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Rassismus

Steinzeitmenschenalarm im Dschungelcamp

Steinzeitmenschen entdeckt! Sie malen ihren Körper rot und schwarz an! Sie beschießen Flugzeuge mit Pfeilen! Bild erklärt das geheimnisvolle Dschungel-Volk!

Eine solche Meldung kommt beim Bild-Publikum gut an. Es kann sich vergewissern, nicht zu den Steinzeitmenschen zu gehören. Schließlich malt man sich nicht rot an und schießt nicht mit Pfeilen nach Flugzeugen. Wie die vorgeblich neu entdeckten (die Funai hat schon lange Kenntnis von der genauen Anzahl und dem Gesundheitszustand der Gruppe) Indigenen sich tatsächlich verhalten, ist durch die reißerische Meldung kaum zu erschließen. Sie enthüllt mehr über die Konstitution der zivilisierten Berichterstatter als über das Grüppchen Eigenbrödler am Amazonas. Das Bedürfnis, den Wilden zu präsentieren, um die Fortschritte der eigenen Zivilisation zu feiern reicht zurück bis in die Triumphzüge der römischen Feldherrn. Während Hexenjagden und Judenpogrome Europa prägten, brachte man Indianer aus Amerika, um zu diskutieren, ob sie Menschen seien oder nicht. Die Leser der modernen Indianerromane delektierten sich an Marterpfahl und Jagd, um dann mit Maschinengewehren und Giftgas aufeinander loszuwüten. Modernität ist mit Adorno als eine qualitative Kategorie zu denken, nicht als chronologische oder materielle. Bild-Leser fühlen sich indes aufgewertet, wenn irgendwelche Menschen ein Flugzeug, also ein Produkt ihrer Gesellschaft für das Werk von Geistern halten. Daraus zieht man einen erheblichen Gewinn, fühlt sich gar selbst als allmächtiger Gott.

Was Modernität gewiss nicht ausmacht, ist, ob sich jemand den Körper rot bemalt, tätowiert oder mit Pfeilen nach Flugzeugen schießt. Zwar kann dies durchaus einer verständlichen Unkenntnis der Maschine und infolgedessen ihrer magischen Interpretation als Gott oder Dämon geschuldet sein. Dass auf solche Götter oder Dämonen geschossen wird, offenbart jedoch einen Grundzug des bei Amazonas-Indianern verbreiteten Geisterglaubens: Geister sind zwar mächtig, aber beherrschbar. Man kann über sie lachen, sie schlagen und vertreiben oder sie besänftigen. Insofern wird die undurchschaute bewegte Maschinerie der beherrschenden Natur durch das magische Ritual beherrschbar.

Es mag allerdings ebenso gut sein, dass diese mit Pfeilen nach Flugzeugen schießen, um denen da oben ihre Ablehnung gegen eine Welt zu demonstrieren, aus der sie in der Vergangenheit nur rassistische Menschenjagd, Kautschuksklaverei und mörderische Krankheiten kennen lernten. Unterstellte man Informationsaustausch und vorausschauendes Verhalten, könnte das Verhalten auch als Warnung an den zu erwartenden Schwarm von evangelikalen Missionaren aus den unzähligen charismatischen Kirchen interpretiert werden, die gegen Verbote der Funai alles tun, um ein paar verlorene Seelen zu retten und sie mit Grippe, Masern und Röteln zu dezimieren. Sei’s drum, Bild lässt sich vom Erklären nicht abhalten, der zivilisierte Mensch braucht Fakten, Fakten, Fakten:

„Wie leben die Indios? […] Zudem halten sie sich Jagdhunde, zahme Vögel und sogar Vogelspinnen.“

Von einem angeblich unbekannten Grüppchen, das nur aus dem Hubschrauber bekannt ist, will man auf einmal wissen, dass sie Terraristik-Liebhaber sind und Vogelspinnen zähmen, wohl um sie auf ihre Feinde zu werfen. Sehr einfallsreich. Auf einmal sind die Steinzeitmenschen nun schon Indios, die Leiter der abwertenden Begriffe wird eine Stufe heraufgeklettert.

Was Bildleser am sonntäglichen Grill brennend interessiert: „Sind die Indios Kannibalen?“ Leider ist das Sommerloch nicht tief genug, die Antwort fällt negativ aus:

„Nein! Experte Dr. Schulz: ‚Sie ernähren sich von Maniok und Süßkartoffeln, dazu gibt es Waldhirsche, Tapire oder kleine Nagetiere.“

Der Experte hat anscheinend schon einen Aufenthalt bei den unentdeckten „Steinzeitmenschen“ hinter sich und dort das Nahrungsverhalten beobachtet und kann ferner die im Amazonas durchaus regelmäßiger anzutreffende symbolische Anthrophagie, bei der die Asche der Verstorbenen verzehrt wird, ausschließen. Vielleicht referiert er auch über ein völlig anderes Grüppchen. Oder er weiß aus dem Hubschrauber Bittermaniok von Süßmaniok zu unterscheiden, durchaus möglich, bedarf die komplizierte Zubereitung des Bittermaniok doch einiger auffälliger Gerätschaften. Impliziert ist derweil schon die Fragestellung nach der Ernährung und somit der drohenden Hilfslieferungen. Unterstellt wurde in der Vergangenheit regelmäßig, die am Amazonas lebenden Wildbeuter und Gartenbauer seien schlecht ernährt und darum aus purer Philanthropie zu zivilisieren. Deren proteinreiche Ernährung mit Wild, Obst und stärkehaltige Knollen ist allerdings um einiges ausgewogener als der durchschnittliche Speiseplan eines Europäers, von den in Slums hausenden Städtern und Campesinos Südamerikas ganz zu schweigen.

Ganz sicher weiß man dann in der um Distinktion bemühten Kulturnation Deutschland über die Sprache der Betroffenen zu urteilen: „Die Mitglieder eines Stammes haben eine eigene Sprache, die nur sie verstehen.“ Die Hubschrauber haben möglicherweise auch eine genauere Stimmanalyse verunmöglicht. Fakt ist, dass die Dialekte und Untersprachen der sechs Hauptsprachgruppen Tupi, Aruak, Guarani, Ge, Kariben und Pano, die sich in Wanderungsbewegungen über den Amazonas verteilten, in sich doch recht ähnlich sind: Ob die „Neuentdeckten“ nun Flüchtlinge aus dem Norden oder Westen Südamerikas sind oder eine Pano-Sprache sprechen oder tatsächlich zu jenen gehören, die eine eigene Sprache entwickelten, sei dahingestellt.

Die Genderstudies sind unterdessen derart fortgeschritten, dass sie vom Hubschrauber aus fundierte Forschungsergebnisse liefern:

„Welche Rechte haben die Frauen in so einem Stamm? Dr. Schulz: ‚Es gibt geschlechtliche Arbeitsteilung. Die Männer sind für die Nahrungsbeschaffung und den Hüttenbau zuständig. Die Frauen kümmern sich um die Ernte, die Zubereitung der Nahrung und die Kinder.“

In der Tat ist das ein regelmäßig wiederkehrendes Muster der Amazonasindianer. Symptomatisch ist allerdings die Verkehrung der Fragestellung, die Identifizierung von Rechten und Rollen. So kann es sein, dass eine Frau wie in Iran Maschinenbau studieren kann, allerdings keine Rechte hat und gemeinhin wie ein Stück Dreck behandelt wird. Umgekehrt kommt es vor, dass eine solide Rollenteilung durchaus mit einer emanzipierten Haltung der Frauen ihren Männern gegenüber einhergehen kann, wofür es einige Beispiele aus dem Tiefland Südamerikas gibt. Den katholischen Missionaren war die bisweilen starke Rolle der indigenen Frauen unheimlich, der südamerikanische Machismo wurde in Indianermissionen gezielt durch die Förderung von Jungmännern und die Diskriminierung von Frauen implementiert.

Nun denn, Bild hat uns hinreichend das Geheimnis der geheimnisvollen Indios erklärt. Ein Abgesang bleibt nicht erspart: Ihre Zukunft sehe „düster“ aus, weil der Regenwald gerodet wird.

