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Von der sauberen Wehrmacht zum Widerstand der Wehrmacht...

Web.de bietet derzeit ein Onlinequiz an, zum Zwecke einer Überprüfung des individuellen Wissens um 20 "große" Persönlichkeiten. Von diesen sind beachtliche 25 % Sozialisten jedweder Couleur, gefragt werden Rosa Luxemburg, Ferdinand Lasalle, Karl Marx, Käthe Kollwitz und Che Guevara.

Damit diesen nicht einsam wird unter allen anderen Geistesgrößen musste folgende Frage Platz finden:

Wer war Claus Schenk von Stauffenberg?

o deutscher Kampfflieger im Ersten Weltkrieg
x deutscher Widerstandskämpfer und Attentäter gegen Hitler
o Oberbefehlshaber der deutschen Sechsten Armee in Stalingrad
o erster deutscher Reichskanzler 1871

 

So wird aus einem Mitmachnazi und Wehrmachtsoffizier, der ohne mit der Wimper zu zucken Rassegesetze und Judendeportation als notwendigen Kern des deutschen Expansionsdrangs akzeptierte, ein hauptberuflicher "Widerstandskämpfer und Attentäter gegen Hitler".

 

5.9.06 18:01


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Ihr Kinderlein komohammet...

 

 

Die Kinder des Dschihad – Die neue Generation des islamistischen Terrors in Europa. München/Zürich, Piper. 232 S. ISBN-13:978-3-492-04933-7

„Die Kinder des Dschihad“ reiht sich ein in die nur widerstrebend anlaufende Publikationswelle zum Islamismus. Die Autoren besuchten zahlreiche Familien von Selbstmordattentätern, interviewten Schwestern, Väter und Mütter von Islamisten, reisen schließlich nach Jordanien und nach Afghanistan, um dort mit Terroristen selbst ins Gespräch zu kommen. Für ein breiteres Publikum wurden historische Fakten, Recherche und eigene Thesen doch sehr ausgewogen gemischt.

Nach einem Überblick über Ursache und Wirkung des Karikaturenstreits folgt „Der Weg in den Dschihad“, ein Abriss über die Geschichte islamischer Expansion und Militarisierung der Ideologie. Erwähnt wird dabei ausdrücklich die Bedeutung süddeutscher Moscheen für die bosnischen Islamisten. Sie fungierten als „Feldlazarett“, Rekrutierungsbasen, Spendenfonds und ideologische Rückendeckung.(43) In Kapitel drei, „Die Kinder des Dschihad“ werden einige der bekanntesten europäischen, afghanischen und arabischen Gruppen vorgestellt, in biographischen Abschnitten psychologische Interpretationen angestoßen und in historischen Zwischenstücken ein Umriss der äußeren politisch-historischen Umstände entworfen. So zeigen die Autoren auf, dass in Europa den Islamisten oftmals mehr Toleranz entgegengebracht wird als in islamischen Ländern. Der libanesische Geheimdienst stellt ein Gespräch mit dem Hassprediger Omar Bakri folgendermaßen dar:

Man habe ihm unmissverständlich deutlich gemacht, dass Beirut nicht London sei und Aufrufe zum Dschihad oder Hassreden gegen andere religiöse Gruppen nicht geduldet würden. (68)

In den Stellungnahmen der befragten Islamisten bleibt ein Merkmal signifikant stereotyp: Der Einfluss von Bildern aus islamischen Krisengebieten:

Jedes Bild von weinenden und verzweifelten Muslimen in Palästina oder im Irak steigere seine Wut, erklärt er uns, „und ich frage mich, was kann ich dagegen tun“. (69)

Für den deutschen Diskurs überraschend nüchtern präsentieren die Autoren islamistische Strategien, wie die, sich auf Sozialhilfe zu beschränken und nicht zu arbeiten, um den ganzen Tag zum Gebet zu nutzen. Sozialhilfe schwäche den Westen und stärke den Islam. (54)

Islamisten missionieren als Betreiber von Sportangeboten, hochdotierte Akademiker und sogar als Mitarbeiter des Verfassungsschutzes selbst. (51) Das Problem, das sich aus diesem Angriff von liberalen Erscheinungen der bürgerlichen Gesellschaft aus auf diese selbst ergibt, ist nicht allein ein organisatorisches für den Verfassungsschutz, sondern ein philosophisches, politisches, moralisches und ethisches. Auf diese Dimensionen reflektieren die Autoren leider an keiner Stelle im Buch.

Wie die Aufforderung zum Massenmord sich als Propaganda moderner Medien bedient, wird in „Der Google-Islamismus, die virtuelle Umma“ beleuchtet. Der saudische Dissident Dr. Muhammad Al-Massari, Führer einer islamistischen Oppositionsgruppe und Betreiber eines islamistischen Internetforums fasst den Kern seines eigenen Wahngebildes treffend zusammen:

Ich kann nicht verstehen, dass die Menschen einen solch großen Unterschied daraus machen, ob jemand in Großbritannien, in Saudi Arabien oder in China geboren ist. Es gibt keinen Unterschied mehr. Die Menschen haben eine bestimmte Ideologie und einen bestimmten glauben. Es ja auch zahlreiche Konvertiten, da gibt es den so genannten amerikanischen Taliban oder den „Turnschuhbomber“, sie kommen noch nicht mal aus muslimischen Haushalten. Es ist eine Frage des Glaubens. Und wenn sie den Eindruck haben, dass gegen sie oder ihren Glauben ein Krieg geführt wird, dann reicht das bei vielen. Es ist nicht wichtig wo sie geboren wurden oder aufgewachsen sind.

Abschließend folgt mit „Die geistigen Väter und Vorbilder der Dschihadisten“ ein kurzer Überblick über die Biographien von Sayyid Qutb, Osama bin Laden und Abu Musab Al Zarqawi. Hier wäre etwas mehr Theorie angebracht gewesen. Nicht zuletzt ziehen Islamisten ihr politisches Wahngebilde aus originär faschistischer Theorie und Praxis, die zu benennen wäre, wollte man dem Titel des Kapitels tatsächlich gerecht werden.

Souad Mekhennet, Claudia Sautter und Michael Hanfeld beweisen leider mit einer wertvollen Recherche das Gegenteil ihres Fazits im Schlusswort des Buches:

Wir brauchen Imame, die Deutsch können, wir brauchen eine Institution, eine Hochschulfakultät, die Imame ausbildet und anerkennt. Ganz zu schweigen von islamischem Religionsunterricht an den Schulen. (226)

Merkwürdig erscheinen solche Gedanken vor allem, nachdem auf den 200 Seiten davor stringent widerlegt wurde, dass die Attentäter, deren Biografien umfangreich recherchiert wurden, an Desintegration gelitten hätten. Eine Leitthese, die sich durch den Text zieht, ist vielmehr, dass Vaterkonflikte, der Verlust naher Angehöriger und sexuelle Ängste bestimmend für den Wahn ansonsten gut integrierter, gebildeter, des Deutschen voll und ganz mächtiger Individuen sind. Nicht allein die Suche nach einem Kollektiv, sondern die Suche nach einem Gegenkollektiv steht im Zentrum der islamistischen Heilsversprecher. Das Buch verfängt sich in weitere Widersprüche. Der Titel behauptet noch von „Kindern“ zu sprechen, allerdings geht es im Text vor allem um erwachsene Männer, die sich erst im Rahmen der Adoleszenzkrise für das islamistische Ticket entscheiden und ihre Beschädigungen, die nicht notwendig differieren von denen anderer Menschen, auf Kosten anderer Menschen zu kompensieren trachten. Dem Titel gerecht zu werden, hieße, tatsächlich jene Kinder aufzusuchen, die in Palästina vom Säuglingsalter an militarisiert und indoktriniert werden. Davon bleibt außer der einleitenden und abschließenden Anekdote nichts, und diese ist daher kaum mehr als ein selling factor, eine tote Hülle, die den Inhalt interessanter machen soll. Man muss ja schließlich an die Kinder denken.

