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Friedensnazis und Konfliktforschung

Die Friedens- und Konfliktforschung ist seit ihrer Geburt zumindest in Deutschland Tummelplatz des ekelhaftesten akademischen Antisemitismus. Hier wird Studenten von Beginn an eingetrichtert, dass die USA und Israel als Konfliktparteien dem zivilisatorischen Hexagon eben nicht genügen, sich einen Feind wie Al Quaida "erwählen" um von inneren Differenzen abzulenken, hier bezeichnet man Theorien als "Geschmackssache", die wie eine Pizza eben dem einen schmeckt oder nicht. Ob "Mein Kampf", die Ofenkartoffel solcher Friedensforscher, oder Adorno, das Sellerieschnitzel, kein Grund, normativ zu werden. Die jüdische Allgemeine nimmt nun am 23.11.2006 das "Manifest" all jener Friedensforscher, für die die "25" unter Steinbach nur repräsentativ den "Kopf hinhalten", auseinander, wie es ihm gebührt. Durch die Veröffentlichung in einer renommierten Zeitung, der Frankfurter Rundschau, wird solche Propaganda deutscher Befindlichkeiten auch noch zum Diskurs geadelt. Die Jüdische Allgemeine titelt lakonisch: "Bedingt fürsorglich" und kommt zum Schluss: "Argumentierten Studenten so schlampig wie diese Professoren, fielen sie in jeder Prüfung durch. Wenn Friedensforscher nichts besseres als dieses Manifest bieten können, sollte man die Budgets für ihre Institute lieber zum Wiederaufbau palästinensischer Olivenhaine verwenden." Ihr Wort in des Tetragrammatons Ohr!

Nicht die primitive Unbildung der Konflikt"forscher", die in krassem Kontrast zum selbstüberschätzenden akademischen Gestus steht, ist das wirklich ekelerregende, solcherlei Gebaren ist schließlich Norm an deutschen Universitäten, sondern der blanke Antisemitismus, der sich zwischen den Zeilen unverblümt als projektive Halluzination hervorkotzt:  "Kritik an israelischen Verhaltensweisen sollte, wenn überhaupt, nur äußerst verhalten geäußert werden und besser unterbleiben, solange die Existenz dieses Landes nicht gesichert ist." Als die Nazis schon halb Europa beherrschten, gaben sie sich noch als unterdrückte Opfer und Vorkämpfer der Meinungsfreiheit. Und wackeren Mutes treten deren Erben in den restlichen Zeilen gegen diesen Popanz an, machen ein solches Dogma, so fiktiv es ist, wünschenswert, denn dann bliebe man fortan verschont von solcherlei durchschaubarstem sekundären Antisemitismus, dessen Credo lautet: Wegen dem Holocaust für Palästina (und selbstverständlich gegen Israel und Antisemitismus).

Über auffällig unfriedliche Friedensforscher wurde auf diesem Blog veröffentlicht:

Friedens- und Konfliktnazis als Kriegsgewinnler

Mit Friedensforschung zum intellektuellen Paläolithikum  

 

2.12.06 15:03


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School-Shooters und Ego-Shooters

Michael Moore macht sich die Sache bekanntlich einfach: Weil man in einem Warenhaus Waffen kaufen kann, passierte Columbine. Betrachtet man die Videos und Tagebucheinträge der Columbine Shooters fällt sofort ins Auge, dass sicherlich nicht Beschaffungsprobleme die zwei Täter plagten, sondern ein höchst altbekannter Wahn. "Natural selection" hatte einer der Täter auf sein T-Shirt geschrieben, ihre Opfer waren für sie Untermenschen, die zur Ausrottung ausersehen seien. Nur folgerichtig war das Ende des Massakers der Selbstmord der Täter.
 
Auch in Ensdetten fällt auf, dass dieser Mensch einen ausgeprägten Sinn für klassisches politisches Engagement hatte: Er wetterte gegen Konsumgesellschaft, Medien und "Fascholizei". Dass alle School-Shooters männlich waren und ferner samt und sonders in der Hochphase der Adoleszenz stehen, lenkt das Augenmerk der Psychoanalyse ohnehin auf den Narzissmus, die klassische Begleiterscheinung der Adoleszenz. Alles was zum Selbsthass taugt wird abgelenkt, nicht der Shooter selbst hasst sich, sondern die Gesellschaft ihn und er selbst die Gesellschaft. Alle Täter vermerkten, sie seien "wie Gott".
 
Eine kompetentere Analyse sei Professionellen überlassen, interessant sind hier die Ablenkungsmechanismen der Gesellschaft. Die Ideologie wird komplett ausgeblendet, man will nicht wissen, wo diese Vermenschlichung Gottes sich wiederfindet, in welchen Bahnen sich der Hass auf ein System bewegt, der von linksalternativer wie rechtsradikaler Seite in immergleichen Formen geschürt und perpetuiert wird. Nicht zuletzt bleiben psychoanalytische Versuche völlig außen vor, man wagt sich in Determinismus wo ein Ereignis überdeterminiert ist. Nur Andeutungsweise wurde konsequent vom "Privatislamismus" der Shooter geredet.
Bis in die Jungle World reicht das überdrüssige Die-armen-perspektivlosen-Täter, bei dem nichts anderes geschieht, als insgeheime Sympathie zu hegen: für das "radikale Aufbegehren" und gegen die Zumutungen eines angeblich unmenschlichen Schulsystems. Ob die Schüler und Eltern überhaupt noch den Schulen zuzumuten sind, steht dabei nicht zur Debatte, denn das hieße mehr Privatiniative statt staatlicher Erziehung zu fordern.
Neben der Ideologie, die in der Regel verschwiegen wird, kommt ein weiteres gemeinsames Merkmal zum tragen, das um so heißer debattiert wird: Ego-Shooter.
 
Durchaus nicht hören will man nämlich in alternativen Kreisen, dass PC-Spiele eine Mitschuld trügen. Sicherlich sind diese kaum allein ursächlich. Wer aber einmal Quake 3 im Arena-Modus versuchte, wird angesichts der um einen herumhüpfenden Augäpfel und Gliedmaßen kaum von "normalem Spieltrieb" und "Förderung der Kombinatorik" reden können. In "Grand Theft Auto III" tritt nach einem Auftragsüberfall die Spielfigur automatisch nochmal dem Opfer ins Gesicht, um zu zeigen, wie das richtig geht. Das Problem bei denen, die das von allen Tätern gespielte Counterstrike als Grund anführen, ist, dass Counterstrike vergleichsweise harmlos und verblüffend öde ist. Allerdings macht es wie zahlreiche andere PC-Spiele süchtig. Counterstrike-Süchtige spielen sich selbst über körperliche Auslaugungsgrenzen in einen Trancezustand, entziehen sich über Wochen Sonnenlicht, und unternehmen alles, was auch immer psychotische Schübe begünstigt. Wer auch nur ein begrenzt harmloses Spiel wie Civilization 3 oder Siedler 2 oder Diablo 2 oder Gothic 2 über 9 und mehr Stunden täglich spielte (was durchaus normal und sogar als "garantiert suchterzeugend" Werbeaufhänger ist), weiß, wie schwer es ist, seine Träume und den Halbwachzustand vom Spielgeschehen frei zu machen.
 
Wenn man bei gewissen Drogen wie Haschisch ein Verbot aufrichtet, weil ein gar nicht so geringer Prozentsatz zu psychotischem Verhalten bei Dauerkonsum neigt, müsste man nur konsequent sein bei derart überzeichneten PC-Spielen wie Quake 3. Zu betrauern wäre der Verlust auch weniger blutiger Spiele kaum, der Markt würde alsbald mit interessanten, neuen Spielideen gefüttert werden, die sicherlich nicht auf Barbie-Niveau stattfinden.
 
Kern allen Spielverhaltens ist Konkurrenz. Entweder innerhalb einer Gruppe um die professionellsten Zock-Skills oder innerhalb der Mensch-Maschine Dyade der Wettbewerb mit der KI.
Konkurrenz, der man im Schulalltag nur zu häufig unterliegt, da hier reale Fähigkeiten gelten, und die man im Spiel suggeriert bekommt. Nur zu häufig kann man primitive Handicaps und Zufallsmechanismen mit laden-speichern überlisten oder sich Lösungswege aus Online-Foren holen, und sich so vortäuschen, man habe eine künstliche Intelligenz in einem freien Konkurrenzkampf übertroffen.
 
Unterliegt das narzisstisch gestörte Individuum im Konkurrenzkampf, im Falle Ensdetten im Kampf um die Liebe eines Mädchens, wird zu unlauteren Mitteln gegriffen, es cheatet sich Waffen, greift zum God-Mode und hält sich selbst für unschlagbar...Nicht so sehr die Außenwelt ist anscheinend psychisches Ziel der Attacke, als vielmehr der Krieg gegen Regungen im Inneren, die nach außen projiziert werden. Diese Projektion muss fehlschlagen, das Ziel ist immer schon die Selbstvernichtung.
Alle Opfer konnten noch sehr deutlich zwischen wenigen beliebteren Personen, die sie verschonten und anderen, denen sie zuerst Gewalt zufügten oder die sie auf Todeslisten setzten, unterscheiden. Sie sind nicht unzurechnungsfähig wie Amokläufer, sondern handeln kalt, mit Berechnung, Plan, Strategie, wie eben in einem PC-Spiel. Die Aufmerksamkeit in der Presse, teils zwangsläufiger, teils unappetitlicher und begrenzt vermeidbarer Nebeneffekt entspricht den Erwartungen der Mörder. Wenn von den Nachrichten Schüler vor die Kamera gezerrt werden, um ihre Angst zu bekunden, ist das Wasser auf die Mühlen der machtbesessenen School-Shooters. Auch verstanden zu werden von Sozialpädagogen gehört zum notwendigen Inventar, sehnen sie sich doch nach dem totalen Verständnis, das sie selbst für sich empfinden. Die einzige Form des Umgangs kann daher Kritik sein, die jedes Verständnis, jedes allzu objektivierendes Rationalisieren auch nur im leisesten Anklang vermeidet.
Auch bei dieser Betrachtung stellt sich wieder die Frage, warum die eine Person sich von Quake 3 angewidert abwendet und eine andere es aber begeistert zu spielen vermag und mitunter dann seine Alltagsängste in das Spiel und seine Spielphantasien in den Alltag trägt.
Ende des Fragments...


Bild aus "Quake 3", Mund eines Aliens oder das psychoanalytische Symbol der "Vagina denticaudata"...

