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Black Box Afrika – Ein Kontinent driftet ab

Hans Christoph Buch . ZuKlampen 2006, 159 Seiten, 16€.
ISBN 3-934920-94-2

Zeitungsartikel zwischen 1995 und 2005 einfach zusammenzupacken und mit ein paar Kommentaren, Postskripten zu jedem Artikel, versehen zwischen zwei bunte Hardcover zu klatschen genügt anscheinend, um den öffentlichen Hunger nach Afrikathemen zu sättigen. Augenscheinlich wird die Literatur über Afrika derzeit vor allem von Publizisten und gefärbten Hilfsorganisationen abgedeckt. Wissenschaftliche Rahmenbedingungen sind da von sekundärem Interesse, Fussnoten, Zeitangaben, all das braucht ein Buch nicht, solange es „literarische“ Essays versammelt. Leider rutscht die Darstellung dadurch etwas in Richtung Populismus und Exotismus. „Niemand ist gefeit gegen Klischees, die manchmal der erste Schritt zur Wahrheitsfindung sind.“ (159)

Dieser nicht ganz falsche Satz scheint bisweilen Programm zu sein, wenn es um grobe Verallgemeinerungen beispielsweise der zahlreichen unterschiedlichen familialen Systeme in Afrika geht: „Interessanter, weil empirisch nachprüfbar, ist der Hinweis auf die afrikanische Familienstruktur, ein verkapptes Matriarchat, bei dem der Vater nur die Rolle des Erzeugers spielt, während die Erziehung der Kinder Onkeln und Tanten obliegt. Allein unter wirtschaftlichem Druck hat sich in Afrika die Einehe durchgesetzt, während die Polygamie nicht nur unter Moslems weit verbreitet ist. In diesem Kontext ist die von Autoren wie Stuart Vail beschriebene Mentalität der instant gratification einzuordnen, also eines hemmungslosen Lustprinzips, das bei der Wunscherfüllung keinerlei Aufschub duldet und die Betroffenen für Alkohol, Drogen und schnellen Sex, sprich AIDS empfänglich machen soll.“ (154)

Ob Polygamie die Regel war oder ist, bleibt höchst fraglich ob der verbreiteten Praxis der weiblichen Genitalverstümmelung, die Jungfräulichkeit und eben Einehe garantieren soll und von Brautpreissystemen beispielsweise in Kenia, die es Männern von je kaum erlaubten, mehrere Frauen zu „erwerben“. Trotz aller stilistischen Mängel, die erwähnte Nachlässigkeit bei Fakten und Zeit- wie Ortsangaben, das etwas unübersichtliche Springen von Schlaglicht zu Schlaglicht, bemüht sich Buch um Reflexion und nüchtern-brutale Darstellung, nicht zuletzt mit dem Ziel, gutmenschliche Irrtümer über Afrika bloßzulegen. Das Buch kann schnell auf einer Zugreise weggelesen werden, die Leserschaft erhält ein gewisses Halbwissen, und ebenso schnell wurde es anscheinend geschrieben, bzw. aus Artikeln zusammengestellt.

„Und weil das Wort Stamm einen kolonialen Beiklang hat, erklären Gutmenschen in Europa sie für nicht existent.“ (145)

„Kollektive sind hier wichtiger als Individuen, denn ähnlich wie im vormodernen Europa gilt nur ein Mitglied der eigenen Volksgruppe als vollwertiger Mensch, während Angehörige fremder Ethnien als quantité negligeable betrachtet werden, deren Leiden wenig oder gar kein Mitgefühl hervorruft. Der Videofilm mit der Folterung und Ermordung des gestürzten Staatschefs Samuel Doe war ein Bestseller in Liberia, und auf meine Frage, warum er seine afrikanischen Brüder und Schwestern töte, antwortete ein Kindersoldat in Monrovia mit der Gegenfrage: Warum nicht?“ (150)

„Tribalismus, also Stammesdenken, ist das Hauptproblem Afrikas, und die Auflösung der Staatlichkeit, Somalisierung genannt, schreitet unaufhaltsam fort. […] Allein in der an Uganda grenzenden Ituri-Provinz sind 50 000 Tote zu beklagen, die Wirtschaft ist zu 100%, die Infrastruktur zu 80 % zerstört, 50% der Frauen und Mädchen wurden vergewaltigt oder sexuell versklavt, und in den Flüchtlingslagern breitet sich Cholera aus.“ (31)

„1972 wurden in Burundi 200.000 Hutu-Evolués, lese- und schreibkundige Angehörige der Unterschicht, von der Tutsi-Armee ausgelöscht, und beim bisher schlimmsten Völkermord im benachbarten Ruanda haben Hutu-Milizen im Sommer 1994 bis zu einer Million Tutsi niedergemetzelt.“ (43) „In Afrika herrscht das Führerprinzip – die Leute hier wollen einen starken Mann.“ (48)

„Zum Abschied fragt er [Jean-Baptiste Bagaza] mich, wie Hitler es geschafft habe, sechs Millionen Juden umzubringen. Ob das technisch möglich gewesen und ob die Zahl nicht übertrieben sei?“ (53)

„Ich will wissen, ob in Monrovia umlaufende Gerüchte stimmen, wonach es im Busch immer wieder zu Fällen von Kannibalismus kommt? – Ja, aber nicht zur Stillung des Hungers, sondern als magisches Ritual, mit dem der Geist der Toten seinem Mörder dienstbar gemacht werden soll.“

„Man spricht von Sobels – Soldaten bei Tag und Rebellen bei Nacht.“ – „Und warum hacken sie den Leuten die Hände ab?“ – „Zur Abschreckung, damit sie nicht von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen. Im Wahllokal wird jeder Bürger mit Fingerabdruck registriert. Trotzdem hat das Volk den Putschisten eine Abfuhr erteilt und einen demokratischen Präsidenten gewählt.“ (92)

„Man macht die Libanese, die den Ein- und Ausfuhrhandel kontrollieren, für alles verantwortlich, aber ich glaube, die Leute hier haben die falsche Mentalität und sind an ihrer Misere selber schuld.“ (95)

„Auf frischer Tat ertappte Diebe werden in Afrika auf offener Straße gelyncht, denn der Marktplatz ist hierzulande ein heiliger Ort.“ (151)

„Um sich vor übler Nachrede und bösem Blick zu schützen, muß jeder, der Reichtum oder Macht besitzt, seinen Clan mit großzügigen Geschenken bei der Stange halten – ein feudales Klientelsystem, das demokratische Transparenz verhindert und die in Afrika allgegenwärtige Korruption nach sich zieht.“ (152)

Der Autor H.C. Buch, dem auch im Buch die angenehme Nähe zu materialistischen Erklärungsansätzen anzumerken ist. Dabei bleibt er jedoch weitgehend immun gegen imperialistische und Postkolonialistische Wahngebilde, bisweilen lässt sich ein hauchzarter Duft kritischer Theorie im Abgang bemerken. 

2.10.06 15:38


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Dawn of the Red

Wenn dies eines jener niveaulosen Petz-Blogs wäre, dann würde hier jetzt eine Hymne auf den Humor von RTL folgen: Dieses hatte nämlich am 3.10. (Tag der deutschen Einheit) - während auf anderen Sendern die deutschen Massen die Mauern stürmten - „Dawn of the Dead“ im Programm. Vielleicht war nichts Besseres zu bekommen, vielleicht war es perfide, antideutsche Provokation. Gehässig die vielleicht beste Szene des Films, als der infizierte Überlebende auf dem Nachbardach seine Schreibtafel zur Warnung vor sich selbst mit Blut beschmiert, mit den begeisterten Deutschlandflaggenschwenkern auf der Mauer zu vergleichen, das wäre in manchen Kreisen sicherlich lustig. Aber da jene anders als faschistoide Zombies durchaus ein Recht auf bürgerliche Freiheit hatten, die der realsozialistisch-völkische Staat ihnen versagte und dies zudem kein niveauloses Petz-Blog ist muss ähnliches woanders gesucht werden.