Darin zumindest ist sich Bild mit dem Klientel einig, das ganz pc von „unkontaktierten indigenen Gruppen“ spricht. Die Funai und mit ihr Gutmenschen aus aller Welt bekräftigen, es sei wichtig, die „vom Aussterben bedrohten“ unkontaktierten indigenen Gruppen weiter zu isolieren, der (dringend notwendige) Schutz des Regenwaldes wird mit der Abschottung seiner Bewohner identifiziert, Natur und Mensch, Blut und Scholle sind in eins gedacht. Über Individuen wird geredet wie über Exemplare einer Tierart. Die Isolation wird mit Krankheiten begründet, wie umgekehrt ihre Zivilisierung einst mit dem „verlausten, elenden Zustand“ der Wilden. Welche Konflikte sich innerhalb der Gruppen abspielen kann nur gemutmaßt werden. In den meisten Gruppen am Amazonas werden bei Todesfällen Menschen benachbarter Gruppen, bevorzugt Schamanen, als Hexer ermordet. In einigen werden Zwillinge oder Behinderte grausam getötet. Wieder andere weisen ein hohes Maß an Toleranz gegenüber Homosexuellen, Alten und Behinderten auf. Die ökonomische Situation gestattet eben keine Ableitung irgendwelcher Verhaltensweisen.
Dem Menschenzoo in kärglichen Amazonasreservaten allerdings werden sehr selbstverständlich von Individuen einklagbare Menschenrechte geopfert, auf den autonomen Gebieten gilt die Rechtsprechung der jeweiligen Konventionen. Das hat seine Kehrseite im Absprechen von universalen Menschenrechten von Seiten der brasilianischen Regierung und der kulturalistischen Strömung, denen individuelles Leid egal ist, solange die Täter bunt bemalt sind und Papageienfedern tragen. Dass Zivilisation darauf verzichtet, ihr vermeintliches Anderes oder Überholtes kriegerisch zu verfolgen und sich gleich zu machen, ist im Prinzip ein schöner Zug. Dass man die Anstrengung aufgibt, die ein friedliches Annähern zu beidseitigem Nutzen erfordern würde, ist schlichtweg feige und reaktionär. Darin lauert schon die Identifikation mit der Projektion der edlen Wilden, den im Einklang mit der Natur friedlich vor sich hin harmonisierenden Antagonisten der verderbten Zivilisation.

Wolfgang Lindig, Mark Münzel: Die Indianer. Kulturen und Geschichte der Indianer Nord-, Mittel- und Südamerikas. (1978) 1981 München: dtv. 573 Seiten.

Wolfgang Müller: Die Indianer Amazoniens. 1995 München: C.H. Beck. 263 Seiten.

31.5.08 12:24


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Südafrikanische Pogrome

Europäische Gutmenschen behaupten bisweilen reaktionäres Gedankengut als Erfindung und somit Vorrecht von Europäern. Dementsprechend gestaltet sich die Berichtserstattung über die seit Wochen andauernden Pogrome gegen Flüchtlinge und Immigranten in Südafrika. Eine ernsthafte kritische Analyse der abzusehenden Verfolgungen bleibt aus, stattdessen dominiert Rationalisierung, konsternierte Fallberichtserstattung und routinierter, sensationslüsterner Journalismus.
 
Je nach Laune wird einmal die Regierung Mbeki verantwortlich gemacht, ein andermal wird den Verfolgern das Wort geredet: es seien tatsächlich zu viele Flüchtlinge in Südafrika angelandet und die Armut unerträglich. Naive Stimmen zeigen sich entsetzt, dass "so etwas" "jetzt auch" unter Schwarzen möglich sei. Bei konservativen Medien bricht unbewusster Rassismus hervor: "Südafrikas hässliche Fratze" lautet der eindeutige Titel in der FAZ, anscheinend hat sich noch nicht herumgesprochen, dass Gesichtsmetaphern mehr Ausdruck von verinnerlichten Stereotypen sind denn tragfähiges Medium einer differenzierten Betrachtung.
 
Dabei ist afrikanischer Rassismus ein bekanntes, beforschtes und dennoch ignoriertes Phänomen. Bemerkenswert ist jedoch die Permanenz, mit der rassistische Verbrechen wie sie in Ruanda, Kongo, Kenia, Nigeria massenhaft geschahen und geschehen, als vermeintlich überraschende Ausnahmeerscheinungen jeweils isoliert behandelt werden. Als würden solche Ereignisse von außen hereinbrechen. Ein dialektisches Verständnis, das die Vermitteltheit von ökonomischen, kulturellen und historischen Umständen verinnerlicht hat, ist Bückware.
 
Die Ethnologen Jean und John Comaroff publizierten bereits vor Jahren ausführlicher über die gegen Immigranten und Wanderarbeiter gerichteten Ressentiments. Diese sind oft magischer Art: Immigranten und Wanderarbeiter werden als Zombies und Hexen identifiziert und verfolgt. Hexereivorwürfe werden in ganz Afrika zunehmend ethnisiert.
Die Hexenjagden in Südafrika kosteten in den Neunzigern über 5000 Opfer das Leben, viele weitere wurden obdachlos oder Flüchtlinge im eigenen Land. Die Comrades, die Jugendorganisation des ANC, mischten Befreiungspropaganda mit Standgerichten gegen mehrheitlich alte Frauen, denen Hexerei vorgeworfen wurde. (s. Niehaus 2001, s. Ashforth 2006) Hingerichtet wurden sie bevorzugt durch das "Necklacing": die Opfer wurden mit einem Autoreifen fixiert, mit Benzin übergossen und angezündet.
 
Die Vorwürfe bezogen sich bereits da auf Arbeitslosigkeit und Fremdheit, unternehmerischen Individualismus und egoistisches Machtstreben, durch das Kapital forcierte Mobilität und die abgewehrte Auflösung von patriarchalen und feudalen Traditionen. Die jüngste Gewalt hat demnach eine lange Traditionslinie. Über Dekaden gärten in der südafrikanischen Gesellschaft oder besser in den Gesellschaften die Widersprüche. Die paternalistische Propaganda der rassistischen Modernisierungsdiktatur der Apartheid hatte ihren wahren Kern: reaktionärer Tribalismus und magische Paranoia. Diese wurden von afrikanischen Ideologen zur begrüßenswerten afrikanischen Kultur aufgewertet: Magie sei Spiritualität und den Tribalismus erklärte man zu einem Ursozialismus.
 
Diese Gemeinschaftsideologie, mal mit pseudophilosophischen Termini wie "harambe" oder "ubuntu" verbrämt, ist nur symptomatisch für den narzisstischen Affekt, der in Afrika grassiert. Dass sich die afrikanische Realität schlimmer als in den rassistische Projektionen der Weißen gestaltete, ist unerträglich für die afrikanischen Eliten. Ernsthafte Reflexion über gesellschaftliche Widersprüche wurde zumeist vermieden. Aufklärung kann allerdings ohne Kritik nicht stattfinden. Diese Reflexionsverweigerung stärkt die reaktionären Elemente in den afrikanischen Gesellschaften, schneidet das Kollektiv auf einen Führer zu, der als Big Man die Widersprüche so sehr verdinglichen wie aufheben soll. Die Ideologienbildung schreitet voran, je selbstbewusster sich solche erzreaktionären Elemente im Mantel des Kulturalismus plustern können.
Das afrikanische katholische Klientel wird nach Harnischfeger in einigen Jahrzehnten die Mehrheit aller Katholiken darstellen und die derzeitig nur scheinbar auf europäisch-liberale Positionen zugeschnittene Kirchenpolitik durch einen stramm homophoben, spiritistisch-exorzistischen und sexistischen Konsens ersetzen.
(s. Harnischfeger in Schmidt/Schulte 2007, S. 126)
Ein nach dem Freedom-House-Index freier Staat wie Ghana zeichnet sich immer noch durch Gefängnisstrafen für homosexuelle Handlungen aus. Und eine der aggressivsten islamistischen Regionen weltweit befindet sich weitab der vielbeachteten Konfliktherde Iran und Afghanistan in Nigeria.

Die Idealisierungen erfahren ihr Pendant in der Projektion von Ursachen solcher Phänomene auf äußere Mächte. Verschwörungstheorien wähnen mal die CIA, mal die Weltbank, Hexen oder weiße Rassisten als Drahtzieher hinter Afrikas Elend. Manzini, der Chef des südafrikanischen Geheimdienstes, schwadroniert erwartungsgemäß von 'elements' und 'forces' aus den Reihen der Pro-Apartheidszene, die die jüngsten Pogrome initiiert hätten, um Südafrika zu diskreditieren:

"We believe that as South Africa prepares for another national election early next year, the so-called black on black violence that we witnessed prior to our first election in 1994 has deliberately been unleashed and orchestrated. [...] Because we believe there are forces in this country and outside who continue to refuse to accept that we are capable as a people to rule and govern ourselves. [...] That we are capable as Africans to set an agenda that seeks to uplift our people from the shackle of poverty visited upon us by the colonial past.[...]"
He said as South Africans consolidated their democracy, they should expect that there would be those in their midst "influenced and supported by external forces", who would always want to "push us to the back".