Nicht der ödipale Konflikt entscheidet also, ob ein Muslim Terrorist wird oder nicht, sondern die Identitätskrise der Adoleszenz, hier mit freiwilliger Feuerwehr, Wehrdienst oder politischen Aktivitäten angefüllt, dort mit Abschottung, Gesinnungsterror und schließlich Gewalt genährt. Auf die Banalität des Bösen zu rekurrieren bedeutet dann ein Spannungsverhältnis zwischen anthropologisierenden Thesen über das Schlechte im Menschen allgemein und den angehäuften äußeren Bedingungen, deren Argument aber nur Schein ist und diesen für wahr zu erachten bedeutet wiederum, das Argument des Islamisten zu seinem eigenen zu machen, also seine Jeremiade als Begründung für seine Tat zu nehmen. Gänzlich ins Gegenteil verkehrt sich der übrige Inhalt des Buches auf Seite 231, wo es selbstherrlich urteilend heißt:

Diese Fundamentalopposition haben sich die Amerikaner selbst herangezogen. Niemand glaubt, dass es um die Durchsetzung von Freiheit und Demokratie in dieser Region geht. Es geht um die Sicherung des Öls, es geht um geopolitische Interessen. In der islamischen Welt – und nicht nur dort – wird die Doppelbödigkeit einer solchen Außenpolitik ganz genau registriert. Sie spült Wassermassen auf die Mühlen derjenigen, die darstellen wollen, dass vom Westen eben nichts anderes zu erwarten sei. Und dass es also einen anderen Weg gebe, als dagegen einen Dschihad zu führen. „Der Irak ist im Moment der Dreh- und Angelpunkt für uns“, sagt ein europäischer Geheimdienstler. „Wir haben zwei Krisenherde, die dafür sorgen, dass sich junge Muslime weiter radikalisieren. Der eine ist Palästina und der andere ist der Irak. Solange die Amerikaner nicht mit all ihren Männern aus dem Land gehen, haben die Islamisten die beste Begründung zu rekrutieren.“ (231)

Solcherlei auf der islamistischen und deutschen Ideologie aufbauenden Tiefschläge stellen den Überzeugungsgehalt des übrigen Werks in Frage. Wozu hat man sich so fundiert mit der islamistischen Ideologie auseinandergesetzt, wenn man am Ende selbst auf ihre Scheinargumente hereinfällt? Deren Schein zu entblättern man auf den vorgehenden 200 Seiten angetreten zu sein vorgibt? Die Gewalt der Missionierung hat offensichtlich eben nicht nur auf junge, krisengeschüttelte Männer gewirkt, sondern schleicht sich über Hintertüren in die Köpfe der "rationalistischen" Journalisten, die auf der letzten Seite in larmoyantem Timbre Heideggerscher Couleur der Aufklärung eine Absage erteilen:

In Europa haben wir für das „Heilige“, das Unantastbare keinen Begriff mehr, nur von der katholischen Kirche wird er vertreten. Doch erscheint in unserer Gesellschaft ein Diskurs über das „Paradies“ etwa überhaupt denkbar? Wenn es zwingend geboten scheint, dass Ausländer generell die deutsche Sprache erlernen, müsste es uns umgekehrt doch darum gehen, eine Sprache, eine Diskursbasis für den Dialog mit gläubigen Muslimen überhaupt zu finden, um die Köpfe und Herzen junger Muslime zu erreichen. […] Haben wir uns mit der Parallelgesellschaft womöglich angefreundet, weil sie uns der Anstrengung enthebt, Fragen an uns selbst zu stellen? Ob uns etwas heilig ist?

Ein so jämmerliches Ende hat ein ansonsten so aufrichtig erscheinendes Buch mit für den deutschen Diskurs beachtenswert wenigen Ausfällen nicht verdient. Es wirft Fragen auf, was denn Aufklärung über den Islamismus tatsächlich bewirkt, wenn sie nicht bis zur letzten Konsequenz betrieben wird, die eben in der Solidarisierung mit dem Krieg gegen den Terror stattfinden muss und der Barbarei des Islamismus bedingungslos das Verständnis entzieht. Aus dieser Konsequenz heraus hätten Treffen der Journalisten mit gesuchten Islamisten nicht stattfinden dürfen, ohne deren spätere Auslieferung an die Geheimdienste sicherzustellen. Der Wert des scheinbar aus Individuellem geschöpften Informationsgehalts ist gering gegenüber der Chance, einem Massenmörder das Handwerk zu legen. Dessen „rationalen“ Argumente, sein nettes Lächeln sind sekundäre Erscheinungen, an denen sich nur aus populärwissenschaftlicher Ideologie ein Widerspruch zu seiner Gewalttätigkeit ergeben kann. Möglicherweise erklärt sich vieles aus einer dürftigen Literaturliste (10 Titel). Wahrscheinlicher aber ist, dass deutsche Ideologie immer dann krampfhaft um Toleranz und Verständnis heischt, wenn sie sich selbst auf die Spur zu kommen droht und in die Fratze der eigenen Geschichte blickt.

Und so psalmodiert 3sat von der Auswegslosigkeit, mit der "Kinder" von einer abstrakten Kriegsmaschinerie zu Terroristen gemacht würden, spricht ihnen jeden Subjektgehalt ab, verleumdet jene, die ihre Sprengstoffgürtel ablegten, sich der IDF stellten, verschweigt die, die den Mut haben mit dem Westen zu kollaborieren:

Die Kinder haben keine Alternative. Sie sind der aggressiven Ideologie schutzlos ausgeliefert. Der Krieg hat sie eingeholt. Wie so oft sind sie Opfer einer erbarmungslosen Manipulationsmaschinerie.

Von den Opfern dieser im Buch meist 23-jährigen "Kinder", die andere Kinder ermorden, ist dann keine Rede mehr.   

Der NDR quacksalbt:

Wie kann der Westen reagieren? Patentrezepte haben auch die Buchautoren nicht. Nur Sicherheitsmaßnahmen reichen nicht. Um die Köpfe und die Herzen junger Muslime zu erreichen, muss der Westen seine Werte auch für sie erkennbar machen: Demokratie, Toleranz und Meinungsfreiheit - gegen bloßes Gewinnstreben.

Michael Hanfeld: "Wenn man zeigen kann, dass der Westen nicht nur in reinem Materialismus besteht oder in einer militärischen Macht, dann ist schon etwas gewonnen."

Ja, wenn man dies den zeigen könnte. Dazu müsste dann ein echter, aufs wesentliche besonnene Anführer her, der den Materialisten dann schon zeigt, wie Jeder zum Seinen kommt.  

Blick.ch schwafelt in Unkenntnis des religiösen Textes:

Das ist nicht die Lehre des Korans, das ist die pervertierte Lehre eines ägyptischen Hasspredigers, Yehia Yousif, die er im «Multikulturhaus» von Neu-Ulm nach dem Frage- und Antwort-Schema lehrte: Darf ein Muslim einen Ungläubigen zum Freund haben? –Nein, denn das könnte den Muslim negativ beeinflussen.

Die Gesinnung des zu Unrecht als pervertiert verharmlosten Lehrers verteidigt Mohammed himself:

Sie wünschen, daß ihr ungläubig werdet, wie sie ungläubig sind, so daß ihr alle gleich werdet. Nehmt euch daher keine Beschützer von ihnen, solange sie nicht auf Allahs Weg wandern. Und wenn sie sich abwenden, dann ergreift sie und tötet sie, wo immer ihr sie auffindet; und nehmt euch keinen von ihnen zum Beschützer oder zum Helfer! (Koran, 4:89)

O ihr, die ihr glaubt! Nehmt nicht die Juden und die Christen zu Beschützern. Sie sind einander Beschützer. Und wer sie von euch zu Beschützern nimmt, der gehört wahrlich zu ihnen. Wahrlich, Allah weist nicht dem Volk der Ungerechten den Weg.(Koran, 5:51)

O wehe mir! Hätte ich doch nimmermehr den Soundso zum Freund genommen! (Koran,  25:28)

 

Eine Leseprobe (Das Vorwort) gibts bei Piper


7.9.06 17:51


Natascha

Kleine Ereignisse erregen die aufs Boulevardniveau verhexte Öffentlichkeit notwendig mehr, als abstrakte Prozesse, die jenseits ihrer Vorstellungswelt verlaufen. Gerade deshalb ist es aber nicht gering zu schätzen, wie sich Gewalt in solchen scheinbar kleinen Ereignissen verdichtet, zu einem medialen Sturm aufs Individuelle rüstet. Nicht das Ereignis selbst steht also zur kritischen Analyse an, sondern der Mythos, den die Öffentlichkeit daraus formt.
 
Nimmt man Nataschas Schicksal als in Allgemeinheiten Subsumiertes, als bloß positivistische Statistik, die Leiden in der Anzahl von Jahren, die in Haft verbracht wurden, in der Zahl der täglich verabreichten Kalorien oder in der Fläche des Zimmers aufrechnet, so müsste ein solche Bewusstsein notwendig zynisch Irritation ausstrahlen, darüber, dass es schlimmere, grausamere und zahlreichere Einzelschicksale gibt und gegeben hat, an denen sich aber nur geringeres Interesse kristallisiert. In einem solchen infantilen Beleidigtsein über das Ungerechte der Mediengesellschaft, die Zehntausende von versklavten Kindern ignoriert, aber an einem befreiten Individuum überreichlich Maß nimmt, blökt verdinglichtes Bewusstsein seinen Erz gewordenen Hass aufs Besondere hinaus. Hier arbeitet Eifersucht aufs Leiden anderer, stellvertretende Opferkonkurrenz, die in frühster Kindheit ihre Narben empfing und nun aus anderen, mächtigeren, bedeutenderen Opfern Identität extrahieren will.
 
