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Dialogue & Conquer

Dialogue & Conquer

Einander kennen? Wir müssten uns die Schädeldecken aufbrechen und die Gedanken einander aus den Gehirnfasern zerren.
(Danton in „Dantons Tod“, Georg Büchner)

Das Bedürfnis, zu reden, ohne etwas zu sagen, ist ein allgemeines im Land der Gemeinheiten. Anlässlich einiger hässlichen Ausschreitungen von narzisstisch gekränkten islamischen Frömmlern hat die Mehrheitsgesellschaft zu sich selbst gefunden und ist sich weitgehend einig: Nur mehr Islam hilft gegen Islamismus. Als hätte je eine höhere Klippe einen Selbstmord verhindert. Ins Heideggersche Raunen der Völker, die sich auf das ihnen je Eigene und Mitgegebene besännen, stimmt man berückt ein, und wähnt sich schon unterm Siegerkranze zwischen Eichen und Kreuzen.
Mit einem „Dialog der Kulturen“ will man einander helfen, achten, die Schwächen und Stärken aufzeigen, und gefällt sich noch in der Rolle des Analytikers, wo man offensichtlich längst Irrer unter Irren geworden ist und das Gespräch zum Small Talk der Kulturen ward.
Solcher Small Talk hat Regeln: Verletze niemanden, sag nichts Wahres und nichts Falsches, erfreue alle.
Was passiert, wenn sich derartige Gartenzaungespräche zu einem Podium zum Karikaturenkrieg aufplustern, sah man am 13.3.2006 in Marburg. Hatte schon die Form im Rathaussaal unter schlechten Gemälden den Hautgout eines Schildbürgerstreichs angenommen, war der Inhalt gänzlich einer Provinzposse nachempfunden.
Ein jeder packt seine Histörchen aus, einer war schon mal im Irak und hat mit Al Sadr gekuschelt, später ihn auch ganz kritisch beiseite genommen, eine andere führte „viele, viele, viele“ Gespräche mit türkischen Jugendlichen, die nach dem 11.9. zu „Hundert Prozent“ sich diskriminiert fühlen, wieder andere haben schon mal ein Buch gelesen und können das W in George W. Bush mit dem affektiert-belustigten Akzent eines Antiamerikaners sprechen. Ein ganz Wichtiger von der Muslim-Liga-Bonn hat einmal Karikaturen nebeneinander gelegt und festgestellt, dass ja eigentlich Nazikarikaturen den heutigen gleichen und Muslime die Juden von heute sind. Derselbe vergleicht Scharon mit Hitler, was niemandem auffällt oder stört, weil der Vergleich korrekt in zwei Sätze aufgeteilt wurde. Vor allem gibt es viel zu plappern über den Terror der Amerikaner im Irak, dass die Presse im Irak unter Saddam freier war als heute, und dass der Westen ja sein Scherflein zum Okzidentalismus der islamischen Welt beitrug und nun gefälligst auf ewig sein Kreuz in Form des islamistischen Terrors zu tragen hätte. Die Muslime, so habe man angeblich von Friedmann gelernt, müssten sich nur ebenfalls ein mächtiges Heer von Rechtsanwälten aufbauen und schon würden sie nicht mehr diskriminiert. Und selbst wo Kritik noch marginal stattfindet, schlägt sie in ihr Gegenteil um: „statt wie in arabischen Medien stets hinter jedem Baum einen Juden zu suchen“ müsse man, und man hofft, dass nun eine Aufzählung der ärgsten Missstände in islamischen Staaten folgt, aber Enttäuschung zuckt auf, man müsse „in diesem Fall Dänen suchen“ und so bleibt nichts mehr als eine dürre Larvenhaut der Kritik, aus der ihre monströse Verkehrung entschlüpfte.

Bullshittin’ ol’ News

Was da zusammenschießt, ist pathische Projektion par excellence. Grund zur Diskussion hätten die Pogrome an Christen in Nigeria, das millionenschwere Kopfgeld auf Karikaturisten, die Inhaftierung zahlreicher Journalisten in arabischen Staaten, die Schließung von Zeitungen, oder bereits die Morde an Theo van Gogh und Hatun Sürücü und die Fatwa gegen Salman Rushdie sein können. Statt dessen wird eine Jeremiade über den Hass gegen Muslime abgespult, ohne je ein Wort über den Hass der Islamisten zu verlieren. Man weiß mit der bloßen Namensnennung des aktuellen Weltteufels George W. Bush die Lacher auf seiner Seite und allseitige Akklamation segnet endgültig den gebetsmühlenhaften Antiamerikanismus ab, der dem des Islamismus gleichsieht.
Man insinuiert von Sprechverboten und platzt um so offener heraus: Die Juden in Israel sind’s, die schuld am Terror des Islamismus sind. Die jüdischen Rechtsanwälte sind’s, die Pressefreiheit unterdrücken und Springer, der „mächtigste Verlag in Deutschland“ wisse mit perfiden Mitteln wohl zu verhindern, dass seine Mitarbeitenden auch nur ein schlechtes Wort über Israel verlören. Den Muslimen, ja, denen habe man von je all diese irre Macht vorenthalten. Und Protest bleibt aus.
Wo sich 2/3 der braven Bürger antisemitisch gern auch Sonntags äußern, wo von NGO’s bis zu skandinavischen Ministern und britischen Universitäten Israelboykotte en vogue und pc sind, wo antisemitische Gewalt von Frankreich bis Russland grassiert, wo Antisemiten mit Friedensnobelpreisen ausgezeichnet werden, muss sich der Antisemit stets noch zum Opfer vermeintlicher Mächte aufblähen und platzt doch leider nie daran.
Vergeblich bleibt den Wahn mit Argumenten zu bekämpfen.

