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Kulturalismus

Somalia - Zahl der AU Soldaten noch immer weit unter 8000

Nachdem der Beschluss der internationalen Weltöffentlichkeit lautete, Somalia fallen zu lassen wie eine heiße Kartoffel, um nicht dem Gerücht Nahrung zu geben, ein Militäreinsatz könnte unter gewissen Umständen tatsächlich für Frieden sorgen, hatte man der African Union (AU) den Auftrag zur Friedenssicherung überlassen und drückte ein paar halbherzige Millionen Zwischenfinanzierung ab.
Die einzigen, die sich seitdem ernsthaft bemühen, die Situation in den Griff zu bekommen, sind die immer noch die Hauptlast der Intervention tragenden äthiopischen Truppen und die 1600 Ugander. Jetzt hat auch Burundi begonnen, seinen Anteil von 800 Soldaten langsam auf den Weg zu schicken. Von dem versprochenen Kontingent von 8000 Soldaten, was bereits bei Fachleuten als etwa die halbe Summe dessen gilt, was zur nachhaltigen Errichtung eines staatlichen Gewaltmonopols notwendig sei, fehlen somit nur noch 5600. Ein wirklich äußerst beruhigendes Zwischenergebnis, ein Jahr seit Beginn der Intervention. Derzeit beträgt die Anzahl der Zwischenfälle in Mogadischu etwa 5-6 pro Tag, Mörserangriffe und Heckenschützenattacken auf äthiopische Truppen ereignen sich fast täglich. Weiterhin zahlen Hilfstruppen bereitwillig die Zölle an den zahllosen Barrikaden der Wegelagerer und im Norden sorgen die ärgerlichen Reibereien zwischen den halbwegs autonomen und ruhigen Regionen Puntland und Somaliland immer wieder für kleinere Fluchtwellen.
Nicht, dass es den afrikanischen Staaten mit ihren kleinen Armeen von oft nur wenigen Tausend oder Hundert Soldaten leicht fallen sollte, Truppen und Material in einen hochgefährlichen Guerillakrieg zu schicken und gegen die geballte Djihad-Finanzierung aus Iran, Syrien und Libanon anzutreten. Das hätte man allerdings mit einem Blick auf die Finanzlage und Desorganisation jener Länder vorher in Erfahrung bringen können und statt europäischen Hilfsorganisationen, die mit europäischen Spendengeldern somalische Milizen finanzieren, die dringend benötigten Truppen und Hubschrauber zur Guerillabekämpfung selbst bereit stellen sollen.
21.1.08 18:27


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Äthiopien befreit Somalia!

Bildquelle: Wikipedia

Äthiopien hat auf die stete Expansion der gut unterstützten somalischen Islamisten jetzt mit dem einzig Richtigen geantwortet: die Kriegserklärung anzunehmen und sich offensiv zu wehren.

Nachdem im Herbst aus Eritrea vermehrt Provokationen kamen, unter anderem wurden UN-Mitarbeiter entführt und Un-Posten in der Sicherheitszone überfallen, ist wahrscheinlich, dass Eritrea mit der Unterstützung der immer frecher und aggressiver werdenden Islamisten in Somalia Äthiopien in einen Dauerkrieg hineinziehen will, aus dem heraus es seine eigene Schwäche kompensieren kann. Die gesteigerte Bedrohung des relativ freien und friedlichen Puntlandes und im nächsten Schritt womöglich Djibutis, mit Äthiopiens einzigem sicheren, kooperativen Hafen konnte Äthiopien schon aus strategischen Gründen nicht hinnehmen.

Die EU äußert sich wie üblich friedensforschungsgeschult, Gewalt gegen islamistischen Terror gilt wie immer als "Provokation":

"Zutiefst besorgt" zeigte sich Eu-Kommisar Louis Michel in Brüsselüber die Verwicklung der äthiopischen Armee in die jüngsten Kämpfe. Äthiopien müsse seine militärischen Interventionen in dem Nachbarland sofort einstellen, um nicht noch weitere Gewalt zu provozieren.

Ganz anders dagegen die mit mehr Realitätsbewusstsein ausgestattete AU:

26. Dezember: Die Afrikanische Union bekräftigt das Recht Äthiopiens, in Somalia einzugreifen. Der UN-Sicherheitsrat kann sich nicht auf einen Textentwurf für einen Waffenstillstand in Somalia einigen.

[Diese Meldung wurde durch spätere Stellungnahmen der AU konterkariert]  

kurier.at vermeldet über den Kriegsverlauf:

Die Islamisten haben nach eigenen Angaben bisher hunderte Menschen getötet. Äthiopien sprach von bis zu 1000 getöteten Islamisten Der UNO-Sicherheitsrat konnte sich am Dienstag nicht auf einen Aufruf zur Waffenruhe in dem völlig verarmten Land einigen. Hilfsorganisationen erwarten angesichts der Unruhen eine Welle von bis zu 200.000 Flüchtlingen.

Zu allem Überdruss wird Somalia auch noch von einer Naturkatastrophe heimgesucht. Heftige Regenfälle haben seit Oktober den ausgetrockeneten Boden in Südsomalia überschwemmt. Mehrere hundert Menschen starben, rund eine halbe Million Somalier wurden von den Fluten vertrieben.

zdf "heute" berichtet wie viele andere über jubelnde Einwohner in den mittlerweile an die 20 befreiten Städten. Heute soll Mogadischu gestürmt werden.

