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Hexenkult in Afrika

Der Glaube an Hexen scheint dem Mittelalter anzugehören, und mancher wähnt den technischen Fortschritt für Mittel genug, um ihn zu überwinden. Dass dem nicht so ist, zeigt das Beispiel Afrika. Im gesamten subsaharischen Raum gibt es eine durch und durch integrierte Hexenglaubenkultur. In Nigeria ist es üblich in Zeitungen die verdächtigten Personen öffentlich zu machen, nirgends ist der Hexenglaube wirklich geächtet, Minister und Ingenieure gehen gleichermaßen zum Orakel. Nun darf man sich das nicht so harmlos vorstellen, wie hierzulande „Astro-TV“ oder ähnliche esoterische Lebenshilfen.
Hexenglaube ist

1. integriert, häufig dominant und absolut üblich!

2. funktioniert nach dem Prinzip der pathischen Projektion. An Tod, Krankheit, Misserfolg, Unfruchtbarkeit, Impotenz sind immer eine Hexe oder seltener ein Hexer schuld.

3. hat eine Doppelgestalt, es gibt gute und böse Hexerei und Zauberei. Dieser Punkt wird in der Literatur häufig erwähnt. Das Beispiel anderer Gruppen hat jedoch gezeigt, dass „gute“ Hexerei automatisch immer auch der „bösen“ verdächtigt werden kann. Der Heiler der einen Gruppe kann für die andere ein Hexer sein.
Man darf sich allerdings nicht zu groben Verallgemeinerungen hinreißen lassen.

Öffentliche Selbstbezichtigungen haben ihre Ursache in einem teilweise (noch!) "toleranten Umgang", allerding wird auch von historischen Steinigungen und Verbannungen in den Busch berichtet! In Tansania wurden zwischen 1994 und 1998 ca. 5000 Menschen wegen Hexerei ermordet. In Südafrika werden Hexen als Ursache von Arbeitslosigkeit vermutet, sie sollen Zombies schaffen, die anderen die Arbeit wegnehmen, die Opferzahlen von Hexenjagden steigen stetig an.
Die "Hexenkraft" wird in vermeintlichen Organen lokalisiert oder ist vererbbar oder an roten Augen erkennbar. Der größte Teil der Opfer sind alte Frauen.
Nicht ausgeschlossen ist, dass selbst die beschuldigte "Hexe" an Hexerei glaubt!
Zahlreiche Institutionen haben die Aufgabe per Orakelspruch eine Hexe ausfindig zu machen, zu bestrafen oder davon abzuhalten, weiter zu hexen. Häufig muss die so beschuldigte Hexe eine Entschädigung zahlen, der Hexerei abschwören und sich einem reinigenden Ritual unterziehen, aktuell ist aber ein heftiger Anstieg der Hinrichtungen festzustellen, der historisch so keine Tradition hat und eine Erscheinung der Moderne ist.

Bei einer moderneren, vergleichsweise gewaltarmen Hexenjagd scharte sich in Nigeria eine Gruppe um einen Führer, der dann gemächlich von Dorf zu Dorf zog und Hexen ausfindig machte.
„Dr. Moses“, der Anführer, hatte mit einem Thermometer die Temperatur der Dorfbewohner gemessen und nach ihrem Hexereigrad einteilt. Besonders oft waren hier alte Frauen und ökonomisch erfolgreiche Frauen betroffen. Allen Personen wurde ihre „Temperaturzahl“ mit einer Rasierklinge in die Haut geritzt und eine „Medizin“ eingerieben. Die besonders mit Hexerei "infizierten" Personen wurden teilweise gedemütigt und geschlagen. Die Hexenjäger wurden v.a. von jungen Personen ins Dorf geholt. Diese beschrieben danach diese v.a. für ältere Menschen demütigende Situation als befreiend. Psychologie Gründe dafür könnten in der Gerontokratie zahlreicher afrikanischer Gesellschaften liegen.

Besondere Aufmerksamkeit sollte aber die Verknüpfung von Hexenglaube mit der Ökonomie gezollt werden. Jeglicher ökonomische Erfolg wird als von Hexerei verursacht betrachtet. Die Verdinglichung als Fetisch ist hier nicht nur ein entlehnter, sondern ein treffender Terminus. Große Städte werden als „heiß“, d.h. lebenszehrend und verhext bezeichnet. V.a. auf den Marktplätzen tummeln sich magische Kräfte zuhauf. In dem Maße, in dem also eine Kapitalisierung und Umwälzung der traditionellen Lebensverhältnisse stattfindet, wird Hexerei als übermächtig und ansteigend betrachtet.
Technisierung hat nur geringen Effekt auf aufgeklärte Grundhaltung, Ajatollahs können Atombomben bauen und jeder Analphabet kann die segmentierte Fließbandproduktion eines Computers ausführen. Hexenglaube wird also nicht wie ein „cultural lag“ bei Adorno oder ein „träger Habitus“ nach Bourdieu einfach irgendwann verschwinden. Sondern sich möglicherweise steigern und transformieren.
Eine mögliche Transformationsform ist der Antisemitismus. Muslimische Missionierung, verrückte Herrscher, Globalisierunsgegner und das Internet tun ihren Teil dazu, die Ursache der mit Hexerei assoziierten ökonomischen Gesetze in den USA und Israel zu suchen. Dass also aus der lokalen Hexerei, die mit vergleichsweise harmlosen Strafen geahndet wird ein Pogrom an weiter entfernten Minderheiten oder eine antisemitische und antiamerikanische Bewegung entsteht ist nur ein jeweils kleiner ideologischer Schritt.

In den aufgeklärteren Regionen sind Jugendliche oft sehr proamerikanisch, allerdings hetzte die letzte Friedennobelpreisträgerin ihre Leute dazu auf, die Ursache für AIDS in der bösen Absicht der Weißen zu suchen. AIDS wird ohnehin als Krankheit der Fremden betrachtet, sie sei Strafe oder heimtückisches Attentat. Dass die rasche Ausbreitung der Krankheit in den meisten Regionen in einer rigiden Männlichkeitsverherrlichung, in Genitalverstümmelung und Vergewaltigungen einen Ursprung hat, wird verleugnet. Häufiger ungeschützter außerehelicher Sex dürfte für die in vielen Ländern über 90 % qualvoll genitalverstümmelten Frauen ohnehin keine Ursache für das Ausbreiten der Infektionskrankheit sein. Hexenglaube verschafft auch hier „Abhilfe“, mit ausgeheckter Scharlatanerie preisen „Heiler“ ihre Fähigkeiten an, AIDS zu heilen.

Aufklärung über einfache biologische Funktionen, Wertschätzung des Menschen und insbesondere der Frauen, sowie über ökonomische Gesetze muss in Afrika wie in zahllosen anderen Regionen der Welt unverzüglich und konsequent stattfinden. Dabei wird man sich den Vorwurf des Kulturimperialismus und der Dominanzkultur von quäkenden KulturalistInnen wie von „subalternen“ Volksverhetzern schulterzuckend gefallen lassen müssen. Die jetzige Situation, die Gefahr einer bereits erfolgten Steigerung (Ruanda) und nicht zuletzt die schnellen Erfolge bei derartigen Missionen sollten Grund genug sein, solche Projekte zu fördern wo es nur geht. Ein schweres Aufklärungsdefizit über solche als Phantasie eines rassitischen Exotismus abgetane Phänomene besteht leider vor allem in Europa.

Zur Lektüre empfohlen: „Modernity and its Malcontents. Ritual and Power in Postcolonial Africa.“ hrsg. Von Jean und John Comaroff. ISBN 0-226-11440-6
1.4.06 13:00


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Was ist was - Antisemitismus

Wolfgang Benz
Was ist Antisemitismus?
München 2004, 272 S., Verlag C.H.Beck.
ISBN 3-406-52212-2
Preis: 19,90

Zum Autor der vorgestellten Buches: Wolfgang Benz, geb. 1941, ist Professor für Geschichte an der TU Berlin und Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung. Er hat zahlreiche Werke zur Geschichte des Nationalsozialismus und der Judenverfolgung vorgelegt.

Antisemitismus wird von vielen als vernachlässigbare Monstrosität von Randgruppen betrachtet, als skandalträchtige Produkte von Wirrköpfen, die v.a. der deutschen Reputation abträglich seien. Wolfgang Benz arbeitet Schattierungen und Nuancen des Antisemitismus heraus, die seinen Erfolg und die tatsächliche Aktualität der Gefahr erklären. Ein detailreicher Überblick auf die Tradition des Antisemitismus in Deutschland ermöglicht zunächst die Anknüpfungspunkte des modernen Antisemitismus zu erkennen. Wesentliche Grundlage ist, wie Adorno bereits konstatierte, die Geschichtsfälschung, „das Gerücht über die Juden“. Damals wie heute bleibt sie konstituierend für den modernen Antisemitismus, der von Medienbildern ausgehend sein Ressentiment vom „Juden“ baut.
Besonderes Augenmerk lenkt der Autor auf Methoden, sich gegen den Vorwurf des Antisemitismus behaupten zu wollen, und dabei diesen nur weiter offen legt. Sekundärer Antisemitismus generiert sich aus Opfermentalität, larmoyant zählen Deutsche die Zahlungen auf, die angeblich zu ihren Lasten an Opfer der Schoa gingen, wähnen Meinungsfreiheit von Philosemiten und Juden eingeschränkt, um sie gleichzeitig im Extrem zu beanspruchen. Die Ursache sieht der Autor in einem falschen Verständnis des Begriffes Antisemitismus, weniger in einer tatsächlichen bösen Absicht. Gegen diesen Vorwurf verteidigt er des öfteren aufgeregt behandelte Skandale, um bei anderen um so deutlicher die bösartig instrumentalisierende Intention nachzuweisen. Dabei wird jedoch betont, dass der Effekt unabhängig von seiner Intention der gleiche sei.
Die exemplarisch abgehandelten Einzelfallanalysen konzentrieren sich im Wesentlichen auf den deutschsprachigen Raum.
Wenig neues birgt dagegen das kurze Kapitel zum Antizionismus. Manchmal scheint es, als wolle der Autor sich über Relativierungen mehr gegen den (im übrigen zynischen) Vorwurf des blinden Alarmismus verteidigen als er es tatsächlich schafft, das Feld des Antizionismus zu beschreiben. Bewusst verzichtet er auf eine Bearbeitung des „linken Antisemitismus“, der sich wesentlich über Antizionismus/Antiamerikanismus artikuliert, bemerkt aber dabei nicht, dass gerade dieser richtungsübergreifende Antisemitismus die sterilen Konzeptionen von „linker“ und „rechter“ Politik hinfällig werden lässt. Gerade die Verknüpfung von Antikapitalismus und Antisemitismus findet zu wenig Berücksichtigung. Dadurch vermeidet Benz, zu viele brave Bürger vor den Kopf zu stoßen, die entrüstet ablehnen, Antisemiten zu sein, aber dennoch gegen Heuschreckenkapitalisten und Börsenspekulanten wettern.
Wolfgang Benz leistet eine detaillierte, angenehm lesbare aber trotzdem dichte Einführung in das Thema. Sein Buch hat gute Chancen auf einen Erfolg als Standardwerk, vielleicht gerade weil es sich unaufgeregt und dennoch eindringlich an die bürgerliche Mitte der Gesellschaft richtet, und nicht in die eifernde Polemik politischer Gruppierungen abgleitet. Für eine ausführliche kritisch-wissenschaftliche Analyse des Antisemitismus kann das Buch allerdings keinen annähernden Ersatz darstellen. Zu wenig werden die psychologischen Ursachen angeschnitten, zu sehr verweilt es bei der Form einiger weniger Fälle, als anhand dieser zum Wesentlichen des Antisemitismus vorzudringen.
Durch den Versuch eine einfache Einführung vorzulegen entsteht der fatale Eindruck, Antisemitismus sei einfach verständlich. Das älteste, massivste und mörderischste Vorurteil der Geschichte zu durchdringen bedarf es aber etwas mehr als die dem Titel innewohnende Volksverbundenheit heischende Simplizität unterlegt. Es bedarf einiges mehr als ein volksfürsorgliches "Was ist was" Bändchen, das narzisstische Kränkungen größerer Bevölkerungsteile sorgfältig vermeidet.
1.4.06 22:29