Die mit den Pogromen einhergehenden Raubzüge seien Beweis, dass kriminelle Energien maßgeblich seien, nicht etwa Ausländerhass. Solche Rationalisierungen haben einen doppelten Entlastungseffekt: Die Gesellschaft wird freigesprochen, Hass und Rassismus zu befördern. Das Individuum kann sich auf den Standpunkt des Bedürftigen zurückziehen, der nur zurückschlägt. Dass keine materielle Notsituation einem das Recht gibt, Menschen auf Matratzen zu binden und johlend anzuzünden, bleibt dann unbehandelt. Appeasement gegenüber dem Mob wäre es, auch nur irgend ein nicht für die Opfer und Flüchtlinge gedachtes Hilfsprogramm anzudenken. Genauso darf in Ostdeutschland kein Arbeitsplatz mit der Begründung geschaffen werden, dass dadurch pyromane Neonazis vermeintliche Perspektiven bekämen.
Erfreulich ist darum um so mehr, dass zu dem in Afrika wie in Europa imaginierten Bild von der afrikanischen Gemeinschaft Kontrapunkte gesetzt werden: In Demonstrationen gegen Mbeki und Xenophobie, Blogs und Zeitungsartikeln.
 
Beiträge in der taz:
 
Beiträge in der FAZ-online:
 
Beiträge auf Zeit-online:
 
Beiträge aus Afrika:
 
Literaturauswahl zum Thema:
 
Adam Ashforth: Witchcraft, Violence and democracy in South Africa. 2005: University Press of Chicago. 376 Seiten.
 
Isak Niehaus: Witchcraft, Power and Politics. 2001: London, Pluto Press.
 
Irene Etzersdorfer, Michael Ley (Hg.): Menschenangst - Die Angst vor dem Fremden. 1999 Mainz: Philo-Verlagsgesellschaft. 197 Seiten.
 
Jean Comaroff, John Comaroff: Alien Nation: Zombies, Immigrants and Millenial Capitalism. The South Atlantic Quarterly - Volume 101, Number 4, Fall 2002, pp. 779-805.
 
Jean Comaroff, John Comaroff: Occult Economies and the Violence of Abstraction: Notes from the South African Postcolony. 1999 American Ethnologist. 26(3): 279-301.
 
Burghart Schmidt, Rolf Schulte: Witchcraft in Modern Africa/Hexenglauben im modernen Afrika. 2007: Hamburg, Dobu-Verlag.
26.5.08 11:04


Featuring Zimbabwe

Was sich derzeit in Zimbabwe abspielt, ist mehr als bedrohlich. Terror und Folter scheinen an der Tagesordnung zu sein, eine Waffenlieferung an Mugabe droht über die zentralafrikanische Republik doch noch ins Land zu gelangen. In Südafrika gehen seit Tagen Nazis auf Ausländerjagd und zünden Flüchtlinge aus Zimbabwe an. Leider fehlt mir die im Moment die Zeit, mehr in die Materie zu gehen.
Ich kann nur jedem raten, einmal über den Tellerrand zu linsen und sich damit auseinander zu setzen. 
 
- Sokwanele bloggt auf This is Zimbabwe (ist aufgrund der Bilder von Folteropfern als FSK 18 einzustufen)  
 
- Tjark Kunstreich versuchte sich bereits in Bahamas 32/2000 etwas zwiespältig an dem Thema, der Artikel ist über die Volltextsuche auf der Bahamas zu erreichen: "A colony again? Robert Mugabes aussichtsloser Kampf gegen die Balkanisierung Afrikas."
 
- Bartholomäus Grill fasst in der Zeit die Geschehnisse in Südafrika zusammen: "Arme gegen Ärmere"
 
- David Lans Ethnographie "Guns & Rain - Guerillas & Spirit Mediums in Zimbabwe" von 1985 bietet auf 244 Seiten ausgezeichnete Backgroundinformationen über Mythologie und Praxis der zimbabwischen Guerillas.   
 
- Einigermaßen lesbare Nachrichten kann man auf ZWNEWS lesen.  
21.5.08 16:43


Jetzt Fettgebäck

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Eigentlich bedarf es da keines weiteren Kommentars. Dieses Plakat ist ein satirisches Meisterwerk vom ersten Buchstaben bis zum Preis.

6.3.08 12:32


Kenia - eine Zusammenfassung

Kenia – Das bedeutet für viele immer noch den warmen Klang eines recht netten, ruhigen und wohlhabenden afrikanischen Landes mit Sonne, Meer, Litschis und einem gesunden Hochlandklima. Für diese vor 30-40 Jahren annähernd gültige Anschauung waren die jüngsten Massaker eine Überraschung: Ausgerechnet Kenia.
Andere kommentierten die Krise lakonisch unter Verweisen auf doch bitte zu streichende Entwicklungshilfe und wandten sich wie gewohnt von Afrika ab, nachdem ein angewiderter Blick den eigenen Überlegenheitsdünkel fütterte.

Afrika sorgt deshalb immer wieder für neue Überraschungen auf dem Gebiet des schlimmstmöglichen Denkbaren, weil ein Grundirrtum einen nüchternen Blick auf die Lage dort versperrt: Der Kolonialismus sei an allem schuld.
Antiimperialistisches Schuldbewusstsein erspart die intellektuelle Anstrengung, die zahllosen Faktoren und Facetten auch nur annähernd erfassen zu wollen. Es erhebt sich selbst über tatsächliche Lösungsansätze, da das basse Dagegensein, gegen Neoliberalismus und Imperialismus, schon als emanzipatorische Tat gilt. Die leere Hülle Afrika, deren Subjektstatus in dieser Wahrnehmung untergeht, habe eigentlich kein Problem außer dem Westen und dem Kapitalismus. Auf dieses Credo werden alle Probleme in Afrika zurückgeführt, und damit Afrikaner auf eine höchst aggressive Art und Weise entmündigt. Am nichtindustriellen Massenmord in Ruanda sei allein die Rassenpolitik der Europäer schuld. Die Probleme Südafrikas seien allesamt der Apartheid geschuldet. Und Nigeria versinke allein wegen der Ölfirmen in Korruption und Chaos. IWF und Weltbank würden jeden Fortschritt verhindern, um heimtückisch völlig intakte Ökonomien systematisch zu plündern und zu zerstören.

Im Falle Kenias zeichneten sich die Gewaltausbrüche seit langem ab. Seit der Dekolinisierung wurde die Ethnisierung gezielt gefördert. Ein Patronagesystem fordert vom jeweiligen Machthaber das Bedienen des jeweiligen ethnischen Klientels, von dem sie im Gegenzug gewählt werden. Der erste Präsident, Jomo Kenyatta, wurde vor allem von Kikuyu, Kamba und Luo unterstützt. Die Somalis im Norden blieben weitgehend unbeachtet und entsprechend desintegriert, sie forderten einen Anschluss an Somalia, das bewaffnete Banden unterstützte und Ende der 60-er das sicherheitspolitische Hauptproblem Kenias war.

Kenyatta hatte zwar eine integrative Politik angedacht, bediente allerdings vor allem sich selbst und den eigenen Clan bei Landverkäufen und Elfenbeinhandel. Eine Dominanz der bereits vorher besser gestellten Kikuyu war nicht zu übersehen, allerdings auch wenig verwunderlich, waren diese doch unter der Kolonialmacht besser gestellt und verfügten daher über mehr Ressourcen und höhere Einstiegsbedingungen.

1969 flammten angesichts offener Widersprüche innerhalb der Regierungspartei KANU und dem folgenden Austritt des Vizepremiers und Luo Oginga Odinga Unruhen auf. Die von letzerem gegründete KPU wurde nach einem Attentat auf Kenyatta in einem Luo-Gebiet verboten, Kenia wurde zum Einparteienstaat. 1975 gab es erneut Blutvergießen, nachdem der innerhalb der KANU oppositionelle Josiah Kariuki ermordet wurde. Mit Kenyattas Herrschaft breitete sich zudem die Macht der Kiambu-Mafia aus. Kenias Außenpolitik war seit Kenyatta streng prowestlich, im Land wurden Traditionalismus und Aufwertung afrikanischer Identität betrieben.