Scheinheilige Experten befürchten, dass Somalia zum Schauplatz eines regionalen Kriegs am Horn von Afrika werden könnte. Als wäre dieser regionale Krieg nicht seit einem Jahrzehnt in vollem Gange. Der "Flächenbrand" der wie immer befürchtet wird, findet in Wahrheit längst statt in der Radikalisierung und stetigen Unterwanderung staatlicher Strukturen durch Islamisten im gesamten (sub-) saharischen Afrika, von Nigeria über Sudan, Kenia, Mali, Mauretanien, Ägypten bis Eritrea und eben Somalia. Ob allerdings wie von den Islamisten lauthals gekräht die solidarischen Djihad-Kämpfer ihnen zu Hilfe eilen werden, bleibt in Afrika fraglich. Zumeist herrschen Synkretismen vor, die afrikanischen Clanstrukturen können zwar hin und wieder strategisch benutzt, aber kaum dauerhaft geeint werden. Somalia ist nicht Afghanistan oder der Irak, wo umliegende Staaten ihre Bestes tun, Massaker zu fördern und Ölmilliarden nur über eine der zahlreichen undichten Quellen fließen müssen. Gerade das Auftreten des bestbewaffneten und glamourösesten, weil nie kolonisierten Staates in Afrika könnte den Menschen in Somalia den starken Halt geben, der an den Islamisten zunächst bedingt begrüßt wurde. Der großsomalische Nationalismus ist wohl kaum so stark, wie dies die Islamisten und in ihrem Gefolge die Friedensforscher gerne hätten. Im zersplitterten Somalia gilt zuerst die Clanzugehörigkeit und nicht irgendeine abstrakte Nationalität. Die Hälfte Somalias ist ohnehin als Puntland und Somaliland de facto unabhängig. Dass nicht der mächtige Westen, sondern das arme Äthiopien nun die Drecksarbeit machen muss, trägt möglicherweise zusätzlich zur Legitimierung in Afrika bei.

Militärische Probleme wird Äthiopien, das aus dem Krieg mit Eritrea als moralischer und militärischer Sieger hervorgieng, kaum haben:

Nach Angaben der britischen Fachzeitschrift „Jane´s“ beträgt die Truppenstärke zwischen 150 000 und 180 000 Mann. Nach UN-Angaben waren im November mindestens 8000 äthiopische Soldaten in Somalia stationiert. Außer Luftwaffe und Bodentruppen hat Addis Abeba auch Panzer und Artillerie über die Grenze geschickt. Die Armee verfügt über schwere Geschütze, darunter 170 im Jemen gekaufte sowjetische Panzer vom Typ T-55 sowie Artillerie- und Raketenabwehr-Geschütze. Die Luftwaffe ist mit einem halben Dutzend russischer Suchoi-24-Jäger, einem Dutzend Kampfjets des Typ Mig-23 und 25 alten Mig-21-Fliegern gut ausgestattet. (focus.de)

Zudem haben die USA ihre Unterstützung zugesagt. Die Islamisten könnten allenfalls aus dem bettelarmen Eritrea und dem üppigen Schwarzmarkt ein paar Kleinwaffen auftreiben und evtl. an der Bundeswehr vorbei aus der arabischen Halbinsel Waffen schmuggeln. Immerhin gelang es, während des Libanon-Krieges hunderte somalische Kämpfer zur Unterstützung der Hisbollah einzufliegen, der Iran machts möglich. Jemen steht allerdings auf Kriegsfuß mit dem aggressiven Eritrea und wird wohl kaum Islamisten helfen, die Eritera unterstützen und von diesem unterstützt werden.

Äthiopien darf jedoch hinsichtlich seiner Absichten und seiner Besonnenheit nicht überschätzt werden. Im Sechtsärmsten Land der Welt sind (wie in Somalia) 90 % der Frauen genitalverstümmelt, demokratische Rechte sind auch nach dem Sturz des mittlerweile in Simbabwe mitregierenden "roten Terroristen" Mengistus nicht allzu etabliert, was sich in den aufständischen Oromo-Gebieten abspielt, ist unklar und die Waffe Hunger nutzen ohnehin alle Parteien. Somalische Warlords erheben oft sogar noch Gebühren für die Rettung von Flutopfern durch Hilforganisationen.

In Ostafrika ist das Klima immer ein schwer abzuschätzender Kriegsbeteiligter. Mit der Regenzeit versinken die Landschaften in Morast und ein Bewegungskrieg wird unmöglich. Die Kampfhandlungen werden daher oft durch Regenzeiten beendet, um zu deren Ende wieder aufzuflammen. Andererseits bleibt den Islamisten wenig Rückzugs- und Mobilisierungsraum angesichts der Flutkatastrophe im Süden. Die Chancen für Äthiopien, zumindest in einem größeren Teil Somalias einen halbwegs demokratischen Staat zu restaurieren und die Islamisten, von denen in Afrika nicht wenige die Nase voll haben, endgültig zu vertreiben stehen nicht schlecht und standen vielleicht nie besser. Zumindest eignet sich das flache, versteppte Somalia weniger für einen Guerrilla-Krieg wie in Afghanistan die unzugänglichen Berge.

Am Pressespiegel fällt besonders der stete Verweis auf die Schwäche der somalischen Exilregierung auf. Damit soll ein ums andere Mal die äthiopische Intervention zum Angriffskrieg zu dramatisiert werden. Wer stützt schon eine schwache Regierung. Die Sympathie verläuft hier eindeutig mit der Stärke der Islamisten, wer regieren kann, hat recht, unabhängig von der verkündeten Ideologie. Da werden bisweilen Loblieder auf den durch islamistische Sturheit und Organisationsfähigkeit gegründeten "friedlichen" Zustand in Mogadischu gesungen, dass es nur so eine Art hat. Und jetzt, so lamentiert man treuherzig, komme Äthiopien und mache das "bisschen Frieden" kaputt. Als wäre der Aufbau einer freien Gesellschaft möglich, wo Scharia, Musik- und Fernsehverbot herrschen. Auch die Rede vom "Stellvertreterkrieg" ist tendenziös. Wer das Wort im Munde führt, versucht in der Regel die seit je in allen Kriegen üblichen Kriegsbündnisse dann zu diskreditieren, wenn die USA als Bündnispartner auftreten. Dann greift der Weltverschwörungsreflex und es wird ein "Flächenbrand", die "Büchse der Pandora", das Handeln gegen die autochtonen und für amerikanische Interessen und was nicht noch alles beschworen.

Ich persönlich hoffe, morgen über die Befreiung Mogadischus lesen zu können. Und vielleicht in einem Jahr über den ersten mit konventioneller Kriegsführung gewonnenen Krieg gegen den aggressiven Islamismus.

Weiterführend: Michael Birnbaum, Krisenherd Somalia, Heyne Verlag München 2002.

Wikipedia zu Somalia

"Portal Somalia" auf Wikipedia

 

27.12.06 16:57


Blood Diamonds?

"The great Star of Africa" , mit 530,20 Karat der größte geschliffene Diamant der Welt.

