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Skulls and Bones

Die "Affäre" um die Leichenschändungen einiger deutscher Soldaten will nicht verdunsten. Immer noch winseln die schuldbewussten Propheten um Bestrafung, flüstern den Islamisten ins Ohr, jetzt hätte der Westen vollstes Verständnis für Mobs und brennende Botschaften, wenn sie nicht schon Briefe nach Nigeria schreiben, ob man dort nicht mal wieder ein paar Christen lynchen könne, um den eigenen Kassandra-Komplex zu befriedigen. Dieser Masochismus hält sich Islamisten als Dominas, die Bestrafung für begangenes kolonialistisches oder kapitalistisches Unrecht vollziehen soll und lustvolle Erleichterung verschaffen. Man fragt sich doch etwas verwundert: Wo liegt denn genau der Skandal? Vielleicht von Islamisten vermutlich ohne jede Begräbniszeremonie verscharrte Leichen von atheistischen Rotarmisten oder christlichen Afghanen, aufmüpfigen Frauen oder abtrünnigen Rebellen, wurden von ein paar kiffenden Hobbysoldaten für alberne Späße missbraucht. Bedenklich mag die psychische Konstitution des Soldaten erscheinen, der den Schädel an seinen Penis hielt, deutlicher hätte er das Verhältnis von Eros und Thanatos jedoch nicht ausdrücken können. Dem abstrakten, allgegenwärtigen Tod wurde wenigstens einmal sein Gegenspieler gezeigt, er sollte in einem nekrophilen Akt unterworfen werden, wo dies in der Realität nicht möglich ist. Nekrophilie begeistert sich an der Hilflosigkeit des Sexualobjekts, und insofern sind die Fotos bedenkliches Zeichen einer solchen Einstellung zum Opfer. Sie sind aber ebenso als infantiles Aufbegehren gegen einen Prozess zu verstehen, über den der hilflose Soldat keine Kontrolle hat. Weil er den Tod nicht besiegen kann, verhöhnt er ihn, um ihn gerade dadurch nicht zu verherrlichen in sakrosankten Heldengräbern, oder zur emotionslosen Routine eines Profikillers herabzusetzen. Der Witz verweist auf das Problem, das er in Wirklichkeit mit dem Tod hat. Eine meiner Assoziationen führt zu einer Punkerin, die im Schrank einen Totenschädel aufbewahrte, den sie auf einem Feld fand. Ihr war dies ein wertvoller Fund, bisweilen ein lustiges Objekt und heimliches Grauen. In anderen Kulturen ist das Verbrennen der Toten üblich, die Asche wird in einem Bananenbrei verspeist. In Mexiko und anderen lateinamerikanischen Ländern gibt es Faschingsähnliche Feiertage, an denen in bizarren Ritualen Skelettpuppen durch die Stadt getragen werden. Anstatt auf Ambivalenzen in den Gefühlen der Lebenden mit dem Tod zu reflektieren, wird das Ausleben dieser Ambivalenz als krank verdammt, während das Verdrängen für gesund gehalten wird. Der Opferkult der deutschen Friedhofsruhe darf sich solange ungehemmt in Kriegerdenkmälern verewigt, über denen die Volksleiche Christus prangt. "Für uns starben..." heißt es ein ums andere Mal von Soldaten des 2. Weltkrieges. Die Leichenschänder und Massenmörder von Kommendo aus Mittenwald feiern sich Jahr für Jahr in feistem Ornat. Merkel lehnt einen endgültigen Friedensvertrag mit Polen aus Rücksicht auf Sudetendeutsche ab. Bei einem Flughafenausbau werden Skelette jüdischer Opfer einer nationalsozialistischen Vernichtungsaktion ausgegraben. Aber wenn ein paar zu junggebliebene Halbstarke sich an einem in seiner Herkunft nicht genauer bezeichneten Fund begeistern und den einen oder anderen Scherz damit treiben, steht für alle fest: Das haben sie gemacht, um den Islam zu beleidigen. Die Empörung über den Umgang mit den Toten geht einher mit der Grabesruhe über den Umgang mit Mördern.

1.11.06 13:27


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Tribu Ka - Schwarze Rassisten und Antisemiten

In Frankreich existiert seit 2004 eine afrikanische Untergrundorganisation namens „Tribu Ka“. Sie umfasst einige Dutzend Mitglieder und wurde von Stellio Gilles Robert Capochichi gegründet. Ihre Hauptforderung ist eine strikte Rassentrennung innerhalb Europas in schwarze, weiße und jüdische Städte. Sie beziehen sich positiv auf den altägyptischen Sonnengott Aton und daran, dass die Juden für die Versklavung der Schwarzen seit dem Altertum verantwortlich seien. Nach der tagelangen Folterung und Ermordung des Juden Ilan Halimis durch eine afrikanische Gruppe, die offenbar glaubte, Juden könnten Geld mit magischen Mitteln herbeizaubern, hatte der französische Kach-Ableger, die JDL – Jüdische Verteidigungsliga – dem Mörder mit Selbstjustiz gedroht. Dies nahm Tribu Ka zum Anlass, ein jüdisches Viertel – le Marais – zu stürmen und Menschen zu bedrohen, was zum Verbot der Sekte führte. (Quelle: Jüdische Allgemeine Nr. 43/06, 26.10.2006, S- 2)

Freud nennt den Sonnengott Aton noch die ägyptische Quelle des monotheistischen Judentums, Moses sei ein Priester der gescheiterten Atonreligion gewesen. Ob die schwarzen Rassisten und Antisemiten von Tribu Ka von Freuds Thesen zum Monotheismus kennen ist fraglich. Dessen These, der Antisemitismus sei im wesentlichen der Hass auf den kleinen Unterschied, der Neid der Bruderreligion, wird in der Namensgebung der Tribu Ka untermauert. Das K steht für "Kemiten", die Eigenbezeichnung der Gruppe.

Bernhard Schmid führt weiter aus :

Ein besonderer Stellenwert kommt dennoch der Abgrenzung von den Juden zu. Denn nicht zufällig klingt der Begriff « Kemiten » wie « Semiten » (auf französisch: kémites und sémites). Und auch die Begrifflichkeit vom « auserwählten Volk », unter Anspielung auf das Alte Testament der Bibel, soll wohl den Anspruch verdeutlichen, die Juden von ihrem Platz in der Überlieferung der bekannten monotheistischen Religionen zu verdrängen – und einen neu geschaffenen Mythos an die Stelle der biblischen Geschichtsschreibung zu setzen.

Das Ganze nahm Dave Chapelle in seiner Show vorweg, als er einen blinden, schwarzen Rassisten Clayson Bigsby im Ku Klux Klan mimte. Schon der Name Tribu Ka (Stamm K) erinnert an den Klan. Zwar mag sich der schwarze Rassismus - ein zum Beispiel aus dem Quilombismo, einer brasilianischen Sklavenbewegung, in deren Zentralorgan unter anderem einmal Sympathie für Hitler bekundet wurde, bekanntes Phänomen - dem weißen gefährlich annähern, er bleibt bislang in der Regel doch nur Kopie. Der weiße Rassismus will rechtfertigen, der schwarze koppiert ihn negativ und kommt selten ohne Bezug auf den weißen aus. Wirklich gefährlich ist dagegen der Antisemitismus, der sich von dem "weißen" in nichts unterscheidet.

Youtube 1

Youtube 2

"Frankreich ist eine Schlampe!" von Gudrun Eussner.

Das Naziblatt Deutsche Stimme greift das Modell kritisch-begeistert auf.

Das andere linke Naziblatt leMonde Diplomatique empört sich, dass angeblich Antisemitismus schlimmer als Rassismus sein soll und Tribu Ka anders behandelt werde als die Jüdische Verteidigungsliga.

Ein bisschen alles zusammengewurschtelt haben es die antifaschistischen Nachrichten .

 

Das Logo des Tribu Ka:

1.11.06 23:41


Randglossen zur Ökologie

Gegen die German Angst der Ökologiebewegung zu wettern, gehört im tabubrecherischen Gestus antideutscher Blogs zum Grundinventar. Wo die Ökobewegung mit trauerumflorter Rethorik jeden Tag aufs Neue den Untergang des Abendlandes herbeisouffliert, klammern jene an der gleichen Angst leidende sich an jeden Strohhalm, der ihnen verspricht, die Ökos hätten unrecht und es werde keine Krise geben. Joseph Reichholf gehört zu den Ikonen dieser Ausflüchte. Weit davon entfernt, wirklich sich gegen Grundthesen der Umweltbewegung zu stellen - Artensterben, Co2-Ausstoß, Desertifikation - verwendet er doch immer wieder populäre Floskeln und Bauchweisheiten, wie etwa folgende :

Reichholf: Nein, ganz sicher nicht. Denn erstens wird das mit absoluter Sicherheit nicht so weit kommen, weil der Hauptteil der Energie, die wir ausgeben, mehr als 50 Prozent, ja auf Heizenergie entfällt. Die Inder brauchen nicht heizen. Das heißt, ein ganz wesentlicher Teil unserer Energieausgaben fällt in den warmen Regionen der Erde weg. Und dazu gehören große Teile Chinas - auch wenn es sehr kalte Regionen gibt - und nahezu ganz Indien.