Abgesehen davon ist "dawn of the dead" ein zwar ekelerregender, aber nichtsdestotrotz wichtiger Film. Die bewusstlose Masse von Zombies kann kaum anders als Kritik am Pogrom gelesen werden. Das Sein zum Tode hat sich in ihnen verwirklicht, wenngleich Vernichtung nur als Assimilation erscheint. Diese wird allerdings über den Virus biologisiert, die wirklichen Mechanismen verschleiert, offen bleibt, ob dieser Virus etwas hinzufügt oder beseitigt, also ob im Prinzip alle von je Zombies sind, und der Virus lediglich Hindernisse beseitigt, oder ob er erst die Vernichtungswut entfacht. Auf Nahrung scheinen die Zombies zudem nicht angewiesen zu sein, es ist, als errege die Anwesenheit eines Nichtidentisches, Lebendigen, die Wut, dieses zu vernichten, dem eigenen Untod gleichzumachen, in dem der Zombie gezwungen ist zu verharren. In dem völlig unrealistischen Siegeszug der Zombies - nichts wäre militärisch einfacher zu besiegen als eine völlig unintelligent kämpfende Masse, die sich zudem nicht reproduziert - ist gleichzeitig die unheimliche Totalität aufgehoben, mit der der Faschismus jeglichen bürgerlichen Widerstand brach. Unheimlichkeit erwächst aus der völligen Absenz staatlicher Kompetenz, bürgerlicher Widerstand muss sich selbst innerhalb der Lebenden mit Waffengewalt konstituieren. Nicht völlig ohne Grund ist die letzte sichere Festung das Warenhaus.

6.10.06 23:14


Ikonodule Mittelhessen

 
In Dietzenbach in Mittelhessen soll einem Gemeinderatsbeschluß von CDU und freien Wählern zufolge im Kindergarten Deutschpflicht herrschen und ein Bild des Bundespräsidenten aufgehängt werden. Dies erfordere der hohe Ausländeranteil der Gemeinde. Dass die aus diesen Kindergärten hervorgehenden Islamisten „Mein Kampf“ nicht mehr auf türkisch oder arabisch lesen müssen, sondern mit der deutschen Sprache antiaufklärerisches Gedankengut aufzusaugen in der Lage sind, also später integriert in die deutsche Mehrheitsgesellschaft über Heidegger, Fichte und Carl Schmitt promovieren, soll anscheinend direkte Gewaltbereitschaft mindern. Was man in Dikaturen als das erste Mittel der Propaganda sieht, einen Kim II Sung, einen Saddam Hussein, einen Chomeini, einen Nasrallah oder einen Mao von der Wand glotzen zu lassen, als imaginär alles überwachendes Über-Ich, ist nicht Aufklärung, sondern Integration und Assimilation von einem konkurrierenden Racketsystem in ein anderes, besser organisiertes, deutsches. Der freundliche Herr Köhler vor Rauhfaser: eine ähnliche Inhaltsleere protzt aus den von Parteien bevorzugten Wahlplakaten. Ein verkrampft grinsender Racketeer wird den mittelhessischen Volksmassen die notwendige Identifikationsfigur geben, die Lenkung derselben erfolgt dann schon im Nachhinein auf demokratisch-liberale Art. Die Propaganda der Tat, wie sie Elendsverwaltung und Sozialhelfertum in Parallelbezirken postuliert, wird durch die noch plumpere Propaganda des ästhetischen Porträtgrinsens abgelöst. Von vornherein schlösse sich in diesem Konzept aus, ein Bild einer hässlichen Frau, eines adlernasigen Kippaträgers oder eines Afrodeutschen mit Feuerauge aufzuhängen. Wer für die Mehrheit wirbt, hat dem Ideal derselben Rechung zu tragen oder beim bedauerlich unpropagandistischen Aussehen eines Führers wie der nordkoreanische Gesichtsgünther Kim durch terroristische Macht den ästhetischen Mangel wettzumachen und in einer Ästhetik des Bösen zum Vorteil zu verwandeln. In Kindertagesstätten wirkliche Kunst aufzuhängen, einen Chagall, einen Max Ernst, einen Beckmann, eine Käthe Kollwitz oder einen vor Erotik strotzenden Rodin, wäre ein erster notwendiger, aber kein hinreichender Schritt zu Aufklärung und Kultur, die nicht schon für die Barbarei sich verschworen hat. Ein auf Abortwände hingekritzeltes Tittenpaar zeugt schließlich auch noch lange nicht von sexueller Emanzipation.
 
9.10.06 16:42


Der Graspfurz

 
Der Studiosus gönnt sich, nachdem er zur Verbesserung von Zirkulation und Haltung etwas Leibesertüchtigung in Feld und Flur unterzog, im Bade seines Schweißes, zwischen kühler Herbstluft und frühem Sonnenuntergang, noch eine Runde um sein landschaftsgärtnerisches Erstlingswerk, einen kleinen Teich mit gelben Seerosen und wildem, aber willkommenem Rohrkolben. Von der erhobenen Position einer Schaukel, die ein alter Birnbaum erbricht, erfrecht sich ein kleines Gör von 4 Jahren, ihn grundlos zu foppen: „Na, du kleiner Mann.“ Ihre Altersgenossin auf einem Klettergestell pflichtet dem bei: „Du Graspfurz“.
Unsicher, ob es denn die rosa angelaufene und beileibe nicht unfleckige Trainingshose sei, oder tatsächlich seine Körpergröße, die den Mangel an Respekt ihm gegenüber verursachte, lächelt er sich verlegen schweigend am herausfordernden Gekicher der impertinenten Zöglinge irgendwelcher Nachbarn vorbei. Erst später, bei Bohnen und Speck wird ihm klar, dass an ihm, dem vorbeikommenden Fremden, eine kleine Rebellion stattfand: Die Kleinen wussten sich ihm gegenüber sicherer, als vor Vater oder Mutter. Der von diesen ständig aufs Neue vor Auge geführte körperliche Mangel konnte am Fremden kompensiert werden, die Revolte blieb eine konformistische. In ihm macht sich die Genugtuung breit, dass möglicherweise aus diesen verzogenen Rotzlöffeln einmal eifrige Büromäuschen werden könnten, von denen die Verwaltungsleitung unbedingte Pflichterfüllung einfordern würde.
Eine gerechte Strafe, befindet er, und beschließt, künftig in einer ähnlichen Situation auf die altbewährte Weise zu antworten: Mit dem angewinkeltem Arm, die Faust auf Nasenhöhe in Position gebracht und den mittleren Finger zum Himmel gestreckt. Das würde sie Umgangsformen lehren. Der Zweifel, ob dies nicht ein klein wenig Exhibitionismus sei, steigt dabei wie kleine Seifenblasen in ihm auf, aber wer lebt denn heutzutage noch ohne Widerspruch. Solange nur die Reflexion darin nicht ausfällt, sagt er sich müde und satt in eine Bohnenform zusammenzusackend und die starren Socken mit den Zehen vom Fuß streifend.
9.10.06 19:51


Tunesien rügt Schleier!

Western Resistance bloggt Interessantes über Tunesien. Hier ein paar Auszüge:

Tunesien hat 1981 offiziell den islamischen Schleier oder Hijab aus öffentlichen Büros und Schulen verbannt. Man vergleiche dies mit Großbritannien, wo eine massive Diskussion über die Rechte von islamischen Frauen auf das Tragen des gesichtsbedeckenden Schleiers odernikab geführt wird. Dort wurde die Debatte von Jack Straw begonnen und vom Premierminister und anderen Regierungsoffiziellen und dem Novelisten Salman Rushdie weitergeführt.

