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Behindertenfeindlichkeit und Regression

Southpark: Kyle und Mr. Hanky, der Weihnachtskot

Fragmente zwischen Aufwachen und Frühstück:

"Arschgeburt", "Missgeburt" und "Fehlgeburt" gehören zum Grundinventar eines jeden schulhofsozialisierten pubertierenden Jungen. Solche Begriffe schmiert er in geradezu häretischer Orthographie auf Gegenstände in Reichweite seines Reviers, wozu Schulbusssitze, Straßenlaternen und Bushaltestellenhäuschen gehören.

(Anmerkung: Auf der Gästebuchseite hat Lil Niki protestiert und gemeint, nicht alle Jugendlichen wären so, im Gegenteil wären solche Leute die Außenseiter. Das müsste ich genauer untersuchen und entschuldige mich für die für unnnötig verletzende polemische Pauschalisierung.)  

Die infantilen Sexualtheorien führen neben gängigen Konzeptionen einer Befruchtung durch den Mund zu der, dass das Kind im Darm der Mutter wohne und über den After geboren werden müsse. Der Versuch, es ihr auf diesem Wege gleichzutun, (siehe Bild) ist zum Scheitern verurteilt, das Kind ist enttäuscht und gibt diese Phantasie zu Gunsten tiefergehenden Fragen auf.

In der analen Phase erlebt das Kind, dass die omnipotente Mutter Schwäche zeigt: den Ekel vor Fäzes und Urination des Kindes. Es versteht fortan diese Bestandteile des Lebens als Aggression gegen das Geliebte, aber auch als verlockende Infragestellung der bedrohlichen Omnipotenz der Mutter, die umso mehr verdrängt/vermieden werden muss, als Omnipotenz tatsächlich ein Anspruch der Mutter/des Vaters ist.

Damit ist die Vorstellung noch nicht gänzlich sublimiert. Reste davon tauchen in erwähnten Schimpfwörtern und Southparkfolgen auf. Wo immer etwas Fremdes an eigene Inkompetenz oder die Angst davor gemahnt, tritt der Hass auf das Schwache in Kastrationsgelüsten und -Ängsten zu Tage. Ähnlich wie der Defäkationsakt als Machtumkehr wirkt, der die mütterliche Omnipotenz bedroht, sehen Behindertenfeindliche ihre eigene Macht von ihrem eigenen Ekel bedroht, um sie wiederherzustellen, muss die Ursache des Ekels, der an eigene und mütterliche Schwäche gemahnt, beseitigt werden. Der Neid auf die als phallisch wahrgenommene Erweiterung von Behinderten durch Rollstuhl, Krücken, Pflegehilfe und Behindertenparkplatz wird als ungerechtfertigte Bevorzugung wahrgenommen, die um so schmerzlicher ist, als das Individuum seine Schwächen nicht befriedigt sieht, und zudem außerstande ist, sie aus sich selbst zu befriedigen: Hier hat jemand mehr bekommen, als ihm zusteht, und das obwohl er weniger potent ist. Aus dieser Mischung steigert sich der Widerspruch von Herabwürdigung und Neid zum grenzenlosen Hass, der in der Vernichtung des Objekts endet.

Der Verdacht, nicht ein Geschenk, sondern Abfallprodukt des Aktes zu sein spiegelt sich in der Betonung des Aktes als allein einen zur Zeugung, sowie dem Hass auf alles, was als Abfall- oder Zufallsprodukt wahrgenommen wird. In einigen Regionen Afrikas wurden und werden behinderte Kinder als spirituelle Verseuchung der Gemeinschaft betrachtet und getötet, bzw. auf hohe Steine gelegt, von denen sie "aus Versehen" herunterfallen. Das ökonomische Argument ist vor- (und nach-) geschoben: Die Leistungen, die allein für rituelle Opfer verwendet werden, könnten und konnten in den meisten Fällen von je mehr als die übliche Rate an Trisomien etc. versorgen.

Behindertenfeindlichkeit ist die Regression zur Dyade, Mutterkult, der die Kränkung der Omnipotenz des Zeugungsaktes nicht wahrhaben will. Weil die Mutter nicht schuld sein darf, dass ein imperfektes Wesen geboren wurde, muss diese Imperfektion bekämpft und geleugnet werden. Deshalb wurden Behinderte in archaischen Gesellschaften als grauenhafte Strafe der Götter, als böses Omen empfunden. Und deshalb ist sie auch der erste Schritt zur nationalsozialistischen Vernichtungsideologie, die auf dem Wege zur Reinheit der Rasse zunächst das vernichtete, was dem Selbstbild der omnipotenten, zeugenden Urmutter, der Rasse, nicht entsprach.

Ende des küchenpsychologischen Fragments.


2.2.07 10:19


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Blood Diamond - Visited

Was von der Fetischisierung von Diamanten als "Blood-Diamonds" zu halten ist, wurde hier hinreichend dargestellt. Nicht Rohstoffe verursachen Gewalt, sondern gesellschaftliche Verhältnisse. Überraschenderweise ergeht sich "Blood Diamond" nicht allzusehr in mystifizierenden Elegien, sondern dringt erstaunlich mutig und dialektisch in afrikanische und marktwirtschaftliche Verhältnisse vor, in ein Geflecht aus ökonomischen Zwängen und Psychopathologie. Das Problem des Mitleids und der Darstellung des Opfers wird im Film diskutiert und aufgehoben. Dabei bleibt der Film sehr glaubhaft nahe an den historischen Fakten, bemüht sich weder zu überzeichnen, noch zu verharmlosen.

Die RUF, eine nihilistische Terrorgruppe ohne jede theoretische Basis oder sonstige Ideologie, eroberte von Liberia aus Sierra Leone, nahm mitunter 500 UN-Soldaten als Geiseln, ermordete wahllos Menschen, verstümmelte systematisch und wurde für ihre Methoden zur Manipulation von Kindern zur Kriegsführung bekannt.

Finanziert hatte sie sich wie der durch diese Annexion kollabierte Staat mit den eroberten Diamantenminen. Insofern ist klar, dass der Krieg in dieser Intensität möglicherweise nicht stattgefunden hätte, wenn es damals bereits das Kimberley-Abkommen gegeben hätte, das Diamanten zertifizierungspflichtig machte.