Ein sehr wissenschaftlicher Schluss. Der Inder an sich heizt nicht, weil er ja in den Tropen lebt und das Klima ohnehin gewohnt ist. Warum dann aber in Florida und Texas enorme Energiemengen für Klimaanlagen benötigt werden, bleibt offen. Cooling ist in der Regel energieaufwändiger als Heizen. Darin verborgen ist eine unbewusste Ausflucht: Die Europäer brauchen halt so viel Energie, weil sie frieren. Dass es auch hier Mittel und Wege gäbe, dies auf fast 0 zu reduzieren, wird ausgeblendet.

Demnächst mehr dazu...

 

2.11.06 15:48


Borat – Über die Unmöglichkeit von Satire im Stande der Selbstherrlichkeit

 

 

Da möchte man in Ruhe „Borat“ von Sacha Baron Cohen sehen, aber weit gefehlt. Schon fünf Minuten vor Beginn betritt ein Mensch den Saal, den Palifeudel vom Hals bis zum Boden schleifend, sich seiner Kumpanen in der Reihe hinter mir gewahr werdend. Das Befürchtete tritt sogleich ein, aus dem Unhold bricht in Erwartung des Films eine Tirade heraus: Der Film, so habe er in einer überschwänglichen Rezension gelesen, zeige endlich einmal, wie strunzdumm die hinterwäldlerischen Amis doch seien und werbe für Völkerverständigung. Ohnehin sehe er sich gerne Sozialkritisches an, denn mit Hollywood, Schwarzenegger und Gewaltorgien könne er schon seit je nichts anfangen.
 
Der Sitz wurde ob weitgehend gähnender Lehre des Saals schnell gewechselt, der Störenfried war baff gekränkt, hatte er doch gehofft, Volkes Stimme Ausdruck zu verleihen, gar Zustimmung oder Lacher zu erhalten und endlich setzte die überlaute Regionalwerbung für überflüssige Autoreparaturwerkstätten seinem Geschwätz ein Ende. Eineinhalb Stunden später verlassen alle beim Abspann den Saal, in weiser Voraussicht blieb ich als einziger bis zum Schluss sitzen und verpasste so nicht einen der besten Witze des ganzen Films, der hier nicht verraten sei.
Ob der Antiamerikanist hinter mir seine Erwartungen im Film erfüllt sah, oder ob sich vielleicht Beschämung einstellte, lässt sich nicht feststellen. Überhaupt nicht beschämt rezensiert dafür die NZZ, und im gleichen Ton zahlreiche andere Zeitungen: „Zigeuner, Feministinnen, Juden, Usbeken, Homosexuelle und homosexuelle Usbeken, jeden macht Borat zum Gespött. Sich selber inklusive.“ (NZZ 3.11.2006, S. 27) Als Cohen in der Rolle Borats zwei Kakerlaken bebend vor Furcht Geldscheine hinwirft, weil der sie für gemorphte Juden hält, die ihn verspeisen wollen, macht er eines gewiss nicht: Die Juden lächerlich. Cohens Objekt sind nicht die Minderheiten selbst, sondern der Umgang damit. Wie wenig skandalös Antisemitismus auch in den USA sein kann, wie brutal und homophob ein Texasrancher sein kann, das ist das eine Anliegen von Cohens Film, eine banale Diagnose einer nicht perfekten Gesellschaft, für die sich ein solches Projekt kaum lohnen würde. Neben den zynischen, gleichgültigen Altwagenverkäufern treten Personen auf, die wahrhaft zivilisiert mit ihm umgehen, ihn bis zur Schmerzgrenze tolerieren, ihm sogar hilfsbereit die westliche Toilette erklären, aber auch sofort eingreifen, wenn er darüber hinausgeht. Der Fahrlehrer belehrt ihn freundlich, aber bestimmt, die Gastgeber des upper-class Haushalts sind versucht, ihm zivilisierte Manieren beizubringen, als sie erkennen, dass ihr Vertrauen ausgenutzt wird, zögern sie nicht, die Polizei zu rufen. Die Feministinnen verlassen den Saal, als sie merken, dass hier keine Argumente, sondern Ressentiments vorgebracht werden.
Ebenso greift der Personenschutz Pamela Andersons in der aller Wahrscheinlichkeit nach gestellten Szene hart gegen den raubheiratswütigen Bedränger Borat durch. Cohens Werk ist eine Absage an jeden Kulturalismus. Er stellt bloß, wie gefährlich es werden kann, Menschen ihren Antisemitismus, ihren Sexismus, ihre brutale Dummheit als Kultur durchgehen zu lassen. Er zeigt auch, dass in der amerikanischen Gesellschaft noch Züge des Hinterwäldlertums überleben können, dass multikulturelle Trainings auf hohlen PC-Floskeln aufbauen, und nicht auf Aufklärung. Sie sollen Peinlichkeiten bei Geschäftsabschlüssen und im Alltag vermeiden, nicht aufklären. Er behauptet aber nicht, dass dies in irgendeinem Teil der Welt besser sei als in den USA. Anders als Michael Moore, der seine Wahnphantasien auf ein Hauptübel, George Bush, zuschneidet, und primär die Volksgesundheit verteidigen will, hat Cohen diese selbst zum Ziel. Cohen ist der Antagonist Michael Moores, genau dessen Gesinnung kritisiert er, in seiner Angewohnheit, komplexe Sachverhalte auf vermeintliche Übel reduzieren, das falsche Projizieren. Für Moore ist es ein Skandal, wenn er bei einer Kontoeröffnung eine Waffe als Werbegeschenk erhält. Borat macht zum Skandal, dass man sich eine Waffe in einem normalen Waffengeschäft, wie es sie überall gibt, kaufen kann, um damit einen Juden zu erschießen. Für Moore steht die Selbstverantwortung, das stets revolutionsbereite, bewaffnete Bürgertum in der Kritik, er fordert Verbote, mehr Staat. Cohen seziert gesellschaftliche Verhältnisse, stellt den revolutionären Gehalt des Bürgertums selbst in Frage. In diesem entstehen zwangsläufig Nebenprodukte: missratene, falsch aufgeklärte Produkte im Privaten, die homophoben Jugendlichen, die ihrerseits wiederum nur durch Aufklärung, nicht durch PC-Kurse und Verbote bekämpft werden können.
Cohen schafft es, den Aufklärungswilligen im Subtext, über das Wesen von verschiedenen Vorurteilen und Wahngebilden aufzuklären. Während der Rassismus des Texasrangers, der alle Terroristen und Moslems hängen sehen will, sich auf ein reales Problem bezieht, entsteigt seine und die Homophobie der anderen sehr offen verdrängten homosexuellen Anteilen. Wo der Antisemit Borat in Furcht vor den Juden bibbert, herrscht der Gleiche die vermeintliche Zigeunerin an und erteilt ihr Befehle. Ihre „zigeunerische“ Magie kann eingefangen werden, er unterstellt ihr zwar, Menschen zu schrumpfen und zu stehlen, aber Angst zeigt er keine. Er will ein Waffe kaufen, um sich gegen einen Juden zu „verteidigen“, mit dem Hummer aber aus purem Vergnügen in eine Gruppe Gypsies hineinfahren, ohne sein Auto beschädigt zu sehen.
Gefeiert wird an der amerikanischen Zivilisation die freie Sexualität, verkörpert in Pamela Anderson und der rundum positivsten Figur des Films, die in der NZZ hämisch als „abgetakelte Fregatte“ bezeichnete Prostituierte. Er konstatiert nüchtern die Freiheit, die es einem gestattet, sich daneben zu benehmen, ohne Angst fremd zu sein, und dennoch auf einen massiven Integrationswillen zu stoßen, er soll „amerikanisiert“ werden. Affirmation ist jedoch nicht sein Behuf und daher legt er den Finger in die Wunden der zivilisierten Gesellschaft, die sich schon für fertig hält, ihr System für perfekt.
Wenn nun überhebliche Europäer darin nicht in den eigenen Spiegel blicken, die Jugendlichen im Van nicht ebenso gut als mögliche Holländer, Dänen oder Deutsche wahrnehmen, macht Cohen vor allem dieses antiamerikanische, kulturalistische Publikum lächerlich. Wo dieses, wie in der NZZ, Borats Antisemitismus als Cohens Witz über die Juden und die Zigeuner interpretiert, ist es ein Skandal, dass es nicht die Absetzung des Filmes mit allen Mitteln zu erreichen versucht. Denn würde diese Interpretation zutreffen, wäre er tatsächlich im Antisemitismus nationalsozialistischer Propaganda gleich: Juden als Kakerlaken, eierlegende, kinderfressende Monster und geheime Verderber der kasachischen Kultur. Konsequent wird Cohen zum „Komiker“ erklärt, dessen Witz irgendwie nicht pc ist, was man aber großzügig toleriert. Über genau dieses Verhalten versucht Cohen zur Reflexion zu treiben, was sein Projekt zur Satire mit ernstestem Anliegen macht, nicht zum Klamauk nach deutschem Comedy – Ritus, der ausschließlich Volkes Stimme und das Publikum goutiert. In den USA hat ein solcher Film einen unglaublichen Erfolg, in Deutschland wäre ein ähnlicher Film über Sachsen-Anhalt kaum möglich, hier ist Reflexionsgeheische und obligatorisches Timbre der Sozialkritik stets nur Selbstbeweihräucherung.
Das Verhältnis der Zuschauer zur Homophobie macht Cohen in der Szene mit Azamat deutlich, als sie über mehrere Minuten nackt ringen. Zahlreiche Besucher beschrieben diese (nicht das antisemitische Ritual zu Beginn) als schockierendstes Element des Filmes, das ihnen gewiss "Alpträume" bereiten werde. Dass sie selbst der reale Alptraum all jener sind, die hässlich, fett und schwul sind, wird ihnen wahrscheinlich nie gewahr.
Die reißerische Behauptung der NZZ, Cohen lebe in der Tat gefährlich, „…denn in den USA zumindest befürwortet eine Mehrheit die Todesstrafe“ wird Cohen mehr gruseln, als alle gefährlichen Szenen des Films zusammen. Hier leben sich Bestrafungsphantasien aus, vermengt mit Ressentiment und der überheblichen Gewissheit, man könne in schweizerischen und bayrischen Dörfern nicht ebenso gut eine Judasverbrennung antreffen, betrunkenen Dorfjugendlichen Herrschaftsphantasien entlocken oder Lokalpolitikern Rassismus und Antisemitismus vom Maul filmen. Cohen hat die derbsten Tabubrüche ohne ein blaues Auge und ohne Gefängnisstrafen überlebt. Nicht er lebt gefährlich, sondern eine Gesellschaft, die Antisemitismus sei es als Kultur oder (missverstanden) als Komik interpretiert und akzeptiert.
"Dieser Film ist keine Satire, er ist gefährlich da er mit unhaltbaren Vorurteilen spielt, bzw. eine neue Form von Vorurteilen und damit Ausgrenzung von Roma und Sinti schafft. Die Bürgerrechtsarbeit der Rom und Sinti Verbände in Europa um Jahre zurückwerfen wird. Dieser Film ist wie ein Brandanschlag auf die Demokratie und auf Art. 1 GG."