Nachtrag:

Der Unterschied zwischen Horrorfilm und Spiel ist, dass ersterer etwa zwei Stunden dauert und nicht in ihn eingegriffen werden kann, die Geschichte ist vorgegeben. Am Ende ist der Zuschauer nicht Sieger sondern noch Zuschauer.

Bei der Fokussierung auf Ego-Shooter wird häufig das Attribut "amerikanisch" angehängt. Was für ein Schwachsinn. Die Spiele werden weltweit gespielt und im gleichen Stil in Japan, Schottland und Deutschland entwickelt.

Die Diskussion um kathartische Effekte von Gewaltspielen lösen sich meines Erachtens auf, wenn man ein psychoanalytisches Ambivalenz-Konzept hat. Das gleiche Symptom kann unterschiedliche Ursachen und Folgen hervorbringen und umgekehrt. D.h. die Aussage, dass Gewaltspiele bei 95 % der Spieler aggressionsmindernde Effekte hat rechtfertigt nicht die restlichen 5% in denen Spieler ebensogut und aus verschiedensten Gründen negativ reagieren und agieren. Ein Verbot würde selbstverständlich relativ wenig nützen, die Debatte darum wird aber von liberaler Seite teilweise etwas verharmlosend geführt.

Auch ich spielte noch Quake 2 und Doom 2, ebenso das gute uralte Heretic, Blood, Duke Nukem 3D, etc. und ich hoffe ohne dauerhaften Schaden genommen zu haben Dies nur zum Hintergrund. Meistens gab es aber auch nichts anderes, Sim City, Siedler, Civilization, damit hatte es sich schon. Gespielt wurde meist wegen der Grafik und der Engine. Und die ließen sich auch in anderen Spielkonzepten unterbringen.

Gewalt in PC-Spielen generell abzulehnen ist meines Erachtens Unfug. Wichtig ist, ob sie "rational" eingesetzt wird, ob das Spiel einem besonders grausame Handlungen vorsetzt, ob "böse" zu sein belohnt wird, ob die Schaulust an Gewaltszenen durch "realistische" Ausmalung von Todes- und Verstümmelungsszenen befriedigt werden soll.

 

 

2.12.06 15:38


Steinigungswut in Iran

In Iran ist neben zahlreichen weiteren Frauen nun Zara Ebrahimi durch die Anklage auf Mitspielen in einem Erotikclip (Förderung der Prostitution) mit Steinigung bedroht. Laut einem ausführlichen Interview von 20minuten.ch finden Steinigungen mittlerweile nachts und im Geheimen statt. Anscheinend war die Wirkung auf eine noch nicht komplett verrohte Öffentlichkeit dem Regime unzuträglich. Die Mindeststrafe für das ihr vorgeworfene Delikt sind 100 Peitschenhiebe. Laut Heinrich-Böll-Stiftung hat das Regime sogar den Schwarzmarkt für Erotikfilme monopolisiert, um vom Geschäft zu profitieren. Die allgemeine Zensur diene eher dazu, politische Indoktrinierung zu verhindern, als dass sie sich wirklich gegen nackte Haut richtet. Die Steinigungen wären demnach vor allem ein Akt der Aufrechterhaltung des keuschen Rufs.

2003 war das iranische Parlament sogar einmal soweit, die baldige Abschaffung der Steinigung anzukündigen. Seither ist nichts entsprechendes geschehen und Ahmadinedschad wird der letzte sein, der Solches in die Wege leitet. Solange auf eine irgendwie organisierte Opposition in Iran weiter gewartet werden muss, und die UN irgendwie alles bei 71 zu 54 (Nein) zu 55 (Enthaltungen) nicht so ganz toll findet, bleibt allein für eine sofortige Intervention einzutreten um diese sadistischen, perversen Mullahs endlich zum Teufel zu jagen.

Mina Ahadi

Dissidenz.de

Ein Hoch auf die Emanzipation!

IFGM

3.12.06 12:50


Belgistine

6.12.06 11:52


Emanzipatorischer Sadomasochismus?

Ein Kleinod des postmodernen Feminismus fand ich auf einem Bücherflohmarkt: „Ansichten der Prostitution“ von Alice Frohnert, Frankfurt 1991, R.G. Fischer-Verlag, 195 Seiten.
Der Hass auf die angepassten „Schlampen“ sitzt tief in den Feministinnen, wie in "normalen" Frauen. Liza Li will sie „erschießen“, andere bezeichnen sie als aufgedonnerte, hörige „Schicksen“, Frohnert als „Verräter und Verbrecher an uns selbst“ (9).
Markant ist der offene und widersprüchliche Sado-Masochismus, mit dem Frohnert ihr „Objekt Frau“ behandelt und degradiert. Sie hasst mit dem Hass auf Männer, die Frauen das antun, Frauen für alles, was sie in der „Männerwelt“ darstellen: „Busenklingel, Mammon, große, exquisite Limousinen, Pin-Up-Girls“ (17). Primitiver Antikapitalismus mengt sich mit banalster Patriarchatskritik: „Die Frau stellt in allerlei Hinsicht einen flexiblen, plastischen Baustein des Kommerzes dar und ermöglicht das zielgerichtete Fließen der Wunschträume und somit mehr oder weniger das Fließen des Geldstromes“ (16). Ein wenig jesuitisch geht es zu in solcherlei Objektphantasien: „Der Körper der Frau wird geopfert, um die patriarchalische Gesellschaftsordnung zu konsolidieren“ (17).
An Poesie hat sie auszusetzen:
„Diese verstiegenen und überspannten Imaginationen des Frauenbildes entspringen dem suchenden männlichen Geist [Ahasver lässt grüßen, d.A.], seinen mentalen Vorstellungen und ästhetischen Utopien von einer Frau, die adäquat ist, den Funktionen seiner Wunscherfüllung gerecht zu werden. Es handelt sich hierbei um ein psychotechnisches Programm, das reaktionär und kriminell ist. Den Mensch wird fiktiv eine Deterritorialisierung, eine Dekodierung seines ihn umgebenden Ambiente insinuiert, wodurch er umso günstiger und leichter, ohne großen Aufwand von Polizeiapparaten und Bürokratismus, aber doch ‚gewaltsam’ territorialisiert wird. Sie erschließt neue Möglichkeiten des Lebens, simultan aber wird sie benutzt, um eine Kontestation seiner selbst, eine eventuelle Liberation zu prävenieren. Ihr verschiedenartiges Funktionieren maschinisiert die Frau in ihren somatischen Partialitäten und läßt sie stets dienlich sein. Es kann je nach Notwendigkeit von ihr profitiert werden“ (19)
 
Man fragt sich, auf welcher der beiden Seiten, auf dem totalen Objekt oder auf dem totalen Subjekt, Frohnerts sadomasochistische Identifikation mehr greift, sicher ist, dass vor allem sie selbst von diesem „Wunschbild“ profitiert. Der Leidensgewinn als Objekt ist enorm, gestattet er es doch, „die Frau“ von ihrer eigenen wie von der Restgeschichte freizusprechen, und ebenso groß ist der insgeheime und verleugnete Drang, sich mit diesem ominösen, allmächtigen männlichen Subjekt zu identifizieren, die Phantasie auszuschmücken bis ins letzte Detail und keine Übertreibung zu scheuen, den Folterer an der Folterbank der Geschichte darzustellen, natürlich ganz objektiv um ihn zu verdammen.
So zieht es sich durch das Buch fort: Im gegenwärtigen Status quo ist die Frau ein minderwertiges, verächtliches, geknechtetes Wesen, das den Namen Mensch nicht verdient. Dem (Selbst-) Mitleid kommt das Naserümpfen gleich. Das Subjekt hinter all dem: Der böse, durch "die Macht" verklemmte, lustgetriebene Mann, der die Frau seinen Wünschen total unterwerfen kann, weil ihm ebendieses System zu Diensten ist, dass es ihm erlaubt, die Frau zu „säßieren“ und zu „illudieren“ (15).
 
Als Nebenfeind, wie überraschend, kommt die Monogamie ins Spiel, die das freie Wirken der Lüste einschränke und so herrschaftstauglich werde: „Die Monogamisierung stellt ein herrschaftsstabilisierendes Moment dar. Sie mündet in der Institution der Ehe, die sowohl den Mann als auch die Frau betrügt und sie gefangen hält. Die Frau und der Mann werden daran gehindert, als freie Menschen ihr Dasein auszuleben und ihre reellen Wünsche, ihre Vorhaben zu erkennen, geschweige denn sie zu realisieren. Das gesellschaftliche Leben wird zu einem Gefängnis, das die Frau in einem weit größerem Maße betrifft als den Mann. […] Es wird über sie disponiert wie über tote Materie, sie wird bezwungen, getrimmt und abgerichtet wie ein Tier.(60)
 
Das erste, was feministische Bewegungen in islamischen Ländern fordern, ist die Abschaffung der Polygamie und die Durchsetzung der Monogamie. Monogamie ist zunächst keine notwendige Konstante von Unterdrückung und umgekehrt. Die christliche und islamische Frauenfeindlichkeit, wie sie im Zölibat und anderen Institutionen zum Ausdruck kommt, und wie sie auf Monogamie wie auf Polygamie gleichermaßen sich auswirkt, wäre konkret zu benennen, wenn die Analyse mehr als ein bloßes Feindbild bleiben soll.
Und weil es ansonsten nicht ohne das böse Geld geht, kommt es hier als Subjekt ins Spiel:
 
„Das Mana, der Fetisch, die sie [die Frau, d.A.] berücken und auf die sie gerichtet sein soll, kommen aus der Sphäre des männlichen Aktionsradius. Es ist der Mammon und seine Magie. Sie erfährt eine Introjektion, die Ehe stellt für sie ein Refugium, eine Geborgenheit dar, ihre materielle und moralische Sicherheit. Die Verehelichung steht als Synonym für Sekurität gegen irgendeine drohende Gefahr. Sie ist ein endgültiger Platz, die Annahme eines gesellschaftlichen Ranges, um nicht ahasverisch in Panik zu geraten.“ (60)
 
Allein Polygamie sei ein Ausweg, das freie Ficken unter freiem Himmel: „Liebe bedeutet ätherische Freiheit, kann nicht institutionalisiert werden, kennt keine Regeln, keine Gesetze.“(71) Ein solches christliches Liebesverständnis, das Liebe von seiner Grundbedingung, der Gegenliebe, abtrennt, und auf einen „ätherischen“ Begriff theologisiert, geht bei Frohnert einher mit einer Hinwendung zum rein Körperlichen, dem Orgasmus als biologischer Funktion und nicht einzuengendem Bedürfnis, wie es im Christentum einhergeht mit Frauenfeindlichkeit, die das reine, ätherische Bruderliebeideal aufrechterhalten muss.
 