Die Aussage von "Blood Diamond" verharrt zwar wie zu erwarten im Moralappell, doch bitte keine "konflikthaften" Diamanten zu kaufen. Waffenhandel dagegen wird nicht thematisiert, anscheinend scheint es einfacher zu sein, den Schmuggel oder Verkauf von klitzekleinen Steinen zu verhindern, als den von schweren Waffen.

Im Film stellt Salomon eine höchst interessante Frage: Er, der den riesigen Diamanten aus unerfindlichen Gründen nicht einfach an den Aufseher abgeben konnte, kann verstehen, dass alle Welt die Diamanten Sierra Leones haben will. Was er nicht verstehen kann, ist, warum seine  "Brüder" ihm und anderen solche Grausamkeiten antun. Und diese Frage dringt zum Kern des Problems vor: Ein Rohstoffkonflikt kann zwar konsequent und brutal geführt werden, er zieht aber nicht notwendig die Massaker nach sich, die die RUF veranstaltete. Dass die RUF Menschen die Hände abhackte, um sie von Wahlen abzuhalten, führt auch nicht dazu, von Blutdemokratie zu reden. Solomon geht diese Frage so nahe, dass er sogar eine autorassistische Erklärung in Erwägung zieht: Ob denn nicht wirklich etwas unter ihrer Haut stecke. Angesichts des Verrats durch seinen Sohn, der Ergebnis eines ödipalen Konflikts (der Vater droht ihm in der ersten Szene Prügel an, wenn er nicht zur Schule geht) ebenso wie die Gehirnwäsche der RUF darstellt, zweifelt er (wie alle im Film) am Guten im Menschen. Die mühsame und gefährliche Rückkehr des Sohnes in die Realität stellt klar: Dieses muss stets aufs Neue mühsam hergestellt werden, stellvertretend dafür steht auch die Schule für Ex-Kindersoldaten mitten im Urwald.

Ein mögliches Ende, das die Story wohl verkitscht hätte, wäre gewesen, dass Solomon den Stein vernichtet oder wegwirft. Ein solches "deutsches" Ende hätte die Fetischisierung vollendet. Stattdessen macht er das Beste daraus und verkauft ihn. Dieser Akt bleibt integer, unappetitlich sind demgegenüber moralischen Urteile über die als Mafia dargestellte Diamantenindustrie. Ebenfalls zu weit geht der "Witz" eines älteren Dorfbewohners, der vor einem Leichenfeld steht und noch in der Lage ist, zu politisieren: "Gut dass sie kein Öl gefunden haben. Dann wären wir wirklich in Schwierigkeiten."

Ansonsten ist "Blood Diamond" in der englischen Originalversion unbedingt sehenswertes, ganz großes Kino, mit ausgezeichneten Darstellern in Topform. Etwas bedrückend ist die Musik - Hardcore, Rap - die Gewalt mitunter in Identifikation -Sexyness of Violence- drängt, was aber auch als Provokation gelten kann.

4.2.07 18:29


Murat Kurnatz Haare

Kein Blog ist sich augenscheinlich gerade zu schade für Witzeleien über Murat Kurnatz Frisur. Wenn die Ernsthaftigkeit des Anliegens, das zwischen Islamismus und gescheitertem Rechtsstaat anzusiedeln wäre, zum Spaß über Frisuren gerät, ist für mich eben jenes Niveau von Urban-Priol-Comedy erreicht, die Angela-Merkel-Frisur-und-Gesichts-Witze für gelungene Subversion hält.
 
5.2.07 14:27


Pissident forte!

Manchmal sehnt man sich zurück in die Siebziger, als ein Flugblatt noch drei Fremdwörter aufweisen konnte, ein ernstes Thema ansprach und Marx wenigstens falsch zu zitieren wusste. Postmoderne Flugblätter greifen noch zum schnödesten Wortwitz, dem Kalauer, um sich wichtig zu machen:

"Prekär, also unsicher, nennen wir die Lebens- und Arbeitsverhältnisse, die sich auch in Germoney immer weiter ausbreiten."

Ein Fremdwort dem Prekariat zuzumuten, wäre doch zuviel des Guten. Am besten spricht man es bei seinem primitivsten Instinkt an, dem Hass auf Abstraktes und Vermittlung, auf den Fetisch Geld, setzt dieses noch mit seinem von je her größten Feind in eins und fertig ist der linke Gummibärensaft.

Den Feinden der Klassengesellschaft ist diese schon zu starr, wenn man schlappe 220 Euro bezahlen muss, um mit "gelackten Profiteuren dieser Verhältnisse" im "gleichen Boot" sitzen zu dürfen. Wann war Elite je billiger zu haben? Ein wenig Geld, ob geklaut, geschnorrt, erarbeitet oder gefälscht interessiert keine Sau, ob die Eltern blaublütig oder immer blau sind genausowenig, und schon ist man dabei, kann Kontakte knüpfen, Fingerfood genießen, der wahrscheinlich auch nur von Aldi ist, und ManagerInnen anbaggern.

Selten gab es eine weniger abgeschottete Elite. Und trotzdem, in Deutschland hasst man die, die Erfolg haben, und es auch noch wagen, ihn zur Schau stellen "...und uns dumm-dreist weismachen wollen, wir säßen alle im gleichen Boot namens Deutschland."

Weil sich die Linke an ihr neues revolutionäres Subjekt angemessen anwanzen will, kommt sogleich "divide et impera" als Verschwörungstheorie ins Spiel.

"Eine "Rette sich wer kann und jeder gegen jeden"- Stimmung wünschen sich die Oberen, spalte und herrsche! Und all zu oft funktioniert das Gegeneinander-Ausspielen und die Konkurrenzen - Rassismus, Sexismus, Leistungswahn!"

Fiese Typen, diese Overlords, Spaltpilze und aus purer Bösartigkeit produzieren sie die Dreifaltigkeit des postmodernen Linken.

Wer statt gelungener Kritik "massenhafte Proteste" als geeignetes Mittel wählt, seine "Portion Wut auf die Verhältnisse" abzuladen, kann eigentlich ebensogut in den nächstgelegenen Sexshop und da in der Kabine sein "Warming Up für den G8 im Juni, gegen das große Fressen der Elite" loswerden. "The Beat goes on": anscheinend noch nicht so richtig, sonst müsste man das nicht dreimal im Flugblatt betonen und dazu noch Emoticons wie "Show" und "rocken" dazukleben.