Tagesspiegel online: Keine Scherzgrenze

 

Nachtrag:

In "Borat" wird mit einem weiteren Mythos aufgeräumt: Dem des notwendig verbiesterten Antisemiten, dem des teppichbeißenden, grimmigen Propagandisten nach Hitlers Abziehbild. Antisemitismus wird in "Borat" und einigen der Serienproduktionen Cohens als Party-People Phänomen demaskiert. In fröhlichen Volksfesten und lustigen Liedlein manifestiert sich der freudestrahlende, lachtränende Antisemitismus als antisemitisches Gelächter.

Nimmt man nun als Objekt des Filmes nicht einmal mehr den Umgang mit Minderheiten, als vielmehr das Publikum, zeigt sich rasch, was Cohen wirklich will: Das Publikum mit dessen eigenem Gelächter zu beschämen. Lacht es zunächst über die linkischen Gesten des Außenseiters, die noch jeden seiner Sätze lustig machen, so soll nach der Reflexion Beschämung darüber eintreten, dass das, worüber man lachte, den Opfern wie den Tätern bitterernst ist. Wenn Cohen zum Beispiel das "hard" an seine Frage nach der Schadensresistenz des Hummers gegenüber einer Gruppe "Gypsies" herausspuckt, lacht der Saal voll Identifikation mit dem Aggressor. Wenigstens bei einigen könnte sich im Nachhinein ein verfeinertes Bewusstsein für die eigene Psyche, ein Befremden ausdrücken, das sich zunächst als eines über den Film tarnt und letztlich - bei erfolgreicher Reflexion - als eine über das Selbst herausstellt.

Lizas Welt hat auch was dazu...

3.11.06 20:03


Hommage a Felix Mendelssohn Bartholdy

Felix Mendelssohn Bartholdy mit 12, als er bereits Streichersinfonien komponierte.

Manchen gilt der Begriff der Romantik als Reizvokabel, die erregte Abwehr erzeugt. Adorno zum Beispiel wird nicht selten eines zu versöhnlichen Umgangs mit der Romantik geziehen. Romantik wird automatisch mit Göttinger Hain, Novalis und Gebrüder Grimm assoziiert. Die kreative Gewalt der Romantik geht denen, die sie nie vernommen haben, bereits auf und unter im Kitsch eines "Mönch am Meer" von Caspar David Friedrich oder im nationalistischen Geschmachte eines Stolbergschen "Lied eines deutschen Knaben".

Sollen sie doch Kuchen essen, rufen solche "revolutionären" Schmäher der Romantik den zur Vereinzelung verurteilten Menschen in einer Welt zu, in der es den Kuchen, das Richtige im Falschen, nicht geben kann, sondern allein künstlerische Sublimierungsformen von und gegen Melancholie oder Verdrängung in Suff, Prahlerei und Dogmen.

Der Schmerz über ein falsches Ganzes wird in der kreativen Romantik in Kunst und Musik wiederholt, erneut durchlebbar gemacht, und wirkt darum bedingt therapeutisch, ohne die Wiederholung gänzlich dem Zwang zur Bewusstmachung zu unterwerfen. Die Übertragung muss auf ein Abstraktum, Schallwellen in der Luft, den damit assoziierenden Geist, das erzeugte Gefühl stattfinden, wenn nicht gerade zufällig ein Störenfried mit Bonbonpapier und Husten den Übertragungszorn auf sich zieht. Freud hasste angeblich Musik und verbotseinen Kindern eine musikalische Ausbildung. Möglicherweise, weil er erkannte, dass die Individuen in der Tröstung verharren und nicht zur Reflexion schreiten. Problematisch ist, dass die Übertragung ohne Vorbedingungen gewährt wird.  Der Wiederholung schmiegt sich sicherlich die Gefahr der Affirmation im Ausfall der Reflexion und der Kritik darin an. Ebensolches wäre aber von jeglicher Kunst zu behaupten, ob nun beim Betrachten von Goyas "Saturn" eine Reflexion über die Abwehr des Ödipuskonflikts eintritt liegt beim Betrachter, nicht beim Künstler, der dies prinzipiell ermöglicht. Mendelsohns "Schottische" vermag in ihren schmetternden Fanfarenstößen ebenso den Triumph des Geistes einzufangen wie in den seufzenden chromatischen Streicherwellen die Unauflösbarkeit dessen auszudrücken, woran das Individuum leidet und scheitert. Am 4.11.1847, vor 159 Jahren, starb er mit gerade einmal 38 Jahren am Schmerz über den Tod seiner Schwester.

 

5.11.06 13:31


Hang'im high!

Komischerweise hat alle Welt nichts besseres zu tun, als den ersten souveränen antibaathistischen Akt der irakischen Regierung herabzuwürdigen. Frankreich war angeblich schon immer gegen die Todesstrafe (guilliotinieren ausgenommen), Russland ist gar nichts peinlich und Deutschland heult um seinen Lieblingsführer.

Dreißig bange Tage noch, bis alle Opfer Saddams, die insgeheim seine Befreiung und Rückkehr fürchten, sich zumindest von dieser Bedrohung endlich frei fühlen können.

Derweil geht das internationale Possenspiel um den Libanon mit blutigem Ernst weiter. Lizas Welt hat in "Provokation oder Verteidigung?" ein paar interessante Facts zusammengetragen. Wie es aussieht, wird Israel wohl ernsthaft auch einen Krieg gegen die iranischen Elitetruppen im Libanon - die UNO - auf die Reißbretter bringen müssen.