Interessant ist, dass Frohnert trotz ihrer eklatanten Frauenfeindlichkeit zu einem relativ differenzierten Begriff der Prostitution schreitet. Doppelmoral ist dabei allerdings allein eine des Mannes, einen dialektischer Begriff von Prostitution sucht man vergebens. Der Mann (i.e. der Freier, was bei Frohnert eins ist) sehe die Prostituierte als hygienischen Makel der Gesellschaft an, auf den er doch im privaten nicht verzichten kann und will. Der Mann ist alleiniger Agent der Prostitution, die vom Mammon errichtete Gewalt der Ehe „amputiert“ seine Bedürfnisse. Und bei Frohnert weiß man nie, ob sie gerade anprangernd ihr Bild von der Realität wiedergibt oder selbst schon diese vertritt: „ Die ontologischen Ansprüche des Seienden nehmen eine konkrete Gestalt an, je nach den materiellen, sozialen, rechtlichen Lebensmöglichkeiten, die sich ihnen eröffnen. Wie sich der Körper einer Frau anderen Körpern gegenüber erlebt, ist für seine existentielle Situation von einer maßgebenden Importanz. Das prinzipielle Konstrukt des Existierenden ist von Werten charakterisiert, welche Muskelkraft, das Werkzeug, den Phallus glorifizieren und sie im Sein transzendieren. Die Frau ist in diese gegebene Globalität von Werten inkludiert.“ (46)
Ontologisierend ist vor allem Frohnerts Bestimmung von Bedürfnissen, "echter" Liebe und Freiheit, die von je an Sein sollen und daher zur Utopie erhoben werden.
 
Alles in allem ist Frohnerts Buch bisweilen interessant, intelligent und stellenweise durchaus sympathisch und empfehlenswert, aber doch meistenteils intellektuös geschrieben. Psychoanalytische Versuche wirken sich im Abgang angenehm aus, das allzu herbe Timbre von Sozialkritik als proselytisches Fluchen gegen Boulevardmedien, Männer und den Mammon lässt jedoch einen holzigen Geschmack sehr unangenehm stechend hervortreten. Auch nach 15-jähriger Lagerung entweichen dem Ganzen noch frische, stechende Odeurs und Aromen, die sich störend auf tiefschichtigere Spuren von Gesellschaftskritik auswirken. Ein Hautgout von Pomade und effektheischerischem sprachmuskelprotzendem Emporkömmlertum dominiert und säßiert jegliche vielversprechende, flüchtige, kritische Töne, die bereits auf der Zungenspitze verpuffen.
Ein interessantes Interview in der Jungen Freiheit:
 
 
 
"Nach zwölf Jahren hasse ich die Männer." Interview mit Alice Frohnert.

 

11.12.06 14:52


Departed – Unter Feinden

Eine kurze Analyse des neuen Scorsese unter fünf Gesichtspunkten.

Der Witz und das Lachen

„Unter Feinden“ ergibt einen doppelten Sinn. Einen offen ersichtlichen, auf den Film bezogenen. Und einen verdeckten, auf das Publikum bezogenen. Wer den Film sieht, wird schnell bemerken, dass sich letzteres aufteilt in zwei Lager. Die, die sich über jeden Mafiapatenwitz beeiern und einfach einen netten Brutalofilm gucken wollten, und die, die entsetzt von eben jener Subalternität sich schwören, nie wieder einen Film inmitten deutschen Pöbels, also „unter Feinden“ anzuschauen. Dieses Verhältnis zum Witz liegt Scorsese am Herzen und er macht es in einer der ersten Gewaltszenen deutlich: Costello ermordet eine Frau und lacht. Sein Komplize fragt ihn, warum. Er antwortet: „Ich fand’s lustig, wie sie hingefallen ist.“ Der Mitmörder antwortet: „Oh Mann, du solltest echt mal auf die Couch.“ Spätestens hier wird deutlich, was Scorsese selbst von all den billigen Mafiazoten und deren humoristischen Gehalt hält, die noch folgen. In der Szene mit der abgehackten Hand wiederholt sich dieser Witz. Der Komplize Costellos sagt ihm: "Ich fands lustig, wie du ihn gefragt hast, mit welcher Hand er onaniert."
Das „Böse“ ist nicht lustig, so sehr es sich auch bemühen mag. Dass Witz in Zusammenhang mit Gewalt noch existieren kann, dass die billigen Witze im Publikum funktionieren, ist für Scorsese eben der Skandal gerade dieses Witzes. Auch das Publikum findet es lustig, wie dieser oder jener hinfällt, je nach Witz, der dabei gerissen wird, etwa in der Szene, als Billy aus Versehen einem Schuldner drei Zähne ausschlägt. Wer mitlacht, besser, wer sich da noch überrumpeln ließ und der Katharsis-Effekt eben nicht eintrat und er danach noch über Costellos Witze lacht, ist der prinzipiellen Brutalität nach ein potentieller Mafia-Pate. Auch das Verhältnis zwischen Auftragsmord, der widerwillig als „Drecksarbeit“ hingenommen wird und dem sadistischem Foltermord, wie ihn der Mafiaboss vollzieht wird in dieser Szene zur Diskussion gestellt. Sie verhalten sich trotz des Grauens unterschiedlich. Die erste Gewalt hat einen Zweck, die zweite hat sich selbst als Zweck, es werden trotz Reichtums Drogen geschmuggelt und Leute abgemurkst, weil es dem Paten Spaß macht, der Vergleich zum Sex wird in einem der Gags geführt. Leider muss man Scorsese unterstellen, auch ein primitiveres Publikum bereitwillig zu bedienen. Er kritisiert zwar, aber verunmöglicht nicht die Identifikation über den Witz. Der Film ist von beiden Hälften des Publikums aus konsumierbar, die einen sehen einen geilen Mafiafilm, die anderen das komplizierte Geflecht und die Fragen, die daraus erwachsen.

Das Ende der Knarre

Die zentrale Frage am Anfang des Filmes ist: Wenn du am anderen Ende einer Knarre stehst, welchen Unterschied macht es dann?“ Gut und Böse zu verwischen ist immer ein Anliegen des Genres. Die hochphilosophischen Fragen, die meist auf Zen-Buddhismus und das Gute im Bösen hinauslaufen, werden von Scorsese zwar auch aufgeführt, aber als Maskerade des Bösen, zur Rechtfertigung seiner selbst entlarvt, die stets auch zu einer Rechtfertigung gegenüber des und damit im Publikum führt, das solche Fragestellung ernst nimmt. Der Mafiosi hat die Wahl, aufzuhören. Er muss nicht seinen Weg weiterbeschreiten. Collin Sullivan steht mehrfach vor der Wahl und entscheidet sich aus was für Gründen auch immer bis zum Schluss dagegen. Im Gegensatz dazu will der Undercover Billy Costigan aufhören, kann es aber nicht. Das ist der ganze Unterschied am Ende der Knarre, der für das Opfer sehr wohl Konsequenzen hat. Exemplifiziert wird dieser Unterschied in der Szene am Ende des Filmes. Billy hält Collin die Knarre an den Kopf, erschießt ihn aber nicht, wie dieser es getan hätte. Dass dieser es getan hätte, beweist er in der Szene, als er den Unbeteiligten in der Verfolgungsjagd nach dem Pornokino ersticht. Das Anliegen des Filmes ist also auch ein existentialistisches: Das Individuum hat die Wahl, warum es sich so entscheidet wird allerdings nicht ontologisch erklärt, sondern psychoanalytisch. Auch wenn die Rezeption der Psychoanalyse etwas simplifizierend daherkommt, etwa vom Alkoholismus eines Elternteils auf das Lügen geschlossen wird, sie ist doch ein zentrales Anliegen und eines der gelungensten Elemente des Filmes: Eine hochintelligente Hauptfigur, die mit Psychologie arbeitet und sich schützt. So gelingt es Billy, Costellos Misstrauen vor dem Neuen umzuwandeln in eine ödipale Furcht vor dem, der ihn ersetzen will.

Nimm dir, was du willst.

Zu Beginn scheint es noch so, als wäre im Film ein Pathos auf das amerikanische Ideal enthalten. Costellos Rede zu Beginn über „die Ithaker und die Iren“ entspannt den Mythos vom Einwanderer, der Präsident werden kann. Die irische Mafia, nicht die italienische oder die jüdische oder die schwarze, ist Thema, das jenseits eines sattsam bekannten Klischees stattfinden soll. So enthält der Film ein etwas merkwürdig, rassistisches Bild, das mitunter einer Hommage gleicht, aber eben über jeden allzu politisch korrekten Slang hinausweist. Möglicherweise will Scorsese tatsächlich mithilfe eines Klischees auf eine heilsame Kränkung einer von ihm als problematisch markierten Gruppe hinarbeiten, was zu diskutieren wäre. „Irish“ bedeutet zumindest im Englischen auch „dumm“. „Are you irish?“ heißt: Sag mal, bist du komplett bescheuert? Das „Irish“ auf Costellos T-Shirt in der Schlussszene weist eigentlich ziemlich deutlich auf jene Konnotation hin. Auffälligerweise sind die Hauptprotagonisten Billy und Collin, sowie Madeleine aber überhaupt nicht dumm, sondern samt und sonders hochintelligent, der Psychoanalyse zugewandt und (entgegen Freuds Urteil) zugänglich. Rassismus wird an einer Stelle sehr explizit thematisiert, als der etwas unangenehme Vorgesetzte Billys konstatiert: Die meisten Bullen würden zur Polizei kommen, um mal einem Schwarzen den kopf durch die Scheibe donnern zu können.