"Das ist der Triumph der Reklame in der Kulturindustrie, die zwangshafte Mimesis an die zugleich durchschauten Kulturwaren."
(Adorno/Horkheimer: Dialektik der Aufklärung, S. 150)

Alle nicht gekennzeichneten Zitate stammen vom Flugblatt: "Opernballdemo 2007 - Her mit dem schönen Leben!" das von folgenden Gruppen unterzeichnet wurde:

Glocal Group Hana, kein mensch ist illegal Hanau, Rhein-Main-Bündnis gegen Sozialabbau und Billiglöhne, Workers Ceneter Initiative Rhein-Main, Courage gegen Rassismus Rödelheim, schurken ohne staat (s.o.s), kein mensch ist illegal Darmstadt, Aktionsbündnis gegen Abschiebungen Rhein-Main, Gruppe d.i.s.s.i.d.e.n.t. Marburg, Arbeitskreis Umweltschutz Wiesbaden, Jungdemokraten Hessen, Iniative Libertad Frankfurt/Rhein-Main

7.2.07 20:26


Trügerisches Idyll

Von Proisraelischer Seite wird oft das Argument bemüht, die Araber in Israel wüssten ja, woran sie mit Palästina seien und wären vergleichsweise solidarisch mit Israel. Antiisraelische "Experten" wie Avnery, Zuckermann und co. sehen in der Rückführung weiter Teile der arabischen Flüchtlinge ein Mittel zum Abbau der Gewalt gegen Israel. Wieder andere schwadronieren ein ums andere Mal davon, dass ja der Erfahrungshorizont der Palästinenser mit Checkpoints, Armut und Gewalt sie in das Selbstmordattentat als letzte Waffe der Armen treibe.
Die "Jüdische Allgemeine" vom 8.2.2007 hat solchem Nonsens gegenüber eine interessante Meldung:
 
Undankbar
Vierzehn Prozent der in den vergangenen Jahren verübten Selbstmordanschläge wurden von israelischen Bürgern begangen. Das hat der Sicherheitsdienst Schabak errechnet. Bei den Tätern habe es sich um palästinensische Terroristen gehandelt, die einen israelischen Araber geheiratet hätten und im Judenstaat eingebürgert worden seien. Dank ihres israelischen Personalausweises genossen die Zuwanderer volle Freizügigkeit und konnten ihre Tat ungehindert planen. Nach Auffassung der Terrorabwehr ist das ein triftiger Grund, um den Zuzug palästinensischer Ehepartner nach Israel zu beschränken.
 
Die aggressive Siedlungspolitik der Palästinenser mit dem Ziel, Israel demographisch zu unterwandern, war noch keine UN-Resolution wert, geschweige denn einer Frauenorganisation ein Flugblatt gegen den "Mutterkuh-Status" der arabischen Frau. Dass aber ein Land wie Israel immer noch palästinensischen Nichtisraelis gestattet, die volle israelische Staatsbürgerschaft zu erlangen spricht jenen Hohn, die von einem institutionalisierten Rassismus in Israel sprechen.
Die Frage nach der demographischen Aggression bleibt bestehen. Wo ca. 150000 israelische Siedler im Westjordanland für einen Sturm der Entrüstung sorgen, vernimmt man keine Pläne zur Aussiedelung palästinensischer Familien, EU-Hilfen oder Anreize der arabischen Liga dafür sucht man vergebens und noch niemand hat die palästinensische Noch-Minderheit in Israel als Konfliktursache des Nahostkonfliktes bezeichnet.

Die UN meint : "Ansiedlungen auf besetztem palästinensischen Gebiet, einschliesslich Ostjerusalem, und auf den besetzten syrischen Golanhöhen (sind) illegal und ein Hindernis für Frieden sowie wirtschaftliche und soziale Entwicklung"

Statler und Waldorf wissen demgegenüber das Gegenteil aus dem Golan zu berichten. 

9.2.07 12:20


Rocky Balboa - ein kleiner Schritt für die Menschheit, und ein großer für die Menschlichkeit

Schnee schält sich von Bordsteinkanten, während feuchte Kälte in die Taschen stürzt und schmerzhaft in den Nasenhöhlen flackert. Flugs beherbergt das Großraumkino, mit der zuckerwattenen Gastlichkeit, die einem Tempel des Kapitals angemessen ist. Auf angenehm schwarz-weißen Plakaten jubelt die ersehnte Identifikationsfigur, die Arme erneut zum Himmel gereckt:
It's not over, until it's over.
Ein Paroxysmus war Rocky nie, das würdige Ende sollte die Schmach der letzten, harmloseren Eruptionen vertreiben. Man ist gespannt und entspannt, lockere Atmosphäre im roten Saal, ein ums andere Mal versuchen Fans wenig erfolgreich den Chor.
Das Mitleid mit denen, die die lange Zeitspanne nicht überlebten und um das Ende geprellt davonstarben. Die Dankbarkeit, in einer Zeit zu leben, die einen friedlich vor derartigen Halbheiten bewahrt. Rocky sehen und sterben. So war es bei Star Wars, so wird es bei Rambo sein. Danach wird es nie wieder eine ähnlich erfolgreiche Filmserie geben. Die über dreißig Jahre überdauert und Widersprüche einzufangen wusste, wie ein Sammler einen seltenen Schmetterling.
Das Publikum samt und sonders sympathisch, hier sitzt das aufgeklärte Proletariat, der italienische Kellner nebst intellektueller Unterschicht. Ohne Angst verschieden sein, und bei Aldi einkaufen.
Nach dem Ereignis dominiert Melancholie. Grenzenlose erfüllte Leere. Die Hoffnung auf einen siebten Teil, egal, wie schlecht er wird.
Und wieder die klammen Schuhe in den grauen Matsch hacken...  
 
9.2.07 17:13


Flaschenpost

Monet: Waterlilies, green reflection

Solange Geschichte nur Wiederholung ist, gerät Kritik daran zur immer wiederholten Wahrheit, zum eingeschliffenen Jargon, der scheinbar substanzlos sich selbst zum Zweck gesetzt scheint. Die Wut auf perpetuierte, gebetsmühlenhafte Kritik, ist Wut auf Verhältnisse, die der Veränderung entraten. Wenn schon diese nicht aufhören, so soll doch die Kritik daran schweigen. Der Begriff der Kritik bleibt Objekt wie Mittel eines von den Zuständen abgelenkten Furor.

