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This is fucking political!

 
Um Privatismen auszubreiten: Nun, ich bin noch am Leben. Neben einer juckenden Tränensäckchenreizung, einem Berg von einer Magisterarbeit und einem spontan eingeleiteten Fitnessprogramm (93kg sind einfach eine zu hohe Hürde für meine angestrebte Profiboxerkarriere im Schwergewicht), und einigen anderen kleineren Problemchen, will ich meine treuen Leser und Scheinleser nicht vernachlässigen. Nur: Es passiert nur der gleiche Müll wie immer, mich plagt das Gefühl, alles schon gesagt zu haben. Battles in Mogadischu, Krieg am Kongo, Krieg in Darfur, der Iran will Atomwaffen, Antisemiten, Islamisten... Es ist doch immer die gleiche Scheiße.
Sobald mir ein neuer Blickwinkel auf irgendein spannendes Thema einfällt und ich dann auch noch Zeit habe, gibts wieder was von mir. Für einen Artikel zur Mimesis in "Rambo" brauche ich leider noch ein wenig länger. Und bis dahin ist hier halt Schicht im Schacht. Lest was von früher, es könnte sich lohnen!

2.4.07 20:29


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Islam und Sklaverei

Das immer lesenswerte Blog "Western Resistance" hat eine Trilogie über das Verhältnis von Islam und Sklaverei verfasst:

Teil 1 

Teil 2 

Teil 3 

 

3.4.07 21:44


Randglosse zu Indianerweisheiten

"If the white people hadn't stopped us, we'd have killed each other all off".
 
Das sagte ein Navaho-Informant zu Clyde Kluckhohn. Postmoderne Wissenschaftler würden einen solchen Informanten lange darüber aufklären, dass seine Vorfahren uralte Weisheiten vertreten hätten, die den rassistischen Imperialistenschweinen moralisch überlegen gewesen seien, weil sie ein Gleichgewicht in der Gesellschaft hergestellt hätten und Akkumulation von Reichtum verhinderten.
Clyde Kluckhohn, psychoanalytisch orientierter struktur-funktionalistischer Ethnologe, belässt es dabei, dieser Aussage "mehr als ein Körnchen Wahrheit" zuzugestehen.
 
Bei den Diné (Navaho) wurden 1879 40 Personen der Hexerei angeklagt und hingerichtet. Manuelito, Häuptling der Navaho, hatte damit die zum Schweigen gebracht, die gegen die Weißen die Waffen wieder aufnehmen wollten. Die Geistertanzbewegung wurde von vornherein bei den Navaho abgeblockt, nachdem sie der Hexerei bezichtigt wurde. So begegnete ein wahnhafter Hexenglauben einem nicht minder wahnhaften Chiliasmus.
 
Wer Reichtum in außergewöhnlichen Maße ansammelte, wurde bezichtigt, die dazu notwendige ursprüngliche Akkumulation durch den spirituellen Raub von Grabschmuck von den Toten in Gang gesetzt zu haben, also eine Hexe zu sein.

Quelle: Clyde Kluckhohn (1944) in Max Marwick 1970, "Witchcraft and Sorcery", S. 230. Ebenfalls darin findet sich Interessantes zu den Hopi und Pueblo: Elsie Clews Parsons, S. 204f.

Das Land der Navaho oder Diné hatte für die USA besondere Bedeutung weil es die Verbindung nach Californien darstellte. Die spanische Versklavung der Diné hatte diese nicht besonders für Kontakte eingenommen. Wikipedia dazu:

Nur wenige Diné entkamen unter der Führung des Häuptlings Manuelito. Die Lebensgrundlage der Diné war zerstört und im Februar 1864 sammelten sich über 8.000 Diné bei Fort Defiance, das jetzt Fort Canby" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Langer_Marsch_%28Din%C3%A9%29">Langen Marsch nach Osten (engl. Long Walk) - eine der bittersten Zeiten in der Geschichte der Diné begann. Von den Gefangenen starben mehr als 10 Prozent auf dem Weg nach Bosque Redondo. Da es keine Wagen gab, mussten sie über 480 km zu Fuß laufen. Kranke und Erschöpfte, sogar Frauen in den Wehen, wurden getötet.

Am 1. Juni 1868 unterzeichneten Navajo-Häuptlinge einen Vertrag, worin die US-Regierung dem Diné-Volk eine Reservation in seinem alten Land zuteilte und den Überlebenden die Rückkehr bewilligte. Im Gegenzug verpflichteten sie sich, von nun an in Frieden mit den amerikanischen Siedlern zu leben.

 

4.4.07 12:35


Goodbye Bafana

Afrika boomt. Zumindest im Kino. Mit "Blood Diamond" wurde gezeigt, dass Geschichte und Drama durchaus eine glückliche Verbindung eingehen können, ohne in Verkitschung und Überzeichnung abzugleiten. "The last King of Scotland" hatte immerhin einen Oskar eingebracht.

Angesichts dieser Errungenschaften ist "Goodbye Bafana" bestenfalls ein gescheitertes Projekt.