Brothers in Arms

Es gäbe genug, wogegen sich streiten ließe, aber sobald die Ehre der „ehemaligen Waffenbrüder“, wie eine Podiumsreferentin genug Geschichte im Kopf hat, um daraus nichts zu lernen, verletzt ist, solle Aufklärung über den wahren Islam stattfinden.
Verpflichtet wird zum Interesse an Kultur, wem diese nur das berechtigte Fürchten lehrte. Den Koran solle er lesen, und sich mit islamischer Theologie beschäftigen, danach aber gefälligst nie ein Sterbenswörtchen darüber zu verlieren, wie kurz der Weg von Koran, Heidegger und Luther zu „Mein Kampf“ von Adolf Hitler ist. Ebenso wie diese Frieden auf Erden wollten, ist der Koran ein Buch des Friedens. Der Zweck heiligt das Mittel, nämlich Krieg und Barbarei, und sakrosankte Friedhofsruhe breitet letztlich sich zum Wohlgefallen aller Überlebenden aus.

Sagt Hunnen! (Ernst Jandl)

Wegen ein paar mäandernden Arabesken auf Kuppelbauten meint man eine völlig andere Kultur vor sich zu haben und leugnet die Gemeinsamkeiten der deutschen Ideologie mit der von Islamisten und macht aus Epigonen Antipoden.
„Ich sprenge sie in die Luft, alle miteinander.“ sagt der Doktor in Büchners Woyzeck als er mit seinen wissenschaftlichen Experimenten seinen Patienten in den Wahnsinn treibt und seiner Zeit noch weiter voraus ist, als er selbst halluziniert.
Deutsche Ideologie, die man gemeinhin Kultur nennt, hat die Islamisten von je integriert, ihre Argumente sind die eines Alfred Rosenbergs oder eines Martin Heideggers nicht erst heute. Die Sympathie des deutschen kulturalistischen Nationalismus, der stets nur ein Plätzchen an der Sonne, Völkerrecht und Völkerverständigung wollte, gilt seit Kaiser Wilhelm bruchlos dem Islamismus. Über deutschen Kolonialbüros in Ostafrika wehte die grüne Fahne des Djihads, Hitler legte seine letzte Hoffnung auf den Islam, Nazis fanden über Ägypten in ganz Arabien Asyl und trieben dort ihr Unwesen weiter, und von Claudia Roth bis zur Muslim-Liga Bonn west der gleiche deutsche Geist der Toleranz gegenüber Vernichtungswahn und Pyromanie fort.