Um zum amerikanischen Pathos zurückzukehren: Ich denke, dass Scorsese eben die potentielle Entgrenzung, Grenzen und Schein des amerikanischen Ideals denunzieren will. Nach oben wollen, ist Ideal, ob bei Billy, Colin oder Costello. Wer nach oben will, ist versucht, es auf zwei Wegen zu tun: Über die Polizei oder über die Mafia. Als Beispiel dafür steht Billy: Er will nach oben, kann es aber aufgrund seiner Herkunft nicht, so sehr er sich auch bemühen mag, was dem Tellerwäschermythos die nackte Realität vor Augen hält und ihn kränkt. Jedoch auch hier bleibt das Moment der Wahl erkenntlich: Billy bezeugt gegenüber Costello, ihn ersetzen zu können, es aber nicht zu wollen. Der Weg nach oben muss nicht mit aller Gewalt geführt werden. „Unten“ kann es genauso sinnhaft sein, Madeleine bleibt im Staatsdienst, trotz all ihrer Diplome. Als Billy stirbt, hat er tatsächlich einmal versucht, sich etwas zu nehmen, was er will, und es geht genauso wie bei Costello schief. Er will unbedingt Colin verhaften, anstatt seinen Karton mit Bändern zu kopieren und an irgendwelche Journalisten und staatliche Einrichtungen zu senden oder Colins "Wendung" zu akzeptieren. Das Verbrechen muss jedoch gesühnt werden, es bleibt keine Wahl. Das Tabu schützt sich selbst.

Die Geschlechter

Frauen treten im Film ausschließlich in klar weiblichen Rollen auf. Prostituierte, Opfer, Polizeisekretärinnen oder zuhörende Psychiater. Keine Ahnung, ob Scorsese dadurch etwas kritisieren will. In „Cape Fear“ nimmt er ja die kleinbürgerliche Familie in die Kritik. Dennoch sind dort Frauen Agierende. In „Departed“ gibt es keine agierenden Frauen. Sie können gebildet, hübsch, intelligent sein, aber nicht aggressiv. Vielleicht will Scorsese damit auf männlich-ödipale Gewalt fokussieren. Homophobie wird ja durch die plumpen Witze recht selbstverständlich lächerlich gemacht als Abwehrreaktion.

Erbärmliches Ende

Die letzte Szene des Filmes bleibt mir unbegreiflich. Eine Ratte kreuzt den Blick auf die Kirchenkuppel, die von Billy des öfteren fixierte Riesenkuppel. Gut möglich, dass die Kirchendiener, unter denen Collin war, diesen missbrauchten, was Costello andeutet, und dass hier der Ursprung jener Homophobie Collins liegt. Auch das von Billy beklagte "nicht kümmern um die Mutter" könnte etwas mit jener busenförmigen, üppigen Kuppel zu tun haben. Es kann sein, dass Scorsese in dieser Kuppel den Ursprung der Ratte symbolisieren wollte. Die einfachere Interpretation würde einen lahmen Symbolismus unterstellen, der den ganzen Film zum Kitsch verkommen ließe. Die Ratte musste vergegenständlicht werden, vom Symbol zum Ding. Oder die einzige "echte" Ratte, Costello, kehrte in ihr wieder, um seine Rache zu genießen. Das wäre zu dick aufgetragen.

Alles in Allem ein Film, den man nicht unbedingt gesehen haben muss, der einem aber doch einige Denkanstöße liefert und großartig besetzt ist. Die Kamera enttäuscht etwas, es fehlt an Stimmung und genialer Bildkomposition, bei gleichzeitig auf sattsam bekannte Weise unrealistischen Spezialeffekten, mal wieder fliegen Menschen von Kugeln getroffen drei Meter durch die Luft und Autos explodieren wie eh und je. Von gewollt nüchterner Distanz der Kamera kann also kaum ausgegangen werden.

Der „Rattenmann“

Freuds "Rattenmann" erfährt von einem Vorgesetzten über die Existenz der chinesischen Rattenfolter, bei der ein Topf mit Ratten unter dem Anus des Angeklagten befestigt wird, die sodann sich durch den Weg des geringsten Widerstandes ins Freie fressen. Diese Schilderung löst bei ihm eine Reihe von neurotischen Ersatzhandlungen aus.

Da Scorsese sich wie jeder gute amerikanische Regisseur ausgiebig mit Freud beschäftigt hat, liegt nahe, dass der Rattenmann im wahrsten Sinne des Wortes für „Departed“ Pate stand. Costello umreißt seine Taktik dem Vorgesetzten Billys gegenüber am Telefon so: „Wir lassen ihn an unserem Arsch schnuppern, bis er reinkriecht.“ Die abgehackte Hand (Kastration, Verweis auf Matthäus 5.30), die Szene im Pornokino, all das macht es nötig, die zahlreichen Verweise auf Kindheit, Väter und Familie, die vor allem zu Beginn des Filmes als harmloses Sujet untergeschoben werden, unter psychoanalytischem Gesichtspunkt ernster zu nehmen. Scorsese will seine Charaktere mit ziemlicher Sicherheit analysiert wissen, sonst ergäben die mannigfachen Andeutungen zu Freud und pädophilen Priestern, zu Homophobie und zum Sexismus kaum einen Sinn.

Die gesamte Rattenjagd auf beiden Seiten wäre dann primär als homophobe Abwehr zu interpretieren, keiner will sich von der jeweils anderen Seite „ficken“ lassen, wie es bezeichnenderweise im Slang heißt, ökonomische Interessen stehen ohnehin im Hintergrund, Collin handelt aus Loyalität, Costello aus Spaß am Verbrechen und Billy riskiert sein Leben für einen Hungerlohn und einen Verdienstorden.

Collin gibt diesen (durch die Realität zum rational gewordenen) Verfolgungszwang mit der kathartischen Tötung Costellos auf, er richtet sich darauf ein, die Stelle zu übernehmen, für die er ebenfalls eine ungeliebtere Vaterimago (fahrlässig) töten ließ und die ihm als weitaus bequemere erscheint.

12.12.06 07:55


UNbelehrbar

EyeontheUN hat eine interessante Kollektion von Flugblättern und anderer Propaganda von der Antirassismuskonferenz 2001 in Durban zusammengestellt. 2009 soll wieder eine stattfinden.

Bildquelle

14.12.06 15:59


Wie geht es uns, Herr Zuckermann?


Namhafte Antisemiten auf der Holocaust-Konferenz in Teheran.

Selbst ist der Adornoschüler: Weils mit der PR für den Postzionismus in Israel nicht klappt, versucht es MZ hierzulande. Mal wieder. Die taz machts möglich, allen Ticketreitern eine Freifahrt zu gönnen, da brauchts eine peppige Überschrift, politisch korrekt als Zitat eines Juden: "Bis zum letzten Blutstropfen."

Taz: „ Unterschätzen sie nicht den Hass auf arabischer Seite?“
MZ: „Der Hass speist sich aus dem Nahostkonflikt, nicht umgekehrt. […] Wir können nicht erwarten, dass erst der Hass verschwinden muss, bevor wir Frieden machen.“

„Frieden machen“, das geht wie Sandförmchen oder Friedensforschung studieren:

MZ: „Den Krieg haben wir ausprobiert. Das einzige, was wir noch nicht ausprobiert haben, ist der Friede.“

Israel hat einen Friedensvertrag mit Ägypten, mit Jordanien ist man sich weitgehend einig und bis letzten Juni hielt sogar Syrien das Maul. Jeder, der von Israel Frieden wollte, hat ihn bislang bekommen. Den Palästinensern bot man ein ums andere Male Frieden an, trug ihn ihnen auf den Händen nach, verzichtete auf militärisch gebotene Aktionen zugunsten des Prestiges, liefert Hilfsgüter nach Gaza, hält den Palästinensern die ärgsten Verbrecher mittels Raketentechnologie vom Leib, aber MZ ist das nicht genug. Er will die freiwillige Selbstauflösung ohne Garantien: Räumung, Rückzug, Jerusalem und Rückkehrrecht. Die Räumung der Siedlungen in Gaza wurde durchgeführt, weil jüdische Existenz unter Feinden trotz allen Widerstandes nicht auf Dauer möglich ist. Das Zeigen von Schwäche wurde noch nie in der Geschichte von Palästinensern und anderen Islamisten belohnt. Jerusalem als Hauptstadt zweier Staaten vorzuschlagen ist ein schlechter Witz, wo einer von beiden noch vor der Gründung zwischen Bürgerkrieg und Regierungsunfähigkeit schwebt. Und dann sollen laut MZ noch 150000 bis 200000 in Flüchtlingslagern geschulte Palästinenser zurückkehren dürfen.

Die Wahnidee MZs ist, dass Israel schuld ist am Nahostkonflikt. Weil Israel sich als berechenbar und verhandlungsfähig erwiesen hat, meint nun alle Welt, dies ausnutzen zu müssen und auf mehr Zugeständnissen an die Palästinenser zu beharren, um eine Verhandlungslösung vorzutäuschen. Die Palästinenser haben noch nie ein Rückkehrrecht für verfolgte Juden, Reparationen für die Zerstörungen in jüdischen Vierteln oder einen Stopp der Siedlungstätigkeit von Palästinensern in Israel diskutiert. Wenn die Palästinenser ein ums andere Mal die „demographische Waffe“ zücken, Selbstzeugnis islamischer Potenz, erhebt sich kein Protest, das naturgemäße Wachstum einiger jüdischer Siedlungen im Westjordanland aber stört den Weltfrieden nachhaltig.

MZ sieht jüdische Blutschuld als Auswirkung dieser Störung:

Taz: „Welche Auswirkungen haben all diese Entwicklungen denn auf die jüdischen Gemeinden in Europa?“
MZ: „Was ich nicht ertragen kann, ist, dass die jüdischen Gemeinden in Europa ihren Kampf bis zum letzten Blutstropfen auskämpfen – und zwar bis zu unserem letzten Blutstropfen, dem der Juden in Israel. Ein Grund dafür: Die meisten Israelis finden es unmöglich, dass man als Jude in Deutschland oder Österreich noch leben kann – nach der Schoah. Im Unkehrschluss fühlen sich die jüdischen Gemeinden verpflichtet, noch jeden Aspekt der jüdischen Politik zu unterstützen.“

Ach, dann ist ja gut, Herr Zuckermann. Die jüdischen Gemeinden in Europa schächten also mehr oder weniger indirekt die Juden in Israel. Die liebe Taz lässt auch kein Fettnäpfchen aus und hakt nach:

Taz: „Spielt denn da nicht auch die Angst [wohlgemerkt, nur die Angst, nicht der reale Antisemitismus, d.A.] vor einem „neuen Antisemitismus“ eine Rolle?“
MZ: „Es gibt den Antisemitismus als sozialpsychologisches Phänomen – der braucht oft nicht einmal Juden. Aber der Antisemitismus wird heute auch durch die Geschehnisse im nahen Osten gespeist. Ich sage nicht, dass der Nahostkonflikt den Antisemitismus schafft. [ggvgl. oben MZ: „Der Hass speist sich aus dem Nahostkonflikt und nicht umgekehrt“ d.A.] Aber die israelische Politik verleiht dem Antisemitismus Legitimation. Da kann ich nur sagen: Bravo, tolle Leistung! Und wie wird darauf reagiert? Indem man versucht, jede Kritik an Israel mit Antisemitismus gleichzusetzen. Sogar Juden wie ich, die Israel kritisieren, werden als objektive Zuträger des Antisemitismus bezeichnet – absurderweise sogar von nichtjüdischen Israelfans, die behaupteten Antisemitismus benützen, um sich selbst zu profilieren.“

Nun, eines kann man nach diesem Interview MZ versichern: Niemand wird ihn hier bloß als „objektiven Zuträger des Antisemitismus“ bezeichnen. Wer derart unverschämt den Antisemitismus als aus einer von Israel aus gestörten Realität legitimierbar und gespeist bezeichnet und jüdischen Gemeinden eine Blutschuld wegen der Unterstützung Israels unterstellt, der macht sich des Antisemitismus mehr als verdächtig, jüdische Mutter hin oder her. Den Antisemiten verliehen Ritualmordlegenden Legitimation, das Märchen von der zionistischen Weltverschwörung, sogar ein umgefallener Sack Reis in China wäre einem Antisemiten Legitimation zum Pogrom genug, aber nein, MZ will ausgerechnet die Juden selbst zur Verantwortung für den Antisemitismus ziehen. Immer noch sinnvoller wäre es, das Umfallen von Reissäcken in China endlich dauerhaft einzuschränken.

