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Somalia hat Chancen

Hatten zahlreiche Stimmen unmittelbar nach dem Einmarsch der äthiopischen Truppen in Somalia noch von einem Flächenbrand gefaselt, wurde jede unappetitliche Meldung über Mörserattacken in Mogadischu ausgenutzt, um der "unter den Islamisten war alles besser"- Attitüde Ausdruck zu verleihen, scheint sich nun der Optimismus auszubreiten, den ich hier, hier und hier andeutete. Zum Glück ist das Phänomen der self-fulfilling-prophecy in Bezug auf den internationalen Rahmen weniger wirkungsmächtig als im privaten, sonst wäre der Irak heute eine von Friedensforschern und Saddam gleichermaßen regierte Hölle.

Wie Reuters berichtet sieht sogar die UN ein, dass es seit Jahren keine größere Chance auf Frieden in Somalia gab. Der UN-Hilfswerkkoordinator Laroche findet erstaunlich klare Worte:

If you have 4,000 troops, forget about it, it's not enough," he said. "I think 8,000 troops is probably the minimum we can get and therefore it raises the issue of political will -- are we willing to make a change in Somalia, are we willing to really provide troops, are we really willing to finance those troops?"

Laroche said Somalis were tired of so many years of warfare, especially in the capital, Mogadishu, and in many ways backed the new government, based on clans, rather than warlords.

"It's a kind of representativeness, that was not the case with the previous warlords coming to Mogadishu," he said. "And when the Islamists came in they told me they don't have a clue (of how) to run a country."

Laroche acknowledged that shellings were increasing "but that is not a good reason not to do anything."

"If you don't believe that the (new) institutions are the key solution, you admit that you want to go back into chaos for another 15 years," he said.

Ausführlicheres berichtet die gerne auch mal antizionistische Institution Middle East Online.

Hilferufe nach Finanzierung von somalischer Seite und von der African Union gehen der EU derweil sonstwo vorbei, gerade mal 40 Millionen US$ sind aus den USA zugesagt. Für 40 Millionen erhält man heutzutage etwa 2 mittlere Hubschrauber, keinesfalls kann man damit eine wirkungsvolle Truppe dauerhaft aufrechterhalten. Den USA ist kaum ein Vorwurf zu machen, tragen sie doch die Hauptlast in den zwei kostspieligsten und wirkungsvollsten Befriedungsaktionen aktuell. Von der EU könnte man allerdings etwas mehr erwarten als einen Tropfen auf dem heißen Stein und Zynismus.

Zum Vergleich: Allein bei einer Telefonkostenbetrugsaffäre der UNMEE in Eritrea entstanden 1,1 Mio. US$ Schaden. Ein Apache 64-A kostete z.B. für Griechenland im Jahr 2003 56,25 Mio US$, ein Eurocopter Tiger HAD kommt auf den gleichen Preis, beide sind unverzichtbare Ausrüstung im Antiterrorkrieg und Staaten wie Pakistan, Griechenland oder Ägypten leisten sich die Dinger Dutzendweise. Ein B-2 Spirit Stealth-Bomber kostet 1 bis 2 Milliarden US$. Die UNMEE Mission in Eritrea kostete zwischen 2006 und 2007 vergleichsweise wenig 140 Mio. US$ mit inzwischen knapp 6000 Soldaten. Da bleibt nur der AU und insbesondere Uganda viel Glück zu wünschen.

 

2.3.07 20:13


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4-minuten: Positivismuskritik

"4 Minuten" wurde hinreichend auf anderen Blogs rezensiert. Die Kritik daran: ein wildromantisches Knastbild, das der Realität kaum nahekommen dürfte, eine langweilige Geschichte mit Längen, das Klavierspiel außerhalb des Abschlusskonzerts nicht annähernd so genial, wie es die Filmstory behauptet, ferner eine etwas überzogene Ärztekritik. Ohne auf eine längere Analyse des Filmes abzuzielen, seien hier kurz Stichpunkte angeführt, die ihn dennoch zu einem positiv hervorzuhebenden Highlight im deutschen Kino machen:
 