6.11.06 12:01


Das Buch Ester und der antike Antisemitismus

Das Buch Ester im dritten Teil der hebräischen Bibel unter den „Fünf Festrollen“ entstand etwa um 300 v. Chr. und liefert die Begründung für das Purim-Fest. „Pur“ bedeutet „Los“, weil das Los einen Tag entschied, an dem der Judenhasser Haman sämtliche Juden im Perserreich des Artaxerxes auslöschen wollte. Die Geschichte sei kurz wiedergegeben:

Des Königs Frau, Waschti, weigert sich, bei einem Festmahl zu erscheinen. Daraufhin beschließen die Berater und der König, sie zu verstoßen, da ihr Beispiel Schule machen könne, etwa alle Frauen des Reiches ihren Männer den Gehorsam verweigern. Der König kann jedoch den Verlust nur durch Ersatz verschmerzen und ruft daher einen „Wettbewerb“ aus um die Nachfolge seiner Ex-Frau. Der Jude Mordechai, Nachkomme von durch Nebukadnezar Verschleppten Juden aus Jerusalem, hat eine schöne Pflegetochter, Ester, die in die nähere Auswahl einbezogen wird und schließlich des Königs neue Frau wird. Mordechai hat so Zugang zum Hof und deckt eine Verschwörung von zwei unzufriedenen Kämmerern gegen den König Artaxerxes auf. Dieser vermerkt dessen Tat, die Verschwörer werden „gehängt“, was zu dieser Zeit bedeutete, dass erst die anderweitig getöteten Leichen auf einen hohen Galgen zur Schau ausgehängt wurden.

Infolge irgendwelcher „Ereignisse“ wird Haman zum zweiten Mann im Reich erhoben. Mordechai verweigert den Kniefall vor ihm mit der Begründung, keinem anderen außer Gott zu huldigen. „Als Haman merkte, dass Mordechai nicht vor ihm niederfiel, wurde er zornig. Aber es schien ihm nicht genug, nur Mordechai zu beseitigen. Da man ihm gesagt hatte, welchem Volk Mordechai angehörte, wollte Haman alle Juden im Reich des Artaxerxes vernichten – das ganze Volk Mordechais.“ (Ester, 3:5f)

Der Ausrottungsplan: „Im ersten Monat, dem Monat Nisam, im zwölften Jahr des König Artaxerxes, warf man in Gegenwart Hamans das Pur, das ist das Los, über die einzelnen Tage und Monate, und das Los fiel auf den dreizehnten Tag des zwölften Monats, des Monats Adar. Darauf sagte Haman zu König Artaxerxes: Es gibt ein Volk, das über alle Provinzen deines Reiches verstreut lebt, aber sich von den anderen Völkern absondert. Seine Gesetze sind von denen aller anderen Völker verschieden; auch die Gesetze des Königs befolgen sie nicht. Es ist nicht richtig, dass der König ihnen das durchgehen lässt. Wenn der König einverstanden ist, soll ein schriftlicher Erlaß herausgegeben werden, sie auszurotten. Dann kann ich den Schatzmeistern zehntausend Talente Silber übergeben und in die königlichen Schatzkammern bringen lassen.
Da zog der König seinen Siegelring vom Finger und gab ihn dem Agagiter Haman, dem Sohn Hammedatas, dem Feind der Juden, und er sagte zu Haman: Das Silber lasse ich dir; mach mit dem Volk, was dir richtig erscheint.“ (Ester, 3,7-11)

Man sandte den Befehl aus: „Man solle alle Juden, jung und alt, auch Kinder und Frauen, am gleichen Tag, dem dreizehnten Tag im zwölften Monat, dem Monat Adar, ermorden und ausrotten und ihren Besitz plündern.“ (Ester, 3,13) Der Briefbefehl beinhaltete ferner folgendes: Artaxerxes betont, dass er aus Milde und Güte handle, seinen Untertanen ein ruhiges Leben, Wohlstand und „…allen Menschen wieder den ersehnten Frieden zu schenken.“ (Ester, 13,13a)

Haman habe ihn „…darauf hingewiesen, daß sich ein bestimmtes heimtückisches Volk unter alle Nationen der Erde gemischt habe, das durch seine Gesetze zu jedem anderen Volk in Gegensatz stehe. Es missachte ununterbrochen die Anordnungen unserer Könige, so daß die Verwaltung des ganzen Reiches beeinträchtigt ist, obwohl sie von uns ausgezeichnet geleitet ist. So sind wir zu der Ansicht gelangt, daß dieses Volk als einziges sich gegen alle Menschen ohne Ausnahme feindselig verhält, nach absonderlichen und befremdlichen Interessen lebt und sich gegen die Interessen unseres Landes stellt und die schlimmsten Verbrechen begeht, so daß im Reich keine geordneten Verhältnisse eintreten können. Darum ordnen wir an: Alle […] sollen […] samt ihren Frauen und Kindern ohne Gnade und Erbarmen durch das Schwert ihrer Feinde ausgerottet werden. So werden diese seit jeher feindseligen Menschen an einem einzigen Tag eines gewaltsamen Todes sterben und in die Unterwelt hinabfahren, unser Land aber wird sich in Zukunft einer beständigen und ungestörten Ruhe freuen.“ (Ester, 13d, ff.) Ester wird von Mordechai aufgefordert zu intervenieren. Sie zögert, weil sie sich nur dem König auf Abruf nähern darf, ansonsten droht der Tod. Er mahnt sie: „Glaub ja nicht, weil du im Königspalast lebst, könntest du dich als einzige von allen Juden retten.“ (Ester, 4:13)

Mordechai betet zu Gott und betont seine fromme Absicht bei der Verweigerung der Huldigung an Haman: Er wolle keinen Menschen über Gott stellen, wenn er Israel retten könnte, würde er jedoch Haman die Füße küssen, dies könne er aber nicht, ohne Gott zu lästern. Ester betont in ihrem Gebet ihre Frömmigkeit, sie habe keine Abweichung vom Gesetz begangen und trage die Königswürde mit der gleichen Abscheu, „…wie die blutigen Stofffetzen zur Zeit meiner Unreinheit…“.

Ester dringt zum König vor, fällt vor dem wütenden König in Ohnmacht, Gott „erweicht sein Herz“ und er verzeiht ihr. Sie fällt abermals in Ohnmacht, und verlangt ein Festmahl mit Haman, dort wolle sie dem König in Anwesenheit Hamans erzählen, was sie belaste. Haman freut sich über die Einladung, läuft erneut an Mordechai vorbei, der ihn wieder nicht grüßt. Seine Freunde stiften ihn dazu an, ihn am nächsten Tag vor dem Festmahl aufzuhängen. Des Nachts kann der König nicht schlafen, er lässt sich Aufzeichnungen vorlesen und stößt auf den Eintrag, in dem Mordechais loyale Rolle bei der Verschwörung vermerkt ist. Der König will Mordechai belohnen, als er erfährt, dass dies bislang versäumt wurde. Also fragt er Haman, wie er einen Mann belohnen solle, der sich um höchste Ehren verdient gemacht habe. Haman denkt, er selbst sei gemeint und schlägt allen erdenklichen Prunk vor. Der König befiehlt zu Hamans Entsetzen, Mordechai derart zu ehren, was Hamans Plan der Ermordung Mordechais vereitelt. Haman wird daraufhin zum Festmahl berufen.

Während des Festmahls erhört der König Esters Bitte ihr Volk zu verschonen, gerät in Zorn über Haman und verlässt den Raum. Haman fleht Ester um sein Leben an, wirft sich über ihr Sitzpolster, was der wieder eintretende König sieht und als Bedrängungsversuch deutet. Haman wird sofort an dem Galgen gehängt, den er Mordechai zugedacht hatte. Der König stattet die Juden per Eildekret mit dem Recht aus, sich zu bewaffnen und ihren Feinden entgegen zu treten. Auf einmal befindet er: „… daß die Juden, die dieser Erzschurke ausrotten wollte, keine Aufrührer sind, sondern daß sie als Bürger nach sehr gerechten Gesetzen leben.“ (Ester, 8, 12p) Infolge dessen geschieht folgendes: „In allen Völkern der Erde bekannten sich viele zum Judentum; denn ein Schrecken vor den Juden hatte sie befallen.“ Die Juden töten ihre Feinde, (75000 wird als Zahl genannt), hervorgehoben wird, dass sie sich nicht am Besitz der Feinde vergriffen. Mordechai befiehlt den Tag fortan als Purimfest zu feiern.