Der Gefängniswärter Gregory mit einer nach Dienstgradphalli strebenden Ehefrau und netten Kindern betreut Mandela, freundet sich mit ihm an, liest verbotenerweise die Freedom Charta des ANC und freundet sich noch mehr mit Mandela an. Er riskiert ein bisschen seinen Job, wird stattdessen ein bisschen befördert, weil er Xhosa spricht, und hat ein paar Konflikte. Nichts, was sich nicht mit ein bisschen abwarten aussitzen ließe. Je mehr Terror und Sanktionen, desto besser die Haftbedingungenen von Mandela und desto weiter wird Gregory befördert, bis am Ende beide ihr Ziel erreicht haben: Gregory ist Leutnant und Mandela frei. Das ist doch schon mal was. Beide verlieren zwischendrin ihren Sohn und kämpfen auch mal den traditionellen Stockkampf.

Ob man wirklich noch ein Historiendrama aus ausschließlich weißer Sicht brauchte? Und hätte man sich nicht entweder für die Historie oder für das Drama entscheiden können, wenn man schon die Synthese daraus nicht hinbekommt?

Die erste halbe Stunde ist jedenfalls gespickt von jämmerlichen Dialogen, unglaubwürdiger Handlung, verkramfter, schlecht präsentierter und nur halb abgespaltener Gefängniswärterbrutalität. Dem völlig unmündigen Publikum müssen infantile Weisheit und das Nacherzählen von Basiswissen auf die Sprünge helfen, schließlich hat es weder Geschichtsunterricht noch moralisch-ethische Urteilskraft.

Spannung entsteht so nicht, bzw. sie muss mit billigen Tricks wie einer inmitten endloser Seichtheit urplötzlich explodierenden Autobombe geweckt werden. Aus einem Wikipediaartikel erfährt man mehr über die Apartheid und aus einem guten Roman mehr über menschliche Konflikte. Hätte man Spannung und Interesse an individueller Sicht auf Geschichte wecken wollen, wäre die Ichperspektive aus "The green mile" geeigneter gewesen. Dann wäre es vielleicht auch zu ertragen, dass am Ende darauf hingewiesen wird, dass Gregorys Tochter, die im ganzen Film 3 Sätze sagt, glücklich studieren konnte, im Gegenzug aber Mandelas Tochter mit keinem Wort erwähnt wird.

Der Stein des Anstoßes, die Verstaatlichung von Fabriken, die der ANC im Programm führte und ihm den Vorwurf des Kommunismus einbrachte, wird im Film von Mandela so nebenbei als Nationalismus sanktioniert. Verstaatlichung im Kommunismus pfui, im Nationalismus hui! Ein bestechendes Argument, weshalb der Film keinen weiteren Kommentar an die Diskussion verschwendet: Mandela hat eben immer das letzte Wort, er ist die integre, opferbereite Vater- und Führerautorität, nach der sich gerade Deutsche so sehr sehnen.

So kommt das Ganze als moralinsaure Projektion von aktuellen Befindlichkeiten und bauchphilosophieren über den Menschen als solchen daher, die weder der Geschichte der Apartheid noch dem Autor der Buchvorlage gerecht wird. An die mit minimalistischen Mitteln erarbeitete Erzählkraft und Kritik der afrikanischen Filme "Touki Bouki", "La petite vendeuse du soleil" und "TGV-Express" kommt "Goodbye Bafana" nicht annähernd heran. Dass diese erstklassigen Filme von der BpB mühsam zu einer Afrika-Reihe zusammengehypt werden müssen, um dennoch nahezu unbeachtet vor leeren Sälen gezeigt zu werden, "Goodbye Bafana" dagegen eine Vorpremiere mit Sektmatinee bekommt, zeugt von einem Bedürfnis nach korrekter weißer Sicht auf Afrika, in der Afrikaner eben nur idealistisches Objekt der Wünsche, aber nicht widersprüchliche und kritisierte Subjekte sind. Gezeigt werden soll mit Gregory der gute Weiße, der überlegt und sich richtig entscheidet, ein paar Schuldgefühle und Konflikte hat, aber überaus vorbildgemäß fein raus ist. Und auch ein netter Onkel wie Mandela soll den Weißen ein Vorbild sein. Auf keinen Fall gezeigt werden sollte die Black-to-Black violence, die zumindest teilweise real existierende Bedrohung für Weiße während der Apartheid, das Stammesdenken, der Sexismus, die Hexenjagden der ANC-Comrades, AIDS, schlicht: Die Probleme auf ANC-Seite, wirklich ein fortschrittliches Subjekt in der Geschichte zu werden.

Der ANC hat nicht erst heute ein massives Problem mit Antiintellektualismus, Okkultismus und Rassismus. Seit den freien Wahlen 1994 wurden über 1500 weiße Farmer im Zuge der "One white Farmer - One Bullet" - Politik ermordet. Was Mandelas Beteuerung, ein Südafrika in friedlichem Miteinander einrichten zu wollen, etwas fadenscheinig aussehen lässt. Für Schwarze ist Südafrika ohnehin inzwischen eine Hölle aus AIDS, Vergewaltigung, Mord und Armut, die nicht zuletzt auf die Ignoranz des ANC, insbesondere dem AIDS-Leugner Mbeki, zurückzuführen sind. Und noch 1992 erregte Winnie Mandela , die liebenswerte Frau aus dem Film, einen Aufschrei mit ihrer Äußerung: "With our boxes of matches and our necklaces we shall liberate this country." (Uniform, August 1992 nach Joanna Ball, 1994, "The Ritual of the Necklace". Sie bezog sich damit positiv auf die von den Comrades, Jugendbanden des ANC, praktizierte Lynchform für angebliche Hexen und Verräter: Den Opfern wurde plötzlich von einem Mob ein Reifen umgestülpt und sie bei lebendigem Leibe mit Benzin angezündet.