- Die radikale Positivismuskritik. Der dickliche Wärter, der die europäische Musik- und Literaturgeschichte mithilfe der Lehrerin Traude Krüger (Monica Bleibtreu) auswendig lernt, verinnerlicht bis kurz vor Ende nichts vom aufklärerischen Gehalt. Er lernt für eine Quizshow, in der abfragbares Wissen zählt, nicht die Erfahrung, die dieses erst wertvoll macht. In der letzten sympathischen Frage der Quizshow: "Wenn Mozart eine Oper über Cinderella geschrieben hätte, welcher Käse wäre da wohl dabei herausgekommen?" muss er scheitern, denn Selbstironie und intellektueller Witz ist nicht vorgesehen im Positivismus. Die Antwort "Mozarella" liegt ihm so fern, wie der Inhalt der Werke, die er verbissen lernt, weshalb er in der Folge brutal und intrigant reagiert.
 
- Die Unmöglichkeit der Aufarbeitung nationalsozialistischer Verbrechen wird bei gleichzeitiger Reflexion auf das Fortwirken in die Gegenwart abgebildet. Kongenial die Reaktion Jennys (Anna Herzsprung) auf Krügers etwas selbstmitleidige Schilderung von der Hinrichtung der lesbischen Freundin durch NS-Schergen: "Soll ich jetzt heulen, oder was?" Krügers Mitschuld wird in der Ersatzhandlung verdrängt und bisweilen ins Selbstmitleid gewandelt. Jennys Reaktion ist die ihrem bisherigen Verhalten gut anstehende aggressive und autoaggressive Wendung des eigenen Leids, das es ihr unmöglich macht, das Leiden anderer zu akzeptieren.
 
- Die Lüge von der "inneren Emigration": Krüger hält ihre Lebenslüge aufrechte, es gehe ihr nur um die Musik. Nur die Sache zähle. Die Person sei ihr nebensächlich. So durchschaubar diese Lüge ist, angesichts ihrer verleugneten Aufopferung, so pervers wird sie dabei mitunter: Als Jenny auf den Wärter einprügelt, erscheint ein Kleinschmetterling, der auf dem Klavier herumhüpft und dem sie zusieht. Langsam entfernt sie sich. Später erwähnt sie Jenny gegenüber, er sei ihr lästig gewesen. Ebenso bedingungslos hat sie ihre Freundin verraten, ohne Anstrengungen zu ihrer Rettung zu unternehmen. Das passive Zuschauen trägt Züge des Sadistischen, die innere Emigration ist zutiefst Teilnahme am Verbrechen.
 
- Aufklärung und Dialektik: Die ganze Musik Krügers hat nicht sie als Menschen gewandelt. Ihre Rede von Disziplin und Negermusik, vom Durchhalten bis zuletzt um der Sache willen trägt noch den Duktus nationalsozialistischer Propaganda. "Eine Sache um ihrer selbst willen tun" , so bezeichnete Wagner das Deutschsein. Das geht problemlos einher mit Kritik an Möchtegernobersturmbannführern wie dem Knastdirektor.
 
Ein Film also, der auf klassische Gut-Böse Stereotypien und somit die Möglichkeit einer bequemen Abspaltung und Gegenidentifikation verzichtet. Der vielmehr sich bemüht, bis in psychologische Tiefen dessen vorzudringen, was das bröselige Fundament der postnazistischen Gesellschaft ausmacht. An dessen Ende die Versöhnung steht, roter Wein und Knicks, Exzess und Kontrolle, Romantik und Aufklärung, Schumann und Buschtrommeln, Stampfen und gezupfte Harfen, Polizeiaktion und das Abwarten des Endes, Respekt vor dem Anderen und Durchsetzen des Privaten.
 
Das versöhnliche Abschlusskonzert läuft unter der Prämisse: "Ich wünschte du wärst tot, Vater!". Die Täter und die unbewussten Schranken müssen auf dem Weg zur Befreiung verschwinden. Dass die Umsetzung im Film nicht immer von der Genialität geprägt ist, die sie zumindest im Ansatz vermuten lässt, bleibt kritisierenswert, insgesamt jedoch ein überraschend gelunges Stück möglicher Aufklärung.
 
