selbst zur allseitigen Pflegerin des Sohnes zu werden. Dabei bekommt die Pflege durchaus gewollt erotische Konnotationen: Der Sohn erwartet "Alles" von ihr, was auch Regine getan hätte. Erst als sie einwilligt, wird das "Alles" in einen Tötungsakt umgewandelt, die tödliche Morphiumdosis beim drohenden Ausbruch der Krankheit.

Über Regine urteilt Oswald, dass es gerade ihre instrumentelle, rationale Art sei, die ihr ermöglichen würde, ihn zu töten. Die Mutter erhält schließlich dieselbe Aufgabe, weil sie als genaues Gegenteil dessen aus vollster Liebe handeln muss.

In dem Stück verborgen ist ferner die Frage nach der Identität: "Gespenster" fungieren als Ausdruck jener Vergangenheit des Individuums, die vergessen werden muss, um Identität und damit Schein aufrecht zu erhalten. Die Widerkehr des Verdrängten ist allerdings unvermeidlich, ähnlich Poes "Tell-Tale Heart" gibt es ein sich selbst rächendes Tabu. Indem die Mutter den Schein systematisch zu zerstören versucht, schafft sie jedoch in den Gespenstern nur neue Identitäten. Die Zerstörung muss das Geständnis, die Aufklärung über die Vergangenheit beinhalten, um die Gespenster zu verscheuchen. Die dadurch aus dem Schein der Identität auftauchenden Widersprüche können bei Oswald nur im Tod gelöst werden. Er verliert seinen Geist an die Krankheit und wird zum bloßen, lallenden Körper, der nach dem Willen des Geistes sterben soll.

Der einzige, der auf die Identität von Nichtidentität und Identität beharrt, ist der Pastor Manders:

Pastor Manders: "Niemals . auch nicht in meinen heimlichsten Gedanken habe ich in ihnen etwas anderes gesehen als die Ehefrau eines anderen."

Frau Alving: "Wirklich?"

Pastor Manders: "Helene!"

Frau Alving: "Man verliert sich selbst so leicht aus dem Gedächtnis."

Pastor Manders: "Ich nicht. Ich bin derselbe, der ich immer war."

Seine Identität vermag er aufrechtzuerhalten, weil er Gott als Zwangsidentität aller Widersprüche, seiner eigenen Wünsche wie seinen moralischen Geboten, aufrecht erhält. Dem gegenüber steht ein an ihrer Geschichte bewusst arbeitendes Individuum in Helene Alving und ein der Knechtschaft durch Prostitution entrinnendes Individuum in Regine, die vermutlich dem gleichen Fluch der Krankheit erliegen wird.

Der Sohn Oswald vermag die Aufspaltung in Körper und Geist, bzw. den Tod des Geistes nur mit dem Tod des Körpers zu beantworten, er setzt seinen Tod in Abhängigkeit von Anderen aus freien Stücken: Wo er kein kreatives, schaffendes, aufgeklärtes, liebendes Individuum mehr sein kann, ist er lieber nicht mehr und versinkt in der Anbetung des erlösenden Todes als "Sonne" des Morphiums. Die Knechtung des Geistes und des Körpers durch die Kirche als Vertreterin einer externalisierten Herrschaft über beide erhält ihren Gegenspieler in der Trennung des Geistes vom Körper, die letztlich als vermittelte Identität im Tod wieder zur Einheit wird und damit auch Freiheit bedeutet: Wo der Körper den Geist mit ins Verderben zu ziehen vermag, erhält dieser die Freiheit, dem vorzugreifen und seine Herrschaft über den Körper zu behaupten.

Ibsen greift damit dem "short century" vorweg, das dem Individuum vor Augen führte, dass es schlimmeres als den Tod gibt. Anders als Heidegger, dem das tödliche Räsonieren zum Tode zum Tod des Räsonierens führte, beharrt Ibsen auf der Herrschaft des Subjekts über seinen Körper, und letztlich auf der Vollendung der Liebe im zugelassenen Aufgeben des Objekts, die Erfüllung der Liebe in der Erfüllung des Freiheitswunsches des jeweils Anderen.

30.8.07 10:48


Russland heizte die Krise zwischen Syrien und Israel an

Laut Jerusalem Post förderte Russland durch gezielte Desinformation der syrischen Regierung die Krise zwischen Israel und Syrien im Frühsommer. Russland erhoffte sich demzufolge einen Gewinn durch Waffenhandel mit Syrien und schürte mit Fehlinformationen Ängste Syriens vor einem geplanten Militärschlag Israels.

Israel würde einen derzeitigen Angriff Syriens wohl kaum politisch gewinnen können. Die Golanfrage würde in jedem Fall von beflissensten Konfliktforschern neu aufgerollt und als Ursache für Syriens Aggressivität angeführt. Die Hisbollah würde im Schutze der UN erneut losschlagen. Israel könnte sich kaum auf eine Verteidigung des nunmehr israelischen Golan zurückziehen, sondern müsste in die Offensive gehen, und dabei der UN im Libanon auf die Füße treten, wie auch in Syrien gegen die iranischen Hilfstruppen antreten. Der dauernde Dreifrontenkrieg mit Kassams aus dem Süden, Selbstmordattentätern aus Judäa und Samaria (Westjordanland), und der Hisbollah im Norden ist durchaus geeignet, Israel zu schwächen. Die vierte Front der antisemitischen Internationalen in UN und EU wird nun ergänzt durch eine fünfte: Kriegsgewinnler, zu denen sich Russland wohl zählen möchte. Israels Regierung muss zwischen all diesen Fronten agieren, und hat es anscheinend geschafft, zumindest Russland diplomatisch in seine Schranken zu verweisen.
Wer sich da schlauer dünkt, oder noch zu anmaßenden Aufrufen zum friedlichen Dialog verpflichtet fühlt, hat ganz offensichtlich einen Sprung in der Schüssel.    



   

30.8.07 11:13


s



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