Mit den klatschhaften Überlegungen zu der Psychopathologie des Täters, wie der des Opfers, entblößt sich Gesellschaftliches quasi exhibitionistisch selbst, versucht durch das Erschrecken anderer das eigene zu dämpfen. Wenn man die Identifikation untersucht, für die notwendig die starke Reaktion Beispiel gibt, dann spaltet sich diese auf in eine mit dem Opfer und eine mit dem Täter, dessen Opferanteile das Enigmatischere, den mysteriösen Reiz stellen, die Frage, was jemanden dazu treibt, so etwas zu tun. Auch diese Identifikationen spalten sich wiederum auf in eine weitere, lustvolle und aufbegehrende. Es ist zu unterstellen, dass die Menschen (nicht Natascha, möglicherweise nicht einmal der Täter) sich am Leiden Nataschas ergötzen, Angstlust hervorbringen, und das zum versteckten Grund der selten weiter beschriebenen Ignoranz und der Abscheu gerät, die in Abwehr gegen das Medienspektakel ihre Form findet. Man möchte da nicht mitmachen, das nicht anschauen, findet es allgemein ganz furchtbar, dass die Medien das so ausschlachten.
 
Insgeheim wehrt man sich dabei vor Identifikation, stellt sie gerade nicht kritisch zur Analyse, sondern verunmöglicht diese durch Verweigerung. Nicht allein verdrängte polymorphe Wünsche der Anteil nehmenden Individuen - beispielsweise ein Objekt ebenso vollständig zu besitzen, ein Kind ebenso totalitär zu erziehen, zu überwachen wie der Täter, oder der insgeheime Wunsch, umsorgt zu werden, in einem Uterusgleichen Raum bewacht und behütet vor äußeren Gefahren, der sich janusköpfig an ersteren anheftet und daher nicht selten umschlägt wie beim Sadomasochismus – sondern auch der philosophisch-religiöse Gehalt der Entführung stehen zur Disposition. Nataschas Selbstzeugnis, sie habe ihrem späteren Ich versprochen, auf ihre Befreiung hinzuarbeiten, ist ein zutiefst aufgeklärtes Bewusstsein, im jüdischen Messianismus ebenso wie im kommunistischen oder im bürgerlichen Glücksversprechen sich wieder findendes Motiv. Dass alle Umstände umzustoßen sind, in denen der Mensch ein geknechtetes, verächtliches, gequältes Wesen ist, ist der Marxsche Imperativ, an dem sich jegliche Befreiung zu messen hat.
 
Befreiung kann nur eine totale sein, sie schließt die Unfreiheit des anderen aus. Die Geschichte Nataschas (und nur die medial verarbeitete, gesellschaftliches Objekt gewordene ist hier relevant, Natascha selbst zu analysieren steht allein ihr selbst beispielsweise in der Psychoanalyse an), erzählt von den schrittweisen Verbesserungen, wie Einkaufen, Autowaschen, und ähnlichen Errungenschaften, die sie sich erkämpfte, mit denen sie sich aber nicht zufrieden gegeben habe. Manche kurze Wege zur Befreiung wurden ausgeschlagen, andere, auf fremde Hilfe ausgelegte, scheiterten, nicht zuletzt an bürgerlicher Kälte. Allein das Subjekt Natascha selbst konnte in einem psychologischen Wissen um den Täter, in einem Forschungsprozess, in dem sowohl die äußeren Umstände und Möglichkeiten als auch die inneren Kämpfe mit dem Täter und seiner Psyche stets überprüft und auf das einzige Ziel der Befreiung gerichtet waren, diese erringen.
 
In einem Raum, in dem die Gesetze der bürgerlichen Gesellschaft wie in einer Zelle außer Kraft gesetzt sind, in der sie ihrer Zeit ausgesetzt war, die sie nicht nach freiem Willen verwenden konnte, in einem Zustand, der antagonistisch zum bürgerlichen Subjekt entworfen wurde, findet dennoch das bürgerliche Bewusstsein seinen Platz im Streben nach ebenjenem Subjektstatus, den Natascha nach ihrer Selbstbefreiung am deutlichsten im Wunsch artikuliert, zu reisen und Bonbons zu kaufen ohne kontrolliert zu werden.
 
Das künstliche Implantat eines Raumes, in dem die Gesetze der bürgerlichen Gesellschaft ausgehebelt werden, in ebendiese Gesellschaft, scheiterte an dem vermittelten Willen der Person, die ebenjene Gesetze wiederaufzurichten trachtet. Nicht die Gewalt des Staates, die moralische Kontrolle der Mitmenschen, sondern allein der Überlebenswillen und Freiheitsdrang des Individuums besiegte diesen Plan, ein persönliches, feudales Abhängigkeitsverhältnis mit Gewalt wiederaufzurichten. Ebenso kann weder Staat noch ein richtiges Gesetz den bürgerlichen Staat vor dem Umschlag in den faschistischen schützen, sondern allein die aufgeklärte Haltung der Individuen, die um dieser Aufklärung willen ihre Umstände erforschen, auf Möglichkeiten zur Flucht abklopfen und in keinem Fall sich mit der halben Freiheit abfinden. Nicht umsonst wählte der Täter beim Scheitern seines Planes die Selbstvernichtung, die Identität, die er mit einem solchen, ein Drittes ausschließendem System zu schaffen oder auch nur zu kompensieren trachtete, kann er allein im Tod finden.
 
Möglicherweise ist die Projektion auf das brave Kind, das alles richtig gemacht hat, das reine Kind, als narzisstische Projektion nicht minder maßgebend für das gewaltige Interesse, mit dem die Gesellschaft im Fall Natascha an sich selbst herumspielt. Aus diesem Narzissmus speist sich die quälende Frage, die im einen Fall penetrant spioniert und phantasiert, im anderen mit Ekel genau dieses insgeheim vertraute Verhalten abwehrt, ob denn sexueller Missbrauch stattgefunden habe. Die Frage stellt sich nur dem, der eine solche jahrelange Gefangenschaft nicht schon als sexuellen Missbrauch genug befindet und einer Kategorie bedarf, in die er den Täter und damit die Tat wie das Opfer ein für allemal pressen kann. Sie zielt darauf ab, die eigenen Gelüste zu befriedigen und das Subjekt Natascha als Objekt-Opfer zu stigmatisieren, das demnach den Phantasien der polymorph-perversen Gesellschaft ausgesetzt ist.
 
Es bleibt mit gutem Grund zu hoffen, dass die positive Projektion des Messianismus dominiert wie sie treffend in die bewundernde Äußerung einer CNN Nachrichtensprecherin mündete: „Was für eine bemerkenswerte junge Frau.“
Auf dem Versprechen der Freiheit im Stande der Unfreiheit zu beharren, einen versöhnten Zustand anzustreben, dessen Aufblitzen, Reflektion aus der Utopie in die Realität, ein Gefühl der grenzenlosen Sympathie, der Liebe, vermittelt, wäre das schönste, leider nicht das einzige, Resultat, das man im Befragen nach dem Wesen des Interesses an Nataschas Geschichte finden könnte.
In weiten Teilen Bezug auf:
Gerhard Scheit: Suicide Attack - Zur Kritik der politischen Gewalt. Freiburg, ca-ira. 2004.
9.9.06 16:20


Besudelte Erfahrung

An einem Septembernachmittag flüchten sich noch ein paar wärmende Sonnenflecken über die grüne Hecke, die das Nachbargärtchen vom eigenen trennt. Hie der Studiosus, mit verzweifeltem Eifer in die Lektüre eines Vorbilds vertieft, dort das fröhlich-monotone Geschwätz einiger Kinder, das sich kaum von dem der Mütter scheidet. Jener sucht jäh einen Grund für den Mangel an Konzentration und findet sie schließlich in einem schrillen Chor, den die Kinderschar irgendwann zwischen Seite 89 und 98 begonnen haben musste: Pipi-Ahah! Pipi- Ahah! Pipi-Ahah! Das rhythmische Stampfen der Silben entschließt sich einstimmig vom Marsch in einen umgestülpten Walzer zu wechseln und kürzt die letzte Silbe in einen abfallenden, juchzenden Wohllaut: Pipi-Aaahh, Pipi-Ahhh. Nach einigen Dutzend Wiederholungen, das die Eltern mit professioneller Routine und der trotzigen Gewissheit, sich auf eigenem Grund und Boden nicht dem lästigen Gefühl der Peinlichkeit hingeben zu müssen, ertragen, versickert die Einstimmigkeit, und noch im Versanden probieren Keckere, das Erlebnis zu wiederholen, mitten im wieder dahinplätschernden Spiel mit buntem Plastik und warmen Sand von neuem den fordernden Schlachtruf auf seine Wirkung zu testen. Der Studiosus kann kaum umhin, seinen Zynismus zu verdammen, der ihm den seltenen Moment verleidet: Ihm fuhr kaltes Grauen über den Rücken, als er im infantilen Zweitakt die Fratze jenes mörderischen Sieg Heil Sieg Heil aufblitzen wähnte, die sich ihm nur noch aus schwarz-weißen, fernen Filmkopien und nichtsdestotrotz mit infernalischem Zwang ins Gehirn zu brennen vermochte. Sich selbst Erleichterung heischend redet er sich jene Idee aus, vertreibt sie wie eine lästige Fliege vom Löffel, allein mit der bangen Ausrede, das fontänenhafte Lachen der Kinder zeitige schon die Reflexion auf ihren Konformismus, sei bereits die Aufhebungung des in zwieschlächtiger Lust erfahrenen Uniformen. Und doch bleibt ein ihm Unrecht dünkendes Unbehagen, sie hätten soeben nur etwas eingeübt, ihre Macht getestet, das erste Mal die zwingende Unwiderstehlichkeit kollektiven Gebrülls erfahren.

