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Fernstudium - Fetischisierung der Monade oder Emanzipation?

Dies ist ein von trigami vermittelter bezahlter Eintrag Hinweis: Dies ist ein von trigami vermittelter bezahlter Eintrag.

Der Chirurg, der sein Diplom im Fernstudium erworben hat, ist das Schreckgespenst zahlreicher Comedy-Pointen. Ein Fernstudium ist stets mit dem Vorurteil des Mangels an empirischer Erfahrung konfrontiert.
Der isolierte Student, fern des fruchtbaren Austausches zwischen Studierenden, entbehre der Fähigkeit zu Gruppenarbeit, Gruppendiskussionen und Referaten, die noch als Kennzeichen wahrer universitärer Ideale gelten. Die Überhöhung universitärer Leistungen, die vom humboldtschen Ideal längst sich verabschiedeten und positivistisches Prüfungswissen vermehrt und vorzeitig von Bachelorstudenten im vierten Semester fordern, geht dabei einher mit dem Ressentiment von der fernstudierenden Monade, die keine gesellschaftliche Vermittlung mehr kennt. Das kuschelige Kollektiv Universität neigt dabei zu identitärer Abwertung der Außenstehenden durch den elitären Dünkel der eingeschworenen Gemeinde.

Ein Fernstudium kann jedoch für bereits Ausgebildete, Arbeiter und Zweitstudenten ein Mittel zur weiteren Emanzipation sein. Es bietet die Möglichkeit gegen ein vergleichsweise geringes Entgelt den Wert der eigenen Arbeitskraft zu steigern, was selbstverständlich innerhalb kapitalistischer Verhältnisse die Investition und Konsumtion von Lebenszeit erfordert. Bereits während eines Arbeitsverhältnisses erklärt das Individuum seine Feindschaft gegen selbiges und greift mit der Hand zum eigenen Schopf, um darüber hinaus zu gelangen. Dem Konflikt mit dem Unternehmer wird so aus dem Weg gegangen, um die zeitlichen und finanziellen Einschränkungen, die mit dem schlechten oder nichtvorhandenen Job verbunden sind, als persönlichen Mangel zu empfinden und durchaus auch im Sinne des sich verwertenden Werts zu verbessern. Statt die Langeweile, die viele Arbeiter der zugegebenermaßen aussterbenden 35-Stunden-Woche plagt, zu akzeptieren, wird die nicht zur Reproduktion benötigte Energie umgewandelt in ein Vorbereiten einer prospektiven Veränderung der eigenen Lebensverhältnisse. Über moderne Produktionsmittel wie das Internet oder Telefonkonferenzen können ohne weiteres auch Kontakte zu anderen Studenten und Dozenten aufrechterhalten werden, die schriftliche Diskussion kann unter Umständen das kritische Ausdrucksvermögen mehr fordern als der bauchgepinselte, direkte und damit persönliche Small-Talk, das in einigen Seminaren zum Alltag gehört.

Prinzipiell bleibt das Fernstudium aber ein Produktionsmittel, das der Dialektik der gesellschaftlichen Umstände unterworfen ist, und ihr nicht enträt. Sich seiner zu bemächtigen, Produzent des eigenen Wissens zu werden, kann ebenso gut den Schritt in die relative Freiheit wie den Schritt in die verschärfte Abhängigkeit bedeuten, nicht selten beides zugleich.
Die darin enthaltene Dialektik treibt zu Blüten wie Überarbeitung, Burn-Out-Syndrom, Abzüge von der zur Reproduktion eigentlich dringend notwendigen Zeit. Das Fernstudium verhindert unter Umständen die ursprüngliche Akkumulation am Einzelnen, das Individuum wird nicht mehr zwingend aus seinem familiären Umfeld herausgerissen und in die doppelte Freiheit der Lohnarbeit oder des Studiums in der Stadt geworfen, sondern bleibt den stets wuchernden Ansprüchen der Familie ausgesetzt, sei dies nun die Bauruine der Eltern, der Familienbetrieb oder das Keuschheitsgebot der fundamentalistischen Familie, die es beispielsweise nicht ertragen würde, die Tochter den sexuellen Gefahren der liberalen, aufgeklärten Welt auszusetzen, ihr des Heiratspreises wegen aber dennoch einen Ingenieurstitel abverlangt. Für andere ist der Abschluss der erste Schritt aus ebendiesen Verhältnissen.

Für alle, die sich von je für eine phallische Erweiterung der Identität, den zusätzlichen Titel für die Vitrine oder für eine Ausflucht aus einem miesen Arbeitsverhältnis oder familiären Zwängen interessieren, folgt nun ein Erfahrungsbericht mit einem kostenlosen Online-Portals für Fragen zum Fernstudium.


Fernstudium-Infos.de wird von dem Kerpener Diplom-Informatiker Markus Jung (33) betrieben, der selbst ein Fernstudium absolviert hat. Das Portal besteht bereits seit 2004 und bietet nach eigenen Angaben das umfangreichste Informations- und Kommunikationsangebot zum Thema. Die Seitenabrufe werden mit "monatlich mehr als 50000" beziffert, die Gesamtbeiträge belaufen sich auf 25000. Die Website wurde ausgezeichnet mit dem Studienpreis "DistancE-Learning - Publikation des Jahres 2007".

Der zielgerichtet Suchende wird auf dem übersichtlichen Board schnell fündig werden. Die Google-Ads  über der Kategorienleiste sind leider kaum von den seiteneigenen Kategorien unterscheidbar und könnten ein paar Sekunden wegen Fehlklickens kosten. Die übliche Registrierungsmöglichkeit für Fragen auf den Foren wurde von mir erst auf den zweiten Blick entdeckt, die Anmeldung ist dafür sehr simpel.