[...] Die verlautbarungen des tunesischen Presidenten folgten nach einem Kommentar der kürzlich bei einer Konferenz von al-Hadi Mihani, dem Generalsekretär der Regierungspartei, getroffen wurde. Mihani verurteilte den ansteigenden Gebrauch deshijab in Tunesien.

Er sagte:

"Es gibt die Notwendigkeit, gegen dieses Phänomen zu demonstrieren, die glaubwürdigkeit des Islam zu verteidigen, die Rechte von gegenwärtigen und zukünftigen Generationen und die Identität des Landes. Wenn wir heute den Schleier dulden, werden wir morgen akzeptieren, dass Frauen das Recht ihren Job zu behalten und zu wählen verlieren, dass sie vom Studium ausgeschlossen werden und dass sie allein ein Faktor der Reproduktion und der häuslichen Arbeit werden."

(Kürzende Übersetzung aus dem Englischen: nichtidentisches

Tunesien verfolgte seit der Dekolonisierung eine betont "feministische " Politik . Heute sind 7 Frauen im Kabinett, 22,7 % der Chamber of Deputies sind Frauen und 15% der Chamber of Advisors.

Die Orientierung an westlichen Prinzipien besteht anders als im Falle der Türkei noch heute relativ ungebrochen. Dabei ist trotz einem Bevölkerungsanteil von 99% Muslimen ein Leitmotiv der Kampf gegen den islamischen Fundamentalismus gewesen, was nicht zuletzt mit staatlichen Repressionen erkauft wurde.

12.10.06 00:46


Je Schurke, desto Gurke

Die Tazbollah hat in ihrem täglich erscheinenden Propagandaorgan „taz“ am 11.10.2006 ihren Großajatollah Daniel Bax zum Putinbesuch befragt. Seine Antwort: „Moskau gefährdet den Weltfrieden nicht!“ Denn: „Je größer der Schurke, desto stärker die Proteste.“ Es gebe „gute Gründe, warum die Proteste gegen Bush stärker ausfallen, als bei einem Putin Besuch. Der US-Präsident hat in seiner Amtszeit hinreichend bewiesen, dass er die größere Gefahr für den Weltfrieden darstellt. Seine (!) Kriege gegen Afghanistan und den Irak, von denen zumindest letzterer einen klaren Bruch mit dem Völkerrecht markierte, sowie seine vorbehaltlose Unterstützung gegen Palästinenser und Libanesen haben die Welt zu einem gefährlicheren Ort gemacht und dem islamistischen Terror neuen Auftrieb gegeben. Seine Kriegslügen und illegalen Gefangenenlager haben die moralische Autorität seines Landes begraben. Und seine Drohgebärden gegenüber Nordkorea und dem Iran haben diese Staaten nur dazu animiert, sich mit dem Bau von Atombomben zu beeilen.“ Und obwohl Putin und Bush beide Schurken sind, sei der „Grund für den ingesamt schwachen Protest gegen ihre Politik“: „Putin hat lediglich die Verbrechen in seinem eigenen Land zu verantworten. Das lässt ihn moralisch nicht besser dastehen. Aber seine Willkürherrschaft bedroht eben nicht gleich das Gefüge der gesamten Weltordnung.“

Zusammengefasst: Ein einziger Teufel macht den schönen Weltfrieden kaputt, macht Krieg gegen die Guten und das Recht, hält es vorbehaltlos mit den Juden, obwohl doch jeder weiß, dass denen nie zu trauen ist, und macht Terror gegen sich selbst, um so fein raus zu sein vor allen, die nicht Daniel Bax heißen. Dann macht er alle zu Antiamerikanern, baut Nordkorea und Iran eine Atombombe, und hat überall illegale Gefangenenlager, in denen er alle Häftlinge massakriert. Und niemand macht etwas dagegen. Außer Bax. Daniel Bax.

Je stärker der Antisemitismus, desto schlimmer der Jude, war schon immer Bax Leitmotiv und wo Milizen am Kongo, Guerillas in Kolumbien, Nazis in Arabien, KPisten in China, durchgedrehte Föhrer in Nordkorea und braungebrannte Volksdeutsche im Osten friedliche, emanzipierte Menschen zur Hölle wünschen und diese auf Erden entfesseln, da ist für ihn ein „Gefüge der gesamten Weltordnung“ in Fugen, nach dem hübschen Originalmuster wie ers beim Führerbunker bestellt hatte. Passt, wackelt und hat Luft. Wenn nur der verflixte Holzwurm, der amerikanische Borkenbock da nicht unterhöhlen würde, was das Zeug hält.

PASST AUF JEDEN SCHURKE!
12.10.06 23:57


Die Apotheose Jostein Gaarders

Bisweilen bekommt man Aufträge, die betont offen sind: Schreib mal irgendwas dazu halt so. Wenn man aber denkt, dies sei Ausdruck von individueller Freiheit, hat man schnell einen Artikel von Dutzenden Stunden Rechercheumfang wie bestellt und nicht abgeholt herumliegen. Die Prodomo zum Beispiel hat sich „sagen lassen, dass Sofies Welt ein ziemlicher Schrottschinken ist,“ und wollte irgendetwas zu Gaarder haben. Später erfährt der Autor, man hätte doch eher herausstellen sollen, „wie wahnhaft es ist, die aktuelle israelische Politik mit dem alten Testament in Verbindung zu bringen.“ Stattdessen war es dem Autor ein Anliegen, herauszustellen, wie wahnhaft es ist, genau dies nicht zu tun, also die gesellschaftliche Tat Geschichte außen vor zu lassen, gerade wenn es um ein religiös vorgebrachtes Ressentiment geht. Dazu wurde mit Freud ein wenig Bibelkunde ausgebreitet, beispielsweise vorausgesetzt, dass der Ethik- oder Religionsunterricht von Klasse 6 noch sitzt, dessen Inhalt irgendwann die Geschichte von Josef und seinen Brüdern war.

Man erinnert sich vielleicht dumpf an Geschwisterkonkurrenz, an den jüngsten Lieblingsbruder Benjamin und den Traumdeuter Josef in Ägypten. Aber „Als, wie wohl die meisten Leser der "Prodomo", schwer bibelunkundiger Leser, muss [Prodomo] hier leider passen. Wie ging die Geschichte von Josef und seinen Brüdern? Und: was ist der verschobene Ödipuskomplex? Und was hat das mit Antisemitismus, insbesondere obigem Gaarder-Zitat, zu tun?“ Eine berechtigte Frage, die entweder eine rhetorische ist, die nur exaktere Explikation fordert, dann aber den Leser bevormundet, oder tatsächlich unbedarft, was auch nicht schlimm wäre, schließlich gibt es Bücher, die einem weiterhelfen, beispielsweise die Bibel oder Wikipedia.

