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Iranische Barbarei geht weiter...



Wie Westernresistance mitteilt, drohen weitere Steinigungen von Frauen in Iran. Unterschreibt die Petition für Ashraf Kalhori! Immer noch in Gefahr sind augenscheinlich Malakh und Nazanin. Fünf weitere Frauen sind von Steinigung bedroht. Der Vorwurf ist meistens "Ehebruch" oder "Unzucht", d.h. eine außereheliche Beziehung. Petitionen können in individuellen Fällen helfen.

Es fällt auf, dass für Frauen öfter Petitionen entstehen, als für Männer, die oft wegen ähnlich lächerlicher "Vergehen" wie Homosexualität , Unzucht, Apostasie, zum Tode oder zu unbeschreiblicher Folter durch Amputation oder Auspeitschung verurteilt werden. Ein Fall von Alkoholschmuggel in Saudi-Arabien wurde mit 300 Peitschenhieben bestraft. Ob der alte Mann, desse höchstes Vergnügen nach eigenen Aussagen gewesen sei, in volltrunkenem Zustand seine Kamele durch die Wüste zu treiben, noch lebt, ist nicht herauszufinden. Die Presse betrachtete den Fall durchgehend als guten Witz und nicht als Grund, zur Solidarität mit dem armen Trinker aufzurufen. Die medizinischen Folgen einer Auspeitschung sind Blutverlust, Zerstörung von bis zu 1/5 des Hautgewebes, schmerzhafte Vernarbungen, Schockzustände, psychische Traumatisierung, von Folgeschäden wie Infektionen ganz zu schweigen. Die Auspeitschung mit 300 Peitschenhieben (Üblich sind laut Koran 100, auch schon schlimm genug) ist mit einer Folter bis zum Tode vergleichbar. In Iran sind Mädchen ab 9 mit der Auspeitschung (und Steinigung) prinzipiell bedroht, da dies das offizielle Heiratsalter ist, getreu nach Mohammed und dem Koran.

Strafgesetz der islamischen Republik Iran - Körperstrafen

3.8.06 16:54


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UNtisemites!


Pedro A. Sanjuans Klassiker "The UN-Gang" wurde nun ins Deutsche übersetzt und vom Verlag "zu Klampen" 2006 frisch aufgelegt.Der Titel "Die UN-Gang. Über Korruption, Spionage, Antisemitismus, Inkompetenz und islamischen Extremismus in der Zentrale der Vereinten Nationen. Erfahrungsbericht eines Insiders" sagt im Prinzip schon alles, was auf den 205 Seiten im Detail bearbeitet wird.

Für alle, die sich den stolzen Preis von 19.80 für die Hardcoverausgabe nicht leisten können, findet sich hier eine kurze Zusammenstellung der schärfsten Zitate.

Ein Auszug aus einer Rede auf einem Russlandbesuch in Leningrad, auf die Frage, warum er die Piskarijowska, den Denkmalsfriedhof von Leningrad besuche:

"Weil die Faschisten vor den Toren Leningrads das Chaos waren und weil die heroische Bevölkerung Leningrads für diese Ordnung stand - und die Ordnung hat gesiegt! Durch das Opfer, das sie gebracht hat, hat die Bevölkerung Leningrads meine Kinder und Enkel [die ich damals noch gar nicht hatte] vor der faschistischen Bedrohung gerettet. Sie haben uns unsere Freiheit bewahrt. Ich bin deshalb gekommen, um den Opfern zu danken." (S. 120)

Er zitiert den Oberbürgermeister von Wolgograd (Stalingrad):

"Ihr Amerikaner habt doch keine Ahnung. Ihr habt ja auch keine Juden, die hinter jeder Tür und hinter jedem Busch sitzen. Wir haben sie, oder wir haben sie gehabt, und müssen immer noch die silbernen Löffel verstecken, damit sie nicht irgendein Bronstein vor unserer Nase mitgehen lässt." (S.121)

Über die Alltagspraxis der sexuellen Belästigung bis hin zur Vergewaltigung in UN-Gebäuden:

"Sexuelle Belästigung gab es im UN-Sekretariat offiziell nicht, weil sie gar nicht als eine Abweichung von der akzeptierten Normalität galt." (S.149)

Über die Ostafrika-Mission der UN:

"Darüber hinaus wurden große Mengen wertloser Medikamente mit abgelaufenen Verfallsdatum gekauft und kontinuierlich eingelagert - eine allgemeine Gesundheitsgefährdung." (S.158)

Über einige Vorfälle nach dem Zusammenbruch der UDSSR:

"Unverdrossen kam derselbe UN-Vertreter nach einem Monat schon wieder in mein Büro. 'Diesmal habe ich eine große Sache' sagte er, 'genau das Richtige für jemanden in ihrer Position.' Mich schauderte bei dem Gedanken, was er als nächstes sagen würde. 'Ich habe Beryllium - Sie wissen ja, dieses Metall, das man für Atombomben braucht -, und zwar vierzigtausend Tonnen, eingelagert in Kasachstan in Güterwaggons. Das soll verkauft werden. Sie müssten jemanden kennen, der daran Interesse hat, das zu vermitteln; es ist ja eigentlich nicht frei verkäuflich." (S. 152)

Sanjuan wurde aufgrund seines Namens und einem Gerücht von Beginn seiner Amtszeit an als amerikanischer Jude in der UN geschnitten.
Antisemitismus beschreibt er als Alltagskultur in einer Organisation, die sich dem "Weltfrieden" verschrieben hat.
Die USA übernehmen zwar ein Viertel der UN-Ausgaben, halten aber nur einen Bruchteil der Posten inne. Dennoch hält sich hartnäckig das Märchen von der angeblichen US-Dominanz in der UN, die sich allein auf das Vetorecht stützt, das Staaten wie Russland oder China ebenfalls besitzen und ausgiebig in Anspruch nehmen. Antisemiten stört, dass die USA als einziger Fürsprecher Israels (und der Zivilisation) in der UN überhaupt vertreten sind und konstruieren daraus eine Übermacht. Die wirklich relevanten Stellen in der UN wurden während des kalten Krieges von KGB-Leuten besetzt und zur intensiven Spionage genutzt. Laut ehemaligen KGB-Leuten war die UN-Zentrale in Manhattan die erfolgreichste Basis der Sowjetspionage. Die USA nahmen dies nicht ernst und wollten etwaige diplomatische Zerwürfnisse mit der UDSSR im Vorfeld vermeiden. Sanjuan zeichnet plastisch einen Verwaltungsmoloch nach, dessen einzige Aufgabe es ist, sündhaft teure Prozesse ohne jeden Inhalt am Leben zu erhalten. Dabei frönt Sanjuan ausgiebig dem Sarkasmus, wobei er äußerst kritisch auch gegenüber der US-amerikanischen Naivität gegenüber Spionage und Antisemitismus bleibt, wie auch der eindeutigen Interessenspolitik der Großmächte, die eine effektive Gestaltung zu Beginn der Organisation behindert hätte. Als Placebo der Mitbestimmung für die dritte Welt erscheint ihm die Funktion dieser gigantisch unfähigen Geldvernichtungsmaschine.

Äußerst angenehm zu lesen ist seine ehrliche Empörung über den penetranten Antisemitismus, dem er in der UN begegnete. Die UN-Informationsbehörden waren mit PLO-Funktionären besetzt und verteilten deren antiisraelische Propaganda auf Kosten der UN in aller Herren Länder. Schließlich galt es, den Zionismus als Rassismus zu enttarnen. US-amerikanische oder gar jüdische Kritikerinnen in der Organisation wurden gemobbt oder entlassen. Innerhalb der UN haben israelische Bewerber keine Chance, einen Posten über die ihnen zugeschriebene Quote hinaus zu bekommen, diese wurde zudem nie erfüllt. Das israelische Büro im obersten, entlegensten Flur ist als einziges mit einem Fenstergitter gesichert, da die Antisemiten aus dem Stockwerk darunter mit einem Seil Sprengsätze anbringen oder einbrechen könnten. Das Gebäude ist zudem gegen Terrorakte nicht gesichert, Sanjuan beschreibt mehrere Möglichkeiten, völlig unbehelligt in das Gebäude einzudringen. Zivilrechtlich können die in den UN Gebäuden stattfindenden Vorgänge wie Terrorismus, Spionage oder Drogenschmuggel nicht belangt werden, der Diplomatenpass machts möglich. Eine innerhalb der UN etablierte Ordnung kann nur von dieser selbst überwunden werden, ein Eingreifen von außen ist so gut wie unmöglich.
Der Nepotismus treibt Blüten bis in die obersten Reihen der sogar einmal von Nazi-Kriegsverbrecher Waldheim geleiteten Institution. Sanjuan plädiert dafür, die UN nicht wie gewohnt als nutzlosen Papierdinosaurier zu interpretieren, der zum Lachen anregt, sondern als ernstzunehmende Bedrohung!

"Es liegt aber auf der Hand (weil es dafür umfangreiche Belege gibt), daß das UN-Sekretariat - das gegenüber äußerer Aufsicht Immunität genießt, finanziell nicht rechenschaftspflichtig ist und terroristischen Elementen leichten Zugang bietet - einen Unterschlupf für Terroristen darstellt, den wir nicht ignorieren können." (S. 185)

Die Empfehlung für das Buch lautet: Kaufen, wer das Geld hat, leihen, wer es nicht hat (Die 19,80 € sind meines Erachtens besser angelegt), über die ersten 20 stilistisch ungewohnten, womöglich schlechtübersetzten Seiten hinweglesen, den etwas paraphrasierenden, sprunghaften Verlauf und viel autobiographische Eitelkeit ignorieren und sich verwundert über ein Monstrum die Augen reiben, in das eine internationale Gemeinschaft bisweilen ernsthafte Hoffnung setzt, genozidale Massenmorde wie Ruanda oder Darfur zu verhindern.

Ausführliche Rezension in der "Welt"

4.8.06 18:15


Mediaval warfare

Das Weblog Littlegreenfootballs deckte Fälschungen bei Reuters auf.

ARD und ZDF sind ohnehin Frontschweine im Medienkrieg gegen Israel.

Währenddessen transportieren UN-Krankenwagen Terroristen zu ihrem Einsatzort und zurück.

Obgleich das Internationale Komitee vom Roten Kreuz in Genf schon am ersten Tag die korrekte Zahl von 28 Toten veröffentlicht hatte, korrigierten die Agenturen ihre Zahlen erst, nachdem eine amerikanische Menschenrechtsorganisation, Human Rights Watch, die Fälschung der Angaben aufgedeckt hatte.

Der Stern möchte daher herausfinden, was die Juden so aggressiv macht:



Und politicallyincorrect versorgt uns weiter mit all diesen zusammengesammelten Informationen und guten Ideen, wie denn eine politisch korrekte Reformierung auszusehen hätte:



Dann wäre wirklich alles wieder gut, schließlich sind Antisemiten einfach nur schlecht informiert oder so. ....

Zum Glück kann niemand die IDF stoppen!

Wer ehrlich und objektiv informiert bleiben möchte, besucht ohnehin lieber die Website der israelischen Botschaft.
7.8.06 16:53


Generation Gaza


Zugegeben, es ist schon länger her. Am 6. Juli 2006 veröffentlichte Mark Terkessidis in der berüchtigten tageszeitung einen Kommentar zu Israel im Allgemeinen. Bereits der Titel sollte klären, wer hier schuld an allem ist: „Geisel der eigenen Politik“ ist Israel, nicht etwa die entführten Hamas-Regierungsmitglieder.
Antisemiten werden eingangs darauf konditioniert, dass die antisemitische Presselandschaft in Deutschland immer noch „Verständnis für die Aktionen der israelischen Armee“ zeige, die „
derzeit den Gazastreifen bombardiert und zeitweise von Strom, Wasser und Lebensmitteln abschneidet“.

Die allerseits herbeigedrohte humanitäre Krise in Gaza ist immer noch nicht eingetreten, im Gegenteil, das israelische Außenministerium listet akribisch alle Hilfslieferungen auf, darunter: 2 Lastwagen Zigaretten. Ob das den „Anti-Raucher-Muslims “ gut tut? Oder auch nur „Teil einer systematischen Strategie zur Zermürbung jedes palästinensischen Widerstandes“ ist?

Um eines klar zu stellen: Hier ist nicht der Widerstand von Feministinnen, Homosexuellen oder Demokraten gegen die islamistische Hamas die Rede. Auch nicht von den palästinensischen Kollaborateuren, die zugunsten einer besseren Gesellschaft mit den Israelis sympathisieren. Widerstand ist für einen Rassismusforscher nur dann gegeben, wenn es gegen die Juden geht. Diese, so hört man vollführten

eine Kombination aus der Verwandlung des Gaza-Streifens in ein „autonomes“ Großgefängnis, der konsequenten Besiedelung des Westjordanlandes und Ostjerusalems sowie der gleichzeitigen Zerstörung jedes berechenbaren Alltagslebens bei den Palästinensern.

Zu einem berechenbaren Alltagsleben eines Palästinensers gehört anscheinend, dass er nicht jeden Morgen auf ein jüdisches Haus blicken muss, oder dass er im Waffenschmuggeln derart eingeschränkt ist, dass die Gewehrpatrone 4 Dollar kostet. Weil die israelische Armee wie ein sprungbereites Raubtier auf einen „willkommenen Anlass“ wartet, eine ihrer „berüchtigten Interventionen“ zu unternehmen, wurde auch die „Räumung der israelischen Siedlungen in Gaza von niemandem begrüßt.“ Vielleicht hat Terkessidis kein Fernsehen gesehen, aber die Freudenfeiern auf den Trümmern der Siedlungen, die Freudenschüsse von Jugendlichen, das Jubilieren der Hamas über den Erfolg ihres „Widerstandes“ muss ihm doch irgendwie zu Ohren gekommen sein.

Entweder also er ist total desinformiert, dann sollte er sich hüten, öffentlich zu urteilen, oder er lügt sich ganz einfach die Realität seinem Antisemitismus gemäß zurecht. Was sehr wahrscheinlich erscheint, denn er weiß:

An die Hamas konnte man sich wenden, wenn das Geld nicht mehr reichte, um die Familie durchzubringen, oder wenn man Rache wollte für das, was die israelische Armee einem antat.“

Was ja irgendwie das Gleiche ist, die Familie durchbringen, obwohl die Hamas einem am Betreten des Grenzübergangs hindert, Kindern die Sparschweine abnimmt, im Vorgarten eine Kassam abfeuert, und das anscheinend auf einmal konstruktive Bedürfnis nach Rache für Polizeikontrollen. Das „Alltagsleben der Palästinenser“ zu schützen und dessen „systematische Zerstörung“ anzuprangern liegt Terkessidis so sehr am Herzen, dass er es noch ein oder zweimal wiederholt, vielleicht hat der tazleser nicht aufgepasst. Terkessidis weiß: „Die Bürokratie wird hier bewusst kafkaesk: das Ziel ist die psychische Zermürbung.“

Es ist also klar abgesteckt, wer der Teufel hinter dem „Teufelskreis der Gewalt“ ist. Die Soldaten sind „blutjung“, „nervös“, „ängstlich“, „großspurig“ und „ekelhaft“. Auf der Gegenseite herrscht eitel Rationalität, dort „hatte die Hamas Regierung bekanntlich über die Anerkennung Israels nachgedacht.

Solcherlei Pazifismus scheiterte dann aber an einem einfachen Grund:

Tatsächlich hatte die israelische Regierung an der Anerkennung durch die Hamas gar kein Interesse. Schließlich ist es in den letzten Jahren gelungen, jeglichen Widerstand der Palästinenser als unbegreiflich und fundamentalistisch dastehen zu lassen.

Begreiflich könnte der Widerstand werden, wenn man ihn als antisemitisch versteht, begreiflich ist er dadurch auch dem Antisemiten:

Solche Anschläge [„grauenhafte Selbstmordattentate“] erscheinen den gewöhnlichen Israelis auch deswegen so barbarisch, weil sie nichts von den Zuständen in den Autonomiegebieten wissen.

Hätte man gewusst, dass der Selbstmordattentäter Numero 135 wie üblich aus gutem Hause stammt, in Westeuropa studierte, Muhammad heißt, 23 ist und Briefmarken sammelte, dann hätte man anscheinend mehr Verständnis für seinen Massenmord? Irgendwie nur in der Logik eines Antisemiten verständlich:

„Mit dem Amtsantritt von Ariel Scharon hat die israelische Regierung bewusst die Vorraussetzungen für Frieden und Sicherheit zerstört und es gleichzeitig geschafft, diese Politik als alternativlosen Garanten der Stabilität zu präsentieren.