12.9.06 19:53


Terrakotta als Leitbild

Ein deutscher Kunststudent hat sich als Terrakottakrieger verkleidet in die Ton-Armee des ersten chinesischen Kaisers gemischt. „Es war die Begeisterung, Teil der Armee zu sein“ soll Pablo Wendel aus Stuttgart gesagt haben. Er habe keine Aktionskunst im Sinne gehabt, sondern wollte sich als Teil der alten Kultur fühlen. Was da in der Individualpsyche seinen Platz an der Sonne will, bedarf deutscher Zurichtungen auf „die alte Kultur“ und faschistischer Identität der Volksgenossen unter einem Führer, die letztlich nur durch Vernichtung um ihrer selbst willen zu erreichen ist. Wozu ein toter und nichtsdestotrotz todesängstlicher Herrscher noch taugt… (Es wird berichtet, dass ihn der Tod auf einer langen Reise zur Insel der Seeligen im östlichen Meer überraschte. Er hoffte, sie zu finden und dort Unsterblichkeit zu erlangen. Als seine Leiche zu riechen begann, nahm man einen Fischkarren mit in den Zug, um den Geruch rechtfertigen zu können. Man hielt seinen Tod zunächst geheim.)*

Man mag sich anhand dessen auszumalen, wie diesmal nicht erst in zweitausend Jahren und nicht allein als individuelle Profilneurose ein Hitlerkult und Nazideutschland als "alte Kultur" wiederaufleben könnte, wenn die Geschichte nicht schleunigst ein Subjekt in den freien Menschen, die sie gestalten, bekommt. Allein anhand einiger Tonfiguren den Drang zu bekommen, sich mit etwas zu identifizieren, und dabei von jeglichem geschichtlichen Gehalt abzusehen, ist höchst bedenklich...

"Ich war nie der Meinung, daß etwa Chinesen oder Japaner rassisch minderwertig wären. Beide gehören alten Kulturen an, und ich gebe offen zu, daß ihre Tradition der unsrigen überlegen ist. Sie haben allen Grund; darauf stolz zu sein, genau wie wir stolz sind auf des Kulturkreis, dem wir angehören. Ich glaube sogar, daß es mir um so leichter fallen wird, mich mit den Chinesen und den Japanern zu verständigen, je mehr sie auf ihrem Rassenstolz beharren."
(Francois Genoud, "Äußerungen des Führers" im Führerhauptquartier. 13.2.1945. Angeblich eine Fälschung, nichtsdestotrotz Direktimport aus dem Wahn des Nazis Genoud)

"Bald nachdem der Erste Kaiser König von Qin wurde, begannen Grabungs- und Bauarbeiten am Berg Li. Nachdem er das Reich gewonnen hatte, arbeiteten über 700.000 Fronarbeiter aus allen Landesteilen dort. Sie gruben drei unterirdische Flüsse und gossen flüssige Bronze für den äußeren Sarg. Das Grab war gefüllt mit Modellen von Palästen, Pavillons und Ämtern, mit wertvollen Gefäßen, Edelsteinen und Raritäten. Handwerker wurden beauftragt, Armbrüste so zu installieren, dass jeder einbrechende Dieb erschossen würde. Alle Flüsse des Reiches, der Gelbe Fluss und der Lange Fluss wurden in Quecksilber nachgeahmt und durch eine Mechanik so bewegt, dass sie in einen Miniaturozean flossen. Die Himmelskonstellationen waren oben, die Regionen der Erde unten dargestellt. Die Lampen waren mit Walöl gefüllt, sodass sie möglichst lange Zeit brennen würden."
Auszug aus Sima Qian's Historischen Aufzeichnungen (Shiji)

19.9.06 15:12


Antisemiten in Schweden abgewählt!

Schweden, bekannt für Hamas-Freundlichkeit und Israelbykotte, also sozialdemokratischen Antisemitismus, ist nicht länger unter Göran Perssons Führung. Der „Bürgerblock“ siegte mit 178 zu 171 Mandaten. In Schweden sind 26% der Meinung, "die Juden" hätten zuviel Einfluss in der Weltwirtschaft.Anzunehmen ist, dass weitaus mehr dieser Meinung sind, sie aber nicht sagen wollen. Seit Olof Palmes eindeutiger Parteinahme für die Palästinenser gehört Kritik am Staat Israel in Schweden zum guten Ton. Und auch die Massenbasis stimmt: "Kauft keine Waren aus den Gebieten, die Israel besetzt hat." So lautet das jüngste Gebot von 12 Kirchen und Glaubensgemeinschaften aus Schweden. Organisationen wie die katholische Caritas, Diakonia (eine freikirchliche Organisation für Katastrophenhilfe) und die schwedische Kirche wollen sich mit ihrer Kampagne „Hopp" (Hoffnung) dafür einsetzen, "dass die Besetzung palästinensischer Gebiete durch Israel aufhört."
Militärstrategische Informationen zu Schweden gibt es auf Globaldefense.net.

19.9.06 15:22


Friedensgewinnler

 

 Johannes M. Becker schreibt:
„Fantasielos und gefährlich“ lautet sein neuestes Schrapnell mit ebendiesen Eigenschaften in der „Meinung zum Tage“ (OP, 19.9.2006). Die „deutsche Sicherheitspolitik“ breche „ohne Widerstand in Parlament und politischer Öffentlichkeit“ ein „weiteres Tabu“ und schicke „Militär in den nahen Osten“. Anscheinend ein jeder Rationalität entschlagendes Verhalten, denn es „gibt eine Reihe guter Gründe, die gegen den Marschbefehl für die Marine sprechen.“
 
Der Becker am meisten am Herzen liegende: „die deutsche Politik im Nahostkonflikt“ ist „nicht neutral“. „Schon gar nicht in den akuten Auseinandersetzungen um den israelischen Angriff gegen den Libanon. Dies wäre aber Vorraussetzung um die Streitparteien wirklich zu trennen.“
 
Eine Spielart des autoritären Charakters ist die Verinnerlichung elterlicher Ungerechtigkeit, die naturgesetzhafte Weihen erfährt. Wo die Mutter zwei Kinder trennt, faselt sie: „Zum Streiten gehören immer zwei“, eine Ungerechtigkeit sondersgleichen, hatte doch stets der kleine Bruder angefangen mit dem Förmchenstehlen. Wer einen Krieg von fanatischen Antisemiten gegen den jüdischen Staat als „Streit“ auffasst, gibt sich nicht besonders integer.  
 
An der Neutralität der angedrohten malayischen und indonesischen Truppenkontingente hat Becker kein Haar zu finden. Auch die UN an sich, für Becker eine höchst berufenswerte Einrichtung der internationalen Neutralität in Sachen Israel und Antisemitismus. Und obwohl man also das Prinzip der UN, dass eben jeder teppichbeißende Revolverheld noch mitmachen darf und die Politik nur eine des Durchschnitts aus Diktaturen, Plutokratien und Failed States ist, zum Polarstern der eigenen Irrfahrt macht, hegt man bei Beckers unterm Sofa im Falle Deutschlands die Befürchtung, dass die „deutsche Politik“ nicht der UN-Neutralität entspricht. Durch ganze „zwei U-Boote“, die Deutschland an „die Konfliktpartei Israel“ liefert, wird der „Konflikt so weiter angeheizt“.
 
Wo Israel zur jeglichen spezifischen Gehalts beraubten Kategorie „Konfliktpartei“ wird, die zu gleichen Teilen am Krieg der Antisemiten gegen die Juden Verantwortung trage, da kommt mit somnambuler Präzision der sekundäre Antisemitismus zu seinem Recht. „Wer Waffen an eine Konfliktpartei liefert, ist als Unterbinder von Lieferungen für die Gegenseite politisch wenig glaubwürdig.“ Alles drängt zum Allgemeinplatz ohne besonderen Gehalt, geht es doch vor allem darum, jede geschichtliche Implikation zu verdrängen und ins Gegenteil zu verkehren. 
 