Return to castle Wolfenstein

Idiosynkratische Häme von links wirft den Kritikern solcher freaking habits noch vor, sie seien sich nun ja endlich einig mit Burschenschaften und Ausländerfeinden. Solcherlei Rancune hat nie jemals einen Funken Empathie für die Opfer des Islamismus verwendet. Sie fürchtet immer noch einen Völkermord an Muslimen, wo doch im Namen des Islam täglich aufs Neue die Shoah wahlweise gepriesen oder geleugnet wird und Massenmorde an Muslimen wie Nichtmuslimen von Islamisten begangen werden. Mit dem Antisemitismus der Islamisten findet sich ab, wer den Begriff der „Islamphobie“, von je Kampfvokabel der Islamisten, beschwört. Simple Ausländerfeindlichkeit und Rassismus wird mit berechtigter und begründeter Furcht vor weltweitem Terror gegen Andersdenkende, Frauen, Amerikaner und Juden in eins geworfen. Lieber schaut man zu, wie Journalisten aus Angst um ihr Leben untertauchen müssen, wie sich Presse europaweit selbst zensiert, relativiert jeden neuen islamisch begründeten Mord als Einzelfall von Verrückten, als dass man den Makel eines Kulturkritikers, oder seit Kultur den Begriff Rasse ersetzte: eines Rassisten, an sich haften sehen mag. Im Gestus der Entrechteten lässt sich mit einem Gleichsetzen von Migration, sozialer Deklassierung und Islamismus bequem Solidarität heischen, und es zollt kein Wort der Frage, warum aus katholischen Italienern nicht radikale Katholiken, aus animistischen Afrikanern nicht militante Animisten wurden, und nicht zuletzt, warum die einen Menschen vor Terror, Genitalverstümmelung und Zwangsehe aus islamischen Staaten fliehen und hier in der Regel kein Asyl und an manchen Orten bereits ähnliche Zustände finden, die anderen aber nach drei Generationen Deutschland sich für eine Radikalisierung ihrer Religion entscheiden.
Der Islam wird von denen rassifiziert, die den Islam allein als „Ausländerreligion“ denken können. Als wäre die dritte Generation nicht ebenso deutsch wie Steven Smyrek aus Detmold, als ließe sich aus sozialer Deklassierung das Recht auf Wahn ableiten.
Selbst Muslime, die Opfer des radikalen Islamismus sind, wollen dies oft nicht wahrhaben und projizieren die Ursache ihres Elends noch auf gänzlich unerreichbare Mächte, die USA und Israel. Handlungsfähigkeit wird damit bequem zum Opfer dieser vermeintlichen Übermacht stilisiert und so eint Affiliation und Affirmation der Regimes die Linke, die gemäßigten Muslime und die rechtschaffenen Apologeten des Terrors im „Dialog der Kulturen“. Wo Kultur zum Wert an sich wird, ist man gerne bereit, Individuen zu opfern, die dieser Doktrin sich sträuben, die Opfer von Baath und Islamismus werden zum vernachlässigbaren Überschuss eines cultural lag.
Das Ansinnen, über solcherlei Kultur, die stets zum Totalitären treibt, hinauszukommen, bleibt so desparat wie notwendig. Zwangsläufig wohnt dem inne, religiöse Gefühle zu verletzen und ganz und gar nicht dialogisch auf eine nette Antwort zu warten.

Ebenso, dass Kinder an gewissen Tagen einen Strohmann verbrennen, auch wenn dafür keine Erklärung gegeben würde, könnte uns beunruhigen. Seltsam, dass ein Mensch festlich von ihnen verbrannt werden sollte!
(L. Wittgenstein)


Want to send silly questions, annoying junk, three shells or a dead chicken? Mail to:
nichtidentisches@web.de
V.i.S.d.P.: A. Dörnchen, Heinestr. 1, 1789 Horkheim
31.3.06 07:58


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Wie Michael Endes falscher Kapitalbegriff zum Antisemitismus treibt...

"Michael Ende, Anthroposoph, Esoteriker und Kinderbuchautor, diskutiert gerne mit dem Oberteutone Joseph Beys („Ich denke sowieso mit dem Knie“) über Gesell und Freiwirtschaft." Dies kurze, polemische Sätzlein genügte der durchschnittlich identitär-affektiv verfassten Linken allein als Grund, ihn in Bausch und Bogen zu verwerfen. Eine kritische Beschäftigung mit seinen literarischen Produkten stünde dann aber weiter aus. Daher sei hier ein Versuch geleistet, sein Werk einmal entgegen seinen Beteuerungen „er sei nicht geeignet die Probleme der Industriegesellschaft zu lösen“, anhand drei seiner Texte zu ihrer Konsequenz zu führen.

Momo, sicherlich allen bekannt als unschuldig reines, kleines, ewig junges Mädchen, protegiert in Ende’scher Antihelden-Manier eine kleinbürgerliche Idylle vor einer Heerschar finsterer, grauer Herren. Diese stimulieren mittels schwarzer Magie, die Michael Ende auch bei Hitler festgestellt haben will, Geldgier bei den von ihnen heimgesuchten Menschen und katapultieren das kleine italienische Dorf in den modernen Industriekapitalismus, in dem jegliche überschüssige Zeit von den grauen Männern als deren unabdingbares Lebenselixier "aufgeraucht" wird. Die Zeit der Menschen ist im Roman als Stundenblumen aufbewahrt, die durch den Kontakt der grauen Männer vergiftet wird. Fortan ist die freie Zeit nicht genießbar, und wird zu Gunsten der grauen Männer verarbeitet.

Zwar werden diese gehetzten und getriebenen Männer bisweilen als bemitleidenswert dargestellt, dennoch ist die einzige Konsequenz auf die Katastrophe das Eingreifen der Autorität „Meister Hora“, der Momo mit dem nötigen Mumm ausstattet, die grauen Herren in die Vernichtung zu treiben und den Arbeitern ihren Teil des produzierten Mehrwertes zurückzuerstatten. Ende glaubt merkwürdigerweise aber gerade nicht, „dass die Problematik, in der wir heute stehen, nämlich die Problematik der kapitalistischen Gesellschaft überhaupt, durch den bösartigen Charakter einiger weniger Ausbeuter zustande käme. Mir ging es darum, ein unmenschliches, antimenschliches System zu zeigen. Ich wollte eben gerade die Moral der Wildwestfilme vermeiden, in denen man alle Bösewichte totschießt. Und dann ist die Welt wieder in Ordnung. Ich wollte stattdessen mit der Momo eine bestimmte menschliche Haltung zeigen, ein Menschenbild, einen Anti-Helden, wenn ihr so wollt.“