Der Standard vermeldete am 17.12.2006 :
Lobatse - Nach jahrelangem Rechtsstreit dürfen die San-Buschleute aus Botswana in ihre traditionellen Stammesgebiete in der Kalahari-Wüste zurückkehren. Die Regierung habe die San "gewaltsam oder versehentlich und gegen ihren Willen" von ihrem Besitz vertrieben, erklärte der Oberste Gerichtshof in Lobatse am Mittwoch. Die Ureinwohner hätten bis zum 31. Jänner 2002 das Reservat der Kalahari rechtmäßig besiedelt. Ihre Vertreibung sei daher "ungesetzlich und verfassungswidrig" gewesen.

Keine besonders aufregende Meldung. Der jahrelange Streit vorher wurde von ethischen Bedenken dominiert, ob man für den Naturschutz Menschen umsiedeln dürfe, ob man diese Menschen in ihrem Zustand weiterleben lassen soll, oder sie gemäß dem Wunsch einiger mit Strom und Wasser, Hospitälern und Schulen versorgen soll. Einer Erzählung zufolge hätten die San auf ein Hospital im Naturpark Kalahari bestanden, dies sei der Auslöser für die heftige Umsiedlungsaktion der Regierung Botswanas gewesen. Der Betrieb eines Hospitals hätte das Regelwerk des Naturpark überlastet.

Die Rezeption in der internationalen Öffentlichkeit wurde dagegen weniger von rationalen Argumenten geprägt, als von blutrünstigen Phantasien um "Blutdiamanten": Botswana wolle an einen "internationalen Großkonzern" die Konzession zum Diamantabbau in Boswara-Gebieten vergeben, und sei damit in Sachen Skrupellosigkeit an die Seite von Warlordregimes in Sierra Leone oder dem Kongo gerückt. Es betreibe einen "Völkermord" an den San.

Fakt ist: Allein touristischen Interessen kann das Bestreben der Regierung kaum gelten. Wer Erlebnisreisen macht, will auch original Buschmänner mit Ritual und Jagd sehen. Entweder es gibt tatsächlich Diamanten dort, oder es sind aufklärerische Interessen an Naturschutz und Zivilisierung, die über den tatsächlichen touristischen Nutzen gestellt wurden. Oder beides.

Die Taz behauptet dazu: "Botswana hat sich mit diesem Vorwand immer verteidigt und wischte die eingeforderte Existenzberechtigung der San auf ihrem seit mehr als 20.000 Jahren angestammten Lebensgebiet vom Tisch mit der Begründung, es handele sich um Regierungsland.

Wo Lebensraum angestammt ist, juckt es den Nazi naturgemäß am Abzug. Eine Existenzberechtigung besteht anscheinend darin, im Land der Vorfahren mit den Vorfahren zu leben und bei den Vorfahren beerdigt zu werden. Statt der Forderung nach einem angemessenen Leben in Botswanas Dörfern und Städten wird allein die Rückkehr in Bedingungen gefordert, die mehr als dürftig sind.

Die notorische gfbv beschreibt die durchaus kritikablen Umsiedelungsbedingungen so:
"Mehr als 20 San, die die Klage mit unterzeichnet haben, können das Ende des Gerichtsverfahrens nicht mehr erleben, denn sie sind aufgrund der schlechten Versorgung in den Umsiedlerlagern gestorben", berichtete Roy Sesana, der Sprecher ihrer Selbsthilfeorganisation "Ureinwohner der Kalahari" (First People of the Kalahari). "Wir hoffen, dass wir nun bald Gerechtigkeit bekommen, bevor noch mehr von uns sterben." Seine Organisation war für ihren gewaltfreien Protest gegen die Zwangsumsiedlung im Jahr 2005 mit dem "Alternativen Nobelpreis" ausgezeichnet worden.

Mit Drohungen, willkürlichen Verhaftungen, Morden, Folter und anderen Übergriffen verbreiten Sicherheitskräfte und Behörden seit Jahren ein Klima des Schreckens unter den Ureinwohnern, damit dieses Jäger- und Sammler-Volk sein traditionelles Siedlungsgebiet verlässt. Seit 20.000 Jahren leben San in der Kalahari. Nun sollen sie das Gebiet räumen, das in den 60er Jahren zum Wildpark erklärt wurde, da die Behörden um den Wildbestand fürchten und die Versorgung der vereinzelt lebenden Ureinwohner-Gemeinschaften zu aufwändig sei. Kritiker vermuten, dass dies nur vorgeschobene Argumente sind, um einen Abbau von Diamanten- Vorkommen in dem Reservat zu ermöglichen. Umweltschützer betonen, dass sich der Wildbestand in den letzten Jahren nicht verringert habe.

Derselbe eben erwähnte Roy Sesana, der angeblich selbst einen Mercedes fährt und eine Villa bewohnt, hat sich schon ganz auf den Ton der Presse eingestellt:
"Es gibt keine Entwicklungsprojekte für uns – nur einen Plan, die Kultur der Buschleute zu vernichten und das Land für Diamantenschürfer zu räumen, insbesondere für das Unternehmen De Beers".

Da kommt Leonardo di Caprios neuer Film "Blood Diamond" gerade recht um ein bisschen Furore zu schlagen. Schon in diesem Film wird einer Ideologie das Wort geredet, die gesellschaftliche Ursachen für Konflikte und Krieg ausblenden muss, um nicht etwa "indigene" Afroafrikaner, also die Guten, zu kritisieren. Sie sind alle Opfer von fiesen, skrupellosen Diamanthändlern in Israel und Amerika, und letztlich sind am Gemetzel in Afrika WIR westlichen Verbraucher schuld: Einige Damen sollen nach dem Film heimlich in der Toilette ihre Diamanten abgelegt haben, um nicht negativ aufzufallen. Das Ergebnis einer solchen Ideologie ist fatal: Erstens werden Konflikte vernachlässigbar, sobald man nicht direkt "Blutkaffee, Blutcola, Blutöl" und Sonstiges kauft, und zweitens dürfen die Zustände in Afrika und andernorts einfach so fortbestehen, solange nur das Gewissen und das reaktionäre Weltbild der Verbrauchers und der hinter der Kampagne gegen Botswana stehenden Organisation "Survival International" nicht tangiert wird.