Zunächst hat mich die Zahl der Anbieter von Fernstudiengängen überrascht, wird doch schlechthin die Fern-Universität Hagen damit assoziiert.
Unter Fernunterricht finden sich neben dem Goethe-Institut, das aber nur Deutschkurse anzubieten scheint, auch so nützliche Angebote wie ein Bibel-Fern-Unterricht zur Vorbereitung eines Theologiestudiums, oder eine Flex-Fernschule bei der man überraschenderweise nicht den Umgang mit der Flex lernt, sondern flexibles Lernen. Solche näheren Informationen werden dem Interessierten allerdings leider erst nach dem dritten Link gewährt.
Die universitären Studiengänge sind extra aufgelistet, internationale Anbieter fehlen nicht. Mit dem English-Speaking-Board will das Portal auch internationale Interessierte ansprechen.

Auf die FAQ wird sinnig und verständlich eingegangen.
Das sehr nützliche Forum Unterkünfte dürfte von allen zu Prüfungen und Klausuren mit Anwesenheitspflicht Geladenen geschätzt werden, hier werden die besten und billigsten Herbergen in der Nähe der Universitätsstandorte gesammelt und bewertet.
Ein übersichtliches, zum Portal gehöriges Weblog informiert und motiviert mit Erfolgsmeldungen und Veranstaltungshinweisen.

Zur Finanzierung eines Fernstudiums hat der Moderator praktische und eher humoristische Tips auf Lager, wie etwa den Folgenden:

5. Einschränkungen bei den eigenen Ausgaben (bleibt ja eh kaum Zeit für ;-)

Die weitere - auch individuelle - Beratung erfolgt erstaunlich kompetent, wobei auf den allerersten Blick nicht ganz ersichtlich ist, wer sich freiwillig zu Tipps bereit erklärt und wer professionelle Hilfe leistet. Es wird jedoch schnell klar, dass die Unterforen dem Austausch dienen, und jeder jedem auch Tips gibt, während die Moderation ebenfalls prompt und kompetent antwortet.

Insgesamt ist das Portal sicherlich eine gute, wenn nicht die erste Wahl, sollte man sich für einen Fernstudiengang interessieren, und wissen wollen, wo und wie teuer und unter welchen Umständen das möglich wäre.

2.6.07 13:45


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'Das Proletariat hat nichts zu verlieren als seine Goldkettchen!' - Die G8-Proteste als Chiliasmus

Vorbemerkung: Für diesen Beitrag wurde etwa 8-12 Stunden lang digitales Videomaterial, ein Bruchteil der etwa 1500 online erhältlichen Clips allein aus Rostock, gesichtet. Zahlreiche verlinkte Videos überschneiden sich, bzw. sind auf mehreren Perspektiven aufgenommen. Es steht für mich bei aller Polemik außer Zweifel, dass durch die Polizei insbesondere bei der "Nachbehandlung" von Gefangenen einige sehr elementare rechtsstaatliche Grundsätze verletzt wurden.

Etwas Merkwürdiges hat sich für die autonome Welt ereignet: Waren Pflastersteinwürfe seit Jahrzehnten ein adäquates und legitimes Mittel gegen "Bullen und Nazis" bei den bisherigen 1.Mai-Ausschreitungen, Chaostagen, Slimekonzerten, 68er - Demonstrationen, Intifadas, etc.
so sind sie auf einmal in öffentlichen Verruf geraten: als Mordversuch oder zumindest schwere Körperverletzung. Hat sich etwa klammheimlich die Zivilisation durchgesetzt, in der Taten nach ihren Auswirkungen und Beweggründen rational bemessen werden? Oder ist schlicht die digitale Ausleuchtung der Ereignisse so weit ausgereift, dass die Autonomen wie die Restlinke trotz und gerade wegen aller narzisstischer Selbstdarstellung ihre eigene hässliche, bigotte Fratze preisgeben müssen?

Im folgenden sollen einige der Videos ausgewertet werden. Am Ende der Analyse steht die These, dass die Ausschreitungen in Rostock nur logische Randerscheinung einer im Ganzen widerlichen und reaktionären Veranstaltung waren.

Zunächst ein Beitrag von BBC: Die Polizeiführung spricht noch von "isolated clashes" und einer Kontrolle der Lage. Später sieht man beispielsweise einen Fahnenträger noch einmal kräftig zuschlagen, sobald ein just mit Steinen und Dachlatten beworfener Polizist ihm beim Rückzug den Rücken zudreht.

Der Spiegel-TV-clip zeigt: Auch die "friedlichen" Organisatoren wie Monty Schädel konnten einfache Demoregeln nicht einhalten: Einen nicht kommunikationsbereiten Polizisten sollte man nicht auch noch ständig anfassen, höfliche Distanz ist eine zwischenmenschliche Fähigkeit schon im Alltag.

Etwas besser frisierte Frauen, die nicht in das autonome totalitäre Rollenbild der androgynen, sexy-gewaltbereiten Schwarzmaskierten passen, werden von einem der Autonomen bespuckt.

Ferner wird ein Mythos aufgeklärt: Der immer wieder gezeigte attackierte Polizeibus fährt allein deshalb nicht davon, weil der unbehelmte Fahrer sich geduckt hält und sich mit den Armen vor Wurfgeschossen schützt. Erst als die Werfer ablassen, findet der Fahrer den Mut, den Kopf zu heben und zu flüchten. Die linke Verschwörungstheorie behauptet: Es sei eine grobe Provokation gewesen, ein ungepanzertes Fahrzeug herumstehen zu lassen, das Fahrzeug habe mit Absicht so lange gestanden, damit entsprechende Bilder entstünden. Vollzeitparanoiker fügen dem hinzu, dass sogar die Angreifer Agents provocateurs gewesen seien.

Besonders infantil präsentiert sich ein Urgestein im gleichen Spiegel-Tv-Beitrag: Ein Fanatiker, der sich über Imperialismus, Israel und seinen Bluthochdruck aufregt schreit den interviewten Berufsdemonstranten Ströbele zusammen, beschimpft ihn als grünes Feigenblatt. Ströbele, ein nicht minder widerwärtiger Antiimperialist antwortet lässig: "So, alles losgelassen?" Der völlig außer Rand und Band geratene Mittfünfziger kickst zitternd: "Noch nicht, ich weiß noch viel mehr, noch viel mehr weiß ich!"