Und weil es für einen Rassismusforscher sich verbietet, etwas von Antisemitismus zu verstehen, leistet man anderen Antisemiten Hilfestellung zur Standardübung, der "Antisemitismusvorwurfkeule":

Gegen die internationale Kritik gehen die israelische Regierung und vor allem deren Lobby-Organisationen in den USA erfolgreich mit dem Vorwurf des Antisemitismus vor. […] Aber wer Menschenrechtsverletzungen in Israel anprangert, auch als Deutscher, ist noch lange kein Antisemit.

Was denn dazu gehört, zum Antisemit sein, weiß Terkessidis irgendwie auch nicht. So Stereotype halt. Schon am 3.2.2004 versuchte er ebenfalls in der taz zu beweisen: „Ein grassierender islamischer Antisemitismus in Europa ist durch Studien nicht belegbar. Doch mittlerweile werden
antisemitische Stereotype auf "die Muslime" übertragen.


Islamphobie sei der folgende Gedanke: „Eine weltweit verbreitete, verschlossene, fanatische Religiosität, die schon seit Jahrhunderten expansive Bestrebungen hat, bedroht "uns" mit Flamme und Schwert.“ Wo dieser Zustand offensichtlich Realität ist, im Gegensatz zu allen antisemitischen Halluzinationen, folgt Terkessidis seinem Vorbild und halluziniert mit "Étienne Balibar die neuen Formen des Rassismus als "verallgemeinerten Antisemitismus".

Man stelle sich also ein Buch vor, in dem behauptet würde, die deutschen Juden wären die Lobby eines neuen Faschismus in Israel, der mit Hilfe der USA eine "neue Weltordnung" errichten wolle. Wahrscheinlich würde es sofort eingestampft. Zu Recht.

Ja, man stelle sich ein solches Buch vor. Oder lese UN-Resolutionen oder Artikel in der taz von Mark Terkessidis, und rede dann noch davon, dass solche Bücher kein Publikum hätten.

Was in dieser Debatte "geboren" wird oder zumindest voll zum Tragen kommt, ist tatsächlich eine neue, "verdrehte" Form von Antisemitismus. Denn nun präsentieren sich die Mehrheitsangehörigen so, als seien eigentlich sie die - ganz persönlich betroffenen - Opfer von Rassismus.
(taz 7.12.1998)

Ob Terkessidis nicht merkt, dass sein eigener Satz zur Walser-Debatte sich nun gegen ihn wendet? Oder ob er einfach wirklich nicht weiß, was Antisemitismus ist und wo er sich vom Rassismus unterscheidet? Eine überflüssige Frage, denn Terkessidis outet sich mit seinem Beitrag als Antisemit mit den hinlänglich bekannten „Argumenten“ und psychologischen Tricks.




Männliche Hamas-Mitglieder in vollem Ornat bei antirassistischer Demonstration...


Hamas-Frauen bei einer Gruppensitzung zu diskursgeschichtlichen Fragen des Antirassismus im Koran.


Der einzige Stand einer Buchmesse in Gaza. Im Hintergrund antirassistische Parolen...
8.8.06 22:59


Sofies Welt braucht keinen Adorno nicht...


Wem "Sofies Welt" schon immer als recht plumper Versuch auffiel, Kindern ein Schulbuch in einen schlechten Roman unterzujubeln, der wird sich kaum wundern, auf welcher theoretischen Grundlage dieses Buch stattfand. Jostein Gaarder hatte in der norwegischen "Aftenposten " am 5.8.2006 mal ordentlich vom Leder gezogen, hier wird aus der englischen Übersetzung zitiert:

"There's no turning back. It's time to learn a new lesson: We no longer recognize the State of Israel. We could not recognize the apartheid regime of South Africa, nor did we recognize the Afghani Taliban regime. Then there were many who did not recognize Saddam Hussein's Iraq or the Serbs' ethnic cleansing. We need to get used to the idea: The State of Israel, in its current form, is history. We don't believe in the notion of God's Chosen People. We laugh at this people's capriciousness and weep at its misdeeds. To act as God's Chosen People is not only stupid and arrogant, but a crime against humanity. We call it racism."

Psychoanalytisch betrachtet spielt Gaarder hier den Lehrer, der gleichzeitig als Prophet den eigenen Wunsch als unabweichliche Zukunft glaubhaft machen will. Er überredet sich selbst ("there's no turning back"), räumt Zweifel aus, verstärkt durch Extremvergleiche, die allein bildhafte Funktion haben: Südafrika (Exotik, Löwen, Rassismus), Taliban (Exotik, bärtige Männer mit Kalaschnikows), Saddam Hussein, "die Serben". Dazu kommt Selbstüberhöhung, die eigene Unsicherheit unterstrichen durch ein "We" und jahrtausendealtes religiös argumentierendes Ressentiment.

"There are limits to our patience, and there are limits to our tolerance. We do not believe in divine promises as a justification for occupation and apartheid. We have left the Middle Ages behind. We laugh uneasily at those who still believe that the god of flora, fauna and the galaxies has selected one people in particular as his favorite and given it silly, stone tablets, burning bushes and a license to kill. We call baby killers "baby killers" and will never accept that people such as these have a divine or historic mandate excusing their outrages. We just say: Shame on all apartheid, shame on ethnic cleansing and shame on every terrorist strike against civilians whether carried out by Hamas, the Hezbollah or the State of Israel!"

Hier wechselt Gaarder die Rolle zum ermahnenden Elternteil, das dem unartigen Kind Grenzen setzt. Das Ganze unterstrichen mit dem immer wirksamen "Babyblut" und dem ebenfalls parentalen "Shame on you", das nur die eigene Scham in fremde verwandeln soll.

"We are now at the watershed. There's no turning back. The State of Israel has raped the recognition of the world and shall have no peace until it lays down its arms."

Finalismus verknüpft sich hier mit ödipalem Schutzreflex: "Israel has raped the recognition of the world". Das Bild der Vergewaltigung ist ein einfaches der Propaganda, jeder "Sohn" wird herbeieilen, um eine Mutterimago zu schützen, sei dies Germania, die Menschheit, oder Mutter Erde.

"May the spirit and the word blow the apartheid walls of Israel down. The State of Israel does not exist. It is now without defense, without skin. May the world therefore have mercy upon the civilian population; for our prophecies of doom are not aimed at the civilian individuals. We wish the people of Israel well, nothing but wellness, but we reserve the right to not eat Jaffa oranges as long as they are foul tasting and poisonous. It was endurable for some years to live without eating the blue grapes of apartheid."

Hier wieder der Schwenk ins religiöse, der Bezug auf Jericho ist offensichtlich und gewollt. Als Prophezeihung sprudeln Gaarder biblische Szenen aus dem Es. "Prophecies of doom" wird noch mit einem humanistischen Schlenker verziert, der sich durch das Beharren auf Milde den Zivilisten gegenüber noch über das projektive Feindbild erhebt, das eben diese Hemmung in der Projektion verloren hat. Schwach und bemitleidenswert wird der Gegner Israel gewähnt, dem eigenen Wunschbild entsprechend und der Realität spottend. Lächerlich wird seine Argumentation durch die Mittel, die er anbietet, den Boykott von Trauben aus Israel.

"We don't believe that Israel grieves any more for the forty killed Lebanese children than it has wailed over the forty years spent in the desert three thousand years ago. We note that many Israelis celebrate such triumphs in the same manner they once cheered the plagues of the Lord as "fitting punishment" for the people of Egypt. (In that tale, the Lord God of Israel appears as an insatiable sadist.) We ask ourselves if most Israelis think that one Israeli life is worth more than the forty Palestinian or Lebanese lives."

Der uralte religiöse Antisemitismus machts immer noch. Der Neid auf den Durchhaltewillen in der jüdischen Mythologie mündet in den Vorwurf der Gefühlskälte auch sich selbst gegenüber. Den Jubel der Juden über die Niederlage der Unterdrücker kann der Antisemit den Juden nie verzeihen, er trägt ihm den Auszug aus Ägypten ebenso nach wie die Befreiung der Wenigen aus Auschwitz. Ein Jude, der über geschlagene Feinde jubelt kränkt den Antisemiten tiefer als all seine wirtschaftlichen Erfolge mit dem Verkauf von Weintrauben.

"For we've seen pictures of little Israeli girls writing hateful greetings on the bombs about to be dropped on the civilian populations of Lebanon and Palestine. The little Israeli girls are not cute when they strut with glee at the death and torment on the other side of the fronts."

Bereits das jüdische Kind erregt Abscheu in Gaarder. Das Schreiben auf der Rakete, die Zustimmung des Kindes zur Kastration des Feindes mit der ihm zugehörigen Phallusrakete erregt seine tiefe Furcht. "To Nasrallah, with Love" wird hier zur Hassbotschaft. "With love" drückt aber gerade kindliches Unverständnis aus, den Wunsch, doch geliebt, statt gehaßt zu werden, eine Botschaft, die Hass erfolgreich abgewehrt hat, ohne der Vernunft zu entschlagen. Das kann der Antisemit nicht wahrhaben, dass dem jüdischen Kind eine erfolgreichere Sublimierung seiner Triebe gelingt als ihm.

"We do not recognize the old Kingdom of David as a model for the 21st century map of the Middle East. [...] We do not recognize the spiral of retribution and blood vengeance that comes with "an eye for an eye and a tooth for a tooth."

For two thousand years, we have rehearsed the syllabus of humanism, but Israel doesn't listen. It wasn't the Pharisee who helped the man who lay by the wayside, having fallen prey to robbers. It was a Samaritan; today we would say, a Palestinian. We are humans firstly - then Christian, Muslim, or Jew."

Wieder die Eltern (Israel doesn't listen), der verzweifelte Lehrer, der Prediger in der Wüste. Frech lügt er sich eine 2000 Jahre dauernde Geschichte des Humanismus zurecht und behauptet, Israel hätte sich dem verweigert. Perversion des Antisemitismus.

"If the entire Israeli nation should fall to its own devices and parts of the population has to flee their occupied areas into another Diaspora, then we say: May their surroundings stay calm and show them mercy. It is an eternal crime, without mitigating circumstances, to lay hand on refugees and a stateless people."

"Parts of the population" deutet schon an, dass nur ein kleiner Teil der Vernichtung entraten würde, die Gaarder sich hier apokalyptisch herbeiprophezeit. Er weidet sich sodann am Leid der Fliehenden und zieht Befriedigung aus großmütiger Milde, die den jetzigen zum mahnenden Beispiel vorgesetzt wird.

"Peace and free passage for the evacuating, civilian population no longer protected by a State. Shoot not at the fugitives! Take not aim at them! They are vulnerable now -- like snails without shells, vulnerable as slow caravans of the Palestinian and Lebanese refugees, defenseless as the women, children and elderly of Qana, Gaza, Sabra and Shatilla. Give the Israeli refugees shelter; give them milk and honey! Let not one Israeli child pay with his life. Far too many children and civilians have already been murdered."

Mit diesem Schlusswort setzt er sich infolge seiner Vernichtungsphantasie als mahnende Hand außerhalb des Geschehens und über das Geschehen, spricht sich in seiner Phantasie Macht zu, die er real nicht hat, die des Weisungen erlassenden Patriarchen: "Give the Israelis refugees shelter; give them milk and honey".

Und hier wird klar, was Gaarder wirklich will: Gott sein, der Gott der Juden, der diesen Speisung in der "moralischen" Wüste erteilt, der über religiöse Verblendung urteilt und die Zukunft beherrscht. Und der die biblische Macht hat, das Volk der Juden zu strafen, wenn es seinen Worten nicht gehorcht, der es mit Gnade belohnt, wenn es gläubig zurückkommt.


Eine tiefergehende Analyse findet sich in "Randglossen zum Fall Gaarder".
10.8.06 19:31


Randnotizen zum Fall Gaarder

Wenn wir nun also unten zum Schluss gekommen sind, dass ein wesentliches Element der psychologischen Deutung von Gaarders Text Neid ist, Neid auf Stärke, Exklusivität und Standfestigkeit, dann müsste es gelingen, daraus ein Modell zu entfalten, in dem Neid und unbewusste, verleugnete Identifikation eine größere Rolle spielen als die oberflächliche Abwertung, und in dem wieder der Antijudaismus stärker berücksichtigt wird als der moderne Antisemitismus.

Der Antijudaismus hat sich reformiert. Wer seinen Job oder seinen Ruf auch vor sich selbst nicht verlieren will, fordert nicht wie der oridinäre Antisemit die Vernichtung aller Juden, nur die bösen Juden, die unbekehrbaren sollen der Verdammnis, der Geschichte, einem Wind, wie Gaarder seine Endlösung darstellt, anheim fallen. Die zum „Humanismus“ Bekehrten will man als Dhimmies aufnehmen und generös über ihre Mängel hinwegsehen. Bei Gaarder dürfen Juden keinesfalls an wesentlichen Elementen ihres Glaubens festhalten, und zwar aus einem humanistischen Argument heraus, das durchaus logisch erscheint: Sich selbst als auserwähltes Volk zu begreifen sei rassistisch. An diesem Widerspruch scheitert aber der Antisemit Gaarder, er will dazugehören obwohl er die Religion im Allgemeinen für Quatsch hält, den er nicht versteht, und Humanismus postuliert.

Das auserwählte Volk ist dies nicht im Vergleich zu anderen Völkern, sondern aufgrund eines Vertrages, den es einzuhalten hat, ein Äquivalententausch. Es wurde nicht auserwählt, weil es schon gut ist, sondern um es gut zu machen. Es wird für Treue belohnt und für Apostasie bestraft. Das religiöse Judentum schließt Imperfektion ein, es sei „ein störrisches Volk“, das ein Identisches, Elohim, „Ich bin, der ich bin“, als Ideal, als Gott, setzt und dialektisch auf dem Nichtidentischen beharrt, es macht sich kein Bild, das schon der Gott selbst sei, keinen Namen, der Gott nennen kann. Das macht es nicht aufgeklärt, zu sehr gemahnt dies noch an das Tabu, aber es erregt das Unbehagen derer, die nach ebendieser Identität streben und sie verweigert bekommen, weil sie sie nicht aus sich selbst heraus schaffen können.

Das Gesetz der Juden, nur einen einzigen Gott zu haben, ist in diesem Zusammenhang für eine Religion, die viele Götter hat, kränkend, weil sie unbewusst mit Unbehagen als wahr und als Kritik wahrgenommen werden muss, vor allem bei schlecht aufgeklärten Atheisten, deren primitive Ersatzgötter kaum an die über Jahrtausende durchdachte Komplexität und Abstraktion des jüdischen heranreichen. Für alle Jenseitsorientierten Religionen, die einen manischen Abwehrzauber gegen den Tod ausführen und die Wiederauferstehung auffällig krampfhaft betonen, wie der Koran, die Evangelien oder die Wiedergeburtsreligionen, muss die jüdische Religion, die weder ein ordentliches,jenseitiges Paradies noch Höllenstrafen kennt, beängstigend wirken. Für den Atheisten, der jeden Gedanken an den Tod verdrängt mit Alkohol und Bordsteinphilosophie ist sie gleichsam bedrohlich. In diesem Sinne sind nicht nur die Christen schlecht getaufte Heiden, wie Freud sagt, sondern auch die antisemitischen Atheisten erweisen sich als schlecht aufgeklärte Christen und die Antisemiten als schlecht säkularisierte Antijudaisten.

Kapitalismus spielt in Gaarders Text keine Rolle, es geht hier nicht um Zinskapital oder die Ausbeutung des Proletariats. Der Text stellt eine Modernisierung des weitgehend vom modernen Antisemitismus abgelöst gewähnten religiös argumentierenden Antijudaismus dar, der den modernen jüdischen Staat nur in missverstandenen biblischen Kriterien fassen kann. Israel verkörpert dabei das Wiedererstarken der archaischen, überholten Religion, die Reinstallierung des durch den Sohngott verjagten Vatergottes. Der Antisemit kann die Juden als Kastrierte dulden, als willfährige Flüchtlinge, nackt wie Schnecken, wie in Gaarders Bild. Nicht aber als nach 2000 Jahren wieder "Erstarkte", Kastrierende. Die halluzinierte Macht der Juden im Antisemitismus wird durch reale militärische Macht möglicherweise eher irritiert als erweitert. Die antisemitische Imago vom Juden schließt dessen Gegenwehr aus. Der Jude als antisemitische Imago bedarf magischer Attribute wie Kinderblut und Gold und instrumentalisiert, notfalls sein eigenes Volk, aber er geht nicht mit der Waffe in der Hand los. Der gewöhnliche Jude ist dann der gute Jude, der mächtige ist die persona non grata, der erste kann bekehrt werden, der letztere muss als halluzinierte Konfliktursache beseitigt werden.