6.4.07 16:27


Staat und Hexerei in Afrika

In vielen Staaten Afrikas ist Hexerei nach der Dekolonisierung als juristisches Delikt wieder eingeführt worden. In Kamerun wurden seit Ende der 70-er Angeklagte aufgrund von Zeugenaussagen von witchdoctors bis hin zu zehnjähriger Haft verurteilt.

In anderen afrikanischen Staaten wird in juristischen Periodika eifrig darüber diskutiert, der Trend geht zu mehr gerichtlicher Verfolgung von Hexerei.

Die Argumente teilen sich in eine pragmatische Linie, die resigniert vor der Lynchjustiz und zugunsten der Opfer eine Rechtssprechung anstrebt bis hin zu offen affirmativen Empfehlungen: Hexerei existiere und nun sei die Zeit gekommen, sie gerichtlich zu belangen.

Während der Kolonialzeit gab es witchcraft acts der Regierungen, die Anklagen und Verfolgung verboten hatten. Dies wurde als Komplizentum von Weißen mit Hexen verstanden.

Die pragmatische Argumentation scheitert am Kern des Hexenglaubens: Die öffentliche Überzeugung. Wird eine Hexe entgegen des Volkszorns freigesprochen, wird sie eben im Nachhinein gelyncht. Wird eine Person schuldig gesprochen, die weite Teile für unschuldig halten, diskreditiert dies das Gericht, was auch nicht weiter schlimm wäre. In dieser Hinsicht kann die gerichtliche Verfolgung allein als Verlängerung des Mobs gelten.

Diesen zu instrumentalisieren wurde bereits unter dem marxistisch-leninistischen Präsidenten Kerekou in Benín versucht. Dieser hatte während Hexereiunruhen nach Epidemien in den 70-ern eine Kampagne zur Identifizierung der Bourgeouisie mit Hexen gestartet.

In der traditionalistischen Sicht widerspricht die gerichtliche Verfolgung der Aufgabe der witchdoctors. Die Hexe müsse nicht bestraft, sondern von ihrem Opfer vertrieben werden. Eine Hexe im Gefängnis kann weiter wirken. Nicht so sehr der punitive Aspekt, als vielmehr der caritative steht im Mittelpunkt herkömmlicher Vorstellungen. Zu diesem caritativen zählte allerdings als Möglichkeit auch die Ermordung der Hexe, um den Kranken zu befreien.

In Südafrika, das gewissermaßen eine Position der afrikanischen Avantgarde auch gegenüber dem Westen verteidigen muss, ist die Situation noch zwiespältig. Einerseits wird das Thema Hexenjagden gedeckelt. Weil viele Regierungsmitglieder an Hexerei glauben, wird dieser Glaube so schnell nicht geächtet werden.

In den am stärksten betroffenen Gebieten entstehen hinter Polizeistationen Ghettos von wegen Hexerei Verfolgten. Bisweilen verraucht der Volkszorn nach einer Weile, und eine Person kann unbehelligt zurückkehren und ein geachtetes Leben führen. Dennoch werden weiterhin hunderte von Menschen gelyncht, oder wie das in Afrika häufig praktiziert wird: necklaced. Beim Necklacing wird dem Opfer ein Autoreifen umgestülpt, um es bewegungsunfähig zu machen, und dann mit Benzin übergossen und angezündet.

Lektüre und Forschung dazu besteht reichlich, das Phänomen ist vergleichsweise besser beforscht als Genitalverstümmelung (FGM, MGM). Dennoch ist mir keine einzige NGO bekannt, die sich mit Hexenmorden befasst. Niemand möchte in den Ruch des Otherings geraten, oder gar die gewaltige Aufgabe antreten, die gewaltige Mehrheit derjenigen zu kränken, die in Afrika an Hexen glauben.

Hier verwendete Literatur:

Peter Geschiere: The Modernity Of Witchcraft. Politics And The Occult In Postcolonial Afrika. 1997, University of Virginia Press. Ca. 20 € bei Amazon. Hier insbesondere Kapitel 6.

Joachim Kaetzler: Magie und Strafrecht in Südafrika. 2001. Verlag für europäische Hochschulschriften.
Etwas kulturrelativistisch in manchen Stellen, aber fundiert und reichhaltig.