Die Clown-Army überschreitet wie oben bei Monty Schädel schon angedeutet jegliche Distanzgrenzen. Ein Polizist muss prinzipiell damit rechnen, dass von wahnsinnigen Demonstranten oder Terroristen seine Dienstwaffe gestohlen und spontan gegen ihn verwendet wird. Ihn bis auf nächste Nähe zu verfolgen, gar an ihm herumzufingern, ist dumm und weltfremd, ebensolches ist aber die gängige Praxis. Sobald ein paar Polizisten herumstehen, nähert sich ihnen eine zombieartige, krakeelende Menge und rückt auf Körperkontakt heran.

First Blood wird stets kollektiv bejubelt. Im linken Verschwörungswahn der friedlichen aber insgeheimen Sympathisanten passt das natürlich nicht so ganz, sind die Gewalttäter doch allesamt Agents provocateurs, das Spektakel gewollt von der Polizei.
"Hört mit die Steine auf!" brüllt ein klarer positionierter Demonstrant mit Restvernunft, als ein kleines Grüppchen aus Polizisten massiv mit Steinen beworfen wird.

Best g8-riot movie stellt das Ganze nochmal zusammen und macht mit der Überschrift glasklar, worum es primär ging: Bilder, Langeweile, Frustration - Event.

---

Von besonderem Interesse für die Analyse ist eines der meistgesehenen Mobilisierungsvideos:

Zu Bilderfolgen in einer Geschwindigkeit, die Schleichwerbung entspricht, wird ein erstaunlicher Text abgespult:

"In Year 2007 everything will change".
Dieses Versprechen wird mit einer apokalyptischen Landschaft und Stadtruinen untermalt.

"The powers of this world now wages constant wars to keep it under control."
Krieg wird also von einer ominösen Machtsekte gegen den Wandel zum Friedlichen geführt.

"A control that in return is killing off the planet."
Hier passt dann der Kirchenchorus wie der Stein zum Steinewerfer.

"In the year 2007 one Demonstration will change the course of earths history. For years a change has been underway a change that will reveal that beneath the ruins of this world lies the world of our dreams."
Zwei Knutschebacken machen klar, worum es in diesen Träumen geht. Merkwürdig, ist zwangloses Küssen doch in der gesamten westlichen Welt kaum ein unerfüllter Traum. Es folgt:
"The world of our hearts."
Wieder die Knutschebacken, falls es jemand noch nicht kapiert hat.
"It is now up to us as people of this world to take it back."
Straßenschlachten und ein Indio-Protestmarsch sollen klar machen, zu welchen "archaischen" Methoden man greifen muss, will man dem Bösen in der Welt habhaft werden: Steine, Pfeil und Bogen, Blasrohre.

"When the self proclaimed leaders of this world gather for the G8 summit of 2007 in Rostock, it will be the last meeting of the old world and the first day of a new one - Their system of control has come to an end and once again [!] the world will be free."

Frei zumindest von einem Mercedes-Benz, der sicher ganz viele Menschen totgefahren hat und Kinderblut tankt. Wann die Welt "schon einmal" frei war, bleibt offen, kann sein, dass 1933 ebenso gemeint ist wie Christi Geburt oder 30000 v.u.Z.
Gasmaskenautonome, die sich vor Flammen Zweikämpfe mit Polizisten liefern, Steinewerfer, ein Karatekicksprung gegen Schilde einer Polizistenreihe kündigen an, was die einzige Wahl der Mittel ist. Das Ziel: "Civilization" die auf einer Karrikatur eine Hand aus dem Wasser reckt, komplett zu ertränken. Es folgt ein Resumee:

"Disarm authority, arm your desires. For more information about the last day of this world please visit http://www.camp06.org http://g822007.de http://www.indymedia.org"

In der Ethnologie ist ein solches Phänomen als Chiliasmus oder Millenarismus bekannt. Ein goldenes, kommendes Zeitalter wird ausgemalt, in dem das irdische Jammertal überwunden werde, niemand leidet oder stirbt. Besondere Gewalt erhalten solche Bewegungen, zu denen die Mahdi-Phänomene der islamischen Welt ebenso gehören wie einige Cargo-Kulte, wenn ein konkreter Zeitpunkt definiert wird, an dem der Mahdi, das Reich Gottes, der Kommunismus oder ähnliche Erscheinungen garantiert auf Erden eintreten. Dadurch werden Gläubige zur letzten Schlacht mobilisiert und treten in dieser als Heilige auf, die mit allen Mitteln das Böse zurückschlagen und besiegen müssen. Straßenschlachten sind da das mindeste. Wird die Schlacht medial oder militärisch verloren, muss ein Sündenbock wie in diesem Fall der agent provocateur her, der an der Misere schuld ist. Oder die Gegenseite hat irgendeinen Kodex heimtückisch und völlig einseitig verletzt.

Ebenfalls religiös angehaucht kommt ein G8-Protest-Spot daher, der mit "Carmina Burana" unterlegt wurde. Totalverschleierte Totalopfer werden hier mit Geld, Börse und einem dicken Mc-Donald-Kind kontrastiert. Dreisprachig spult es:
"Aber die Weltbürgerinnen werden den Lauf der Geschichte am 7. Juni 2007 verändern. Diese sinnlose Welt stützt sich auf uns. Versenken wir sie." Selbstverständlich werden passiv und aktiv bewaffnete Demonstranten als lobenswertes Beispiel abgebildet und wieder erscheint das eben bezeichnete Bild vom Untergang der alten Welt im Wasser, ein höchst dankbarer Hinweis an die Psychoanalyse.