Ps:
„Schwach will ich und darf ich nicht sein. Wenn der Mensch nur will – er kann ja ALLES.“
Robert Schumanns Ausspruch ähnelt dem Adornos zur Schwäche, die zur Herrschaft reizt. Möglicherweise bezieht sich der Film auch mitunter auf Paralellen zwischen Jenny und Schumann, beispielsweise Selbstmordversuche und Selbstverletzung.
3.3.07 15:00


Eritrea wird frech (mal wieder)

Eritrea hatte kaum die Unabhängigkeit gemeinsam mit den Gegnern des roten Terroristen Mengistus erreicht, da stürzte sich das Land in ernste Krisen mit Jemen, Sudan und Äthiopien. Wegen eines kleinen Grenzgebietes um Badme brach Eritrea schließlich einen Krieg vom Zaum, den Holbrooke als "Streit von zwei Glatzköpfen um einen Kamm" bezeichnete. Schätzungsweise 100 000 Tote forderte dieser absurde Krieg.

Ebendieses Eritrea forderte gerade Uganda auf, seine Truppen aus Somalia abzuziehen. Damit hat es indirekt eingestanden, dass die SIIC von Eritrea begünstigt und unterstützt werden und wurden. Diese hatten unter anderem als erklärtes Ziel die Eroberung des Ogaden, einer äthiopischen Provinz, die vor der Kolonisierung ein Distrikt Großsomalias war.

Neben der Lächerlichkeit solcher markigen Angebereien eines Afewerki und seines Regimes, das zwar alle Religionen außer dem Islam massiv diskriminiert, und trotzdem sich ultraislamistischer Infiltrierung aus dem Sudan zu erwehren versucht, erscheint es höchst bedenklich, dass immer noch nur 4000 Soldaten der AU zugesagt sind, von denen nicht einmal 1000 aus Uganda im Land sind.

Der EU wie der UN ist Somalia anscheinend egal, zu kompliziert ist der Drahtseilakt zwischen Stammesdenken und Islamismus, und daher wird in Somalia möglicherweise eine einmalige Chance auf stabile und reformierbare Verhältnisse durch schlichten Geiz, Desinteresse und Faulheit der Europäer vertan.


Somalias Verteidigungsminister verbreitet indess notwendig Optimismus, dem ich mich nur zu gern anschließe.
10.3.07 16:45


Nation of Islam

Western Resistance hat eine umfangreiche 4-teilige Geschichte der "Nation of Islam" veröffentlicht:

Teil 1

Teil 2

Teil 3

Teil 4  

10.3.07 17:03


Mimesis und Alterität

Erwin Wurm: "Adorno was wrong with his ideas about art."

Vor einiger Zeit erhielt ich folgende Anfrage:

Floris / Website (17.8.06 22:31) Ich hätte da ein Thema, das mir gerade gestern zum wiederholten Male Kopfzerbrechen bereitete: Kannst Du auch deadornieren? Den Begriff von Mimesis etwa, wie er insbesondere in den "Elementen des Antisemitismus" verwendet wird. Inwiefern ist die den antisemitischen Hass auf sich ziehende Mimik mimetisch? Auch wenn an einer Stelle erwähnt wird, dass die Mimik von den Eltern abgekupfert werde, kann wohl kaum "Nachahmung" gemeint sein, oder? Deute ich das richtig, wenn mit mimetischen Handlungen in diesem Zusammenhang allgemein ungebändigtes, unkontrolliertes, dem begrenzt Aufgeklärten als "natürlich" erscheinendes Handeln gemeint ist? Wenn es so wäre, warum schreiben sie dann mimetisch? Verrückt.

Nun, dazu habe ich ein hervorragendes Buch entdeckt, das ich hiermit Floris und allen, die es interessiert, wärmstens ans Herz legen möchte:

Michael Taussig: "Mimesis und Alterität. Eine eigenwillige Geschichte der Sinne."

Taussig ist Ethnologe und verwendet ethnologisches Material von Erstbegegnungen mit Feuerlandindianern und südamerikanischen "weißen Indianern", sowie Reklame und David Lynchs "Wild at Heart" um zentrale Fragestellungen zur Vermittlung von Abgrenzung und Mimesis darzustellen. Dabei hegt er eine Abneigung zu postmodernen Nullaussagen und Tautologien (Das ist kostruiert, weil das konstruiert ist), und fühlt sich Walter Benjamin in besonderem und Adorno/Horkheimer etwas nebenständig verpflichtet.