Gaarders ganzer Text kann als ein durch intellektuelle Splitter maskiertes ödipales Aufbegehren gedeutet werden. Der Auserwählte, der Sohn Gottes oder dieses mysteriöse „Wir“ bei Gaarder, wird durch einen anderen Auserwählten in Frage gestellt. Jener spreizt sich der primitiven Begriffswelt des Intellektuellen, und beharrt auf einem dieser entratenden Abstraktum, einem Bund, der stark an einen Ehevertrag erinnert: Den heiligen Bund Gottes mit dem Volk der Juden. Dieser Bund darf nicht eingehalten werden, er muss gesprengt werden, um dem Besitzanspruch zu genügen, die Mutterreligion soll beherrscht werden, nackt wie eine Schnecke daliegen, "defenseless as the women", und in einem sexuellen Akt mit Milch und Honig „gespeist“ werden. Allein die Treue zum Vatergott, die Subjekthaftigkeit der Mutterreligion, seine Unbelehrbarkeit, verhindert diesen nur im unbewussten Wunsch Gaarders stattfindenden Inzest und darum richtet sich die Wut auf diesen „sadistischen Gott“, der es wagt, den Pharao, für Gaarder das wahre Opfer, mit Gewalt von seiner Zudringlichkeit abzuhalten: " the Lord God of Israel appears as an insatiable sadist." Dessen mildtätige, erotische Anteile, Milch und Honig, werden bei Gaarder in homophober Abwehr abgespalten und in selbstherrlicher Gigalomanie für sich beansprucht.

Die obigen Ausführungen stellen vorläufige Thesen auf der Basis von Altbekanntem dar. Ich bitte um schärfsten Widerspruch bei Irritationen.



Die Presse spricht:
Standard.at Kurznachricht
Gabriele Haefs sekundiert Gaarder
Für die FR sind Gaarders Hetztiraden "israel-kritische Äußerungen".
Deutschlandradioschlagzeile: "Schriftsteller Jostein Gaarder kritisiert Israel".
Spiegel.de: "Ein in seiner Kritik an Israel extrem scharfer Aufsatz"
SPIEGEL ONLINE mit Giordano: "Wie weit darf die Kritik an Israel gehen?"

Der Tenor ist stets ähnlich, meist heißt es in Radios und Regionalblättern: "Gaarder wird wegen israelkritischer Äußerungen angegriffen".
Angreifer = Täter, angegriffener Israel-Kritiker = Opfer.
Gaarder offen als Antisemiten zu bezeichnen wagt fast keine Zeitung.
11.8.06 08:34


Zwiebeln mit Grass und Nobelpreis an antifaschistischer Sauce



Die Intellektuellen, Vorzeigeaposteln der postreligiösen Gesellschaft, röhren durch den Blätterwald: Einer der Ihren hat sich geoutet. Das gute Gewissen der Nation, Günter Grass, ist kein unbeflecktes Blatt mehr, er war, man höre und staune, bei der Waffen-SS. Dort sei er aufgrund einer jugendlichen Empfänglichkeit für Nazipropaganda gelandet, obwohl einige Kommentatoren sogleich wissen wollen, dass die SS in diesen Tagen keine Elitetruppe mehr gewesen sei und nicht mehr nur aus Freiwilligen bestand.

Grass kann es noch so deutlich sagen, dass er in die SS wollte, weil er die Nazis toll fand. Man will es nicht wahrhaben und unterstellt ihm und damit allen anderen Beteiligten, wohlwollend unter Zwang gehandelt zu haben.
Wie jeder anständige Soldat im Krieg hat Günter Grass keinen Schuss abgegeben und wie jeder anständige Bürger hadert er schwer damit.

Grass trägt mit diesem Bekenntnis keinesfalls zur Aufklärung bei, was von ihm ohnehin nicht zu erwarten wäre. Jugendlicher Überschwang sei es gewesen, der ihn getrieben habe, als wären nur Jugendliche Nazis gewesen und als wäre er heute von solchem "Überschwang" frei, den man korrekter als Antisemitismus fasst. Nicht geschossen habe er, obwohl er laut eigenen Aussagen für die Nazipropaganda empfänglich war, sich freiwillig zur Waffen-SS meldete, und somit sehr wohl ein Interesse daran haben musste, sich in dieser Mörderbande ordentlich zu bewähren. Sicherlich hat nicht Günter Grass, der Schriftsteller und Nobelpreisträger geschossen, aber sehr wahrscheinlich der kleine SS-Soldat Grass. Was gäbe es sonst so ein peinliches Getue, so ein schweres Gewissen. Allein wegen der schicken Uniform, die er tragen wollte?

Die Öffentlichkeit übt sich in antifaschistischer Pflichtempörung. Den Nobelpreis zurückgeben solle er, viel zu spät sei das Bekenntnis gekommen. Man weiß ohnehin, was man vom Nobelpreis für Literatur zu halten hat, seit ihn Günter Grass bekam, aber eine korrekte Vergangenheit zu überprüfen, um aufgrund dessen ein literarisches Werk bemessen zu wollen erinnert doch sehr an Sowjetideologie. Zudem, Arafat wurde der Friedensnobelpreis ja auch zuerkannt. Die Vergangenheit oder eine antisemitische Gesinnung kann es also kaum sein. Die aktuelle Empörung ist bigott, vor allem, wenn sie aus einer Partei kommt, die einen Altnazi zum Bundespräsidenten wählte und zahlreichen anderen Altnazis ein Pöstchen als Landesvater gönnte. Zentral ist die narzisstische Kränkung, man ist das Volksleiden Nazismus immer noch nicht los. Es kommt tatsächlich noch einer daher, der darüber reden muss, allerdings bleibt es eine Randglosse, die Haut einer fauligen Zwiebel eben nach dem Muster: "Ach übrigens, ich war in der Waffen-SS. Ach so? Meine Tante Gerda war ja letzten Sommer auch da, und es soll ganz entzückend gewesen sein."

Der Fall Grass ist darum so bizarr, weil er so banal ist. Ein ehemaliger Nazi bekommt ein schlechtes Gewissen kurz vor dem letzten Gang und erleichtert sein Gewissen, um besser schlafen zu können. Ein schmerzloser Vorgang mit berechenbaren Folgen. Die meisten haben sich ohnehin mit ihrer Vergangenheit versöhnt und halten es für nicht weiter wichtig, noch darauf herumzureiten. Das Besondere ist die Besonderheit, die daraus gemacht wurde. Ist es nötig zu erwähnen, dass einer Nazi war, wo doch alle Nazis waren? Grass war wie alle Durchschnittmenschen ein Nazi in einem nazistischen Deutschland. Es war zu erwarten und was Wunder auch bei seinen späteren Äußerungen. Das umgekehrte wäre erstaunlich gewesen. Es dürften noch Zehntausende an feigen Greisen herumrennen, die ihr schlechtes Gewissen mit ins Grab nehmen, anstatt die anzuklagen, die noch stolz auf das Verbrechen sind.
Auffällig ist, dass niemand eine so "bedeutende" Persönlichkeit je
fragte, was er denn genau im Krieg gemacht habe. Mit Gejammer aus dem Kriegsgefangenenlager hat Grass schließlich nicht hinter dem Berg gehalten.

Vorzuwerfen wäre Grass vor allem eines: Dass der Bruch nicht radikal war, sondern aus Eigeninteresse nie ganz und immer noch nicht vollzogen wurde. Seine Larmoyanz bleibt blankes Selbstmitleid. Vor allem der Grass heute ist Opfer des Grass damals, oder einem anthropologischen jugendlichem Überschwangs, an dem er bis dato schwer litt. Vor allem um seinen guten Ruf fürchtet er, um seine Integrität, dass ausgerechnet er so etwas tun haben können. Wo er doch sonst über allem steht. Was er zum deutschen Verbrechen beigetragen hat, und sei es auch nur als notorischer Mitmacher, der er immer noch ist, kümmert ihn wenig. Es war nicht der eigene Makel, sondern die Qualität der Propaganda.

Wäre er tatsächlich einmal in Erschrecken vor der eigenen Ekelhaftigkeit erstarrt, er hätte sich unvermittelt auf die Suche nach den Ursachen begeben und schonungslose Aufklärung betrieben. Sehr wenige ehemalige Nazideutsche Soldaten, Intellektuelle oder Büttel haben diesen Schritt getan und sich in den Dienst der Aufklärung gestellt.

Grass hatte vor allem mit der Gruppe 47 das Interesse, knalldeutsche Literatur wiederauferstehen zu lassen und so sich selbst zum Profiteur des Krieges und der ermordeten literarischen jüdischen Konkurrenten um einen Nobelpreis gemausert. Er mag dies nicht bewusst angestrebt haben. Er hätte aber, wenn er sich ernsthaft mit seiner Vergangenheit auseinandergesetzt hätte, spätestens dann darauf reflektieren müssen, und zumindest den Ermordeten Tribut zollen, die wenn sie noch lebten, ebenfalls an seiner Stelle hätten stehen können.
Aber dann hätte er vermutlich nur einen Bruchteil dessen geerntet, was ihm an Ruhm und Ehre von einer gutgläubig glotzenden deutschen Community zuteil wurde. Die liebt weder Adorno, der ihnen verbietet Gedichte zu schreiben, noch Celan, der es trotzdem schafft, und es aber oh Wunder keines ist, das man seiner Tante zum Geburtstag schenken mag.
Die ganze Debatte zeugt nur von der bassen Ignoranz, mit der das Thema 60 Jahre später noch behandelt wird. Aufklärung hat offensichtlich seitdem nichts an Boden gewonnen. Und man hofft, dass noch viel Grass über die Sache wachsen möge.

Zitate:
"Als Flüchtlingskind - ich bin mittlerweile fast achtzig und nenne mich immer noch Flüchtlingskind - hatte ich nichts."

"Das hat mich bedrückt. Mein Schweigen über all die Jahre zählt zu den Gründen, warum ich dieses Buch geschrieben habe. Das mußte raus, endlich. ..."

"Was die Jugend betrifft: Viele, viele waren begeistert dabei. Und dieser Begeisterung und ihren Ursachen wollte ich nachgehen, schon beim Schreiben der „Blechtrommel“ und auch jetzt wieder, ein halbes Jahrhundert später, bei meinem neuen Buch. ..."

Tut er aber nicht. Hat er nie getan. Wo klärt Grass über Ursache des Nazismus auf? In der Blechtrommel? Wo es vor allem um betuliches Durchmogeln geht?

Interview in der faz mit Grass

Ein Fleißigerer Beitrag wurde von "Lizas Welt" gebloggt.
17.8.06 23:42


Hisbollah bekommt internationale UNterstützung

Folgenden Beitrag brachte BBC am 18.8.2006:

Israel alarmiert über UN-Force

Israel gibt kund, es sei schwierig, wenn nicht sogar unmöglich Staaten als Teil der UN-Force zu akzeptieren, die nicht sein Existenzrecht anerkennen. Der israelische UN-Botschafter Dan Gillerman hielt eine Rede nachdem Indonesien und Malaysia, beides Staaten, die Israel nicht anerkennen, die Bereitstellung von Truppen für den UN-Einsatz ankündigten.

Malaysia entgegnete, Israel sollte kein Mitspracherecht beim Aufbau der Truppe haben. Die UN drückte vorsichtigen Optimismus aus, dass sie die Anfangsstärke von 3500 Soldaten in zwei Wochen entsenden könnte. Der UN-Abgeordnete Mark Mulloch Brown warnte vorher, dass eine Verzögerung den Waffenstillstand gefährden könnte. Aber der Aufbau der Truppen hat sich als problematisch erwiesen. Mr Malloch Brown konstatierte, eine Menge Arbeit sei in den nächsten Tagen notwendig, um die Zwei-Wochen Frist zu wahren. Es gibt Befürchtungen, die Angebote könnten nicht notwendig das benötigte Verhältnis von Truppen und Kapazitäten für die Entwaffnung beinhalten, berichtete der BBC’s Korrespondent Kendall in New York. Eine Anzahl von Ländern forderte mehr Beratung über die genauen Eigenschaften der Mission.

Bewilligte UN-Truppen
Frankreich – Leitung und 200 Soldaten
Bangladesch – Zwei Battalione (bis zu 2000 Soldaten)
Malaysia – Ein Battalion (bis zu 1000 Soldaten)
Indonesien - Ein Battalion, eine Ingenieurs/Organisations-Einheit
Nepal – Ein Battalion
Dänemark – Zwei Schiffe
Deutschland – See- und Grenzpatrouillien
Quellen: Un-Diplomaten

Frankreich, das zugestimmt hatte, das Kommando zu übernehmen, kündigte an, es würde nur 200 Truppen sofort liefern, weit weniger als erwartet. Die UN hatten ein größeres europäisches Kontingent erhofft und sind enttäuscht von Frankreichs Angebot. Die französische Verteidigungsministerin begründete die Entscheidung auf RTL folgendermaßen:

„Man kann nicht Männer da reinschicken und ihnen sagen: Schaut mal was passiert, aber ihr habt weder das Recht euch zu verteidigen, noch zu schießen.“

Italiens Regierung die Entsendung von Truppen bestätigt, eine genaue Zahl werde in den kommenden Tagen bekanntgegeben. Regierungsbeamte sprachen von etwa 3000 Soldaten, die entsandt werden könnten. Bangladesch und Nepal haben ebenfalls Truppen zugesagt, während Deutschland eine maritime Sondereinheit anbot. Großbritannien und die USA wollen logistische Unterstützung bereit stellen. Während die Anstrengungen der UN zur Truppenaufstellung andauerten, bekundete Mr Gillerman auf BBC Israels Unzufriedenheit mit einigen der bislang am Kontingent beteiligten Staaten. „Es wäre sehr schwierig, wenn nicht unmöglich für Israel, Truppen aus Ländern zu akzeptieren, die Israel nicht anerkennen und keine diplomatischen Beziehungen mit Israel wünschen.“ Er sagte, sie wären “sehr glücklich” Truppen aus islamischen Ländern zu akzeptieren, die freundliche Beziehungen mit Israel pflegen. Weiter verdeutlichte er: „Aber zu erwarten, dass Länder, die Israel nicht einmal anerkennen, Israels Sicherheit gewährleisten sollen, wäre ein bisschen naiv, denke ich.“

Israel gab bekannt, sich nunmehr von zwei Dritteln seiner Positionen im Südlibanon zurückgezogen zu haben, einschließlich des Hafens von Tyre und der Dörfer Qana, Hadatha und Beit Yahoun.

Übersetzung von Nichtidentisches nach Auszügen des englischen Originals auf einen Link von EYEontheUN hin.

Es ist also nicht nur ein Szenario denkbar, dass die UN-Truppe die Hisbollah nicht entwaffnet und zudem als menschlicher Schutzschild gegen israelische Gegenmaßnahmen fungiert, sondern auch eines, nach dem sich libanesische Armeeteile und antiisraelische, islamistische Teile der UN-Armee direkt oder indirekt der Hisbollah anschließen. Wer in der UN dagegen aufbegehren wird, kann sich der Versetzung sicher sein oder wird von selbst den Hut nehmen.
Warum Olmert einer solchen absehbaren Situation zugestimmt hat, bleibt den israelischen Analysten überlassen. Möglicherweise war vorraussehbar, dass die Frist nicht eingehalten wird und die IDF letztlich Vorteile aus dem Versagen der UN zieht. Offensichtlich ist der Unwillen der meisten westlichen Staaten, für diesen Quatsch Soldaten und Ressourcen zu opfern. Mag dies aus gebretzeltem antiisraelischen Ressentiment geschehen, wie aus Schweden oder etwa Spanien zu erwarten, oder aus nüchternem Kalkül wie von den USA. Die IDF muss höchstwahrscheinlich mit den Folgen leben, die ihr die Hisbollah, die UN-Diplomatie und nicht zuletzt die militärische wie diplomatische Unfähigkeit der eigenen Regierung eingebrockt hat.