---

Ein von lysis unter "Fuck the police" begeistert zitierter Mischmasch aus Genua, Kreuzberg und Rostockmobilisierung will glauben machen, dass die Provokation immer schon auf der anderen Seite liegt, dass Polizeigewalt nicht erst seit Genua eine Gesetzmäßigkeit ist, die nicht zumindest teilweise aus dem Charakter der in ihrer Rüstung und Bewaffnung an Mad Max erinnernden Demonstranten in Genua oder spezifisch italienischen Polizeistrukturen, sondern allein aus dem weltweit uniformen Polizeistaat, kontrolliert von den stets planenden 8 Imperialistenschweinen, hervorgehe. Eine Kritik gesellschaftlicher Verhältnisse wird ebenso ausgeblendet, wie die eigene Verfangenheit darin. Der Autonome posiert dabei, gefällt sich in der Rolle des Kindes, das narzisstisch rein und unschuldig wie es ist, stets nur provoziert wurde, und dem pösen Pruder auch mit der großen Holzlotomotive auf den Kopf hauen darf, weil der sie ihm doch wegtenommen hat. Der Autonome wollte ein ums andere Mal nur friedlich hier seine Barris/Sandburgen/RTS/Mollies bauen, als plötzlich voll aggro die Bullenschweine reingerockert kamen.

Beim Beitrag G8 Rostock - fighting the world wird unter schalalalaschalalalalala stolz ein Krankenwagen gefilmt. Ein Polizist hebt verzweifelt die Arme, um sich gegen aus nächster Nähe abgefeuerte Steine zu schützen. Der prinzipiell feige Charakter der hier versammelten Autonomen wird deutlich. "Brüllen, zertrümmern und weg" lautet die Devise. Polizisten werden von "friedlichen" Demonstranten schlichtweg solange bedrängt, bis sie zuschlagen, dann kommen die Haut-ab- oder Keine-Gewalt-Zombies.

Bei "Rostock Riots Anarchie" werden unter "Macht kaputt, was euch kaputt macht" eingekesselte Polizisten aus nächster Nähe mit Steinen, Dachlatten, Flaschen, etc. beworfen. Und, man mag es kaum glauben: Ein Feuerwehrauto wird mit Steinen beworfen, es gehört ja doch alles zum System, schließlich ist Feuer mit Rauch der Autonomen einzig angemessene Kulisse.
Bei diesem Beitrag wird die mediale Obsession der Autonomen deutlich, in allen Winkeln und Posen filmen sie sich, vor Rauch, vor Flammen, in Tonfagewittern, zwischen Wasserwerfern, der Heroismus blüht schwarz und stinkt nach Benzin.

Steine gegen Unbeschildete, Feuerwerkskörper als Auslöser von Zugriffen, Polizisten, die sich so lange zurückziehen, bis sie Steine abbekommen, Randalierende, die heranrückenden Polizisten mit Steinen und Feuerwerk empfangen, Steine auf sich zurückziehende Einheiten, Jubelgeheul, ein umstürzendes Auto, das sind Bilder, die das autonome Herz höher schlagen lassen, und nach denen die Linke immer noch im Brustton der Überzeugung von Agents provocateurs und Polizeistaat faselt. Der eigene barbarische Charakter muss auf Teufel komm raus zur Verteidigung, zur Heldentat umgemodelt werden. Was sich in diesen Leuten wirklich tut, zeigt besonders charakteristisch: Die Szene, in der ein Jugendlicher einen Polizisten von hinten mit aller Kraft in die Fersen tritt und dann flitzen geht. Archaisches Kreischen und überkippendes Skandieren zeugen von der ekstatischen Angstlust bei der "friedlichen" Provokation. Die Größe der Steine lässt vermuten, dass vom Emphatievermögen her die meisten noch in der Steinzeit verharren und bei Abbau einiger weniger zivilisatorischer Schranken auch gleich ihren Gegner nach der Schlacht verspeisen würden.

Eine Wiederholung mit besserem Ton offenbart das begeisterte Gejohle bei Steinwürfen, ein kurzer Zwischensatz: "Das sind auch nur Menschen" wird mit einem "Ja aber [Rest unverständlich]" beiseite gewischt. Einer hat die richtigen Worte dafür gefunden: "Vollidioten! Hört doch mal auf mit der Scheiße!"

Pflasterstein Entertainment, ein nazistisches Projekt der nationalen Autonomen zeigt nur, dass die Form des autonomen Widerstandes, der meint Mangel an Theorie und Masse durch nihilistische Militanz überbrücken zu können, willig von denen aufgegriffen wird, die inhaltlich ebenso nahe stehen könnten, wenn die Frisur stimmen würde. "Die Linken ham uns erfolgreich vorgemacht, dass es auch anders geht."

Aber wir wollen nicht so kritisch sein. Es gab ja auch die massenhaft friedlich Feiernden, die mit der Gewalt so gar nichts zu tun haben wollen.
Diese friedliche Feier fand selbstverständlich unter "Hände weg vom Iran"- Schilden statt, zelebrierte also die iranische, kriegerische Aggression gegen Israel als Frieden und Verwahrung gegen solche Ansinnen als sabbernde Grabscherei. Solche Menschen tanzen putzig verkleidet durch die Welt, schreien mächtig AUA, sobald sie ein Fünkchen Realitätsprinzip am eigenen Leib verspüren und wippen sich in esoterischer Verzückung - mit erhobenen Händen "keine Gewalt" oder "kein Blut für Öl" krächzend - bis zur Vernichtung Israels (ein weiterer fieser Schachzug der menschenverachtenden Zionisten) und wenn es sein muss immer weiter.