Zur Erklärung: Man warf Ende von „marxistischer“ Seite recht gerne vor, die totzuschießenden „Ausbeuter“ nicht wie gewohnt als echte Menschen darzustellen, sondern nur als Gespenster, somit also am politischen Ziel vorbeigeschossen zu haben. Dadurch wird möglicherweise die scheinbare Paradoxie klarer, die zwischen Endes Werkinhalt und seinen Aussagen darüber entsteht. Zu fragen wäre weniger, wie Ende letztlich exakt seinen Inhalt gemeint hat, sondern wie das „soziale Bewusstsein“ aussieht, das er schaffen wollte.

Als in anthroposophischen Foren hochangesehene gesellschaftskritische Geschichte" gilt der „satanarcholügenialkohöllische Wunschpunsch“:
Ein böser Zauberer und seine Tante (Ich halte den Aspekt der „Sippschaft“ hier für zu wichtig um ihn außen vor zu lassen), eine Geldhexe „Tyrranja Vamperl“, müssen bis Mitternacht dem Höllenfürsten eine Reihe böser Taten leisten wie Flüsse (Brunnen) vergiften, Seuchen auslösen, und überhaupt alles erdenkliche Unheil über die Welt bringen. Man fragt sich, was das mit Gesellschaft zu tun hat, abgesehen von der dichten Ansammlung nahezu aller antisemitischer Stereotype, und merkwürdigerweise finden diese Stereotypien auch mit somnambuler Sicherheit zu ihrem eigentlichen Ziel:

Ein vom bösen Zauberer gefangenes Wesen ist das sogenannte Büchernörgele "...ein besonders scheußliches kleines Monster, [...] im Volksmund auch Klugscheißerchen oder Korinthenkackerli genannt. Diese kleinen Geister verbringen normalerweise ihr Dasein damit, dass sie an Büchern herumnörgeln." In einer Abbildung im Buch trägt es die unverkennbaren Züge von Marcel Reich-Ranicki. Kritik erscheint als Nörgelei, als „scheußliches Monster“, damit sich keine der beiden bis auf wenige Ausnahmen (Frau Malzahn z.B.) stets ontologisch entweder gut oder böse verfassten Mächte je außerhalb von Vernichtung oder autoritärem eingreifen ändern kann.
Nicht erst die NS-Propaganda stellte die Juden als "Getriebene", "Gehetzte", als übermächtige, stets mit Geld in Verbindung gebrachte, dem Satan hörige Unmenschen dar. Dass hinter allem schlechten ein Jude stecke, oder in den Ende'schen Märchen eine geldbesessene, satanische Sippschaft, ist das jahrhunderte alte falsche Bewusstsein von Kapitalismus, das von Proudhon über Bakunin, von Wagner bis zu Fichte und Hitler stets auf den Juden zielte und den Kern des modernen Antisemitismus ausmacht. Die einzige Abweichung Endes vom offenen Antisemitismus ist, dass er "Juden" nur am Rande, als "Büchernörgele", erwähnt, und die restlichen, qua Tradition schon zwingend erfolgenden Assoziationen dem Leser überlässt. Eine Absicht dahinter würde Ende mit Sicherheit energisch bestreiten, zu erkennen, dass dies antisemitische Stereotype sind, die ohne Nennung von Juden fortwirken wäre eine tiefe Kränkung auch für das sich völlig bewusst wähnende Individuum, das sich nun mit seinen halbbewussten und unbewussten Projektionen das erstemal konfrontiert sieht.