Längeres PDF von EYEontheUN: "The UN-NGO Connection. Spreading the Message of Hate and Terrorism".
20.8.06 01:04


Die Totemsmahlzeit bei Apokalypse now - Redux

"Apokalypse now" war einer jener Filme, die verstörend genug waren, um das viele Blut nicht bereits zum einzigen Grund des Grauens zu nehmen. Leichen erschienen nicht wie in einem Kriegsfilm gehäuft, sondern nur in der besonderen Drapierung stets als Zeichen, selbst in ihrer Häufung war nicht das Quantitative, sondern die Qualität des Todes wesentlich für das Rätsel, dem sich der Film stellt. Erst mit der Lektüre von Totem und Tabu wird offensichtlich, worum es bei diesem Film geht: Nicht allein, vielleicht gar nicht einmal wesentlich um das Grauen des spezifischen Vietnamkrieges, sondern um Zivilisation und Barbarei, um menschliche Entwicklung.

Klimax des Filmes ist die Opferszene, bei der Kurtz von Willards mit der Machete getötet wird, während draußen die Menge einen schwarzen Stier in Stücke haut. Freud schreibt analog in Totem und Tabu:

„Der hl. Nilus berichtet von einer Opfersitte der Beduinen in der sinainitischen Wüste um das Ende des vierten Jahrhunderts nach Christi Geburt. Das Opfer, ein Kamel wurde gebunden auf einen rohen Altar von Steinen gelegt; der Anführer des Stammes ließ die Teilnehmer dreimal unter Gesängen um den Altar herumgehen, brachte dem Tier die erste Wunde bei und trank gierig das hervorquellende Blut; dann stürzte sich die ganze Gemeinde auf das Opfer, hieb es mit Schwertern in Stücke und verzehrte sie roh in solcher Hast, daß in der kurzen Zwischenzeit zwischen dem Aufgang des Morgensterns, dem dieses Opfer galt, und dem Erblassen des Gestirns vor den Sonnenstrahlen alles vom Opfertier, Leib, Knochen, Haut, Fleisch und Eingeweide vertilgt waren. Dieser barbarische, von höchster Altertümlichkeit zeugende Ritus war allen Beweismitteln nach kein vereinzelter Gebrauch, sondern die allgemeine, ursprüngliche Form des Totemopfers, die in späterer Zeit die verschiedensten Abschwächungen erfuhr.“ (S. 192 in der Fischer-Ausgabe von 2002)

Freud zufolge geht es in der Totemmahlzeit darum, den ansonsten verehrten Urvater in einem Ausnahmeritual zu töten und zu verzehren, um hinterher die Verehrung aufrechterhalten zu können. Die schlüssige Diskussion, die er dort verfolgt, soll hier nicht nacherzählt werden. Nimmt man sie aber für wahrscheinlich, muss man zum Schluss kommen, dass entweder Copolla Totem und Tabu gelesen hat, und eine Analogie dazu schrieb, oder dass unabhängig davon ob er es gelesen hat oder nicht, sich in ihm die Szene des Mordes am „Urvater“ Kurtz in Bilder zusammenfügte, die dem von Freud Beschriebenen sehr nahe kommen.
Bereits der Song "The End" von "The Doors" zu Beginn des Films mit dem Aufschrei eines ödipalen Begehrens als Fanal Jim Morrisons: "Father, I want to kill you... Mother, I want to fuck you whole night long", ist ein weiterer Hinweis für die zu erwartende psychoanalytische Bildung Coppolas.

Im Zentrum des zwischenzivilisatorischen ersten Filmteils, gekennzeichnet durch die Abwesenheit von zu Beginn zentralen Ventilatoren, die in Vietnamkriegsfilmen stets die Opposition zum Dschungel bilden, und der Anwesenheit von Hubschraubern, Bier und Grillgut, steht Kilgores Vaterrolle, die er für seine Soldaten einnimmt. Gleichzeitig bleibt er aber in seinen Anforderungen maßlos, will seine Lieblinge im Kugelhagel surfen sehen (ein homoerotischer Akt) und wird aus genau diesem Grunde von Willard seines Surfbretts beraubt. Dadurch macht er Kilgore zum Kastraten, der nunmehr seines einzigen Unterschiedes („Charlie surft nicht“) zum Barbaren entbehrt und wütend Willard mit der Kastration droht.

Ist schon der Kriegszustand im changierenden Graubereich von Zivilisation und Barbarei mit archaischen Rückfällen verbunden, bei denen die Kavallerie mit Hubschraubern reitet, Wagner als Schlachtgesang ertönt und Wellenreiten im Kugelhagel die moderne Symbiose von Barbarei und Zivilisation darstellen, wird der offene Krieg mit dem Vorrücken in den Dschungel immer archaischer. Fragt sich Willard zu Beginn noch, warum bei Leuten wie Kilgore ein Mann wie Kurtz zum Problem hochstilisiert wird, bleibt dies nicht lange offen. Nur naiv-pazifistischen Postmodernen gerät Willards Vergleich zwischen Kilgore und Kurtz zum endgültigen Identifizieren, das im Film lediglich ein vorläufiges und damit ein scheinbares ist. Eine Vietcong-Stellung zu vernichten, um vor dessen Strand die Wellen zum Surfen zu nutzen ist eben nicht der denkbar schlechteste Grund für einen Kriegseinsatz, ebenso wie die Trennung von Frauen und Kindern von den Vietcong-Soldaten noch auf zivilisatorische Standards verweist.

Davon entfernen sich die weiteren Erfahrungen, bei denen völlig unsublimiertes Gewaltinteresse vorherrscht, dem Kilgore sich gerade nicht komplett gehen lässt. Während dieser Musik, Surfen, Spaß und seine Jungs in das Zentrum der Kampfhandlungen stellt, die er verabscheut, was er durch Überidentifikation kaschiert, ist der „Zwischenfall“ mit dem Patrouillienboot völlig unsublimiertem, individuellem Hass Mr. Cleans geschuldet. Vor dem gleichen Wegfallen aller Sublimierung fliehen die Playmates aus Hau Phat. Zivilisation, verkörpert in verführerischen Frauen, die man nicht anfassen darf, Hubschraubern und Treibstoff, flüchtet den Zustand der Barbarei, der enthemmten männlichen Masse, die auf Vergewaltigung drängt. Die letzte Festung vor der Grenze, die Do-Lung-Brücke, erscheint dann als völlig verselbstständigter Kriegszustand, in dem postmodernes Schattenboxen ebenso Realität sind wie Autoritätsverlust. Kein Kommandant nirgends, kein Feind sichtbar, kein Sinn, kein Zweck, ein naturkatastrophales Hereinbrechen der Vietcong-Angriffe ist nicht aufzuhalten, lediglich Flucht bleibt als Lösung.

Scheinbare Zivilisationsangebote ergeben sich im folgenden Verlauf des Films an zwei weiteren Stellen. Der Tauschhandel, Treibstoff gegen Sex, als Gegenstück zur vorherigen Szene, bei der die Playmates ohne jegliche Vermittlung von einer Masse bedroht wurden. Hier werden sie verschachert, nicht mehr als Unterwerfungsobjekt, sondern als Tauschobjekt behandelt. Zwei verweigern sich dem Handel, Willard selbst und der Kapitän, der mit der zweideutigen Frage „Gibt’s da auch Mamas“ den Handel ausschlägt. „Mamas“ ist sowohl ein Slangausdruck für dicke schwarze Frauen, für die der Kapitän eine ausschließliche Schwäche haben könnte, als auch ein deutlicher Verweis auf die ödipale Situation des Ganzen möglich wäre. Ein weiteres Angebot macht die französische Enklave, auf der allerdings das Gesetz des Vaters zu erdrückend lastet. Die Frauen ertränken ihren Freiheitsdrang in Opium und Sex. Würde Willard bleiben, müsste er sich wie die Söhne dem Patriarchen unterwerfen. Wo diese die Möglichkeit sehen, den Krieg einfach so zu beenden, was von Pazifisten wiederum als Statement gegen den Krieg interpretiert wird, ahnt die Filmfigur Willard, dass es nicht so einfach geht und verabschiedet sich.

Ebenso wie John Rambo in "Rambo 2 - Der Auftrag" muss einer nach dem Krieg und währenddessen aufräumen und den Anschein von Ordnung und Moral, der eben nicht nur Schein ist, sondern immer auch verkümmerter Rest und Unterschied ums Ganze, zwischen dem alle Charaktere in klassischen Vietnamfilmen oszillieren, aufrechterhalten. Die simple Formel, dass der Vietnamkrieg schon Barbarei sei, ist zu einfach, ohne Ambivalenz: dass in Barbarei Menschlichkeit und Zivilisation möglich sind und umgekehrt, was auf individuelle Verantwortung dringt; ohne Dialektik: dass Zivilisation und Barbarei in einem Verhältnis stehen, nicht bruchlos ineinander übergehen können, sondern ein komplexes Werk aus Psyche, Trauma und Autorität die Unterschiede formt.

Das Erreichen des Kurtz’schen Alptraums gestaltet sich ebenso ambivalent, unheimlich, weil heimlich heimelig, mit abgeschnittenen Köpfen und Leichen ebenso wie mit den großartigen Tempeln und der Darstellung von Kurtz als Poeten, Zeichen der Zivilisation. Kurtz’ „Zivilisation“ ist wie alle auf einem Berg von Leichen gebaut. Das macht sie aber nicht zu einer wie alle anderen, sondern eben jener Wegfall von Sublimierung in der Form, der Kilgore noch in Begräbnisritualen wie dem Verteilen von Spielkarten auf toten Körpern folgt, bedeutet auch die völlige Enthemmung im Inhalt. Kurtz verlangt Liebe und Verehrung und fordert diese blutig ein. Seine Liebe ist Anthrophagie, das Verschlingen des Anderen. Er kastriert den, der sich nicht unterwirft. Köpfeabschneiden und Kastration sind Äquivalente, am deutlichsten ersichtlich, als er Willard den blutigen Kopf seines Funkers in den Schoß wirft. Kilgore dagegen ertauscht sich noch die Liebe mit Bier, Verständnis und eigener Leistung, allein die Kastration des Surfbretts nimmt er Willards übel.

Zu schnell entsteht der Eindruck, dass die Kinder und der Journalist Kurtz wirklich lieben. Sie verehren ihn, weil er tut, was sie sich insgeheim wünschen, aber sie fürchten ihn zugleich, und müssen dies verleugnen. Der Journalist verdrängt seine Abscheu durch Verehrung. Willard könnte hier die Liebe des Vaters und den Wegfall der Sublimierung durch Unterwerfung unter das Gesetz des Vaters eintauschen. Damit wäre er betrogen und nichts wäre gewonnen, er wäre mimetischer Teil der Wahnphantasie von Kurtz. Wie dieser sich seiner Umgebung gleichmachte, um den Wahnsinn zu ertragen, würde er dem Journalisten gleich die Leichen akzeptieren, um einen stärkeren Wahnsinn nicht länger ertragen zu müssen.

Krieg ist eben nicht gleich Krieg in „Apokalypse now - Redux“. Die Herrschaft des symbolischen Urvaters, den Freud beschreibt, ist archaischer als der Verbund der Nachfolger, die an seine Stelle treten. Das Patriarchat der französischen Familie ist archaischer als der Staat mit seinen Vermittlungen. Der Krieg, den Kurtz gegen seine nach außen projizierten Feinde führt, um seinen eigenen Gelüsten freien Raum zu geben, ist ein fundamental anderer als der „code almighty“, der Bombardierungsbefehl, der jene Schreckensherrschaft durch Vernichtung beenden würde.

Der einzige Zwischenweg aus Unterwerfung und "Code Almighty" ist für Willard im Film die ins Reale übersetzte Tötung des Urvaters. Sie wird von den Eingeborenen gewünscht, aber da sie ihn gleichzeitig lieben, müssen sie diesen Akt an seinem schwarzen Stier vollziehen. Willard, auf seinen mimetischen Prozess reflektierend, erkennt das und befreit sich und die Eingeborenen gleichermaßen vom realen Vater, er durchbricht die Sublimierung um sie im gleichen Akt wiederherzustellen.

Das Fazit, das aus diesen Ergebnissen heraus aus dem Film zu ziehen wäre, ist, dass er sich nicht gegen jeden Krieg gleichermaßen wendet. Sondern dass er die Möglichkeit der Barbarei im zivilisatorischen Krieg aufzeigt, abwägt und aus dieser permanenten Möglichkeit heraus zu mehr Vorsicht, zu erhöhter Aufmerksamkeit und Rücksicht auf die Bedürfnisse von zivilisierten Menschen dringt, deren schwache Sublimierungen unter dem Druck des Krieges zusammenbrechen, nur allzu leicht archaischen Gelüsten den Weg freigeben, an deren Ende die Reinstallierung der Urhorde aus Frauen, Kindern und einem Übervater steht, der alle anderen Männchen kastriert und unterwirft.

Mit Freud wäre also der Film rückwärts zu lesen als Geschichte der Kulturentwicklung der Menschheit. Mit jedem Schritt in den Dschungel, ins Natürliche, knackt der Krieg einen weiteren Panzer der Zivilisation und es bedarf Willards übermenschlicher Anstrengung, dem nicht nachzugeben, sondern den Gedanken an Zivilisation aufrechtzuerhalten. Willards, nicht Frieden um jeden Preis, ist das Postulat des Filmes. Ein von den Widersprüchen der Zivilisation geplagter Mensch, der sich angesichts des absoluten Grauens auch militärisch in deren Dienste stellt ohne seine Kritik am Barbarischen im Zivilisatorischen aufzugeben.

20.8.06 17:11


taz ganz Kunstreich - Über Tjark Kunstreichs Interventionspolitik


Fahne der "Tazbollah"

"Die wie sehr auch verlogene Überzeugung des Antisemiten ist in die vorentschiedenen Reflexe der subjektlosen Exponenten ihrer Standorte übergegangen." Adorno/Horkheimer, "Elemente des Antisemitismus"

Die taz ist scheinbar ein Chamäleon. Mal gibt sie sich ganz orthodox links, also antiimperialistisch, antisemitisch und mit viel Verve für Zivilisten und Opfer israelischer Aktionen, und dann wieder überrascht sie mit Beiträgen auf hohem Niveau, wie der von Martin Altmeyer „Kultur der Niederlage“ vom 7.8.2006. Fast die Augen fielen einem Antideutschen aus, der Feindpropaganda nun mal aus Pflichtbewusstsein liest, als er am 9.8.2006 in der taz den Konkret- und Bahamasautor Tjark Kunstreich lesen durfte.

Aber keine Sorge, solche scheinbaren Lichtblicke fügen sich perfekt ein in das Selbstbild der taz. Sehen wir näher hin:

„Israel hat keine Wahl“ war der Titel von Tjark Kunstreichs Intervention. Im Text heißt es:

„Vorraussetzung für diesen, in der taz prototypisch geführten Diskurs ist der Doppelstandard, dass für Israel nicht gelten dürfe, was jeder andere Staat auf der Welt selbstverständlich für sich in Anspruch nimmt.“

Schon die Wahrnehmung der antisemitischen taz - Propaganda als „Diskurs“ fälscht den gutgemeinten Inhalt der Aussage von Kritik in Ideologie. Einmal abgesehen vom Irrtum, dass taz-Linke Israel nicht als Staat wie jeden anderen zu behandeln trachteten, was das spezifische Moment dieses Staates verdrängt, beharrt Kunstreich darauf, dass ein Missverständnis, eine Fehlinformation ursächlich sei. Sein Text zielt darauf ab, eine angeblich verschwiegene Wahrheit zu vertreten, den Diskurs zu erweitern. Wer die taz liest, könnte um die Geschichte der Hisbollah wissen, genauso wie um deren Antisemitismus, er könnte zu einem proisraelischen Urteil anhand der wenigen proisraelischen Kommentare kommen, wenn er denn nicht bereits vor dem Lesen der Antisemit wäre, auf den der Großteil der Zeitung zugeschnitten ist. Nicht Informationsmangel über den faschistoiden Gehalt der Djihadisten ist ursächlich für den Antisemitismus der taz. Sondern die stete Gegenüberstellung von Kritik am Antisemitismus und antisemitischen Tiraden. Weil es aber beim Antisemitismus keine goldene Mitte gibt, wirken die antisemitischen Beiträge der taz stärker als ihre Feigenblätter, und nicht zuletzt wirken sie genau DURCH diese Feigenblätter stärker, weil so der Anschein von Objektivität entsteht, mit dem sich linke Antisemiten gerne schmücken.