Noch friedlichere Menschen können bei unicef virtuell demonstrieren.
Diese Organisation macht Hunger zum Thema der reichen Staaten. Dabei muss diese Kampagne von näheren Ursachen des Hungers absehen, diesen auf eine Konstante, das Versagen der westlichen Politik zurückführen. Dass die Politik eines Mugabe ebenso zu Hungersnöten führt, wie der von Linken bejubelte Chavez die Hyperinflation und Staatsverschuldung vorantreibt und das heute bettelarme Burma vor stalinistischen Experimenten die Kornkammer Asiens war, muss im monokausalen Gefasel von Globalisierung und Klimakatastrophe untergehen. Der Hass und die Aggressionen, die beim Zeigen der hungernden Kinder als inhaltsfreies Argument entstehen wird auch von dieser Organisation auf die G8 kanalisiert, wenn auch nicht in vergleichbarem Ausmaß wie bei anderen.

Die ebenso gänzlich friedliche Organisation attac greift in ihrem Mobilisierungsvideo auf die oben erwähnte subtile Methode der schnellen Bilder zurück und flechtet hier selbstverständlich unter dem Motto "Let's face it" Vermummte ein. Die Distanzierungsversuche vom schwarzen Block kommen da nur zynisch und instrumentalisiert. Attac-Mitläufer, die - zu Details über die von ihnen just noch inkriminierten Entscheidungen der Mächtigen befragt - sympathischerweise zugeben: "Keine Ahnung, ich bin eh zu unpolitisch" werden von solcher Propaganda für die "bessere Welt und den Frieden" (da kann man ja nicht nein sagen) zwangsläufig angezogen.

Linksruck marschiert im Mob völlig selbstverständlich mit "Bush Nr.1 Terrorist" und "Hände weg vom Iran" - Schildern mit. Die theoretische Armut der komplett verblödeten Demonstranten lässt sich immer wieder an abgedroschenem und platterdings ödem Parolendummkrams diagnostizieren. Aus der Meute abgefeuerte Feuerwerkskörper werden lautstark bejubelt, die Sparkassenscheibe wurde anscheinend als erstes angegriffen, der Hass gegen das Geld sitzt tief.

Das Move against G8 - Bündnis arbeitet - eine ganz neue Idee - mit Skeletten, denn gegen den leibhaftigen Tod zu demonstrieren, das muss ja politisch irgendwie voll korrekt sein. Dass an allem Elend in der Welt die G8-Weisen von Zion schuld sind, vermag einer noch in zwei- bis dreisilbige Worte zu packen:
"Diese Leute, die sich da treffen, sind halt lediglich verantwortlich für die ganze Scheiße. Und dafür gehören die schlicht und ergreifend offensiv angegriffen, und mit Bann [?] behandelt."
Anscheinend ist Merkel daran schuld, dass in Zimbabwe die Hyperinflation galloppiert und sein Dackel macht wegen Bush immer auf den Teppich.

Dieselben G8-Skelette werfen einen Geldschein in eine Afrikakarte und fangen mit einem Topf von Flammen umgeben zahlreiche andere wieder ein. So erklärt sich die Akkumulation des Kapitals als Betrug in der Distribution.
Der ebenfalls zu den friedlichen Protestierenden zählende Jan Delay weiß zu Medikamentenpatenten zu urteilen:
"Ja, Schweine. Punkt. Ich hör das grad zum ersten Mal, muss ich sagen." Weiter darf er für den Black Block werben: "...und nehmt euch einen schönen Schal mit und Kapuze und wir sehn uns da." Selbstverständlich wurde Jan Delay, der mit der Faust reinhauen möchte und brennende Autos ne supi Sache findet , noch von keinem als Agent provocateur bezeichnet und gesehen wurde er auch nicht, lag vielleicht an Schal und Kapuze.

Mind the baby zeigt Kostümierte, die beim Wellenreiten ein riesiges im Wasser schwimmendes Baby umkreuzen. Dazu die Frage:
"How can we stop Africa bleeding to death from the wounds of capitalism?"
Wie zuerst einmal die Wunden des Aberglaubens, der Rückständigkeit, der afrikanischen Big-Men Diktaturen, die nach der Unabhängigkeit viele Staaten in den Ruin trieben, der barbarischen Völkermorde, der Massenkriege in Mosambik, Biafra, Angola, Kongo, Uganda, Somalia, Liberia, etc. zu schließen wären, bleibt außen vor. Das postkoloniale Subjekt wird durch Mitleid entmündigt, seiner Verantwortung enthoben und instrumentalisiert, um dem eigenen irrationalen Hass auf die "Imperialisten" Nahrung zu geben.

ZDF beteiligt sich ebenfalls an der Progaganda. Es spricht von in Zeiten des globalisierten Terrors angeblich "irren Sicherheitsmaßnahmen", die Politik der G8 wird als "Her mit euren Rohstoffen!" denunziert und dem Volksmund als Raub vom Maul geschaut.

Zu Afrika weiß ein auf der Subaltern-Studies-Welle reitender Ghanaer seiner Wut Luft zu machen: "Dass andere Leute unsere Probleme besser kennen als wir. Und ich finde das wirklich widerlich, wirklich sehr widerlich." Mit einer globalen Wissenschaft, deren Subjekt wie Objekt er gleichermaßen sein kann, wird er in einer modernen Welt wahrscheinlich leben müssen, es sei denn, er ist der "Supersoziologe" schlechthin, der solches nicht nötig hat.

Das Thema Afrika zeigt ohnehin, wie sehr die Proteste von enttäuschten Begehrlichkeiten geprägt sind. Die stete Kritik am Symbolischen, der angeblich zu martialische Ausrüstung der Polizei, die Hubschrauber, der Zaun, ist gepaart mit einer Erwartungshaltung an die angeblich zu Unrecht Regierenden. Trotz dieser Unrechtmäßigkeit trägt man jeden Missstand mit der Bitte um Lösung an sie heran, sie sollen zu 8. den Hunger besiegen, die Klimakatastrophe stoppen, die Bösen mit friedlichen Mitteln besiegen, den Armen Kredite erlassen und sich am besten danach noch selbst aufhängen. Von Afrika und den Ursachen von Armut und Gewalt dort haben die Demonstranten keinerlei Wissen, so daß sich Interviews mit afrikanischen Evolués, die noch ein wenig Vorbildung zur politischen Ökonomie haben und auf Interessensvertretung aus sind, regelrecht angenehm von der dumpfen Unwissenheit und emotionalen Empörung der Demonstranten über "die armen Kinder" abheben.