Seine zentrale These: Mimesis ist mit Abgrenzung eng verknüpft. Häufig ist nicht äußerliche Ähnlichkeit das Ziel. Nachahmung kann Verspottung heißen, Bewältigung von schwierigen Situationen. Mimesis ist kein besonderes Merkmal der rückständigen Wilden, wie das im ausgehenden 19. Jahrhundert Lehrmeinung war, sondern bei den Matrosen europäischer Schiffe ebenso verbreitet wie bei den Indianern Feuerlands. Mimesis holt Zivilisation ein, die vermeintlich jene als naturhaft verpönten Regungen beherrscht und sublimiert.

Das "Vergnügen, das aus der Täuschung zu gewinnen ist", erscheint gegenüber der Mimesis der Mimesis harmlos, angenehm. Die Mimesis der Mimesis, wie Adorno/Horkheimer sie als wesentlich für den Faschismus beschreiben, verdrängt die Mimesis in fahrenden Schauspielern und Kabarett, und versucht mit gewaltigen Fahnenmeeren und Menschenmassen mimetische Rituale zu kopieren um mimetische Impulse zur Mimesis an den Staat zu lenken.

"Sie können den Juden nicht leiden, und imitieren ihn immerzu. Kein Antisemit, dem es nicht im Blute läge, nachzuahmen, was ihm Jude heißt. Das sind immer selbst mimetische Chiffren: Die argumentierende Handbewegung, der singende Tonfall, wie er unabhängig vom Urteilssinn ein bewegtes Bild von Sache und Gefühl malt, die Nase, das physiognomische principium individuationis, ein Schriftzeichen gleichsam, das dem einzelnen den besonderen Charakter ins Gesicht schreibt."
(Adorno/Horkheimer, Dialektik der Aufklärung)

Und Taussig, Adorno/Horkheimer rezipierend:
"Nach Horkheimer und Adorno wird Mimesis, die sie wechselnd als Imitiation oder Einfühlung ansprechen, von der Zivilisation nicht bloß unterdrückt. Im Gegenteil, Zivilisation spürt den Feind auf, wendet den Geruch in einer Nachahmungsorgie gegen sich selbst. Rassismus heißt der Exerzierplatz, auf dem die Haßliebe zu ihren unterdrückten Trieben eingeübt wird, zur Nase des Juden (seiner Hab-gier), zur schwarzen Hautfarbe der Neger (ihrer angeblichen Sexsucht) usw. So ruft die Idiosynkrasie der Minderheit nacht Horkheimer und Adorno "Augenblicke der biologischen Urgeschichte" wach und "Zeichen der Gefahr, bei deren Laut das Haar sich sträubte und das Herz stillstand"."

Juden wirft man das blutige Ritual vor, Magie, Infantizid, um Christus Macht zu imitieren, und so werden sie "dessen schuldig gesprochen, was sie, als die ersten Bürger, zuerst an sich gebrochen haben: Der Verführbarkeit durch das Untere, des Dranges zu Tier und Erde, des Bilderdienstes."

Sie werden dem Bild gleichgemacht. So mündet Mimesis wiederum in Alterität, in Abgrenzung gegen das Andere, in Nachäffen dessen, was man an sich nicht gleichhaben will. Soviel als der Büffeltanz der Indianer ist der Kinderfasching mit Indianern und Cowboys Mimesis.

Taussig macht mit "Mimesis und Alterität" einen originellen Wurf, der wissenschaftlichen Dünkel ebenso ins Schwitzen bringt wie dessen halbgebildete starren Begrifflichkeiten zum Tanzen. Dabei geht ihm mitunter die Sprache ebenso durch (warum zum Beispiel müssen es die zwei geschnitzten Schildkröten "miteinander treiben"?) und bisweilen wünscht man sich etwas mehr Ernsthaftigkeit und Konsequenz in der Darstellung, die sich manchmal etwas kulturrelativistisch gegen sich selbst wendet. Bei der Lektüre wird wohl jedem die Bedeutung von Mimesis für Verständnis von Gesellschaft ins Auge springen, nebenbei werden ethnologische und philosophische Wissenschaftstheorien kompakt und an zahlreichen Beispielen anschaulich aufbereitet.