Laut "Welt" passt eine solche Mentalität "wunderbar zum Geist der Webseite www.boycottdebeers.com, die Leonardo DiCaprio auffordert, zur Gallionsfigur eines noblen Kampfes zu werden. Es geht um den Vorwurf an die Regierung von Botswana, im Auftrag von DeBeers Buschmänner aus ihrer Reservation in der Wüste Kalahari zu vertreiben."

Dr. Alexander von Paleske stellt dagegen klar:

"Im Jahre 1967 wurden die ersten Diamanten gefunden und anders als vielen anderen Laendern der 3. Welt sollten sich diese Funde nicht als Fluch, sondern als Segen erweisen.

Der Grund liegt in der parlamentarischen Demokratie und der Nutzung der Einkommen aus den Diamantenverkaeufen fuer die Entwicklung des Landes."

Einer also schafft es, sich nicht vom Fetisch der Ware blenden zu lassen und geht auf die gesellschaftlichen Bedingungen ein. Die er folgendermaßen beschreibt:

"Die Einkünfte aus den Diamantenverkäufen finanzieren das einzige umfassende Anti-Aids-Programm in Afrika. Mittlerweile werden mehr als 30.000 Patienten mit antiretroviralen Medikamenten behandelt. Und es gibt mir die Möglichkeit, meine Krebspatienten zu behandeln, bzw. zur teuren Behandlung nach Südafrika zu schicken, natürlich auch Patienten der Basarwas. Letzlich sind Survival International die Folgen dieser Kampagne für die breite Bevölkerung egal, solange es nur dem Ziel dient, bei der Rückführung der Buschmänner voranzukommen."

Auf afrika.heim.at findet sich mehr dazu:

Botswanas Diamantenförderung ist wegen des hohen Gehalts an Schmuckdiamanten vom Wert her die größte der Welt. 80 Prozent der Diamanten von Jwaneng sind Schmuckdiamanten. Über zwei Milliarden US-Dollar im Jahr bringt die Förderung aus Jwaneng und den anderen großen botswanischen Minen.

cnn zeichnet ein regelrecht sozialistisch anmutendes Bild:

Education isn't the only service that is free. Health care, a growing concern in Botswana, is also paid for by the government. Lifetime supplies of anti-retrovirals for AIDS sufferers are a novelty in Africa and vital in a nation where experts estimate that two out of every three people are infected with the HIV virus.

In Botswana wird allen Studenten das komplette Studium mit Lebenshaltungskosten finanziert. Und gerade das "Blutdiamantenregime" in Botswana bietet laut voanews.com sogar Diamantenkontrolleuren ein Forum:

Representatives from the 47 member countries of the Kimberley Process are meeting in Botswana's capital, Gaberone, for a three-day conference to discuss how well conflict diamonds are being kept out of the market.

Mit Diamanten finanzierten und finanzieren tatsächlich in Sierra Leone und im Kongo Warlords ihre Massaker. Massaker finden aber in Afrika mit und ohne finanzielle Mittel statt. In Ruanda waren billige Macheten die Waffe, mit der die meisten der 800 000 Opfer ermordet wurden. Und auch in Sierra Leone ging es kaum darum, die Diamantminen zu sichern, um weltlichen Reichtum zu erlangen, sondern der Terror der RUF war dem Reichtum vorgängig und hätte aller Erfahrung nach auch ohne Diamanten an anderen Stellen stattgefunden. Konflikte mögen interessengeleitet sein, die extreme Brutalität, mit der in Afrika systematisch und massenhaft Menschen verstümmelt werden, ist es nicht.

worldpress:
The N.P.R.C. initiated “Operation Genesis” to drive out R.U.F. rebels, but
was unsuccessful. The rebels, in turn, launched a vicious attack on Sierra Leoneans during the 1996 elections. To intimidate potential voters and to maintain control of the diamond mines, the rebels chopped off the hands and feet of adults, teens, children and even infants. In spite of these brutal attacks, the R.U.F. was invited to participate in the elections. But the rebels once again reverted to their depraved tactics, amputating civilians’ hands and feet.

Weil 1-4% der Diamanten weltweit in Gebieten gefördert werden, in denen barabarische Kriegsführung um des Krieges willen stattfindet, in Sierra Leone soll anscheinend al quaida beteiligt sein, erfährt Botswana für eine zwar diskutable, aber kaum skandalös zu nennende Umsiedlungspolitik eine internationale Hasskampagne, die auf die ökonomische Existenz des Staates selbst abzielt.

Proteste eines englischen Abgeordneten verpuffen an solchen Wahngebilden, wie sie amnesty usa verbreitet:

I found it hard to remember that the cause of all this suffering– thousands of doomed refugees, well-armed but illiterate and drugged combatants, fallen wounded like Lahia, and injured civilian children– was brutally simple: the greed for diamonds.

Der Grund für diese Brutalität ist die Brutalität des Nihilismus, wie er in Kinderarmeen, islamistischen Rackets und Guerillaselbstläufern vorherrscht. Das Interesse des Marktes liegt auf sicheren Verhandlungspartnern und stabilen Produktionsbedingungen.

Vom blood diamond zum conflict diamond ist es ideologisch kein weiter Weg. Beide Begriffe vermeiden es, gesellschaftliche Umstände zu denunzieren, die mit einem bestimmten Produkt nicht notwendig etwas zu tun haben, und deren Beseitigung kaum in einem Boykott der "schlechten" Ware aufgeht.

Botswana bleibt zu wünschen, dass es seine AIDS Epidemie mittels Diamanten, und kämen sie aus der öden Kalahari auf Kosten der "Jahrtausende alten Kultur" von 243 San, weiterfinanzieren kann. Eine wirkliche Bedrohung für dieses Projekt geht allerdings nicht von stupiden völkischen Hilfsorganisationen aus, sondern von der Konkurrenz durch die mittlerweile perfekt gewordenen Industriediamanten.

Den San wäre zu wünschen, dass sie ihr Wissen um Pflanzen in der Kalahari mit einem erfolgreichen Biologiestudium verknüpfen, ihre Philosophie mit anderen Modellen abgleichen zur Weiterentwicklung und Kritik, dass sie akzeptieren, ihr Fleisch vom Hirten zu erwerben und ihre Ahnen dort lassen, wo sie anscheinend hingehören: In der Kalahari.