Die Zeitung von vorgestern

Taz Thema Anthroposophie

Mit der Ausgabe vom 1./2./3.10.2005 leistete die Taz wieder einmal einen wichtigen Beitrag zur unkritischen oder zumindest pseudokritischen Verklärung fragwürdiger Konzepte. Ganze 4 Zeitungsseiten Werbung für Waldorfschulen, und das zum größten Teil kostenlos für die BetreiberInnen dieser reaktionären Verbildungsanstalten. Kein Wort über den Antiintellektualismus an Waldorfschulen, früh lesen zu lernen ist mehr als verpönt. Dass Waldorfkindergärten eher „Ehrfuchtskräfte“ in Kindern wecken wollen als ein kritisches Selbstbewusstsein, dumpfes Wiederkäuen von Ritualen, Ostermessen, Jahrestischen und Bildmotiven als kreativ verstanden wird, und Rudolf Steiner nach wie vor als Ikone in den meisten Waldorfschulen herumhängt, ist der taz kein Wort wert. Auch dass die Debatte um den deutschtümelnden Rassismus und Okkultismus Steiners in deutschen Waldorfschulen nicht angekommen ist, dass in Waldorfschulbibliotheken sich ohne Mühe rassistische Literatur finden lässt, von Rassetafeln über Geschichtsbücher von 1933, bekannte rechte Autoren wie Gruhl, Hamer und Bruker den Kindern und Lehrern ihr Leid „erklären“, bis zur Definition von AIDS als Schicksals- und Kulturkrankheit, das alles findet die taz nebensächlich oder macht es zu einer Ausnahmeerscheinung, die von der rechtschaffenen Waldorfgemeinde entsetzt wahrgenommen werde. An Waldorfschulen wird LehrerInnen die Möglichkeit geboten, Kinder und Jugendliche in unglaublichen Maße mit esoterischem Gedusel, mit kruden Märchen, mit kreativitätstötenden "Kunstformen" wie dem stupiden „Formenzeichnen“, mit Christianisierung, Deutschtümelei und Homophobie zu bombardieren. Der Überheblichkeit der Lehrer sind keine Grenzen gesetzt, und dieser darf seine geomantischen Kräfte ruhig auch auf dem Schulhof beim Gestalten eines spirituell-energetischen Steinekreises austoben. Damit der Gehirnwäsche von solchen Fanatikern auch niemand entkommt, werden die Klassen zur Sicherheit einem Lehrer quasi auf Lebenszeit zugeteilt. Davon kommt man nicht ohne narzisstische Kränkung los.
Gratulation zu dieser hervorragenden Werbekampagne in antiaufklärerischer Absicht.
2.4.06 12:00


Kritik der Menschenrechte

Es steht nirgends geschrieben, dass die Erklärung eines internationalen Staatenbündnisses von 1948 emanzipatorisch sein muss.
Nun, könnte man sich fragen, und? Ist doch alles klar, oder?
Merkwürdig bleibt bloß, dass alles, was sich die Emanzipation oder wahlweise Befreiung auf die Fahne geschrieben hat, diese Erklärung verficht, sie beschwört, um sie einen Tanz aufführt, der seinesgleichen sucht. Um was für eine Erklärung es sich handelt? Deine Rechte, Unser aller Rechte, der kleinste gemeinsame Nenner aller Staatsverfassungen, der Rohrstock des bösen Buben unter den Staaten, die allgemeine Erklärung der Menschenrechte. Diese bleibt ihren Namen zunächst treu und „allgemein“ im farblosesten Sinne des Wortes. Aber hören wir sie selbst sprechen, diese „Erklärung“, am besten von hinten nach vorne:

"Artikel 30: Keine Bestimmung der vorliegenden Erklärung darf so ausgelegt werden, dass sich daraus
für einen Staat, eine Gruppe oder eine Person irgendein Recht ergibt, eine Tätigkeit auszuüben oder eine Handlung zu setzen, welche auf die Vernichtung, der in dieser Erklärung angeführten Rechte und Freiheiten abzielen."

Bemerkte schon Voltaire, dass wo Freiheiten gegeben sind, es die Freiheit nicht geben kann, so wird sogar uns noch deutlich, dass hier schlecht formuliert wurde, „eine Tätigkeit auszuüben“ und eine „Handlung zu setzen“ bleibt doch schlicht das Gleiche, Paraphrasen in einem derart wichtigen Dokument? Nun, das Gesetz ist selbstkonstitutiv, es verbietet, sich abzuschaffen, bleibt auf ewig, ist dazu verdammt zu existieren, weil es ein „natürliches Recht“, und nicht etwa ein in harten Kämpfen der feudalen Gesellschaft abgerungenes ist. Betrachten wir dieses Wunderwerk der Natur weiter:

Artikel 29: "(1) Jeder Mensch hat Pflichten gegenüber der Gemeinschaft, in der allein die volle und freie Entfaltung seiner Persönlichkeit möglich ist.
(2) Jeder Mensch ist in der Ausübung seiner Rechte und Freiheiten nur den Beschränkungen unterworfen, die das Gesetz ausschließlich zu dem Zwecke vorsieht, um die Anerkennung und Achtung der Rechte und Freiheiten der anderer (sic!) zu gewährleisten und den gerechten Anforderungen der Moral, der öffentlichen Ordnung und der allgemeinen Wohlfahrt in einer demokratischen Gesellschaft zu genügen.
(3) Rechte und Freiheiten dürfen in keinem Fall im Widerspruch zu den Zielen und Grundsätzen der Vereinten Nationen ausgeübt werden."

Schon ist das Kind im Brunnen. Nicht Rechte, Pflichten hat der Mensch gegenüber der Gesellschaft, um als Äquivalent dieser geopferten Freiheit, denn nichts anderes ist die Pflicht, seine angeblich freie Individualität einzutauschen. Die Gemeinschaft wird beschworen, das Kollektiv angebetet, der Mensch, das Herdentier, nur in seiner Gesellschaft befähigt, voll und frei (!) seine (!) Persönlichkeit zu entfalten!
Kritisches Bewusstsein, das nur durch Emanzipation von UND in der Gesellschaft gebildet werden kann, wird niemals nur IN dieser Gemeinschaft eine „freie“ sein, sondern muss immer auch eine GEGEN diese sein, zu sehr ist sie gesellschaftlichen Zwängen unterworfen. Was diese Gesellschaft nun genauer sein soll, wer sich ihr zugehörig fühlt, das entscheidet schließlich die Gesellschaft, und nicht die Person, die sich in ihr frei entfalten will.

Exklusionsmechanismen? Wurden schon zwei Seiten früher abgeschafft, per Gesetz! Aber, das genügt den Vereinten Nationen nicht, sie wollen sicher gehen: die Anforderungen der Moral einer (ergo beliebigen) demokratischen Gesellschaft sind per se „gerecht“. Und das Gesetz sieht die Beschränkungen des Individuums selbstverständlich nur vor, um öffentliche Ordnung, Moral und allgemeine Wohlfahrt aufrecht zu erhalten. Der kapitalistische Staat als Wohlfahrtsorganisation, welch schönes Vexierbild.
Aber der Biene-Maja-Abklatsch ist erst am Ende, ergo am Anfang: Rechte und Freiheiten dürfen nämlich in keinem Fall im Widerspruch zu den Zielen und Grundsätze der Vereinten Nationen ausgeübt werden.

Wir fragen uns selbstverständlich erst einmal, welches diese Ziele und Grundsätze der Vereinten Nationen sind: 30 % der UN-Resolutionen gegen Staaten kritisieren die Politik, Verfasstheit oder Existenz Israels. Natürlich könnte der schlaue Antisemit nun mit der Faust auf den Stammtisch schlagen und sagen: Da seht ihr, wie schlimm die sind. Sogar die UN muss sich die ganze Zeit damit beschäftigen. Nun stellen wir uns aber mal ganz dumm und fragen andersherum: Wer ist denn die UN? Wer beschließt denn da? Eine stattliche Mehrheit haben die, natürlich gänzlich demokratischen islamischen Staaten. Diese Mehrheit wird ausgebaut durch die europäischen Länder, mit ihrer Jahrtausende alten antisemitischen Tradition. Wer fehlt bei zahlreichen Abstimmungen?

Israel und die USA. Möglicherweise haben sie ihre Pflichten gegen die Gemeinschaft nicht ausführen wollen, und sich nicht dem Diktat dessen gebeugt, was in „old europe“ als Ordnung, Gerechtigkeit und Wohlfahrt präsentiert wird, zum Beispiel die Situation im Irak von 2001. Oder sie hatten einfach die Nase voll von UN-Resolutionen. Diese gestalten sich folgendermaßen:
Nach wochenlangem Ringen kommt 2004 eine 24-seitige Erklärung zum Sudan heraus, obwohl hier innerhalb weniger Wochen Zehntausende ermordet, vergewaltigt und „arabisiert“ wurden. Kein Wunder, der Berichtserstatter für Menschenrechte wurde auf Drängen Pakistans aus dem Sudan abgezogen, infolge einer 2003 aufgrund ähnlicher Umstände und Initiative Pakistans noch abgelehnten kritischen Resolution an den Sudan. Keine Resolutionen gab es ebenfalls zu Staaten wie China, Syrien, Bahrein, Ägypten, Saudi Arabien, die vereinigten Arabischen Emirate, Jemen, Pakistan, Malaysia, Mali oder Simbabwe, in denen demzufolge himmlischer Friede herrschen muss. Keine Resolution beschäftigt sich ernsthaft mit Antisemitismus. Der Grund? Artikel 2:

Jeder hat Anspruch auf die in dieser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten, ohne irgendeinen Unterschied wie etwa nach Rasse, Farbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Überzeugung, nationaler oder sozialer Herkunft, nach Eigentum, Geburt oder sonstigen Umständen. Weiters (sic!) darf keine Unterscheidung gemacht werden auf Grunde der politischen, rechtlichen oder internationalen Stellung des Landes oder Gebietes, der eine Person angehört, ohne Rücksicht darauf, ob es unabhängig ist, unter Treuhandschaft steht, keine Selbstregulierung besitzt, oder irgendeiner anderen Beschränkung seiner Souveränität unterworfen ist.

Palästina-Deutschland, ick hör dir trapschen. Ein Palästinenser ist ein Palästinenser und ein Memeldeutscher ist ein Memeldeutscher, „ohne Rücksicht darauf, ob [das Land] unabhängig ist, unter Treuhandschaft steht, keine Selbstregulierung besitzt, oder irgendeiner anderen Beschränkung seiner Souveränität unterworfen ist."
Die Erwähnung des Antisemitismus in einer Resolution zu religiöser Toleranz wurde 2003 von Irland erfolgreich abgelehnt, da Antisemitismus unter die Kategorie „Rasse“ falle. So schreibt gerade die Erklärung, die ein zweites Nazideutschland verhindern wollte, die Bedingungen, die vorgebliche Existenz der jüdischen „Rasse“, für ein solches fort. Die Erklärung sollte anscheinend vielmehr verhindern, dass tatsächliche Konsequenzen aus dem Holocaust gezogen wurden. Das zeigt uns unter anderem der vage Artikel 11(2):
"Niemand darf wegen einer Handlung oder Unterlassung verurteilt werden, die im Zeitpunkt, da sie erfolgte, auf Grund des inländischen oder (!) internationalen Rechts nicht strafbar war. Desgleichen kann keine schwerere Strafe verhängt werden, als die, welche im Zeitpunkt der Begehung der strafbaren Handlung anwendbar war."

Getreu den Worten Filbingers: „Was damals Recht war, kann heute nicht Unrecht sein“? Das „oder“ bleibt verdammt unklar, die Achsenmächte mussten zu Zeiten ihrer größten Expansion den Begriff „international“ nicht scheuen. Denn darum geht es vor allem: „Die Entwicklung freundschaftlicher Beziehungen zwischen den [„Völkern und...] Nationen zu fördern“ (Präambel).
Wer nicht zum Volk gehört, muss draußen bleiben.
Israel verzichtete sowohl auf die schäbige Anerkennung Israels als Staat 1948 durch die UN, hatten diese doch so auf zunächst recht bequem erscheinende Weise die „Judenfrage“ gelöst. Israel begründete sich trotz oder ungeachtet dieser Anerkennung und kehrte dem Staatenbund dann den Rücken, als von diesem offen ausgesprochen wurde, was denn der „Akt der Barbarei“ sei, der das „Gewissen der Menschheit tief verletzt“ habe, nämlich die Fortexistenz und Emanzipation der Juden innerhalb des von ihnen gewählten Staates Israels. Mit der Resolution von 1975 auf Initiative Idi Amins (derselbe, der Asiaten als Fremdkörper „exilierte“), in der der Zionismus mit Rassismus gleichgesetzt wurde, bekannten sich die UN offen zum Antisemitismus der Muslimbruderschaften, Islamfaschisten und völkischen Antisemiten um Arafat.