Aber wirklich bedenklich wird es dann doch, wenn Kategorien sich verselbstständigen. „Die Kriege der Juden des alten Testaments können nicht antifaschistisch gewesen sein, weil es damals keinen Faschismus gegeben hat. Ohne den biblischen Hintergrund genauer zu klären, [hält Prodomo] es für höchst fragwürdig, eine Bibelstelle zu zitieren, in der "Die Juden alle niedermetzeln". War es für Gaarder "problematisch", dass Juden Cluster-Bombs halt auch auf weiche Ziele, worunter notwendig Zivilisten zu fassen sind, werfen, eine im Krieg kaum zu vermeidende Hässlichkeit, ist es für Prodomo-Leser anscheinend unerträglich von gewalttätigen Juden zu hören, die sich mit dem Schwert ihrer antisemitischen Bedränger erwehren und dabei mit den damals erforderlichen militärischen Mitteln „alles niedermetzeln“. Der Abwehrimpuls bleibt der Gleiche, ein Jude mit blutigem Schwert muss ein böser sein, denn Gewalt und niedermetzeln, das ist böse, soviel blieb dann doch noch vom Ethik-Unterricht haften. Wie man dann aber nachweisen will, dass der Libanon-Krieg antifaschistisch ist, kann nur unter der Prämisse eines sauberen Krieges erfolgen und der sollte jedem aufgeklärten Menschen, der weiß, dass es sich im Stande der Unfreiheit auf das am wenigsten Schlimmste nur zu bewegen gälte, als Fiktion, bürgerliche Verklärung, bewusst sein. Der Krieg der Juden ist nicht unterstützenswert, weil darin nicht „Leute niedergemetzelt“ werden, sondern weil es ein gerechter, weil gegen den Antisemitismus geführter, aufgezwungener ist, bereits im Buch Esther. Und darum schon zu dieser Zeit nicht archaisch, weshalb es überhaupt nicht schlimm wäre, den Libanon-Feldzug unter einer testamentarischen Prämisse zu fassen. Solange man sich auch hier auf die Seite der Juden und nicht in den Dienst der antisemitischen, tatsächlich archaischen Reaktion stellt. Anscheinend aber werden Prodomo-Leser zu Antisemiten, wenn man ihnen Juden präsentiert, die tatsächlich einmal "alles niedermetzeln". Dass im jüngsten Krieg heftige Anstrengungen unternommen wurden, zivile Opfer zu vermeiden, dieses Wissen sollte man allmmählich unterstellen können, es zu beweisen hieße tatsächlich jedes Argument des Antisemiten ernst zu nehmen.

Wer den inzwischen noch erweiterten Artikel "Die Apotheose Jostein Gaarders" als Directors cut lesen möchte, kann ihn auf Anfrage an nichtidentisches@web.de problemlos und ohne Angabe von Gründen erhalten. Im Wesentlichen beinhaltet er eine komplexere Weiterführung der Gedanken, die auf diesem Blog bereits geäußert wurden. Eine Lektüre der ebenfalls auf diesem Blog befindlichen zwei relevanten ins Deutsche übersetzte Texte Gaarders empfiehlt sich zur Vorbereitung. Die Druckrechte sind noch erhältlich. In jedem Fall freut sich der Autor über Kritik und hofft, dass die Prodomo tatsächlich mal wieder in Print erscheint und diese unhöfliche Veröffentlichung von hastigen Briefzeilen nicht als idiosynkratischen Affront wertet, sondern als notwendige Kritik begreift. Aber vielleicht ist der Artikel tatsächlich untauglich, und die Prodomo hat vollkommen recht, das entscheidet das Publikum per Akklamation und so weiter…

Siehe auch "Randnotizen zum Fall Gaarder" und "Sofies Welt braucht keinen Adorno nicht."

17.10.06 00:29


Saure Gurken...

Bedenkliche Züge nimmt die sexuelle Aufklärung bisweilen an. Weil man Menschen bei Aufklärungskampagnen in Afrika nicht zumuten wollte, an einer Holz- oder Latexnachbildung eines Penis zu üben, wurde bisweilen verschämt auf eine Banane ausgewichen. Der dort verbreitete Fetischismus resultierte darin, dass fortan eine Banane mit übergestülptem Kondom als magischer Schutz neben das Bett gelegt wurde, wie man ja auch die Ahnenstatue im Schrank mit Hühnerblut beschmierte. Andere lassen sich partout nicht davon abbringen, dem Austausch von Körperflüssigkeiten magische Qualitäten zuzusprechen.
Wieder anderen gilt der Reiz einer möglichen Schwangerschaft als ungemein lustintensivierend. Nicht zuletzt beklagen zahlreiche Frauen und Männer den Verlust von Erektionsfähigkeit und Lust während der fünf Sekunden Ablenkung vom Telos ihrer Zusammenkunft.
All das, reale Probleme teils surrealer Natur, wird von Aufklärungskampagnen selten reflektiert. Stattdessen frönt man einem augenzwinkernden "Ihr wisst schon was gemeint ist" und macht insgeheim gemeinsame Sache mit Puritanismus und Lustfeindlichkeit. Wo derart verklemmt Gemüse als Surrogat eines Penis präsentiert wird, kichern die Siebtklässler zwar fortan beim Anblick einer Gurke drauflos, aufklären lassen sie sich davon kaum. Wirkliche Aufklärung würde das Thema ernst nehmen, Folgen aufzeigen, auch bildhaft, und sich nicht davor scheuen, das angeblich so Einfache praktisch abzubilden: Das Überziehen eines Kondoms auf unterschiedlich große und geformte Penisse in unterschiedlichsten Erektionsstadien bei unterschiedlichsten Promillewerten. Wie beispielsweise schützt man sich trotz eines Eichelpiercings, wo bekommt man diskret und günstig die versprochenen Unter- und Übergrößen, was tun, wenn das Ding doch mal platzt, oder wie auch als Frau damit umgehen, wenn dem Partner der Reifen auf die Arterie drückt, Penisverkrümmung oder Genitalverstümmelung den Normgebrauch verhindern? Fragen, über die am besten professionelle Prostituierte Auskunft geben könnten, wohl kaum aber Werbefachleute mit Hemmungen.
Anstatt also das Kondom, mit eine der emanzipatorischsten Erfindungen seit der Spülmaschine, schon als perfekt zu präsentieren, sollte besser offen und ehrlich auf die Mängel eingegangen werden, die es noch hat: es ist aus Gummi, teuer, stinkt bisweilen penetrant nach Reifen, und verkürzt den Beischlaf um Teile des Nachspiels durch Herausziehen vor vollständigem Verschwinden der Erektion, möglichst unverzügliche Reinigung des Penis. Das unsichtbare, aufsprühbare und geruchslose Nanokondom lässt leider noch auf sich warten.
Ein zweiter Schritt wäre, die geselllschaftlichen Mängel aufzuzeigen, die auch das beste Kondom nicht aufheben kann, sexuelle Diskriminierung  und Gewalt als allererstes zu nennen. Grundbedingung für eine Immunisierung gegen AIDS, sollte sie überhaupt möglich sein, wäre, offen über Sexualität zu sprechen und nicht wenn es darauf ankommt in kryptische Symbolismen auszuweichen.
Die abwertend-peinliche Reduktion des männlichen Geschlechtsteils auf Gemüse könnte vielleicht jene Feministinnen am ehesten irritieren, die den Gebrauch blauer Tinte für Bindenwerbung kritisieren, andere sehen das gelassener. Man stelle sich jedoch die Werbung für ein Femidom, das hierzulande unbekannte, in Afrika etwas verbreitetere Kondom für Frauen, folgendermaßen vor: "Passt in jeden Kürbis!". Nicht lustig, nicht einmal auf Siebtklässlerniveau könnte man darüber lachen. Vorschläge, wie unten präsentierter Slogan politisch korrekt auf das Femidom umzudichten wäre, können in der Kommentarfunktion abgegeben werden...

Für die Psychoanalyse hat die Sache ein Gutes: Ihr wird man kaum noch vorwerfen können, einem "phallischen Monismus" zu frönen, indem sie jeglichen länglichen oder wachsenden Gegenstand in Traum und Mythos tendenziell als potentielles Phallussymbol interpretiert. Diese Äquivokation besorgen Pornotexte und Kondomwerbung ganz bewusst.

Kampagne "Gemüse":

"Diese Kampagne enthält eine sehr gute Bild-Idee, die hervorragend umgesetzt und besonders ästhetisch fotografiert ist; auch die Headline-Typographie überzeugt. Insgesamt ist eine besondere Auffälligkeit der Plakatmotive gegeben - sie sind ein starker Blickfang. Die Headlines der einzelnen Motive leisten einen Beitrag zur Re-Dramatisierung. Mit ihnen werden konkrete, alltägliche Erfahrungen der Menschen aufgegriffen und sehr prägnant formuliert; unter psychologischen Gesichtspunkten betrachtet, sind in den Headlines relevante Vermeidungssituationen deutlich benannt."