Ausführungen dazu:

Bei einigen Antisemitismusforschern ist es common sense, dass es keinen antiken Antisemitismus vor dem Christentum gegeben habe. Dieser These möchte ich mit einigen Ausführungen zu oben zusammengefasstem Text entgegentreten, nicht um eine Gegenthese zu entwerfen, sondern um Fragen aufzuwerfen, die andernorts von zahlreichen anderen bereits durchdiskutiert oder beantwortet sein mögen, das Wissen darum entzieht sich meinem derzeitigen Horizont. Ob das Buch Ester in der mir heute zugänglichen Übersetzung aus dem Paul Pattloch Verlag, Aschaffenburg, wie sie in Schulen verwendet wird, noch den Sinn enthält, der ihm einmal gegeben war, sei dahingestellt. Anscheinend gibt es zahlreiche historische Widersprüche, die Datierung ist jedoch relativ sicher um 300-400 v.Chr. angegeben. Unabhängig von den realen Begebenheiten hatten die Juden, die diesen Text formulierten einen Antisemitismus beschrieben, wie er irgendwie auch einen realen Gehalt gehabt haben musste, um in den Rahmen des ihnen Vorstellbaren zu geraten. Nimmt man also den sinngemäßen Text für ein halbwegs historisches Dokument, wenn auch zeitlich verschoben und durch märchenhaftes Wunschdenken verfärbt, so entstehen folgende Fragen: Beschreibt der Text einen antiken Antisemitismus? Was würde diesen von dem heute unterscheiden?

Zur ersten Frage möchte ich zusammenfassen:

- Die Juden werden im Buch Ester als die Feinde aller Völker imaginiert.

- Sie seien seit „je her“ feindselig, dies zielt auf ihre Abstammung.

- Man entkommt der Judenfeindschaft nicht durch einen hohen Status oder Bekehrung, alle Juden, unabhängig von konkretem Verhalten sollen ermordet werden.

- Die räumliche Dimension: Es sollten alle Juden im damaligen gigantischen Perserreich ermordet werden.

- Juden werden als heimtückisch bezeichnet, sie verhindern durch Verweigerung, dass Wohlstand und Frieden herrscht. Sie werden als Ursache für ökonomische Krisen markiert. Sobald sie ausgelöscht seien, könnten die Völker in Frieden leben.

- Juden würden „die schlimmsten Verbrechen“ begehen.

- Die Feinde der Juden identifizieren sich aus Furcht vor ihrer Rache mit ihnen.

Sämtliche Merkmale des Antisemitismus sind damit meines Erachtens übererfüllt, so dass ich ohne weiteres hier von „antikem Antisemitismus“ sprechen würde. Vom modernen Antisemitismus unterscheidet sich der im Buch Ester geschilderte überraschend wenig. Es gibt zwar weder Gottesmord noch Ritualmordlegende, dennoch sind „schlimmste Verbrechen“ eine Vorwegnahme dessen. Sie werden mit den negativen Folgen von antiker Expansionswirtschaft identifiziert, als Ursache, dass der Frieden gestört sei. Das Zusammenspiel von Übermacht und Inferiorität, von Machtneid und Konkurrenz ist nicht weit vom heutigen Antisemitismus entfernt. Interessant ist die Vorwegnahme eines sekundären Antisemitismus: Nach der vereitelten Vernichtungstat schwenkt der Hass in Furcht um und aus dieser Furcht heraus bekennen sich viele zu den Juden.
Es wäre also zu überprüfen, ob nicht unbewusst die Furcht vor Bestrafung eine wesentliche Rolle beim sekundären Antisemitismus, dem nach der Tat, spielt.

Die Sehnsucht nach einer exakten Determinierung des Antisemitismusbegriffs zielt meines Erachtens darauf ab, mehr darüber zu sprechen, warum Juden ermordet werden sollten, nicht dass sie ermordet werden sollten. Letzteres sei laut eines anderweitigen Diskussionskommentars Phänomenologie, ersteres fahnde nach den Ursachen und Gesetzmäßigkeiten. Zugunsten einmal liebgewordener, weil einfacher, logischer Gesetzmäßigkeiten wird dafür aber ein geschichtliches Ereignis aus dem Antisemitismuskomplex herausgenommen, weil es nicht in die Theorie passt. Die Juden seien halt aus anderen Gründen dem Vernichtungswillen ihrer Feinde anheim gefallen, aber das sei aus irgendwelchen Gründen kein Antisemitismus, betreffe noch nicht die Totalität, die erst mit dem Kapitalismus sich entfaltet habe. Ein solches Vorgehen steht einer kritischen Theorie nicht an, weil es vermeintliche und tatsächliche Unterschiede eher verdeckt, als wirklich analysiert. Ein Ausweg wäre darin zu suchen, dass man sich entweder darauf einigen müsste, dass größere ökonomische Verwaltungszusammenhänge aufgrund welcher Fetischisierung auch immer, das bliebe der historischen Analyse zu überantworten, auch schon in der Antike derartige Widersprüche hervorriefen, dass sie durch Vernichtung von übermächtigen Volksfeinden gelöst werden sollten (was ich nur bedingt für arbeitsfähig halte), oder dass gewisse Eigenarten des jüdischen Monotheismus bereits für polytheistische Herrscherdynastien mit ihren Gottmenschen als Herrschern, narzisstische Kränkungen bedeutete.

Letzteres ist darum schwierig zu vertreten, weil man leicht darin abgleiten könnte, das Problem des Antisemitismus wiederum bei den Juden zu suchen und der pathischen Projektion einen (randständigen) Bezug auf das reale Verhalten von Juden zuzumessen. Bezieht man allerdings das Polytheistische System mit seinen Widersprüchen in die Analyse mit ein – was selten und marginal stattfindet - und stellt den Widerspruch heraus, den der Monotheismus zu überwinden und zu denunzieren angetreten ist, wäre man durchaus wieder bei der Analyse der pathisch Projizierenden angelangt. Die immense Traditionslinie des Antisemitismus aus Furcht vor Anthropologisierung zu kürzen kann nur auf Kosten der Opfer des Antisemitismus gehen. Das jüdische Sprichwort: „Onkel Risches wird immer da sein“ bezeugt die jüdische Erfahrung mit dem Risches, dem Antisemitismus. Er war Sicht der Juden eben „schon immer“ da und man kann nie vor ihm sicher sein, bis nicht der Messias kommt. Das kann und darf nicht als Anthropologisierung in dem Sinne verstanden werden, dass dies nicht überwunden werden könne. Sondern es macht das Problem des Antisemitismus komplizierter, als die orthodox-materialistischen Theorien es gerne hätten, weil er tiefer geht als die Fetischisierungen, die aus der Kritik der politischen Ökonomie bekannt sind, und sein Grund (nicht seine äußeren Bedingungen) womöglich, wie Freud es vermutet, doch mehr in Kastrationskomplex und Triangulierung, in Kultur und Tradition zu suchen ist.

Link 1: Wikipedia zum Buch Ester

Link 2: Das Buch Ester auf Bibel-Online

Link 3: Das Buch Ester aus dem Hebräischen auf Hagalil

Link 4: Antike Judenfeindschaft auf Wikipedia

 

 

10.11.06 22:53


UNO raus aus dem Libanon!

Dass die UNIFIL sicher nicht die Hisbollah entwaffnen würde, war klar. Keine der Resolutionsbedingungen wurde von Seiten des Libanon erfüllt, kein Entführungsopfer freigelassen, keine Waffen aufgebracht, kein Hisbollah-Mitglied verhaftet. Neuerdings sieht sich Israel allerdings einer militärischen Bedrohung in den Aktivitäten der UN gegenüber. Nicht nur, dass UNIFIL-Truppen ein israelisches Einsatzkommando von der Arbeit abhalten und blockieren, deutsche Hubschrauber ohne Information der IAF meinen durch Israels Luftraum brausen zu dürfen wie daheim in Stralsund oder Berlin, neuerdings sind französische Soldaten auch ganz trigger-happy, weil sie meinen, ein Kampfmanöver von IAF-Flugzeugen beobachet zu haben. Mehr und mehr wird klar, was sich da zusammenbraut: Eine auf Israel abgerichtete UN-Truppe hat den Finger am Abzug und schützt mit allen Mitteln die Wiederaufrüstung und Reorganisation der Hisbollah. In den Berichten der UNIFIL wird zwangsläufig nie die Hisbollah als Problem erwähnt, jede dritte Meldung beklagt sich aber über israelische Flugmanöver und prahlt mit den erreichten Abzug der IDF aus einem weiteren Abschnitt des Südlibanon.
Im Irak droht währenddessen der Abzug von US-Truppen und im Iran wird weiter an Atombomben, Kampfflugzeugen und Mittelstreckenraketen gebastelt. Nichts also, was den Zielen der UN wesentlich zuwiderliefe.