 

9.4.07 13:25


Darfur und Google earth

Die Geschäftsphilosohpie von Google earth scheint im Falle Darfurs gute Erfolge zu zeitigen: In Zusammenarbeit mit dem United States Holocaust Memorial Museum wurden zahlreiche Markierungen eingefügt, Fotos, Filme und Augenzeugenberichte machen den Genozid öffentlich.
Ich kann jedem nur empfehlen, sich Google earth anzuschaffen und "West Darfur" zu suchen. Auch wenn einige Kommentare auf diversen Foren Schaulust und selektive Wahrnehmung, nebst der ohnehin notorischen Ölkriegsfaseleien von beleidigten Antiamerikanern, unterstellen, halte ich das Projekt für einen gewaltigen Schritt, der unbedingt zu befürworten ist.
13.4.07 11:36


Neues aus der Anstalt

Vorbei die Zeiten, als ein Marburger Metzgerpensionär noch wegen Beleidigung eines Verbündeten angeklagt wurde, weil er in seinen vielbewunderten Schaufenstern die USA und Israel wegen der Befreiung Afghanistans als Nazis beschimpfte.

Heute, genauer am 17.4.2007 um 23.00 kann einer wie Hagen Rether auf ZDF offen zum Mord an George W. Bush aufrufen. Jemand, der auf seiner Website unter "Kritiken" ausschließlich hagiographische Lobhudeleien bietet, darf natürlich von der Süddeutschen Zeitung den Titel "Deutschlands schärfste Schneide" einfahren. Als solche heimst er als Preis ein Beil ein, wir sind schließlich in Deutschland, wo man traditionell den Witz dem Mord beigesellt, und darf auch seinen Antisemitismus einem Publikum ins Gesicht rotzen, das begeistert applaudiert. Der "Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen e.V." gefällt diese deutsche Schneide so gut, dass sie ihn beweihräuchert: 

Dazu gehört vielleicht auch der unverkrampftere Umgang mit bisherigen Tabuthemen: "Israel, ein ganz normaler Apartheidsstaat". Kein Antisemitismus, nirgends. Selten eine klügere Missbilligung jüdischer Politik gehört.

Und was man andernorts von Comedy erwarten kann, wird hier zur Ausnahmeerscheinung:  

Und für den schnellen Lacher zwischendurch gibt’s öfter einen Witz. Hier der kürzeste: "Der Irak wurde in drei Sektoren aufgeteilt: Super, Normal und Diesel." Es wird Zeit, dass sich das deutsche Feuilleton Gedanken über das Comeback des guten alten Witzes macht.

Der gute alte Witz ist ein Deutscher. Comedy wirkt in Deutschland vor allem nach innen, eint die Volksseele, als dass sie ätzt und schmerzt. Rether wird als mutige Ausnahmeerscheinung wahrgenommen und ist doch ein konformer Überzeugungstäter, ein Mörder im Geiste, jemand, der israelische Atombomben von iranischen nicht unterscheiden kann, und doch Bush Bretzeln in den Hals und sonstige Tode wünscht, weil er meint, damit etwas gegen die Massaker im Irak auszurichten:

150000 tote Zivilisten im Irak - wer weiß, was aus denen hätte werden können, wenn heute noch amerikanische Präsidenten erschossen würden. Aber Bush hat ja keinen Cabrio.

Vor allem erledigt er eine wichtige Angelegenheit, die dem deutschen, gequälten Publikum auf dem Herzen liegt: Er exerziert den gewagten Tyrannenmord mental durch, stellvertretend für alle. Und erleichtert so nicht ihre antisemitische Qual, sondern stachelt auf zu Mord und Pogrom. Mit der Erlaubnis von Deutschlands offizieller Sendeanstalt.

Mr. Bush hat da eindeutig mehr Humor, er ist der bessere Bushkritiker und hat mehr satirischen Witz als Rether jemals erreichen wird. Vor allem aber: Er redet als zivilisierter Mensch zu Menschen, nicht als Propagandist zu Mordbanden im Geiste.
17.4.07 23:48


Kindermörder

In Afghanistan wurde ein der Spionage für die USA Beschuldigter von einem 12-jährigen Taliban enthauptet. Das Allahu Akbar Gekreische beim Mordakt ähnelt sehr dem Inhalt der antisemitischen Projektionen von Religiosität und Ritualmord, die diese Meschen sicherlich aus der islamistischen Propaganda kennen. Das zeigt nicht nur, dass die These vom strukturellen Antisemitismus etwas hinkt. Die Realität des Antisemiten gestaltet dieser nach seinen antisemitischen Projektionen, und da finden sich Kindsmord ebenso wie das Streben nach Weltherrschaft, einer ins Dämonische verzerrten Religiosität und rituelle Blutopfer unter Anrufung des Gottes. Der gewaltförmige Islamismus ist das, was sein Antisemitismus auf die Juden projiziert.
 
Die Botschaft ist zwiespältig: Zum einen kann daraus geschlossen werden, dass die Taliban mittlerweile so geschwächt sind, dass sie Kinder brauchen.
Das wäre jedoch zu kurz gedacht und würde die Taliban in ihrer propagandistischen Gewitzheit unterschätzen.
Ich glaube vielmehr, dass das Video eine verheerende Handlungsanweisung mit sich trägt und bewusste, psychologisch durchdachte Propaganda ist: Jedes Kind kann Amerikaner mit den einfachsten Mitteln treffen. Das Kind wird so in seiner narzisstischen Unschuld aufgewertet, es ist aus sich heraus befähigt alleine Urteile fällen und seinen Kastrationsängsten den Weg zum Mord ebnen: Es darf alles und ist darin den Männern gleich, initiiert in den Kampfbund.
 