 

23.12.06 19:41


Black Box Afrika – Ein Kontinent driftet ab

Hans Christoph Buch . ZuKlampen 2006, 159 Seiten, 16€.
ISBN 3-934920-94-2

Zeitungsartikel zwischen 1995 und 2005 einfach zusammenzupacken und mit ein paar Kommentaren, Postskripten zu jedem Artikel, versehen zwischen zwei bunte Hardcover zu klatschen genügt anscheinend, um den öffentlichen Hunger nach Afrikathemen zu sättigen. Augenscheinlich wird die Literatur über Afrika derzeit vor allem von Publizisten und gefärbten Hilfsorganisationen abgedeckt. Wissenschaftliche Rahmenbedingungen sind da von sekundärem Interesse, Fussnoten, Zeitangaben, all das braucht ein Buch nicht, solange es „literarische“ Essays versammelt. Leider rutscht die Darstellung dadurch etwas in Richtung Populismus und Exotismus. „Niemand ist gefeit gegen Klischees, die manchmal der erste Schritt zur Wahrheitsfindung sind.“ (159)

Dieser nicht ganz falsche Satz scheint bisweilen Programm zu sein, wenn es um grobe Verallgemeinerungen beispielsweise der zahlreichen unterschiedlichen familialen Systeme in Afrika geht: „Interessanter, weil empirisch nachprüfbar, ist der Hinweis auf die afrikanische Familienstruktur, ein verkapptes Matriarchat, bei dem der Vater nur die Rolle des Erzeugers spielt, während die Erziehung der Kinder Onkeln und Tanten obliegt. Allein unter wirtschaftlichem Druck hat sich in Afrika die Einehe durchgesetzt, während die Polygamie nicht nur unter Moslems weit verbreitet ist. In diesem Kontext ist die von Autoren wie Stuart Vail beschriebene Mentalität der instant gratification einzuordnen, also eines hemmungslosen Lustprinzips, das bei der Wunscherfüllung keinerlei Aufschub duldet und die Betroffenen für Alkohol, Drogen und schnellen Sex, sprich AIDS empfänglich machen soll.“ (154)

Ob Polygamie die Regel war oder ist, bleibt höchst fraglich ob der verbreiteten Praxis der weiblichen Genitalverstümmelung, die Jungfräulichkeit und eben Einehe garantieren soll und von Brautpreissystemen beispielsweise in Kenia, die es Männern von je kaum erlaubten, mehrere Frauen zu „erwerben“. Trotz aller stilistischen Mängel, die erwähnte Nachlässigkeit bei Fakten und Zeit- wie Ortsangaben, das etwas unübersichtliche Springen von Schlaglicht zu Schlaglicht, bemüht sich Buch um Reflexion und nüchtern-brutale Darstellung, nicht zuletzt mit dem Ziel, gutmenschliche Irrtümer über Afrika bloßzulegen. Das Buch kann schnell auf einer Zugreise weggelesen werden, die Leserschaft erhält ein gewisses Halbwissen, und ebenso schnell wurde es anscheinend geschrieben, bzw. aus Artikeln zusammengestellt.

„Und weil das Wort Stamm einen kolonialen Beiklang hat, erklären Gutmenschen in Europa sie für nicht existent.“ (145)

„Kollektive sind hier wichtiger als Individuen, denn ähnlich wie im vormodernen Europa gilt nur ein Mitglied der eigenen Volksgruppe als vollwertiger Mensch, während Angehörige fremder Ethnien als quantité negligeable betrachtet werden, deren Leiden wenig oder gar kein Mitgefühl hervorruft. Der Videofilm mit der Folterung und Ermordung des gestürzten Staatschefs Samuel Doe war ein Bestseller in Liberia, und auf meine Frage, warum er seine afrikanischen Brüder und Schwestern töte, antwortete ein Kindersoldat in Monrovia mit der Gegenfrage: Warum nicht?“ (150)

„Tribalismus, also Stammesdenken, ist das Hauptproblem Afrikas, und die Auflösung der Staatlichkeit, Somalisierung genannt, schreitet unaufhaltsam fort. […] Allein in der an Uganda grenzenden Ituri-Provinz sind 50 000 Tote zu beklagen, die Wirtschaft ist zu 100%, die Infrastruktur zu 80 % zerstört, 50% der Frauen und Mädchen wurden vergewaltigt oder sexuell versklavt, und in den Flüchtlingslagern breitet sich Cholera aus.“ (31)

„1972 wurden in Burundi 200.000 Hutu-Evolués, lese- und schreibkundige Angehörige der Unterschicht, von der Tutsi-Armee ausgelöscht, und beim bisher schlimmsten Völkermord im benachbarten Ruanda haben Hutu-Milizen im Sommer 1994 bis zu einer Million Tutsi niedergemetzelt.“ (43) „In Afrika herrscht das Führerprinzip – die Leute hier wollen einen starken Mann.“ (48)

„Zum Abschied fragt er [Jean-Baptiste Bagaza] mich, wie Hitler es geschafft habe, sechs Millionen Juden umzubringen. Ob das technisch möglich gewesen und ob die Zahl nicht übertrieben sei?“ (53)

„Ich will wissen, ob in Monrovia umlaufende Gerüchte stimmen, wonach es im Busch immer wieder zu Fällen von Kannibalismus kommt? – Ja, aber nicht zur Stillung des Hungers, sondern als magisches Ritual, mit dem der Geist der Toten seinem Mörder dienstbar gemacht werden soll.“

„Man spricht von Sobels – Soldaten bei Tag und Rebellen bei Nacht.“ – „Und warum hacken sie den Leuten die Hände ab?“ – „Zur Abschreckung, damit sie nicht von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen. Im Wahllokal wird jeder Bürger mit Fingerabdruck registriert. Trotzdem hat das Volk den Putschisten eine Abfuhr erteilt und einen demokratischen Präsidenten gewählt.“ (92)

„Man macht die Libanese, die den Ein- und Ausfuhrhandel kontrollieren, für alles verantwortlich, aber ich glaube, die Leute hier haben die falsche Mentalität und sind an ihrer Misere selber schuld.“ (95)

„Auf frischer Tat ertappte Diebe werden in Afrika auf offener Straße gelyncht, denn der Marktplatz ist hierzulande ein heiliger Ort.“ (151)

„Um sich vor übler Nachrede und bösem Blick zu schützen, muß jeder, der Reichtum oder Macht besitzt, seinen Clan mit großzügigen Geschenken bei der Stange halten – ein feudales Klientelsystem, das demokratische Transparenz verhindert und die in Afrika allgegenwärtige Korruption nach sich zieht.“ (152)

Der Autor H.C. Buch, dem auch im Buch die angenehme Nähe zu materialistischen Erklärungsansätzen anzumerken ist. Dabei bleibt er jedoch weitgehend immun gegen imperialistische und Postkolonialistische Wahngebilde, bisweilen lässt sich ein hauchzarter Duft kritischer Theorie im Abgang bemerken. 