Die Erklärung der Menschenrechte strotzt von Ungereimtheiten, Paraphrasen, Widersprüchlichem und bourgeoiser Logik, mit ihren Forderungen nach einem „Recht auf Arbeit“, wo jedem klar ist, dass „Pflicht zur Arbeit“ gemeint ist, mit ihren Forderungen nach „Freiheit, Gleichheit und Bentham“ (Marx). Es wäre müßig, diese im einzelnen auszuarbeiten, eine kritische Arbeit zu dem Thema steht wahrscheinlich noch lange aus, solange werden sich wohl weiter Friedens- und Konfliktforschung und Völkerkunde auf Institutionen wie das Völkerrecht und das Menschenrecht beziehen, darauf pochen, dass es wie in der Präambel versprochen, „ihre Rechte“ sind, die jetzt mit extra Freiheit im Doppelpack bei Nationaldi zu haben sind.

Quellen:

„Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“, in der Ausgabe des blauen Heftchens von amnesty international, das man an jeder Straßenecke in die Hand gedrückt bekommen.

„Konkret 6/2004“ vom Kiosk

„Bahamas 8/2004 – Onkel Kofis Hütte.“ Darin der Artikel zum Sudan.

„Marx gesammelte Werke, erster Band“. S. 74, daher das Voltaire- Zitat. Und aus dem 23. Band ein paar Anspielungen.

Für Hinweise und Anregungen, Aufzeigen von Unklarheiten und Klarstellungen zu diesem Thema bedanke ich mich im Voraus!
2.4.06 13:27


"Raus aus der Zivilisation!"

Die Frage, ob es ernst zu nehmen ist, was JANUN, das Jugendumweltnetzwerk Niedersachsen, seinen Zöglingen angedeihen will, oder ob es sich um einen zu früh gekommenen Aprilscherz handelt, stellt sich in Deutschland gar nicht erst. „Wie die Tiere leben!“ wollen die „Gefährten des Wolfes“ ganz ernsthaft, und das aber „im Einklang mit der Natur“. Man mag nicht wirklich daran glauben, dass hierzulande mit mobile phones und einem der dichtesten Infrastrukturnetze der Welt ernsthaft Situationen auftreten, in denen man „Grundlagenwissen zum Leben und Überleben in der Natur“ bedürfte, aber Barbarei ist Programm und so möchte der jugendlich-romantische Nachwuchsbarbar „Raus aus der Zivilisation - rein in die Wildnis.“ Das alles wird vermittelt durch echte wackere traditionelle Autoritäten, man wird „an der Seite von erfahrenen Wildlife-TeamerInnen den Wald mit seinen Gegebenheiten intensiv kennen lernen...“.

In Heideggers Jargon raunt es von Mitgegebenem, der Existenz, dem Sein, das in karger Natur zu sich selbst kommt. „Nützliche Techniken helfen...tiefer mit dir und der Wildnis in Kontakt zu kommen.“ Als wäre das ein Kunststück in Deutschland, wo nach kurzem Kratzen am zivilisatorischen Lack der uralte Rost der Barbarei hervorquillt. Um jeglichen Zweifel auszuräumen, dass man wirklich ganz weit zurück möchte, Germanentum reicht nicht mehr, tritt man an zum „Neandertaler Walk“. Hier bekommt man „Natur pur“. „Auf den Spuren der Jäger und Sammler...“, man beachte das nur ausnahmsweise fehlende Binnen-I, „...durchqueren wir eine Woche am Stück...“, und jetzt kommt der Gag, „...mit Karte und Kompass die Wildnis.“ Lernt noch jeder noch so dämliche Pfadfinder von der Pieke auf, dass er für sein rotes Halstuch ohne Kompass und Karte zurechtkommen muss, wandelt sich auf den Spuren von Neandertalern bequem mit Karte und Kompass. Soviel zivilisatorische Verunreinigung muss ausgeglichen werden, „...wie Nomaden...“ suchen sie sich „...jede Nacht einen neuen Lagerplatz und schöpfen mit selbstgebautem Werkzeug den (Nahrungs-) Reichtum der Natur aus.“ Anstatt wie es sich für einen anständigen Neandertaler gehört, in einer gemütlichen Höhle zu sitzen, ein paar Menschen vom nächstbefeindeten Stamm zu verspeisen und auf der Nasenflöte „oh when the saints“ zu trompeten, während man auf das Vorbeiziehen der nächsten Mammutherde wartet, will man wirklich ganz sicher gehen und am besten gar kein Mensch mehr sein:

„Bärenfutter, aus Baumrindenmehl, frisch gepflückten Wiesenkräutern“ muss man essen, um wirklich „auf der Suche nach Essbarem den Wald und seine Zusammenhänge verstehen lernen“. Dabei ist natürlich „zu beachten, [dass] man nicht selbst zum Futter wird.“ Augenzwinkernde Bedrohung der Existenz ist unverzichtbar um nicht bei „Schneehöhlenbau, Konservierung von Lebensmitteln, Orientierung im Schnee, Waldläufer und Spurenleser“ vorzeitig aus lauter Langeweile abzuspringen.

Man hat viele Alternativen zum kapitalistischen Verwertungsprozess, ein „gemeinschaftlicher Permakulturgarten“ lädt ein, man weiß bei „Konsumensch“ dass der Konsum schuld ist an der Lage, das ungezügelte Bedürfnis muss der Ökopuritaner zügeln, und im Ökosozialismus klettert man „schonend“ auf Bäume, weil das „seit je her eine bedeutende Rolle“ spielte.

Zum Glück hat jeder, dem dieses Programm nicht gefällt zahllose Alternativen in geistreichen, verkniffelten Videospielen. Zecken, Blutegel, feindliche Barbarenstämme und wilde Tiere kann man sich getrost sparen, inzwischen gibt es richtig gute Naturfilme auf DVD, bei denen man z.B. wissenschaftliche Analysen zum Ökosystem der Weihnachtsinseln erhält, und wer wirklich einen existentiellen Kick braucht kann für die 40 Euro, die ein Seminar bei Janun kostet getrost Bungeejumping machen, so bleibt man zumindest vor der Indoktrination ganzheitlicher Heileweltversprecher sicher. „Abenteuer, die uns zusammenschweißen“ heucheln echte, unverfälschte Bindung, die Bedrohung von außen trügt über die Leere im inneren hinweg, und wenn man dann vor lauter Abenteuer dem Kameraden an die Hose gehen darf, ist das ja auch was wert.

„Gemeinschaft“, eines der häufigsten Wörter auf dem aktuellen Programm, hilft, Widersprüche zu glätten, fehlende Analyse zu übertünchen und bietet überhaupt Möchtegernautoritäten Gelegenheit, Kinder in Pseudofamiliäre Ersatzzusammenhänge hineinzuführen, anstatt sie zu selbstbewussten, solchen Programmen kritisch gegenüberstehenden Menschen zu erziehen. Man hat erforscht, auf was Kinder so abfahren und nutzt dies schamlos aus, um damit Ideologien, denen man selbst wahnhaft aufsitzt, zu transportieren, anstatt dieses kindlich-jugendliche Forschungsinteresse in kritische Bahnen zu lenken.
Wer weiter mal einen ablachen möchte kann sich bei JANUN stets informieren.
Alle Zitate sind original aus dem Veranstaltungsprogramm März 2006 bis September 2006 von JANUN unter dem Motto „Wir lassen nicht alles durchgehen“ entnommen.
3.4.06 15:24


Spielbergs München

„Wir haben Spielberg verloren“, schreibt Jack Engelhard, „Spielberg ist kein Freund Israels, Spielberg ist kein Freund der Wahrheit.“

Jedoch, selbst wenn denn all das wahr gewesen wäre, wenn die zu Beginn des Filmes weiß auf schwarz eingeblendete Beteuerung, dieser Film beruhe auf wahren Begebenheiten, nicht vollkommen wahnhaft, suggestiv und überheblich wäre, was rechtfertigt die spezifische Darstellungsweise, die Spielberg wählt?

Nur zu klar wird von Beginn an, dass Geld und Judentum das Gleiche bedeuten. Ohne Geld kein Judentum, keine jüdische Rache, kein "Auge um Auge, Zahn um Zahn". Akribisch werden Avner die Eliminierungen in Geldscheinen aufgerechnet. Jede Information wird erkauft, einige wenige gibt es kostenlos, er sagt, er fühle sich lediglich einem Schließfach in einer Schweizer Bankd verpflichtet, wo er sein Geld bekommt, und letztlich muss er für alles eine Quittung bringen. Der Schatzmeister des Mossad, der dies von ihm erwartet ist merkwürdigerweise der einzige, dem die Synchronisierung einen "Akzent" verpasste (oder täusche ich mich da?), merkwürdig insbesondere deshalb, weil er laut Film ein in Israel geborener Jude ist.
Soll hier ein Jiddeln mit dem Job eines Kassenwarts, einem Geldverwalter identifiziert werden? Ist dies der deutschen Synchronisierung zu verdanken oder von Spielberg abgesegnet?

Nicht nur zum Geld haben die Juden in Spielbergs "München" eine besondere Affinität, sondern auch zum Blut. Blut spritzt stets reichlich in die Kamera, Blutsbindungen zu Israel werden von Avners Partner beschworen, Blut klebt an allen Händen.
Als die nervigerweise über den ganzen Film entzerrte Terrorszene im blutigen Fanal endet, läuft das im Film synchron mit dem Akt zwischen Avner und seiner Frau. Avners Vision vom Terrorfanal vergällt ihm den Orgasmus, ist aber genauso geeignet den Akt immerhin über zwei Minuten andauern zu lassen.

Völlig in nicht weiter versteckten Wahn gleitet Spielberg in den Fragestellungen nach Sinn und Ursache des Terrors ab. Da wird die Frage nicht beantwortet, ob denn hinter allem die CIA oder der Mossad stecke, ob hier nicht ein doppeltes Spiel getrieben werden, ob die PLO letztlich nur ein Spielball beider sei. Teilweise
beantwortet wird immerhin die Frage, warum Avner scheitert. Sein Hauptziel, der Drahtzieher der Anschläge, wird von der CIA geschützt, von da an geht es stets bergab, alle seien Mitkämpfer werden mysteriös ermordet, und Rache treibt sie auch dazu, eine Auftragsmörderin nackt mit umgebauten Luftpumpen zu ermorden. Hier ist Sex, Blut und "jüdischer" Rachedurst zur Kristallisation getrieben, hier wird deutlich, was Spielberg von der ganzen Geschichte hält.

Rein bleibt nur der mysteriöse Familienclan. Hier wird an christlicher, patriarchaler Metaphorik kaum gespart, das Tischgebet solle erst Avner, dann der Sohn und schließlich, weil beide scheitern, doch der Vater sprechen.
Das Ideal einer Famlie, die zwar überlegen an Information und Moral ist, aber nicht darin abgleitet, sich selbst die Hände schmutzig zu machen, das eines (möglicherweise auch drusischen Idealen folgenden) jüdischen Exils, einer überlegenen Schwäche, ist wahrscheinlich Spielbergs Ideal von einem Judentum, einer "positiven" Projektion der im Hintergrund sitzenden, aber aufgeklärten eigenen Zielen folgenden Strippenzieher.

Der Clan organisiert letztlich das, was man einen Dialog der Kulturen nennen könnte, in einem Versteck stolpern PLO-Terroristen über die jüdischen Agenten, die sich als RAF ausgeben. Im Gefolge der Verwirrung entsteht das,was die Welt so gerne hätte, eine subtile Zuneigung zwischen zwei rational argumentierenden Menschen, die beide nur unterschiedliche Interessen haben. Avners Gegenrede bleibt aber dünn, am Ende wird er am Tod des Gesprächspartners Teil haben und entsetzt über die Wirren des Schicksals sein.
In Newsweek meinte Spielberg dazu: "So viele Fundamentalisten in meiner eigenen Gemeinsschaft, der jüdischen Gemeinschaft, sind sehr böse, daß ich den Palästinensern erlaubt habe, einen Dialog zu führen und daß ich es Tony Kushner erlaubt habe, Autor dieses Dialoges zu sein."
Böse, böse Israelis, und nett, dass er Tony Kushner diesen Dialog "erlaubt".
"Einige Kritiker sehen einen Beweis für die israel-feindliche Ausrichtung des Films in dem Ko-Drehbuchautor Tony Kushner , der als ausgewiesener Anti-Zionist die Gründung Israels als Fehler bezeichnet hat. Die antizionistische Ausrichtung des Films wird laut Kritikern wie etwa Krauthammer auch darin deutlich, dass Avner und seine Familie Israel verlassen und in die USA übersiedeln, "an den einzigen Ort", wie Krauthammer ironisch bemerkt, "an dem echte Juden mit Anstand und Feingefühl eine Heimat finden"."