Als Fachmann für Waffenschmuggel hat Becker zudem profunde Kenntnis über die Optionen der Wiederbewaffnung: „Wenn es denn Waffenlieferungen in der Zukunft geben wird, werden diese über Land erfolgen.“ Deshalb sollen die Kosten für den Einsatz der Marine, 200 Millionen Euro, „anstatt ins Mittelmeer, umgehend in die Verbesserung von Bildung und Ausbildung in unserem Lande fließen. Nötig wär’s.“ Anstatt also der Bildung in Deutschland, der Friedens- und Konfliktforschung zu dienen, schmarotzt dieser unverschämte Konflikt offenbar und beschäftigt eine Marine, deren Manöverübungen und Bereitschaft in der Ostsee anscheinend gratuit erfolgt.
 
Manches klingt nach Weltverschwörung: „Ein letztes Argument betrifft die durch die israelischen Bombardements geschaffene geopolitische Lage der Region: Wenn das Zerstören von Raketen-Kapazitäten im Südlibanon, die Israel hätten erreichen können , glaubt man den Verlautbarungen der Regierung in Jerusalem, erfolgreich verlaufen ist, ist ein US-geführter Krieg  gegen den Iran näher gerückt. Und in diesen würde dann die Bundesmarine mit hoher Wahrscheinlichkeit verwickelt."
 
„Sieht so eine kluge Außen- und Sicherheitspolitik einer der führenden EU-Mächte aus? [...] Sollte sich die Bundesrepublik, in Verbund mit Frankreich und Großbritannien nicht eher daran machen, den Grundkonflikt in der Region Naher Osten zu schlichten?“


„Schließlich fühlen sich sowohl die Hisbollah als auch die iranische Regierung Ahmadinedschads als Vertreter der palästinensischen Interessen im ungelösten Palästina-Israel-Konflikt!“

Na, dann will doch jeder anständige Friedensforscher sich erstmal anhören, was diese netten Leute an vernünftigen und originellen Vorschlägen zu bieten haben! 

Deshalb fragt man sich nachts unter der Bettdecke, wenn man sich vorm bösen US-geführten Krieg gegen den Iran mehr fürchtet als vorm guten Onkel Ahmadinedschad: „Sollte Berlin und sollte in seinem Gefolge Brüssel nicht schleunigst die Fehler der Vergangenheit [sic!] korrigieren und in einen fruchtbaren Dialog mit der demokratisch gewählten Vertretung der Palästinenserinnen und Palästinenser, der Hamas, treten, anstatt diesen zu verweigern und so zusätzliches Öl ins Feuer zu gießen?“
 
So wird die übliche deutsche Drohung, aus der Vergangenheit gelernt zu haben, nur infamer. Und die alte Achse Berlin - grünes Banner wird stante pede reanimiert.
Und weil es nicht ganz ohne mühsam vertuschtes Eigeninteresse geht beim kleinbürgerlichen Antisemitismus, und weil man aus Auschwitz lernen muss, rhetorisiert Becker abschließend noch ein bisschen augenzwinkerig herum:
 
„Nicht auszudenken, wenn Deutschland mit seinen Friedensforschungsinstituten zur Vorreiterin einer breit angelegten und gut bestückten Präventions- und zivilen Konfliktregelungsforschung und Politik würde! Dann wäre die Lektion aus der deutschen Vergangenheit wirklich gelernt.“
 
Wegen Auschwitz will Becker also einen deutsch geführten Weltfrieden mit dem FuK-Institut-Marburg als Hauptquartier einrichten. Dass ein echter Frieden ohne deutsch-islamistische Zumutungen nicht durch eine "neutrale Position" irgendwo zwischen Juden und Hitler zu erreichen ist, sollte eine der ersten Lektionen nicht aus der deutschen Vergangenheit, sondern aus der intensiven wissenschaftlichen Beschäftigung damit sein.
 
Mehr von und über Becker:
 
19.9.06 15:36


Urban Heroes als weibliche Ehrenmörder

VIVA hat einen neuen Liebling: Liza Li! Kennt ihr nicht? Na, dann wird's höchste Zeit. Wir stellen euch die 18-jährige Power-Rotz-Göre vor!

Damit gehört die süße Düsseldorferin wie ihre Sangeskolleginnen Sha oder La Fee zu der neuen Sorte Rrriot Grrrlllss, die echt kein Blatt vor den Mund nehmen. Und sich wehren, wenn jemand ihnen krumm kommt. Respekt! Logo, dass Liza Li das Erschießen nur symbolisch meint...

"Mir geht es um Unabhängigkeit. Wenn ein Mädel betrogen worden ist, will ich ihr sagen: Scheiß drauf, lass dich davon nicht runterziehen. Es gibt so viele andere Jungs!"

So featured VIVA-TV das wohl derzeit übelste, gewaltverherrlichendste Stück der deutschen Popszene. Der Riot Grrrrl - Feminismus, so könnte man denken, würde hier lediglich von der Popindustrie gekapert und ausgelutscht ins Gegenteil verkehrt. Aber genau dieses verklemmte Selbstbewusstsein, das hier gepredigt wird, ist der eigentliche Kern des Riot Grrrl, nicht Verkehrung, sondern notwendiges Produkt. Female Machismo als projektive Feindabwehr kann nur in Gewaltphantasie gegen den inneren Feind, "die kleine Schlampe" oder den verklemmten, notgeilen Softy, vollzogen werden, und steht darin dem männlichen in nichts nach.

Die Verachtung gegenüber weiblicher wie männlicher Schwäche (v.a. Lüsternheit) propagiert die Schaffung eines Übermenschen, der allen Ansprüchen genügt, sei es der intelligente, asexuelle, sensible, Supermann ohne die üblichen männlichen Schwächen - eine Vaterimago, die Begehren im richtigen Moment abweist, zeigt und nicht zeigt, verbietet und doch erlaubt - sei es das Supergirl, das dem nur zu oft realen gewalttätigen männlichen Bedränger allein durch Identifikation begegnen kann, indem es selbst zum Bedränger wird.

Und so gerät Liza Li zur postmodernen Ehrenmörderin, die ihr Opfer durch die gesamte Stadt im "urban hero"-chic - Verherrlichung des Raubtiers, wo seine Herrschaft unmöglich wurde - hetzt. Charakteristisch für Liza Li's Clip ist der "provokative" weibliche Griff in den Schritt. Penisneid as it's best. Das Nachahmen der männlichen Geste tritt hier nicht zur angemessenen Verhöhnung dessen auf, wie in Christina Aguileras und Lil Kims Meisterwerk der Pop-Feminismus "Can't hold us down" die Schlauchszene, sondern bleibt schlichte Identifikation. "Ich könnte dich erschiessen, und würde es geniessen" bezeugt eine primitive, unsublimierte Regung, die nur zu reale Drohung ist.

Hier wird Gewalt gegen den fremdgehenden, lüsternen Mann abgefeiert, dessen projiziertes Verbrechen darin besteht, "gerne einen Pornofilm zu dritt zu drehen". Die Strafe erfolgt allerdings nicht um Puritanismus zu predigen, sondern um für sich in vollendeter Bigotterie genau das gleiche zu optieren: "Ich brauch dich nicht du Penner, denn die Welt ist voller Männer". Die Ersetzbarkeit des Individuums in der kapitalistischen Verwertunglogik ragt bis ins Liebesleben hinein. Besonderes soll angesichts der narzisstischen Kränkung ausgemerzt werden, mit Blutvergießen. Anstatt also dem aggressiven Gehalt einer Beziehung ein reflexives Moment zu verleihen, wird die Phantasie zur Anstiftung, zur Rationalisierung. Das peinliche "Es war nur ein Traum" ist nicht Reflexion, sondern Ausflucht vor zu erwartenden Proteststürmen, Restsublimierung der Kulturindustrie. Identität ist nur als Brandmarke denkbar, das Tatoo muss mit Gewalt wiederhergestellt werden. Ein von einer Totenkopfmütze in Camouflage gehetztes Opfer, das am Ende "tätowiert" wird - dass so etwas ohne jegliches Unbehagen Eingang in die Kulturindustrie hält, gibt Anlass zur Sorge.