Wie man Hamas-Minister unkommentiert interviewt, bietet man auch einem Tjark Kunstreich an, ein wenig Kritik am Antisemitismus zu verbreiten. Kunstreich fällt damit auf die taz und auf ein Hauptmoment des Antisemitismus herein, wenn er glaubt, in einer taz-Leserschaft durch seinen Beitrag mehr zu bewirken, als Leute davon abzuhalten, aus Überdruss die Zeitung endlich zu kündigen. Die taz ist nicht innerhalb ihrer selbst reformierbar, weil dies bedeuten würde, mit der Linken zu brechen um einer konsequenten Kritik am Antisemitismus willen, zu der diese nicht fähig ist. Jenen Bruch hat auch Kunstreich nicht vollzogen. Er adelt den Antisemitismus der taz mit seinem Beitrag zur liberalen Meinung, an deren Ende ein Kompromiss stehen könne, etwa eine nur noch ein bisschen antisemitische Berichtserstattung. Wes' Geistes Kind die taz aber ist, wozu ihr selbstverkündeter Liberalismus gerne auch in der Lage ist, könnten vielleicht folgende Zitate belegen, ein Bruchteil dessen, was sich in der taz nahezu täglich so und schlimmer tummelt.

"Es ist klar, dass keine internationale Truppe kommen wird, solange vor Ort keine Waffenruhe herrscht und kein Abkommen mit der Hisbollah erzielt wurde. Deshalb müssen diese internationalen Kräfte auch den Interessen der Hisbollah dienen." Uri Avnery: "Sechs Pleiten und ein Irrtum" am 8.8.2006.

"„Es ist höchste Zeit, aus der Logik von Rache und Vergeltung auszusteigen“, schreiben die Verfasser von Attac. […] Zugleich dürfe nicht vergessen werden, dass die Israelis den Palästinensern Wasser und Land geraubt hätten." Felix Lee:"Sehr ausgewogen zum Krieg im Nahen Osten" am 8.8.2006.

"Vertreter des Zentralrats kritisiert Israel." Über den Brief von Rolf Verleger an den Zentralrat in der taz am 8.8. 2006.

"Hamas, Hisbollah und das syrische Regime sollten als Gesprächspartner akzeptiert werden, forderte der Politologe. Sie alle wollten reden – nur Israel nicht." Kristin Helberg: "Syrien ist nur der Juniorpartner" am 8.8.2006. (Sie gibt die Meinung von Politologen aus Damaskus wieder, selbstverständlich als kritiklose Diskursschau.)

"Sie akzeptieren die Grenzen von 1967? Das ist ein anderes Thema. Um den Konflikt zu lösen, müssen wir über viele ungeklärte Fragen reden." Kristin Helberg interviewt kritiklos Musa Abu Marzuk, den Vizechef des Hamas-Politbüros: "Wir treffen unabhängige Entscheidungen" vom 8.8.2006.

"Dank der aggressiven Politik der USA und Israel ist der Iran zu einer regionalen Großmacht geworden. In den Augen von Millionen in den arabischen Ländern gilt er nun als die einzig verbliebene Schutzmacht, die den Vertriebenen und Erniedrigten Beistand leisten. Besser als durch diese Entwicklung kann die Absurdität einer Politik, die allein auf Stärke und Gewalt setzt, nicht deutlich gemacht werden." Bahman Nirumand: "Der Gewinner heißt: Iran", Titelkommentar am 8.8.2006.

"Das sei doch alles eine Inszenierung der Hisbollah, empörten sich einige besonders überzeugte Medienkritiker, die toten Kinder womöglich aus einem Leichenschauhaus entlehnt: Mit „Hibollywood“ bezeichneten sie, was sie für ein makaberes Schauspiel hielten. Makaber und geschmackslos sind aber wohl eher solche Verschwörungstheorien, die derzeit im Internet blühen. Ein Kommentar der Washington Post nannte sie bereits „ein politisch rechtes Äquivalent zu den 9/11 Verschwörungstheorien.“ Damals wurde in islamistischen und anderen Blogs und Onlineforen gemutmaßt, der CIA oder der Mossad könne hinter den Terroranschlägen stehen." Daniel Bax: "Die große Verschwörung" am 10.8.2006. (Eine Gleichsetzung, die Antisemiten sofort verstehen: „CIA/Mossad“ gleich „Hisbollah“ ist der Subtext dieser Aussage, „9/11“ gleich „Qana“, „antideutsche Blogger“ gleich „Islamisten“.)

"Jeden Tag verübt Israel neue Massaker an Zivilisten. Wird es eine Zukunft geben, in der unser Stolz und unsere Würde vom Tod entkoppelt sind?" Iman Humaidan Junis: "Was ist Stolz, was Würde?" am 10.8.2006.

"Ohne Einbindung Syrien, des Iran und der Hisbollah wird es keinen Frieden geben. [..] Scheitert die Integration der Hisbollah im Libanon, würde sich die Organisation womöglich wieder radikalisieren und die internationale Friedenstruppe wie einst die israelischen Besatzer mit Guerilla-Operationen und Selbstmordkommandos bedrohen. […] Ob es einer israelischen Führung gelingt, die Chancen zu sehen, die in der Aufgabe besetzter Gebiete läge, hängt wesentlich von Washington ab." Kirsten Maas: "Das Ende der Isolation" am 10.8.2006.

"Jede Rüstungslieferung ist angesichts der Art der israelischen Kriegsführung ein Beitrag zur Spannungsförderung." Kritiklose Kurzzitierung von Nachtwei/Grüne.

"Kinder werden zerfetzt, und wir diskutieren über die Verhältnismäßigkeit der „Reaktion“ Israels. Ein Viertel wird kaputtgebombt, und wie heben einen anklagenden Finger in Richtung Hisbollah. […] natürlich entgeht keinem Betrachter die grimmige Ironie, dass Israel genau das tut, was es bei seinem Feind verhindern will.[…] All diesen Apologeten des Krieges und der Vernichtung des Anderen sollte ein dritter, ihnen gewiss geläufiger Grundsatz in Erinnerung gerufen werden: Auge um Auge, Zahn um Zahn.[…] Nur ein Auge für ein Auge, nur ein Zahn für einen Zahn. Die israelischen Etnscheidungsträger und die Kriegshetzer im medialen Hintergrund könnten an ihrem eigenen heiligen Text über sich hinauswachsen." Ilija Trojanow: "Das Maß der Vergeltung" am 9.8.2006.

"Beide Seiten wollen ihren Gegner vernichten." Stephan Rosiny: "Das ist reine Propaganda" am 9.8.2006.

"Die Vorstellung allerdings, dass man den Ländern des nahen Ostens nur die eiserne Faust zeigen müsse, um sie zur Räson zu bringen, weist direkt auf den westlichen Imperialismus und Kolonialismus (und Rassismus) zurück: Die Israelis haben von der Mandatsmacht England viel gelernt." Peter Freudenthal: Leserbrief am 16.8.2006.

"Alle maßgeblich Beteiligten an diesem Schlachten – sie metzeln jetzt gegenseitig ihre Kinder – sind Kriegsverbrecher, nichts weiter." Hajo Seidel: Leserbrief am 16.8.

"Verräterisch finde ich den Satz: „Der Dschihad, verstanden als faschistische „Strategie der Spannung“, kennt keine politischen Kompromisse.“ Ersetzt man in dem Zitat das Wort „Dschihad“ durch „Zionismus“, erkennt man gleich den ungeheurlichen Vorwurf." Wilfried Büntzly: Leserbrief am 16.8.2006.

"Schließlich haben gerade diese Nationen tatenlos zugesehen – oder sind zumindest nicht vehement genug eingeschritten – als Israel die Infrastruktur des Libanons zerstörte und über tausend unschuldige Zivilisten tötete." Alfred Hackensberger: "Sieg des Zynismus" am 16.8.2006.

"Nach dem Krieg kommen in Israel die ersten Dolchstoßlegenden auf." Uri Avnery am 18.8.2006. (Man weiß ja, wer Dolchstoßlegenden verbreitet, das sind gewöhnlich Nazis, also sind jetzt laut Avnery Israelis Judennazis.)

"Gestern Nachmittag hatten Kampfflugzeuge zur Warnung Flugzettel abgeworfen – eine Taktik, die die isrealische Armee benutzt, bevor sie Wohnbezirke heftig beschießt. Vielen Dank dafür,israelische Armee! Es brauchte 1200 Opfer (bis jetzt), damit ihr begreift, dass es Zivilisten sind, die ihr gerade tötet." Iman Humaidan Junis:"An der Zapfsäule" am 12/13.8. 2006.

"Die Folgen des Holocausts ließen aus der Tragödie der europäischen Juden die Tragödie der Palästinenser entstehen, ja aller arabischer Völker." Michael Kleeberg: "Ein Jahrhundertkrieg" am 29/30.7.2006.

"Das Perfide ist, dass diesmal, als es wieder – wie im Irakkrieg – um eine Neuordnung des Nahen Ostens geht, nicht die USA selbst aufmarschieren, sondern dass die USA Israel vorschickenIsrael, das Land, das im Gegensatz zu den USA niemand aus der westlichen Hemisphäre zu kritisieren wagt. Denn es ist kaum vorstellbar, dass in den europäischen Ländern Millionen auf die Straße gehen, um der Völkervertreibung Israels Einhalt zu gebieten. Alle Intellektuellen würden mit moralischen Faustschlägen antworten und einen neuen Antisemitismus heraufbeschwören, der das Existenzrecht Israels in Frage stelle." Klaus Westermann: Leserbrief am 29/30.7.2006.

"Ich kann die Hisbollah verstehen." Interview von Johannes Honsell mit Asma Andranos am 29/30.7.2006.

"Nicht ohne Grund hielt sich der Westen so lange mit Kritik gegen das israelische Wüten im Libanon zurück." Susanne Knaul: "Helft Israel" am 29/30.7.2006.

Zitate "aus dem Zusammenhang zu reißen" ist unumgänglich bei der Analyse des Antisemitismus. Dieser schert sich nämlich einen Dreck um die zugunsten der Scheinobjektivität getroffenen moralischen Pflichtbekundungen und mediale Wimperntusche, die dann „Mitleid mit den israelischen Opfern“ bekundet, um ein fettes „Aber“ anzuschweißen. Direkt ins Wahnzentrum des Antisemiten schießt der Subtext, eine einzige antisemitische Stelle in einem scheinbar proisraelischen Text, was man gemeinhin als Absturz bezeichnet, gereicht ihm zum Ausbau des eigenen Ressentiments, der Rest wird ihn wenig kümmern geschweige denn, ihn von seinem Wahn abbringen. Gründet dieser doch nicht auf einem Argument, als allein auf der pathischen Projektion, die jedes Faktum und jede Lüge gleichermaßen in das antisemitische Wahngebäude einzubauen weiß. Kunstreichs im übrigen eher mäßiger Artikel wirkt vor dieser Kulisse nur wie ein Trostpflaster an die Kritik, ihr wird der Raum zugemessen, den sie gesellschaftlich einnimmt, ganz hinten ein paar Zeilen zum Belächeln und sich liberal vorkommen. Dass er dabei mitmacht, müsste er zumindest im Text begründen. Die ihm zugestandene Drittelseite reicht dafür kaum aus, ebenso wie auf diesem kleinen Raum die Kritik entfaltet werden könnte, die die taz verdient hätte. Von der Bahamas zur taz, das kommt irgendwie merkwürdig abgeschmackt. In einer Zeitschrift, die zu Recht nicht mit antizivilisatorischen Linken demonstrieren will, zu publizieren, und dann Feigenblatt einer Zeitung sein, die Antisemiten in Artikel, Kommentar und Leserbrief ein Podium bietet, ist schon reichlich bigott.

 

22.8.06 17:05


Communiquee der radikalpopulistischen Propagandaorganisation Tazbollah aufgefunden…


Redaktionssitzung der "Tazbollah" (Rechts Chefredakteurin Bascha Hadsch al Mika al Talabani). Quelle: Streng geheimer Nachrichtendienst

Die Ausgabe des Tazbollah - Kommunikationsorgans vom 14.8.2006 wurde Geheimdienstberichten zufolge auf ihre Authentizität geprüft und für echt befunden. Die Tazbollah droht darin einen "Krieg ohne Sieger" an. Frenetisch jubelt der berüchtigte Untergrundaktivist der Tazbollah, Uri Avnery, "Hisbollah existiert weiter":

Wenn ein Boxer der Federgewichtsklasse in einem Kampf gegen einem [sic!] Meister der Schwergewichtsklasse in der 12. Runde immer noch steht, dann ist es ein Erfolg – egal was die Punktwertung im Einzelnen besagt.

So versuchte er Siegesstimmung unter den fanatischen Tazbollah–Anhängern zu wecken. Andreas Zumach verurteilte die Resolution 1701, weil sie der Schwesterorganisation im Libanon, der Hisbollah, zu wenig Raum lasse:

Zur Skepsis trägt auch bei, dass Resolution 1701 zwar von den Hisbollah-Milizen „die sofortige Einstellung aller Angriffe“ fordert, von Israel hingegen lediglich „die sofortige Beendigung aller offensiven Militäroperationen“. Die israelische Regierung hat ihre Kriegsführung der letzten vier Wochen immer als „defensive Maßnahme“ deklariert oder als „legitime Selbstverteidigung“.

Die Tazbollah spricht Israel das Recht auf Selbstverteidigung ab. Lukas Wallraff hält es für skrupellos, den Israelis zu helfen:

„Die ranghöchsten SPD-Politiker hatten da weniger Skrupel. „Es wird sicher kein Nein geben“, erklärte Parteichef Kurt Beck zu einer Beteiligung an einer UN-Mission und nannte bereits mögliche Einsatzgebiete.“

Euphorisch versucht die Tazbollah die Sympathisanten auf weitere Erfolge einzustimmen: „Nun kämpft die Politik“ und „Hisbollah gibt Marschrichtung vor“ , prangt es in 56-er Lettern aus den Schlagzeilen. Hämisch beharrt Susanne Knaul darauf, gewonnen zu haben und stellt Olmert als Versager dar, der sich „angesichts der neuen Lage im Libanon wie im Gaza-Streifen seines einzigen politischen Programmpunktes beraubt“ sehe. Für die Tazbollah gibt es nur ein militärisches Israel, sie erkennt keine anderen Programmpunkte an, die beispielsweise das zivile Leben oder die Wirtschaft in Israel beträfen. Markus Bickel zitiert begeistert über die Marschrichtung der Hisbollah deren Anführer Nasrallah in epischer Länge. Stolz präsentieren die fanatischen Propagandisten einen seitenlangen Solidaritätsbeitrag über Rolf Verleger, ihn nennen sie schon brüderlich beim Kriegsnamen: „Der Provokateur".

Mit primitivsten Exponaten aus der journalistischen Waffenkammer versucht Philipp Gessler das Zielmilieu der Tazbollah für sich zu vereinnahmen. „Prof. Dr. Rolf Verleger ist Psychologe und forscht über die Neurophysiologie der Kognitionwas so kompliziert ist, wie es sich anhört.“ Solche Tricks sollen offensichtlich Kindern aus Arbeiterfamilien vorgaukeln, dass Professoren niemals irren könnten. Man hat sich bei der Tazbollah offensichtlich von Kinderkanalsendungen inspirieren lassen. „Er lacht dabei ein wenig. So wie Männer eben lachen, die wohl bis zu ihrem Lebensende etwas jungenhaftes haben.“ Ähnlich ikonographisch wurde von der sozialistischen Propaganda schon der PLO-Führer Yasser Arafat beschrieben oder Fidel Castro. Lachen macht den einfachen Lesern eine jede Person sympathisch, wer lacht, lügt nicht. Noch offensichtlicher in Ikonographie fällt Folgendes zurück: „Es ist nicht leicht, solche Anwürfe wegzustecken, zumal wenn man so sensibel ist, wie Rolf Verleger, was jeder erkennt, der nur zwei Minuten in seiner Nähe verbracht hat.“

Nachdem man dieses Bild eines edlen, verfeinerten Menschen entfaltete, lässt Gessler die Feinde aufmarschieren: "mit seiner „einseitigen, polemischen Kritik an Israel“" solle Verleger „gar den „Feinden“ dieses Staates „direkt in die Hände““ spielen. Viel Feind, viel Ehr verheißt den Märtyrern der Tazbollah der intellektuelle Tod. Jedoch soll den einfachen Menschen, an die die Tazbollah ihre Propaganda richtet, auch eine Volksfront der moralisch perfekten Unterstützer vorgegaukelt werden: „Ein offenbar älterer Jude schrieb: „Ich bin 100 % mit Ihnen einig.“ Und: „Was ich in Auschwitz gelernt habe: Nie so werden wie die Übeltäter, die uns dies antun.“ Auch mit den Strengreligiösen möchte die gottesfürchtige Tazbollah eine Allianz anstreben: „Lieber Rolf, Danke vom ganzen Herzen. Sie tun eine Mitzwa. Shalom, Uri.“ Schreibt Uri Avnery dem Rolf Verleger. Gessler erklärt den seiner Leserschaft noch fremden Begriff: „Mitzwa ist ein gutes, gottgefälliges Werk.“ Religion wird in der zweiten Hälfte der Ikonographie zum Leitthema, die Tazbollah bemüht sich, von allzu radikalen, von ihr als „Ultraorthodoxe“ beschimpften Juden abzugrenzen, stellt sie als Sonderlinge dar, die „Furcht vor Ansteckung“ mit Nichtjüdischsein pflegten. Als korrekter Mittelweg zwischen nazistischen Synagogenbrandstiftern und Ultraorthodoxen bleibt da letztlich nur Verleger übrig.