Sicher ist dem Film nach, dass Israel kein sicherer Hafen ist, dass der Mossad eine fiese, menschenverachtende Organisation ist, die ihre Agenten zu doppelten Spielen missbraucht und psychisch wie physisch verheizt. In den USA ist demnach auch nicht der Terror Avners Feind, sondern der Mossad. Hier brüllt er den Botschafter an, dass er "auspacken werde", was auch immer er an mysteriösen, kriminellen Zusammenhängen durchschaut haben mag, bleibt dunkel, der Zuschauer aber weiß: Da war mehr, als gezeigt wurde, der Mossad spielt falsch. Die dürre Argumentation des Rachefeldzuges kristallisiert in der erbärmlichsten Szene des Filmes, der Monolog Golda Meirs. Was real als Abschreckung, als Zerschlagung von Infrastruktur, als letzte bleibende Gerichtsbarkeit nach der Freilassung der Attentäter geplant wurde und war, reduziert Spielberg auf ein antisemitisches Ressentiment, es gehe den Israelis in allem nur um Rache, um "Auge um Auge, Zahn um Zahn". Dass die Militärschläge wie die Attentate weitaus mehr und anderen Inhalt haben, muss geleugnet werden in dem Wahn, durch rational choice Antisemitismus erklären zu wollen.
"Spielberg geht es in seinem Film folgerichtig nicht um die Schuld von Personen, es geht ihm um die Entlarvung der unmenschlichen und überdies inadäquaten Mechanismen einer „Auge um Auge …“-Philosophie, deren ständiger Teufelskreis durch das Bild der Twin Towers gegen Ende des Films illustriert wird."

So weiß es die deutsche Filmkritik besser, und ein "ständiger Teufelskreis" und eine inadäquate jüdische Philosophie sei das, was einen Frieden verhindere, und was demnach mit notwendigem Zwang zum 11.9. führe. Das Gift hat schon gewirkt.

Hintergrundinfo:
"Nachdem am 29. Oktober 1972 die sich in deutschem Gewahrsam befindlichen Gefangenen des Olympia-Attentats nach der Entführung eines deutschen Flugzeuges ohne Konsultation Israels erfolgreich freigepresst wurden, schickte Israel unter dem Decknamen „Operation Zorn Gottes“ ein Killerkommando auf den Weg, elf Hintermänner des Olympischen Attentates zur Strecke zu bringen."

tagesspiegel

Zmag
3.4.06 19:18


Poststrukturalismus und Genitalverstümmelung

Genitalverstümmelung und Witwenverbrennung (Sutee) seien Monstrositäten, mit denen der Westen sich selbst konstituiere, indem er sie bei anderen anklagend feststelle. So lautet das Credo der postkolonialen „subalternen“ FeministInnen vom Schlage einer Chakravorty Spivak. Der weiße Mann stelle sich schützend vor die schwarze Frau und leugne dadurch deren Handlungsfähigkeit. Schlimmer noch, er dämonisiere die Kultur der „Kolonisierten“ als „Anderes“, von dem sich abzugrenzen gelte.
 
Im Jargon versuchen solche reaktionäre Möchtegernrevolutionäre Kultur zur Angelegenheit derer zu machen, die sie „reproduzieren“, und in überwältigender Sinngebung faselt man von einem Akt der Selbstbestimmung, wenn sich Witwen in Indien selbst verbrennen. Auf solches menschenverachtendes Gefasel geltungssüchtiger Pseudowissenschaftlerinnen braucht man keinen Deut zu geben. Sie sind mit Positionen wie: „Frauen, nehmt den Männern den Koran weg“, oder „Mohammad war der größte Feminist aller Zeiten“ auf dem intellektuellen Müllhaufen der Geschichte einzusortieren. Als weißer Mann oder Frau die Frauen der Peripherie als sprachlose Objekte zu markieren ist in dieser Ideologie ein größeres Verbrechen, als solche Zustände hervorzubringen.
Zum selbst bestimmten weiblichen Akt verherrlichen solche "autochtonen" Pseudofeministinnen die Arbeit der Beschneiderinnen. Fakt ist, dass Frauen der Peripherie in der Regel sprachlos gemacht werden von erdrückenden patriarchalen Zuständen, um den „Eurozentrismus“ von feministischer wie universalistischer Theorie können sie sich zwangsläufig wenig kümmern.
 
Die Alphabetisierungsrate von Frauen bleibt in den meisten Ländern konstant niedrig. Schlimmer noch ist, dass Frauen systematisch verstümmelt werden. Die Methoden variieren, der Kern bleibt gleich: Bei der „Sunna“ wird dem Mädchen die Klitoris teilweise oder ganz entfernt. Bei der „Infibulation“ wird die Klitoris und die inneren Schamlippen entfernt. Dies wird häufig verschärft durch die „pharaonische Beschneidung“, bei der die äußeren Schamlippen nach der Entfernung der inneren Schamlippen vernäht werden, bis nur noch ein millimetergroßes Loch zur Urination und Menstruation verbleibt. Teilweise werden die Wunden mit Glasmehl eingerieben, um „verbleibende Reste“ nach und nach beim Gehen auszuschaben. Die Verstümmelung erfolgt ohne Betäubung und mit traditionellen Beschneidungsmessern, mit Rasierklingen oder auch mit Glasscherben. Das Alter variiert, traditionell wurde anscheinend häufig mit der ersten Menstruation verstümmelt, der Trend geht hier dazu, immer jünger, teilweise im Säuglingsalter zu verstümmeln, mit der Begründung, dass sich das Mädchen nicht so stark wehren könne. Der Preis sinkt daher mit dem Alter des Opfers. Weiter lässt sich eine Ausbreitung der „pharaonischen Beschneidung“ feststellen, die immer häufigerr vorgenommen wird anstelle der (in eingigen Quellen euphemistisch als "mild" bezeichnete) Sunna.
Begründung ist hier, dass die Frauen in sexualisierteren modernen Zeiten stärker „gezähmt“ werden müssten. "Beschneidungsfeste" werden trotz Verboten auch von Politikern als Wahlwerbung gesponsert. Verbote nützen in Staaten mit geringer politischer Infrastruktur wenig, teilweise wirkten sie sich sogar negativ aus dahingehend, dass mit schlechteren Werkzeugen heimlich operiert wurde und "Beschneidungsfeste" den Hauch von Widerständigkeit und kultureller Identität schufen. Die Folgen der Verstümmelung sind gänzlich andere als die bei der Jungenbeschneidung. Bei der Jungenbeschneidung kann abgewogen werden: Ca. 1/5 aller Jungen haben von Geburt an oder entwickeln später Vorhautverengungen (Phimose). Diese wird durch die Jungenbeschneidung verhindert. Ferner sind positive Effekte auf Infektionsresistenz festzustellen, die Eichel bleibt trocken. Negative Effekte sind Verletzungen im frühen Kindesalter, bei manchen eine verminderte Sensibilität der Eichel durch Hornhautbildung und Infektionen während der Beschneidung. In einigen afrikanischen Regionen wird auch die Jungenbeschneidung brutal und schmerzhaft vollzogen, indem die Vorhaut zunächst auf einen Speer gespießt und dann mit primitiven Werkzeugen entfernt wird. Die Folgen sind dennoch sehr viel weniger traumatisch, nach der Ausheilung kommt es nur selten und zu vergleichsweise geringfügigen Problemen. Das verstümmelte Mädchen verliert sehr wahrscheinlich seine sexuelle Empfindsamkeit im Genitalbereich, leidet meistens ein Leben lang unter den Schmerzen beim Urinieren, beim Menstruieren und Gebären, und zudem ist die Sterblichkeit während der Verstümmelung und bei der Geburt sehr hoch, die WHO schätzt, dass ca. 10 % der Betroffenen an akuten und ca. 25 % an langfristigen Komplikationen sterben. Wucherungen, Infektionen, schmerzhafte Vernarbungen sind häufige Begleiterscheinungen und führen manchmal zu Folgeoperationen.
Diese sind ohnehin vor dem Geschlechtsverkehr und vor wie teilweise nach der Geburt notwendig. Der Grund für die Beschneidung ist wie so oft Narzissmus der Mannes. Er sieht seine „Reinheit“ bedroht durch die Verführungskraft der Frau, entwickelt Angst vor einer „übermächtigen Sexualität“ und meint, diese zügeln zu müssen. Die Klitoris wird als das „Böse“, „Schlechte“ halluziniert und soll entfernt werden, um aus den latent vom Bösen besessenen Frauen gute Menschen zu machen. Widersprüchlich bleiben solche Argumente, da die Männer oft zum Vergnügen Frauen aus Gruppen besuchen, die nicht beschnitten sind. Hier ist die häusliche Reinheit wichtiger als die Bedrohung. Die eigene Frau wird zum Möbelstück degradiert, ihrer Sexualität beraubt, damit sie weder "sexuelle Herrschaft" über den Mann erlangt, noch mit einem anderen Mann Lust beim Sex empfindet.
Weitere Rationalisierungen sind „übler Geruch von unbeschnittenen Frauen“, „hygienische Gründe“ und „böse Geister“. Grund dürfte ein auf gesellschaftlicher Ebene gescheiterter Kastrationskomplex sein. Männer kastrieren Frauen real, um ihre Überwertigkeit zu verewigen und unzweifelhaft zu machen. Eine Anerkennung des weiblichen Genitals als vollwertig führt zu Deprivationsängsten, die nur unterdrückt werden können, wenn das weibliche Genital als „schlecht“ entfernt werden muss. Die daraus folgende Gleichwertigkeit ist keine echte, die Machtdemonstration wirkt und bleibt der Frau in gänzlich unpostmodernem, eher kafkaesken Sinne „in den Leib geschrieben“. Bei jeder Urination wird sie erniedrigt durch den Schmerz. Die Verbreitung der Genitalverstümmelung von Frauen ist breiter als die meisten vermuten würden. Täglich (!) werden rund 6 000 Mädchen an den Genitalien verstümmelt. Aktuelle Schätzungen sprechen von 3 Millionen pro Jahr. Zahlreiche afrikanische Staaten weisen Verstümmelungsquoten von 90 % auf, so in Ägypten, Äthiopien, Somalia, Eritrea und Gambia. Anscheinend gab es ähnliche „Rituale“ auch ausnahmsweise in Australien bei den Aborigines, und mit anderer Begründung ist FGM auch in Europa mindestens seit der Barockzeit bis in die 20iger Jahre des 20. Jahrhunderts durchgeführt worden. Hier wurde sie vor allem zur Behandlung der Masturbation, der Hysterie und anderer vermeintlich typisch weiblicher Störungen angewandt. Von den vier sunnitischen Rechtschulen (madhhab) befürworten zwei die Genitalbeschneidung an Frauen (Malikiten und Hanbaliten); die Schafiiten halten sie sogar für eine religiöse Pflicht. In Ländern mit schafiitischer Rechtsschule ist sie deshalb auch allgemein verbreitet. Die Hanafiten lehnen die Beschneidung von Frauen ab. [Quelle: Bosworth/van Donzel, The encyclopedia of Islam, S.20]
Beschneiderinnen erhalten oft die Möglichkeit, gegen hohes Honorar nach Europa oder Amerika zu fliegen und dort im Dutzend Mädchen zu verstümmeln. Dagegen gibt es kaum Engagement oder Aufklärung, oft werden die Mädchen auch in den Sommerferien in afrikanische Staaten geschickt und dort beschnitten.
 