Die intellektuelle Literaturkritik in Diensten des noch böseren Brunnenvergifters und seiner Sippschaft, (ebenfalls eine uralte antisemitische Projektion) diese Projektion entspringt einem zutiefst gekränkten Narzissmus: Ende blieben trotz pausenloser hochdotierter Preise ernsthaftere Würdigungen durch die namhafte Literaturkritik versagt. Zudem betrügt ihn sein Steuerberater um Millionen und hinterlässt ihn ruiniert. Da kann natürlich nur „die Tyrannei des Geldes“, personifiziert in der Geldhexe, schuld sein, nicht etwa seine eigene Naivität im Umgang mit dem eigenen, natürlich wohlverdienten Reichtum. Mit Joseph Beuys psalmodiert er in Japan darüber, wie diese Tyrannei zustande komme und wie man sie lösen könne. Unter anderem stellt er sich das ungefähr wie folgt vor:
„Aber der Typ Momo kann diese Gemeinschaft herstellen, dieses Netzwerk von Freunden und Gleichgesinnten, die gemeinsam stark genug sind, den Grauen Herren zu begegnen.“ Wiederum eine idealtypische narzisstische Projektion, nämlich die auf das angeblich reine, unverdorbene Kind. Ende sieht also sehr wohl in seinem Werk eine Anleitung zur Überwindung "schädlicher" Einstellungen. Warum kann Momo aber genauso wie Jim Knopf stets nur agieren? Mittels väterlicher Autorität, die gleichsam über jegliche bösen MagierInnen erhaben sei. Meister Hora und Lukas der Lokomotivführer sind die unbesiegbaren omnipotenten Protagonisten (die die Zeit anhalten, einen Looping spucken und Stahl mit den Händen verbiegen), die dem Bösen wie z.B. den intriganten Bonzen um den rechtschaffenen Kaiser von China, oder eben den grauen Männern entgegentreten können, die „anti-heldenhaftes“ Handeln durch die hoffnungslos guten und naiven Kinder Jim Knopf und Momo erst ermöglichen. Wo also Ende lediglich die Gemeinschaft der Momos als Ausweg ansieht, blendet er die in seinen Geschichten implizierten Überväter und Führer aus, die diese Gemeinschaft dann notwendig leiten müssten in ihrem Kampf gegen Tyrannei und „Geldsystem“, denn nur sie ermöglichen in seinen (im übrigen tatsächlich meisterhaft erzählten) Geschichten wirkliche Handlungsfähigkeit, die narzisstischen Projektionsflächen sind allein hilflos wie Momo ohne Kassiopeia.

Wo diese Vermittlung gemeinschaftlicher Handlungsmacht durch die Führerfiguren fehlt, schlägt dann auch die „Befreiung“, die letztlich stets nur Vernichtung (der grauen Herren und der bösen Magier) ist, in passives Verharren um, ohne väterliche Autorität weiß selbst Ende nicht weiter, wie etwa im pessimistischeren „Gauklermärchen“ deutlich wird:
Der profitorientierte Chemiekonzern will auf dem Wagenplatz eines bankrotten Wanderzirkus erweitern und sich der ungebetenen Artisten entledigen. Damit diese das Feld räumen, bieten sie ihnen eine Stellung als Promotion-Zirkus an. Da aber Elli, ein behindertes Mädchen, das in einem Graben nach einem Chemieunfall gefunden wurde, dem Image abträglich sein könnte, soll sich der Zirkus von ihr lösen und sie einem Heim überantworten. Nach einem endetypischen Vexierspiel aus Realität und Phantasiewelt, entscheiden sich die ProtagonistInnen gegen den Vorschlag und bleiben in enger Umarmung auf dem Platz bis sie von knüppelbewehrten „Bütteln“ des Konzerns gewaltsam vertrieben werden.

Horkheimer wäre dazu anzuwenden: „Der kleine Kaufmann überträgt gleichwohl seine eigenen Schwierigkeiten gesteigert auf die Führer der verkrusteten Industrie. Wenn er selbst schon in seinen drückenden Verhältnissen fortwährend lavieren muß, um nicht unterzugehen, so müssen nach seiner Meinung jene in der Tat Genies sein, um oben zu bleiben.“ Wirtschaftlicher Erfolg und damit beschränkter Einfluss wird so zum magisch verklärten, und letztlich zum dämonischen. Der Kapitalist erscheint nicht mehr selbst als abhängig von Gesetzen der Marktes, vielmehr wird er in der Endeschen wie in der antisemitischen Ideologie selbst Schöpfer dieser Gesetze durch magische Kräfte. Dieser Übermacht sei folglich nur die Gemeinschaft der Momos, der Aufstand der Anständigen, die Gegenmacht, der global djihad oder die Hegemonie in der Zivilgesellschaft entgegenzustellen.

Nun wäre es aber gänzlich unemanzipatorisch, Eltern aufzufordern,
ihren Kindern Momo zu verbieten. Wo ein kritisches Bewusstsein nicht so gefördert wird, dass es auch mal in der Lage ist, die einmal gelesenen Kindermärchen kritisch zu reflektieren, bleibt auch der „Kommunismus für Kinder“ nur ein propagandistisches Kindermärchen, mit dem „vernünftiges“ Verhalten lediglich eingetrichtert wird, nicht aber auf Vernunft baut.
31.3.06 13:11


Comedy bis alles in Scherben fällt

Comedy erfreut sich in Deutschland wachsender Beliebtheit. Wer den blutigen Ernst des Alltags am liebsten verdrängen möchte, zappt inzwischen an manchen Abenden von einem Comedy-Programm ins Andere, Sketchfeuerwerk gereiht an billige Sitcom-Epigonen von „Al Bundy“.
Wo einmal im Kabarett ein subversives Potential verborgen lag, ist dieses längst beerdigt, die Kulturindustrie fraß noch den ätzenden Zynismus von Southpark und den Simpsons, wandelte ihn durch Dauerwiederholung und Nachahmung in locker-seichte Abendunterhaltung. Allenfalls zum Hofnarren, wenn nicht zum Valium des Volkes degenerierte Comedy zur unbedingten Affirmation des Bestehenden.