Beim Friedensschluss zwischen Arafat und Rabin damals vor dem weißen Haus seien ihm die Tränen gekommen vor Freude und Rührung. Schon wie vor Jahren, als er einen umstrittenen Boykott von Waren aus den besetzten Gebieten, eine Initiative aus dem Attac-Umfeld, unterstützte, meint er heute: „Israel findet allein gar nicht mehr auf den Deeskalationsweg, man muss es puschen.“

Das offensichtlich der Neturei Karta nahe stehende Organ der Tazbollah urteilt über die Wahlen im Kongo: „Alles nicht ganz koscher.“ Zu guter Letzt begibt sich Steffen Grimberg noch auf die Suche: „Wo verläuft die Front?“ Er stellt polemisch neutrale Berichterstattung der Verteidigung der Juden vor Massenmord gegenüber:

Nun stehen bei Springer die Aussöhnung zwischen Juden und Deutschen, „die Unterstützung der Lebensrechte des israelischen Volkes“ festgemeißelt in den Unternehmensgrundsätzen. Damit es keine Missverständnisse gibt: Dies sind ehrenwerte, wichtige Ziele. Wie sich diese allerdings mit der „unparteilichen und unabhängigen Berichterstattung“ vertragen, muss Springer selbst beantworten.

„Denn dass die blanke Erbsenzählerei des Bonner Instituts für Medienanalyse nicht eben wissenschaftlich überzeugt, ist ein alter Hut. Zumal auch dort nach den nackten Zahlen noch mal die große Interpretationsmaschine angeworfen wird, die in ihrer Tendenz ziemlich dicht am postmodernen Springer-Weltbild parkt. So war es für ARD und ZDF leicht, den Vorwurf einseitiger Berichterstattung im Libanonkrieg zurückzuweisen – wie auch gestern bei den Anmerkungen von Salomon Korn. Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden kritisiert im aktuellen Spiegel noch einmal die Berichterstattung der Öffentlich-Rechtlichen als „einseitig“ oder zumindest „nicht ausreichend", schießt sich dann aber durch den Nachsatz „Ich habe immer mehr den Eindruck, es geht vielen unbewusst darum, jetzt offene Rechnungen mit Israel aus der Vergangenheit zu begleichen“ selbst ins Aus.

„Ausgewogen kann die Berichterstattung über Kampfhandlungen deshalb nicht sein, weil Israel sehr viel massiver vorgeht, als die Hisbollah es kann“, so Weizsäcker laut BamS.

„Sehnsucht nach politischem Krawall“ sei die Kritik des Springer-Verlags an Antisemitismus gewesen, so das Fazit des Autors. Seinen Beitrag schmückt ein Bild eines Merkava-Panzers mit der Unterschrift: „Israelischer Soldat auf einem Panzer, dem vermutlich nicht nur er alleine aufgesessen ist.“

Pressesprecher westlicher Nachrichtendienste werteten die Tazbollah trotz erheblichen Einflusses auf Mittelklasse-Linke und Altachtundsechziger als nicht extrem gefährlich. Ihr Sensationsjournalismus sei für kritische Menschen durchschaubar und primitiv, er stelle vorerst keine Gefahr für die Bevölkerung dar. Dennoch wolle man die Organisation schärfstens im Auge behalten und weitere Entwicklungen melden.

23.8.06 12:38


Hexenjagd in Indien


Die Aufklärung bleibt auch in Indien dialektisch, geht einher mit größter Dummheit und Hexenjagden. Am 18.3.2006 wurde in Indien ein Vater und seine Kinder von 400 Dorfbewohnern ermordet, weil sie zwei Dorfbewohnern eine Krankheit angehext haben sollen. In den vergangenen fünf Jahren wurden allein im Bundesstaat Assam 200 Menschen unter dem Vorwurf der Hexerei ermordet. Laut einer Meldung von IANS wurden am 21.8.2006 fünf Dorfbewohner, zwei Ehepaare und eine Tochter mit Speeren und Macheten umgebracht, weil der Mob glaubte, sie hätten mehrere Menschen im Dorf verflucht und ihnen Gelbsucht und Fieber angehext.

Mit mangelnder Aufkärung allein sind solche Massaker oft nicht erklärt. Teilweise wissen die Menschen dort Bescheid, dass ein Bakterium sie krankmacht, das über schmutziges Wasser oder Stechmücken übertragen wird. Aus Afrika ist bekannt, dass solche Vorwürfe einen kausalen Grund jenseits eines medizinischen Ablaufs suchen und Kontingenz zur Ausgangsfrage machen: "Wer?" steht im Vordergrund der Suche nach Krankheitsursachen, nicht "Wie könnte ich mich infiziert haben."

Dass der Biss einer giftigen Schlange tötet, wissen die Hexengläubigen, sie interessiert, wer die giftige Schlange just in dem Moment an diesen Ort gehext hat, an dem ein Kind dann darauftritt.

Die narzisstische Projektion verschiebt ein Fehlverhalten wie mangelnde Vorsicht auf andere Personen. Deren böser Wille verursache den Zufall, dass die Infektionsursache auch wirklich gerade in einem bestimmten Augenblick in einer bestimmten Person eine Infektion verursacht. Schließlich haben die Personen jahrelang schmutziges Wasser getrunken, werden aber zu einem bestimmten Zeitpunkt krank.

Die Häufigkeit und Ähnlichkeit dieses Projektionsmusters von Afrika bis Russland und Indien machen anthropologische, psychoanalytische Erklärungsmodelle wahrscheinlicher, als simple evolutionistische, nach denen technische Aufklärung stets voranschreite und eine bestimmte Denkform wie Hexerei der Vergangenheit anheim fallen lasse. Dem widerspricht auch die Tatsache, dass solche Hexenjagden in den letzten 10-20 Jahren massiv anwuchsen, vor allem in Tansania, Südafrika, Kongo, Nigeria und eben Indien.

23.8.06 13:41


Jostein Gaarders "Gottes auserwähltes Volk" und "Ein Klärungsversuch" ins Deutsche übersetzt.

Der Text "Gottes auserwähltes Volk" von Jostein Gaarder wurde vom Simon Wiesenthal Zentrum ins Englische Übersetzt. Sirocco übersetzte die Antwort Gaarders auf den Aufruhr, den er hervorrief, "Ein Klärungsversuch", ins Englische. Eine deutsche Übersetzung von Nichtidentisches folgt der Übersetzung des ursprünglichen Artikels. Das Blog Kulturtechnik hat zwar schon eine deutsche Übersetzung von "Gottes auserwähltes Volk", aber damit man nicht das dortige antisemitische Vorwort und die antisemitischen Kommentare danach lesen muss, folgt hier eine eigene, geringfügig, aber teilweise relevant abweichende eigene, unauthorisierte Übersetzung. Fehler sind vorbehalten, um Korrekturkommentare wird gebeten. Allen, die die englische Sprache beherrschen, wird empfohlen, die englischen Übersetzungen oder sogar das norwegische Original vorzuziehen.

 

Gottes auserwähltes Volk

Von Jostein Gaarder, Aftenposten 05.08.06

Aus dem Norwegischen ins Englische vom Simon Wiesenthal Zentrum und vom Englischen ins Deutsche von Nichtidentisches.

Israel ist jetzt Geschichte. Wir erkennen nicht länger den Staat Israel an. Es gibt keinen Weg zurück. Der Staat Israel hat die Anerkennung der Welt vergewaltigt und wird keinen Frieden erringen, ehe er nicht seine Waffen niedergelegt hat. Der Staat Israel in seiner jetzigen Form ist Geschichte, schreibt Jostein Gaarder.

Es gibt kein Zurück. Es ist an der Zeit, eine neue Lektion zu lernen: Wir erkennen nicht länger den Staat Israel (an). Wir konnten nicht das Apartheid Regime von Südafrika anerkennen, noch haben wir das afghanische Taliban Regime anerkannt. Es gab viele, die Saddam Husseins Irak oder die ethnischen Säuberungen der Serben nicht anerkannten. Wir sollten uns an den Gedanken gewöhnen: Der Staat Israel, in seiner aktuellen Form, ist Geschichte. Wir glauben nicht an die Idee von Gottes auserwähltem Volk. Wir lachen über die Launen dieses Volkes und weinen über seine Untaten. Als Gottes auserwähltes Volk zu handeln ist nicht nur dumm und arrogant, sondern ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Wir nennen es Rassismus.

Grenzen der Toleranz

Unsere Geduld hat Grenzen und es gibt Grenzen unserer Toleranz. Wir glauben nicht in göttliche Versprechen als Rechtfertigung für Besetzung und Apartheid. Wir haben das Mittelalter hinter uns. Wir lachen beklemmt über die, welche immer noch glauben, dass der Gott von Flora, Fauna und der Galaxis ein einziges Volk als bevorzugtes auserwählte und ihm dumme Steintafeln, brennende Dornbüsche und eine Lizenz zum Töten gegeben hat. Wir nennen Säuglingsmörder “Säuglingsmörder” und werden nie akzeptieren, dass solche Leute ein göttliches oder historisches Mandat haben, das ihre Verbrechen entschuldigen soll. Wir sagen nur: Schande über alle Apartheid, Schande über ethnische Säuberungen und Schande über jeden terroristischen Anschlag gegen Zivilisten ob nun ausgeführt von Hamas, der Hisbollah oder dem Staat Israel.

Skrupellose Kriegsführung

Wir erkennen, und beherzigen Europas tiefe Verantwortlichkeit für die Not der Juden, für die schändliche Qual, die Pogrome und den Holocaust. Es war historisch und moralisch notwendig für die Juden, ihre eigene Heimstatt zu bekommen. Aber der Staat Israel, mit seiner skrupellosen Kriegsführung, seinen widerlichen Waffen, hat seine eigene Legitimierung massakriert. Er hat systematisch internationales Gesetz, internationale Abkommen und zahllose UN-Resolutionen lächerlich gemacht, und kann nicht länger Schutz durch das Gleiche erwarten. Es hat die Anerkennung der Welt zerbombt. Aber fürchtet euch nicht! Der Kummer wird bald vorbei sein. Der Staat Israel hat sein Soweto gesehen. Wir sind nun am Scheideweg. Es gibt kein Zurück. Der Staat Israel hat die Anerkennung der Welt vergewaltigt und wird keinen Frieden haben, bevor er nicht seine Waffen niedergelegt hat.

Ohne Verteidigung, ohne Haut

Mögen Geist und Wort die Apartheid-Mauern von Israel hinwegfegen. Der Staat Israel existiert nicht. Es ist jetzt ohne Schutz, ohne Haut. Möge die Welt daher Mitleid haben mit der zivilen Bevölkerung; denn unsere Prophezeiungen des Verhängnisses zielen nicht auf zivile Individuen. Wir wünschen dem Volk Israel Gutes, nichts als Wohlergehen, aber wir behalten uns das Recht, keine Jaffa-Orangen zu essen, solange sie faul und giftig schmecken. Es war erträglich, für einige Jahre ohne den Verzehr von den blauen Trauben der Apartheid zu leben.

Sie feiern ihre Triumphe

Wir glauben nicht, dass Israel mehr über vierzig getötete libanesische Kinder trauert, als es über vierzig Jahre in der Wüste vor 3000 Jahren geklagt hat. Wir sehen, dass viele Israelis solche Triumphe in der selben Art und Weise feiern, wie sie einst die Plagen des Herrn als „passende Strafe“ für das ägyptische Volk bejubelten. (In dieser Geschichte erscheint der Herr Gott von Israel als unersättlicher Sadist.) Wir fragen uns, ob die meisten Israelis denken, dass ein israelisches Leben mehr wert ist, als vierzig palästinensische oder libanesische Leben. Denn wir haben Bilder gesehen, von kleinen israelischen Mädchen, die hasserfüllte Botschaften auf die Bomben schreiben, die auf die zivile Bevölkerung von Libanon und Palästina geworfen werden sollen. Diese kleinen israelischen Mädchen sind nicht niedlich, wenn sie vor Schadenfreude über Tod und Qual auf der anderen Seite der Front einherstolzieren.

Das Vergelten von Blutrache

Wir erkennen den Staat Israel nicht an. Wir erkennen nicht die Spirale von Vergeltung und Blutrache, die in “Auge für Auge, Zahn für Zahn” ihren Ursprung hat. Wir erkennen nicht das Prinzip von zehntausend arabischen Augen für ein israelisches Auge an. Wir erkennen nicht die Kollektivbestrafung oder die Bevölkerungsausdünnung als politische Waffen an. Tausend Jahre sind vergangen, seit ein jüdischer Rabbi die archaische Doktrin „Auge für Auge, Zahn für Zahn“ kritisierte. Er sagte: “Behandle Andere, wie du behandelt werden möchtest.” Wir erkennen nicht einen Staat an, der auf anti-humanistischen Prinzipien und auf den Ruinen einer archaischen nationalen und kriegerischen Religion gegründet wurde. Oder, wie Albert Schweitzer es ausgedrückt hat: „Menschenfreundlichkeit besteht niemals darin, ein menschliches Wesen einem Zweck zu opfern.“

Mitleid und Vergebung

Wir erkennen nicht das alte Königreich Davids als Modell für die Karte des mittleren Ostens im 21. Jahrhundert an. Der jüdische Rabbi verkündete vor zweitausend Jahren, dass das Königreich Gottes keine kriegerische Erneuerung des Königreichs Davids ist; das Königreich Gottes ist in und um uns. Das Königreich Gottes ist Barmherzigkeit und Vergebung. Zweitausend Jahre sind vergangen, seit der jüdische Rabbi die alte Kriegsrhetorik entwaffnete und vollkommen humanisiert hat. Bereits in dieser Zeit operierten zionistische Terroristen.

Israel will nicht hören

Seit zweitausend Jahre haben wir den Lehrplan des Humanismus eingeübt, aber Israel will nicht hören. Es waren nicht die Pharisäer, die dem Mann am Wegrand halfen, der Räubern zur Beute fiel. Es war ein Samariter; heute würden wir sagen, ein Palästinenser. Wir sind zuallererst Menschen – dann Christen, Muslime, oder Juden. Oder wie der jüdische Rabbi sagte: “Und wenn du nur deine eigenen Brüder willkommen heißt, was tust du mehr als andere?“ Wir akzeptieren nicht die Entführung von Soldaten. Aber genauso wenig akzeptieren wir die Deportation einer ganzen Bevölkerung oder die Entführung von legal gewählten Parlamentariern und Regierungsministern. Wir erkennen den Staat Israel in seinen Grenzen von 1948 an, aber nicht den von 1967. Es ist der Staat Israel, der es nicht schafft den international gesetzmäßigen Staat Israel von 1948 anzuerkennen, zu respektieren oder sich darin zu fügen. Israel will mehr – mehr Wasser und mehr Dörfer. Um das zu erreichen, gibt es jene, die mit Gottes Beistand eine Endlösung für das Palästinenserproblem wollen. „Die Palästinenser haben so viele andere Länder“, haben gewisse israelische Politiker argumentiert; wir haben nur eines.

Die U.S. oder die Welt?

Oder wie es der stärkste Beschützer des Staates Israels ausdrückt: „Möge Gott fortfahren, Amerika zu segnen.“ Ein kleines Kind hörte das. Es drehte sich zu seiner Mutter um und sagte: “Warum beendet der Präsident von Amerika seine Reden immer mit “Gott segne Amerika”? Warum nicht “Gott segne die Welt”?”