Kenyatta starb 1978 und hinterließ Daniel Arap Moi die Macht. Dieser wurde von dem Finanzminister und Kikuyu Mwai Kibaki entscheidend gefördert. Arap Moi gehörte den Tugen an und verfolgte eine ethnische Politik der Vereinigung kleinerer ethnischer Gruppen, vor allem der Kalenjin. Er überlebte einen Putschversuch 1982 mit ca. 1000 Toten, als dessen Drahtzieher der heutige Oppositionsführer Raila Odinga und dessen Vater Oginga angeklagt wurden. 1982 wurde Mois Herrschaft offen repressiv und ethnozentrisch. Luo und Kikuyu wurden systematisch benachteiligt und entmachtet. 1988 wurde Mwai Kibaki, heute umstrittener Präsident Kenias, entlassen. In Führungspositionen wurden gezielt Kalenjin befördert, die Bande mit Maasai, Samburu, Turkana, Kisii und kleineren Gruppen wurden gestärkt. Moi bereicherte sich und seinen Clan bis zum Ende seiner Amtszeit um etwa 3 Mrd. US$, die Korruption blühte durch das Patronagesystem.

1990 kam es dann zu regelrechten Revolten mit 18 Toten. Moi wurde durch internationalen Druck und eine erstarkende Opposition gezwungen, demokratische Wahlen einzuleiten. Da die Opposition sich jedoch zerstritt, konnte Moi noch zweimal zum Präsidenten gewählt werden. Gegenbewerber war unter anderem Oginga Odinga, der Vater des heutigen Oppositionsführers Raila Odingas. Bereits bei den ersten Wahlen war der Wahlkampf von ethnischen Konflikten geprägt: 1991 vertrieben Kalenjin und Maasai zugewanderte Luo und Kikuyu. 1500 Tote und 250 000 Vertriebene waren bis 1994 zu verzeichnen. Kenia versackte in Gewalt und Korruption, das Chaos ruinierte die Wirtschaft. Bei den Wahlen 1997 kam es erneut zu ethnischen Massakern, in Mombasa wurden an die 100 Menschen getötet und 100000 vertrieben. Opfer waren hier vor allem Luo, zwischen Maasai und Kisii und Kisii und Luo kam es ebenfalls zu Zwischenfällen.

Angesichts dieser Tradition von ethnischer Fragmentierung und Gewalt, von Korruption und Wahlmanipulation ist die jüngste Krise zu befürchten gewesen.

50% Arbeitslosigkeit und eine unter den durch die Korruption hochgetriebenen Produktionskosten ächzende Wirtschaft, eine von Traditionalismus und notorischem Nepotismus geprägte Ideologie und die stark patriarchal organisierte Machtverteilung sind Hauptbedingungen für die Massaker, denen im Januar und Februar 2008 ca. 1000 Menschen zum Opfer fielen. Die ausgeprägte Identifizierung von Herrscher und ethnischem Klientel im afrikanischen Kommando- und Patronagestaat führt auf Oppositionsseite zur Identifikation des jeweiligen ethnischen Klientels mit der diesem zugeneigten Regierung. Den männlichen Jugendlichen, denen Kritik in Familien und Partei versagt bleibt, bietet sich im Angriff auf wehrlose Vertreter der ethnisch bestimmten Machtgruppen ein willkommenes und einfaches Mittel, ihre oedipale wie ökonomische Frustration sadistisch abzureagieren.
Auf die Diskreditierung des Mehrparteiensystems bedachte prospektive Diktatoren instrumentalisieren die zur Gewalt bereiten Gruppen gezielt [1,2] um dann Einheit und Autoritarismus als Konsequenz gegen das "demokratische Chaos" einzufordern. Fernab des psychologischen Gewinns und der Instrumentalisierung knüpft das Plündern und Mordbrennen an alte Traditionen an – wer tötet, gewinnt Macht und Ansehen, gilt als Krieger und erntet Prestige. Das Morden dient so als Surrogat für herkömmliche Initiationsriten, die in der traditionellen Gesellschaft das Individuum rigide und totalitär bis zu seinem Tode in hierarchischen Stufen verwalten.
Die Gewalt nützt dadurch auch der traditionalistischen Bewegung Mungiki, die eine Rückkehr zu eben jenen straffen Riten fordert, und dabei wie bereits Kenyatta auch FGM als unabdingbaren Teil der afrikanischen Identität verherrlicht.

Mitnichten ist also die Gewalt ein von außen kommendes, überraschendes Übel, sondern sie hatte zahllose Vorläufer und Vorboten. Im Moment ist von der gut organisierten und eher liberalen Armee wenig zu befürchten, Polizei und Geheimdienst dagegen sind berüchtigt für Übergriffe und Duldung von Übergriffen. Der Schießbefehl, den Kibaki ausgab, um Plünderungen und Massaker zu stoppen, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auch missbraucht werden, um alte Rechnungen zu begleichen. Dennoch dürfte beiden Seiten nicht entgangen sein, dass weite Teile der Bevölkerung Frieden und Fortschritt tatsächlich wollen und des Überlebens wegen dringend brauchen und dass das Chaos kaum Möglichkeiten zur Bereicherung bietet. Das Abflauen der Gewalt gibt zumindest zaghaften Anlass zur Hoffnung auf weitergehende Veränderung. Diese wird allerdings kaum von den Parteien und ihren korrupten Potentaten vorangebracht, als vielmehr von den zivilgesellschaftlichen NGOs, Juristenverbänden und insbesondere den Frauenorganisationen.

Informationen in weiten Teilen entnommen aus:

Martin Pabst: Kenia. 2001: Beck’sche Reihe Länder. 208 Seiten.

Wikipedia



6.2.08 15:39


Begrifflichkeiten am Rande des Wahnsinns - Die Koch-Ausländerkriminalitäts-Debatte

Giovanni di Lorenzo, Chefredakteur der "Zeit", Mitherausgeber des Spiegels, Verfasser mehrerer Publikationen gegen den Rechtsextremismus, Organisator der ersten Lichterketten... Ein solcher Mensch, so könnte man denken, müsste eigentlich über gewisse Sensibilität im Umgang mit Texten zu seinem Stammthema verfügen. In seinem Artikel "Koch und seine Kellner" versucht er den räsonierten Kritiker zu mimen und meint, die linken Platitüden zur Ausländerkriminalität als eigentliche Wahlhelfer Kochs ausmachen zu können. Dabei rutscht ihm dann folgende bezeichnende Passage heraus:
 
Über alle politischen Lager hinweg hätte man sagen können:
Ja, wir haben ein untragbares Gewaltproblem, und wir haben auch Probleme mit einer Gruppe von Migranten, die nicht konsequent genug verfolgt werden. Lasst uns also gemeinsam möglichst wirksame Maßnahmen auf den Weg bringen! Aber in der Rolle des einsamen Rächers von verängstigten U-Bahn-Fahrern bist du, Roland Koch, denkbar unglaubwürdig.
 
So kommt auch das antirassistische Deutschland zu sich selbst: Auf einmal sollen nicht mehr konkrete Verbrechen, sondern "Gruppen von Migranten" "konsequent genug" "verfolgt" werden. Nehmen wir das als abgründigen Lapsus hin, bleibt das Objekt des Artikels - die linke Unfähigkeit und Doppelmoral im Umgang mit solchen Themen - so berechtigt wie verfehlt.
Bereits die verkehrende Begrifflichkeit "Migranten" sagt alles über den deutschen Gehalt der Kritik aus: Flüchtlinge und Einwanderer werden auf eine Kategorie zugeschnitzt, die ihnen auf den Leib schreibt, was ihnen ein äußerer Zwang ist. Geht es doch bei den "Migranten" nicht um Kosmopoliten, Urlauber, die gerne und von Berufung wegen umherziehen wie etwa "Rucksacktouristen", sondern um Menschen, die wahrscheinlich in der Mehrheit liebend gerne nicht mehr "Migranten" wären, sondern ein ruhiges Zuhause fern von Armut und Krieg anstreben. In der Berufsbezeichnung "Migrant" ist die Weiterreise mitgedacht, auch und gerade weil die Verwender darin einen politisch korrekten Begriff geschaffen sehen wollen, und dabei das Falsche der Verhältnisse korrigiert meinen.
 