Nicht umsonst ist die Anordnung im Video klar hierarchisch organisiert: die knienden Frauen, der ebenfalls kniende und mit Augenbinde "verschleierte" männliche Feind, das mit dem Messer bewaffnete Kind vor dem Initiationsritual, und die männlichen Taliban als stehende Kämpfer. Durch den Mordakt ist er sich sowohl der Anerkennung der Männer als auch der begeisterten Zustimmung der Frauen gewiss.
 
Die Psychologie von Kindern wird von Terroristen und Warlords erkannt und missbraucht. Ihnen nützt es nur, wenn Gutmenschen die potentielle Grausamkeit von Kindern leugnen und zu etwas Anerzogenem, Konstruierten oder nur durch Medien inplantierten, dem reinen Kind Äußerlichen reduzieren. Das deutsche Strafgesetzbuch ist anders als das britische ein Zeichen davon, indem es mordende Kinder schlichtweg nicht kennt.
 
Dieses Kind hat ein subjektives Interesse an seiner Tat, es führt nicht bloß einen Befehl aus, es ist ein Mörder, es hat sich entschieden, seine Triebe über das Töten zu kanalisieren, es wäre ihm ein leichtes, gegen die Väter sich zu verweigern. Als Kindersoldat wird es vermutlich in irgendeinem Kampf getötet und der Presse stolz als Märtyrer präsentiert werden, wie zahlreiche palästinensische Kinder, die mit MGs und Sprengstoff hantieren und damit israelische Soldaten angreifen. Wer diese Kinder zum Feind hat, kann nur verlieren, und das wissen die Islamisten sehr gut. Nicht zuletzt zielt die Botschaft auf die Psyche der Nato-Soldaten ab, die sich auf einmal mit einer Situation konfrontiert sehen, in der Kinder ihre erbitterten Feinde sind und sie damit rechnen müssen, jemanden Auge in Auge erschießen zu müssen, der ihren eigenen, geliebten Kindern so sehr ähnelt.
 
"Kinder besitzen keinen Selbsterhaltungstrieb, sie spüren und begreifen nicht die Todesgefahr, kennen die Furcht nicht, die erst das Erwachsensein mit sich bringt."
(Thomas Miessgang: Die Wunde des Seins. In Tobias Wendl (Hg.) 2004: "Africa Screams. Das Böse in Kino Kunst und Kultur. S. 264.)   
23.4.07 12:24


Parthenogenese der Lokomotiven - oder Jim Knopfs Inzestwunsch


(Man beachte, dass im Zeichentrickfilm entgegen der Geschichte Lukas ganz weiß ist.)

Was ich von Michael Ende halte, habe ich in "Wie Michael Endes falscher Kapitalbegriff zum Antisemitismus treibt" dargelegt.

Dennoch kann ich seinen Büchern eine gewisse Qualität nicht absprechen, in ihrem allegorischen Reichtum und den exotischen Phantasien stellen sie eine überaus reiche Projektionsfläche für infantile Projektionen dar. Will man Michael Ende glauben, entstand "Jim Knopf" aus spontanen Assoziationen, er schrieb ohne Konzept. Das macht es leichter, die Geschichte psychoanalytisch zu lesen. Weil hier niveauloses Bloggen stattfindet, und nicht Wissenschaft, kann die reichhaltige Literatur schamlos vernachlässigt oder heimlich geklaut werden. Mich interessierte nämlich vor allem ein Aspekt, der jeder Person mit psychoanalytischem Grundwissen sofort ersichtlich wird:

Die Lokomotive Emma kriegt ein Kind. Molly heißt die kleine und wird später geklaut. Nur, wie kommt eine Lokomotive dazu, ein Kind zu bekommen? Diese Frage stößt Kindern augenscheinlich kaum auf: Jedes Lebewesen kriegt Kinder, und Emma ist eine lebende Person. Sie hat Augen, reagiert und ist die Gespielin von Lukas, dem bärenstarken Alleskönner. Das Perpetuummobil, das Energie aus sich heraus erzeugen kann ist ja wohl mindestens auch zur Parthenogenese befähigt.

Mit typisch-reaktionär weiblichen Repräsentanzen wie Gehorsamkeit, Pflichtbewusstsein und Anpassungsfähigkeit ist Emma die ideale Mutter des narzisstischen Kindes. Lukas ist der ideale Vater, ein niemals böswilliger Alleskönner, der sogar den Looping spuckt. Da muss einiges abgespalten werden, und dafür gibt es Räuber und Drachen.

Nun ist die Frage, ob Emma vielleicht heimlich eventuell doch etwas mit den lüsternen Drachenwächtern hatte, abwegig. Molly hat schließlich keinen Drachenschwanz oder ähnliche Merkmale eines Hybriden.