Wer einem Reporter auf die unverschämte Frage: „Angesichts all dessen: Ist Israel eher gut oder eher schlecht für die Juden?“ nicht mindestens mit einem Abbruch des Gesprächs antwortet, sondern noch einen draufsetzt:
„Wenn wir es nicht schaffen, Frieden im nahen Osten zu schaffen, dann wird Israel etwas sehr schlechtes für die Juden gewesen sein“,
den kann man meines Erachtens getrost vergessen im Kampf gegen den Antisemitismus. MZ ist derart beseelt von seiner Mission gegen die Blutschuld der jüdischen Gemeinden, die ihn "bis zum letzten Blutstropfen" opfern, da verschafft kein Waffenstillstand oder gar Friedensangebot Linderung. Ohne den Nahostkonflikt wäre es die Armut oder der innerisraelische Rassismus, wegen dem Leute zu Antisemiten werden. Und dann bleibt ja doch noch die gute alte Weltverschwörung übrig.

15.12.06 20:47


Happy birthday Christina Aguilera

Die Popfeministin wird heute 26 und ist - welche Überraschung - auf den Tag genau eine Zeitgenossin von mir. Leider hat sie mich nicht zu ihrer/unserer Party eingeladen. Der Flug wäre wohl zu teuer gekommen für ihr schmales Budget. Es sei ihr wärmstens verziehen, meine Einladung für nächstes Jahr gilt. Christina Aguilera hat sich seit Kindesjahren emporgesungen, mit dem Ehrgeiz des american dream. In ihren Songs ist ein zentrales Anliegen eine gleichberechtigte Sexualität, die sowohl die machistische Degradierung der Frau auf das Sexobjekt überwindet [« Can’t hold us down »] als auch die dem entgegengesetzte feministische Prüderie bekämpft, die Frauen sexuelle Lust an als masochistisch gewerteten Verhaltensweisen wiederum als reale Unterwerfung auslegt. Dabei gleitet sie nicht in die Forderung nach Polygamie, freiem Ficken oder ähnlichem Schwachsens ab, vielmehr ist sie aufrechte Verfechterin der Monogamie mit ihrer Hymne « Ain’t no other man ». Die Frau als Subjekt ihrer eigenen Wünsche, ein aufgeklärter Liebesbegriff, und die Sexualität als ernstes Spiel, dass sich damit Millionen scheffeln lassen ermöglicht einen sympathischen Blick auf die Kulturindustrie.

Hier findet sich ein kritischer Artikel über "Anti-Lookism".

18.12.06 11:58


Hohlspiegel

Der „Spiegel“ besinnt sich auf seine Tradition als Stürmerersatz für die deutsche Geisteswüste. Im Kino bewirbt er sich mit drei Titelbildern, darunter jenes berüchtigte mit dem Titel „Durfte Brandt knien?, dann noch ein Mauerfall und letzten Endes „Der Krieg im 21. Jahrhundert“, das WTC als legitimes Schlachtfeld eines halt moderner gewordenen Krieges. In den letzten Jahren verkauften sich die in schöner Regelmäßigkeit erscheinenden antiamerikanischen Aufmacher für das "meistzitierteste Medium Deutschlands" besonders gut und deshalb gönnt man sich ein bisschen Mottenkiste und Tabubruch zu Weihnachten: Die Heuschrecke, im Stil eines Ölgemäldes, mampft sich Hochhäuserkauend durch die deutsche Lebensfähigkeit. Eine Frage beantwortet der Spiegel dem interessierten Terrarianer allerdings nicht: Wo kann man diese nützliche Orthopteren-Spezies erwerben, welche Haltungsbedingungen sind optimal und ist ein Zuchtansatz für den Hausgebrauch in kleineren Mittelstädten praktikabel?

 

Über die darauf notwendig folgende Ausgabe über das Judentum und seine Verbrechen schreiben "Apocalypso" und "Hannes Stein".

Fazit des Spiegel-Topthemas: Der Polytheismus ist friedlicher Urzustand, der jüdische Monotheismus kennt nur die Sprache der Vernichtung. Alles Übel der Welt vom Kreuzzug zum Islamismus ist daher jüdisch inspiriert. Obwohl sie auch nur von den Ägyptern "abgekupfert" haben.

Zum friedlichen Polytheismus braucht man kein Wissenschaftlert zu sein, um sich ein Urteil zu bilden. Hinduistische Mobs und Frauenverbrennungen, Menschenopfer, die übrigens in der Bibel schon als das wesentlich Abzulehnende am Polytheismus beschrieben werden, Xerxes, Alexander, Cäsar, Atilla, etc.pp.

22.12.06 12:32


Smoking funs

"Ich bin okay - Du bist okay - Tschaggaaah, Tschaggaaah"...
Die Zigarettenindustrie gibt sich Mühe, die neue Einschränkung für Tabakautomaten in der Kinowerbung sexy daherkommen zu lassen. Drei Personen versuchen, ohne Karte an das ersehnte Gut zu kommen, eine vierte schafft es mit.
Die Looser:

Der korrupte, mittels NLP manipulierende Heuschreckenmanager. Er kann sich merkwürdigerweise keine EC-Karte leisten.

Die Transe. Sie hat erst recht keine Chance. Kennt man ja. Zigos sind was für echte Kerle und Chicas mit Boobs.

Der Mofateenie. So Luschen haben keine Fluppe verdient. Wer sich nicht mindestens eine 80-er leisten kann, darf nicht rauchen.

Wer darf rauchen? Die kesse Blondine mit Auschnitt (bitte in die Kamera halten, danke, klick). Sie haucht dem gescheiterten Mofaautomatenknacker einen Kuss zu und entschwindet mit dem begehrten Gut, das sich in der Psyche der motorisierten Teenies fortan stets mit hübschen Frauen assoziieren wird. Nicht unprofessionell, da hat jemand Freud gelesen und kapiert. Hach, da war der Marloboro-Mann auf der Grand-Canyon-Klippe noch wenigstens eindeutig als reaktionäres Caspar-David-Friedrich-Motiv zu entlarven und das Feuergeben am Feuer unter echten Männern enthielt noch ein eindeutiges Bekenntnis zur Zwangshomosexualität. Schade aber auch. Nu wirds ja bald verboten, Zigarettenwerbung und so. War stets ein wichtiges Indiz für die sexuellen Projektionen des deklassierten Bürgertums.

BDTA-Werbebild.

PS: Der zweite Werbefilm ist auch nicht wesentlich besser: ein Zen-Karatekämpfer, der sich mal schnell Fluppen zieht? Der Kondition wegen? Ein Discofoxclub, der geschlossen das Rauchen übt? Gangstarapper, die sich beweisen müssen, dass sie sich eine Packung Fluppen ziehen können? Nähnäh, nicht wirklich glaubhaft.

 

22.12.06 12:54


Blood Diamonds?

"The great Star of Africa" , mit 530,20 Karat der größte geschliffene Diamant der Welt.

Der Standard vermeldete am 17.12.2006 :
Lobatse - Nach jahrelangem Rechtsstreit dürfen die San-Buschleute aus Botswana in ihre traditionellen Stammesgebiete in der Kalahari-Wüste zurückkehren. Die Regierung habe die San "gewaltsam oder versehentlich und gegen ihren Willen" von ihrem Besitz vertrieben, erklärte der Oberste Gerichtshof in Lobatse am Mittwoch. Die Ureinwohner hätten bis zum 31. Jänner 2002 das Reservat der Kalahari rechtmäßig besiedelt. Ihre Vertreibung sei daher "ungesetzlich und verfassungswidrig" gewesen.

Keine besonders aufregende Meldung. Der jahrelange Streit vorher wurde von ethischen Bedenken dominiert, ob man für den Naturschutz Menschen umsiedeln dürfe, ob man diese Menschen in ihrem Zustand weiterleben lassen soll, oder sie gemäß dem Wunsch einiger mit Strom und Wasser, Hospitälern und Schulen versorgen soll. Einer Erzählung zufolge hätten die San auf ein Hospital im Naturpark Kalahari bestanden, dies sei der Auslöser für die heftige Umsiedlungsaktion der Regierung Botswanas gewesen. Der Betrieb eines Hospitals hätte das Regelwerk des Naturpark überlastet.

Die Rezeption in der internationalen Öffentlichkeit wurde dagegen weniger von rationalen Argumenten geprägt, als von blutrünstigen Phantasien um "Blutdiamanten": Botswana wolle an einen "internationalen Großkonzern" die Konzession zum Diamantabbau in Boswara-Gebieten vergeben, und sei damit in Sachen Skrupellosigkeit an die Seite von Warlordregimes in Sierra Leone oder dem Kongo gerückt. Es betreibe einen "Völkermord" an den San.

Fakt ist: Allein touristischen Interessen kann das Bestreben der Regierung kaum gelten. Wer Erlebnisreisen macht, will auch original Buschmänner mit Ritual und Jagd sehen. Entweder es gibt tatsächlich Diamanten dort, oder es sind aufklärerische Interessen an Naturschutz und Zivilisierung, die über den tatsächlichen touristischen Nutzen gestellt wurden. Oder beides.