Unfug zudem, ernsthaft mit der deutschen Masse über Ausländer oder Kriminalität zu diskutieren. Es spielt für diese Bande keine Rolle, ob hier ein Grieche oder ein Inder jemanden brutal zusammenschlug, was übrigens Indern und Griechen täglich als nazistisches und gemeinhin für selbstverständlich akzeptiertes Verhängnis in ost- und westdeutschen Gefielden droht. Das Problem ist für sie nicht der potentielle Kriminelle im Ausländer, sondern der Ausländer im Menschen. Es werden doch bereits jetzt völlig harmlose, integrierte Familien nach Togo oder Kosovo abgeschoben, nur weil sie keine deutsche Großmutter aufweisen können. Menschen werden auf Monate und Jahre in Lagern gehalten, weil sie das "Verbrechen" begangen haben, die deutschen Staatsgrenzen zu überschreiten.
 
Die als "nichtdeutsch" skandalisierten Gewalttäter wurden in der Regel in Deutschland geboren, in deutschen Schulen erzogen und können nach deutschem Recht ebenso wie ein Deutscher bestraft werden.
Wer illegal hier lebt und auf Kleinkriminalität angewiesen ist, trägt darüber hinaus das Risiko einer Doppelbestrafung: Haft und Abschiebung. Soweit ist die rein juristische Dimension eine Luftnummer. Wer meint, Kulturalismus in der Rechtsprechung ausmachen zu können, mag dies tun: in einigen Fällen, wie etwa den Ehrenmorden ist dies drngend geboten. Jede Verschärfung am Strafrecht wird jedoch naturgemäß in die Richtung gehen, die von je im ganzen Gedöns der stets neu erkorenen Hardliner treibender und einziger Wunsch ist: Abschiebung und Ausschaffung aller Nichtarier, oder zumindest Nichtdeutschen.
Da nützt es auch wenig, wenn dieser Wunsch, wie in deutschen Foren vermehrt üblich, mit ein wenig deutschpatriotischer Israelsolidarität kaschiert werden soll. Im Zweifel erntet auch der sefardische Jude auf Deutschlandreise von jenen böse Blicke, die dem an Hautfarbe und Habitus in ihm vermuteten Araber und vermeintlich deutschenfeindlichen Islamisten gewidmet sind.
Schröders bejubeltes Comeback deutet nur auf die nackte Scheinheiligkeit in dieser Debatte: Solange der Soze die Ausschaffung krimineller Ausländer fordert, und sogar der vom Hörensagen janz Linke da, der Lafontaine gegen Fremdarbeiter stachelt, sieht der Volksmob in der ach so streitsamen Parteienlandschaft stets gleich und unwidersprochen aus den Wahlkreuzen. Uneins ist man dann bloß darüber, was man denn nun sagen darf. Die Geschichte eines modernen Staates, der Grundzüge der Aufklärung sich zuinnerst zu eigen gemacht hat, ist hierzulande unmöglich zu schreiben, "...da den Deutschen dazu nicht nur die Auffassungsfähigkeit und das Material, sondern auch die "sinnliche Gewißheit" abgeht und man jenseits des Rheins über solche Dinge keine Erfahrungen machen kann, weil dort keine Geschichte mehr vorgeht." (Marx/Engels: Die deutsche Ideologie, MEW 3, S. 30)

17.1.08 10:59


Die drohende ANC - Spaltung - Ein Lichtblick für Südafrika

Der African National Congress (ANC) ist bei weitem die bekannteste und populärste Partei Afrikas - politische Heimat des südafrikanischen Übervaters und Gallionsfigur der europäischen Linken, Nelson Mandela.
Mit dem Abtritt Mandelas kam der inkompetente Thabo Mbeki an die Macht, der wiederholt das HI-Virus als Erfindung der Weißen bezeichnete und Aufklärungskampagnen behinderte. Wer denkt, es hätte kaum schlimmer kommen können für die wirtschaftlich aufstrebende, aber dennoch arme Demokratie, wird mit den jüngsten ANC-Wahlen eines Besseren belehrt. Gegen Mbeki gewann Jacob Zuma. Dieser singt bei Wahlveranstaltungen gewaltverherrlichende Lieder und überstand einen Vergewaltigungsprozess mit einer richterlichen Rüge, beim Verkehr kein Kondom benutzt zu haben. Zumas Entschuldigung war, nach dem Geschlechtsverkehr geduscht zu haben. Seine Anhänger beschimpften die Klägerin schon im Vorfeld des Prozesses als Hure - Normal in einem Staat, der Vergewaltigung und Mord als Volkssport akzeptiert zu haben scheint. Zuma war zudem 2005 wegen Korruptionsvorwürfen von Mbeki entlassen worden, ein erneutes Verfahren steht noch aus. Zuma wird von den südafrikanischen Kommunisten und dem südafrikanischen Gewerkschaftsbündnis unterstützt - letztere beschlossen zeitgleich mit den britischen Gewerkschaften den Boykott Israels.
Wenn nun Mbeki und Zuma als Bestes, was der ANC zu bieten hat, gegeneinander antraten, ist das eine Bankrotterklärung und doch ein gutes Zeichen. Zwar siegten mit Zuma die Traditionalisten. Doch gleichzeitig unterzeichnet der ANC damit seine Auflösung als Einheitspartei der auseinanderklaffenden schwarzen Interessen - eine Spaltung ist absehbar und notwendig. (Dieser Meinung ist auch Paul-Simon Handy von der Universität Pretoria.)
Der ANC war ein Zwangsbündnis, zusammengehalten von der rassistischen Gesetzgebung. Schon kurz nach der Aufhebung des Verbots gab es einen kleinen Bürgerkrieg zwischen der konservativen, antikommunistischen Inkatha-Freedom-Party aus ländlichen Zulus und ANC-Anhängern mit 7000 Toten - mehr als jedes Massaker der Apartheid-Regierung. Seit den 1980ern rollen Wellen von Hexenjagden durch das Land, die in den 1990ern mehrere Tausend Tote forderten. Solche Erscheinungen werden vom ANC als kleinere Probleme und Spätfolgen des Kolonialismus behandelt, die Black-to-Black-Violence wurde auf das Wirken von agents provocateurs der Apartheid zurückgeführt. Um das zu beweisen wurde erheblicher Druck auf die Versöhnungskommissionsteilnehmer ausgeübt - das Geständnis der Apartheid-Regierung blieb jedoch aus, weil es dahingehend nichts zu gestehen gab. (Isak Niehaus, 2001)
Wenn sich diese Partei nun in ihre verschiedenen Interessensgruppen spaltet, befördert das den demokratischen Prozess. Nicht so sehr, weil die Folgen positiv oder irgend absehbar wären - die Gefahr ethnischer und politischer Unruhen ist real. Sondern weil dadurch ein idealisiertes Bild ein für alle Mal untergeht, das den ANC als heilige Institution und Erlöser vor dem Rassismus feiert und Kritik an ihm ausblendet. Dann würde die Ablösung vom paternalistischen Rockzipfel der Europäer nicht mehr über die traditionalistische Regression des Afrikanismus erfolgen müssen, sondern könnte in einem freien Disput und Interessensvertretung aufgehen.
26.12.07 14:42


'Blue Eyed' - no way to reflection

Im Moment kommen anscheinend Seminare in Mode, die auf "Blue Eyed" von Jane Elliot beruhen. Diese trennte und trennt in den USA Klassen oder Kompanien in Blauäugige und Braunäugige und trietzte dann die Blauäugigen so lange, bis sie ihre Moral verkündet hat. Ihr theoretisches Konzept ist so simpel wie angreifbar: Nachempfinden ermögliche Reflexion. Eye to Eye ist eine Organisation, die in Deutschland solche Seminare anbietet. Man hat es offensichtlich auf Multiplikatoren abgesehen, bildet aus und kaum eine Woche vergeht, in der man nicht irgendeinen Bericht über ein Seminar aus irgendeiner Schule lesen könnte.
 
"Blue Eyed" erscheint mir als grundsätzlich aufklärungsfeindlich und gefährlich. Wer den Film "Blue Eyed" von Jane Elliot kennt, kann den Verdacht nicht abstreiten, dass sie selbst auch lustvoll und sadistisch in die Position des Rassisten schlüpft.
 
Dabei wird die Ambivalenz des Gefühlslebens ausgeblendet.
Zunächst kann die Projektleitung nicht feststellen, ob unter den blauäugigen Schülern Personen sind, die durch eine planvolle Erniedrigung retraumatisiert werden könnten.
Und was, wenn bei den Braunäugigen nicht Reflexion einsetzt, sondern nur Lust am Spiel mit der Unterwerfung geweckt wird? Wie kann die Leiterin Erfolg garantieren und Misserfolg rechtzeitig erkennen? Dann würde auf dem Schulhof das "Spiel" weitergehen. Eye to Eye bemerkt im Werbefoto:

Magdeburg 9.1.2001.
Es erstaunt immer wieder,
wie stark beide Gruppen
ihre Rolle annehmen.