Der Polizei gegenüber beharren die Demonstranten einerseits auf ihrem Erfindungsreichtum, andererseits werfen sie der Polizeit vor, zumindest Rostock falsch geplant zu haben. Planbarkeit von sozialen Ereignissen wird dabei positivistisch eingefordert und gleichzeitig stolz glucksend hintertrieben, die Clown-Army steht für das narzisstisch aufgeladene Chaotische, die Bricolage der Linken, die die Form von jedem Inhalt zu befreien weiß. Sinngebung erfolgt in postmoderner Manier im Nachhinein und nach Gutdünken als tendenziöse Auslegung. Sobald die Gegenseite sich ungeplant verhält, oder gar Kritik äußert, wird geschmollt und mit der Faust gedroht.

Die wenigen filmischen Zeugnisse von wirklich unbotsmäßiger Polizeigewalt leiden unter dem Manko, Situationen, die aus anderen Beiträgen eindeutig als Jagd auf autonome Provokateure hervorgehen nun ohne die zuerst erfolgten Steinwürfe darzustellen. Ganz einfach lassen sich solche Bilder wie gegen Ende des Clips vorgeführt anscheinend herstellen, wenn man einen Trupp Polizisten einfach solange bedrängt und trotz aller Drohungen so dicht an sie heranrückt, dass sie in irgendeiner Weise reagieren müssen, in diesem Fall boxen und treten, um die erforderliche Distanz herzustellen.

Ein weiterer erwähnenswerter Vorfall ist die Greenpeace-Aktion: Ein Greenpeace-Boot wurde gerammt, es entstand eine lebensgefährliche Situation. Erst Video 3 zeigt, wie riskant die Greenpeaceboote ein ungeübtes Manöver fahren, das Polizeiboot sogar noch ein Ausweichmanöver startete, den Unfall, bei dem auch ein Polizeiboot gefährdet wurde, aber nicht vermeiden konnte. Beim zweiten Unfall hätte für die Aktivisten mit Leichtigkeit die Möglichkeit bestanden, in Richtung Strand zu fahren und sich dort zu ergeben. Das Einlenken zur Seeseite hin ließ sie die Fahrtrichtung des eindeutig und absehbar in gerader Linie fahrenden Polizeibootes geraten. Wie sehr das Eindringen in die Sicherheitszone allein aus psychosexuellen Gründen reizt, muss aus der Greenpeace-Aktion deutlich geworden sein. Kein halbwegs gesunder Mensch würde ein Topziel von internationalen Terroristen in auch nur minimal zweideutiger Absicht angreifen. Aber Terroristen gibt es in der Welt von G8-Revoluzzern nicht, sie sind eine Chimäre, agents provocateurs, und die einzigen Terroristen sitzen innerhalb des Zauns.

Zuletzt in dieser etwas ziellosen, fragmentarischen Anthologie des sogenannten Widerstandes soll ein Lied präsentiert werden, mit dem die Veranstalter in Rostock glaubten, die Lage zu deeskalieren:

Sie haben die Wahl (Tex)

Sie haben die Wahl
zwischen kasperl und seppl
Komiker A oder Vollidiot B
Zwischen Regen und Traufe und Blitzschlag
Sie haben die Wahl

Sie haben die Wahl
zwischen gleich SED
oder erst evangelisch
mit Bart und Gitarre
zwischen Ronald McDonald und Hitler
Sie haben die Wahl

Klar dass man da erstmal überlegen muss, ob jetzt den neuen Big-Tasty von McDonald oder Hitler nehmen. Wahrscheinlich einigt man sich dann doch auf den McHitler Ahmadinedschad. Die zweite Strophe lässt auf solches schließen:

Aber nachts
während Sie schlafen
ziehen wir los
verkaufen die Luft
verkaufen das Wasser das Land
die Liebe die Angst
den Terror
verkaufen die Qual
Und morgens
wir kommen zur Dämmerung
wanken an Ihr Bett
den Hals über voll
die Finger noch schmierig
wir rülpsen und flüstern
Sie haben die Wahl

Was sich da ans Bett schleicht sind abgespaltene Ängste um die Authentizität der eigenen Gefühle, vor der theoretischen Unmöglichkeit, etwas Abstraktes wie den Verkauf von Lufthoheitsrechten in ökonomischen Begriffen zu fassen. Das fiese glibbernde Sabbermonster als G8, als "die Kapitalisten" abzubilden, das überstrapaziert noch jedes moralische Urteil, welches allein bei Marx schon als Verkennung gesellschaftlicher Verhältnisse in kapitalistischer Produktionsweise bezeichnet wird. (MEW 23, bspw. S. 618 oder S. 248)
Als zwanghafte Konkretion des Abstrakten, Gesellschaftlichen in fiese, individuelle Personen rüstet dieses Weltbild dem Antisemitismus zu.