2.10.06 15:38


Afrikanische Krokodilhexen

"Aufgrund des internationalen Schutzprogrammes für gefährdete Arten (Cites) wuchs in den vergangenen Jahren in Malawi die Krokodilpopulation. Wegen knapper Nahrung töteten die Tier im Süden im Durchschnitt jeden Tag über zwei Menschen, sagt der Wildhüter Khaled Hassen. Auf eine Anfrage des Provinzparlaments, was die Regierung gegen das Problem zu tun gedenke, antwortete George Ntafu, Minister für Wildlife, sein Ministerium gehe davon aus, dass die Ausbreitung der Krokodile auf Hexerei zurückzuführen sei."

Zeitartikel über Hexenverfolgungen in Afrika

"Minister für Wildlife" und an Hexen glauben! Völlig normal in Afrika, auch dass Menschen für menschenfreies Wildlife umgesiedelt werden.
Botswana

Schließlich ist Afrika der Zoo Europas, da will man wilde Tiere sehen und am besten noch eine zünftige Hexenverfolgung hinterher.
In Tansania ergab eine Untersuchung des Familienministeriums, dass zwischen 1994 und 1998 rund 5000 Menschen infolge von Hexenjagden gestorben seien. Als Hexen werden vor allem alte Frauen verdächtigt.
29.4.06 16:13


Körperstrafe von Oppas Gnaden

Was passiert, wenn traditionelle Strukturen wiedererweckt werden, und eine Gerontokratie ihre verdrängten sexuellen Wünsche mal eben an harmlosen Dieben ausagiert, sieht man derzeit in Gutemala:

Guatemala-Stadt - Nach einem versuchten Diebstahl sind vier junge Männer in Guatemala nach traditionellem Maya-Recht verurteilt worden: Die Bewohner des Dorfs Barreneche, 65 Kilometer westlich von Guatemala-Stadt, erhielten am Montag jeweils 13 Peitschenhiebe. Danach wurden sie gezwungen, 400 Meter auf den Knien zurückzulegen.

Die Vollstreckung der Strafe wurde nach Polizeiangaben von 1.000 Menschen beobachtet, darunter auch Bewohner der Nachbargemeinden La Esperanza und La Concordia. Die vier Männer im Alter von 18 und 20 Jahren wurden ertappt, wie sie vor dem Morgengrauen in die Dorfschule einzudringen versuchten. Sie sollen geplant haben, die Computer der Schule zu stehlen. Die Strafe, zu der auch noch sieben Tage Gemeinschaftsdienste gehören, wurde von den Ältesten der Maya-Gemeinschaft ausgesprochen.

Quelle

Anstatt nach fast einem halben Jahrhundert Bürgerkrieg, Folter und Diktatur mit 200 000 Toten und 1 Million Flüchtlingen endlich mal die Chance zu nutzen und zu zivilisatorischen Verhaltensweisen überzugehen, verfällt man auf Indigenismus und Volksgerichte.
1000 glotzende Schaulustige zeigen deutlich, dass solcherlei barbarische Demonstrationen auf wenig Widerstand stoßen.

wikipedia zu Guatemala
17.4.06 19:37


Poststrukturalismus und Genitalverstümmelung

Genitalverstümmelung und Witwenverbrennung (Sutee) seien Monstrositäten, mit denen der Westen sich selbst konstituiere, indem er sie bei anderen anklagend feststelle. So lautet das Credo der postkolonialen „subalternen“ FeministInnen vom Schlage einer Chakravorty Spivak. Der weiße Mann stelle sich schützend vor die schwarze Frau und leugne dadurch deren Handlungsfähigkeit. Schlimmer noch, er dämonisiere die Kultur der „Kolonisierten“ als „Anderes“, von dem sich abzugrenzen gelte.
 
Im Jargon versuchen solche reaktionäre Möchtegernrevolutionäre Kultur zur Angelegenheit derer zu machen, die sie „reproduzieren“, und in überwältigender Sinngebung faselt man von einem Akt der Selbstbestimmung, wenn sich Witwen in Indien selbst verbrennen. Auf solches menschenverachtendes Gefasel geltungssüchtiger Pseudowissenschaftlerinnen braucht man keinen Deut zu geben. Sie sind mit Positionen wie: „Frauen, nehmt den Männern den Koran weg“, oder „Mohammad war der größte Feminist aller Zeiten“ auf dem intellektuellen Müllhaufen der Geschichte einzusortieren. Als weißer Mann oder Frau die Frauen der Peripherie als sprachlose Objekte zu markieren ist in dieser Ideologie ein größeres Verbrechen, als solche Zustände hervorzubringen.
Zum selbst bestimmten weiblichen Akt verherrlichen solche "autochtonen" Pseudofeministinnen die Arbeit der Beschneiderinnen. Fakt ist, dass Frauen der Peripherie in der Regel sprachlos gemacht werden von erdrückenden patriarchalen Zuständen, um den „Eurozentrismus“ von feministischer wie universalistischer Theorie können sie sich zwangsläufig wenig kümmern.
 