Vermittelt wird, dass zur Einfühlung in die Situation des Anderen das Einnehmen seiner Situation nötig sei. Wenn heute von der "Gnade der späten Geburt" geredet wird und über die Unmöglichkeit über Nazis in ihrer Zeit zu urteilen, ist das nichts wesentlich anderes. Auf diesem Konzept aufbauend müsste man Kinder schlagen, um aus ihnen keine Gewalttäter werden zu lassen. Solcherlei Homöopathie verbietet sich der Vernunft.
 
Die Kinder, die dem Experiment unterworfen sind, lernen ein Gefühl kennen. Die einen das der Erniedrigung, die anderen das der Überlegenheit (s. o.). Welche Seite davon einen Nutzen davontragen soll, bleibt fraglich. Warum das bloße Lesen von Geschichten zum Thema, oder auch das Betrachten von Bildern aus dem Nationalsozialismus nicht ebenfalls zur Reflexion taugen könnten, bleibt außen vor. Die Rosskur entspricht einer unter dem Verwertungszwang auf Effizienz ohne Erfahrung verkürzten Bildung. Zwei Stunden Brachialempathie sollen ersetzen, wofür vormals umfassende Bildung für nötig gehalten wurde. Feinsinniges Urteilen wird so nicht gefördert.
 
Zudem täuscht das Experiment über Ursachen hinweg. Rassismus erscheint als Willkür, als zufällige Erscheinung, die sich ein Individuum ausgedacht habe, um andere zu knechten. Die ökonomische und psychologische Dimension bleibt außen vor. Weder wird über das Kapital gesprochen, das bekanntlich für 300% Profit alle Bedenken in den Boden stampft, noch über historische Bedingungen und Transformationsmöglichkeiten des Rassismus.
 
Ein Irrtum zudem, zu glauben, es seien besonders die Blauäugigen prädestiniert für Rassismus. Das mag im Amerika der 40-er so gewesen sein. Heute ist die am Rassismus am meisten partizipierende Gruppe der politische Islam, daneben reihen sich schwarze Diktatoren, Indigenismus-Bewegungen oder asiatische Rassisten ein. Das legt den Verdacht nahe, dass an den blauäugigen Kindern von heute späte Rache genommen werden soll: Sie werden sublim als besonders anfällig für Rassismus gekennzeichnet und damit aufgrund eines Phänotyps als potentiell krank. Es wurde eben nicht ein zufälliges, unbelastetes Merkmal wie Blutgruppe oder angewachsene Ohrläppchen, Zungenroller, Doppelzehen, etc. gewählt, sondern bewusst ein Merkmal, mit dem Elliot das Schönheitsideal der amerikanischen Mittel- und Oberschicht kränken wollte.
 
Von einer möglichen Pathologie des auf strukturelle Symbole geprägten Antirassismus, wie er in den Rassismuskonferenzen der UNO zu Tage tritt, nämlich als Antisemitismus, schweigt die Gruppe, weil sie ein eben solchermaßen zur Verkehrung verkürztes Rassismusverständnis hervorbringt. Man sieht dann das große Symbol der "Apartheidmauer" in Palästina und hat schon das Urteil zugunsten der vermeintlich geknechteten Palästinenser gefällt. Wo Rassismus und wo Verfolgungswahn sich bedingen, zeigt die Methode "Blue Eyed" nicht auf, sondern begünstigt solches noch:

Wie deutlich, wird mir klar, als ich unseren "Blauaugen-Knast" betrete. Einige der Jungs haben sich Davidsterne an die Brust geheftet, auf denen "Deutscher" steht. "Mittlerweile werden Rechte in Deutschland verfolgt wie die Juden damals", behauptet Stephan auf meine Frage nach der Bedeutung des Sterns. (Bams)

Wann aufgrund historischer Ereignisse und geprüfter Rationalität tatsächlich Rassismus gegeben ist, und wann nur das politisch korrekte Idiom die Kritik an den phänotypischen Opfern des singulären, klassisch-weißen Rassismus unterdrücken soll, können diese Seminare nicht aufdecken. Sie bieten nicht einmal eine Grundlage zur weiteren Aufarbeitung an. Diese hat ja offensichtlich bei der Gründerin des Experiments ebenso wenig eingesetzt wie die Epigonen auf die Idee kämen, Mängel aufzuzeigen weil diese den Kern des Konzepts angreifen. Sie verkaufen ein Universalrezept. Das ist im freien Wettbewerb der Ideologien legitim. Aus öffentlichen Schulen jedoch sollte man solche Quacksalberei aus ethischen und inhaltlichen Gründen verbannen und an ihre Stelle historisches Wissen und die Schulung positiver Empathie setzen.
18.10.07 09:59


Afrika!Afrika! - Kleine Korrektur zu Mathias Schütz

In Prodomo berichtet Mathias Schütz in "Das echte Afrika" von rassistischen Völkerschauen im 21. Jahrhundert. Dabei unterläuft ihm ein kleiner Kunstfehler in der Fussnote.

"Fetischpraktiken und ein wahnhafter Glauben an Verhexung sind zwar in vielen Regionen des Kontinents vorzufinden, aber diese sind von den monotheistischen Religionen, wie sonst auch in der Geschichte der Missionierung, längst vereinnahmt worden."

Nicht nur in vielen, sondern in fast allen Regionen des Kontinents wuchert der Hexenglaube und modernisiert sich bestets aufs Neue. Er ist nicht "vereinnahmt" worden, sondern war entweder schon Bestandteil der christlichen Kirchen und Freikirchen, oder er hat vielmehr diese Kirchen durchwachsen und in gewissem Sinne "übernommen". Der Evolutionismus hält den Monotheismus für derart überlegen, dass ihm nicht in den Sinn kommt, der Synkretismus sei mehr eine Kaperfahrt des Hexenglaubens als eine passive Vereinnahmung durch Kirchen. Der Hexenglaube ist aktives, dynamisches und unberechenbares Moment afrikanischer Gesellschaften.

Die katholische Kirche konnte gegen den Hexenglaube nichts ausrichten, die afrikanischen Diözesen erkennen ihn nicht wider Willen an, sondern weil sie selbst von je an Hexerei glaubten. Der Hexenglaube ist nicht ein religiöses System, sondern diesem vorgängig. Zahlreiche Kirchen bieten allerdings den als Hexen Verfolgten einen Unterschlupf, weil sie den Anspruch haben, von Hexerei mit der Macht Gottes reinigen zu können. Dennoch prägt sie selbst eine tiefe Furcht vor Hexerei. Die ZCC (Zionist Christian Church), eine charismatische Bewegung, die die Bekämpfung von Hexerei durch Reinigungsrituale zum Kern hat, ist mittlerweile größte Kirche in Südafrika. Für von Hexerei verfolgte Personen (zehntausende von Toten in den 1990-ern in Afrika) ist das vielleicht nicht die schlechteste Entwicklung, jedoch sind eindimensionale Urteile mit Vorsicht zu genießen. Der Islam wiederum ist dem Hexenglauben insofern nahe, weil er über die Hodschas und Marabouts selbst Elemente der Hexerei bewahrt hat und Hexenverfolgungen in arabisch-islamischen Staaten durchaus regelmäßig auftreten, etwa in Jemen.  

28.9.07 11:45


Goodbye Bafana

Afrika boomt. Zumindest im Kino. Mit "Blood Diamond" wurde gezeigt, dass Geschichte und Drama durchaus eine glückliche Verbindung eingehen können, ohne in Verkitschung und Überzeichnung abzugleiten. "The last King of Scotland" hatte immerhin einen Oskar eingebracht.

Angesichts dieser Errungenschaften ist "Goodbye Bafana" bestenfalls ein gescheitertes Projekt.

Der Gefängniswärter Gregory mit einer nach Dienstgradphalli strebenden Ehefrau und netten Kindern betreut Mandela, freundet sich mit ihm an, liest verbotenerweise die Freedom Charta des ANC und freundet sich noch mehr mit Mandela an. Er riskiert ein bisschen seinen Job, wird stattdessen ein bisschen befördert, weil er Xhosa spricht, und hat ein paar Konflikte. Nichts, was sich nicht mit ein bisschen abwarten aussitzen ließe. Je mehr Terror und Sanktionen, desto besser die Haftbedingungenen von Mandela und desto weiter wird Gregory befördert, bis am Ende beide ihr Ziel erreicht haben: Gregory ist Leutnant und Mandela frei. Das ist doch schon mal was. Beide verlieren zwischendrin ihren Sohn und kämpfen auch mal den traditionellen Stockkampf.