Identität durch den Tod (der Schuss wird durch das Tatoo nur im Bild, nicht in der Konsequenz ersetzt), das ist übelste, deutsche Ideologie, die sich da in Liza Li aufmacht, am Aggressionspotential von anderen "frechen Gören" ein paar Cent zu ernten. Der Hass über die Devotion, die einem der alltäglich als übermächtig erfahrene Verwertungsprozess abnötigt wird in Aggression gegen Schwaches, was zur Herrschaft reizt, umgelenkt. Rationalisiert wird durch einen übermächtigen Angriff, "warum tust du mir so weh", das Eindringen eines illegitimen Dritten in die traute Dyade und Verrat, den Dolchstoß. Kaschiert wird das alles durch die Harmlosigkeit einer "süßen Achtzehnjährigen", die das Erschiessen "nur als Symbol meint". Für was Mord ein Symbol sein soll, bleibt unbeantwortet, ist es doch meist eher umgekehrt, dass Symbole für etwas Schlimmeres oder Intensiveres stehen (die Rose für die Liebe, das Messer für den Mord, die Fahne für den Staat). Es wäre aktuell (zum Glück) ein Unmögliches den Clip mit geschlechtsvertauschten Rollen abzufeiern. Dass er in dieser Form möglich ist, zeigt, was man zwanghaft auf Opfer getrimmten Gruppen alles erlaubt und ist als Symptom der Akzeptanz von Islamismus, Outgroupsexismus und Underdog-Faschismus verwandt.

Der Liza Li-Clip bei You tube...

Christina Aguileras "can't hold us down"

22.9.06 13:21


Sympathy for the devil


Quelle

"Die UN-Plattform zur Vernichtung der Demokratie" von Anne Bayefsky, unauthorisierte Übersetzung des englischen Originals von nichtidentisches:

Einst wurden alle Reden zu beliebigen Themen bei der UN mit einem kollektiven Ho-Hum abgesegnet. Aber die gestrige Eröffnung der „General Debate“ der Generalversammlung erregte unvorhergesehene Aufmerksamkeit. Die Weltmedien waren auf den UN- Schwellen platziert und auf irgendeinen Befehl hin die Menge der Protestler gleich unten auf der Straße, außerhalb der Sichtweite, aber nicht außer Hörweite.

Trotz der gelegentlichen Zuhilfenahme des UN-EZE Übersetzungssystems, war schmerzhaft klar, was Amerikaner für ihre 5 Milliarden pro Jahr bekommen. Zuerst kam der Generalsekretär Kofi Annan. Er verkündete, der Arabisch-Israelische Konflikt sei der wichtigste Konflikt heute. Warum? Weil er „emotional“ für „Leute weitab vom Schlachtfeld ist“. Übersetzt: Anti-Semiten aus aller Welt werden emotional wegen der Existenz des jüdischen Staates. Annan’s Lösung für all diese Gefühle ist der Sicherheitsrat, der die israelische Besatzung beenden solle. Bis zu diesem Zeitpunkt war sehr klar, dass „andere Konflikte“ überall auf der Welt nicht gelöst werden würden. Übersetzung: Israel dem Reissbrett der UN oder dem blutrünstigen Mob auszuliefern wird nicht genügen. Wenn er schon darüber sprach, konnte Annan einem Seitenhieb auf den Papst nicht unterlassen. Er beschwerte sich, dass die Gefühle des Mobs provoziert würden von „Gefühllosigkeit gegenüber anderer Leute Glauben oder heiliger Symbole – absichtlich oder anderweitig.“ Was der Generalsekretär nicht erwähnte in seinem letzten großen Auftritt vor dem Ruhestand, als er über die Herausforderungen unseres Zeitalters salbaderte, war das Wort „Demokratie“.

Dann war da der französische Präsident Jaques Chirac. Er ergriff die Gelegenheit der Welt anzukündigen, dass er es nicht wirklich ernst meinte, als er den USA versicherte, er würde Sanktionen gegen den Iran im Falle eines Fehlschlages des letzten Sicherheitsratsultimatums unterstützen. Chirac sagte: „Dialog muss siegen. Lass uns sprechen in der Absicht, in Verhandlungen zu treten.“ Das ist natürlich dieselbe Person, die eine führende Rolle dabei versprach, den südlichen Libanon mit französischen Soldaten zu füllen, die die Hisbollah entwaffnen würden. Er drängte danach die Italiener, zu übernehmen, während er versuchte, mit der Bereitstellung von einigen Männern in Schlauchbooten davonzukommen.

Der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinedschad gab sich große Mühe in der Kategorie pathologischer Lügner. Er redete über Wahrheit, obwohl er den Holocaust zur Diskussion stellte. Er sprach über Frieden, wo er die Hisbollah mit den 3,900 auf Israel abgefeuerten Missiles versorgte. Er redete über Gerechtigkeit, wo das iranische Rechstsystem Kreuzigung, Steinigung und Kreuzamputation von rechter Hand und linkem Fuß beinhaltet. Er sprach über die Gefahren nuklearer Waffen, wo er auf deren Herstellung versessen ist. Und er sprach über die Übel des Zionismus, wo er kein Problem mit dem Selbstbestimmungsrecht von Nichtjuden hat.

Die wirkliche Überraschung des Tages war Präsident George W. Bush. Letztes Jahr zu dieser Zeit stellte der Präsident eine Liste von Reformen vor, die er von der UN in naher Zukunft erwartete: einen neuen Menschenrechtsrat, der nicht Verbrecher unter seinen Mitgliedern aufweist, einen umfangreichen Plan gegen den Terrorismus, bedeutsame institutionelle Reformen im Gebiet der Aufsichtsführung, der Rechenschaft, der Effizienz. Nicht eine dieser Forderungen wurde erfüllt, aber anstatt eine Mängelliste aufzustellen sagte der Präsident nichts über die UN-Reform. Zu Iran war das Weitestgehende, was er aufbringen konnte „Iran muss seine Ambitionen auf nukleare Waffen aufgeben.“ Keine Rede von Sanktionen. Keine Erwähnung von Konsequenzen auf Irans offensichtliche Weigerung, diese Ambitionen aufzugeben. Über die Hamas sagte er „die Welt wartet darauf, zu sehen, ob die Hamasregierung eine… extremistische Agende weiterverfolge.“ Wartet darauf zu sehen? Nur wie vieler Raketenangriffe, Entführungen, Brandreden die zu Rassenhass und Gewalt anstacheln, oder Morde bedarf es um ein Extremist zu sein? Und zur palästinensisch-israelischen Front sagte er „das palästinensische Volk leidet unter der täglichen Erniedrigung der Besatzung" – exakt die gleiche Sprache wie – Kofi Annan.

Zweifellos, angesichts der Feindseligkeit des UN-Forums gegen Amerika würde dort nichts außer unterwürfigem Gebrabbel eines amerikanischen Präsidenten gut ankommen. Das ist genau die wirkliche und aktuelle Gefahr der UN – nur darauf zu achten, woher wir kommen und ob wir einen Beliebtheitswettbewerb in der UN gewinnen. Das ist ein Wettbewerb, in den wir niemals hätten eintreten dürfen.

Veröffentlicht: Mittwoch, September 20, 2006

Es stellt sich tatsächlich die Frage, warum die USA masochistisch einer Organisation den Tropf halten, die das erklärte Ziel hat, Revolverhelden wie Hugo Chavez oder Mahmoud Ahmadinedschad zu beklatschen, wenn diese wieder einmal ein Forum für ihre antisemitische Propaganda bekommen. „Es riecht nach Schwefel, der Teufel Bush war gestern hier“, so der venezolanische Präsident anknüpfend an mittelalterliche Hetzreden und Inquisitionsprozesse. Einem solchem Publikum erscheint der 11.9. als Exorzismus.

"Alle Weißen sind Teuffel! Auch du bist ein weißer Teuffel!" (Marburg 2006, Herrenklo im B-Turm, 3. Stock)

25.9.06 12:21


Der utopische Kommunismus – Surrogat der Vernunft


Francois Millet: Die Ährenleserinnen

Halbgebildetes Fragment in völliger Unkenntnis von Ahrendts „vita activa“ und anderen arbeitstheoretischen Schriften. Für L.

Im Kommunismus gibt es Cheeseburger umsonst. Ein harmloser Satz, der doch vor Augen führt, was das Problem einer utopischen Kritik ist: zu formulieren, ohne allein negativ das Bestehende auf dessen Basis abzugleichen, also einen „Gegenteiltag“ zu veranstalten. Die Vorstellung, dass im Kommunismus „Soilent Green“ in futuristischen Bechern geschlürft und im Keller ein Rematerialisator steht, ist noch eine vorstellbare, wo die Mittel, diesen Zustand zu erreichen möglichst gänzlich nicht zur Sprache fallen, deucht die Vorstellung doch bereits als Mittel. Ebenso wie der Satz „im Kommunismus wird es keine Arbeit mehr geben“ und die Vorstellung von einer komplett technisierten Welt, in der Roboter die einfachsten Arbeiten übernehmen, nur als utopische Zigarette am Morgen das Abfinden mit dem tristen Ablauf des Bestehenden eher vereinfachen, als die Unzufriedenheit darüber zu nähren, bloße Abwehr auf Basis der Negation, nicht aber Begreifen dessen sind, was einem der Kapitalismus antat: noch die schönste Beschäftigung zur kapitalistisch durchwirkten Arbeit zu degenerieren.