Dann gab es den norwegischen Dichter, der diesen kindlichen Seufzer aus dem Herzen entließ: “Warum schreitet die Menschlichkeit so langsam fort?“ Er war es, der so wunderschön über Juden und Jüdinnen schrieb. Aber er wies die Vorstellung von Gottes ausgewähltem Volk zurück. Er persönlich zog es vor, sich selbst Muslim zu nennen.

Ruhe und Barmherzigkeit

Wir erkennen nicht den Staat Israel an. Nicht heute, nicht als dies geschrieben wird, nicht in der Stunde von Trauer und Zorn. Wenn die gesamte israelische Nation auf sich selbst zurückgefallen ist, und Teile der Bevölkerung von ihren besetzten Gebieten in eine weitere Diaspora fliehen muss, dann werden wir sagen: Mögen ihre Nachbarn ruhig bleiben und Mitleid zeigen. Es ist ein ewiges Verbrechen, ohne mildernde Umstände, Hand an Flüchtlinge und staatenlose Menschen zu legen. Frieden und freies Geleit für die evakuierte, zivile Bevölkerung, die nicht länger von einem Staat beschützt wird. Schießt nicht auf die Flüchtigen! Zielt nicht auf sie! Sie sind jetzt verletzlich – wie Schnecken ohne Gehäuse, verwundbar wie die langsamen Karawanen der palästinensischen und libanesischen Flüchtlinge, schutzlos wie die Frauen und Kinder und Greise von Qana, Gaza, Sabra und Shatilla. Gebt den israelischen Flüchtlingen Obdach, gebt ihnen Milch und Honig! Lasst nicht ein israelisches Kind mit dem Leben bezahlen! Viel zu viele Kinder und Zivilisten wurden schon ermordet.

 

Ein Klärungsversuch

Jostein Gaarder, Aftenposten 12.08.06

Aus dem Norwegischen ins Englische von Sirocco und ins Deutsche von Nichtidentisches.

Ich wurde offensichtlich von Vielen ob der literarischen Technik die ich beim Schreiben von “Gottes auserwähltes Volk” verwendete, missverstanden, und halte es daher für notwendig mit einem Klärungsversuch zum Aftenposten zurückzukehren.

Wir brauchen Diskussion

Das Genre hat den Bedarf bewiesen, und ich bedauere, wenn ich jemanden verletzt haben sollte — obwohl ich beabsichtigte, harsch in meiner Kritik an Israel zu sein und dies immer noch tue. Nichtsdestotrotz brauchen wir die Diskussion und den Austausch von öffentlichen Meinungen. Ich meine faire Diskussionen und Austausch von Sichtweisen – nicht unartikulierten Missbrauch.

Der Traum vom Dialog

Ich bin immer dankbar für rationale Kritik – und selbstverständlich für alle Beistandsbekundungen. Ich habe einen weisen und nüchternen Kommentar des Vorstandes der Mosaischen Religionsgemeinschaft, Anne Sender, zur Kenntnis genommen. Wir haben uns über das Thema leidenschaftlich gestritten, aber ich teile mit ihr den “Traum vom Dialog.” In meinem Artikel im Aftenposten am 5.8.2006 schrieb ich unter anderem: “Wir erkennen, und beherzigen Europas tiefe Verantwortlichkeit für die Not der Juden, für die schändliche Qual, die Pogrome und den Holocaust. Es war historisch und moralisch notwendig für die Juden, ihre eigene Heimstatt zu bekommen.“ Es geschah vor diesem Hintergrund und von dieser grundlegenden Prämisse aus – also der Anerkennung des Staates Israel – dass ich Israels Kriegspolitik scharf kritisierte.

Was ‘Anerkennung’ meint

Der Artikel beginnt mit dieser rhetorischen Wendung: “Es ist an der Zeit, eine neue Lektion zu lernen: Wir erkennen nicht länger den Staat Israel an…” Es hat ohne Zweifel viel Verwirrung gestiftet, dass ich hier frei mit verschiedenen Bedeutungen des Wortes ‘anerkennen’ spielte. Ich beziehe mich an einem Punkt auf die Internationale rechtliche Anerkennung eines Staates, aber ich verwende das Wort auch im Sinne von „anerkannt werden für eine Praxis“, „Anerkennung gewinnen“, „Anerkennung genießen“, etc. Oder wie in meinem Artikel: “Wir erkennen nicht die Rhetorik des Staates Israels an. Wir erkennen nicht die Spirale von Vergeltung und Blutrache an…etc.” Und gegen Ende: „Wir erkennen nicht den Staat Israel an. Nicht heute, nicht während dieser Text geschrieben wird, nicht in der Stunde von Trauer und Zorn.“ Der Artikel wurde am selben Tag geschrieben, als uns die Bilder aus Qana erreichten.

1948 versus 1967

Bezüglich der Belange des internationalen Rechts möchte ich spezifizieren, wie ich es in allen Interviews versucht habe: “Wir erkennen den Staat Israel von 1948 an, aber nicht den von 1967. Es ist der Staat Israel, der es nicht schafft den international gesetzmäßigen Staat Israel von 1948 anzuerkennen, zu respektieren oder sich darin zu fügen.“ Dadurch stelle ich nicht Israels Existenzrecht in den Grenzen von 1948 zur Disposition, lediglich die Grenzerweiterung von 1967 mit Mitteln der militärischen Gewalt und internationalen Rechtsbrüchen. Damit weiß ich sowohl die Meinung der UN als auch der Mehrheit der Welt hinter mir.

Kein gottgegebenes Mandat

Viele meinten, ich vermischte Religion und Politik. Genau das Gegenteil habe ich versucht zu tun. Als ich den Artikel „Gottes auserwähltes Volk“ nannte, geschah dies in der Absicht, zu betonen, dass wir nie akzeptieren, dass irgendeine Partei für einen Konflikt ein gottgegebenes Mandat beanspruchen kann. Hier hatte ich vor allem jene im Sinn, die wir “Christliche Zionisten” nennen, i.e. Vorstellungen, dass Gott immer noch einen Plan für die Juden hätte, und dass das, was heute im Mittleren Osten geschieht ein Omen für die Apokalypse, die Wiederkehr Jesus Christus, etc. sei.

Zurück nach Israel

Ein Beispiel für das, wovor ich warnte, sind die jüngsten Verlautbarungen aus dem Pentecostal Bewegungswerk in Israel. Er hob hervor, dass die Wiederkehr Jesus Christus und die Erlösung der Gläubigen an die Möglichkeit der Rückkehr der Juden nach Israel gebunden sei. Mit Israel meinte er: „Von der Steppe und vom Libanon an bis zum großen Strom, zum Euphrat reichen – das ist das ganze Land der Hethiter – und bis hin zum großen Meer, wo die Sonne untergeht.“ (Joshua 1,4). Laut einer jüngsten Ausgabe einer Zeitung sagte er: “Wie können wir an Gott glauben, wenn er nicht diese Versprechen erfüllt? Das ist der Glaubensinhalt für viele Evangelikalen Christen, davon 70 Millionen in den USA.” Er fuhr fort: „Weder Judäa oder Samaria waren jemals Teil des arabischen Reiches. Warum besteht man auf den Terminus ‚besetztes Land’?“ Entsprechende Konzepte sind auch unter orthodoxen Juden vertreten, speziell einiger Siedler in den besetzten Gebieten.

Reicher im Humanismus

Ich glaube nicht, dass jüdische Lehre und Praxis weniger humanistisch waren, als die der christlichen oder islamischen Geschichte. Vielleicht ist das Gegenteil der Fall: Ich glaube eine vergleichende Studie würde feststellen müssen, dass die Kultur und die Praxis der Juden viel reicher im Humanismus und freier von religiösem Fanatismus war, als die christlich geprägten Gebiete (mit ihren Kreuzzügen, Konquistadoren, Inquisitionen, Judenverfolgungen, und dem Holocaust, etc.) Verschiedene Deutungsweisen Aber das war nicht der Punkt. Nur in Bezug auf die Vorstellung eines “Königreichs Gottes“ glaube ich, dass Jesu’ Predigten und was ich für Christlichkeit halte, mehr eine Deutung als Humanismus beinhalten, als der späte Jüdische, und jetzt Christlich-Zionistische, Glaube einer politischen Erneuerung des Königreichs Davids als „Gottes Königreich“ für das Volk Israel. Ich beziehe mich hier auf verschiedene Interpretationen der religiösen Botschaft – sei es christlich oder jüdisch – und auf die Probleme, denen wir alle begegnen, wenn extreme Deutungsweisen aufleben.

Ein Symbol der Intrasingenz

“Mögen Geist und Wort die Apartheidmauern Israels hinwegfegen,” habe ich geschrieben. Damit verlieh ich meiner Hoffnung Ausdruck, dass Diplomatie und intellektuelle Kräfte Erfolg haben, Israel dazu zu überreden, dass die illegale Mauer auf besetztem Land niedergerissen werden muss, nicht zuletzt, weil sie sonst Symbol der Kompromisslosigkeit wird. Die Mauer verursacht nicht nur tägliche Verstörung und Leid beim palästinensischen Volk, sondern wird in absehbarer Zeit eine größere Gefahr für Israel sein, als das Land verkraften kann. In anderen Worten, Ich fürchte, Israel’s unnachgiebiger Umgang in Bezug auf seine Nachbarn wird auf lange Sicht eine Gefahr für Israel selbst darstellen.

Gewalt gegen die zivile Bevölkerung

Ich fordere natürlich nicht, das Bürger von Israel jemals ihr Land verlassen müssen. Für mich ist das nicht einmal eine Option. Wenn ich das Bild von israelischen Zivilisten, die aus ‚besetzten Gebieten’ (wie Jerusalem und die West Bank) fliehen, entwarf, bin ich mir bewusst, dass das vielleicht starke Emotionen hervorrufen kann. Aber die Botschaft ist doch kristallklar: Was auch immer der Hintergrund und der Kontext sein mögen – was auch immer für religiöse oder eschatologische Konzepte wir haben – wir können niemals Gewalt gegen eine Zivilbevölkerung tolerieren.

Antisemitismus auslösen

Und zuletzt: Es kann ausgesprochen unverantwortlich sein, voreilig einen Diskussionsteilnehmer des Antisemitismus zu beschuldigen – einfach weil es der Legitimation und Produktion des Antisemitismus dienlich sein kann. (Wenn der oder die ein Antisemit ist, hey, vielleicht ist es nicht so schlecht einer zu sein) Wenn einer der Provinzgemeinderäte den Boykott israelischer Waren beschließt, wird das in bestimmten jüdischen Zirkeln als „im Geiste der Nazis“ bezeichnet, und sie schlossen daraus, dies sei „dies zweifellos ein Ausdruck von Antisemitismus“. Nun, solche Charakterisierungen sind meines Erachtens nicht nur hochgradig irrational. Auf lange Sicht könnten sie sich als fatal erweisen. Denn wie sollen wir dann [echten] Nazismus und Antisemitismus beschreiben?

Missiles und Bomben

Ich hoffe, ich habe einige Missverständnisse mit diesem Auftritt ausgeräumt. Währenddessen regnet es Missiles und Bomben; Zivilisten sterben; Straßen, Wasserversorgung, und medizinische Versorgung sind um Jahrzehnte zurückgeworfen. Wir alle schulden den Kriegsopfern einen Aufschrei des Kummers. Lasst uns nun aufs Wesentliche konzentrieren.

Mehr zu Gaarders kristallklarem Antisemitismus auf diesem Blog: "Randnotizen zum Fall Gaarder" und "Sofies Welt braucht keinen Adorno nicht".

24.8.06 17:35


Rettet ca-ira!

Ca-ira braucht 15 000 Läuse zum Rebirthing!
Ansonsten gibts den besten und möglicherweise chaotischsten Verlag Europas bald nicht mehr. Nu schaut doch mal in den Geldbeutel, kauft euch ein Buch oder schenkt den GenossInnen mal was. Na also, geht doch!
24.8.06 20:15


"Antideutsche" bald unter Verfassungsschutz?

Im Spamverteiler für die deutsche Linke finden sich neben Aufrufen zur Demovergrößerung [„Intifada works!“], Angeboten von theoretischen, tibetanischen Theoriepillen [„Wie wäre es, wenn wir uns einfach mal alle lieb haben!“] und Produktwerbung [„Neuer Antifax-Reader ist da!“] stets auch siegesgewisse Botschaften über den marginalen Stand der antideutschen „Bellizisten, Rassisten und Sexisten“. Wie solche Proselyten es gerne hätten, ist leider tatsächlich die Anzahl der Antideutschen gering, wenn auch manche einen gewissen theoretischen Aufschwung zu erkennen meinen.

Da scheint es erfreulich, wenn man doch von dem Bundesministerium des Inneren und den lieben Freunden vom Verfassungsschutz etwas Würdigung erfährt. In der antideutschen Szene hält sich fatalerweise das Gerücht, der Verfassungsschutz sei irgendwie dumm und habe keine merkliche intellektuelle Befähigung, die Texte der Antideutschen zu verstehen. Nur so ist ihnen erklärbar, dass Thesen wie diese zustande kamen:

Allerdings verleitete sie auch zu Überzeichnungen, maßstablosen Vergleichen und schließlich zu sektiererischem Sendungs- und Elitebewusstsein. So wurde den Deutschen als ethnisch definierte Entität der – offenbar genetisch bedingte – Defekt unterstellt, gesetzmäßig nach Krieg, Weltherrschaft und Massenmord zu streben. Diese „antideutsche“ Kernthese zeigt mithin ihrerseits die charakteristische Gestalt eines rassistischen Stereotyps: Einem Kollektiv werden biologisch-genetische Eigenschaften angedichtet und diese dann wiederum auf einzelne Individuen rückbezogen. Genau genommen hätten die „antideutschen“ Theoretiker, allesamt deutscher Nationalität, falls ihre Theorie richtig gewesen wäre, zuallererst Hand an sich selbst legen müssen.

So ganz unausgegoren klingt dies nicht, wenn man die eine oder andere Parole von antideutschen Demos noch in den Ohren klingen hat: „Deutsche in ein Massengrab!“ schallte es bisweilen etwas gewaltgierig unter blau-weiß hervor.

Das Bundesamt für Verfassungsschutz zu unterschätzen wäre fatal. Es bemüht sich offensichtlich ernsthaft um wissenschaftliche Lösung eines Problems, das sich ihm nicht nur sicherheitspolitisch, sondern auch ethisch stellt. Im Rahmen dieser Problemsuche finden dann Symposien statt, auf denen dezidiert antideutsche Positionen ihre staatsbürgerliche Weihe erhalten. Dies freilich nur um den Preis einer Abgrenzung gegen allzu radikale Wortführer, von deren Meinung zu Israel (eine zu Marx, Adorno, etc. steht hier nicht zur Debatte) man sich doch offensichtlich nicht unterscheidet.

Martin Kloke, Autor eines Beitrages im Band „Hat Israel noch eine Chance“, herausgegeben von Gremliza bei konkret, veröffentlichte genau diesen Beitrag mit minimalen Änderungen 2004 in eben jener Broschüre "Extremismus in Deutschland" , aus der auch das obige, bekannte Zitat stammt. Seine Position macht er folgendermaßen deutlich:

Doch beschränkten sich die linksextremen Schreibtischtäter nicht auf eine revolutionsromantische Ästhetisierung von Gewalt, sondern warben unter dem Motto „Schlagt die Zionisten im eigenen Land!“ auch für einen gewaltbereiten Kampf gegen die „Erfüllungsgehilfen“ Israels in der Bundesrepublik.[...]

Nicht zuletzt linksradikale Publizisten erlagen der Faszination begrifflicher Tabubrüche; triumphierend witterten sie die Gelegenheit, Antifaschismus und Antisemitismus miteinander zu versöhnen.[...]

Nach den ehernen Gesetzen der Mediengesellschaft scheint es moralisch unverzeihlich zu sein, dass die wehrhaften Israelis, technisch ihren Widersachern weit überlegen, bei Auseinandersetzungen geringere Opferzahlen als die Palästinenser aufweisen.[...]

Für ihre hierzulande ungewöhnliche Israelsicht, die allenfalls von Teilen des protestantischen Fundamentalismus geteilt wird, nehmen sie es hin, von linken Antizionisten ausgegrenzt, angepöbelt oder gar verprügelt zu werden.