17.10.06 19:37


Rauchen als Verkehrung

"Raucher". David Teniers d.J. (ca. 1637).

„Wir sind keine Römer, wir rauchen Tabak!“ (Friedrich Engels)

Die Affinität von Tabakgenuss und Renitenz ist höchstwahrscheinlich archaischer noch als Engels und die verrauchten Rätesitzungen des 19. und 20. Jahrhunderts. Die südamerikanischen Schamanen verwenden und verwandten Nikotinabsud als Einlauf und Tee, Tabak wurde immer dann geraucht, geschnupft oder gegessen wenn sie Übermächten gegenübertreten mussten, eine Krise lösen sollten oder Einsicht in Krankheitsgefüge suchten. Das dort stärker nikotinhaltige Tabakkraut löste halluzinatorische Vergiftungserscheinungen aus, in denen Gesichte und analytische Prozesse stattfanden. Kurz nach der Entdeckung Amerikas wurde in Europa das Tabaktrinken unter Todesstrafe gestellt, einige wenige Gemälde zeigen fröhliche Spelunken, in denen man dem verbotenen Vergnügen frönt.

In der Linken und dort wiederum insbesondere in der antideutschen Szene fällt ein überproportionaler Anteil an Rauchern auf, der nicht allein auf die oft jugendlichen Strukturen zurückfällt, sondern anscheinend direkt mit einer gewissen Ideologieform korreliert. Teilweise beträgt der Anteil an Rauchern in antideutschen Kreisen bis zu 90%. Das einfach auf einen spezifischen Chic zurückzuführen wäre ein leichtes, greift aber zu kurz. Im Rauchen werden unliebsame Teile von abstrakten Denkprozessen nach außen verlagert und konkretisiert, zur Zigarette wird vor allem in Verlegenheitssituationen gegriffen, um die Konzentration zu fördern. Während also ein Gegenstand diskutiert oder durchdacht wird, muss zwanghaft, und dies nicht allein aus körperlichen Suchtgründen, ein Teil dieses Prozesses abgespalten werden.

Das Bewusstsein von Ohnmacht, das aus der kritischen Theorie erwächst, eine gewisse fatalistische Grundhaltung, wie sie sich auch im schwarzen Humor antideutscher Identifikationswitzeleien – das Nachäffen von antisemitischen Parolen, oder das völlig trockene Vortragen derselben - findet, muss kompensiert werden in einem vermeintlich beherrschten Prozess, dem des Drehen, Anzünden und Rauchen. Ähnliches findet im Extrem bei einigen psychisch kranken Personen statt: Sie rauchen im Zustand der Krankheit intensiver und häufiger, um sich an einem Stückchen Realität festzuhalten und darauf zu beziehen. Diese Beherrschung ist schwabbeliger Schein, der von den rauchenden Personen selten durchschaut wird. Anschaulich wird das an den häufigen Beispielen von Ex- und Gelegenheitsrauchern, die bis zuletzt behaupten, sie hätten die wieder- oder neuaufgenommene Sucht im Griff. Einsicht erfolgt allenfalls dann, wenn es zu spät ist und diese nur noch in Schicksalsergebenheit münden kann.

Rauchen und Warenfetischismus ähneln sich: Beiden ist gleich, dass ein kurzfristiges Durchschauen dessen nicht die Aufhebung zur Folge haben muss. Es erforderte die gesellschaftliche Tat, beides zu durchdringen. Ebenso wie die Aufhebung des Kapitalismus nur durch die Assoziation emanzipierter Individuen stattfinden kann, muss das Aufgeben des Rauchens ein Bruch mit allem bisher bekannten darstellen, ja er muss gesellschaftliche Tat werden, um nicht von einem System aus sozialer Abhängigkeit und quasi kulturalistischer Toleranz eingeholt und aufs Neue verschlungen zu werden. Entwöhnung ist der beste Begriff für einen solchen Prozess, der eben beinhaltet, das bekannte, wohnliche Elend zu verlassen.

Entweder das Individuum greift zur Robinsonade, es vereinzelt sich, löst sich aus den gesellschaftlichen Zusammenhängen heraus, die es stets aufs Neue in das Suchtverhalten treiben, oder es geht dazu über, mit der eigenen Freiheit die Freiheit aller einzufordern.

In dem Maße, in dem kulturalistische Toleranz eine Gesellschaft bestimmt, wird sie auch die Freiheit des Individuums nicht verwirklichen können, sie wird ihr nur als verkehrte erscheinen können, nämlich die der Freiheit eines objektiven Prozesses, sei dies Staat, Religion oder Suchtkrankheit zum Zugriff auf das Individuum. Ebenso wie es eine zivilisatorische Errungenschaft ist, um das Leben einer Person gegen deren Willen zu kämpfen, ist das angekündigte Rauchverbot in Kneipen eine zutiefst emanzipatorische Errungenschaft. Es schafft einen einzufordernden Rechtsstatus des Individuums auf körperliche Unversehrtheit, was zu Nachteilen derer geht, denen die im Rauchen praktizierte schrittweise Selbstvernichtung und in Kauf genommene (wenn überhaupt bewusste) Vernichtung des Anderen als Freiheit gilt. Vernichtung des Anderen ist dabei nicht Telos, sondern akzeptiertes Übel. Bezweifelt sei aber, dass Rauchen eine derartige Attraktivität entfalten könnte, wenn es nicht gerade gefährlich sei, den Tod enthalten würde. Unbewusst kennt jedes Individuum die Bilder von Raucherbeinen, die Statsistiken von Raucherkrankheiten, das ambivalente Suchtverhalten zieht einen gewissen Reiz aus dieser Todessehnsucht und Todesverachtung. Die Verächtlichkeit für die Gesundheit und die, denen diese etwas bedeutet, mündet in ein nicht selten offen artikuliertes „Ihr liebt das Leben, wir lieben den Tod.“

Der Tod erscheint als Lust, die das Leben erst lebenswert mache. Die intrinsische Abhängigkeit von einem weitgehend objektiven Suchtprozess wird geleugnet oder verharmlost, das Leiden daran auf seltene Momente verdrängt. Der Leidensgewinn verspricht Selbstbestrafung, frühen Tod, Trotz und Auflehnung gegen die verhassten Subjekte, denen man wirklich etwas bedeutet, nicht zuletzt der eigenen Person. Die Freiheit zum Tode erscheint als das einzige wirklich selbstbestimmte, was in der Totalität noch möglich ist, wenn nicht Suizid sogar zum Event verkommt. Anders als bei anderen beliebten selbstzerstörerischen Prozessen wie übermäßigem Alkoholkonsum ist das Rauchen jedoch stets notwendig auch das Leiden derer, die gar nicht leiden müssten. (Der Autounfall des Alkoholikers ist kein notwendiger, weil schon von Rechtsnormen erfasst und begriffen. Er ist häufiger Ausnahmezustand, während das Passivrauchen akzeptierte Normalität, Normalisierung des Ausnahmezustandes ist).

Anstatt nun aus Einsicht in den selbstzerstörerischen Prozess einzugreifen und zumindest die Zerstörung des Anderen abzuwenden, wird der, der an die begrenzte Unabhängigkeit in der verhassten Möglichkeit einer Symbiose von Tabakabstinenz und Freiheit gemahnt, zum Störenfried, sein Anspruch ist die Verneinung der eigenen Freiheit zum Tode. Frech und unverschämt, totalitär und antiliberal sei sein Beharren auf dem Willen zum Leben, ein Rauchverbot in der WG, Mindeststandard zivilisatorischer Praxis, gilt den antideutschen Rauchern als Wiederkunft des Faschismus. Folglich geben sie sich schwer generös, wenn sie gelegentlich rhetorisch anbieten, auf die eine oder andere Zigarette zu verzichten, was der noble Nichtraucher natürlich abzulehnen hat, gefragt wird ohnehin erst mit gezücktem Feuerzeug und um die Droge gespitzen Lippen.