Syrien wittert unterdessen Morgenluft und rasselt offen mit dem Säbel. Schien es vor dem Libanonkrieg noch so, als wäre Syrien endgültig bereit, auf den Golan zu verzichten, hat es nun angedroht, das Erfolgsmodell Hisbollah zu kopieren und ebenfalls eine Guerillatruppe zur Zermürbung des israelisch besiedelten Golan aufzubauen. Zu erwarten ist, das die IAF bei Gegenmaßnahmen beim Überflug der von der UN besetzten Gebiete wegen Verletzung des "Wafffenstillstandes" abgeschossen wird, dass die UNO Israel bei virulenten Kriegshandlungen den Golan mit Sicherheitsratzwängen abknöpft und fortan eine syrische Hisbollah auf dem strategisch wichtigen Golan beschützt.

Zum Durchatmen wird Israel die nächsten Jahre wohl kaum kommen. Die UNO hat sich als mächtiger Bündnispartner der Terrororganisationen erwiesen, die Antisemiten aus Gaza und von der Ostfront erringen Teilsieg um Teilsieg mit diesem im Rücken. Da kann man getrost schon mal die Kundgebungen und Flugblätter für den Syrien-Libanon-Feldzug gegen Hisbollah und UN 2007 vorbereiten, Spenden sammeln, sich über Syrien informieren, etc... Zu hoffen bleibt, dass die UNIFIL endlich abgezogen wird und die IDF ihre lästige Arbeit machen kann - mit fähigen Generalen, einem anständigen Budget und ohne eine winselnde , hysterische, antisemitische Qana-geschulte-Weltpresse gegen sich.

10.11.06 23:52


Die Verkehrung des Alten Testaments zum christlichen Antisemitismus

Als Nachtrag zu dem unten einsehbaren Text "Das Buch Ester und der antike Antisemitismus" wird hier noch kurz eine Verkehrung angesprochen, die darin, wie in zahlreichen anderen Texten und Vorträgen zum christlichen Antisemitismus zu kurz kommt.

Die Entscheidung der frühen Judenchristen und Christen, das Alte Testament als Beweis für die göttliche Wahrheit Jesus Christus in die Religionslehre aufzunehmen, ist zunächst nur kultureller Diebstahl:
Weil für die eigene Lehre keine wirklich imposanten Texte vorlagen, die Evangelien kaum ohne Bezug auf die jüdischen Lehren auskamen, behalf man sich mit der Kopie des gesamten Textes. Mohammed machte sich wenigstens die Mühe, den vorhandenen Stoff zu einem Frankensteinschen Monster aus den ihm bekannten Religionen (Mekkanische Polytheismen, Judentum, Christentum) zusammen zu halluzinieren.

Liest man das alte Testament aus jüdischer Perspektive, ergibt sich eine permanente, beißende, fast schon masochistische Selbstkritik. Für die biblischen Juden sind sie selbst an ihrem Unglück schuld, weil sie gegen Gesetze verstoßen. Propheten wettern nicht gegen äußere Übel, diese waren jedem ersichtlich, sondern gegen die religiöse Korumpierung innerhalb der jüdischen Gesellschaft. Diese selbst wird in der Genesis und im Exodus als "störrisches Volk" bezeichnet.
Wird dieser Text nun in das Glaubensverständnis von Heidenchristen, also allen nichtjüdischen Christen aufgenommen, so erhält der gleiche Text einen völlig anderen Sinn: Er dient der Vergewisserung, dass die Juden schon immer gegen Gott rebelliert haben, ihn gelästert haben, von ihm bestraft werden. Der jüdische Text wendet sich in fremder Hand gegen sie selbst, weil sie ein Maß an tiefsinniger Selbstkritik entwickelten, das anderen, stärker narzisstisch geprägten Religionen unzugänglich war. Aus (von religiösem Wahn nicht freier) Selbstkritik wurde antisemitische "Kritik". Jostein Gaarder diente der jüdische Prophet Amos als Munition, gegen Israel zu schießen. Nicht unmöglich und sogar wahrscheinlich ist, dass "moderne" Antisemiten, die doch vor allem in Kirchen sozialisiert wurden, sich vom Buch Ester inspirieren ließen, dort ihre "säkularen" "Argumente" vorfanden und damit ihre vorhandenen, durch äußere und tiefenpsychologische Umstände bedingten Vernichtungsphantasien fütterten.

12.11.06 13:56


Ihr Geld wird sich gut entwickeln…

Die Welthungerhilfe wirbt derzeit mit einer Indigenista, die etwas verkrampft lächelnd ein Selbstporträt hochhält, auf dem ihre Mundwinkel deutlich nach unten zeigen. Ist man sich schon nicht zu blöde dazu, auf den billigsten Werbetrick zurückzugreifen, das „Vorher-Nachher“, hält einen auch nichts mehr davon ab, das Ganze zu titulieren mit: „Früher: Gewaltopfer – Heute: Auszubildende“. Darüber noch der sattdumme Spruch: „Ihr Geld wird sich gut entwickeln“. Man sieht es dem Gewaltopfer schon am Mundwinkel an: So kann es nicht herumlaufen. Ein Gewaltopfer ist ja schließlich nur unterentwickelt, und mit ein wenig Starthilfe wird aus ihm ein netter, akzeptabel anzusehender Mensch, der einen Schrank gefälligst alleine zusammenbauen kann. So einfach - So primitiv. Hallo Gewaltopfer, da, Spende, lach doch mal! Na also, geht doch! Klick! Das Plakat findet sich nebst Lebensgeschichte der abgebildeten Frau unten auf der Website der Welthungerhilfe:

Welthungerhilfe

18.11.06 09:20


Palavergehorsam


Bildquelle 

Manche Wortschöpfungen erregen schon durch die Primitivität der literarischen Fähigkeiten Unwillen beim gebildeten Leser. Xavier Naidoo beispielsweise vertritt die Mentalität des „Reim dich oder ich fress dich“ ausgezeichnet und mit stoischem Haupt jagt er eine Kanone nach der anderen hinaus: „Ich hab dir zeigen gewollt…“

Einen weiteren Einblick in solche Wortmonstren liefert dagegen eine ganz andere Szene: Die der mitunter hier verlinkten Blogger. Von „Hizbollywood“ und „Pallywood“ reden sie, denen aus linksalternativen Zeiten noch der Hang zur Kommunikationsguerilla haften blieb, der Drang durch Verfremdungen höchst aufrührerische, kalauernde Augenzwinkerei in Richtung der Mächtigen zu verbreiten. Das „…llywood“ ersetzt jede weitere Kritik, meint etwas auf den Punkt zu treffen, und haut dabei sich und anderen derb auf den Daumen. Hollywood, diese rühmenswerte, in weiten Teilen auf jüdischem Messianismus und Personal gebaute Institution, Vorkämpferin der Aufklärung und sexueller Befreiung wird auf eine Stufe gestellt mit Propagandafilmchen vom Rang eines Göbbels.

Hollywood ist nicht bezeichnend für alles, was mit Film zu tun hat, sondern es steht gerade dem entgegen, was verkitschte Dokumentarfilmereien in bassem Timbre von der Schlechtigkeit der Menschen, deutsch-europäischer, sozialalternativ angewärmter Humor, tendenziöse Berichterstattung und schlechtes Fernsehen überhaupt ausmacht. Wo andere Medien meinen, Volksnähe und originelles Außenseitertum zu kultivieren wie einen Bierbauch, wagt Hollywood, sich dem Zwang zum „Realismus“ zu entziehen, es beharrt auf dem Sieg des Guten, der amerikanischen Ideale von Freiheit, taking the fifth, erfüllter Liebe und dem Primat des Individuums.

Gäbe es tatsächlich ein Pallywood, wie es in Indien ein Bollywood gibt, dann wäre dieses zu rühmen. Filme, in denen Hymnen an Attraktivität, Lust und Freiheit geschnitzt werden, standen nach der üblicherweise dem Ramadan folgenden Vergewaltigungswelle in Kairo sogar noch in Verdacht, die Jugend zu solchen Ausschreitungen verführt zu haben. Merkwürdigerweise sind in solchen Filmen die bedrängenden Lustmolche stets die Bösen und der Gentleman erringt die Liebe der Frau durch das beherzte Eingreifen mit der Glock-7 oder einer 45-er. Warum wimmelt es in den vom „westlichen Fernsehen“ verseuchten arabischen Staaten also nicht auch vor Frauen im Ninjadress, die mit einem Handkantenschlag den Bedränger abzuwehren wissen, von Bondgirls, die schön, intelligent und mutig zugleich sind, von Bruce-Willis-Figuren, die eine Bande von Terroristen solo aufmischen, von Rambos, die ein Hisbullah-Hauptquartier im Alleingang besiegen?