Die Programme eint das Lachen über den Ausgeschlossenen, zur Kristallisation getrieben bei Stefan Raab. Hier erfreut sich die Rancune des zu kurz gekommenen Kleingeistes an Versprechern, billigen Zoten und den Allen peinlichen Begebenheiten. Sadomasochistisch rächt sich der Pöbel im Publikum an denen, die es wagen, in der bürgerlichen Gesellschaft sich eine Schwäche zu leisten. Masochistisch, weil die Manipulation offensichtlich ist, die Zuschauer ekeln sich vor dem billigen Witz, den schleimigen Avancen ans Gastpublikum, und tun sie sich dennoch an, sadistisch, weil es sich in seinem Ekel suhlt, daran ergötzt, und diese Minderwertigkeit als überwertig erscheint, sobald sie im Kollektiv Schutz findet. Nunmehr ist der Ausgeschlossene, mit dem jeder einzelne sich identifizieren darf, das Opfer des Lachens aller.

In diesem Lachen gellt die Fratze der orgiastischen Wut über die eigene Schwäche mit. Wer dem Kollektiv die Schwäche erinnert, es wagt, sie in Versprechern und Unfällen offen zu legen, sie in ihrer Selbstgewissheit kränkt, wird durch das Lachen niedergebrüllt auf Kommando der Autorität, der Comedian, dessen Aufgabe es ist, auf dem Klavier der Minderwertigkeitskomplexe seines Publikums zu brillieren.
Wo kein personaler Führer mehr nötig ist, genügt die Stimme aus dem Off und das eingeblendete Lachen, dem man sich anschließen möge. Wo einst der Herrscher noch mit der Drohung an Leib und Leben seine Untergebenen zum Belachen seiner schlechten Witze zwang, ist heute die Furcht vor dem Nonkonformismus ein besserer Ersatz. Mitlachen muss, wer nicht von der Kamera im Zuschauerraum als Miesepeter penetriert werden will, der Beweis, dass der Witz verstanden wurde, gewirkt hat, ist abzuliefern im Mitlachen. Niemand will der letzte sein, der einen Witz versteht.

Neu auf dem Markt sind Shows, in denen nach dem amerikanischem Vorbild „Jackass“ die Schadenfreude, und der sexuell gewordene Sadomasochismus direkt angesprochen wird. Hatte das Vorbild „Jackass“ schon zur Folge, dass auf Rockkonzerten betrunkene Jugendbanden Dixitoiletten samt Insassen umkippten, und Folterpraktiken, wie sie in „Jackass“ als Fun des toll gewordenen Bürgers verherrlicht werden, praktisch samt Anwendung und möglicher Wirkung gelernt werden können, sind nunmehr gänzlich debile Nachahmungen entstanden. Was passiert, wenn deutsche Antiamerikaner etwas besser als die Amerikaner machen wollen, liegt auf der Hand. Shows wie „Clip Charts“ spielen den analsadistischen Charakteren am heimischen Fernseher in Amateursequenzen vor, wie Kinder vom Stuhl fallen, Menschen sich alle Knochen brechen und Tiere jaulend von Vorhangsstangen fallen.

Angesprochen wird dadurch die stets Angst des Zuschauers zu versagen, sich ähnliche Peinlichkeiten zu erlauben, ebenso verletzlich zu sein. Weil es diese Angst an sich verleugnet, lacht es über den, der einen Augenblick unachtsam ist, mit den Anforderungen der Alltagswelt nicht zurechtkommt, die Verlierer. Überdurchschnittlich häufig sind das Kleinkinder, Alte, Fette und Tiere. Selten zu sehen sind in solchen Sketchen dynamische Jungunternehmer, toughe Frauen, wirkliche Herrschaftsträger.
Wo Comedy, Satire oder Kabarett sich Machtträger aussucht werden diese kaum wegen realer Irrtümer gegeißelt. Es sind häufiger die Grimassen, die Mimik, die Schweißflecken, Versprecher, alles was den Zuschauer an sich selbst gemahnt wird zum Gegenstand des Lachens. Das Publikum will den perfekten Führer, es will nicht, das die gefürchteten Idole aus der Glanz- und Zwischenwelt der High society wie der Politik ihm ähnlich sehen. Es kann nicht akzeptieren, dass eine Kanzlerin eine schlechte Frisur hat, dass ein Minister sein eingefrorenes Lächeln zugunsten einer ehrlichen Reaktion entgleisen lässt. Und doch wird mit dem Vorführen solcher Reaktionen dem Zuschauer klar: Diese Person ist eine von uns. Die Identifikation führt aber zu Selbstekel und muss um jeden Preis verleugnet werden.