Die Alphabetisierungsrate von Frauen bleibt in den meisten Ländern konstant niedrig. Schlimmer noch ist, dass Frauen systematisch verstümmelt werden. Die Methoden variieren, der Kern bleibt gleich: Bei der „Sunna“ wird dem Mädchen die Klitoris teilweise oder ganz entfernt. Bei der „Infibulation“ wird die Klitoris und die inneren Schamlippen entfernt. Dies wird häufig verschärft durch die „pharaonische Beschneidung“, bei der die äußeren Schamlippen nach der Entfernung der inneren Schamlippen vernäht werden, bis nur noch ein millimetergroßes Loch zur Urination und Menstruation verbleibt. Teilweise werden die Wunden mit Glasmehl eingerieben, um „verbleibende Reste“ nach und nach beim Gehen auszuschaben. Die Verstümmelung erfolgt ohne Betäubung und mit traditionellen Beschneidungsmessern, mit Rasierklingen oder auch mit Glasscherben. Das Alter variiert, traditionell wurde anscheinend häufig mit der ersten Menstruation verstümmelt, der Trend geht hier dazu, immer jünger, teilweise im Säuglingsalter zu verstümmeln, mit der Begründung, dass sich das Mädchen nicht so stark wehren könne. Der Preis sinkt daher mit dem Alter des Opfers. Weiter lässt sich eine Ausbreitung der „pharaonischen Beschneidung“ feststellen, die immer häufigerr vorgenommen wird anstelle der (in eingigen Quellen euphemistisch als "mild" bezeichnete) Sunna.
Begründung ist hier, dass die Frauen in sexualisierteren modernen Zeiten stärker „gezähmt“ werden müssten. "Beschneidungsfeste" werden trotz Verboten auch von Politikern als Wahlwerbung gesponsert. Verbote nützen in Staaten mit geringer politischer Infrastruktur wenig, teilweise wirkten sie sich sogar negativ aus dahingehend, dass mit schlechteren Werkzeugen heimlich operiert wurde und "Beschneidungsfeste" den Hauch von Widerständigkeit und kultureller Identität schufen. Die Folgen der Verstümmelung sind gänzlich andere als die bei der Jungenbeschneidung. Bei der Jungenbeschneidung kann abgewogen werden: Ca. 1/5 aller Jungen haben von Geburt an oder entwickeln später Vorhautverengungen (Phimose). Diese wird durch die Jungenbeschneidung verhindert. Ferner sind positive Effekte auf Infektionsresistenz festzustellen, die Eichel bleibt trocken. Negative Effekte sind Verletzungen im frühen Kindesalter, bei manchen eine verminderte Sensibilität der Eichel durch Hornhautbildung und Infektionen während der Beschneidung. In einigen afrikanischen Regionen wird auch die Jungenbeschneidung brutal und schmerzhaft vollzogen, indem die Vorhaut zunächst auf einen Speer gespießt und dann mit primitiven Werkzeugen entfernt wird. Die Folgen sind dennoch sehr viel weniger traumatisch, nach der Ausheilung kommt es nur selten und zu vergleichsweise geringfügigen Problemen. Das verstümmelte Mädchen verliert sehr wahrscheinlich seine sexuelle Empfindsamkeit im Genitalbereich, leidet meistens ein Leben lang unter den Schmerzen beim Urinieren, beim Menstruieren und Gebären, und zudem ist die Sterblichkeit während der Verstümmelung und bei der Geburt sehr hoch, die WHO schätzt, dass ca. 10 % der Betroffenen an akuten und ca. 25 % an langfristigen Komplikationen sterben. Wucherungen, Infektionen, schmerzhafte Vernarbungen sind häufige Begleiterscheinungen und führen manchmal zu Folgeoperationen.
Diese sind ohnehin vor dem Geschlechtsverkehr und vor wie teilweise nach der Geburt notwendig. Der Grund für die Beschneidung ist wie so oft Narzissmus der Mannes. Er sieht seine „Reinheit“ bedroht durch die Verführungskraft der Frau, entwickelt Angst vor einer „übermächtigen Sexualität“ und meint, diese zügeln zu müssen. Die Klitoris wird als das „Böse“, „Schlechte“ halluziniert und soll entfernt werden, um aus den latent vom Bösen besessenen Frauen gute Menschen zu machen. Widersprüchlich bleiben solche Argumente, da die Männer oft zum Vergnügen Frauen aus Gruppen besuchen, die nicht beschnitten sind. Hier ist die häusliche Reinheit wichtiger als die Bedrohung. Die eigene Frau wird zum Möbelstück degradiert, ihrer Sexualität beraubt, damit sie weder "sexuelle Herrschaft" über den Mann erlangt, noch mit einem anderen Mann Lust beim Sex empfindet.
Weitere Rationalisierungen sind „übler Geruch von unbeschnittenen Frauen“, „hygienische Gründe“ und „böse Geister“. Grund dürfte ein auf gesellschaftlicher Ebene gescheiterter Kastrationskomplex sein. Männer kastrieren Frauen real, um ihre Überwertigkeit zu verewigen und unzweifelhaft zu machen. Eine Anerkennung des weiblichen Genitals als vollwertig führt zu Deprivationsängsten, die nur unterdrückt werden können, wenn das weibliche Genital als „schlecht“ entfernt werden muss. Die daraus folgende Gleichwertigkeit ist keine echte, die Machtdemonstration wirkt und bleibt der Frau in gänzlich unpostmodernem, eher kafkaesken Sinne „in den Leib geschrieben“. Bei jeder Urination wird sie erniedrigt durch den Schmerz. Die Verbreitung der Genitalverstümmelung von Frauen ist breiter als die meisten vermuten würden. Täglich (!) werden rund 6 000 Mädchen an den Genitalien verstümmelt. Aktuelle Schätzungen sprechen von 3 Millionen pro Jahr. Zahlreiche afrikanische Staaten weisen Verstümmelungsquoten von 90 % auf, so in Ägypten, Äthiopien, Somalia, Eritrea und Gambia. Anscheinend gab es ähnliche „Rituale“ auch ausnahmsweise in Australien bei den Aborigines, und mit anderer Begründung ist FGM auch in Europa mindestens seit der Barockzeit bis in die 20iger Jahre des 20. Jahrhunderts durchgeführt worden. Hier wurde sie vor allem zur Behandlung der Masturbation, der Hysterie und anderer vermeintlich typisch weiblicher Störungen angewandt. Von den vier sunnitischen Rechtschulen (madhhab) befürworten zwei die Genitalbeschneidung an Frauen (Malikiten und Hanbaliten); die Schafiiten halten sie sogar für eine religiöse Pflicht. In Ländern mit schafiitischer Rechtsschule ist sie deshalb auch allgemein verbreitet. Die Hanafiten lehnen die Beschneidung von Frauen ab. [Quelle: Bosworth/van Donzel, The encyclopedia of Islam, S.20]
Beschneiderinnen erhalten oft die Möglichkeit, gegen hohes Honorar nach Europa oder Amerika zu fliegen und dort im Dutzend Mädchen zu verstümmeln. Dagegen gibt es kaum Engagement oder Aufklärung, oft werden die Mädchen auch in den Sommerferien in afrikanische Staaten geschickt und dort beschnitten.
 