Hollywood verbreitet trotz einiger Flops nie den ätzenden Zynismus der Medienfälschungen, entstellte Kinderleichen sind regelrecht tabu und auch andere wohldiskutierte Ehrenkodizes halten Regisseure des großen amerikanischen Kinos davon ab, in die propagandistischen Geschmacklosigkeiten der internationalen Presse, die den grünbehelmten Hisbollahregisseur goutierte, zu verfallen, schlicht deshalb, weil sie um ihre Verantwortung wissen. Die Verwendung der Worte „Pallywood“ und „Hisbollywood“ denunziert alles, was an Reflexion über Freiheit, Sexualität und Dialektik in Hollywood enthalten ist zugunsten eines Ressentiments.

18.11.06 09:27


Goyas Geister

"Der Schlaf der Vernunft gebiert Monstren".

Francisco Jose de Goya y Lucientes (1746-1828) hat nun endlich auch seinen eigenen Film bekommen. Düster und grotesk surrealistisch wird in „Goyas Geister“ die Zeit des Wiederaufflammens der spanischen Inquisition, des „limpieza del sangre“, der französischen Revolution und der wütenden Widersprüche eingefangen.

Die Kirche, von Goyas fantastischen, kritischen Tiefdrucken in ihrem Selbstbild gekränkt, beschließt die Intensivierung der Inquisition um ihren Ruf wiederherzustellen. Während einer Sitzung in Goyas Atelier behauptet sein Modell Ines beiläufig, eine „richtige Hexe“ gesehen zu haben, in Gestalt einer alten, stinkenden Frau. Goya erwidert ihr sarkastisch, er selbst sehe gerade in diesem Augenblick eine Hexe vor sich, die wunderschön sei, und nach Jasmin dufte. Ines protestiert: Sie sei keine Hexe!

In dieser harmlosen Szene verdichtet sich der dialektische Ansatz des Filmes. Ines wird selbst, weil sie bei einem Bankett ein Spanferkel verschmähte, wegen „Judaisierung“ vors Inquisitionsgericht gezerrt, gefoltert und bis zur Ankunft der französischen Truppen 15 Jahre im Kerker eingesperrt. Am Ende dieser Zeit ist sie selbst eine alte, zerschundene Frau, ihres Verstandes verlustig und an einem Stockholm-Syndrom leidend, das sie an ihren Folterknecht und Vergewaltiger Lorenzo kettet.

Die unschuldige, schöne Frau vom Beginn des Filmes ist keineswegs nur unschuldig: In einer alten Frau erblickt sie eine Hexe, macht sich zu einer potentiellen Gafferin bei dem Prozess, der dieser aufgrund ihrer Aussage gemacht werden könnte. Ihr naiver Aberglaube ist notwendiger Teil des mörderischen Inquisitionssystems, dem sie selbst zum Opfer fällt. Der Fanatismus, den Goya in seinen Bildern beim einfachen Volk in glotzenden, brüllenden Fratzen einzufangen verstand wird keineswegs nur von höchsten Gnaden, von dunklen Kirchenzirkeln befohlen. Hier wie dort sind Perversionen von stets sich unschuldig wähnenden Rädchen im System machtvolle Triebfedern der Geschichte, die doch nur das immergleiche hervorbringen.

Stets vermeidet der Film einfache Identifikationslinien mit einem der Charaktere, ohne jedoch die prinzipielle Notwendigkeit der gewaltförmigen Revolution komplett zu denunzieren. Erst durch den Einfall der französischen Truppen wird dem Inquisitionssystem endgültig der Garaus gemacht, die durch die Briten reinstallierte Variante gibt sich zumindest dem Anschein nach gemildert und auf Vergebung bedacht.
Die Erleichterung über die Auflösung der Inquisitionsherrschaft schlägt um in Entsetzen über die Brutalität der französischen Revolution, auf deren Seite sich der Inquisitor, Ines Peiniger, letztlich geschlagen hat. Dennoch, den einmal pompös vorgebrachten Glauben an die gleiche Freiheit der Menschen verrät er anders als seinen christlichen nicht einmal unter der Androhung der Folter und letztlichen Vollstreckung des Garrotierens. Von einem perversen Mönch wurde er zu einem pragmatischen Machtmensch und schließlich zu einem selbsterkorenen Märtyrer für die Glaubenssätze der französischen Revolution. Auf einem Karren durch die Gasse geschleift hält sein umnachtetes Opfer Ines ihm die Hand, umringt von einem Reigen fröhlich singender Kinder, gefolgt von einem verzweifelten Goya.

Goya selbst wird merkwürdig naiv und passiv gespielt. Er versteht sich laut Film vor allem als „Maler des Königs“, der zwar ironisch und aufgeklärt, aber gutmütig und seinen „mächtigen Freunden“ gegenüber höchst loyal eingestellt ist. Sein Verhalten steht in seltsamer Diskrepanz zu seinen Werken, weder begreift er den wahren Charakter des Inquisitors und Revolutionärs Lorenzo, noch schreitet er wirklich zur Rettung von Ines. Zwar geschockt, aber vollkommen außerhalb der Ereignisse stehend ist er allein ein Geschichtsmaler, er will dokumentieren, vielleicht das einzige, was ihm bleibt. Als die zwiespältige Figur des Inquisitormönches letztlich garrotiert wird, steht er in der Menge und zeichnet seinen Tod. Ob aus Befriedigung oder aus Entsetzen bleibt unklar. Unabhängig davon, ob der Film dem echten Goya gerecht wird, so ist er doch in sich konsistent, opulent umgesetzt und wahrlich sehenswert. Dies allein schon der zahlreichen, huldigenden Abbildungen seiner zum Heulen gewaltigen Werke wegen.

NZZ

20.11.06 00:40


Hurra, wir sind Opfer!!!

Die Euphorie nach dem vereitelten Anschlag auf ein Flugzeug der israelischen El-Al in Deutschland kennt keine Grenzen. Man feiert, bis der Arsch kracht. Deutschland, jawohl, Deutschland sei nun ins „Visier der Terroristen“ geraten, wegen der Außenpolitik. Man hat es sich redlich verdient. Ein paar Waschlappen nebst KSK nach Afghanistan entsandt, ein kleines Böötlein vor der libanesischen Küste herumlottern lassen, ein bisschen am Kongo Haschisch kaufen und vor Somalia Sonnenstudio sparen, und schwupps: Die Islamisten hassen einen, noch dazu fast irgendwie während der WM (man muss das ja mal erwähnen, die war nämlich in Deutschland, huihuihui)!!! Das geht runter wie das Öl von Mullahs.
Aber noch mal langsam. Was ist da eigentlich passiert? Ein israelisches (!) Linienflugzeug sollte von deutschem (!) Boden aus von Palästinensern gesprengt werden.
Im Visier der Terroristen also offensichtlich ein israelisches Flugzeug und nicht „Deutschland“. Die Basis der Terroristen: Deutschland. Wie also kommt dieser Mob aus Außenministern, Innenministern und flachdeutschen Oberkackenheimern dazu, sich als Opfer dieses Anschlags auszumachen? Auch wenn ihnen zu danken wäre, den Anschlag guten Willens vereitelt zu haben und zu verabscheuen, ja sie sogar tatsächlich potentielle Opfer hätten sein können, so ist und bleibt dies doch ein antisemitischer Anschlag. Wer da von Deutschland als Opfer spricht, hat nur das zwanghafte Bedürfnis, es immer dann zu tun, wenn Antisemiten die Täter sind.
21.11.06 19:21


Religion Grrrrrls

Peter Paul Rubens: "Judith mit dem Haupt des Holofernes".