Deprimierend ist die geringe Forschungslage, es gibt gerade einmal 4 halbwegs fundierte Bücher, ferner ca. 2 Dutzend (Sach-) Romane, die sich mit dem Thema befassen. Aufklärungsiniativen vermelden aber rasche Erfolge, offensichtlich bringt es mehr, wenn sich die Frauen vor Ort organisieren als Gesetze, die ohnehin nicht befolgt werden. Postmoderne feministische Initiativen aus dem autonomen Spektrum sind dagegen kaum aktiv, wenn es um den Sexismus in Afrika oder in islamischen Communities geht. Man hat sich auf das weiße, patriarchale, männliche, imperialistische, heteronormative Machtsubjekt eingeschossen, weiß zu jeder freizügigeren Plakatwerbung einen Edding oder aufkleber auszupacken und hysterische Aktionen gegen „Heterosexismus“ anzuleiern, wenn ein Mann in einer Diskussion „gute Frau“ sagt, dass aber Verstümmelung der ekelhaftesten Art, massivste Unterdrückung völlig personal vermittelt vor ihrer Nase ablaufen, wollen sie nicht wissen, denn das würde fordern, ihren bequemen Sprechort zu hinterfragen. Dankenswerterweise sind betroffene Frauen wie Waris Dirie, christliche und bürgerliche Initiativen weniger von solchen Skrupeln geplagt und engagieren sich gegen Genitalverstümmelung. Einige sind unten angegeben.
 
Quellen: Taz mag vom 25/26. März 2006.
„Can the subaltern speak“ von G. Chakravorty Spivak.
Terre des Femmes (Hg.): Schnitt in die Seele - Weibliche Genitalverstümmelung - eine fundamentale Menschenrechtsverletzung. Mabuse-Verl., Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-935964-28-5
4.4.06 14:30


Rambo als Kulturkritik

Die Rambo-Trilogie wird von je her als Ausdruck einer martialisch-lächerlichen amerikanischen Selbstherrlichkeit wahrgenommen. Eine solche Wahrnehmung fusst auf Ressentiment und mangelnder Sensibilität für das tatsächlich im Film meisterhaft enthaltene Epos auf den tragischen Helden. Rambo ist mehr einfühlsamer Realismus denn übersteigerter Kitsch, manieristische Darstellung eines Konflikts im Individuum, dessen allein individuelle Ausleuchtung um so mehr Rückschlüsse auf Gesellschaftliches ermöglicht.

Rambo ist der gescheiterte Kriegsheld, dessen Regeln eines ehrlichen Kampfes, eines moralischen Krieges dann am meisten erschüttert werden, wenn dieses rationalisierende und rationale Regelwerk verletzt wird durch das traumatisierende Erlebnis: Ein kleiner, vietnamnesischer Junge verübt auf seinen Kameraden ein Selbstmordattentat. Dass ein Kind mordet, oder auch ermordet wird, dass jemand sich selbst tötet, um andere zu töten, diese Vernichtungslogik, nicht die Gewalt des Kriegsalltags, führt bei Rambo zum Kriegstrauma, von dem er sich durch Rückzug aus der Gesellschaft schützen will. Es würde von ihm erfordern auch Kinder als Feind zu behandeln, dies widerspricht seinem Berufsethos. Rambo kennt Krieg als fatales, aber notwendiges, sinnvolles Mittel zum Zweck, er selbst ist darin besser aufgehoben als in einer monadisierten Gesellschaft, die nicht in der Lage ist, Probleme ohne Waffengewalt, ohne Autorität, ohne Menschen wie ihn zu lösen. Rambo lacht nie, er hat weder Spaß am Töten, noch an seinen Mitmenschen. Zutiefst ernsthaft und traurig stellt er das Spiel der Politik in Frage durch seine Verweigerung ebenso wie im Moment des Mitmachens. Für die Polizisten, die ihn in Rambo I aus seiner Rückzugshöhle ausräuchern wollen, hat er nur Verachtung übrig, sie sind als infantile Psychopathen gezeichnet, die Spaß an Kanonen und am Töten haben.

Rambo wird über die drei Trilogien unterschiedlich gezeichnet. In Rambo I ist er der traumatisierte Kriegsverlierer, der sich von der Gesellschaft zurückzieht und wegen zerrissenen Aussehens Probleme mit der Polizei bekommt. Selbst in der Zurückgezogenheit, verstärkt durch die Proteste von Hippies bei seiner Heldenehrung, bedrängt ihn Gesellschaft, sagt dem Individuum den Kampf an.

Die vollständige Kontrolle von Gesellschaft über Individuelles, über Widerständiges kann nicht einmal durch Rambos "heroisches" Einzelkämpfertum brechen: brennende Tankstellen, zahlreiche tote Angreifer reichen nicht aus, um Rambo den ersehnten Frieden, den er für sich selbst möchte, zurückzuerlangen. Totalitäre Gesellschaft kann nicht durch Gewalt des Einzelnen überwunden, lediglich aufgehalten werden, seine Mission ist von Anfang an verloren. Der Soldat Rambo muss Bürger Rambo in einer bürgerlichen Gesellschaft sein und sich deren Gesetze unterwerfen. Sein ehemaliger Colonel, väterliche Autorität, schafft endlich über den psychologischen Zugang zum Subjekt, was die waffenstarrende Polizei nicht schaffte, er vermittelt gesellschaftliche Gesetzmäßigkeiten dem aufbegehrenden Sohn, ein klassisch bürgerliches Familienbild. Der Vater/Colonel ist integriert, wenngleich in dieser Integration ebenso monadisiert wie Rambo selbst, auch er kann sich dem naiven Denken der Vorstadtpolizisten nicht entgegenstemmen. Der Kampf der Ideologien (nicht der realen materiellen Klassen) ist auch einer des aufgeklärten, rationalistischen, welt- und damit kriegserfahrenen Bürgertums gegen die kleinbürgerliche Ideologie der in lokalen Zusammenhängen mit allen Neurosen ausgestatteten Polizisten. Rambo und Colonel sind sich über Folgen und Ursachen von Gewalt sehr wohl im Klaren, während bei den Polizisten Gewalt als willfähriges Mittel zum Zweck stets auch in sexueller Triebbefriedigung ihren Ursprung hat.

Rambo vertritt nur wenn nötig mit aller Gewalt sein aus eigener Vernunft geschaffenes Recht, damit gerät er notwendig in Widerspruch zu denen, die das Recht nicht auf Vernunft gründen sondern auf das Tauschprinzip. Rambo hat nichts zu erwarten von einer Gesellschaft, die ihn benutzt und geschaffen, dafür aber nichts als Hohn und Spott anzubieten hat. Hier funktioniert kein Äquivalententausch, der Staat ist Betrug am Individuum. Rambo hat das trotz oder wegen seiner Naivität durchschaut und sagt sich davon los. Die Gesellschaft verlangt mehr von ihm, als er zu geben bereit ist, sie will vollständige Aufgabe seiner Individualität und bedrängt ihn selbst dann noch, wenn er am schwächsten ist. Erst das Auftreten des Vater/Colonels vermag den Betrug der Gesellschaft durch ebenso militärisch geforderte wie homoerotisch-subjektiv emotional begründete Solidarität auszugleichen.
Rambo bricht in Tränen aus, klagt sein Leid dem Vater/Colonel und fügt sich dann gebrochen in Reih und Glied der bürgerlichen Gesellschaft. Rambo ist gerade nicht der männliche Gewaltmensch, zu dem er hochstilisiert wird, sondern das verletzliche Individuum, das Gewalt stets berechnend und rational anwendet.

Kaum hat er sich der Strafe unterworfen wird er erneut auf eine Mission geschickt, bei der er hintergangen und gefoltert wird. Das Bild des Vietcong in Rambo II mag vorurteilsgeprägt und propagandistisch sein, rassistisch ist es nicht. Es zeigt das ganz normale Grauen des Krieges, das auf beiden Seiten der Linien dargestellt wird, in der Folterung der Gefangenen zugunsten des Kollektivs bei den Vietcong und im brutalen Ausnutzen und Verrat in purem Eigeninteresse bei den Amerikanern. Rambo steht dabei zwischen den Fronten, er vertritt einen neuen Kriegertyp, eben nicht ein mittelalterliches Kriegerethos, sondern den solidarischen, aber gewaltbereiten und nie fanatischen Soldat, gegen den die Abwertung des Individuellen auf der Seite der Vietcong steht, und auf der anderen Seite die Perversion des Individuellen innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft, die Möglichkeit zum Umschlag in personal vermittelte Macht, der Rückfall in die Intrige der Feudalherrschaft ihre Entsprechung findet. Die Vietcong werden als Feinde gezeichnet, das mag man kritisieren, die bürgerliche Gesellschaft kommt dabei aber kaum besser weg. Das Kriegerethos mag trügerisch idealisiert sein, das steht hier kaum zur Debatte. Wichtig ist die konzeptionale Differenz zu ziehen zwischem faschistischem Übermenschideal und Rambo.
Rambo ist in Rambo I ein Antijesus, er ist nicht bereit zu leiden, einzustecken und nichts dafür zurückzuerhalten. Das bürgerliche Glücksversprechen wird nicht eingelöst, das gereicht ihm zum Anlass, sich davon zu verabschieden in fragwürdigen aber konsequenten Individualanarchismus. In Rambo II ist die Analogie zur christlichen Symbolik in der Folterszene deutlich, Rambo ist allerdings kein Jesus, der leidet um zu leiden, sondern er ist bereit Schmerz zu ertragen, um damit auf Erden schon einigen wenigen ein besseres Leben zu ermöglichen.

Rambo III stellt sich der Suche nach einer Gesellschaftsform, in der Rambo leben kann. Den Vietcong wurde schon im zweiten Teil eine Absage erteilt, die Partizipation mit Stalinisten ist im dritten Teil so ausgeschlossen, dass diese Frage nicht einmal gestellt wird. Die faschistoide Verkehrung des Kommunismus unter dessen Namen ist so offensichtlich falsch, dass Rambo ohne zu zögern hier den Feind erkennen kann. Das spannende Spiel, wem Rambo sich anschließt, findet zwischen den völkischen Mudschaheddin und der amerikanischen Gesellschaft statt. Rambo findet auf dem Weg zu seinem Missionsziel, den Vater des Colonel zu befreien, also in gewisser Hinsicht seinen Großvater, Unterstützung in den fanatischen Kriegerhaufen der Islamisten. Hier vermag er zwar individuelle Zuneigung zu einem Kind zu erwecken, der Vaterrolle kann er aber nur durch Versagen dieser Zuneigung gerecht werden. Der Austausch bleibt ein symbolischer, als Vorbild kann er dienen, kaum jedoch als Vermittler von für ihn selbst fragwürdigen gesellschaftlichen Gesetzen. Für den Wunsch der Islamisten im Krieg zu sterben um ins Paradies zu gelangen hat er nur Verachtung übrig. Die Integration Rambos bei den völkischen Islamisten ist eine scheinbare, er spielt deren Spiele mit, unterhält sich mit ihnen, bleibt aber auf genau der Distanz, die auch die inhaltliche zwischen seinen Idealen und denen der Gastgeber ist. Nach dem militärischen Sieg, einen anderen kann es nicht geben, über die faschistoiden Sowjets verabschiedet er sich höflich aber bestimmt von den Mudschaheddin und fährt im amerikanischen Jeep davon.
Offen bleibt hier, ob er in das buddhistische Kloster zurückkehrt, aus dem in der Colonel am Anfang des dritten Teils holt, oder ob nun die Rückkehr in die bürgerliche Gesellschaft ansteht.

Oft kritisiert wird, dass in Rambo keine oder kaum Frauen zu Wort kommen. Erholsam ist dies, weil die Verlagerung eines gesellschaftlichen Problems in den individuellen Bereich, die Ursache der Widersprüche als bloß gescheiterte Mutterbeziehung, die Aufhebung aller Probleme in einer kitschigen Liebesbeziehung, nicht stattfindet. Rambo könnte ebensogut schwul wie Witwer sein, für das Problem mit der Gesellschaft ist dies wenig von Belang. Individuelle sexuelle Frustration muss hier nicht als Erklärung für gesellschaftliche Gewalt herhalten, ebenso wie eine Liebesbeziehung keine ist, die diese lösen könnte.