Es gibt eine Zeugungsszene, in der allerdings nicht Lukas, wie zu erwarten wäre, es ist schließlich seine Lokomotivenfrau, sondern Jim Knopf Emma "begattet". Als der Kolben mitten in der Ödnis bricht und alle drei durch diese plötzliche Kastration (die übrigens die Strafe für den höchst destruktiven Akt ist, die vorangegangene Zerstörung des einzigen Weges durch das allerhöchste Gebirge), mit dem Leben bedroht sind (die Beklemmung, ja das heimlich Unheimliche ist meisterhaft, wenngleich unbewusst erarbeitet), ist es allein Jim Knopf, dem es WEGEN seiner geringen Größe erlaubt ist, Emma zu reparieren. Er steigt unter Lebensgefahr (schließlich weiß man nie, ob Lukas doch noch der kastrierende Vater wird) in den Kessel, richtet den Kolben, und als er herauskommt, wird er von Lukas als "Mein alter Jim" begrüßt. [Diesen Hinweis habe ich aus Mosers etwas hagiographischen Buch "Jim Knopf und die sieben Weisen"].

Kein Wunder, dass diese Hybridisierung gelingt, denn die schwarze Lokomotive mit dem schwarzen Lokomotivführer braucht einen schwarzen Jim Knopf, um die schwarze Molly zur Welt zu bringen.

Und weil Lukas nicht geeignet, nicht passend für Emma ist, darf, ja sogar muss, der kleine Jim Knopf ran. Ein klassischer ödipaler Wunsch, den Ende hier erfüllt, die Notsituation rechtfertigt das "gefährliche" Unterfangen. Die narzisstische Umkehrung verspricht dem lesenden Kind, wie auch dem Erwachsenen, Reinheit und Vollkommenheit. Jim Knopf ist übrigens schwarz und sauber, Lukas ist schwarz und nicht sauber, trotz Lokomotivführerseife.

Die übrigen männlichen Personen sind ebenfalls der narzisstischen Umkehrung gemäß kastriert, Alfons als lächerlicher König ohne Frau. Turtur, der nur aus der Ferne groß ist, nur weil er mit pipsiger Stimme redet und dann lächerlich klein wird, kann man sich mit ihm anfreunden. Nepomuk, der Halbdrache, ist ein Gernegroß. Der Kaiser, der von seinen "Bonzen" umgeben ist, die gegen seinen Willen handeln, ist seiner Tochter beraubt und nicht mächtens, sie wieder zu erlangen.

All dies überwindet vor allem der heldenhafte kleine Jim Knopf im Gespann mit Lukas. Und gegen Ende gelingt sogar die Überwindung der phallischen Mutter im Käfig, in die Ende alles hineinprojiziert, was noch an rasender Zivilisationsfeindschaft in ihm übrigbleibt, nachdem er die "Bonzen", Zeichen der Vermittlung zwischen Untertan und Souverän, beseitigt und entmachtet hat. Inmitten der Wildnis, abseits der Zivilisation, besteht die Drachenstadt, die interessanterweise rassistisch organisiert ist: Die Halbdrachen, die nur scheinbar gefährlich sind, bleiben draußen, nur wirklich gefährliche Burschen haben hier Zutritt, und ihre Anführerin ist Frau Mahlzahn. Sie regiert mit der Peitsche eine Schule, wofür die Kinder lernen, ist unwichtig, man erfährt nur, dass es eine Qual ist. Der gütigen Frau Waas und der immer willfährigen Emma steht nun die erziehende, gestrenge und hexenhafte Mutter Mahlzahn gegenüber, die, man weiß es schon: gebändigt wird durch den kleinen tapferen Jim, der dadurch die Prinzessin gewinnt (was ja selbstverständlich ist) wichtiger aber noch: Er ist in der Lage, Molly zu empfangen, das gelungene Produkt des Inzestes unter wohlwollender Aufsicht des Vaters und ihm dadurch ebenbürtig zu werden.

Dazu noch erhält er sein eigenes Stückchen Land, das ihm ermöglicht, von den doch einengenden und nach der Reise nicht länger abzuspaltenden Nachtseiten der Inselidylle Abschied zu nehmen. Und das auch noch mit Hilfe der zur Oma kastrierten, und folglich lieb und weise gewordenen Drachenfrau Mahlzahn. In Teil zwei kastriert und zähmt Jim Knopf kurzerhand die Räuber, dass es nur so eine Art hat. Meistens sind die Räuber draußen im Wald oder hier im Meer in irgendeiner Weise hilfreich, mitleidig oder können gar lesen und schreiben, klassisches Vermittlungsthema nutzbarer Aggression.

Sie erfüllen prinzipiell eine wichtige Aufgabe, nämlich die Übermittlung des Kindes an die erziehende Frau Mahlzahn, der mit ein wenig Glück durch falsche Zustellung (also ebenfalls ein sexuell konnotiertes "Missgeschick", ein Inzest, das Boot rammt die Insel, die Zeichen sind nicht lesbar, aus Kummerland wird Lummerland, was im Prinzip das Gleiche ist und abgespaltet wird) zu entgehen ist, die Flucht Jim Knopfs in eine narzisstische Welt, in der allein sein Loch in der Hose ein Problem für Frau Waas ist, (es ist vermutlich weniger das Loch, als das Gegenteil davon, die Flickszene mündet in das Masturbationsverbot, dessen Zeichen der Knopf ist), alles andere aber mit starken Muckis von Lukas, Emmas Dampf (man denke an den nährenden Kochtopf) oder Jims infantile Weisheit und Güte zu lösen ist.
Ferner ermöglichen sie im zweiten Teil Jims erneute Flucht von dem insgeheim zum Kummerland werdenen Lummerland.
Als der Druck von Frau Waas und Alfons schon einmal zu groß wurde, (Lummerland ist zudem "zu klein" für Jim) entstand im weiten Ozean die perfekte Triade aus einem vollkommenen phallischen Vater, einer absolut passiven Mutter, und einem zu 100% guten Kind, das der einzige Grund dieser Reise war.