Ob man wirklich noch ein Historiendrama aus ausschließlich weißer Sicht brauchte? Und hätte man sich nicht entweder für die Historie oder für das Drama entscheiden können, wenn man schon die Synthese daraus nicht hinbekommt?

Die erste halbe Stunde ist jedenfalls gespickt von jämmerlichen Dialogen, unglaubwürdiger Handlung, verkramfter, schlecht präsentierter und nur halb abgespaltener Gefängniswärterbrutalität. Dem völlig unmündigen Publikum müssen infantile Weisheit und das Nacherzählen von Basiswissen auf die Sprünge helfen, schließlich hat es weder Geschichtsunterricht noch moralisch-ethische Urteilskraft.

Spannung entsteht so nicht, bzw. sie muss mit billigen Tricks wie einer inmitten endloser Seichtheit urplötzlich explodierenden Autobombe geweckt werden. Aus einem Wikipediaartikel erfährt man mehr über die Apartheid und aus einem guten Roman mehr über menschliche Konflikte. Hätte man Spannung und Interesse an individueller Sicht auf Geschichte wecken wollen, wäre die Ichperspektive aus "The green mile" geeigneter gewesen. Dann wäre es vielleicht auch zu ertragen, dass am Ende darauf hingewiesen wird, dass Gregorys Tochter, die im ganzen Film 3 Sätze sagt, glücklich studieren konnte, im Gegenzug aber Mandelas Tochter mit keinem Wort erwähnt wird.

Der Stein des Anstoßes, die Verstaatlichung von Fabriken, die der ANC im Programm führte und ihm den Vorwurf des Kommunismus einbrachte, wird im Film von Mandela so nebenbei als Nationalismus sanktioniert. Verstaatlichung im Kommunismus pfui, im Nationalismus hui! Ein bestechendes Argument, weshalb der Film keinen weiteren Kommentar an die Diskussion verschwendet: Mandela hat eben immer das letzte Wort, er ist die integre, opferbereite Vater- und Führerautorität, nach der sich gerade Deutsche so sehr sehnen.

So kommt das Ganze als moralinsaure Projektion von aktuellen Befindlichkeiten und bauchphilosophieren über den Menschen als solchen daher, die weder der Geschichte der Apartheid noch dem Autor der Buchvorlage gerecht wird. An die mit minimalistischen Mitteln erarbeitete Erzählkraft und Kritik der afrikanischen Filme "Touki Bouki", "La petite vendeuse du soleil" und "TGV-Express" kommt "Goodbye Bafana" nicht annähernd heran. Dass diese erstklassigen Filme von der BpB mühsam zu einer Afrika-Reihe zusammengehypt werden müssen, um dennoch nahezu unbeachtet vor leeren Sälen gezeigt zu werden, "Goodbye Bafana" dagegen eine Vorpremiere mit Sektmatinee bekommt, zeugt von einem Bedürfnis nach korrekter weißer Sicht auf Afrika, in der Afrikaner eben nur idealistisches Objekt der Wünsche, aber nicht widersprüchliche und kritisierte Subjekte sind. Gezeigt werden soll mit Gregory der gute Weiße, der überlegt und sich richtig entscheidet, ein paar Schuldgefühle und Konflikte hat, aber überaus vorbildgemäß fein raus ist. Und auch ein netter Onkel wie Mandela soll den Weißen ein Vorbild sein. Auf keinen Fall gezeigt werden sollte die Black-to-Black violence, die zumindest teilweise real existierende Bedrohung für Weiße während der Apartheid, das Stammesdenken, der Sexismus, die Hexenjagden der ANC-Comrades, AIDS, schlicht: Die Probleme auf ANC-Seite, wirklich ein fortschrittliches Subjekt in der Geschichte zu werden.

Der ANC hat nicht erst heute ein massives Problem mit Antiintellektualismus, Okkultismus und Rassismus. Seit den freien Wahlen 1994 wurden über 1500 weiße Farmer im Zuge der "One white Farmer - One Bullet" - Politik ermordet. Was Mandelas Beteuerung, ein Südafrika in friedlichem Miteinander einrichten zu wollen, etwas fadenscheinig aussehen lässt. Für Schwarze ist Südafrika ohnehin inzwischen eine Hölle aus AIDS, Vergewaltigung, Mord und Armut, die nicht zuletzt auf die Ignoranz des ANC, insbesondere dem AIDS-Leugner Mbeki, zurückzuführen sind. Und noch 1992 erregte Winnie Mandela , die liebenswerte Frau aus dem Film, einen Aufschrei mit ihrer Äußerung: "With our boxes of matches and our necklaces we shall liberate this country." (Uniform, August 1992 nach Joanna Ball, 1994, "The Ritual of the Necklace". Sie bezog sich damit positiv auf die von den Comrades, Jugendbanden des ANC, praktizierte Lynchform für angebliche Hexen und Verräter: Den Opfern wurde plötzlich von einem Mob ein Reifen umgestülpt und sie bei lebendigem Leibe mit Benzin angezündet.

6.4.07 16:27


Islam und Sklaverei

Das immer lesenswerte Blog "Western Resistance" hat eine Trilogie über das Verhältnis von Islam und Sklaverei verfasst:

Teil 1 

Teil 2 

Teil 3 

 

3.4.07 21:44


Warten auf Europa - Begegnungen an der Donau

Was immer nicht ganz mitgekommen ist oder die Verbote verletzt, in denen der Fortschritt der Jahrhunderte sich sedimentiert, wirkt penetrant und fordert zwangshaften Abscheu heraus. (Adorno/Horkheimer, DdA 161)

Aller nicht-manipulierte Ausdruck erscheint als die Grimasse, die der manipulierte - im Kino, bei der Lynchjustiz, in der Führer-Rede - immer war. (Ibid, 163)

Die taz nervt derzeit mit regelmäßigen Abdrucken von Fotos aus Frank Gaudlitz ' "Warten auf Europa - Begegnungen an der Donau". Im Stile des Kolonialfotographen werden Menschen in linkischen Habachtstellungen abgelichtet. Der Zweck ist ein einfacher: Der coole, weltgewandte Europäer sieht sein unperfektes Anderes, das zur künftigen Eroberung ansteht.

Wer bei den Sonntagspredigten zur europäischen Einheit schon lange nicht mehr zuhört, aber das europäische Antlitz kennenlernen möchte: hier kann er es entdecken. (Süddeutsche )

Durch die Nachahmung seiner Posen ist er geehrt, das Scheitern der Pose befriedigt die Bestätigung seines Erfolges. Kolonialistische Museumsfotographie par excellence vor den Toren Europas.
Rumänien, das vor kurzem nicht rückschrittlicher als Bayern war, ist auf einmal Peripherie des kulturellen Imperiums, in dem Menschen viel lässiger posieren und den Umgang mit Europa schon lange im Blut haben. An der auf Fortschritt hin getrimmten Rückständigkeit kann die vermeintliche eigene Fortschrittlichkeit abgefeiert werden. Zynisch wird der materielle Rückstand verbrämt zur würdevollen Armut, wie man Putzkräfte jüngst euphemistisch in "Raumkosmetiker" umbenannte.

Er zeigt die Bewohner des Donauraumes mit ihren Eigenheiten und Reichtümern, in ihrer Armut, Bedrängnis und ihrem Versuch, wider alle Anfechtungen Würde zu bewahren. (Süddeutsche )

Nicht Wut oder Abscheu, wie Adorno/Horkheimer nahelegen, erregt hier die gescheiterte Mimesis, sondern Überheblichkeit, Befriedigung und Mitleid. Dass Europa derzeit an sich selbst scheitert und sich mit der Barbarei noch weit vor seinen Toren gemein und gleich macht, kann es in solchem Rausch getrost verdrängen und vergessen. Die kulturrelativistischen postmodernen Paradigmen vom "Othering" werden so bedient, wenngleich diese nicht annähernd die Dialektik zu fassen vermögen, die dem Fortschritt innewohnt und stattdessen den Fortschritt als solchen leugnen.

20.3.07 15:26


Vergewaltigung als Volkssport

In Südafrika ist Vergewaltigung ein Massenphänomen. Laut Netzzeitung seien 16,3 % von 1370 Männern bekennende Vergewaltiger. Die Studie besagt zudem: "Die allgemeine Annahme, Vergewaltiger seien arm und unfähig, Frauen für einvernehmlichen Sex zu gewinnen, stellte sich als falsch heraus. Wir haben herausgefunden, dass Menschen mit höherem Bildungsniveau eher zu Vergewaltigung neigen."