Also, um die puddingsweichen Begrifflichkeiten zusammenzufassen:

Mimesis ist eng mit Abgrenzung vermittelt. Als Naturbeherrschung imitiert sie Natur, um das Andere von Natur sein zu können. Daneben kann Mimesis aber auch ins passive Aufgehen münden, in das Beherrschenlassen von einem Objekt, das Freuds "Todestrieb", den er besser unter Narzissmus gefasst hätte, gleich sieht. 

Mimesis der Mimesis ist die idiosynkratische Nachäffung der verdrängten mimetischen Impulse.

Idiosynkrasie ist sowohl das abweichende Verhalten einer Minderheit, als auch die allergische Reaktion der Anderen darauf. Bisweilen vermischen sich diese Begrifflichkeiten.

12.3.07 11:48


Langeweile...

Claude Levi-Strauss' Meisterwerk "Tristes Tropiques" (Traurige Tropen) liest sich als Hass-Hymne an die Langeweile. Das melancholische Zweifeln am Forschungszweck geht einher mit den immer scheiternden Etappen auf der Suche nach den damals unentdecktesten Indianern des Amazonas, den Nambikwara. Die Expedition scheitert von Beginn an, Rinder flüchten, Helfer desertieren und das gedörrte Ochsenfleisch, unter den Satteln aufbewahrt und mit Ochsenschweiß durchtränkt, schmeckt nicht wirklich gut. Ein gutes Dutzend Nambikwara findet er am Ende seiner von lästigen Parasiten und üppiger Fäulnis wuchernden Reise, als er weder Zeit noch Vorräte mehr hat, Sprache und Gewohnheiten dieser verwahrlosten und von Krankheiten dezimierten Waldnomaden genauer zu studieren.

Irgendwie ähnlich fühlt man sich als Blogger, wenn man angetreten ist, zu diskutieren, jegliche Diskussion aber ausbleibt und man zum Prediger in der Wüste verkommt. Jeder Beitrag ein notwendiges Stück Scheitern, das einen zwar nicht in der kommunikationslosen Undurchdringlichkeit des Blogdschungels vorwärts bringt, vielleicht aber ein wenig von der scheinhaften Erkenntnis festhält, die man genauso seiner Katze erzählen könnte. Nur dass ich nicht wie Levi-Strauss am Ende seiner nihilistischen Romanze von beidseitigem Verständnis zwischen Katze und Mensch ausgehe.

14.3.07 12:27


Hitler in Taiwan

Adolf Hitler hat in Taiwan eine kleine Fangemeinde gefunden, die sich vor allem für die "Stärke" zu begeistern weiß. Die Jerusalem Post berichtet ausführlicher.
14.3.07 13:01


Küntzel zensiert!

Matthias Küntzel, die einen oder anderen werden ihn kennen, sollte an der Uni Leeds ein Seminar mit folgendem Titel halten: "Hitlers Legacy: Islamic Antisemitism in the Middle East ."

Das passte einigen Muslims nicht und sie nahmen ihr demokratisches Recht in Anspruch, dagegen zu protestieren. Die Universitätsleitung sah sich in der Folge angeblich außerstande, die Sicherheit zu garantieren und sagte die Veranstaltung ab.

Judeoscope und Times berichten ausfühlich. Der Times zufolge habe die Universitätsleitung einer Umbenennung zugestimmt. Das Seminar soll nun eventuell heißen:

“The Nazi Legacy: the export of antiSemitism [sic!] to the Middle East”