13.2.07 16:14


Differentialdiagnosen

Wegen gesteigertem Arbeitsaufwand im universitären Halbbildungssektor wird die Beitragsfrequenz von aktuell 2-4/a Woche auf max. 1/a Woche gesenkt. Nichtidentisches bittet seine Leser um Geduld, Verständnis und Eigeniniative. Im üppigen Angebot der gesammelten Werke seien die zeitloseren Schriften zur schonungslosen Kritik empfohlen! Wer gar nicht weiß, was er jetzt mit der überflüssigen Lebenszeit anfangen soll, dem seien folgende Ratschläge ans Herz gelegt:

a) Sinnlose Onlinegames wie space-pioneers, dark orbit oder Ähnliche, mit einem RPG wie "BenGurion" oder "Dayan" spielen! (Man hält nicht lange durch, kann aber im Team durchaus ein paar nette Fights mit Clans wie "Gebirgsjäger", "Deutschland" oder Usern wie "Endlösung" herausschlagen)

b) Sich ein Tier zulegen, das mehr Zuneigung als die Computermaus erfordert. Besonders empfohlen seien Zwerggarnelen, Äskulapnattern, Vampirkrabben, Wechselkröten uvm...

c) Die sinnvollste Variante: In den Wald spazieren gehen und auf einer sonnigen Lichtung die "Minima moralia" studieren, Kraniche beim Ziehen beobachten und Bachflohkrebsen aus der "Dialektik der Aufklärung" vorlesen...

d) selber bloggen!

e) sich reale Freunde suchen, mit denen man sich unterhalten kann, ohne "lol", "rofl" oder Smileys einzuflechten.

f) sich reale Feinde suchen, bei denen man wirklich was aufs Maul kriegt, und nicht bloß virtuell gesperrt oder gelöscht wird.

g) Mal endlich den Bildschirm entrotzen und die Tastatur putzen, die Bücher abstauben und ran an den Herd, Gaumenschmaus, Sinnlichkeit, Erotik!

15.2.07 17:52


Hasta la victoria siempre!

Die neue Fliegengewichtweltmeisterin Susi Kentikian ist schon ein sympatisches Kerlchen. Singt die Deutschlandhymne nicht mit, hat sich durch die Abschiebeversuche durchgebissen, und haut der armen "Viva Chavez"- Alvarez kräftig aufs Maul. Derart unvermittelt wünschen sich manche Politik, ein Glück, dass die frühe Antike vorbei ist. Chavez wollte den Propagandakampf nutzen und "seiner" Kämpferin noch im Ring telefonisch gratulieren. Daraus wurde wohl nichts. Vielleicht sollten sich die Nationalen Sozialisten ein für alle Mal das Boxen als Propagandamittel abschminken?

Rocky finishing off Drago

17.2.07 00:08


Carne valesque


Quelle: GAWKER

Der denunziatorische Charakter, den Kinder noch als "Petze" zu benennen wissen, beherrscht auch jene Sphären, die manche als virtuell bezeichnen, deren Rückwirkung in die Realität allerdings einem Erdbeben gleich kommt. Infantil erprobt hier Autoritäres sich in Spielereien, die denen von Kindern nicht nur der Form nach gleich sehen. Analer Sadismus versucht im Stande der scheinbaren Freiheit - der Überwachung durch elterliche Fürsorge entkommen, der des sozialen Umfelds durch Anonymität entraten - seinen Platz an der Sonne sich zu erhalten.

Was jene nur spielen, vollziehen andere, und das Spiel, die Parodie vermag die Spieler über die Ernsthaftigkeit der Welt abseits ihres jeu de paume zu täuschen - wo es vermeint, das Wesen durch Exaltierung zu verraten, bemerkt es nicht, dass seine Travestie noch Teil desselben ist: Selbstreferentialität als zirkuläre Redundanz komödiantischer Bearbeitung der autopoietisch fortschreitenden Deprivation. Nicht jedoch entbehrt ihnen ein Bewusstsein darüber, nur aus diesem heraus schöpft sich der fanatische Überschlag, den das Spiel entfaltet, wenn es dem Ernst gerade dadurch nahekommt. Der Karneval, ekelerregendste konformistische Rebellion deutscher Niemalsrevolutionäre, trägt solche ihrer selbst nicht bewusste, gerade weil auf ihren Wert als bewusste pochende Infantilität weitaus wirkungsvoller in die Öffentlichkeit, als jene kläglichen Versuche, mit der Realität in der Maske der Satire zu spielen und so den unbequemen Verhältnissen ein weiteres Male den bequemsten Weg zu weisen: Die Setzung der Verhältnisse als instrumentelle, das Auflösen von Betroffenheit in Belustigung, die Ereignisse nur noch einzusortieren vermag in der propagandistischen Verwertbarkeit entsprechende Kategorien.

Zu raten wäre jenseits der Verweigerung im Bewusstsein ihrer Unmöglichkeit, an derartigen Kampagnen keinen Blick zu verschwenden und getrost das anvisierte Opfer in die Solidarität - Adynaton des Verwertungsprinzips - einzuschließen, wenngleich scheinhaft, so doch als negative möglich, als Verweigerung der Denunziation.

20.2.07 14:24


Radio Ramallah und die Apartheid


Die vom palästinensischen, rassistischen Terror erzwungene "Apartheidmauer" mussten die ausgegrenzten Juden auch noch auf eigene Kosten errichten...

Der Südafrikaner Andrew Bolton will laut Haaretz in Anlehnung an das südafrikanische "702 Talk Radio" einen Radiosender in Ramallah eröffnen.

The station, 93.6 RAM FM, aims to provide a platform for "peaceful dialogue" and is based on the popular South African radio station, 702 Talk Radio, which the station's founders believe played a key role in the transition from the country's apartheid regime to democracy.

Weil der Sender "unpolitisch" ist, wird auch nicht erwähnt, welche Seite man als analog zum Apartheidregime betrachtet. Etwa tatsächlich die palästinensische, die Israelis zwingt, hinter selbstbezahlten Mauern abgeschottet und unter ständiger Angst um Leib und Leben sich zu bewegen, nur weil sie "Juden" sind? Die jeden Kollaborateur mit Israel zum Tode verurteilt? Die Terror gegen die eigene Bevölkerung ausübt, sofern sie noch nicht vollständig den rassistischen Doktrinen der religiösen Führer unterworfen ist? Nun, liest man weiter, verflüchtigt sich jede Sorge um eine korrekte Darstellung der Ereignisse:

We're committed to telling both sides of the story," Andrew Bolton, the station's news editor said. "We are apolitical and will not toe any political line, other than peace." Bolton said the news program would therefore not include either terms like "martyr" or "terrorist," both of which he called "loaded."