Wenn der komische Kauz von Nichtraucher aber aufmuckt, gar noch trotz solider Mehrheit von ihm oppositionell gesinnten Tabakkonsumenten frech auf seinem Fleisch besteht, ist die Empörung satt vor Idiosynkrasie. Coabhängigkeit ist das Resultat, wer seine Freunde nicht verlieren will, schweigt, wird assimliert und nicht selten selbst zum Raucher, ist er doch in der schwächeren Verhandlungsposition, in der des Angreifers, der einen unzumutbaren Zustand einfordert. Dieser Zustand ist jenen noch dumpf aus grauer Vorzeit bekannt. Ihn durch die eigene Raucher-WG überwunden zu haben, deucht ihnen als individuelle Tat der Befreiung und Emanzipation, ist aber zutiefst gesellschaftlich. Wo man Kopftuch und Frauenbeschneidung akzeptiert, muss das Individuum auch jeden anderen Schmerz, den das Kollektiv ihm dafür zufügt, dazu zu gehören, akzeptieren, und sei es von entschiedenen Feinden der ersteren Zumutungen. Das Rauchen wird dann ausgerechnet jenen zum Ersatzkollektiv, die an bestehenden Kollektiven das Falsche benennen können. Es formt dieses Kollektiv. Die Individuen wissen das nicht, aber sie tun es. Indem sie schnorren, um Feuer bitten, den Aschenbecher herüberreichen produzieren sie einen Kollektivgewinn, sie simulieren ein Netzwerk, das sie auf wirklich sozialer Ebene gegen das Rauchen, also auch mit Nichtrauchern und gegen kapitalistische Verwertungsgesetze zu schaffen nie in der Lage sind.

Während also das Bewusstsein der Sucht oszilliert zwischen Überhöhung, deren Leidensgewinn sklavische Ergebenheit in die Abhängigkeit ist, und Verdrängung in Lust, wobei der Leidensgewinn sich klar lokalisieren lässt in der stärkeren Position einer Verteidigung von Lustfreiheit gegen Prüderie, wird die Nichtsucht zur Krankheit, zum Problem stigmatisiert. Nichtraucher müssen sich in solchen Zusammenhängen für ihr Nichtrauchen entschuldigen, rechtfertigen, aushandeln und stets aufs Neue erkennen, dass zwei Stunden später das Ausgehandelte Makulatur, niemals reliabel ist. Nun den Vertrag einzufordern, hieße endgültig zu vergällen, allzu pingelig sein. Der Nichtraucher ist zum Opfer nicht bereit, das von ihm gefordert wird, um das zwanghaft friedliche Zusammenleben des Kollektivs zu erhalten. Akzidentielle, weil auf Wahrscheinlichkeiten basierende Schäden wie Krebserkrankungen werden in dieser Ideologie zu Hirngespinsten des Nichtrauchers, die dieser in Wahn und Hypersensibilität nur ausspiele, um seinen Machtgelüsten, Kastrationsägsten und Deprivationsängsten Abhilfe über Beherrschung von unschuldigen Rauchern zu verschaffen. Ein selbstbestimmtes Handeln von Tabakrauchkonsumenten hin zu freien Assoziationen, in denen die Eigenschaft "Rauchen" zur sekundären auch und vor allem von Seiten des Rauchers gerät, scheint ausgeschlossen, das System, das sie erschaffen und sie erschafft ist ein autopoietisches, es kann allein aufgebrochen werden durch die Gewalt der kritischen und damit selbstkritischen Vernunft, die gegen die Fetischisierungen von Sucht und Wahn ankämpfen muss, um je Gehör im Individuum zu finden. Die Tabakkonsumenten erachten ihre durch den Suchtprozess bedingte Persönlichkeit (beider Parteien, denn auch die des Nichtrauchers und des Coanhängigen verändert sich) als ontologisch, natürlich, sie begreifen ihren augenblicklichen Zustand bereits als Freiheit, die Basis des Kommunismus sein müsse, und verteidigen mit Händen und Füßen ein verselbstständigtes Gefängnis, das sie sich selbst erbauten und erbauen.

Hamm: Erinnerst du dich an deinen Vater?

Clov (überdrüssig): Dieselbe Replik. (Pause) Du hast mir diese Frage millionenmal gestellt.

Hamm: Ich liebe die alten Fragen. (Schwungvoll) Ah, die alten Fragen, die alten Antworten, da geht nichts drüber!

Samuel Beckett: Das Endspiel

Zitat "Passivrauchen" auf Wikipedia:

"Tabakrauch wurde von der International Agency for Research on CancerWeltgesundheitsorganisation (WHO) als Karzinogen der Gruppe 1 eingestuft. In diese Gruppe werden Stoffe eingestuft, die schon kleinste Mengen krebserregend sind. Es werden dabei keine Grenzwerte festgelegt, es gibt also keine „unbedenkliche Menge“, der man sich oder Dritte aussetzen kann." (IARC) der

Postskriptum: Ein billiger Gag wäre es, mit Bildern von Raucherbeinen oder Krebsgeschwulsten hier Worten Glauben verleihen zu wollen. Der Autor ist der Meinung, dass diese ohnehin nur verdrängt und abgewehrt würden, solange die Analyse nicht stattfindet.

Postskriptum 2: Da der Autor mit dem Veröffentlichen des Textes anscheinend sämtliche Freundschaften verspielte, sei dies hier bedauert und einem mangelndem Verständnis des Textes geschuldet. Zumindest in einem Fall kann ich sichergehen, dass das Vorgebrachte nicht wirklich Anlass des Zornausbruches war, sondern lediglich Ventil. Der besseren Verständlichkeit wegen wurde der Text noch einmal korrigiert, ein wirklich schlechter Satz gestrichen, dem Kritiker sei Dank.

Die Diskussion unten sei folgendermaßen zusammengefasst:

- Frank lieferte eine nette und lesenswerte Ergänzung über paranoische Projektion.

- M. meint, ich hätte im Text mit Freunden gebrochen und findet die Form der Kritik an diesen respektlos.

- Schlipsiltis meint ironisch, Individualverkehr, also Autofahren sei dem gleichzusetzen und würde ebendiese Kritik erfordern.

- Ich verwies auf einen QUALITATIVEN Unterschied zwischen Autofahren und Rauchen, der sich in ökonomischen Abhängigkeiten äußert, ferner in quantitativ unvergleichbaren Opferstatistiken.

- Schlipsiltis hält "die Unterscheidung zwischen Autofahren und Rauchen vor dem Hintergrund eines "gesellschaftlichen Nutzens" für nicht sehr relevant - aus Freude/ Genuss zu rauchen ist in meinen Augen ein genauso guter Grund es zu tun, wie aus Praktikabilitätserwägungen mit der Karre statt der Bahn zur Arbeit zu fahren; dafür lebe ich schließlich in einer halbwegs freiheitlich organisierten Gesellschaft."

- Schlipsiltis meint, der Rechtsgüterschutzauftrag werde missverstanden, wenn davon ausgegangen werde, dass ein Suizidgefährdeter rechtlich belangt werden kann. Davon ging ich nicht aus. Das Gesetz schützt Nichtraucher, der Vergleich wurde nur geführt um auf einen emanzipatorischen Gehalt hinzuführen.