Oft hört man, wie aus Leidenschaft Profession wurde, wie jemand unter der Dusche sang, um irgendwann dies als seine Arbeit begreifen zu müssen, wie Profitischfussballer 6 Stunden am Tag Tischfussball üben, und in der Freizeit dieses einstige Vergnügen meiden. Wo selbst Freizeit zur Erholungsarbeit gerät - das Wort „Urlaub“ hat nicht umsonst einen sublimen Gleichklang dem Wort Arbeit gemein – und doch höchstes verbleibendes Glück ist, muss der Dauerurlaub auf den Balearen als Inhalt der Selbstverwirklichung in der freien Assoziation der Individuen gelten. Die Vorstellung von Menschen jedoch, denen es zwar an Wissen nicht mangelt, irgendeinen Roboter zu bauen, die aber primitivste körperliche motorische Fähigkeiten verabscheuen, wie ein Ding von a nach b zu tragen, krankt daran, dass diese Kindern sehr lustvolle Betätigung - das haptische Erfassen von Gegenständen in augenscheinlich völlig sinnlosen Prozessen (Türe auf und zu machen) - nur aufgrund des Bestehenden als widerwärtig, primitiv und überflüssig erscheint.

Auf eine Tätigkeit wird das Bestehende projiziert, dieses verallgemeinert und mit der Negation der Tätigkeit das unmöglich gemacht, was diese ohne das Bestehende sein könnte. Ein solches Bewusstsein ist nichts als Ideologie, die spezifische Auswirkungen eines Verhältnisses ontologisiert, und darin sowohl Mittel zur Abschaffung als auch den Status quo verleugnet. Kritik an Arbeitsverherrlichung ist nicht in der Negation jeglicher bis dato unliebsamen Tätigkeit aufgehoben. Die Idee, alles könnte von Robotern geleistet werden, ist zudem eine voreilige Herabwürdigung der komplexen Denkprozesse, die beispielsweise die Herstellung eines guten Messers, eines Fussballs oder eines Schuhs heutzutage trotz Aufsplitterung der Arbeitsschritte noch erfordert. Es soll alles primitive Arbeit sein. Dadurch erhebt sich der Intellektuelle über Angelegenheiten, die seine nicht sind, von denen er getrennt ist, und die er nur als ekelhaft wahrnehmen kann, weil er sich vor ihnen fürchtet und ihre Komplexität, die selbst Kanalreinigung auf dem Stand der kapitalistischen Produktivkräfte erreicht, nicht durchschauen kann, würde das doch bedeutet, dieselbe Simplizität, Automatismus und Reproduzierbarkeit dem eigenen Bildungsprozess zu unterstellen.

Für den Fabrikarbeiter gibt es möglicherweise nichts Stupideres, als eine Seite Hegel oder Kant nach der anderen umzublättern und schwarze Zeichen en masse abzuspeichern, was ein Computer in einem Scanvorgang ebenso gut könnte. Um das Ganze dann zu verknüpfen, Nichtidentisches abzugleichen, dazu könnte ebenso leicht ein Programm entworfen werden, wie für alle simplen Arbeitsprozesse ein Roboter entworfen. Was ihm daran wahrhaft als ekelhaft erscheint, der Zwang, diese Tätigkeiten auszuüben und dadurch anderer Interessen beraubt zu sein, Geist und Sinnlichkeit, "komplizierte" und "einfache" Arbeit getrennt konkurrieren zu lassen, wird zu einer Eigenschaft der Tätigkeit an sich. Eine einmal emanzipierte Gesellschaft könnte sich laut Adorno dazu entschließen, Radio, Kino und Kunst aufzugeben, weil sie schlicht nicht mehr nötig seien, erlittene Beschädigungen zu kompensieren, die Traumfabrik wird dichtgemacht, sobald die Träume von freien Sujekten verwirklicht werden können. Dabei führt er diese leise Andeutung einer für ihn seltenen, positiven Formulierung nicht weiter. Die Tätigkeit in der Arbeit abzulehnen, weil sie im status quo Arbeit ist, verleugnet, was die gesellschaftlichen Verhältnisse den Tätigkeiten angedeihen ließen, bedeutet Fetischisierung.

Dass die emanzipierte Gesellschaft den Roboter aufgeben könnte, ist in der Tat unvorstellbar. Dass sie ihm aber nicht die Bedeutung zugesteht, die er derzeit in der Utopie nur hat, weil er sie für die Produktion von Mehrwerts vermittelst des zugunsten mehr und intensiverer Arbeit befreiten Arbeiters hat, weil die Utopie von Robotern der realen Existenz von Dampfmaschinen entsprungen war, und bereits da zur Ideologie anregte, das Elend der Arbeiter liege allein in den technischen Mitteln, sollte als denkbar offen gehalten werden. Sofern es rationaler und lustvoller erscheint, einen einfachen Handgriff mal eben selbst zu erledigen, ist dies ein Mögliches in der befreiten Gesellschaft. Was aber unter wahrhaft rationalen Verhältnissen rational ist, kann nicht auf der Basis des Bestehenden ausgelotet werden. Der Roboter wie die Dampfmaschine wurden erfunden, um Menschen zu ermöglichen, mehr Mehrwert zu produzieren. Sobald letzter Zweck wegfällt, ist die Erfindung womöglich wertlos, sie mag andere oder gleiche Anwendung finden, allein in der Negation des Bestehenden liegt ihr Sinn wohl kaum. Roboter, die von Robotern erbaut werden, eine total technisierte Welt, das ist die Ideologie von „Matrix“, in ihr wird der Mensch tatsächlich überflüssig. Wo der letzte Zweck des Menschen aber Überflüssigkeit ist oder er Nutzen allein durch Arbeit herstellen kann, da befindet man sich noch im Sumpf der Ideologie, die ein befreites Verhältnis vom Menschen zu seiner Tätigkeit, sei sie auch anstrengend, abwehren muss, weil sie derzeit als Unmöglichstes erscheint.

Altruismus oder hinter dem Stand der Produktivkräfte zurückgeblieben schilt man jenes, was ohne Entgelt arbeitet, mit dem Grabstock oder ehrenamtlich Felder pflügt. Zorn wird da im Intellektuellen auf den laut, den er als Ursache des Unglücks sieht: Den ungebildeten Arbeiter, der sich bisweilen sogar in merkwürdigem Masochismus noch in Arbeit stürzt, die unmenschlich und erbärmlich ist. Dass sowohl der Zorn als auch der Masochismus von Verhältnissen aufgenötigt sind, muss hinter einfacher Negation zurückstehen. Negative Kritik, die bereits formuliert, was konkret wie nicht zu sein habe, ist keine, sondern Utopie. Kritik würde offen halten, ob es im Kommunismus Arbeit und Tätigkeit gebe oder nicht. Der Intellektuelle meint, seinen Wert, das Denken, nicht angemessen verwerten zu können, dass ihn das Müllhinuntertragen hindert, ein Buch zu Ende zu lesen. Dabei bleibt dies aber in den Kategorien der Verwertbarkeit von Zeit verhaftet: Die Zeit des Menschen sei es nicht wert, sich mit stupiden Tätigkeiten abzugeben, auf einem Stand der Produktivkräfte sei es möglich, Zeit gewinnbringender zu verbringen. Idiosynkratische Arbeitsverachtung erschiene dann als Pendant zum Antiintellektualismus.

Dass dies vom Stand der Produktivkräfte relativ unabhängig ist, zeigen die Auflistungen von einstiger Durchschnittsarbeitszeit etwa bei einigen Indianern des Regenwaldes: ca. 5,5 Stunden ein Mann und 4,6 für eine Frau. Den Rest des Tages fläzen sie auf Hängematten umher, langweilen sich, trinken Maniokbier, lynchen einen Hexer und denken sich Geschichten aus. Bei der Annahme, dass diese restlichen Stunden von Maschinen übernommen würden, überlebt die Vorstellung, Kommunismus sei bereits genau dies Nichtstun, eine negative Projektion des Urzustandes, die noch nichts über einen Grad der Emanzipation von den eigenen Ängsten (auch Arbeit und Tätigkeit gegenüber) und Zwängen aussagt. Die bloße Zeit sei ausschlagsgebend für den Grad an Freiheit, wo es doch die Verhältnisse sind unter denen gearbeitet wird und unter denen die freie Zeit verbracht wird, die prinzipiell beides frei und lustvoll machen könnten. Die Abschaffung der Arbeit reiht sich ein in die Utopien von der Abschaffung des Tausches und der Vermittlung. Die Abschaffung der Paradoxie, dass eine Verbesserung der Produktionsmittel stets nur zu einer Verlängerung der Arbeitszeit und/oder Intensität führte bedeutet noch nicht notwendig die Abschaffung jeglicher Arbeit im physikalischen Sinne. Die Abschaffung des stupiden, kapitalistischen Zwangs, der Arbeit fordert, um mehr Arbeit zu produzieren, bedeutet nicht notwendig die Abschaffung jeglichen Zwangs oder Notwendigkeiten.