Die Taz behauptet dazu: "Botswana hat sich mit diesem Vorwand immer verteidigt und wischte die eingeforderte Existenzberechtigung der San auf ihrem seit mehr als 20.000 Jahren angestammten Lebensgebiet vom Tisch mit der Begründung, es handele sich um Regierungsland.

Wo Lebensraum angestammt ist, juckt es den Nazi naturgemäß am Abzug. Eine Existenzberechtigung besteht anscheinend darin, im Land der Vorfahren mit den Vorfahren zu leben und bei den Vorfahren beerdigt zu werden. Statt der Forderung nach einem angemessenen Leben in Botswanas Dörfern und Städten wird allein die Rückkehr in Bedingungen gefordert, die mehr als dürftig sind.

Die notorische gfbv beschreibt die durchaus kritikablen Umsiedelungsbedingungen so:
"Mehr als 20 San, die die Klage mit unterzeichnet haben, können das Ende des Gerichtsverfahrens nicht mehr erleben, denn sie sind aufgrund der schlechten Versorgung in den Umsiedlerlagern gestorben", berichtete Roy Sesana, der Sprecher ihrer Selbsthilfeorganisation "Ureinwohner der Kalahari" (First People of the Kalahari). "Wir hoffen, dass wir nun bald Gerechtigkeit bekommen, bevor noch mehr von uns sterben." Seine Organisation war für ihren gewaltfreien Protest gegen die Zwangsumsiedlung im Jahr 2005 mit dem "Alternativen Nobelpreis" ausgezeichnet worden.

Mit Drohungen, willkürlichen Verhaftungen, Morden, Folter und anderen Übergriffen verbreiten Sicherheitskräfte und Behörden seit Jahren ein Klima des Schreckens unter den Ureinwohnern, damit dieses Jäger- und Sammler-Volk sein traditionelles Siedlungsgebiet verlässt. Seit 20.000 Jahren leben San in der Kalahari. Nun sollen sie das Gebiet räumen, das in den 60er Jahren zum Wildpark erklärt wurde, da die Behörden um den Wildbestand fürchten und die Versorgung der vereinzelt lebenden Ureinwohner-Gemeinschaften zu aufwändig sei. Kritiker vermuten, dass dies nur vorgeschobene Argumente sind, um einen Abbau von Diamanten- Vorkommen in dem Reservat zu ermöglichen. Umweltschützer betonen, dass sich der Wildbestand in den letzten Jahren nicht verringert habe.

Derselbe eben erwähnte Roy Sesana, der angeblich selbst einen Mercedes fährt und eine Villa bewohnt, hat sich schon ganz auf den Ton der Presse eingestellt:
"Es gibt keine Entwicklungsprojekte für uns – nur einen Plan, die Kultur der Buschleute zu vernichten und das Land für Diamantenschürfer zu räumen, insbesondere für das Unternehmen De Beers".

Da kommt Leonardo di Caprios neuer Film "Blood Diamond" gerade recht um ein bisschen Furore zu schlagen. Schon in diesem Film wird einer Ideologie das Wort geredet, die gesellschaftliche Ursachen für Konflikte und Krieg ausblenden muss, um nicht etwa "indigene" Afroafrikaner, also die Guten, zu kritisieren. Sie sind alle Opfer von fiesen, skrupellosen Diamanthändlern in Israel und Amerika, und letztlich sind am Gemetzel in Afrika WIR westlichen Verbraucher schuld: Einige Damen sollen nach dem Film heimlich in der Toilette ihre Diamanten abgelegt haben, um nicht negativ aufzufallen. Das Ergebnis einer solchen Ideologie ist fatal: Erstens werden Konflikte vernachlässigbar, sobald man nicht direkt "Blutkaffee, Blutcola, Blutöl" und Sonstiges kauft, und zweitens dürfen die Zustände in Afrika und andernorts einfach so fortbestehen, solange nur das Gewissen und das reaktionäre Weltbild der Verbrauchers und der hinter der Kampagne gegen Botswana stehenden Organisation "Survival International" nicht tangiert wird.

Laut "Welt" passt eine solche Mentalität "wunderbar zum Geist der Webseite www.boycottdebeers.com, die Leonardo DiCaprio auffordert, zur Gallionsfigur eines noblen Kampfes zu werden. Es geht um den Vorwurf an die Regierung von Botswana, im Auftrag von DeBeers Buschmänner aus ihrer Reservation in der Wüste Kalahari zu vertreiben."

Dr. Alexander von Paleske stellt dagegen klar:

"Im Jahre 1967 wurden die ersten Diamanten gefunden und anders als vielen anderen Laendern der 3. Welt sollten sich diese Funde nicht als Fluch, sondern als Segen erweisen.

Der Grund liegt in der parlamentarischen Demokratie und der Nutzung der Einkommen aus den Diamantenverkaeufen fuer die Entwicklung des Landes."

Einer also schafft es, sich nicht vom Fetisch der Ware blenden zu lassen und geht auf die gesellschaftlichen Bedingungen ein. Die er folgendermaßen beschreibt:

"Die Einkünfte aus den Diamantenverkäufen finanzieren das einzige umfassende Anti-Aids-Programm in Afrika. Mittlerweile werden mehr als 30.000 Patienten mit antiretroviralen Medikamenten behandelt. Und es gibt mir die Möglichkeit, meine Krebspatienten zu behandeln, bzw. zur teuren Behandlung nach Südafrika zu schicken, natürlich auch Patienten der Basarwas. Letzlich sind Survival International die Folgen dieser Kampagne für die breite Bevölkerung egal, solange es nur dem Ziel dient, bei der Rückführung der Buschmänner voranzukommen."

Auf afrika.heim.at findet sich mehr dazu:

Botswanas Diamantenförderung ist wegen des hohen Gehalts an Schmuckdiamanten vom Wert her die größte der Welt. 80 Prozent der Diamanten von Jwaneng sind Schmuckdiamanten. Über zwei Milliarden US-Dollar im Jahr bringt die Förderung aus Jwaneng und den anderen großen botswanischen Minen.

cnn zeichnet ein regelrecht sozialistisch anmutendes Bild:

Education isn't the only service that is free. Health care, a growing concern in Botswana, is also paid for by the government. Lifetime supplies of anti-retrovirals for AIDS sufferers are a novelty in Africa and vital in a nation where experts estimate that two out of every three people are infected with the HIV virus.

In Botswana wird allen Studenten das komplette Studium mit Lebenshaltungskosten finanziert. Und gerade das "Blutdiamantenregime" in Botswana bietet laut voanews.com sogar Diamantenkontrolleuren ein Forum:

Representatives from the 47 member countries of the Kimberley Process are meeting in Botswana's capital, Gaberone, for a three-day conference to discuss how well conflict diamonds are being kept out of the market.

Mit Diamanten finanzierten und finanzieren tatsächlich in Sierra Leone und im Kongo Warlords ihre Massaker. Massaker finden aber in Afrika mit und ohne finanzielle Mittel statt. In Ruanda waren billige Macheten die Waffe, mit der die meisten der 800 000 Opfer ermordet wurden. Und auch in Sierra Leone ging es kaum darum, die Diamantminen zu sichern, um weltlichen Reichtum zu erlangen, sondern der Terror der RUF war dem Reichtum vorgängig und hätte aller Erfahrung nach auch ohne Diamanten an anderen Stellen stattgefunden. Konflikte mögen interessengeleitet sein, die extreme Brutalität, mit der in Afrika systematisch und massenhaft Menschen verstümmelt werden, ist es nicht.

worldpress:
The N.P.R.C. initiated “Operation Genesis” to drive out R.U.F. rebels, but
was unsuccessful. The rebels, in turn, launched a vicious attack on Sierra Leoneans during the 1996 elections. To intimidate potential voters and to maintain control of the diamond mines, the rebels chopped off the hands and feet of adults, teens, children and even infants. In spite of these brutal attacks, the R.U.F. was invited to participate in the elections. But the rebels once again reverted to their depraved tactics, amputating civilians’ hands and feet.

Weil 1-4% der Diamanten weltweit in Gebieten gefördert werden, in denen barabarische Kriegsführung um des Krieges willen stattfindet, in Sierra Leone soll anscheinend al quaida beteiligt sein, erfährt Botswana für eine zwar diskutable, aber kaum skandalös zu nennende Umsiedlungspolitik eine internationale Hasskampagne, die auf die ökonomische Existenz des Staates selbst abzielt.

Proteste eines englischen Abgeordneten verpuffen an solchen Wahngebilden, wie sie amnesty usa verbreitet:

I found it hard to remember that the cause of all this suffering– thousands of doomed refugees, well-armed but illiterate and drugged combatants, fallen wounded like Lahia, and injured civilian children– was brutally simple: the greed for diamonds.

Der Grund für diese Brutalität ist die Brutalität des Nihilismus, wie er in Kinderarmeen, islamistischen Rackets und Guerillaselbstläufern vorherrscht. Das Interesse des Marktes liegt auf sicheren Verhandlungspartnern und stabilen Produktionsbedingungen.

Vom blood diamond zum conflict diamond ist es ideologisch kein weiter Weg. Beide Begriffe vermeiden es, gesellschaftliche Umstände zu denunzieren, die mit einem bestimmten Produkt nicht notwendig etwas zu tun haben, und deren Beseitigung kaum in einem Boykott der "schlechten" Ware aufgeht.

Botswana bleibt zu wünschen, dass es seine AIDS Epidemie mittels Diamanten, und kämen sie aus der öden Kalahari auf Kosten der "Jahrtausende alten Kultur" von 243 San, weiterfinanzieren kann. Eine wirkliche Bedrohung für dieses Projekt geht allerdings nicht von stupiden völkischen Hilfsorganisationen aus, sondern von der Konkurrenz durch die mittlerweile perfekt gewordenen Industriediamanten.

Den San wäre zu wünschen, dass sie ihr Wissen um Pflanzen in der Kalahari mit einem erfolgreichen Biologiestudium verknüpfen, ihre Philosophie mit anderen Modellen abgleichen zur Weiterentwicklung und Kritik, dass sie akzeptieren, ihr Fleisch vom Hirten zu erwerben und ihre Ahnen dort lassen, wo sie anscheinend hingehören: In der Kalahari.

 

23.12.06 19:41


Äthiopien befreit Somalia!