Wäre der G8-Gipfel als Forum zur Interessensvertretung, zur Aufklärung über katastrophale Missstände, zur pluralistischen Diskussion von theoretischen Ansätzen, zum Einfordern eines besseren Lebens jenseits des Verwertungsprinzips genutzt worden, ich wüsste nichts gegen die Proteste einzuwenden. Wären Demonstranten bei der demokratischen Ausübung ihres Rechts auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit, und sei diese Meinung noch so erbärmlich, völlig willkürlich und ohne Anlaß von Knüppelgarden terrorisiert worden, wie dies in Genua teilweise der Fall war, und hätten sie sich sodann rational und strategisch vorgehend mit entsprechenden Mitteln verteidigt bis zu einem Punkt, an dem ein geordneter Rückzug dem Primat der eigenen Gesundheit zuliebe möglich wäre, man hätte ihnen kaum einen Vorwurf machen können. Wie aus der Darstellung ersichtlich wurde, dominierte stattdessen eine totalitäre, moralische Anklage, die mal Selbstgeißelung, mal Hass auf die Mächtigen als Form wählt, und ein dem folgendes viriles Ausagieren von Gelüsten, Ängsten und höchst individuellen Problemen, die aber weder Fachwissen noch ökonomische oder irgend theoretische Kompetenz aufweisen. Und angesichts solcher schlichten und ergreifenden Einfalt findet man sich als Kritiker überraschend einstimmig im Verein mit dem Spiegel, der nüchtern konstatiert:

G8 als Fetisch

Vorbei die Zeiten, als wenigstens noch ein rasch angelesener Vulgärmarxismus kursierte, der die Welt perfekt zu erklären suchte. Heute klammert sich der pseudokritische Weltgeist des Pop nur noch an ein Kürzel des Bösen. G8. Zu Adornos Zeiten hätte man das einen lupenreinen "Fetisch" genannt. Zwischen angesagtem Polit-Chic, Pop-Pose und Widerstandsritual entfaltet sich das globalgute Gemeinschaftsgefühl dann wie von selbst.

Pierre Bourdieu, der verstorbene Vordenker der Anti-Globalisierungsbewegung, erklärte im Sommer 2001 in einem SPIEGEL-Gespräch: Nein, dies sei keine revolutionäre Bewegung, "es handelt sich eher um eine Gegenreformation. Man sehnt sich nach wahrer Politik - so wie damals nach wahrer Religion." Die Wirklichkeit in ihrer irritierenden Vielfalt und Widersprüchlichkeit stört da nur.

So ist auch nachvollziehbar, warum man im medialen Hype des bevorstehenden Pop-Events praktisch nichts hört über Putins reaktionäres Russland, in dem Pressefreiheit mörderische Folgen hat, über China, die aufstrebende kommunistisch-kapitalistische Weltmacht, über Indien als neuer Global Player, aber auch nichts über Robert Mugabe, Zimbabwes blutrünstigen Tyrannen im südlichen Afrika, der sein Volk ermordet, nichts über das islamistische Terrorregime in Sudan, nichts (oder bloß etwas in Form einer Fußnote) über den Völkermord in Dafur, und nur sehr wenig über die groteske Korruption afrikanischer Regimes, in deren Folge beinah jede Art von Entwicklungshilfe in den Taschen von Despoten landet.

Solange also die bürgerlichen Medien noch nicht komplett abzuschreiben sind ist der intellektuelle Suizid der Linken zu verschmerzen, er hinterlässt wenigstens kein allzu bedrohliches Vakuum.

3.6.07 15:09


Mein Führer - Noch ein Grund dafür.

Der kleine aber feine Gripsiltis hat mit Deutschland erregt sich - "Mein Führer" und die Reaktionen auf einen Versuch, dem deutschen Faschismus mit Humor beizukommen eine interessante These zur Kontroverse um "Mein Führer" aufgestellt:
Der Film fiel bei den Kritikern deshalb durch, weil er konsequent Juden als Opfer und Deutsche als Täter zeigte. Keine verheulten, scheinheiligen Aimees, keine Schindlers, keine naiven Sophies, kein lustiger Benigni, lediglich ein durchgedrehter Mob zwischen Trümmern und eine Familie normaler Menschen, Juden.

«Am Anfang war die Erziehung», Alice Millers Auseinandersetzung mit der «Schwarzen Erziehung», wird von Dany Levi selbst in Verbindung mit seinem Film mehrfach erwähnt und in mehreren Szenen wird direkt bezug genommen auf den kleinen Adolf, der in seiner Position als Diktator das Verhalten nachzeichnet, was sein Vater an ihm vollzogen hat. Der Film redet sich jedoch den Mund fusselig in der Betonung, daß damit nichts rechtfertigt und niemand entschuldigt werden soll. Keine Erklärung, keine Rechtfertigung, bloß lachen über die Deutschen – es wird allmählich deutlich, wieso eine solche Komödie weder dem deutschen Publikum, noch der deutschen Kritik gefallen kann.

18.6.07 18:30


Kastrationsangst? Linderung: 1 Euro.

Bisweilen kommt man beim Durchstöbern des kulturindustriellen Angebots zur Zerstreuung des geplagten Geistesarbeiters nicht umhin, dem Astro.TV seine Referenz zu zollen. Zwischen Amusement und kurzweiligem Antichambrieren auf andere Sendungen findet sich dabei bisweilen ein kleiner Erkenntnisgewinn am offenherzigst ausagiertem Okkultismus, nach Adorno ein "Symptom für die Rückbildung des Bewusstseins". Dort tummelt sich an Parapsychologen, Kartenlegern, Scharlatanen, Kaffeesatzlesen, Feticheuren und Medien alles, was einen Lehrgang in einem Esoterikzentrum hinter sich hat.

In Sandrina Buono zeigt vollendete Professionalität nun ihr freundlichstes Gesicht. Mit einem charmanten Lächeln fertigt sie am Fließband Anruferinnen - das Binnen-I erübrigt sich hier - ab, die alle nur eins wollen: Einen Namen, den Sandrina nach 2 Sekunden maximalem Innehalten abliefert. Nun ist das nicht der Name des zukünftigen Geliebten, sondern der des jeweils zuständigen Erzengels. Nicht einmal einen Euro kostet diese Information und wie ein Kind sein Bonbon an der Kasse abholt, summt auch hier Zufriedenheit und Erleichterung in den Stimmen der Klienten beim Abschied.