- M. gerät von der sachlichen Ebene auf die emotionale. Er sieht im Dargestellten eine Gleichung: "Rauchen=Tod Raucher= Freunde des Todes Rauchen= Tötung und Schädigung von anderen heutiges Rauchen=Holocaust an Nichtrauchern! Raucher=Nazis und Islamisten von heute! Da bleibt nur noch, dass du behauptest, die Nazis hätten ja alle vor den Krematorien nur getraucht und die Juden seien durch dieses Passivrauchen gestorben!"

- L.M. betritt pathologisierend die Bühne und empfiehlt eine Psychoanalyse. Er glaubt, "dass Hegel leidenschaftlich Pfeiffe rauchte und Du scheinst lebender Beweis, dass dies einem Nichtraucher nicht möglich ist." L.M. dagegen hat einen Fertigbetonbegriff vom Nichtidentischen und kann dies im Verhältnis denken, was er stichhaltig beweist. Dem Autor unterstellt er, dies nicht zu können und mit der Namensgebung in Selbstherrlichkeit zu verfallen. Der getreue Korrepetitor geht leider in keinster Weise auf Inhaltliches ein.

- Dies vermeint er nachzuholen, um den Preis der Mottenkiste. Er hält dem Autor vor, die eigene Sucht nicht bewältigt zu haben und schöpft daraus Genugtuung. Vernichtung ist für ihn allein im Suicide Bombing erreicht,der Vergleich damit sei unzulässig. Eine Rechtsnorm könne zudem nichts begreifen. Was ein grammatikalischer Irrtum ist, denn nicht die Rechtsnorm begreift im Satz, sondern eine diese setzende, nicht erwähnte, vorrausgesetzte Gesellschaft. Er kontert das Ganze affirmativ: "Ein zivilisatorisches Hoch auf die Kettenraucherkneipe!" Ferner ist er glücklich über die ausgrenzende Wirkung, denn ansonsten müsse er sich solcherlei Geschwafel den ganzen Tag anhören. Was eine Verkehrung darstellt, denn ohne diese Wirkung wäre das Geschwafel nicht existent.

- Biertrinker findet Raucherkneipen dufte und vergleicht Alkoholstraftaten mit Passivrauchen. Worauf schon eingegangen wurde.

- Ein kurzes halbwegs sachliches Palaver zwischen Schlipsiltis und F. entsteht über die Suizidfrage und den Rechtsgüterschutz.

- L.M. ist zurück und breitet Ressentiments gegen das Bloggen aus. Insbesondere kränkt ihn dieses als "Rückzug". Er geht davon aus, dass mit den bisherigen Kommentaren eine "Kränkung" des Autors erreicht sei, weshalb die Diskussion mit dem "Herrn. F. " wie immer nichts bringe, denn dieser sei ein verhaltensauffälliger Dauergekränkter. Beim Bloggen fürchtet er, dass (seine) Kommentare gelöscht werden könnten, und so ein "Maestro seine Kreise nicht stören lasse." Andere Maestros wie L.M. lassen ihre Kreise nicht stören, indem sie sich jeder Kritik im vornherein entziehen. Weiter wiederholt er seine Forderung, der Autor solle eine Psychoanalyse unternehmen und seinen IQ pimpen.

- mangolapholie hat die Faxen dicke und will das Wort "Hölle" nicht hören, dies sei ein Vergleich mit Auschwitz. Es wurde gestrichen.

- raucherbein konstatiert beim Autor ein Bedürfnis "Szenedoktor zu spielen" und empört sich über einen von ihm festgestellten apostolischen Gestus." Er hat keine Lust sich das Ganze genau durchzulesen.

Postskriptum 3:

Die polemisch überhöhte Aussage "Ihr liebt das Leben, wir lieben den Tod" wird selbstvertsändlich kaum unverschlüsselt herausgerückt, dann bedürfte sie ja auch nicht der Analyse. Enthalten ist sie sinngemäß in dem Vorwurf der Lustfeindschaft an die militanten Nichtraucher.   

21.10.06 00:34


Vergewaltigung als Volkssport

In Südafrika ist Vergewaltigung ein Massenphänomen. Laut Netzzeitung seien 16,3 % von 1370 Männern bekennende Vergewaltiger. Die Studie besagt zudem: "Die allgemeine Annahme, Vergewaltiger seien arm und unfähig, Frauen für einvernehmlichen Sex zu gewinnen, stellte sich als falsch heraus. Wir haben herausgefunden, dass Menschen mit höherem Bildungsniveau eher zu Vergewaltigung neigen."

Merkwürdigerweise ändert sich die Zahl nochmal, wenn die Frage anders gestellt wird. Laut Blich.ch ist jeder Fünfte Südafrikaner ein Vergewaltiger:

"18,9 Prozent. So viele junge Männer gestanden in einer Umfrage des südafrikanischen Medical Research Councils (MRC), eine Frau zu Sex gezwungen zu haben. Der erschreckende Befund findet sich weit hinten, auf Seite 88 des Jahresberichts des MRC. Die Forscher befragten 1370 Männer im Alter von 15 bis 26. Jeder Sechste hatte eine Frau ausserhalb einer Beziehung vergewaltigt, teilweise in Massenvergewaltigungen. 8,4 Prozent nötigten die eigene Partnerin zu Geschlechtsverkehr. Von wegen behütete Jugend: Im Schnitt waren die Übeltäter beim ersten Übergriff aufs andere Geschlecht noch Teenies, zarte 17 Jahre alt."

Besonders neu ist dieser Befund nicht: Der "Freitag" veröffentlichte schon 2001 einen ausführlichen Artikel zu dem Phänomen und führt es vor allem auf traditionelle Männlichkeitsideale zurück.

Le monde diplomatique konstatierte 2005:

"Die Teddy-Bear-Klinik in Johannesburg schätzt, dass 24 Prozent der Straftäter, mit denen sie zu tun hat, zwischen sieben und vierzehn sind."

"Laut Thoko Majokweni, der bei der nationalen Strafverfolgungsbehörde die Abteilung für Sexualverbrechen leitet, geht es in der Hälfte aller Prozesse in Südafrika um Vergewaltigungsfälle. Doch immerhin liegt die Bestrafungsquote bei 7 Prozent, während sie etwa in Großbritannien nur 5 Prozent beträgt."

"Und nach einer Studie von Dr. Adrienne Wulfsohn, die an der Sunninghill-Klinik in Johannesburg über 1 000 Vergewaltigungsopfer interviewt hat, handelte es sich in 60 Prozent der Fälle um Gruppenvergewaltigungen."

"11 Prozent der Jungen und 4 Prozent der Mädchen behaupteten, schon einmal jemanden zum Sex gezwungen zu haben. 66 Prozent der Jungen und fast 75 Prozent der Mädchen waren selbst schon zu sexuellen Handlungen gezwungen worden."

Die Schuldabwehr aller Probleme Südafrikas auf die Apartheid ist in der MRC-Studie (und auch der ANC-Regierung unter Mbeki) mehr als augenfällig, die Studie der MRC sieht hier eine der Hauptursachen. Die Apartheid hätte die Familienstrukturen geschwächt und zerstört. Das blendet aus, dass erst seit der Unabhängigkeit die Zahl der Vergewaltigungen so massiv ansteigt, ein nicht auf Südafrika beschränktes Phänomen. Ähnliche Entschuldigungen wurden für die Verbreitung von AIDS, Hexenjagden und den Genoziden in Kongo und Ruanda vorgetragen, stets wird die Kolonialisierung als Ursache allen Übels bezeichnet. Dass traditionelle Strukturen und Aberglaube einen großen Teil zur derzeitigen Lage beitragen, wird aus Furcht vor Rassismus verdrängt. Die traditionelle Gemeinschaft der friedliebenden Afrikaner zeichnet sich in der herkömmlichen populären Literatur durch Solidarität und Gemeinschaftssinn, Hierarchiefreiheit und sexuelle Freiheit aus. AIDS wird als importiertes Problem betrachtet. Dass die AIDS-Raten zwar nicht mit den Kosten der Aufklärungskampagnen korrelieren, wohl aber mit denen der sexuellen Gewalt wird verschwiegen. Schließlich ist es ein rassistisches Stereotyp, Neger als sexuell triebhafter zu bezeichnen und jede berechtigte Kritik an mündigen afrikanischen Männern und einer sexistischen Kultur wird daher als unzulässig betrachtet. Ein solches Verweigern von Solidarität und kritischer Analyse bezeugt nur die Reflexionslosigkeit dieses reflexartig vorgetragenen Antirassismus.