Als positive Handlungsanweisung ließe sich die Geschichte dadurch lesen, dass alle Versuche, diese Triade beizubehalten, in die stets schon beabsichtigte Rückkehr zu den Eltern und die Vereinigung mit der Prinzessin, die die Aufgabe der Mutter bedeutet, münden: Die Lokomotive, Sinnbild der nährenden Mutter, wird klein, und damit wird Emma auch ein wenig bedeutungsloser, ersetzt. Jim wird selbstständig, gibt den Wunsch nach einer großen Emma auf und erhält zur Belohnung dafür die kleine Molly und LiSi, die ihn trotz ihrer devoten Art immerhin mit ihrer Bildung beeindruckt, was auch einziger Lichtblick inmitten der reaktionären Rolenbilder ist. Als die ihm auf dem Höhepunkt seines Glückes und der phallischen Erweiterung genommen, und er damit kastriert wird, wird er rasend, das Abenteuer muss zum zweitenmal unter Abhängigkeit von Lukas beginnen.

Es ist kein großes Wunder, dass eine solche Geschichte von Kindern wie Erwachsenen geliebt wird und in ihrer Qualität ist das auch berechtigt. Es bliebe nur zu fragen, ob in der Geschichte Wege der Reflexion angedeutet sind, die den Narzissmus scheitern lassen, ihn kränken, ohne ihn an anderer Stelle aufzuwerten.

25.4.07 11:57


Schlachtrufe und Punkinvasion!


Bildquelle: Schwarze Katze, Interview mit Punks .

Heute gibt es ein Punkrock-Special, nach Jim Knopf ein weiteres Projekt im Rahmen der Aufarbeitung postinfantiler und pubertärer Literatur.

Meine erste CD, die ich mit meinem ersten Ghettoblaster (furchtbares Wort) mit 12 oder 13 gekauft habe, war nämlich die erste "Schlachtrufe"-Compilation Anfang der Neunziger, die hellblaue.

Zu dieser Zeit war die Punk-Bewegung in Baden-Württemberg der einzige irgend revolutionäre Lichtblick, an den sich identitäre Pubertierende klammern konnten, und Punks waren die Einzigen, die Nazis wirklich zur Weißglut treiben konnten und ihnen konsequent mit der Faust begegneten. Was unter anderem Jugendliche mit Migrationshintergrund anzog, die in Straßenschlachten ein unberechenbarer dritter Faktor neben Punks und Polizei waren. So neu ist nämlich das Phänomen "Rütli" nicht.

"Punks fressen kleine Kinder" prahlt der Schlachtrufe-Sampler mit geheuchelter Selbtironie. Die Texte sind pathetisch wie enthusiastisch gesungen, die Gitarren haben noch unüberhörbar mit echten Emotionen und wenig Übung ausgestattete Riffs aus drei Akkorden zu bieten, die dann doch an unprofessionelle Lagerfeuermusik erinnern.

Blechern scheppert "Normahl" los mit "Schwarz Rot Gold", grottenschlechter Dichtung und grauenvoller Syntax, aber eingängigem Kopfschüttelrhytmus:

Unser Staat den fast jeder mag
kotzt mich an Tag für Tag
Politiker, die nur reden
und von uns auch noch leben.

Schwarz Rot Gold
Auf daß euch bald der Teufel holt

Steuern hier, Steuern dort, sie nehmen mit mein Geld nur fort.
Bei den großen Staatsempfängen
sitzen nur Bonzen auf den Rängen.
BRD, England USA
Hitler ist bald wieder da.

Doch wir hoffen soweit wird's nicht kommen
Ham wir erst die Barrikaden erklommen
und Bonzen die nur von uns schnorrn
dann endlich in der Hölle schmorn.

Man wundert sich dann doch über die Offensichtlichkeit der Projektion: Punk, die Ideologisierung des Schnorrens und faulen Lebens, sieht sich auf einmal in der Rolle des Steuerzahlers, der von Politikern ausgenommen wird. "Bonzen, die nur von uns schnorrn", das ist die Einstellung derer, die dem Punk gewöhnlich auf die Frage nach der obligatorischen Mark als "geh doch mal arbeiten" entgegenspringt.