In Comedy wie Kabarett lacht sichs am besten über Minderheiten, es regiert der Schwulenwitz in „Was guckst du“ wie in den homophoben Serien „Der bewegte Mann“ und „bully parade“, oder Frauenfeindlichkeit bei Mario Barth und co.
Frauencomedy tut ihr übriges dazu und weicht in der Regel keinen Deut von Klischeebildung ab. Was im Klischee noch Wahres kritisiert werden könnte, wird ontologisiert und zum Wesen schlechthin entschuldigt.

Widerwärtig und abstoßend wird Comedy aber erst recht, wenn sich ekelhafteste Kleinbürgerei als Kritik verkauft. Wo man den Gestus des Tabubrechers, des Vertreters von unausgesprochenen Meinungen, des politisch aktiven Künstlers pflegt, kommt untrüglich der Punkt, an dem sich der Wahn seinen adäquaten Inhalt im Antiamerikanismus findet. Urban Priol und Konsorten kommen sich mächtig rebellisch und tough vor, wenn sie dem Publikum einen weit entfernten unerreichbaren Machthaber wie Bush vorsetzen und sich über dessen Versprecher oder seinen IQ lustig machen. Man weiß sich auf der sicheren Seite, Klagen sind nicht zu befürchten, aber es lockt der Nervenkitzel, es wenigstens rhetorisch mit den Mächtigsten der Welt aufgenommen zu haben. Unter der Bettdecke frönt man dann dem Wahn, dass dies der Grund sei, warum man vor drei Jahren den begehrten Vertrag bei einem anderen Sender nicht erhielt oder dass man wegen seiner Widerständigkeit ein kleineres Publikum bediene.

Wo sich Comedy so von jeder Restvernunft ablöst im höchst konformen Hetzen gegen Irakkrieg, Bush und Heuschreckenkapitalimus und dann zur auf den Witz beschränkten weil diskriminierten Kritik aufbläst, bestätigt das Lachen des Publikums nur den gesellschaftlich gewordenen Wahn. Comedy wird zum Ticket der postmodernen Gesellschaft, die ihr tägliches Versagen realisiert, aber als Witz verharmlost und auf andere projiziert.
Im Lachen des Publikums ist nicht Reflexion des Unbewussten, wie einstmals im Witz enthalten, sondern der Pogrom, die konformistische Revolte, angedeutet. Das Lachen über das Ausgegrenzte ist das gleiche wie das über brennende Häuser und das stolpernde Kind. Es ist infernalische Fratze der Kulturindustrie, die sich selbst im Spiegel erblickt und vor Ekel Wahn erbricht.
31.3.06 13:22


Verschwörungstheorien

Rezension:
Jürgen Roth und Kay Sokolowsky: „Der Dolch im Gewande – Komplotte und Wahnvorstellungen aus zweitausend Jahren.“ Hamburg 1999, KVV konkret. 284 Seiten, 11,66 €.