Weitere Links:

AI-Journal 2003

Das Anti-vergewaltigungskondom "Rapex"

Frankfurter Rundschau 2001 über Kindesmissbrauch in Südafrika

Institut für Frauenforschung Kiel: Aufklärung ist wenig hilfreich, solange Frauen sich nicht gegen sexuelle Gewalt wehren können.

WOZ: Dramatischer Anstieg der Vergewaltigungen seit der Unabhängigkeit

Goethe-Institut erwähnt kurz kulturelle Gründe

25.10.06 14:02


We need more intelligence!

Kurzes Zwischenräsonieren über Nichtidentisches: Seit Juni 2006 werden auf diesem Blog durchschnittlich 2 Einträge pro Woche veröffentlicht, die Seitenabrufe schwanken um die 40-80 pro Tag. Während das ursprüngliche Ziel, mit befreundeten Personen im näheren Umfeld in eine intensivere schriftliche Diskussion treten zu können bis auf Ausnahmen klar verfehlt wurde, kristallisierte sich doch heraus, dass es eine interessierte Leserschaft außerhalb dessen gibt. Der eigene Zweifel an der Qualität der in oft allzu experimentell und nicht selten ironisch angewandter kritisch-theoretischer Manier angefertigten Artikel wurde dankenswerterweise durch nette Menschen und ihre netten, interessierten Kommentare auf ein erträgliches Niveau zurückgedrängt. Die Blogfeindliche Haltung von Personen, denen die Meinungs- und Informationsflut suspekt ist, wurde mir zunehmend als Ressentiment gewahr. Das Verfassen eigener Artikel speiste ein immenses Interesse an anderen Artikeln, die zu selten promoted werden konnten, wollte ich doch vor allem eine eigenwillige und individuelle Linie pflegen. Leider blieb der Furor teutonicus der Feinde aus. Niemand zeigte mich an, keine Hassmail erreichte mich, ganz selten tröpfelte ein platter Kommentar hinein. Ich fragte mich: Wie machen das die anderen bloß? Für intensive Werbung war ich mir, nachdem ein kleines illustres aber exklusives Publikum erreicht war, zu schade. Sollte die Qualität für sich sprechen, oder eben auch nicht. Der Arbeitsaufwand hat sich vor allem für mich selbst gelohnt. Die ständige Übung des essayistischen Schreibens war wohltuend und führte nicht selten zu Selbstreflexionen die ich nicht mehr missen möchte, quasi ein analytischer Prozess. Die früheren Artikel machen einem den eigenen Denkprozess gewahr, und es nimmt nicht Wunder, wenn man sich das ein und andere Mal verzweifelt die Haare über sich selbst rauft.
Insgesamt ist die Resonanz insbesondere der Kommentarfunktion dürftiger als erhofft, die Qualität von Artikeln, die einem gestern noch als perfekt erschienen erweist sich am nächsten Tag als stilistischer Moloch.
Daran zu arbeiten wird weiterhin mein Hauptziel sein.
Am gewählten Themenbereich halte ich weiterhin fest, ich möchte mir und anderen Thesen und Informationen zusammenfassen über Antisemitismus, internationale, ethnologische Themen, und Kulturindustrielle Phänomene.  
26.10.06 22:58


Zwischen Verhältnis und Vergleich

Eine Mücke macht noch keinen Sommer und eine punktuelle Ähnlichkeit schafft noch keine Identität. Manche Verhältnisse unterscheiden sich sogar um so mehr, je ähnlicher sie sich werden. Wenn nun gesellschaftliche Verhältnisse einen strukturellen Gleichklang mit Elementen des Antisemitismus entfalten, so ist es zwingend erforderlich, diese aufzuzeigen, um die Bedrohung aufzuzeigen, die unter anderen oder bereits gleichen Bedingungen für das abstrakt gedachte und das real existierende Individuum existiert. Insofern gibt es eine Wesensverwandtschaft zwischen Homophobie, Misogynie, Rassismus und Antisemitismus. Dies aufzuzeigen bedeutet noch lange nicht, zu behaupten, das Verbot des CSD in Polen sei schon Nationalsozialismus. Wer in der Annahme dessen vom Hundertsten aufs Singuläre schließt reduziert sich selbst den Begriff vom Singulären auf ein Allgemeines, das schon im Gesagtem aufginge.

Ich halte daran fest, dass zwischen dem Verhalten gewisser antideutscher und linker Rauchergruppen gegenüber Nichtrauchern Affinitäten zur Todesverherrlichung und zur Unterdrückung von Ansprüchen des Besonderen, Individuellen bestehen. Das, was Raucher bisweilen veranstalten, wenn sie auf einer Party mit Rauchverbot sich "revolutionär" eine Kippe anstecken, ist Raucherdschihad, völliges Ausblenden der eigenen Suchtsklaverei und Aggression gegen die, die an ein Anderes erinnern, Verherrlichung der eigenen Abhängigkeit bis zum Tode und Verunmöglichung der Befreiung von dieser Suchtsklaverei durch permanente Verführung anderer. Dass ein bewusstes Rauchen möglich ist, sei dadurch ebensowenig geleugnet wie es in der Realität offensichtlich nicht stattfindet, so dass Institutionen zum Schutz von Individuen voranschreiten müssen. Daher bleibe ich dabei: Das Rauchverbot auch in linken Kneipen ist der erste Schritt zu einem besseren Leben für alle, die, die nicht rauchen, die, die schon immer damit aufhören wollten und die, die ohnehin nur aus Verlegenheit rauchen. Dies als kurze Stellungnahme zur Diskussion bei "Rauchen als Verkehrung" .

Nachtrag 2: Da es anscheind ohnehin nichts nützt, zu erklären, sei der Polemik der Vorrang gegeben und die Erklärung gelöscht.

Nachtrag 3: Belassen wird der meines Erachtens aus Gründen der Polemik gerechtfertigte "Vergleich" vor allem deshalb, weil die Protagonisten der Empörung dies nicht als Hindernis nehmen, um nach dessen Beseitigung über den Rest reden zu können, sondern um nach dessen Beseitigung mit restauriertem Selbstbild von alledem schweigen zu dürfen.

Nachtrag 4: Beschämenderweise sind es gerade die konservativen Freunde von der CDU, die auf einmal die Schankwirtschaften vom für Mitte 2007 angekündigten Verbot ausnehmen wollen. Das Deutsche Krebsforschungsszentrum protestiert konsequent mit dem Argument, die Gesundheit von Mitarbeitern im Schankbetrieb sei ebenso wenig verhandelbar wie die von Kellnern in Gastronomiebetrieben. Es bleibt zu hoffen, dass Vernunft waltet. Völlig jenseits aller Vorstellungskraft ist, dass linke Kneipen der Emanzipation voranschreiten wollen und das Gesetz freiwillig, konsequenter und früher umsetzen und sich so den Sprung ins kalte Wasser ersparen. Ein kleiner Tipp: Blumensträuße statt Aschenbecher machen das Ganze viel gemütlicher und Nikotinpflaster wie -kaugummies sind auch ein lukrativer Nebenerwerb. Vom Anstieg des Knabberwarenkonsums ganz zu schweigen.
28.10.06 21:21





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