Die Israel-Apologie der jungen Linksradikalen weist phänomenologische Parallelen zu den fünfziger Jahren auf: Gleichwohl geht es den ebenso vernetzten wie zerstrittenen Initiativen und Zirkeln – gruppiert um Publikationen wie „Konkret“, „Jungle World“ und „Bahamas“– nicht in erster Linie um die Demonstration ideologischer Nähe zum israelischen Staat; das unterscheidet sie von der deutschen Linken der späten fünfziger Jahre.[...]

Es folgt die etwas scheinheilige Abgrenzung von allzu Radikalen, bei denen man aber mitunter gerne auch einen Beitrag veröffentlicht:

Wortführer wie Hermann Gremliza (Konkret) und Julius Werthmüller (Bahamas) suchen in ihrem Israel-Kult, ungeachtet ihres Dissenses in Detailfragen, vor allem nach Bestätigung jener vergangenheitspolitisch motivierten Deutschlandkritik, die im vermeintlich ewigen Antisemitismus der Deutschen den hermeneutischen Schlüssel zum Verständnis auch heutiger Weltpolitik zu sehen vermeint.

Ein sympathischer Schluss:

Im Rahmen eines breiten globalisierungskritischen Volksfrontbündnisses von links bis rechts könnte sich eine postmoderne Linke daran gewöhnen, „die Juden“ beziehungsweise „den Staat Israel“ als Verkörperung abstrakter (umhervagabundierender) Kapitalflüsse wahrzunehmen – und für zunehmende soziale Verwerfungen im 21. Jahrhundert verantwortlich zu machen. Die Konsequenzen eines solchen Szenarios wären – vor dem Hintergrund einer jahrhundertelangen Geschichte der Judenverfolgung – unabsehbar. Entsprechende Stimmen aus der Anti-Globalisierungsbewegung sind ein bedrohliches Symptom für das, was uns da möglicherweise bevorsteht.

Im Beitrag, der in der gleichen Broschüre auf seinen folgt, hat ein Vertreter des Bundesamtes für Verfassungsschutz selbst das Wort: „Massiver ideologischer Streit zum Nahost-Konflikt unter Linksextremisten“:

Agitation, die völlig ohne Rückhalt in der Realität konzipiert wäre, bliebe, so die Erfahrung, zumeist erfolglos. Und so beschrieb diese überspitzte, aber im Kern keineswegs völlig unzutreffende Agitation den virulenten Antisemitismus im arabischen Raum viel offener als man dies in der europäischen Presse üblicherweise zu lesen bekommt. Sie konnte nach Einsetzen der palästinensischen Selbstmordattentate gegen israelische Zivilisten mühelos verschärft werden: Der „Islamfaschismus“ wurde von „Bahamas“ nunmehr als Wiedergeburt des Nationalsozialismus analysiert. [...]

Anderwärts wanderten ganze Gruppenstrukturen der Autonomen in die „antideutsche“ Richtung ab. Bisweilen zog sich der Bruch durch langjährige Kollektive, sprengte Wohngemeinschaften, beendete persönliche Freundschaften. [...]

Dabei hat sich die antideutsche Argumentation im autonomen Spektrum keineswegs überall in der übersteigerten Form der „Bahamas“- und „konkret“-Position durchgesetzt. Vor allem die unmittelbare Parteinahme für den Staat Israel stieß auf Widerspruch: Eine Bezugnahme auf Staaten und Nationen, so hieß es in einer sich herausbildenden, gewissermaßen zentristischen Position, die sich in Absetzung von den „Antideutschen“ gerne als „antinational“ bezeichnet, sei mit autonomen Prinzipien unvereinbar. Autonome hätten stets gegen staatliche Strukturen und nationale Identitäten einzutreten; gleichwohl sei den Überlebenden des Holocausts einzuräumen, dass ihr Staat aus historischen Gründen der letzte sei, der zur Auflösung anstehe. Im Übrigen habe die Linke in Israel auf fortschrittliche Kräfte der Friedensbewegung zu setzen und keineswegs eine Kritik der Regierung Sharon zu unterlassen. Was die Palästinenser angehe, seien Selbstmordanschläge als unvertretbare menschenverachtende Praxis und islamistische Gruppen als emanzipationsfeindlich abzulehnen.

Eine solche, nach autonomen Maßstäben durchaus konsequente und abgewogene Position befindet sich jedoch bei einer stark moralisierten und emotionalisierten Auseinandersetzung zwischen zwei Fronten. Sie steht der Dynamik extremistischer Bewegungen entgegen, sich stets zu der scheinbar radikalsten und kompromisslosesten Position bekennen zu wollen. Historische Erfahrungen mit sozialrevolutionären Bewegungen zeigen, dass sich solche „zentristischen“ Positionen in der Regel nicht behaupten können. Vor allem ist nicht klar, ob sie die in der autonomen Szene deutlich erkennbare Tendenz zur ideologisch bestimmten Paralyse und den nahe liegenden Ausweg der bisherigen Akteure, nämlich den Rückzug ins Private, auch nur annähernd aufhalten kann. [...]

Bei den an traditionellen „antifaschistischen“ und „antiimperialistischen“ Inhalten festhaltenden Autonomen ist indessen ein anderes Reaktionsmuster erkennbar geworden: Die Beteiligung an dem bisweilen intellektuell anspruchsvollen Diskurs wird verweigert, der damit verbundenen ideologischen Herausforderung wird – auch aus Unvermögen – ausgewichen. In dem ständig fallenden Niveau von Entgegnungen auf „antideutsche“ Texte im linksextremistischen Internetportal „Indymedia“ wird eine solche Tendenz deutlich.[...]

Zugleich findet ein Rückzug auf lokale Schauplätze und weniger konfliktgeladene Themen statt. Kampagnenorientierte Autonome finden zu ihrer Gewohnheit zurück, Politik aus dem Bauch zu bestimmen. Nicht selten ist damit ein Schulterschluss mit den bisher verachteten Traditionalisten zu beobachten. [...]

Allerdings hat auch die „antideutsche“ Fraktion mit ihrem Beharren auf einer – wohl genetisch gedachten – Disposition der Deutschen zu Faschismus und Imperialismus ein hochideologisches Wahngebilde aufgebaut. Sie hat aber immerhin das Verdienst, auch unter Linksextremisten die rassistischen und antisemitischen Dimensionen des Nationalsozialismus und vergleichbarer Diktaturen in die Diskussion gebracht zu haben. „Ohne eine ernsthafte inhaltliche Auseinandersetzung um die Themen Antisemitismus, Antizionismus und der praktischen Solidarität mit Israel“, so eine „antideutsche“ autonome Gruppe im Februar 2004, „kann es eine aktive Antifa in diesem Land nicht mehr geben.“ Im Sinne einer demokratisch verstandenen politischen Bildung wäre dies indessen kein unerwünschtes Ergebnis der aktuellen ideologischen Fehde unter Linksextremisten.

Auf dem Symposium des Bundesamtes für Verfassungsschutz am 5. Dezember 2005 war zu „Neuer Antisemitismus? Judenfeindschaft im politischen und im öffentlichen Diskurs“ folgendes Bemerkenswertes zu hören:

Von Otto Schily:

Antisemitismus kann genauso wenig wie Rassismus, Rechtsextremismus oder Fremdenfeindlichkeit etwa als ein Meinungsbeitrag unter vielen, wie er eben in einer pluralistischen Demokratie möglich sein muss, akzeptiert werden. Denn Antisemitismus ist immer ein Angriff auf das Fundament des Zusammenlebens in einer offenen Gesellschaft. [...]

Antisemitismus ist der Versuch, der Kompliziertheit irdischer Existenz auszuweichen.

Von Stephan J. Kramer, dem Generalsekretär des Zentralrates der Juden in Deutschland:

Es bedeutet sicherlich auch keine Verbesserung des Erkenntniszustands über den Antisemitismus, wenn wir den im 19. Jahrhundert begründeten „rassistischen Hass“ also den eigentlichen Antisemitismus vom Antijudaismus, also der religiös begründeten Feindschaft zu trennen versuchen.

Auch ist es für eine seriöse Debatte um die Wurzeln des Antisemitismus und dem interreligiösen Dialog nicht gedient, wenn man einerseits auf die vorgeblich antijüdischen Passagen des Neuen Testaments eingeht, die verbindlichen Lehrgrundlagen des Islam, also den Koran, und seine zur Verfolgung, Bekämpfung und Vernichtung der Juden bis in die heutige Zeit aufrufenden Suren, aber unberücksichtigt lässt.

Statt dem ehrenwerten Martin Kloke sprach diesmal der notorische Gutmensch Klaus Holz und verbreitete neben stattlicher Quellenschau viel postmodernen Blödsinn:

Hätten sich die Rothschilds im 19. Jahrhundert entschlossen, ihre Bank zu verkaufen, hätte diese Entscheidung zu keinerlei Reduktion des Antisemitismus geführt. Heute hingegen, so Michel Wieviorka, würde eine »Verhandlungslösung des israelisch-palästinensischen Konfliktes (. . .) entschieden zur Eindämmung des Antisemitismus beitragen«. Kurz, ich meine, daß Brian Klug zuzustimmen ist, »that the hostility towards Israel, at bottom, is not a new formof antisemitism; it is a function of a deep and bitter political conflict. [...]

Auch wenn es entsprechende Vorkommnisse gibt und eine seriöse Untersuchung aussteht, kann man von einem generellen Antisemitismus weder in der radikalen Linken in Deutschland noch in derjenigen etwa Frankreichs sprechen. Offensichtlich existieren starke Gegenkräfte innerhalb der Linken selbst. Nicht unerwähnt bleiben soll auch, dass der Antisemitismusvorwurf gegen die radikale Linke zuweilen instrumentalisiert wird – sei es, um die Linke zu delegitimieren, sei es, um die eigene Sekte im linksradikalen Spektrum zu profilieren. [...]

In dem Maße, wie der Gegensatz zwischen Morgenland und Abendland reproduziert wird, gewinnt die Konstruktion des Dritten an Attraktivität. Das Dritte wird in dem Maße bedeutend, wie die duale Unterscheidung Sinn, Ordnung und Identität stiftet. Ohne Dual ist das Dritte nicht in Sicht. Auch deshalb muss die Reflexion wie die Bekämpfung des Antisemitismus mit der Reflexion und Bekämpfung der Feindschaft gegen die Muslime verbunden werden. Der Anti-Antisemitismus braucht den Anti-Rassismus und umgekehrt.

Dr. Stefan Kestler vom Bundesamt für Verfassungsschutz, Privatdozent an der Universität Bamberg zitiert in seinem Beitrag „Antisemitismus und das linksextremistische Spektrum in Deutschland nach 1945“ einen antideutschen Gassenhauer:

Bereits Ende der sechziger Jahre formulierte Jean Amery apodiktisch die bis in unsere Tage gerne zitierte Ansicht, dass sowohl im „Antiisraelismus“ als auch im Antizionismus der Antisemitismus so zwangsläufig enthalten sei wie „das Gewitter in der Wolke“. Fasst man also Antizionismus dergestalt kategorisch als eine moderne Spielart des Antisemitismus in einem extremistischen Kontext auf, dann dreht es sich „hierbei um die besondere ideologische Verzerrung und pauschalisierende Verächtlichmachung des jüdischen Staates, die sich ebenfalls traditioneller antisemitischer Stereotype bedient (antisemitisch konnotierter Antizionismus) und sie in der Kommentierung aktueller politischer Geschehnisse zur Anwendung bringt“. [...]

Was nicht vor Irrtümern schützt:

Die aktuelle Form der ideologischen Partnerschaft zwischen Palästinensergruppen und Linksextremisten ist aber nach Maßgabe von Verfassungsschützern eher als „sekundär antisemitisch“ einzustufen und gleicht damit entsprechenden Ausprägungen eines „strukturellen Antisemitismus“. Es ist weder ein durchgreifender antisemitischer Trend in dieser Szene festzustellen, noch gibt es überzeugende Hinweise auf eine zielgerichtete Zusammenarbeit mit dem gewaltbereiten islamistischen Lager. [...]

Erstaunlicherweise blenden die sich selbst als „Linkskommunisten“ bezeichnenden Antideutschen bei dieser speziellen Art ihrer Kritik beharrlich aus, dass der von der NS-Propaganda „so wirksam verbreitete Mythos einer von der jüdischen Hochfinanz kontrollierten und manipulierten westlichen Welt“ bereits seit den sechziger Jahren nahezu adäquat von der UdSSR adaptiert und dort von neuem missbraucht wurde.

Nicht alles, was der Verfassungsschutz über die Antideutschen behauptet ist wahr. Allerdings ist nur wenig gelogen und dies mehr aus einem Missverständnis als aus einer bösen Absicht oder gar notorischer Dummheit. Viele peinliche Zitate sind voll und ganz im Rahmen des Vorstellbaren, auch die antideutsche „Linke“ ist keineswegs frei von den Bewegungskrankheiten Übereifer, kollektiver Dünkel und Drang zur Tat, deren Symptome der Verfassungsschutz nur aus einer ethischen Perspektive heraus beschreiben kann. Die Beiträge der beiden angegebenen Veröffentlichungen sind auch für profunde Kritiker des Antisemitismus noch lehrreich und entsprechen dem wohl höchsten auf dieser Ebene zu erwartenden wissenschaftlichen Niveau, was man von Beiträgen zu dem Thema aus der Linken nicht behaupten könnte. Anders als Robert Kurz und andere Apologeten und Proselyten der antiimperialistischen Volksfront indyfadattac nehmen die derzeitigen Innenminister und ihre Institutionen das Thema Antisemitismus sehr ernst, befragen verschiedene, kluge Leute und versuchen ehrlich zu einer Antwort zu kommen. Dabei helfen können ihnen "die Antideutschen" kaum, nur einen "Feind" stellt man sich wahrlich anders vor.

Zitate von Martin Kloke, einem auch außerhalb der regierungssoffiziellen Broschüren sehr lesenswertem Autor:

„Antisemitische Obsessionen“ taz 31.7.2005

Gleichwohl scheut Kraushaar eine tiefergehende und womöglich schmerzhafte Selbstreflexion. Er weigert sich, die offensichtlichen Korrelationen zwischen neulinkem Antizionismus und traditionellem Antisemitismus als das zu bezeichnen, was sie waren und sind: ungeschminkte Manifestationen antisemitischer Obsessionen. Aus Furcht vor "Pauschalisierungen" hält er Antisemitismus in der APO allenfalls im Modus des "Möglichen" bzw. in Form eines "antisemitischen Latenzzusammenhanges" für real. Doch es kommt noch ärger: In seinem Exkulpationsbegehren versteigt sich Kraushaar zu der These, nicht die Jüdische Gemeinde, sondern die aus Sicht der linksextremen Guerilla wankelmütige und potenziell reformistische Linke sei der "eigentliche" Adressat des Terroranschlags im Jüdischen Gemeindehaus gewesen - eine schwer nachvollziehbare Gedankenakrobatik.

Weitere Fragen bleiben: Wann entschuldigt sich Albert Fichter bei der Jüdischen Gemeinde - jenseits einer lauen, von Selbstrechtfertigungen strotzenden "Lebensbeichte"? Fängt der "Verfassungsschutz" nun endlich ohne Wenn und Aber an, seine historische Mitverantwortung für die Entfesselung des linksradikalen Terrorismus zu untersuchen? Was hat Tilman Fichter, den langjährigen Referenten des SPD-Parteivorstandes, bewogen, das Geheimnis seines jüngeren Bruders für sich zu behalten? Fragen, für deren Beantwortung sich auch die Berliner Justizbehörden interessieren müssten. Dass ihre Ermittlungsakten "verschollen" sind, lässt Böses ahnen. Es gibt offenbar Kreise, denen eine Strafvereitelung noch immer gelegen käme.

Bemerkungen zur "Debatte" zwischen Matthias Lorenz und Klaus Holz vs. Lars Rensmann:

Die Studie "Demokratie und Judenbild" von Lars Rensmann habe ich vor zwei Jahren sehr genau gelesen – sie ist in meinen Augen das Beste, was in den letzten Jahren zu diesem Thema erschienen ist. Und ich weiß, wovon ich schreibe – seitdem ich vor gut 15 Jahren die erste mentalitätsgeschichtliche Untersuchung zum israelfeindlich motivierten Antisemitismus in der deutschen Linken veröffentlicht habe.

Noch ein lesenswerter Beitrag von Kloke, aus dem etwas von der Skepsis, gegenüber dem eventuellen Philosemitismus zahlreicher Antideutschen erklärbar wird: "Endzeitfieber und Pulverfass. Israel und der christliche Fundamentalismus in Deutschland."

30.8.06 23:11





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