Verschwörungstheorien sind wie Motten. Sobald irgendwo ein Totenlichtchen angezündet wird, schwirren sie darum herum als gäbe es keine anderen Probleme mehr.
Jürgen Roth und Kay Sokolowsky wagen einen Versuch der ganz anderen Art, das Bedürfnis nach Verschwörungstheorien zu erklären. In einer recht skurrilen Artikelsammlung klären sie in brillantem Stil die psychologischen Hintergründe, die den Hunger nach einer übermächtigen Ordnung schüren. Die Sehnsucht nach Ganzheitlichkeit, die den Kleinbürger erfüllt angesichts seiner Unfähigkeit, sich in der aufgeklärten Welt zurechtzufinden, erzeugt seinen Hang, alles Schlechte auf eine an Macht immens reichere und moralisch niedrigere Kategorie zu schieben, die eben doch zuletzt auf „die Juden“ hinausläuft. Der Antisemitismus ist in Verschwörungstheorien inhärent, wie der Antisemit sich selbst und die Welt im Würgegriff wähnt, und jeden Furz auf den Jahrtausende alten Plan einer höheren Macht zurückführt. In der Konsequenz wähnt er sich als schlauer, da er ja die Konspiration durchschaut, verleugnet also in seiner angeblich aufgezwungenen Tatenlosigkeit seine Subjekthaftigkeit, die lebhaft an den Vorgängen, die diese Welt mitgestalten mitwirkt. Sein Eklektizismus ist dabei zwanghaft im Wahn, ein Opfer, einen Schuldigen zu finden, für das, was er sich selbst und anderen antut. Um sich gegen die Allgegenwärtigkeit der Verschwörung zu wehren muss er zu allen Mitteln greifen, wähnt sich als Einzelkämpfer im Namen des Besseren und tendiert zur maßlosen Geschichtsfälschung ebenso wie zur Raserei.
Roth und Sokolowsky beschreiben einerseits bildhaft die Fähigkeit der VerschwörungstheoretikerInnen jede krude Gehirnflatulenz, aber auch jede, zu glauben, machen deutlich, wie leicht das gelogene Wort, sobald es gedruckt ist, Anhänger findet und basteln aus dieser Kenntnis heraus auch gerne mal eine Verschwörungstheorie im Selbstbausatz. Wie leicht kann anhand der Numerologie Franz Beckenbauer in Luzifer und den apokalyptischen Reitern seine Anthropomorphie finden, mit welcher Leichtigkeit findet aber genau die gleiche Methode vor einem halben Millionenpublikum keinerlei Anstoß, wenn etwa der Führer der Nation of Islam, Louis Farrakhan, vor dem Washington Monument (555 fuß) seine Blödheit beweist und statt den Kommunismus einzufordern seine 500 000 Gefolgsleute zu Sühne aufruft, weil diverse Zahlenspielchen mit 555 und 19 Hinweise darauf ergeben, dass Allah ein neues Zeitalter ausruft.
Dass Verschwörungen begangen werden steht für die Autoren außer Zweifel und zahlreiche stellen sie selbst zur Debatte, in derb-ironischem Gestus. Verschwörung als Hobby und als alleinigen Laienforschungsgegenstand zu erwählen, erweist sich aber als ebenso wahnhaft wie gefährlich, waren doch Verschwörungstheorien, beispielsweise die Protokolle der Weisen von Zion ihrerseits Verschwörungen von Antisemiten.
Die Personalisierung einer alles durchdringenden Macht in Verbindung mit esoterischer Selbstüberschätzung und religiöser Heilsideologie stellt eine brisante Mischung dar, die insofern beängstigend ist, als sie durch Internet und „freie“, besser willige Presse, monströse Blüten getrieben hat. Gegen alle diese im Einzelnen vorzugehen halten die Autoren zu Recht für unnützen Zeitvertreib, sie belassen es bei einer formenreichen Bilanz, in der die meisten Schlüsse dem Leser überlassen bleiben. Schließlich zeugt es von ausgemachter Einfältigkeit, Ereignisse von vor sechshundert Jahren einem imaginierten Schuldkollektiv anzukreiden, um es aktuell demselben konstruierten Kollektiv in die Schuhe zu schieben und es aktiv dafür haftbar zu machen. So denken und handeln traditionell Antisemiten, und daher ist Verschwörungstheorie des Antisemitismus stets äußerst verdächtig.
Man erhält mit dem Buch weder eine wissenschaftliche Auflistung noch eine psychologische Analyse, dafür aber einige klare Argumente und einen lustigen Zeitvertreib. Zwar ist der Stil des Buches etwas gewöhnungsbedürftig, was seiner Unterhaltsamkeit keinen Abbruch tut, aber nur konsequent in seiner unvollständigen, fragmentarischen Diversität.
31.3.06 17:00


Bachelor führt zu Mehrbelastung

Dem Bildungsideal endgültig die tönernen Füßchen zu zerschlagen sind die neuen Bildungsreformen angetreten. Verwertbares Wissen soll in der verwalteten Welt berechenbar, abfragbar, frei von Reflexionen auf eine Erfahrenswelt und möglichst ohne Irrtümer ablaufen. Kontrollwut ist diesem Inhalt die entsprechende Form.
Fortan müssen StudentInnen nicht mehr wie bislang ein Scheinformular ausfüllen lassen, sondern pro Seminar bis zu fünf Formulare!
Erstgutachter, Zweitgutachter, ECTS und sonstiger Schnickschnack machen es Studierenden wie Lehrenden unmöglich, die bislang schon überfrachteten Regelungen zu durchschauen. Anstatt also gemütlich ein wenig Marx oder Adorno zu lesen, hetzt man nun von einem Büro ins andere. Zur Groteske getrieben wähnt die Rancune des Kleinbürgers das Universitätssystem im Wettern gegen solcherlei Bürokratie. Verwaltung steht aber der Welt nur zu gut an, die Menschen mehr und mehr verdinglicht, Bürokratie ist das kafkaeske Symptom des kontrollierten, und damit vollendet gleichberechtigten Bürgertums. Wo Bürokratie sich in die letzten Sphären frißt, ist Vetternwirtschaft, Überlegung, pädagogischer Spielraum etc. auf Verlangen des Pöbels der Saft abgedreht, freie Konkurrenz bedarf harter und umfassender Kontrollen. Während des Studiums lernen die StudentInnen fortan ihren wahren Beruf, ein Ding zu sein, eine Forschungsmaschine, und dieser Zustand trägt nur dem Rechenschaft, was ohnehin bereits Fakt war. Der Ausbruch aus der verwalteten Welt wird verunmöglicht, und dadurch aber der Zustand demaskiert, der sich im alten System noch barg und innerhalb dessen manche von Überwinterung träumten.
31.3.06 18:14





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