Wenn man in Europa beide Seiten der Geschichte erzählt, ist eines sicher: die israelische kommt nur vor, wenn sie antizionistisch ist und die kommunistische Partei Israels vertritt. Es bleibt abzuwarten, inwieweit das Konzept Boltons ein gelungenes wird, ob es den Mut hat, der palästinensischen Bevökerung jene narzisstischen Kränkungen zuzumuten, die notwendig sind, um sie vom Antisemitismus zu heilen.

Die Wahl der Senderlocation Ramallah lässt kaum auf solches schließen, zwar findet man hier eine jugendliche Diskoszene, aber ein allzu kritischer Sender dürfte schnell Opfer von paramilitärischen Anschlägen werden. Wenn Bolton den palästinensischen Terrorismus der palästinensischen Bevölkerung gegenüber nicht als solchen benennen will, stellt dies schon eine Konzession an ihn dar, und er lässt offen, inwieweit man die antisemitische Gewalt benennen will: etwa als Widerstand, wie in Deutschland üblich?

Sicher ist, dass keine israelische Leidensgeschichte einen palästinensischen Antisemiten zur Vernunft bringen wird. In das abgedichtete Weltbild fügt solches jüdische Leiden sich perfekt ein, es entsteht allenfalls ein sekundärer Antisemitismus, der vom Leid der Juden auf ihren Rachedurst schließt und so schon den nächsten "Gegenschlag" vorbereitet. Wie in jedem zirkulären System werden Widersprüche als "Ausnahmen" ignoriert, Selbstreflexion bleibt außen vor. Weil man dies aber den Palästinensern wegen ihrer Subalternität nachsieht, wird Selbstkritik umso heftiger von Israelis erwartet werden. Und jüdische Selbstkritik war dem Antisemiten schon immer eher in Erinnerung geblieben, als Kritik am Antisemitismus.


Die palästinensische Bevölkerung geht durch Checkpoints zur Arbeit im Gefängnis Israel. Umgekehrt ist dies kaum möglich, ein Jude würde jenseits der Mauer in akuter Lebensgefahr durch rassistische Übergriffe schweben.
 
Nachtrag: Der Vergleich zwischen Apartheid-Rassismus und dem palästinensischen Antisemitismus hinkt noch gewaltig, denn letzterer strebt nicht bloß eine Unterwerfung und Segregation an, sondern die totale Vernichtung. Der Apartheid-Vorwurf an Israel wird aus Südafrika prominent von Desmond Tutu erhoben .
21.2.07 14:26


Psychoanalyse der Käsewerbung

Gibt man bei Google die Begriffe "Psychoanalyse" und "Käse" ein, erscheint an zweiter Stelle eines jener für den psychotischen Bauchlinken typischen großmannssüchtigen Pamphlete, eine "ironische Verfassungsklage" gegen die Psychologie. Nebst anderem wirren Kram heißt es:

Die Psychoanalyse (Sigmund Freud) ist neben Das Kapital (Karl Marx) und Der Hexenhammer (Spenger / Institoris) das schlimmste Übel, das je über die Menschheit gebracht wurde. Die Fachleute der Indoktrination sind Psychologen. Sucht nach den "Fachleuten der Gehirnwäsche", aber sucht sie nicht in den Religionen, dann kennt ihr die Selbstmordattentäter von New York, Madrid und London!

Allein, um solche Beiträge in den Google-Rankings ein bisschen nach hinten zu drängen, lohnt es sich, das Phänomen Käse einmal genauer zu betrachten.

Lévi-Strauss berichtet, dass nach der Landung der Alliierten in der Normandie im Jahre 1944 amerikanische Soldaten (die die Kategorie des Verfaulten offenbar enger faßten als die Franzosen) zuweilen Käsefabriken zerstörten aufgrund des "Leichengeruches", den diese, wie sie sagten, ausströmten.

Verfaultes zu essen ist mithin verpönt, und das Faszinosum Käse damit gegründet. Als Kind lauscht man noch erfürchtig den Geschichten von Wüstennomaden, die eine Ampore mit Milch vergraben und ein Jahr später als Käse ernten. Der Ekel, der aus dem Wissen um einen Verfallsprozess entsteht, wird im Lauf der Zeit umgewandelt in eine Vorliebe, die obsessive Ausmaße nehmen kann. Vorerst aber noch ein kleiner Schwenk zu einem scheinbar völlig anderen Phänomen:

Viele Afrikaner hielten und halten die Europäer für Vampire, die unschuldigen Afrikanern das Blut aussaugen, und ihr Fleisch essen.

Im Kongo hatte eine ahnungslose europäische Firma vor kurzem Büchsenfleisch in Dosen angeboten, auf denen gutgenährte strahlende afrikanische Babys abgebildet waren. Diese Produkt war kein Verkaufsschlager!

Eine ganz ähnliche Reaktion erfolgte, nachdem in Nordrhodesien billiges Dosenfleisch mit der Aufschrift "For African Consumption" auf den Markt gekommen war. [...] Die in Nordrhodesien und Njassaland lebenden Afrikaner befürchteten, daß mit der geplanten Föderation das in Südrhodesien bereits bestehende Muster einer Herrschaft der Weißen auch auf ihr Territorium ausgedehnt und daß insbesondere das in ihrem Eigentum befindliche Land von weißen Siedlern in Beschlag genommen werden könnte. In dieser Atmosphäre verbreiteten sich bald Gerüchte, die Büchsen mit der Aufschrift "For African Consumption" enthielten Menschenfleisch, das eigens zu dem Zweck zubereitet worden sei, um den afrikanischen Widerstand gegenüber der unpopulären Politik einer Föderation zu brechen. Ein europäischer "District Commissioner" verzehrte öffentlich dieses Fleisch, um so die Befürchtung zu zerstreuen und zu demonstrieren, daß es harmlos war. Paradoxerweise hatte dieses Schauspiel jedoch den Effekt, die Überzeugung der Afrikaner, die Europäer seien Kannibalen, eher zu bestätigen als zu widerlegen.
(Lewis, Ioan M. 1989. Schamanen, Hexer, Kannibalen. Die Realität des Religiösen. S. 94)

Vor dem Hintergrund des unbewussten Wissens dieser Afrikaner um psychologische Wirkungsmechanismen von Werbung und nach der Filmlektüre von "Hannibal the Cannibal" erscheint auf einmal ein harmloses Supermarktregal in völlig anderem Licht:

Mag der notorische Cunctator noch zweifeln, ob die These, hier würden kannibalistische Regungen im Käufer angesprochen, nicht allzu steil ist, so wird er durch eine genauere Analyse des Badejungen rasch eines Besseren überzeugt: Der "Rügener Badejunge", mehr einer Berufsbezeichnung ähnlich denn Markenname, mit Ring und Schiff im Porträt vermag den Kunden noch darüber zu täuschen, dass der verschimmelte Käse eigentlich ganz jung und knackig ist. Möglich aber auch, dass durch den kannibalistischen Verzehr des Rügener Badejungen dessen Qualitäten (Jugend und Unschuld) sich auf den Konsument übertragen sollten. Es ist ein bekanntes Stereotyp barbarischer Kultur, dass durch den Verzehr des Herzen oder des Hirnes eines Feindes wie auch des Tieres dessen Eigenschaften auf ihn übergehen sollen: Mimesis durch Aufessen, wahlweise auch durch den sexuellen Akt.

Mehr davon erzählt die Rotkäppchen Werbung, die ob des großen Bildes leider nur über den Link zu erreichen ist. Kurz anschauen und nachdenken! Was zeigt das Bild? Zunächst scheinbar eine Szene aus dem Grimm-Märchen Rotkäppchen und der böse Wolf. Der böse Wolf, ödipale Tiergestalt, frisst die schwache Großmutter um das unschuldige Rotkäppchen zu verführen. Der Jäger greift als positive Seite der ambivalenten Vaterfigur ein, und schnipp schnapp, rumpumpelt der kastrierte Wolf im Brunnen. Im Illustrationsduktus des 19. Jahrhunderts hebt das brave Rotkäppchen keck mahnend dem Wolf, der ihr halb unter den Rock schaut, den Zeigefinger entgegen.

Der Werbeclip dagegen zeigt ein erwachsenes, "gereiftes", Rotkäppchen als Verführerin. Eine Stimme haucht zum Schriftzug: "Weil ich ein Märchen bin." Märchen und Mädchen sind gleichgesetzt, und man könnte ebensogut denken, der Spruch versucht Rotkäppchens offensichtliche Heiratsfähigkeit in diesem Clip zu unterdrücken: In Wirklichkeit wird die Erotik nur stellvertretend vom legalen Objekt ausgestrahlt. Das kleine Mädchen kommt nicht vor, und ist doch gemeint. Der böse Wolf ist durch den ganzen Zauber entschuldigt, er darf Rotkäppchen fressen, schließlich wird er dazu verführt. Auf der Verpackung bleibt jedoch das Markenzeichen, das kleine Mädchen, das am alten Käse, bekanntlich ungenießbare, verfaulte Milch, schleckt oder nachdenklich den Zeigefinger an die Lippen geführt hat, um über einen sinngewaltigen Satz von Adorno nachzudenken, den es der Großmutter erzählen will.

Babybel fügt dem nur ein weiteres hinzu, hier muss man nur mit dem Nippel an der Lasche ziehn und schon entblößt sich der Babykäse, klein und jung, zum Verzehr bereitet.
Hare krishna merkt von alledem nichts und macht auf der Website merkwürdigerweise ganzseitig Werbung für Rotkäppchenkäse, mit einem kurzen Hinweis auf die gesunde vergetarische Ernährung. Zufall? Oder wird die Fleischeslust der Vegetarier in Orange hier besonders stimuliert?

Und der Sarotti-Mohr? Laut Wikipedia wurden 2004 alle Sarotti-Produkte umfangreich neugestaltet und aus Gründen der politischen Korrektheit trägt der Mohr seither kein Tablett mehr und heißt nun Sarotti-Magier der Sinne. Statt sklavisch zu dienen, hat er sich nun in parapsychologische Parallelwelten geflüchtet. Nun ist ihm das Bereiten von Sinnesfreuden bei europäischen Kannibalen ganz freiwillig in Fleisch und Blut, pardon, Kakao und Milch, übergegangen.

Wer meint, dies sei ein merkwürdiger Zufall, eine Zumutung, ein absolutes Hirngespinst der Psychoanalyse, sollte sich die Eucharistie und das Verhältnis von Sexualität und Kannibalismus in der christlichen Kultur einmal genauer ansehen und bezeichnend dazu ist folgender Text:

Da stritten sich die Juden und sagten: Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben? Jesus sagte zu ihnen: Amen, Amen, das sage ich euch. Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch. Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag. Denn mein Fleisch ist wirklich eine Speise und mein Blut ist wirklich ein Trank. Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt, der bleibt in mir, und ich bleibe in ihm.
(Johannes, 6,52)

26.2.07 11:56


Der Raucher-Shylock von der taz


Che Guevara, Arzt, rauchte um sein Asthma zu beruhigen.

Die Antideutschen und die radikalen Liberalen kämpfen derzeit an drei Fronten: Iran/Islamismus, Klimakatastrophe und das Rauchen.

Haben sie zum Antisemitismus bisweilen noch sehr überzeugende, wenngleich nicht immer wortgewaltige Argumente eingepackt, wirds zu den letzten beiden recht dünn. Da bleibt allein das Privatinteresse als dürres Gerüst der polyphonen und doch eintönigen Attacken auf notwendig misslingende staatliche Vermittlung von gegenläufigen privaten Interessen.

Als ich in "Rauchen als Verkehrung" eine polemische Absage an zwei häufige Pro-Raucher-Argumente entwarf, nämlich das der Lustfeindlichkeit und das des Privatinteresses, als tendenziös bezeichnete und zudem in die Nähe einer gewissen Ähnlichkeit zur Todesontologie des Islamismus rückte, hagelte es erbitterte Proteste. Ich würde den Antisemitismus verharmlosen. Der von mir als "Raucherdjihad" bezeichnete Akt: mittels militantem Rauchertum gegen lustfeindliche und allzusehr lebensbejahende Spießer die konformistische Revolute anzuzetteln - habe so gar nichts mit antiindividualistischem und todesverherrlichendem Revoluzzergeplapper gemein.

David Fischer-Kerli stellt diese Diskussion vom Kopf auf die Füße, und nimmt FÜR das Rauchen Partei ein in seinem taz-Artikel "Macht nur so weiter!" vom 27.2.2007.