Zusammenhänge und Interpretationen, die hier nur dürftig und stellenweise betont euphemistisch entfaltet werden konnten, mögen einer Drehbuchlektüre und den wahren Intentionen des Regisseurs widersprechen. Sie sollen aber lediglich aufzeigen, dass in einem pauschal als propagandistische Kulturindustrie abgehandelten Werk sich eventuell einiges an Reflexion über Gesellschaftsformen verbirgt, dass Rambo nicht nur ein lustiger Ballerstreifen ist. Im Gegenteil, er ist dies weitaus weniger als Bruce Willis und Arnold Schwarzeneggers langweilige Heldensagas.
Er verherrlicht Gewalt nicht, sondern stellt die Frage nach der Gewalt von ihrem Beginn an, vom Konflikt zwischen Individuum und Gesellschaft und eben nicht vom Konflikt zwischen zwei Individuen, die um etwas streiten. Letzteres wäre banale Ontologisierung von gesellschaftlichen Konflikten, die Frage nach dem Einzelnen in der Totalität stellt sich dabei nicht.
Dass dabei narzisstische Ideale, die Unverwundbarkeit, die totalen Kontrolle der Gewalt durch den Übermensch Rambo angesprochen werden könnte, liegt eher in der Bereitschaft der Zuschauer, sich damit zu identifizieren, als in der tatsächlichen Absicht des Films, der mit solchen Formen spielt, sich aber nie darauf festlegt, im Gegenteil sehr feinsinnig Verletzlichkeit und Menschlichkeit des Antihelden Rambo zeigt.
Es bleibt, für eine erneute, ernsthafte, kritische Filmlektüre der Trilogie einzutreten.
6.4.06 13:10


Antisemiten vom Muslim-Markt

Israelboykotte sind en vogue, ob Judith Butler, schwedische Botschafter oder Antisemiten vom Muslim-Markt, alle haben die gleichen Argumente. Na gut, letzter Satz stimmt nicht, Muslim-Markt hat die besten Argumente, warum islamische Nazis nicht bei Juden kaufen sollen. Zunächst aber das lustigste:

"Produkte, die ohnehin für Muslime verboten sind, wie z.B. Alkohol, Schweinefleisch, unzüchtige Magazine, Videos usw. und deren Hersteller, werden nicht gesondert erwähnt, da in diesen Fällen die Ablehnung zeitlos ist und daher nie aufgehoben werden kann."

Vorstadtpuritaner, die im Internet Propaganda schalten, sollen auf einmal die archaische Erfindung Video ablehnen? Ok, denkt sich der gewitzte Moslem, kaufe ich mir halt ne DVD, mit ordentlich Halal-Pornos drauf. Der weniger gewitzte Muslim lädt sich trotzdem auf dem islamischen Downloadbereich lustige Koranvideospiele herunter.

Weiter im Text,
Zitat Muslim-Markt :

""Israel" ist ein Pseudostaat, der auf geraubten und enteignetem Boden aufgebaut ist. Die Flüchtlinge dürfen auch 50 Jahre nach ihrer brutalen Vertreibung nicht in ihre Heimat zurück. Gleichzeitig übersät "Israel" die gesamte Region mit Terror und Schrecken. Die Palästinenser dürfen bis heute nur ein minderwertiges Dasein von zionistischen Gnaden fristen. Die Heiligen Stätten der Muslime werden immer wieder geschändet und die Schänder von den Zionisten gefeiert. "

Es fällt Antisemiten vom Muslimmarkt immer noch schwer, Israel anzuerkennen, merkwürdig, dass ein "Pseudostaat" wie Israel sehr viel besser funktioniert, als alle arabischen Despotien zusammen. Die Verkehrung ist seit je das Mittel der Antisemiten, kein Vorwurf ist lächerlich genug, um paranoiden Antisemiten vom Muslimmarkt nicht glaubhaft zu werden. Von geschändeten heiligen Stätten hat man zuletzt im Gazastreifen gehört, als dort der palästinensische Mob auf den brennenden Synagogen tanzte. Terror und Schrecken herrschen an Palästinas Universitäten und werden von Hamas und Co. verbreitet. Seis drum, der Antisemit kennt keine Wahrheit, schon gar nicht, wenn sie vom
Propheten kommt.

"Wer mehr zu den Gründen lesen möchte, warum wir jegliche "israelische" Waren ablehnen, der schaue unter "Palästina-Spezial". Es wird immer wieder ausdrücklich darauf hingewiesen, dass sich dieser Boykott nicht gegen die Religion des Judentums und ihrer Anhänger richtet sondern gegen das Apartheimsregime von "Israel" und dessen Unterstützter, die mitverantwortlich an der Unterdrückung sind."

Also doch das Judentum. Großzügig wie Antisemiten vom Muslimmarkt sind, lassen sie die Norman Finkelstein und zwei drei weitere antizonistische Juden leben.

"Fälschlicherweise wird zudem manchmal angenommen, dass es einen vergleichbaren Boykott staatlicherseits gar nicht gäbe und Muslime in dieser Hinsicht eine "extreme" Position einnehmen würden. Diese Annahme ist falsch! In der gesamten EU gilt eine Einfuhrbeschränkung für Güter, die "Israel" in den besetzten Gebieten hergestellt hat. Die Zollfreiheit bzw. Zollbegünstigung wird auf diese Waren nicht angewandt. Hingegen werden Produkte aus dem als "Israel" anerkannten Gebieten zollfrei in die EU eingeführt. Allerdings wird nicht einmal dieser Miniaturboykott von den Medien so gerne betont! "

Oha, islamische Nazis sind sich also mit der EU einig. Doch wie immer funkt die "jüdisch unterwanderte Presse" wie schon zu Adolfs Zeiten dazwischen. Da könnte man glatt in die Luft gehen, so als Antisemit vom Muslimmarkt...

"Nicht zuletzt wird darauf hingewiesen, dass im Internet ein halbes Jahrhundert nach den Verbrechen des Nazi-Regimes noch heute Listen aufgestellt werden mit Firmen, die damals die Verbrechen gestützt haben sollen. Wir wollen die Verbrechen unserer Zeit und deren Ächtung nicht unseren Enkeln überlassen!"

Ja, genau und deshalb wollen Antisemiten vom Muslimmarkt die antifaschistische Front gegen israelische Nazis zu bilden. Muslimmarkt, RAF, schwedische Außenminister, Adolf Hitler, wer erkennt schon den Unterschied.

"Bestimmte Mächte versuchen die gesamte islamische Widerstandsbewegung der Muslime gegen Unrecht auf Erden in das Feuer der globalen Zerstörung zu werfen. Die palästinensischen Geschwister verbrennen schon in den dafür angezündeten Fackeln. Das Volk im Irak, verhungert, das Volk in Afghanistan auch, das Volk im Sudan verhungert, die Völker in Pakistan, Bosnien werden unterdrückt, die gesamte arabische Welt brennt im Feuer von westlich gestützten Despoten, der Iran ist im Visier US-Amerikanischer Weltherrschaftspläne usw. usw. usw..... und alle westlichen Länder zündeln mehr oder weniger mit."

"Bestimme Mächte" sind von je her im antisemitischen Vokabular "Die Juden". Eine Apokalypse, ein "Holokaust" an braven Muslimen, entfacht von Zionisten und US-amerikanischer Weltherrscher, so malt sich ein Nazi vom Muslimmarkt die Weltpolitik seinem Wahn entsprechend zurecht. Islamische Terroristen, Vergewaltiger, Völkermörder werden schwupps zu unterdrückten Völkern. Psychiatrie könnte bei solcher schizophrener Paranoia helfen, leider sinds zu viele.

Für einen Spezialboykott müssen dann noch ein paar Fatwas her, mal angenommen ein Moslem könnte tatsächlich an den Worten eines Antisemiten vom Muslimmarkts zweifeln...

Unter diesen Spezialboykott fallen Produkte wie:

"Alle Kleidungsstücke, auf denen US-Amerikanische Sportunternehmen wie z.B. Chicago Bulls oder ähnliches aufgedruckt sind, Muslime sind keine Werbeflächen für Sportler, die sich für Bullen halten."

No comment. Der Anti-Raucher-Muslim hält sich ebenso an diese Weisungen wie er kein Antisemit sein will:

"Wer immer sämtliche Völkerrechtsverbrechen Israels mit dem Judentum zu rechtfertigen sucht oder darauf bezieht, ist offensichtlich ein Antisemit und muss geächtet werden."

Komisch, da dachte man immer, die Massaker im Sudan, die Enthauptung von Ungläubigen, die Ermordunge von Frauen würden im Namen Allahs vonstatten gehen und als Muslim hätte man sich darum Sorgen zu machen. Aus einer Polizeiaktion wird so ein Genozid, und aus dem Vernichtungswahn palästinensischer Freischärler Humanismus und Befreiungskampf.

"Wer immer behauptet, das Judentum sei keine Religion und auch ein Atheist können Jude sein, hat offensichtlich ein rassistisches Gedankengut und ist damit offensichtlich selbst ein Antisemit, und muss geächtet werden."

Klar, wer Jude ist bestimmt der Antisemit. Das "Muslim-Markt-Team" weiß aber auch, wer Antisemit ist:

"Antisemitismus bedeutet Unmenschlichkeit, aber der Missbrauch des Antisemitismusvorwurfs, um Verbrechen zu schützen, ist mindestens genau so unmenschlich!"

Der Vorwurf gerät gleich der Vernichtungspraxis von Nazis und islamischen Antisemiten.

"Das Judentum ist eine Religion. Der Zionismus ist eine politische Ideologie, der sicher nicht alle Juden folgen, aber auch Anhänger anderer Religionen angehören können!
Israel ist ein Apartheidstaat ohne Verfassung! Der Zionismus ist die Basis dieser Apartheid. Dabei sind sowohl Juden als auch Nichtjuden Vollstrecker jener Apartheid sowohl in der israelischen Armee als auch in anderen Positionen. Weltweit sind sowohl Juden als auch Nichtjuden in die Völkerrechtsverbrechen Israels verstrickt. Gleichzeitig gibt es weltweit (auch in Israel) viele Menschen jüdischen Glaubens, die sich sehr deutlich gegen jene Verbrechen stellen und der Apartheidstaat ablehnen und im Rahmen ihrer Möglichkeiten bekämpfen!"

So schlau ist man schon. Ein Antisemitischer Aufruf gegen Antisemitismus , sowas wäre zum Lachen, wenn es nicht genau dem Wahn entsprechen würde, dem Krautrockhumanisten und NGOs genauso anhängen wie schwedische Botschafter, Judith Butler, Noam Chomsky und Islamofaschisten.

Die Frage ist, warum die GWG mit gerichtlichen Klagen wegen einer Karikatur zu rechnen hat, warum alle Naselang Menschen verklagt werden, weil sie Antisemiten als Antisemiten beschimpfen, warum aber jeder Depp Israel des Völkermordes bezichtigen, und mit Nazis vergleichen darf. Antworten dürfen im Kommentarbereich abgegeben werden.
7.4.06 13:09


Das Märchen vom lieben Onkel Saddam

„Saddam Husseins letztes Gefecht? Der lange Weg in den III. Golfkrieg.“ Hrg. von Thomas von der Osten-Sacken und Arras Fatah. Erschienen bei konkret Verlag Hamburg, 283 Seiten.
ISBN 4398017214807.

Der Irak ist in der Wahrnehmung von LinksakademikerInnen, AntiimperialistInnen und Friedensbewegten Ort allen utopischen Wunschdenkens. In diesem Wunschdenken hat die Zivilgesellschaft einen klaren Begriff von der Tyrannei, die Tyrannen sind vernünftige Menschen, die mit etwas interkulturellem Dialog von Gräueltaten absehen und je ärmer die Menschen werden, desto mehr begehren sie den Sturz des Tyrannen.

Kurz vor dem 3. Golfkrieg erschien beim Konkret Verlag ein Buch, das auch und erst recht nach dem Irakkrieg, der diesem heimeligem kollektiven Raunen von Frieden und Dialog eine schmerzhafte Zäsur verpasste, lesenswert ist, weil es sich eben nicht einreiht in die ubiquitären islamwissenschaftlichen Artikel feullietonistischer Couleur.
Gegen gewohntes Denken drängen die 12 Autoren in 13 Artikeln dagegen an, dass das Baath-Regime durch bloßes Zusehen und modifizierte Embargopolitik zu verändern oder gar zu stürzen sei. Hilfe von außen müsse angesichts der aggressiven Politik Saddam Husseins eine militärische sein, eine Verweigerung bedeute Unterstützung für weiteres Morden einer völlig enthemmten Oligarchie.