Interessant daran ist, dass Muslime (und in ihrem Gefolge die UNiversitätsleitung) so allergisch reagieren, wenn Islam in Verbindung mit Antisemitismus genannt wird. Das deutet auf ein verdrängtes Bewusstsein der islamischen Täterschaft - also auf ein schlechtes Gewissen - hin. Die Verdrängung fordert um so mehr Gewalt. Interessant auch, dass der Vorschlag "exportierter Antisemitismus" als harmlosere Variante durchgegangen wäre. Das sollte einem zu denken geben: Die Export-These bedient damit ein Bedürfnis nach Entschuldung und sollte tunlichst vermieden werden, abgesehen davon, dass sie falsch ist, auch wenn sie bisweilen von Osten-Sacken und einigen anderen Szeneautoren ins Gespräch gebracht wird. Der Antisemitismus im Islam, d.h. sowohl im Koran als auch in der historischen Realpolitik ist eindeutig nachgewiesen, es kann von einer Verstärkung gesprochen werden, das Wort "Export" müsste aber unbedingt zu "Import" hin verschoben werden, um die aktive Bereitschaft und Täterschaft zu unterstreichen. Antikapitalistisch geprägter Antisemitismus aus Europa, beispielsweise die "Protokolle", war ein Mitbringsel der in Europa studierten nationalistisch-islamischen Elite, die solche Ideen begeistert aufgriff. Husseini hatte zwar Unterstützung erhalten, aber kaum sein komplettes Weltbild importieren müssen.

Dank an Fakten und Fiktionen für eine Kurzinfo. Auf Lizas Welt das Ganze etwas länger aber mit gleichem Tenor.

15.3.07 16:24


Odysseuskapitel revisited

Die "Dialektik der Aufklärung" gehört zu jenen furchtbaren Büchern, die ein mutagenes Innenleben entwickeln. Auch nach der dritten Lektüre haben sich ähnlich den Treppen in Harry Potters Hogwarths scheinbar aufs Neue wichtige Sätze eingeschmuggelt, andere ihre Bedeutung gewandelt, und immer kann man sicher sein, etwas noch Exotischeres in den verwinkelten düsteren Gängen und dichten ephemeren Wäldern dieses unscheinbaren Büchleins zu finden. Mimetisch schmiegt sich der eigene, um Erfahrung bereicherte und beraubte Geist an das stets zwischen Kontakt und Rezeption selektiert wahrgenommene Geschriebene neu an, legt alte Hüllen wie Larvenhäute ab.

Unter dem Aspekt der Mimesis betrachtet, wird erst deutlich, wie sehr die Dialektik der Aufklärung auf dieses Konzept angewiesen ist:

"In Wahrheit verleugnet das Subjekt Odysseus die eigene Identität, die es zum Subjekt macht und erhält sich am Leben durch die Mimikry ans Amorphe. Er nennt sich Niemand, weil Polyphem kein Selbst ist, und die Verwirrung von Name und Sache verwehrt es dem betrogenen Barbaren, der Schlinge sich zu entziehen: sein Ruf als der nach Vergeltung bleibt magisch gebunden an den Namen dessen, an dem er sich rächen will, und dieser Name verurteilt den Ruf zur Ohnmacht. Denn indem Odysseus dem Namen die Intention einlegt, hat er ihn dem magischen Bereich entzogen. Seine Selbstbehauptung aber ist wie in der ganzen Epopöe, wie in aller Zivilisation, Selbstverleugnung. Damit gerät das Selbst in eben den zwangshaften Zirkel des Naturzusammenhangs, dem es durch Angleichung zu entrinnen trachtet."
(DdA 1971, S. 62)

Der seiner selbst unmündige Mensch bedarf ebenso wie Polyphem des Konkreten, um seinen Rachegelüsten Namen zu verleihen. Vor dem Abstrakten erstarrt er in Unverständnis (dieses kommt in seinem Konzept nicht vor) um beim leisesten Geräusch eines Konkreten mit Pflastersteinen zu werfen, Bankenscheiben zu zertrümmern, Geld, Bücher oder Flaggen zu verbrennen. Die Nazis verlasen nicht ohne Grund explizit die Namen und Titel der verbrannten Werke.
Dazu passt eine andere Geschichte aus Japan: Die Samurai prahlten vor dem Kampf Mann gegen Mann mit den Aufzählungen ihres Stammbaumes und ihren Heldentaten. Der Name war alles, was kämpfte. Ohne Ehre hatte das Subjekt keine Berechtigung. Die anrückenden feindlichen Truppen vom Festland dagegen schritten unverzagt direkt zum Kampf und überraschten die auf den Kodex versessenen Samurai mit tödlichen Attacken, während diese noch fanatisch ihre Liturgie herunternudelten. 
Das namenlose Heer der Neuzeit ist der Niemand, den Odysseus mimte, die Samurai bedurften wie Polyphem des Namens, um zum Kampf zu schlagen. Gegen ein Heer aus Niemanden konnten sie schlecht kämpfen.
 