Klassisches Spießertum mischt sich bei "Normahl" mit dem Heldenmut des Intifadisten: in "Pflasterstein flieg" lautet der Refrain:

Doch wir werden siegen
Wenn die Steine fliegen

und weiter in köstlichster Poesie:

Pflasterstein flieg
wir ham mit den Bullen Krieg
Gummiknüppel, Pflasterstein
Politikerschein muß das den sein

Die Sprache ist komplett versachlicht, dient nicht mehr der Kommunikation, sondern dem eingeschliffenen Festhalten dessen, was "der Fall" ist. Die Konsequenzen liegen in scheinbar unumstößlicher Logik da und ein surrealistisch anmutender Symbolismus macht das Ganze zu einem Sammelsurium des Jargons der Eigentlichkeit.

Danach wenden sich die "Maniacs" als pädagogisch geschulte Bewährungshelfe mit dem Tourneehit "Deutschland" in aufklärerischer Absicht an den Nazi.

Du bist zu schwach um selbst zu leben
und Denken hast du nie gelernt

woran sich die Mahnung mit erhobenem Zeigefinger in Richtung der potentiellen Nazis unter den Punks anknüpft:

Doch ein starkes Deutschland hat immer
nur Blut gebracht


"The White Rose", ebenfalls von den "Maniacs", ist ein einziger schrammelnder Chor von Lagerfeuersängern, die im nächsten Atemzug genauso gut "Über den Wolken" oder "Mrs. Robinson" klampfen könnten. Jedes Wort ist hier mit Bedeutung vollgepumpt und der Sänger fühlt das in esoterischer Verzückung vor. Wegen Softcorepunk gibts auch ein verlegenes Gitarrensolo auf die immer wiederholten Akkorde CGaF. Dagegen ist das direkt anschließende Gebrüll von den Boscops in "Bulle halt's Maul", unverkennbare und erholsam echte Wut:

Ihr Schweine in grün
ihr kenn kein Verzeihn
Gepeinigt durch den Stein
Der Haß empfiehlt Kartei

So verständlich die Empörung gegen die Punkkartei ist, so deutlich ist die christliche Messdienererziehung in der biblischen Sprache noch zu erkennen: "Verzeihen", aber was? "Gepeinigt durch den Stein", da fragt man sich doch, wer da hasst und die Aggression wegprojiziert. Damit das nochmal klar wird, folgen die humoristischeren Varianten desselben Liedes: "Bulle halt's Maul (sonst gibts Banane)" und in "Können Schweine schwimmen" endlich auf die Formel gebracht:

Bullenschweine
Bullenschweine
Bullenschweine

(da capo, etc.)

Pazifismus ist dem Punk mit seinen Kriegserklärungen an die Polizei heilig, zumindest "Chaos Z" mit "Krieg":

Die Mächtigen, die wollen den Krieg
sie sind es, die zu Hause sicher stecken
das ist nur ein brutaler Trieb
bei dem tausende anderer verrecken
Das ganze Pack will den totalen Sieg

Krieg wird wie in Deutschland üblich als Priestertrug, als Verarsche der Kleinen Wähler und Steuerzahler verharmlost. Auch in "1980" wird wieder Steuergeld, das die meisten der pogenden Kinder niemals gezahlt haben dürften, zurückgefordert, der Punkrocksänger als Steuerberater des Arbeitslosen:

Steuergeld Steuergeld
hier wirst du um viel geprellt

Aus der Distanz erweckt das Ganze eine gewisse Komik, wirkt merkwürdig archaisch, wie aus einer anderen Zeit, in der Chaos-Tage ein echter Event mit Toten und viel Rot aus den Bildtitelseiten waren, und es noch keine Loveparade gab. Diese verzichtet als Lehre aus dem Punk ganz auf Texte, dem Rhythmus zuliebe.

Die holzschnittartigen Texte - bar jeder Intelligenz - entsprechen der übersteigerten Kunst der Achtziger, als es galt, so expressiv und groß wie möglich, ohne jeden Gedanken, esoterisch aus dem Innersten heraus zu klecksen was das Zeug hält um dem "eigentlichen Sein" recht nahe zu kommen. Das wilde Geschrammel war eine undisziplinierte Ausgeburt des halbgebildeten Spießertums, das seine Aggressionen gegen dieses nicht zuletzt wegen der Nähe von Irokesenfrisur und Gartenzwerg abspaltete, zu kanalisieren versuchte und Musik dem einzigen Zweck der Kriegstrommeln unterwarf. Die Aggression richtete sich häufig gegen andere, nicht selten wurden einem beim Pogen Zähne ausgeschlagen von den umherfliegenden Ketten mit Kiloschweren Hängeschlössern oder anderen Artefakten als Anhängsel, stahlkappenbewehrte Springerstiefel rammten Unvorsichtigen beim Blutpogo die Schienbeine in Trümmer. Wer den Punk als Apostat verließ und es wagte zu den Tekkern oder gar zu den Poppern zu wechseln, wurde ausgegrenzt und als Verräter an der Sache, an der Idee der Selbstzerstörung gezeichnet. Depressionen und Psychosen, Alkoholabhängigkeit und Gewalt waren die gewollten, kultivierten Folgen und Vorbedingungen dieses sado-masochistischen Exzesses, der sich Deutschpunk nannte und zum Glück in seiner Reinform seit der endgültigen Auflösung von "Slime" tot ist. Von dieser Band wird der zweite Teil handeln.

28.4.07 09:19


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