Kanan Makiya umreißt in seinem Geleitwort den Wandel im Irak seit dem 2. Golfkrieg und dessen Vorbedingungen. Die Stabilität des baathistischen Terrorregimes sei erst durch den Golfkrieg in eine ernste Krise geraten und eine widerständige Bewegung so stark geworden, dass sie eine ernsthafte Bedrohung für das Regime darstellte. Lediglich das Ausbleiben der Besetzung des Landes habe letztlich zum Wiedererstarken des Regimes geführt.
Peter Slugger stellt die jüngere Geschichte des Iraks kurz und präzise vor und kommt zu dem Ergebnis, dass die Statik des Regimes auf Massenmord fusst, mit dem jedwedes revolutionäres Handeln der Bevölkerung von je her unterbunden wurde. Die Gestaltung eines post-baathistischen Staates sieht er in einem dezentralen Föderalismus mit dem der Panarabismus Husseins konkurriert.
Arras Fatah untersucht diesen postkolonialen Nationalismus und dessen Gestaltung durch die Baath-Partei. Für ihn ist der Baathismus „kein Übergang zwischen Tradition und Moderne, sondern ein Produkt der Moderne Selbst und eine spezifische Form ihrer Totalität.
Thomas Uwer analysiert die antiimperialistische Rhetorik und kommt zu dem Schluss, dass Krisen im ba’thistischen Staat Irak durch die spezifische Verfasstheit des Regimes stets in Massenmord und Terror umschlagen müssen.
Wie dieser Terror bis dato im allgemeinen aussah und gegen wen er sich richtete versucht er gemeinsam mit Thomas von der Osten Sacken darzustellen.

Khaled Salih liefert eine umfassende, aber knappe Schilderung der Anfal-Operation, während der die Ba’thisten schätzungsweise 100 000 Menschen im Nordirak systematisch ermordeten und die gesamte Infrastruktur zerschlugen. Die Hintergründe der Anfal-Operation und die Rückschlüsse auf das System erhellt Bachtiar Mohamed anhand der Symbolik der Mittel.
Die Entwässerung der Marschen im Südirak und die damit einhergehende Ermordung und Vertreibung der Marsch-Araber zeichnet Thomas von Osten-Sacken in knappen Daten nach.
Isam al-Khafaji legt den Vergleich zwischen dem Irak und Preußen nahe. Die Embargopolitik lehnt er nach umfassender Darstellung der Sachverhalte ab.

Die diplomatischen, ökonomischen und militärischen Interessen an einem ba’thistischen Irak hat Jörn Schulz recherchiert. Ofra Bengio stellt Vermutungen über eine Nachkriegsordnung an: Sezessionismus sei kaum zu befürchten. Den „Deutschen Exportweltmeister als Todeshändler“ entlarvt Hans Branscheidt. Er recherchiert Verknüpfungen und Parteinahme der deutschen Waffenhandelstreibenden und der Bundesregierung.
Dass das kurdische „Autonomiegebiet“ lediglich eingerichtet wurde, um sich eines Flüchtlingsproblems zu entledigen behaupten Thomas Uwer und Thomas von Osten-Sacken.
Wie das alles der deutschen Friedensbewegung aber nicht zur Abscheu vor dem Regime gereichte, sondern zu heftiger Unterstützung gegen jegliche militärische Aggression und teilweise sogar in Verklärung Saddam Husseins als antiimperialistischem Held mündete schildert zuletzt Andrea Woeldike.

Den Abschluss dieses rundum kritischen, vielseitigen, gelungenen und aufgrund der detaillierten Analyse auch visionären Buches bildet eine Zeittafel der wichtigsten Ereignisse des Irak.
Zu bemängeln bliebe ein in wenigen Anschnitten positivistisch anmutender Materialismus.
Auch nach dem Irakkrieg dient das Buch noch ausgezeichnet zum Verständnis des derzeitigen desolaten Zustandes über ein Verständnis der vorangegangenen Zerstörungen, ferner ermöglicht es einen intimen Blick in die Paradoxien des naiv-pazifistischen Verständnisses vom Ba’thistischen Regime, dem hier entschieden widersprochen wird.
Das Buch ist beim konkret Verlag und im Buchhandel für 14,80 € erhältlich.
9.4.06 14:06


Körperstrafe von Oppas Gnaden

Was passiert, wenn traditionelle Strukturen wiedererweckt werden, und eine Gerontokratie ihre verdrängten sexuellen Wünsche mal eben an harmlosen Dieben ausagiert, sieht man derzeit in Gutemala:

Guatemala-Stadt - Nach einem versuchten Diebstahl sind vier junge Männer in Guatemala nach traditionellem Maya-Recht verurteilt worden: Die Bewohner des Dorfs Barreneche, 65 Kilometer westlich von Guatemala-Stadt, erhielten am Montag jeweils 13 Peitschenhiebe. Danach wurden sie gezwungen, 400 Meter auf den Knien zurückzulegen.

Die Vollstreckung der Strafe wurde nach Polizeiangaben von 1.000 Menschen beobachtet, darunter auch Bewohner der Nachbargemeinden La Esperanza und La Concordia. Die vier Männer im Alter von 18 und 20 Jahren wurden ertappt, wie sie vor dem Morgengrauen in die Dorfschule einzudringen versuchten. Sie sollen geplant haben, die Computer der Schule zu stehlen. Die Strafe, zu der auch noch sieben Tage Gemeinschaftsdienste gehören, wurde von den Ältesten der Maya-Gemeinschaft ausgesprochen.

Quelle

Anstatt nach fast einem halben Jahrhundert Bürgerkrieg, Folter und Diktatur mit 200 000 Toten und 1 Million Flüchtlingen endlich mal die Chance zu nutzen und zu zivilisatorischen Verhaltensweisen überzugehen, verfällt man auf Indigenismus und Volksgerichte.
1000 glotzende Schaulustige zeigen deutlich, dass solcherlei barbarische Demonstrationen auf wenig Widerstand stoßen.

wikipedia zu Guatemala
17.4.06 19:37


Klaus Holz versus the ugly Antigermans


“Diese so genannten Antideutschen erklären sich die Welt aus einem einzigen Axiom. Sie sind deshalb zum Beispiel für die Bush Regierung, halten jede Kritik der israelischen Besatzungspolitik für antisemitisch und feiern den Irakkrieg als Feldzug gegen die islamische Judenfeindschaft. Sie bieten eine einfache Weltsicht, die nicht zur Kritik, sondern zur Identifikation einlädt.“
(Klaus Holz in „Besser streiten“, taz vom 6.4.2006, alle Zitate unten ebenda)

Selbstverständlich darf ein seriöser Forscher wie Klaus Holz auch mal verallgemeinern und wenns nix nutzt auch dreist daher lügen. Schließlich wurde ihm „eine der schlimmsten Beleidigungen, die man jemandem zufügen kann“ zuteil, nämlich die, ein Antisemit zu sein. Und wer braucht schon Analysen vom Schlage eines Gerhard Scheit, eines Manfred Dahlmann, eines Clemens Nachtmann, eines Thomas von der Osten Sacken, deren Kritik zwangsläufig dazu führt, den Irakkrieg auch als Feldzug gegen die Unterstützung palästinensischer Selbstmordattentäter durch Saddam Hussein zu „feiern“.

Ein einziges Axiom sei das, was der unbedarfte Geist Klaus Holz allein an dem zu entdecken weiß, was er nicht versteht, weil er nicht verstehen will. Dass Antisemitismus keine ganz, ganz schlimme Beleidigung für einen ehrenwerten Wissenschaftler ist, sondern eine mörderische Gefahr für alle Juden und der Feind des Menschlichen überhaupt, und in gewisser Weise eine Fetischisierung, die das vermeintliche Bollwerk, das Klaus Holz durch großartige „wissenschaftliche Mindeststandards“ errichtet wähnt, mit Leichtigkeit zu durchdringen vermag. Pathische Projektion, ein Meister aus Deutschland, bricht sich in Wendungen wie „instrumentalisieren“, „in der Linken Schaden anrichten“, „desavouieren“, „Denunziation“ und „Verleumdung“ Bahn.

Klaus Holz, immerhin „Antisemitismusforscher“, hat davon so wenig verstanden, wie er das Vokabular verwendet, das jedem, der sich ernsthaft mit Antisemitismus befasst, alle Alarmglocken schrillen lassen müsste, weil es exakt das Vokabular ist, mit dem Antisemiten von links bis recht bis islamistisch um sich schlagen.
Selbst ohne Lars Rensmanns inkriminierte Arbeit gelesen zu haben, merkt man sofort, welcher Geist da aus Klaus Holz zum Platz an der Sonne drängt. Wer „Bush-Regierung“ sagt, statt zu bemerken, dass es die der USA ist, will sich nicht eingestehen, dass in den USA auch unter Demokraten common sense ist, den Krieg gegen den Terror so lange weiter zu führen, wie der Terror Krieg gegen die USA und die Juden führt. Ob ein Satz wie „Damit werden Palästinenser zum Sündenbock [...] Die Rechte der Palästinenser werden für diese eigenwillige deutsche Vergangenheitsbewältigung geopfert“ von Ahmadinedschads neuesten Gerülpse stammt oder aus der Feder eines „Antisemitismusforschers“ wie Klaus Holz könnte dieser wohl selbst nicht unterscheiden.

Stolz führt er solche Bilderbuchpropaganda aber als „korrekte“ ausführliche Version für die knappere Zusammenfassung Rensmanns an.
Die Palästinenser als heutige Opfer der Juden wahrzunehmen bedarf schon der pathischen Projektion, die sich Realität solange umschleift, bis sie in die eigene Wahnvorstellung passt. Im Einzelfall mag dies stimmen, solange aber Terror und Antisemtismus von palästinensischem Boden ausgehen, ist es nur legitim, wenn auf diesem Boden dagegen Krieg geführt wird. Eine solche Legitimierung von Krieg mit all seinen stets auftretenden Begleiterscheinungen wie psychopathologisches Verhalten von Soldaten, Bürokratisierung, Opferung individueller Rechte ist für Klaus Holz undenkbar, weil er das nicht sehen kann, was diesen Krieg als das kleinere Übel erscheinen lässt, nämlich die Vernichtung des Staates Israel, und damit der Lebensversicherung für alle lebenden Juden, durch den Antisemitismus, Kassam für Kassam, Selbstmordattentat für Selbstmordattentat.

Der aufgeregte Ton, mit dem Klaus Holz die „Antideutschen“ in ihre Schranken zu verweisen wähnt, zeugt nur davon, dass er mit einer tiefer gehenden Kritik am Antisemitismus, als er sie bislang gewohnt war, nicht umzugehen weiß und sie nach Kräften ignoriert. Antideutsche seien auf „drittklassigen Internetportalen“ anzutreffen, und schlimmer noch, „von irgendwelchen wissenschaftlichen Arbeiten, die diesen [„besonders kruden Antideutschen“] zu einem Repräsentanten der Antisemitismusforschung qualifiziert ist nichts bekannt.“
Er hätte besser hinzufügen sollen, dass ihm nicht dergleichen bekannt ist. Ferner, dass mit der Kritik der Antideutschen am Antisemitismus der Palästinenser und mit der Zustimmung zur negativen Konsequenz daraus, nämlich Gewalt, eine überwältigende Mehrzahl der Israelis übereinstimmt.

Klaus Holz fühlt sich letztlich in seinem Luftschloss unter lauter hochrangigen, „qualifizierten“ Antisemitismusforschern so sicher, dass er meint, einen besonders geschickten Schachzug einzuschlagen, wenn er eine höhere Autorität zur Schlichtung des Streites einberuft. Wer Antisemit sei, solle die „DFG“ bestimmen. Nicht der Zentralrat der Juden, nicht die Botschafter Israels, nicht die zahlreichen israelischen und amerikanischen Antisemitismusforscher, nein, ausgerechnet von der „Deutschen Forschungsgesellschaft“ soll der Blankoschein erteilt werden, Unsinn und sträflichen Leichtsinn unter dem Label Antisemitismusforschung zu verzapfen. Anstatt also den Antisemitismus ernst zu nehmen und die eigenen Aussagen einmal gründlichst zu hinterfragen, mit anderen Meinungen, insbesondere antideutschen und israelischen abzugleichen, und dann möglicherweise zu einer berechtigten Kritik zu schreiten, ruft man im gewohnten deutschen Gestus eine höhere Instanz an, am besten doch gleich den Kaiser, damit eine „Richtlinie“ geschaffen werde, ein bürokratisches Regelwerk, das entscheide, was legitim sei in der Diskussion um Antisemitismus.