Erst die postnazistische Moderne lernte unter dem Einfluss der Guerrilla das Massenheer und den damit einhergehenden Bewegungskrieg, den das Maschinengewehr zum Selbstmord machte, geringer zu schätzen, als Elitetruppen. Die Human-Wave ist zwar immer noch ein von schlechten Strategen eingesetztes taktisches Mittel. Gegen den vereinzelten Hubschrauberpiloten im Apache kann kein Massenheer mehr etwas anrichten und ein John Rambo, mimetisch mit der umgebenden Natur verschmolzen, besiegt im Alleingang ganze Garnisonen.
 
Damit steigt paradoxerweise der Wert des Individuums in der Armee, das bis in Untergruppen und den Einzelkämpfern der Elitetruppen taktisches Geschick aufweisen muss. Die Generäle sitzen zwar immer noch abseits des Schlachtgeschehens auf dem High-Tech-Hügel. Jeder bessere Anti-Kriegsfilm hat aber heute Befehlsverweigerung (allein zur Durchsetzung des militärischen Erfolgs!) und individuelles taktisches Geschick zum Thema. Der römische Legionär in der anonymen Quadratformation ist Vergangenheit.
 
Die Mimesis an Natur, vermeintliches Charakteristikum der Wilden, wirkt weiter: Der Pilot ist mit der Waffe komplettiert zum Superkämpfer. Der wehrhafte Hubschrauber das Abbild der harmlosen Libelle und des Ahornsamens. Diese Mimesis ist keine andere, als das immer noch übliche jahrmillionenalte Beschmieren mit Tarnfarbe und Schlamm, die Camouflage, die sich Natur gleichmacht, zum unsichtbaren Niemand zu werden sucht, um letztlich den Sieg über Polyphem, das einäugige Andere, davonzutragen. Die Cyborgs der Sci-Fi-Serien sind Kopien, Mimikry des Menschen. Zwischen Borg und Mensch allerdings entsteht hier erneut der Konflikt, Commander Data entwickelt wie der kleine Junge in AI von Spielberg eine menschlich-emotionale Intelligenz, Technik wagt den mimetischen Rückschlag, wo sie doch via Mimesis Beherrschung der menschlichen und außermenschlichen Natur bringen sollte.
 
 
Ende des Fragments. In der nächsten Mimesis-Folge wird John Rambo genauer unter Mimesis-Aspekten betrachtet werden.

16.3.07 22:25


300

Memri informiert über Bestrebungen der Ajatollahs, den Film "300" als antipersisch und Teil einer zionistischen Weltverschwörung zu diffamieren.
Die Perser seien so kriegstreiberisch gar nicht gewesen und überhaupt schon immer ein Land des friedlichen Zusammenlebens.

Dann weiß man ja, welchen Kinofilm man sich nächste Woche unbedingt mal anschauen sollte.

Was aber doch verblüfft: Von Islamwissenschaftlern wird stets die Unvereinbarkeit von Islamismus und Nationalismus gepredigt. Warum aber beziehen sich nun die Ajatollahs im Namen der nationalen Identität positiv auf ein Reich von Heiden und Polytheisten, die überdies noch die Frechheit besaßen, sich der Invasion der arabischen Islamisten, also den Heilsbringern und Propheten der ultimaten Religion zu widersetzen? Irgendwie merkwürdig.

Möglicherweise ist es zur Zeit eher angebracht, auf den Nationalismus zu bauen (amalgamiert mit einer obligatorischen Portion Antisemitismus), weil der von vielen ungeliebte Islamismus nicht wirklich den nötigen massentauglichen Kitt zur eventuellen Landesverteidigung liefert? Ein Comeback des postosmanischen Nationalismus? Wird hier gar der Abstieg des Islamismus von den Ajatollahs selbst angekündigt? Wie auch immer, die Juden sind das auserwählte Feindbild beider Wahnvorstellungen.