Hurra, das Rauchverbot in der Gastronomie kommt doch! Und alle freuen sich und applaudieren: "Bravo, es geht doch!" Nur der einsame Raucher reibt sich verwundert die Augen: Warum wird immer vom "Schutz der Bevölkerung" gesprochen, als wollten alle dasselbe, als ginge es um eine unheimliche außerirdische Gefahr? Gehören Raucher nicht auch irgendwie zur Bevölkerung, vielleicht sogar zur Menschheit? Wenn man sie kitzelt, lachen sie dann nicht? Wenigstens ein bisschen? Übergangen zu werden ist das Los von Minderheiten.

Shakespeares Shylock ist halt immer für ein Plädoyer gut. Die Raucher sind anscheinend auf einmal eine schützenswerte "Minderheit", die, eine solche Träne muss das Selbstmitleid schon abdrücken: immer übergangen wird. Schluchz! So unappetitlich ist dieser urdeutsche Jammerjargon gerade dann am meisten, wenn er sich mit den Opfern des Antisemitismus identifiziert.

Die traurige Wahrheit: Um den Nichtraucherschutz geht es schon lange nicht mehr, es geht gegen die Raucher. Oder was hat es noch mit dem Schutz vor Passivrauchen zu tun, wenn öffentlichen und am besten auch gleich privaten Bediensteten das Rauchen in ihren eigenen Büros verboten werden soll? Es ist eine beunruhigende Vision vom "guten Leben", die hier mit Macht durchgedrückt werden soll; Genuss ist nur noch in Form von Wellness erlaubt, alles andere ist Laster.

Ausgerechnet die, denen der Schutz von Passivrauchern schon immer am Arsch vorbeigieng, römpömpeln jetzt Fachsimpeleien über angebrachte Maßnahmen zum Nichtraucherschutz in ihre allzeit bereiten Berichterstattern. Die zeitliche Konstante markiert die konservative Attitüde des Ganzen: schon lange nicht mehr, noch, Vision, nur noch, alles. Früher war alles besser, heute ist alles nur noch Kommerz, unechte Wellness, kein richtiger Spaß mehr, uneigentlich. Am Horizont dräuen derzeit nie gesehene Abgründe, der jüngste Tag ist nahe, denn es gibt ein Rauchverbot in Gaststätten.

Schon keimen Hoffnungen, ein Rauchverbot könnte auch den Alkoholkonsum senken. Vernunft ist das Gebot der Stunde, das hat unlängst auch der Spiegel erkannt: "Es könnte, wenn Vernunft die Grundlage der Politik wäre, recht einfach sein: Rauchen bringt in Deutschland jährlich rund 130.000 Rauchern den Tod, ein konsequentes Nichtrauchergesetz (sic!) würde die Zahl der Tabakopfer reduzieren." Der Verdacht drängt sich auf, dass es ausschließlich Nichtraucher sind, die solche Sätze formulieren.

Es sieht ganz danach aus, als wolle der nicht aufhörende Antiraucherkreuzzug vor allem die hierzulande so beliebte Haltung des Auf-dem-Sofa-Sitzens-und-Übelnehmens institutionalisieren. Witzig ist, dass zurzeit in den deutschen Feuilletons eine Debatte über die Toleranz geführt wird: Keine Toleranz der Intoleranz von Fundamentalisten! Gemeint sind islamische Fundamentalisten. Nicht gemeint sind Nichtraucher.

Und schon sind wir wieder beim Thema: Dass freiwillige Selbstverpflichtung ebenso scheiterte wie gutes Zureden oder öffentliche Appelle, dafür können "die Raucher" nichts. Im Gegenteil, der ANTIRAUCHERKREUZZUG hört nicht auf, und bejammert wird, dass mehr gegen die Intoleranz der Fundamentalisten unternommen würde als gegen die der Nichtraucher. Schämt euch, Nichtraucher! Intolerantes Pack! Wollt ihr etwa ewig leben?
Militante Raucher können sich eben nur als Opfer wahrnehmen, und dazu müssen auch Schranken überschritten werden, die der gute Geschmack verbietet. Islamisten=Nichtraucher! Obwohl, waren jetzt die historischen Gegner der Kreuzzüge Islamisten oder Juden? Egal, die Debatte um den Islamismus ist für solche Bordsteinphilosophen allenfalls "witzig", und das vor allem, wenn man sie in ein instrumentelles Verhältnis zu den eigenen Befindlichkeiten rückt.

Es ist ja auch so schön, anderen Leuten etwas zu verbieten, was man selber gar nicht machen will, das befreit. Auch frustrierte Politiker, die sich angesichts der Globalisierung zunehmend [sic!] handlungsunfähig [sic!] fühlen [sic!]. So ein nettes kleines Verbot kommt da immer gut. Seltsam - eigentlich soll doch immer der Markt alles regeln. Könnte man ihm dann nicht einfach auch zutrauen, Raucher in Raucherkneipen und Nichtraucher unter ihresgleichen zu lotsen? Weit gefehlt, denn immerhin geht es um ein hohes Gut: die Volksgesundheit, Dauerbrenner seit 1933 (der Zeit, zu der das Passivrauchen erfunden wurde). Unter dem "im Grundgesetz verankerten Schutz des geborenen und ungeborenen Lebens" (Deutsches Krebsforschungszentrum) macht es die Nichtraucherlobby mittlerweile kaum mehr. Da ist es auch egal, ob überhaupt Nichtraucher in der Nähe sind. Kommen dann noch die armen, unschuldigen Kinder hinzu, wird es eng. Um junge Menschen vor den schlimmen "Killerspielen" zu schützen, würde Beckstein sie am liebsten auch gleich den Erwachsenen verbieten, sicherheitshalber.

Vom Shylock zum Fundamentalismusopfer zum Opfer des Naziregimes: Der militante Raucher David Fischer-Kerli nimmt alles mit, im Doppelpack. Verschwörungstheorie mengt sich mit schaler Liberalismuskritik. Von der Globalisierung frustrierte Politiker wollen ja im Zweifelsfall nur eines: Divide et impera. Das letzte Opfer der allgewaltigen Globalisierung und letztlich der Nazis: Die Raucher. Verblüffend überzeugend kommt da der Schwenk von einer Kritik an Staatlichkeit zu der am Liberalismus: "eigentlich soll doch immer der Markt alles regeln." Was er anscheinend nicht getan hat, aber kein Grund ist, zu einer fundierten Liberalismuskritik oder einer Kritik am Staatsfetischismus zu schreiten. Auf das Sujet der Emotionen kommt es dem Propagandisten an, und das schreit hier: Die da oben-wir hier unten, diese Nazis-wir Opfer, die mächtigen Ärzte-die armen Patienten, verbieten-Freiheit. Die Aggression gegen Kinder und ihre Schutzbedürftigkeit, maßlose Verzerrung eines Neides auf Fürsorge, greift zur exaltierten Hemmungslosigkeit. [Einschub: Hier wurde ein Absatz gelöscht, der aus fehlerhafter Lektüre entstand.]