Bildquelle: Wikipedia

Äthiopien hat auf die stete Expansion der gut unterstützten somalischen Islamisten jetzt mit dem einzig Richtigen geantwortet: die Kriegserklärung anzunehmen und sich offensiv zu wehren.

Nachdem im Herbst aus Eritrea vermehrt Provokationen kamen, unter anderem wurden UN-Mitarbeiter entführt und Un-Posten in der Sicherheitszone überfallen, ist wahrscheinlich, dass Eritrea mit der Unterstützung der immer frecher und aggressiver werdenden Islamisten in Somalia Äthiopien in einen Dauerkrieg hineinziehen will, aus dem heraus es seine eigene Schwäche kompensieren kann. Die gesteigerte Bedrohung des relativ freien und friedlichen Puntlandes und im nächsten Schritt womöglich Djibutis, mit Äthiopiens einzigem sicheren, kooperativen Hafen konnte Äthiopien schon aus strategischen Gründen nicht hinnehmen.

Die EU äußert sich wie üblich friedensforschungsgeschult, Gewalt gegen islamistischen Terror gilt wie immer als "Provokation":

"Zutiefst besorgt" zeigte sich Eu-Kommisar Louis Michel in Brüsselüber die Verwicklung der äthiopischen Armee in die jüngsten Kämpfe. Äthiopien müsse seine militärischen Interventionen in dem Nachbarland sofort einstellen, um nicht noch weitere Gewalt zu provozieren.

Ganz anders dagegen die mit mehr Realitätsbewusstsein ausgestattete AU:

26. Dezember: Die Afrikanische Union bekräftigt das Recht Äthiopiens, in Somalia einzugreifen. Der UN-Sicherheitsrat kann sich nicht auf einen Textentwurf für einen Waffenstillstand in Somalia einigen.

[Diese Meldung wurde durch spätere Stellungnahmen der AU konterkariert]  

kurier.at vermeldet über den Kriegsverlauf:

Die Islamisten haben nach eigenen Angaben bisher hunderte Menschen getötet. Äthiopien sprach von bis zu 1000 getöteten Islamisten Der UNO-Sicherheitsrat konnte sich am Dienstag nicht auf einen Aufruf zur Waffenruhe in dem völlig verarmten Land einigen. Hilfsorganisationen erwarten angesichts der Unruhen eine Welle von bis zu 200.000 Flüchtlingen.

Zu allem Überdruss wird Somalia auch noch von einer Naturkatastrophe heimgesucht. Heftige Regenfälle haben seit Oktober den ausgetrockeneten Boden in Südsomalia überschwemmt. Mehrere hundert Menschen starben, rund eine halbe Million Somalier wurden von den Fluten vertrieben.

zdf "heute" berichtet wie viele andere über jubelnde Einwohner in den mittlerweile an die 20 befreiten Städten. Heute soll Mogadischu gestürmt werden.

Scheinheilige Experten befürchten, dass Somalia zum Schauplatz eines regionalen Kriegs am Horn von Afrika werden könnte. Als wäre dieser regionale Krieg nicht seit einem Jahrzehnt in vollem Gange. Der "Flächenbrand" der wie immer befürchtet wird, findet in Wahrheit längst statt in der Radikalisierung und stetigen Unterwanderung staatlicher Strukturen durch Islamisten im gesamten (sub-) saharischen Afrika, von Nigeria über Sudan, Kenia, Mali, Mauretanien, Ägypten bis Eritrea und eben Somalia. Ob allerdings wie von den Islamisten lauthals gekräht die solidarischen Djihad-Kämpfer ihnen zu Hilfe eilen werden, bleibt in Afrika fraglich. Zumeist herrschen Synkretismen vor, die afrikanischen Clanstrukturen können zwar hin und wieder strategisch benutzt, aber kaum dauerhaft geeint werden. Somalia ist nicht Afghanistan oder der Irak, wo umliegende Staaten ihre Bestes tun, Massaker zu fördern und Ölmilliarden nur über eine der zahlreichen undichten Quellen fließen müssen. Gerade das Auftreten des bestbewaffneten und glamourösesten, weil nie kolonisierten Staates in Afrika könnte den Menschen in Somalia den starken Halt geben, der an den Islamisten zunächst bedingt begrüßt wurde. Der großsomalische Nationalismus ist wohl kaum so stark, wie dies die Islamisten und in ihrem Gefolge die Friedensforscher gerne hätten. Im zersplitterten Somalia gilt zuerst die Clanzugehörigkeit und nicht irgendeine abstrakte Nationalität. Die Hälfte Somalias ist ohnehin als Puntland und Somaliland de facto unabhängig. Dass nicht der mächtige Westen, sondern das arme Äthiopien nun die Drecksarbeit machen muss, trägt möglicherweise zusätzlich zur Legitimierung in Afrika bei.

Militärische Probleme wird Äthiopien, das aus dem Krieg mit Eritrea als moralischer und militärischer Sieger hervorgieng, kaum haben:

Nach Angaben der britischen Fachzeitschrift „Jane´s“ beträgt die Truppenstärke zwischen 150 000 und 180 000 Mann. Nach UN-Angaben waren im November mindestens 8000 äthiopische Soldaten in Somalia stationiert. Außer Luftwaffe und Bodentruppen hat Addis Abeba auch Panzer und Artillerie über die Grenze geschickt. Die Armee verfügt über schwere Geschütze, darunter 170 im Jemen gekaufte sowjetische Panzer vom Typ T-55 sowie Artillerie- und Raketenabwehr-Geschütze. Die Luftwaffe ist mit einem halben Dutzend russischer Suchoi-24-Jäger, einem Dutzend Kampfjets des Typ Mig-23 und 25 alten Mig-21-Fliegern gut ausgestattet. (focus.de)

Zudem haben die USA ihre Unterstützung zugesagt. Die Islamisten könnten allenfalls aus dem bettelarmen Eritrea und dem üppigen Schwarzmarkt ein paar Kleinwaffen auftreiben und evtl. an der Bundeswehr vorbei aus der arabischen Halbinsel Waffen schmuggeln. Immerhin gelang es, während des Libanon-Krieges hunderte somalische Kämpfer zur Unterstützung der Hisbollah einzufliegen, der Iran machts möglich. Jemen steht allerdings auf Kriegsfuß mit dem aggressiven Eritrea und wird wohl kaum Islamisten helfen, die Eritera unterstützen und von diesem unterstützt werden.

Äthiopien darf jedoch hinsichtlich seiner Absichten und seiner Besonnenheit nicht überschätzt werden. Im Sechtsärmsten Land der Welt sind (wie in Somalia) 90 % der Frauen genitalverstümmelt, demokratische Rechte sind auch nach dem Sturz des mittlerweile in Simbabwe mitregierenden "roten Terroristen" Mengistus nicht allzu etabliert, was sich in den aufständischen Oromo-Gebieten abspielt, ist unklar und die Waffe Hunger nutzen ohnehin alle Parteien. Somalische Warlords erheben oft sogar noch Gebühren für die Rettung von Flutopfern durch Hilforganisationen.

In Ostafrika ist das Klima immer ein schwer abzuschätzender Kriegsbeteiligter. Mit der Regenzeit versinken die Landschaften in Morast und ein Bewegungskrieg wird unmöglich. Die Kampfhandlungen werden daher oft durch Regenzeiten beendet, um zu deren Ende wieder aufzuflammen. Andererseits bleibt den Islamisten wenig Rückzugs- und Mobilisierungsraum angesichts der Flutkatastrophe im Süden. Die Chancen für Äthiopien, zumindest in einem größeren Teil Somalias einen halbwegs demokratischen Staat zu restaurieren und die Islamisten, von denen in Afrika nicht wenige die Nase voll haben, endgültig zu vertreiben stehen nicht schlecht und standen vielleicht nie besser. Zumindest eignet sich das flache, versteppte Somalia weniger für einen Guerrilla-Krieg wie in Afghanistan die unzugänglichen Berge.

Am Pressespiegel fällt besonders der stete Verweis auf die Schwäche der somalischen Exilregierung auf. Damit soll ein ums andere Mal die äthiopische Intervention zum Angriffskrieg zu dramatisiert werden. Wer stützt schon eine schwache Regierung. Die Sympathie verläuft hier eindeutig mit der Stärke der Islamisten, wer regieren kann, hat recht, unabhängig von der verkündeten Ideologie. Da werden bisweilen Loblieder auf den durch islamistische Sturheit und Organisationsfähigkeit gegründeten "friedlichen" Zustand in Mogadischu gesungen, dass es nur so eine Art hat. Und jetzt, so lamentiert man treuherzig, komme Äthiopien und mache das "bisschen Frieden" kaputt. Als wäre der Aufbau einer freien Gesellschaft möglich, wo Scharia, Musik- und Fernsehverbot herrschen. Auch die Rede vom "Stellvertreterkrieg" ist tendenziös. Wer das Wort im Munde führt, versucht in der Regel die seit je in allen Kriegen üblichen Kriegsbündnisse dann zu diskreditieren, wenn die USA als Bündnispartner auftreten. Dann greift der Weltverschwörungsreflex und es wird ein "Flächenbrand", die "Büchse der Pandora", das Handeln gegen die autochtonen und für amerikanische Interessen und was nicht noch alles beschworen.

Ich persönlich hoffe, morgen über die Befreiung Mogadischus lesen zu können. Und vielleicht in einem Jahr über den ersten mit konventioneller Kriegsführung gewonnenen Krieg gegen den aggressiven Islamismus.

Weiterführend: Michael Birnbaum, Krisenherd Somalia, Heyne Verlag München 2002.

Wikipedia zu Somalia

"Portal Somalia" auf Wikipedia

 

27.12.06 16:57


"The Mog" is free...

(Dieser Artikel wird vorerst regelmäßig erweitert. Jüngste Stellungnahmen und Ereignisse finden sich am Ende.)

Mogadischu wurde von den Islamisten aufgegeben. Anscheinend sind sie zu geschwächt, um ernsthaft einen Häuserkampf zu führen. Es dürfte sie nicht schlecht überrumpelt haben, auf einmal auf organisierte Gegenwehr zu stoßen. Die naheliegendste Option für sie ist jetzt wie immer der Terror, in ihrere Sprache "ein langer Guerrillakrieg".

Die Ziivilbevölkerung leidet laut taz bereits wieder unter den im Bündnis mit der äthiopischen Armee zurückgekehrten Warlords. Überfälle und Straßensperren seien in den befreiten Gebieten wieder an der Tagesordnung.