18.3.07 19:53


Adornopantoffeln an Dialectique blanche

 
Wie manchen Dingen Gesten, und damit Weisen des Verhaltens eingeschrieben sind. Pantoffel - "Schlappen", Slippers - Sie sind darauf berechnet, daß man ohne Hilfe der Hand mit den Füßen hineinschlüpft. Sie sind Denkmale des Hasses gegen das sich Bücken. (Adorno, Minima moralia, S. 198)
 
Erklärung a): Adorno hatte einen humoristischen Anfall.
Erklärung b): Adorno übertreibt.
 
Zumindest lässt er andere Erklärungen außer Acht. Dass Pantoffeln Brutstätten von schwitzigen Füßen und Fusspilz ebenso sind, wie von Treppenstürzen, Nährlösung der Achtlosigkeit gegen sich selbst, bleibt außen vor. Allein Barfußlaufen bliebe tatsächlich ein Denkmal des Hasses gegen Bückware wie Pantoffeln. Jawoll!
 
Dialektik verkümmert dann zu affirmativem Romantizismus, der individuelle Regungen wie Teddys persönliche Liebe für Pantoffeln zu gesellschaftlichen, ja sogar natürlichen erklärt, und damit das Individuelle daran verleugnet, der Reflexion über ganz privaten Fetischismus aus dem Wege geht. Was ihm so erspart bleibt: Die Betrachtung des eigenen Denkmals für den ... Pantoffelheld.
19.3.07 11:47


Warten auf Europa - Begegnungen an der Donau

Was immer nicht ganz mitgekommen ist oder die Verbote verletzt, in denen der Fortschritt der Jahrhunderte sich sedimentiert, wirkt penetrant und fordert zwangshaften Abscheu heraus. (Adorno/Horkheimer, DdA 161)

Aller nicht-manipulierte Ausdruck erscheint als die Grimasse, die der manipulierte - im Kino, bei der Lynchjustiz, in der Führer-Rede - immer war. (Ibid, 163)

Die taz nervt derzeit mit regelmäßigen Abdrucken von Fotos aus Frank Gaudlitz ' "Warten auf Europa - Begegnungen an der Donau". Im Stile des Kolonialfotographen werden Menschen in linkischen Habachtstellungen abgelichtet. Der Zweck ist ein einfacher: Der coole, weltgewandte Europäer sieht sein unperfektes Anderes, das zur künftigen Eroberung ansteht.

Wer bei den Sonntagspredigten zur europäischen Einheit schon lange nicht mehr zuhört, aber das europäische Antlitz kennenlernen möchte: hier kann er es entdecken. (Süddeutsche )

Durch die Nachahmung seiner Posen ist er geehrt, das Scheitern der Pose befriedigt die Bestätigung seines Erfolges. Kolonialistische Museumsfotographie par excellence vor den Toren Europas.
Rumänien, das vor kurzem nicht rückschrittlicher als Bayern war, ist auf einmal Peripherie des kulturellen Imperiums, in dem Menschen viel lässiger posieren und den Umgang mit Europa schon lange im Blut haben. An der auf Fortschritt hin getrimmten Rückständigkeit kann die vermeintliche eigene Fortschrittlichkeit abgefeiert werden. Zynisch wird der materielle Rückstand verbrämt zur würdevollen Armut, wie man Putzkräfte jüngst euphemistisch in "Raumkosmetiker" umbenannte.

Er zeigt die Bewohner des Donauraumes mit ihren Eigenheiten und Reichtümern, in ihrer Armut, Bedrängnis und ihrem Versuch, wider alle Anfechtungen Würde zu bewahren. (Süddeutsche )

Nicht Wut oder Abscheu, wie Adorno/Horkheimer nahelegen, erregt hier die gescheiterte Mimesis, sondern Überheblichkeit, Befriedigung und Mitleid. Dass Europa derzeit an sich selbst scheitert und sich mit der Barbarei noch weit vor seinen Toren gemein und gleich macht, kann es in solchem Rausch getrost verdrängen und vergessen. Die kulturrelativistischen postmodernen Paradigmen vom "Othering" werden so bedient, wenngleich diese nicht annähernd die Dialektik zu fassen vermögen, die dem Fortschritt innewohnt und stattdessen den Fortschritt als solchen leugnen.

20.3.07 15:26





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