Die Utopie einer Abschaffung jeglicher Arbeit nähert sich zwei Polen des Lebens bedenklich an: Dem Tod und der infantilen Phase. Sie droht Regression zu sein, darin, dass sie bloß wunschhafte Formeln vorträgt, die noch lange nicht notwendig eines kritischen Bewusstseins bedürfen. Die parasitäre Existenz auf Kosten der Mutter wird als erstrebenswert betrachtet, die Befriedigung darüber, dass das Kind nicht zuletzt dank gestiegener Kräfte selbst fähig wird, unabhängig von den Eltern ins Leben zu treten, wird verleugnet angesichts der Tatsache, dass diese Robinsonade Schein ist und Abhängigkeit stärker als zuvor wirkt. Über notwendige Abhängigkeiten von Individuen wird geschwiegen, ebenso wie über die Grundvoraussetzung der Freiheit, dass sie die Freiheit aller sei. In der arbeitslosen Monade kann dies kaum aufgehen, sie ist die Robinsonade des utopischen Kommunismus.



29.9.06 13:23


Arbeit als Religion - Gesellschaft als Wohngemeinschaft

Pablo Picasso. Der alte Gitarrenspieler.

Die neueste Idee zum Grundeinkommen kommt gar nicht so überraschend aus der Richtung der CDU.

Althaus forderte 800€ pauschal, und nennt dies sympathischerweise Bürgergeld, die Liberalen applaudieren. Die WASG hätte es wohl Volksgeld genannt, hat aber mit Michel Schlecht und weiten Teilen der PDS überraschend neue Kritik am Grundeinkommen:

"Der deutsche Sozialstaat dürfe keine Leistung ohne Gegenleistung vergeben, meint der Ver.di-Ökonom. Eine bedingungslose Faultierprämie würde nur dazu führen, dass sich Millionen Menschen mehr noch als heute in eine asoziale Parallelwelt verabschiedeten. Nicht nur Schlecht, auch Axel Troost, Wirtschaftspolitiker der Linkspartei, plädiert deshalb für eine "bedarsorientierte Grundsicherung", die den Arbeitslosen weiterhin Arbeitswillen abverlangt." (taz, 25.9.2006 )
 
Was den "Chefvolkswirt" der WASG, Michael Schlecht, stört ist nicht so sehr die Tatsache, dass Sozialhilfe Abhängigkeit und Staatsfetischismus bedingt, nein, vom staatsfetischistischen Ansatz der Linken aus stört am Bürgergeld vor allem, dass es den Bonzen nützen könnte und anderen Schmarotzern ermögliche, auf Kosten aller zu leben. Volkspädagogik, nicht kritische Analyse ist angesagt:
 
"Vor diesem Hintergrund verwundert nicht, daß viele Erwerbslose froh sind, einen Ein-Euro-Job zugewiesen zu bekommen. So mies Bezahlung und Arbeitsbedingungen auch sind – Hauptsache man kommt raus aus der Bude, man kommt unter Leute und ist in einem strukturierten Alltag eingebunden." (Junge Welt 15.9.2006 )
 
Klar, wenn man zuviel RTL gesehen hat, könnte einem der Eindruck kommen, hinter den gequälten Gesichtern, die aus den Hartz-IV-Dokus heraus bezeugen, es könnte schlimmer sein, verberge sich Kraft durch Freude und Frischluftfanatismus.
 
"Die Initiative »Freiheit statt Vollbeschäftigung« wirbt ausdrücklich: »Das bedingungslose Grundeinkommen stärkt die Unternehmen. Sie können automatisieren, ohne sich Sorgen um entlassene Mitarbeiter zu machen.« Prima, da können die Manager endlich wieder frei von Gewissensbissen ruhig schlafen." (ibid)
 
Moralinsaure Ökonomie, die von Managern Gewissensbisse statt Profitmaximierung erwartet, kommt nie ohne das Wettern auf Indidualismus und Profitgier aus:
 
"Ein Bewußtsein, daß das anarchische Wirken von Einzelkapitalen, jeder für sich, ausgestattet mit dem Trieb nach Maximalprofiten, das eigentliche Problem unserer Wirtschaftsordnung ist, geht dabei komplett unter. Wie das zentrale Steuerungselement kapitalistischer Wirtschaftsweise, nämlich blindwütige Konkurrenz der Einzelkapitale und das Ziel des Eigennutzes, des Maximalprofits, durch eine alternative gesellschaftlich vermittelte Logik ersetzt werden kann, dieses Problem existiert für die Vertreter des bedingungslosen Grundeinkommens nicht einmal im Ansatz." (ibid)
 
Eigennutz ist also das höchste Übel, denn:
 
"In unserer Gesellschaft ist es doch wie in einer Wohngemeinschaft. Niemand darf sich permanent weigern, den Müll runterzubringen."
 
Wo Gesellschaft als Wohngemeinschaft erscheint und Lohnarbeit wie Müllrunterbringen ist, da will das Volk zu seinem Recht kommen:
 
"Deshalb ist immer eine Politik für das ganze Haus notwendig. Vor allem, wenn man als politische Partei Mehrheiten gewinnen will. Wenn die Linke zur Durchsetzung ihrer Ziele die Hegemoniefähigkeit erreichen will, muß sie offen sein. Offen sein für viel größere Kreise der Bevölkerung. Sie muß eine Politik formulieren, die möglichst viele Menschen mit ihren Sorgen und Nöten im Alltagsleben abholt. Deshalb gilt: Die Linke muß eine Politik propagieren für das ganze Haus."
 
Faschismus heißt jetzt Hegemoniefähigkeit und größere Kreise der Bevölkerung sind 98% sozialistische Zustimmung statt der liberalen 18%. Wo der Bauch denkt und der Schwanz mit dem Schwanz wedelt, kann Skepsis nur aus Ressentiment entspringen, keinesfalls aber eine irgendwie qualitative emanzipatorische Kritik am derzeitigen gewiss nicht neoliberalen sondern sozialdemokratischen Sozialstaat vorbringen:
 
"Die Politiker von SPD und Grünen macht im übrigen misstrauisch, dass die idee des Bürgergeldes auch von den wirtschaftsliberalen der FDP vertreten wird. auch Grünen-Chef Bütikofer begründet seine Skepsis zum Teil mit dem liberalen Ursprung des Konzeptes, dessen erster Wegbereiter der US-Ökonom Milton Friedman war." (taz, 25.9.2006)
 
Wo US draufsteht kann nur zio-amerikanische Weltverschwörung drinsein und deshalb versucht man krampfhaft eine Idee, die so ähnlich und doch in wesentlichen Punkten nicht identisch seit Jahr und Tag aus den eigenen Reihen propagiert wird, irgendwie zu kritisieren, weil sie nun von der anderen Partei kommt.
 
"Man sieht: Auch von neoliberaler Seite finden sich Protagonisten des bedingungslosen Grundeinkommens. Ja, historisch sind sie sogar die Erfinder. Schwebt ihnen wirklich die Menschheitsbeglückung vor? Oder ist ihr Motiv nicht eher die elegante Entsorgung überflüssiger Arbeitskräfte? Bei gleichzeitiger Einsparung bei den Löhnen und den Lohnnebenkosten, da die Sozialversicherung ohnehin überflüssig wird. Das »Netzwerk Grundeinkommen« wirbt damit, daß »auch die Unternehmen gewinnen: motivierte Mitarbeiter/innen, mehr Risikobereitschaft aufgrund der Einkommenssicherheit, niedrigere Lohnnebenkosten.« (Junge Welt 15.9.2006)
 
Der Traum vom Recht auf Arbeit, immer schon ein reaktionärer, erblödet sich nicht, den abgedroschensten Witz der Bewegungslinken zu wiederholen: Arbeit innerhalb des Kapitalismus einfach umzuverteilen, und die einen weniger, die anderen mehr arbeiten lassen:
 
"Zum Zukunftsinvestitionsprogramm und dem Plan eines Mindesteinkommens kommt noch die Arbeitszeitverkürzung durch solidarische Umverteilung der Arbeit. Mit einer 30- bis 32-Stunden-Woche könnten weitere fünf Millionen Arbeitsplätze geschaffen werden." (ibid)

Wollte man eben noch "Sozialismus" und wähnte das 800€-Modell als strukturell us-verjudet, gibt man sich nun auf einmal mit 32 Stunden zufrieden. Logisch, denn andere bringen ja auch 32 Stunden in der Woche den Gemeinschaftsmüll runter.

30.9.06 16:17


s



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