Solcherlei institutionalisierte Hofantisemitismusforscher mit ihrem grauenhaften Bescheidwissen, das um so erbärmlicher wird, je blanker es selbst sich in antisemitische Projektionen verstrickt und ausgerechnet deutsche Institutionen für tauglich hält, kritisch zu urteilen, sind keine, sondern an ihnen kann der Antisemitismus in all seiner Penetranz erforscht werden. Das erste, was von einem Verständnis des Antisemitismus zeugt ist das tiefste Misstrauen der eigenen Meinung gegenüber und Meinung überhaupt.
Micha Brumlik ist ungeachtet möglicher Formfehler zu danken für seine Kritik in der ansonsten sehr gerne auch mal antizionistischen taz. Lars Rensmann ist es ungeachtet möglicher Fehler in seiner Dissertation zu danken, dass seine Arbeit Klaus Holz zur Selbstdenunziation seines Denkens trieb.
20.4.06 00:00


Comedy als intellektuelles Totalversagen

Genau ins Schwarze trifft das Urteil zu den Auswüchsen der Comedy-Industrie auf dem Blog
lizas welt
in dem Beitrag:
konformismus als kunst

Danke dafür!

Siehe zum Thema auch: Comedy bis alles in Scherben fällt
25.4.06 13:50


Friedensachse Berlin-Wien-Teheran und warum die Deutschen Ahmadinedschad so gern haben....



Ahmadinedschad sei ein diplomatischer Trampel, ein Barbar, ein einfacher Bauerntölpel, der nicht wisse, was er tue und sage und den die Realpolitik schon zurechtschleifen werde. Tönten zumindest Orientinstitute wie Feullietonisten nach den ersten Drohungen Ahmadinedschads, Israel auszulöschen.

In seiner jüngsten Rede ist Ahmadinedschad aber nicht der Stereotyp der die Beherrschung verlierenden, in der Ethnologie als "Big man" bekannten Führerfigur, die den Wutausbruch a la Hitler oder Cruschtschow kultivierten und dies nicht als unwürdige Entgleisung sondern als identifikationsfähiges Verhalten fungierte, sondern er ist betont lässig, einer Pressekonferenz mit Dutzenden Mikrophonen angemessen, in einem eher intellektuellen Gestus jongliert er mit rhetorischen Fragen und treuherzigem Augenaufschlag.

Ahmadinedschad ist vor allem ein genialer Propagandist, der sehr genau weiß, was er wem und wann sagt. Nicht von Priestertrug soll hier die Rede sein, sondern davon, dass Ahmadinedschad die Spielregeln eines Antisemitismus ohne Antisemiten (Claußen) perfekt beherrscht und damit sich in Deutschland als äußerst anschlussfähig erweisen dürfte.

Alle folgenden Zitate sind aus dem Memrinewsletter vom 28. April 2006, der Übersetzung von Ahmadinedschads Rede:

„Ein Modell für alle Völker“

„Die Kultur des Krieges ist die Kultur von primitiven Menschen, die die Moral der Propheten nicht kennen. Sie haben im letzten Jahrhundert, in zwei Weltkriegen gut gekämpft und 60 Millionen Menschen haben in den Kriegen mit ihrem Leben bezahlt, aber warum sollen die Völker des Mittleren Ostens noch 60 Jahre später den Tribut dafür zahlen.“

Ein üblicher Trick, zunächst etwas Einsicht und Bildung markieren um sodann im Nebensatz die angebliche Gegenthese auseinanderzunehmen.

„Lasst die Juden in ihre Heimat zurückkehren“

Eine Forderung, die so manchem Europäer das Herz warm werden lässt. Man sehe sich das an, der Wolf hat sich in ein Philosemitlein gewandelt. Der zudem wie die Antisemiten vom Muslimmarkt den Antisemitismus zutiefst verabscheut und gute Ratschläge dagegen bei der Hand hat:

„Wegen Eures Antisemitismus mussten die Juden ihre Heimat verlassen und nach Palästina übersiedeln. Die Juden haben, wie alle Völker der Welt, das Recht in Freiheit und Sicherheit zu leben. Ihr müsst den Juden endlich erlauben, in ihre Heimat zurückzukehren. Ihr müsst endlich zulassen, dass Frieden und Sicherheit auf Grundlage von Gerechtigkeit aufgebaut wird. Ihr habt die Probleme geschaffen, als ihr die Juden nach Palästina transferiert habt, daher müsst ihr jetzt selber die Probleme lösen. Lasst doch endlich zu, dass die Palästinenser ihre Meinung frei äußern können.“

So schnell wird aus "lasst die Juden zurück" ein "Lasst die Palästinenser ihre Meinung frei äußern." Die dürfen die äußern und das tun sie, ihre Meinung heißt "Tod den Juden".

„Seht hin, wie das politische Klima in dieser Welt ist. Schaut euch an, wie diejenigen, die von Menschenrechten und Demokratie sprechen die Welt regieren wollen. Vor 60 Jahren gab es einen Krieg, in dem beide Seiten getötet haben, und 60 Millionen Menschen gestorben sind. Wenn wir in dieser Zeit über [die notwendige] Macht verfügt hätten, hätten wir soweit versucht, den Mord zu verhindern.

Nun sind 60 Jahre vergangen und das palästinensische Volk zahlt den Tribut für einen Krieg, in dem es keine Rolle gespielt hat. Heute zahlen auch Deutsche, die damals nicht gelebt haben, den Preis für diesen Krieg. Nehmen wir mal an, dass in Deutschland vor 60 Jahren eine Regierung geherrscht hat, die einen Krieg begonnen hat und dass Deutschland im Zuge dessen, Verbrechen begangen hat. Welche Schuld tragen die Deutschen von heute, die drei Generation nach dem Krieg geboren sind? Warum müssen die Deutschen immer noch die Prügelknaben sein? Die vermeintlichen Menschenrechtler sagen, dass Deutschland in der Welt keine eigenständige Rolle spielen sollte.

Man will den Deutschen immer wieder einreden, dass ihre Großväter Verbrecher waren. [...] Ähnlich verhält es sich mit dem österreichischen Volk. Wir verurteilen den Krieg.[...] Aber warum muss eine Generation, die heute geboren wird, als Schuldner auf die Welt kommen? Warum muss eine ganze Generation politisch, kulturell und wirtschaftlich belastet werden? Warum muss diese Generation immer noch Reparationen zahlen? Und an wen? An die paar Zionisten? Damit sie das palästinensische Volk unterdrücken?

Ich zweifle nicht daran, dass das große deutsche Volk ein solches Szenario nicht befürwortet. Was soll denn das? Vor 60 Jahren wurde der Krieg beendet und das Volk zahlt immer noch Reparationen dafür. Wir sagen, dass dies ungerecht ist. Wenn wir diskutieren, sprechen wir nicht von den Palästinensern, denn sie sind Muslime. Wir hegen auch große Sympathien für die Deutschen. Warum muss ein so kluges Volk historisch so erniedrigt werden? Deutschland muss eine herausragende Stellung in der Welt der Wissenschaft, der Kultur und der Politik einnehmen. Das deutsche Volk wird auch nach 60 Jahren immer noch von einer Handvoll Menschen unterdrückt.[...] Wir werden mit allen reden, außer mit dem Regime, welches Jerusalem besetzt.“

Da jubiliert der Stoiber im Antifaschisten, da tanzt der Schüssel auf dem Tisch. " Das deutsche Volk wird auch nach 60 Jahren immer noch von einer Handvoll Menschen unterdrückt", und hier wird auch klar, von wem. Das ist bauchpinslerischer Salonantisemitismus par excellence, in Iran hat Ahmadinedschad das kaum gelernt, er muss schon fleißig bei Linksruck oder der NPD gegoogelt haben. Auf der Klaviatur des deutschen Dünkels spielt er perfekt den Wagner.

Larijani, ein ähnliches Licht aus dem Iran spielt dazu die historische Harfe: „Ihr habt nach der islamischen Revolution das iranische Volk bestraft, da es die Diktatur abgeschafft hat. Ihr habt damals jegliche Zusammenarbeit mit uns abgebrochen und uns auch kein Brennmaterial mehr geliefert.

Der Schah verfolgte das Ziel 20 Reaktoren zu bauen, damit jährlich die Erzeugung von 20.000 Megawatt Stromenergie garantiert wird. Unter Henry Kissinger wurden in der Tat iranisch-amerikanische Verträge in Höhe von 6 Milliarden US-Dollar unterschrieben. Die Urananreicherung sollte jedoch in Europa erfolgen. In Folge eines iranisch-französischen Vertrages der am 27.6.1974 unterschrieben wurde, sollte dann sogar eine Urananreicherungsanlage für den Iran gebaut werden, hob Larijani hervor. (Dieser Absatz ist von Memri übernommen)

Und für alle linken Listen, Peacenicks und Friedensforscher sagt es Ali Larjani, Vorsitzender des nationalen Sicherheitsrates in Iran noch einmal mit aller Deutschlichkeit:

"Aufgrund Eures Drucks werden wir unsere Entscheidungen nicht ändern. Falls die Amerikaner militärischen Druck auf den Iran ausüben, werden wir uns gesamtes Atomprogramm heimlich fortsetzen. Unser Land ist sehr groß und ihr könnt nicht unser ganzes Land bombardieren. Ihr könnt sagen, dass der Iran infolge eines militärischen Angriffs großen Schaden erleiden wird, aber auch ihr werdet darunter leiden. Falls ihr eine solche Aktion plant, werdet ihr dafür den adäquaten Tribut zahlen.“

Als täte man das nicht jetzt schon...

Ahmadinejad hat bei einem Treffen mit dem sudanesischen Präsidenten, Omar Al- Bashir, darauf hingewiesen, dass „beide Staaten unter denselben verschwörerischen Aktionen der Hegemonialmacht zu leiden haben. [...] Für uns gehören die Sudanesen zur islamischen Umma und wir betrachten daher unseren eigenen Fortschritt auch als deren Fortschritt. […] Wir werden die territoriale Einheit des Sudans immer verteidigen. Diejenigen, die die islamische Umma in Frage stellen, müssen wissen, dass sie bald erleben werden, wie die gesamte islamische Umma auf ihre Verschwörungen reagieren wird.“
Ahmadinedschads Rede bei Memri

Ahmadinedschad zu stürzen dürfte verkniffelt schwer werden, je mehr sich Deutschland und die europäischen Pazifistenarmeen dagegen stemmen, ihn ernsthaft zu bedrohen. Schließlich sind es letztere, die das Regime stabilisieren, ihm die Porpaganda ebensogut liefern wie abkaufen, und ihrem Wahn in Massendemonstrationen gegen "den Krieg" im Allgemeinen ein Denkmal setzen.


Nachtrag:

Völlig offensichtlich ist die Strategie den Antisemitismus als euopäisches Problem zu markieren, und von den 800 000 verjagten und geflüchteten Juden aus der arabischen Welt ebenso zu schweigen wie von den Pogromen und der massiven Beteiligung islamistischer Täter an der nationalsozialistischen Ausrottungsstrategie.
Ein typisches Merkmal des Antisemitismus ohne Antisemiten, Antisemit ist höchstens der andere, sofern er bekennender Nazi ist.


Bildquelle
29.4.06 14:54


Afrikanische Krokodilhexen

"Aufgrund des internationalen Schutzprogrammes für gefährdete Arten (Cites) wuchs in den vergangenen Jahren in Malawi die Krokodilpopulation. Wegen knapper Nahrung töteten die Tier im Süden im Durchschnitt jeden Tag über zwei Menschen, sagt der Wildhüter Khaled Hassen. Auf eine Anfrage des Provinzparlaments, was die Regierung gegen das Problem zu tun gedenke, antwortete George Ntafu, Minister für Wildlife, sein Ministerium gehe davon aus, dass die Ausbreitung der Krokodile auf Hexerei zurückzuführen sei."

Zeitartikel über Hexenverfolgungen in Afrika

"Minister für Wildlife" und an Hexen glauben! Völlig normal in Afrika, auch dass Menschen für menschenfreies Wildlife umgesiedelt werden.
Botswana

Schließlich ist Afrika der Zoo Europas, da will man wilde Tiere sehen und am besten noch eine zünftige Hexenverfolgung hinterher.
In Tansania ergab eine Untersuchung des Familienministeriums, dass zwischen 1994 und 1998 rund 5000 Menschen infolge von Hexenjagden gestorben seien. Als Hexen werden vor allem alte Frauen verdächtigt.
29.4.06 16:13





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