Freud weist darauf hin, dass in Träumen die Verdoppelung, die unbekannte Freundin, der treue Begleiter eine Verwahrung gegen Kastrationsängste sei, und ebensolches kann man auch von den Erzengeln annehmen. Ein Trugschluss wäre es zu glauben, die Anruferinnen holten sich hier nur den Namen ab. Die Namensgebung ist identisch mit der Versicherung, dass da wirklich jemand ist, eine geheimnisvolle omnipotente Verdoppelung, und in bürokratischen Zuständen darf man das ruhig Zuständigkeit nennen. Der Witz, der Engel als oft frustrierende Beamten wähnt, wird so zum Ernst. Kafkas beängstigende Frage nach der Zuständigkeit und das lebenslange Warten auf Quittierung des Falles, der man stets bloß ist, wird hier in Sekundenschnelle gelöst: Instant Millenium par excellence. Nomen est omen, in anderer Bedeutung. Mit den wohlklingenden, doch fremdvertrauten Namen Raffael, Shmuel, Ariel, etc. entsteht ein Ventil, das angestauten Druck ablässt. Wo im Alltag nichts für jeden zu bekommen ist, geht hier keine leer aus. Wo sie einmal leer ausging, bekommt sie nun das ihrige. Keiner versagt das Medium den Namen, und sei es nur zum Spott. Gütig teilt sie aus und jeder kriegt das Gleiche und wähnt sich so besonders. "Wer möchte nicht den Namen seines Erzengels wissen?" fragt Sandrina rhetorisch und weiß genau, sie hat die Masche ihres Lebens gefunden, indem sie 5 Namen auswendig lernte und dazu lächeln übte. Nun, wahrscheinlich glaubt sie wirklich dran.

Dieses Setting bietet Religion ohne Verpflichtung, Sicherheit ohne Regeln, Vergebung ohne Beichte und Gefühl ohne Nähe. Man fragt sich nun, ob das nicht das Beste sei. Bequem für alle, denen die Verhältnisse die Aufklärung versagen und die nun ein schnelles Wissen zackbumm auf die Kralle suchen. Diese sanften Stimmen könnten Niemand Böses tun und fürderhin schweben diese Frauen glückserfüllt dahin, sie wissen ja, ER passt auf sie auf und hat sie nicht vergessen. Bei Partys unter ihresgleichen haben sie ein Thema, finden schnell in ihre Quartiere (Ich hab Raffael, und du?) und brauchen sich um nichts zu sorgen.

Bedenklich ist daran der Trend, sonst nichts. Weder trägt das Individuum den Schaden davon, es hat ihn ja schon vorher, noch wird es indoktriniert, es weiß ja, was es will und kriegt. Das Kind geht zum Kaugummiautomat und als Frau ruft es die Kartenmedien an. Im Liberalismus kommen die Verhältnisse zur Offenheit über sich selbst. So zu tun, als habe es das vorher nicht gegeben, als sei das nun der Gipfel, offenbart nur die illusionäre Kraft des Kapitalismus, sich als Weg zur Gesundung zu verkleiden.

24.6.07 19:04


Deutsche Autonome - Gärtner und Gnome!

Die taz interviewte Sven Giegold und Olaf Bernau, um herauszufinden, ob man Steine schmeißen darf. Giegold, der den Attac-Mobilisierungsclip mitzuverantworten hat, benennt nochmal das Vorgefallene:

Giegold: Die Frage war aber nach Steinwurf. Was ich mir von dir wünsche - dass du meine Erschütterung nachvollziehen kannst: Aus einer Demonstration heraus, die wir mitorganisiert haben, wurden die Scheiben eines Polizeiwagens eingeschmissen, in dem Polizisten ohne Helme saßen. Anschließend wurden Steine hinterhergeworfen, um die Leute auch richtig zu treffen. Ich empfinde das als menschenverachtend.

Worauf Bernau den Abwehrreflex zündet:

Bernau: Ja, das stimmt. Die Polizei hat aber auch massiv Unbeteiligte angegriffen. Und sie hat es aus einer Position von Rundumpanzerung gemacht.

Nach einigem Palaver greift Giegold nochmal an:

Giegold: Deswegen habe ich mit Teilen der linksradikalen Szene Probleme: Es geht immer um die Eskalation der Polizei. Hier ging die Eskalation von Demonstrationsteilnehmern aus.

Worauf Bernau direkt antwortet:

Bernau: Wenn man nur den Samstag nimmt, würde ich sagen: Der Anfang wurde in der Tat von Seiten der DemonstrantInnen gesetzt. Aber was ist mit den Razzien in den Wochen zuvor, den Demoverboten, den ständig rotierenden Hubschraubern?

Man zieht sich also zurück auf eine Urattacke der Polizei, die Entgrenzung von Raum und Zeit findet statt. Aus unabhängigen Polizeiaktionen wird eine Totale geschmiedet, die sich nur als bösartiges Äußerliches im Kopf der Beteiligten abbilden kann. Aus dieser Entgrenzung heraus zieht der autonome Linke die Legitimation, jederzeit und ohne Ansehen der Umstände loszuschlagen, im Zweifelsfall wegen Benno Ohnesorg damals. Das Wertgesetz der Autonomen lautet: XBulleA=YBulleB. Bis zu G-W-G' sind sie nie vorgedrungen.

Die ständig rotierenden Hubschrauber versetzen den Linken anscheinend in ein Vietnamkriegstrauma, aus dem heraus er schuldunfähig wird. Diese Erbärmlichkeit der Legitimierung, der Sympathie mit nihilistischer Gewalt herauszuarbeiten ist das Verdienst der Redakteure wie Giegolds gleichermaßen. Das Herumbrüten auf der Form allerdings tastet nicht an die allen Anwesenden gemeinsamen Wahngebilde heran, die zu der Entgrenzung führten. Da wird letztlich nur darüber diskutiert, wie den USA und Israel letztlich am publikumswirksamsten der Garaus zu machen ist, das ob steht außer Zweifel. Genaueres ist nachzulesen unter: "Das Proletariat hat nichts zu verlieren als seine Goldkettchen." - Die G8-Proteste als Chiliasmus.

27.6.07 12:38





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