Die AU wurde von mir überschätzt, auch sie verfällt in den EU-Sprech, redet von "Konfliktparteien" und fordert den "sofortigen Rückzug der ausländischen Truppen".

Ebenfalls in der taz findet sich ein Porträt des Islamistenführers Sheikh Hassan Dahir Aweys und ein kleinerer Artikel über die dort arbeitenden Hilfsorganisationen . faz.net berichtet über die verhinderte Plünderung eines Waffengeschäfts in Mogadischu. Laut Welt.de kontrolliert die Übergangsregierung bereits 95% Somalias. Bedingt lesenswert zum Thema ist africadaily.com.

Und auf Spiegel.de hagelt es neben aktuellsten Infos "Kritik an den USA":

Ein Ende des seit über 20 Jahren andauernden Bürgerkrieges ist mit dem Rückzug der Islamisten noch nicht in Sicht. Beobachtern zufolge beweist der von Washington unterstützte Armeeeinsatz Äthiopiens vor allem, dass die USA an einem weiteren Brandherd der Welt mit ihrer Strategie gescheitert sind, auf militärische Übermacht statt auf Diplomatie zu setzen.

Die USA verfolgten eine rein militärische Politik, die frei von jeglichen Frieden schaffenden Elementen sei, kritisiert John Prendergast, Afrika-Experte der International Crisis Group (ICG). Nur allzu deutlich sei die Abwesenheit von US-Diplomaten bei den meisten diplomatischen Initiativen für Friedensverhandlungen gewesen, die von der Europäischen Union in diesem Monat initiiert worden seien. "Das Ergebnis ist, dass sowohl Äthiopien als auch die Islamischen Gerichte glauben, die USA unterstützten eine militärische Lösung in Somalia". Die Folge dieser Einschätzung: Die Spannungen würden weiter angeheizt und ein Frieden zu einem "entfernten Traum", sagt Prendergast.

Welt.de vermeldet jemenitisches Feuer auf somalische Flüchtlingsschiffe. Und Unicef befürchtet ein "gefährliches Machtvakuum" nach der Vertreibung der Islamisten.

Die Regierung in Mogadischu hat die Verhängung des Kriegsrechts für vorerst drei Monate verkündet. Dies sei notwendig, um der Milizen Herr zu werden.

Laut spiegel-online will sich die deutsche Bundesregierung mit Übernahme der EU-Ratspräsidentschaft der Vermittlung widmen. Während dieser Periode soll eine afrikanische Battle-Group gegründet werden. Der Clou: Sie wird von Deutschland aus geplant und initiiert und soll von der UNO, der AU und der EU abhängig sein. D.h. garantiert nicht gegen Islamisten, Massenmörder und Terroristen zu Einsatz kommen, dafür aber dem Selbstverteidigungsrecht unabhängiger Staaten wie aktuell Äthiopien die Legitimation entziehen.

Äthiopien und seine somalischen Verbündeten wollen indes die Islamisten gänzlich besiegen und auch ihre letzten Rückzugsgebiete stürmen. In Mogadischu gab es anti- und pro äthiopische Demonstrationen in anscheinend ähnlicher Stärke.

Die Kölner Rundschau:

Die strategischen Interessen der USA seien jetzt mit Partnern verknüpft, die aus moralischer Sicht von widerwärtig bis inakzeptabel reichten, schreibt das konservative "Wall Street Journal". Das Blatt listet unter dieser Rubrik von Finsterlingen sowohl den "autokratischen Ministerpräsidenten" Äthiopiens, Meles Zenawi, als auch eine Koalition von Kriegsfürsten in Somalia auf.

Laut ntv rücken die Interventionstruppen in Richtung Kismayo, der letzten großen Bastion der Islamisten vor. 3000 Islamisten wurden getötet.

Die Ankündigung, auch die letzten Festungen der Islamisten zu stürmen, lässt die Absicht erkennen, diesmal konsequent die Kleinstaatlerei beim ärgsten Feind zu bekämpfen und vielleicht tatsächlich einen vorläufig chaotischen, aber reformierbaren Staat zu errichten. Dazu müssen die Islamisten zerschlagen werden, bevor sie sich reorganisieren können. Die Forderungen nach sofortigen Verhandlungen mit den Islamisten von Seiten der EU und der AU würden genau diese Reorganisation und damit den zwangsläufigen Gegenangriff der Islamisten begünstigen.

Die Zusammenfassung wird hiermit beendet. Mehr dazu siehe unten oder in einem dazu neu erstellten Artikel.

28.12.06 16:18


Saddam is dead!

Heute wurde Saddam Hussein gehängt. Die Bilder auf CNN: etwas emotional, eine zu hagiographische Kurzbiographie, der Sprecher über Saddam während seines Prozesses: "He's fought his whole life and he dies ... fighting."

Die Bilder wecken Mitleid, sollen dies tun: Ein älterer Mann, gefasst wirkend, tritt seinen letzten Gang an, seine Henker mit schwarzen Masken erklären ihm gestikulierend den Ablauf seines Endes. Ein historischer Moment. Ein kurzes Augenzwinkern der Geschichte. Schnitt. Und weiter geht's. 30 Tote bei Autobombe in irgendeiner irakischen Stadt mit K. Und wieder Abscheu über die eigene Anfälligkeit für die propagandistische Selbstinzenierung Saddams als braver Bürger, als schicksalsergebenes Spielzeug der Verhältnisse. Er hat bekommen, was er verdient hat, und ist noch viel zu gut weggekommen.

Das tiefe Vertändnis für den etwas zaghaften, aber ehrlichen Jubel, der erste seit der Befreiung. Das Wissen, dass dieser alte Mensch am Galgen mehr als ein Mensch, ein Symbol, die Personifizierung der pervertierten Macht über die gesamten 90-er hinweg war. Die freie Welt ist sich im Prinzip einig: Dieses Regime darf nie wieder herrschen. Dann schon lieber einen Bürgerkrieg mit kleineren Guerrilleros, die zielsicher irgendwann das Schicksal einer lasergesteuerten Rakete oder der Autobombe eines Konkurrenten ereilt.

Die einen fürchten einen Märtyrer Saddam, wo jeder weiß, dass Märtyrer im Islam die sind, die im Kampf sterben, die sich nicht gefangen nehmen lassen. So einen wie Saddam hat Allah schon lange vorher verlassen. Der "Märtyrer Saddam" ist eine Projektion des friedensforschenden Westens und allein Saddam Husseins selbst. Nicht einmal die Baath-Partei will ihn ernsthaft wieder haben, keiner würde gerne wieder in totaler Abhängigkeit von seiner Paranoia und seinen Launen leben, er taugt tatsächlich nur noch als Symbol eines nihilistischen Terrorkrieges.

Der Jubel? Bleibt auch mir trotz des Verständnis, des Einverständnisses mit der Notwendigkeit dieser Tat im Bauch stecken. Eher: Ein Gefühl der Müdigkeit. Ein Hauch von Freiheit, und ein bisschen ein kurzer Placebo. Taugt nicht einmal zur Diskussion in der verrauchten linken Spelunke. Todesstrafe für so jemand, ja - nein, längst abgehakt. Ein Symbol ist tot. Die gesellschaftliche Zusammenhänge, die es repräsentiert und produziert hat, marodieren weiter vor sich hin, unter anderem dem Unwillen des alten Europas geschuldet. Saddam ist tot. 30. Dezember 2006. Ein Tag für's Geschichtsbuch. Vielleicht hilfts ein wenig. Und dumpfe Resignation.

Lucky: "Waren wir nicht gestern hier?"

[Samuel Beckett: "Warten auf Godot"]


30.12.06 13:46


Saddam is dead! Conspiracy lives...

Ich irrte. Der Antiamerikanismus ist stärker als jegliche orthodox-koranische Märtyrerdoktrin und treibt merkwürdige Blüten: Gossip and Rumour. Im entlegenen Uganda, das wirklich andere Probleme hätte, schwatzen Muslime so alles Mögliche über das "unfaire" Verfahren Saddams. Eine westliche Verschwörung gegen einen Diktator, wo doch gerade der Westen noch nie einen einzigen Diktator zur Verurteilung zerrte, weder Pol Pot, noch Pinochet, noch Franco.

Als gäbe es zu seinem Fall groß Gegenbeweise anzuführen, etwa: Saddam war zur fraglichen Zeit nicht im Gefängnis und hat höchstpersönlich die Folterkeller inspiziert, seinen Sohn dort herumgeführt und mit eigenen Händen Gefangene ermordet, wie diese Dokumente und Filmaufnahmen es nahelegen, sondern wie dieses oder jenes Foto beweist, meditierte er friedlich in einem laotischen Kloster vor sich hin, um sein Chi zu stärken.

Und Uganda? Idi Amin? Da war mal was. Aber kein "unfaires Verfahren". Eher eine Villa in Saudi-Arabien. Die arabisch-afrikanische Solidarität eben.

Nachtrag:

Anscheinend hat einer der Anwesenden bei der Hinrichtung heimlich mitgefilmt. Die Scharfrichter rufen "Muqtada, Muqtada", um iSaddam zu ärgern. Dass die Tonspur gefälscht ist, ist unwahrscheinlich, schließlich könnte das offizielle Video, das bezeichnenderweise ohne Tonspur veröffentlicht wurde, leicht als Gegenbeweis angeführt werden. Sunnitische Demonstranten, die wahrlich keinem Schiiten irgendeinen Prozeß gönnen würden, der in ihre Hände gerät oder auch nur einen Funken an Rechtsempfinden bei Selbstmordattentaten in schiitischen Vierteln vermelden lassen, poltern jetzt erst recht von schiitischer Verschwörung.

Für Al Sadr ist das Ganze perfekte Propaganda, steht er doch als der wahre Mann der Macht, als der Sieger über Saddam da.

Letztlich wird sich aber die Erkenntnis durchsetzen, dass die Ära Saddam nun mal vorbei ist. Ob Syrien und Iran dann unangenehm unberechenbare Provinzanhängsel in Form eines geteilten Iraks bekommen, bleibt vorerst offen, ich schätze mal, die Sunniten wollen kaum das Öl auf schiitischem und kurdischem Boden aufgeben. Obwohl, Islamisten ist prinzipiell jede ökonomische und politische Dummheit zuzutrauen. Wenn es darum geht, sich selbst um Frieden und Demokratie zu bescheißen, sind sie einfach ganz vorne mit dabei. Einen friedlichen Irak gibts halt nicht ohne eine Abschaffung der Todesideologie Islamismus. Was man gerade im Westen nicht hören will.

31.12.06 13:13





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