Die „Bibel in gerechter Sprache“ sei ein Versuch, die Bibel so umzubilden, dass sie allen Geschlechtern gerecht wird. Von Gott und Göttin wird da wechselseitig erzählt, von Jüngerinnen und Jüngern, von Prophetinnen und Propheten. Der polizistisch korrekte Schnack von anscheinend sich ins Endlose langweilenden Feministen und Feministinnen muss nun aus überaus durchsichtigen Gründen auf die Bibel transportiert werden. Nicht, um tatsächliche Übersetzungsfehler und -mehrdeutigkeiten zu tilgen, sondern um des propagandistischen Werts willen. Man will damit, so scheint es, ein Publikum erneut christianisieren, dem das Kirchenchristentum aufgrund von perversen Hexenprozessen und ähnlichen sexistischen Widerwärtigkeiten etwas anrüchig ward. Somit sieht die „Bibel in gerechter Sprache“ der im „Jugend“slang verfassten Volksbibel gleich, in der es von Kühlschrankgleichnissen und MacJesus wimmelt, ein Panoptikum der Anachronismen. Auf keinen Fall aber trägt die gerechte Bibel dem Rechnung, was kompetente Forschung zur Rolle der Frau in biblischen Zeiten beiträgt, hier u.a. Josy Eisenbergs „Jerusalems Töchter. Frauen zur Zeit der Bibel“.

Imaginiert wird in der „Bibel in gerechter Sprache“ ein von patriarchalen Gesetzen reines Equilibrium, in dem bis zur Fehlauslegung der Kirche die Geschlechter völlig frei nebeneinander paradiesisch existierten. Die Existenz von „mütterlichen Attributen“ oder gar einer Muttergottheit gilt solchen Mondscheinfeministen von je als Beweis für das Matriarchat, in dem die starke Frau das Regiment zu Gunsten aller geführt habe. Dass auch die real existierenden Matriarchate gar nicht so verkappte Patriarchate waren (und sind), stört diese Projektionsflächenwitternde Meute kaum auf ihrer Suche nach dem unverdorbenen Utopia, das auf jeden Fall jenseits androzentristisch verderbter Zivilisation liege.

Wenn der biblische Gott mütterliche Attribute hat, gilt ihnen das als Beweis für die Doppelgeschlechtlichkeit. Als seien mütterliche Attribute nicht nur Attribute, sondern untrennbar an das Geschlecht gebunden. Als könnte eine Vatergottheit nicht ebenso gut mütterliche Attribute tragen. Das katholische Christentum, das sehr deutlich aus einer monotheistischen Religion eine polytheistische mit einer zentralen Muttergottheit, eben der Muttergottes, gestaltete, war in sich von einer narzisstischen Bruderschaft, wie sie Grundeberger/Dessuant beschreiben getragen, die mit Zölibat und Bruderschaften durchaus darauf achtete, dass ihr von „Sünde“ freies Selbstbild nicht durch anwesende Frauen gekränkt würde.

Obwohl nun das „alte“ Testament bei weitem weniger sexistisch und archaisch ist, als bislang angenommen, ist doch aus ethnologischer Perspektive der Begriff einer patrimonialen, patriarchalen Gesellschaft durchaus angebracht. Die Abstammungslinien sind in männlichen Namen festgehalten. Anders als bei matriarchalen Gesellschaften gilt das Gesetz des Sohnes und des Erzeugers, was darauf hinweist, dass die Funktion des Zeugungsaktes schon so weit erforscht war (was bis in die heutige Zeit in zahlreichen Regionen keine Selbstverständlichkeit ist, vgl. Malinowski über die Trobriander), dass der Vater bestimmt werden konnte und Polyandrie ausgeschlossen war. Tempelprostitution (homosexuelle wie heterosexuelle) wird ebenso verboten wie rituelle Orgien.

Deutlich legt beispielsweise Deuteronomium 12:31 die Abscheu vor dem rituellen Menschenopfer fest, und behält dabei den bei den kanaanäischen Kultbräuchen geopferten Töchtern und Söhnen gleichen Rang vor in Hinblick auf das zu erhaltende Leben.

Jedoch auch die Vorrangstellung der „männlichen Erstlinge“ bei den Tieren, die dem Herrn geweiht sind (Dtn 15:19) und die zahlreichen Brudergesetze deuten darauf hin, dass es sich um alles andere als eine „geschlechtergerechte“ Gesellschaft gehandelt hat. Die trotz allem vermutlich weitaus fortschrittlicher war als die meisten anderen Religionen und auch biblischen Frauen wie Sara, Judith oder Ester ein selbstbewusstes Handeln sehr selbstverständlich zuschrieb.

Für das Christentum mag es letztlich wenig Sinn machen, auf die weiblichen Anteile des Gottes hinzuweisen. Erstens ist er seit Aufhebung des Bilderverbots und Abkehr vom jüdischen Monotheismus ein Sohn mit einem männlichen Genital unter dem Lendenschurz, nämlich Jesus. Zweitens wird ohnehin daneben die Muttergottes verehrt und in vollbusigen Statuen als Wichsvorlage für Kirchenväter omnipräsent ausgestellt. Und drittens gibt es im Christentum so viele Götter, dass dem Sammelsurium aus Heiligen Geistern, Söhnen, Vätern, Muttergottes und zahllosen Heiligen, Seligen, Wunderkräftigen und Sakrosankten Unfehlbaren das Zufügen einer weiteren Muttergottheit auch nichts ändert.

Für das Judentum, das sich Gott ohnehin nicht als bärtigen Mann vorzustellen wagt, weil dieser jeglicher Vorstellung enträt, mal in einer Rauchsäule, mal in einer Feuersäule, mal in Engeln erscheint, ist das Ganze ohnehin kaum von Belang, da in den hebräischen Texten jene Vieldeutigkeit bewahrt ist, auf der die "Bibel in gerechter Sprache" aufzubauen meint.

Ein weiteres Nebenscharmützel der Religionsinternen pc-Schlacht ist es, dem Judentum gerecht zu werden. Dies meint man zu tun, indem man betont:
"Sie lesen in Ihrer Bibel
und können sicher sein,
hier wird ernst genommen, dass Jesus Jude war.
"

Dass Jesus (wie seine Jünger und Evangelienschreiber, und über tausende Jahre seine Anhänger) Antisemit war, ist nicht dadurch aufgehoben, dass er Jude war, der nichts mehr wünschte, als das verhasste Gesetz der Vaterreligion durch sein eigenes zu ersetzen. Das neue Testament seines Antisemitismus zu berauben, hieße, es seines zentralen Glaubensinhaltes zu berauben und einfach so weiter zu machen wie bisher, nur mit ein bisschen weniger offensichtlichem Antisemitismus.

Eine kritische Rezension findet sich in der "Zeit ".

 

Nachtrag: Schenkt man Freuds Schrift "Der Mann Moses und die monotheistische Religion" Glauben, ist der jüdische Gott primär durch Moses geformt, d.h. Moses als Anführer des Auszugs und als Religionsstifter wird zur Quelle der Bestimmungen des Gottes. Sein Jähzorn ist der Gottes, als er befiehlt, die abtrünnigen Götzendiener um das goldene Kalb zu bekämpfen. Später sei zudem von den jüdischen Stämmen eine lokale Vulkangottheit dazwischengetreten, die das Bild des sehr männlichen Jahwe mitbestimmt habe. Erst nach einer Latenzphase sei der ursprüngliche Monotheismus, den der Ägypter Moses aus einer ägyptischen Sekte zu den Juden brachte, wiederbelebt worden und Moses Bild hat man nachträglich aus Schuldbewusstsein (er wurde vermutlich von den eigenen Leuten getötet) mit "weiblichen", mildtätigen und wunderkräftigen Aspekten ausgeschmückt. Nichts spricht in dieser Auffassung für einen Weiblichkeitskult, viel für eine Identifizierung Jahwes mit einem männlich bestimmten Gott, eben Moses, der ägyptische Sonnengott oder die Vulkangottheit.

26.11.06 12:46


Yvan Eht Nioj

Von ein paar GIs, die auf der Straße entlangschlenderten, erfuhren wir, daß das Dorf Orken hieß. Wir betraten ein zerschossenes trostloses Haus mit kaputten Fenstern und sahen einen Major, der sich gerade über einen Kartentisch beugte. Es war eine filmreife Szene.

"Na Jungs, zu welchem Haufen gehört ihr denn?" rief der schnurrbärtige Regimentskommandeur.

"Psychologische Kriegsführung", sagten wir.

Er runzelte die Stirn. "Was ist das denn? Noch nie gehört. Was muß man sich denn darunter vorstellen?"

Wir sagten: "Antideutsche Propaganda."

"Oha", rief er, "bestimmt 'n ruhiger Job. Hättet ihr Lust mit mir zu tauschen?"

"Danke nein, lieber nicht."

Aus: Saul K. Padover: Lügendetektor. Vernehmungen im besiegten Deutschland 1944/45. Econ Ullstein Verlag 2001, S. 228.

 

27.11.06 13:24


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