Schön für die große Koalition, dass solches Denken volksparteiübergreifend funktioniert: Die SPD-Bundesdrogenbeauftragte Bätzing lässt schon mal prüfen, ob und wie es möglich ist, Rauchen beim Autofahren zu verbieten. Klar wäre das ein Eingriff in die Privatsphäre, "aber wir müssen uns ernsthaft fragen, ob Verkehrssicherheit und Gesundheitsschutz nicht höher zu bewerten sind". Die Privatsphäre ist heutzutage sowieso nicht mehr allzu viel wert, wie die Herren Schäuble und Schily gerne bestätigen können. Und ist privates Kiffen vielleicht erlaubt? Eben! Natürlich spielt Bätzing auch noch den letzten Joker aus: Wie verantwortungslos handelt jemand, der mit Kindern im Auto sitzt und raucht! Noch ist Bätzing ihrer Zeit voraus, aber ihre Argumente haben schon etwas für sich. Tja, die Kinder.

Das Argument gegen Rauchen im Straßenverkehr ist dasselbe wie das, welches zum Mobiltelefoniereverbot im Auto führte, und es ist ein ebenso sinniges, wie die Pflicht zur Hupe oder das Verbot von anderen Drogen am Steuer. Wie oft fällt die Zigarette mal in den Schoß, schmort sich bis zum Gesäß oder schlimmer durch, wenn man nicht umgehend und reflexhaft nach unten blickt, um die Lage und Brandgefahr zu beurteilen. Brände, insbesondere nach Unfällen, wegen weggeschnippster Zigarettenstummel mögen kein finales Argument sein, aber eine beurteilenswerte, reale Gefahr. Wer länger im Auto raucht, weiß, dass man erst lernen muss, wie man die Kippe aus dem Fenster wirft, dass sie nicht postwendend wieder hereinweht, Glut- und Aschestückchen im Sichtfeld versprühend. Ganz zu schweigen vom gesenkten Sauerstoffgehalt im Blut und der so potenzierten Gefahr des Sekundenschlafs in Extremsituationen. Es geht dabei nicht um "Volksgesundheit", sondern um den Schutz von Individuen, deren Privatinteresse man gerade nicht dem Privatinteresse anderer opfern möchte. Und um den Schutz von Individuen vor sich selbst, im Falle des Rauchens kritisierenswert, aber prinzipiell eine Errungenschaft der bürgerlichen Gesellschaft, die Psychiatrien errichtet, um Selbstmörder zu heilen. In keinster Weise wurde Rasse oder Volksgesundheit angesprochen. Dass ausgesprochen wird, was ein Skandal ist, dass nämlich kleine Kinder sehr häufig neben kettenrauchenden Eltern im Auto sitzen müssen, bleibt dem militanten Raucher vor allem aus einem Grund unerträgliche Provokation: Weil es daran erinnert, wie irrational und schädlich sein vermeintlich aus freiem Willen gewähltes Laster ist. Es geht nicht darum, WO er rauchen darf. Sondern WARUM er es an bestimmten Orten bald nicht mehr darf. Dass ihn jemand an seine Gesundheit und seine Abhängigkeit erinnert, empfindet er als inquisitorischen Naziterror.

Ausgerechnet ein militanter Raucher beschwert sich nun darüber, dass dies alles Lobbypolitik sei, und die Tabakkonsumenten keine solche hätten:

Schade, dass die Autolobby so stark ist, sonst müsste man das Autofahren auch gleich verbieten. Wenn nur Vernunft die Grundlage der Politik wäre! Schließlich werden jedes Jahr ganz viele Kinder totgefahren und andere Leute auch. Dabei lauern die schlimmsten Gefahren für Leib und Leben draußen, jenseits der Haustür! Rausgehen ist insgesamt ungesund, gerade für Kinder. Also: Vernunft zur Grundlage der Politik machen und das Verlassen der Wohnung verbieten. Und weil es drinnen auch nicht ganz ungefährlich ist, sollte man die schutzbedürftige Bevölkerung am besten auf ihren Betten festschnallen und mit schadstoffarmen Breichen füttern.

Die Maßlosigkeit ist Symptom des autoritären Charakters. Dass es kein Autoverbot gebe, das liege nur an der starken Lobby. Der eklatante Rückgang an tödlichen Unfällen im Straßenverkehr ist fortgeschrittener Technik und verkehrsrechtlichen wie verkehrspolitischen Maßnahmen geschuldet, was aber beflissentlich übergangen werden kann, denn ähnlich engagierte Maßnahmen sieht man bei der "Tabaklobby" vergeblich.

Die Bevölkerung, aus der die Forderung nach einem Rauchverbot in öffentlichen Räumen ungleich stärker kommt als aus der sehr zaghaften Regierung, wird als Opfer hingestellt, schon im Zwangsjäckchen gewähnt, die Apokalypse ante portas, wo doch nur eine völlig legitime Umsetzung eines völlig legitimen mehrheitlichen Wunsches stattfindet, wie in anderen demokratischen Staaten bereits geschehen, ohne dass daraus Faschismus und Erwachsenenverbot entstanden sind. Dass in Deutschland besonders bei jeglichen emanzipatorischen Schritten, sei es das Kopftuchverbot oder ein Tempolimit, die Dialektik des Privatinteresses auf beiden Seiten der Debatte unter den Tisch fällt, und in übertriebene, totale Forderungen mündet, darf gerne erwähnt und kritisiert sein. Dass Kritik an absurden Vorschlägen wie der des generellen Tabakverbots aber sich zu einer derartigen Volte aufspielt, trägt jene pathologischen Züge, die in "Rauchen als Verkehrung" nachgezeichnet sind.

Einen Begriff der Freiheit so zu entfalten, dass sie in der Verwirklichung der Freiheit des anderen gleichermaßen liege, haben gerade militante Raucher bislang wenig in die Praxis umzusetzen vermocht. Zumeist scheitert das allein schon an der Theorie.

28.2.07 15:36





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