Merkwürdigerweise ändert sich die Zahl nochmal, wenn die Frage anders gestellt wird. Laut Blich.ch ist jeder Fünfte Südafrikaner ein Vergewaltiger:

"18,9 Prozent. So viele junge Männer gestanden in einer Umfrage des südafrikanischen Medical Research Councils (MRC), eine Frau zu Sex gezwungen zu haben. Der erschreckende Befund findet sich weit hinten, auf Seite 88 des Jahresberichts des MRC. Die Forscher befragten 1370 Männer im Alter von 15 bis 26. Jeder Sechste hatte eine Frau ausserhalb einer Beziehung vergewaltigt, teilweise in Massenvergewaltigungen. 8,4 Prozent nötigten die eigene Partnerin zu Geschlechtsverkehr. Von wegen behütete Jugend: Im Schnitt waren die Übeltäter beim ersten Übergriff aufs andere Geschlecht noch Teenies, zarte 17 Jahre alt."

Besonders neu ist dieser Befund nicht: Der "Freitag" veröffentlichte schon 2001 einen ausführlichen Artikel zu dem Phänomen und führt es vor allem auf traditionelle Männlichkeitsideale zurück.

Le monde diplomatique konstatierte 2005:

"Die Teddy-Bear-Klinik in Johannesburg schätzt, dass 24 Prozent der Straftäter, mit denen sie zu tun hat, zwischen sieben und vierzehn sind."

"Laut Thoko Majokweni, der bei der nationalen Strafverfolgungsbehörde die Abteilung für Sexualverbrechen leitet, geht es in der Hälfte aller Prozesse in Südafrika um Vergewaltigungsfälle. Doch immerhin liegt die Bestrafungsquote bei 7 Prozent, während sie etwa in Großbritannien nur 5 Prozent beträgt."

"Und nach einer Studie von Dr. Adrienne Wulfsohn, die an der Sunninghill-Klinik in Johannesburg über 1 000 Vergewaltigungsopfer interviewt hat, handelte es sich in 60 Prozent der Fälle um Gruppenvergewaltigungen."

"11 Prozent der Jungen und 4 Prozent der Mädchen behaupteten, schon einmal jemanden zum Sex gezwungen zu haben. 66 Prozent der Jungen und fast 75 Prozent der Mädchen waren selbst schon zu sexuellen Handlungen gezwungen worden."

Die Schuldabwehr aller Probleme Südafrikas auf die Apartheid ist in der MRC-Studie (und auch der ANC-Regierung unter Mbeki) mehr als augenfällig, die Studie der MRC sieht hier eine der Hauptursachen. Die Apartheid hätte die Familienstrukturen geschwächt und zerstört. Das blendet aus, dass erst seit der Unabhängigkeit die Zahl der Vergewaltigungen so massiv ansteigt, ein nicht auf Südafrika beschränktes Phänomen. Ähnliche Entschuldigungen wurden für die Verbreitung von AIDS, Hexenjagden und den Genoziden in Kongo und Ruanda vorgetragen, stets wird die Kolonialisierung als Ursache allen Übels bezeichnet. Dass traditionelle Strukturen und Aberglaube einen großen Teil zur derzeitigen Lage beitragen, wird aus Furcht vor Rassismus verdrängt. Die traditionelle Gemeinschaft der friedliebenden Afrikaner zeichnet sich in der herkömmlichen populären Literatur durch Solidarität und Gemeinschaftssinn, Hierarchiefreiheit und sexuelle Freiheit aus. AIDS wird als importiertes Problem betrachtet. Dass die AIDS-Raten zwar nicht mit den Kosten der Aufklärungskampagnen korrelieren, wohl aber mit denen der sexuellen Gewalt wird verschwiegen. Schließlich ist es ein rassistisches Stereotyp, Neger als sexuell triebhafter zu bezeichnen und jede berechtigte Kritik an mündigen afrikanischen Männern und einer sexistischen Kultur wird daher als unzulässig betrachtet. Ein solches Verweigern von Solidarität und kritischer Analyse bezeugt nur die Reflexionslosigkeit dieses reflexartig vorgetragenen Antirassismus.

Weitere Links:

AI-Journal 2003

Das Anti-vergewaltigungskondom "Rapex"

Frankfurter Rundschau 2001 über Kindesmissbrauch in Südafrika

Institut für Frauenforschung Kiel: Aufklärung ist wenig hilfreich, solange Frauen sich nicht gegen sexuelle Gewalt wehren können.

WOZ: Dramatischer Anstieg der Vergewaltigungen seit der Unabhängigkeit

Goethe-Institut erwähnt kurz kulturelle Gründe

25.10.06 14:02


"Wie schön weiß ich bin"

Dolf Verroen: „Wie schön weiß ich bin“, Peter Hammer Verlag, Wuppertal, 2005. 69 Seiten.

Schön

Die neue Sklavin von Papa arbeitet nicht.
Sie tut keinen Handschlag, sagt Mama.
Sie schaut als gehöre die Plantage ihr.
Manchmal kommt sie in die Küche.
Dann bittet sie um Essen,
oder sie holt sich etwas aus dem Schrank.
Heute Nachmittag schauten Mama und ich aus dem
Fenster.
Die Sklavin kam zum Haus.
Zur Hintertür.
Mama und ich warteten auf sie.
Ich sah wieder wie schön sie ist.
Was tust du hier?
Die Sklavin sagte nichts.
Guck nicht so frech!
Die Wut schlug zu.
Ich habe Mama noch nie so schnell gesehen.
Sie bückte sich, zog einen Schuh vom Fuß
Und schlug die Sklavin ins Gesicht.
Der hohe Absatz bohrte sich in ihre Wange.
Blut floss.
Die Sklavin schrie.
Mama stieß sie fort.
So, sagte sie zufrieden,
schön ist sie jedenfalls nicht mehr.

(Verroen, S. 32, 33)

Was als Kinderbuch aufgemacht ist, entpuppt sich als psychoanalytisch hochinteressante und anspruchsvolle Geschichte. Verroen erzählt aus der Perspektive eines kleinen, weißen Mädchens dessen sexuelle wie moralische Entwicklung in einer Welt, in der Sklaverei normaler Alltag ist. Das verstörende ist, dass sie nicht in der Lage ist, sich dem Rassismus der Familie entgegenzustemmen, sondern diesen widerspruchslos reproduziert. Man hofft auf ein kathartisches Moment, dass sie ihr Geburtstagsgeschenk, einen eigenen Sklaven, nicht verkaufen möge, aber woher soll der Humanismus kommen? Dass menschlich, aufgeklärt, mit Vernunft zu handeln, eben nicht, wie es die Menschenrechte nahe legen, von Natur kommt, sondern zutiefst Bedingungen bedarf, in denen kritische Reflexion möglich ist, in der es einem nicht allzu leicht gemacht wird, die sexuellen Ängste auf gesellschaftlich legitimierte Projektionsflächen zu bündeln, kann Verroen in einfachster Sprache schmerzhaft vor Augen führen. Das Lesen bereitet kein Vergnügen, sondern kostet Selbstüberwindung, fördert Ekel, der doch auf Identifikation, auf einstmals Geliebtes hinweist.
In einem Nachwort erklärt der Autor die Genese des poetischen Werks, wie er in Surinam auf die Idee kam, ein Buch über die Sklaverei zu schreiben. Leider bleibt seine Reflexion an einem entscheidenden Punkt stehen: „Als Kind, das den zweiten Weltkrieg überlebt hat, schockierte mich, dass die grausamsten Sklavenhalter jüdische Familien gewesen waren. Aus Opfern wurden auf einmal Täter; etwas, das ich nur schwer begreifen konnte.“ (Verroen, 66)
Eine solche fahrlässige Generalisierung ohne Quellenangabe ist in einem Stück, das sich die Bekämpfung von Rassismus zu Herzen nimmt, nicht nur fehl am Platze, sondern kontraproduktiv. Was das jüdische Opfer des deutschen Vernichtungskrieges zum Täter in einer britischen Sklavenhaltergesellschaft machen soll, bleibt unerklärt, der Wahrheitsgehalt der Behauptung ist zudem zweifelhaft, nicht unmöglich, dass aus den Reihen der Black-Muslims solcherlei antisemitische Propaganda gestreut wird, wie sie im Rahmen des Antizionismus der meisten islamischen Vereinigungen üblich sind.
14.6.06 17:36





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