Deprimierend ist die geringe Forschungslage, es gibt gerade einmal 4 halbwegs fundierte Bücher, ferner ca. 2 Dutzend (Sach-) Romane, die sich mit dem Thema befassen. Aufklärungsiniativen vermelden aber rasche Erfolge, offensichtlich bringt es mehr, wenn sich die Frauen vor Ort organisieren als Gesetze, die ohnehin nicht befolgt werden. Postmoderne feministische Initiativen aus dem autonomen Spektrum sind dagegen kaum aktiv, wenn es um den Sexismus in Afrika oder in islamischen Communities geht. Man hat sich auf das weiße, patriarchale, männliche, imperialistische, heteronormative Machtsubjekt eingeschossen, weiß zu jeder freizügigeren Plakatwerbung einen Edding oder aufkleber auszupacken und hysterische Aktionen gegen „Heterosexismus“ anzuleiern, wenn ein Mann in einer Diskussion „gute Frau“ sagt, dass aber Verstümmelung der ekelhaftesten Art, massivste Unterdrückung völlig personal vermittelt vor ihrer Nase ablaufen, wollen sie nicht wissen, denn das würde fordern, ihren bequemen Sprechort zu hinterfragen. Dankenswerterweise sind betroffene Frauen wie Waris Dirie, christliche und bürgerliche Initiativen weniger von solchen Skrupeln geplagt und engagieren sich gegen Genitalverstümmelung. Einige sind unten angegeben.
 
Quellen: Taz mag vom 25/26. März 2006.
„Can the subaltern speak“ von G. Chakravorty Spivak.
Terre des Femmes (Hg.): Schnitt in die Seele - Weibliche Genitalverstümmelung - eine fundamentale Menschenrechtsverletzung. Mabuse-Verl., Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-935964-28-5
4.4.06 14:30


Das Märchen vom lieben Onkel Saddam

„Saddam Husseins letztes Gefecht? Der lange Weg in den III. Golfkrieg.“ Hrg. von Thomas von der Osten-Sacken und Arras Fatah. Erschienen bei konkret Verlag Hamburg, 283 Seiten.
ISBN 4398017214807.

Der Irak ist in der Wahrnehmung von LinksakademikerInnen, AntiimperialistInnen und Friedensbewegten Ort allen utopischen Wunschdenkens. In diesem Wunschdenken hat die Zivilgesellschaft einen klaren Begriff von der Tyrannei, die Tyrannen sind vernünftige Menschen, die mit etwas interkulturellem Dialog von Gräueltaten absehen und je ärmer die Menschen werden, desto mehr begehren sie den Sturz des Tyrannen.

Kurz vor dem 3. Golfkrieg erschien beim Konkret Verlag ein Buch, das auch und erst recht nach dem Irakkrieg, der diesem heimeligem kollektiven Raunen von Frieden und Dialog eine schmerzhafte Zäsur verpasste, lesenswert ist, weil es sich eben nicht einreiht in die ubiquitären islamwissenschaftlichen Artikel feullietonistischer Couleur.
Gegen gewohntes Denken drängen die 12 Autoren in 13 Artikeln dagegen an, dass das Baath-Regime durch bloßes Zusehen und modifizierte Embargopolitik zu verändern oder gar zu stürzen sei. Hilfe von außen müsse angesichts der aggressiven Politik Saddam Husseins eine militärische sein, eine Verweigerung bedeute Unterstützung für weiteres Morden einer völlig enthemmten Oligarchie.

Kanan Makiya umreißt in seinem Geleitwort den Wandel im Irak seit dem 2. Golfkrieg und dessen Vorbedingungen. Die Stabilität des baathistischen Terrorregimes sei erst durch den Golfkrieg in eine ernste Krise geraten und eine widerständige Bewegung so stark geworden, dass sie eine ernsthafte Bedrohung für das Regime darstellte. Lediglich das Ausbleiben der Besetzung des Landes habe letztlich zum Wiedererstarken des Regimes geführt.
Peter Slugger stellt die jüngere Geschichte des Iraks kurz und präzise vor und kommt zu dem Ergebnis, dass die Statik des Regimes auf Massenmord fusst, mit dem jedwedes revolutionäres Handeln der Bevölkerung von je her unterbunden wurde. Die Gestaltung eines post-baathistischen Staates sieht er in einem dezentralen Föderalismus mit dem der Panarabismus Husseins konkurriert.
Arras Fatah untersucht diesen postkolonialen Nationalismus und dessen Gestaltung durch die Baath-Partei. Für ihn ist der Baathismus „kein Übergang zwischen Tradition und Moderne, sondern ein Produkt der Moderne Selbst und eine spezifische Form ihrer Totalität.
Thomas Uwer analysiert die antiimperialistische Rhetorik und kommt zu dem Schluss, dass Krisen im ba’thistischen Staat Irak durch die spezifische Verfasstheit des Regimes stets in Massenmord und Terror umschlagen müssen.
Wie dieser Terror bis dato im allgemeinen aussah und gegen wen er sich richtete versucht er gemeinsam mit Thomas von der Osten Sacken darzustellen.

Khaled Salih liefert eine umfassende, aber knappe Schilderung der Anfal-Operation, während der die Ba’thisten schätzungsweise 100 000 Menschen im Nordirak systematisch ermordeten und die gesamte Infrastruktur zerschlugen. Die Hintergründe der Anfal-Operation und die Rückschlüsse auf das System erhellt Bachtiar Mohamed anhand der Symbolik der Mittel.
Die Entwässerung der Marschen im Südirak und die damit einhergehende Ermordung und Vertreibung der Marsch-Araber zeichnet Thomas von Osten-Sacken in knappen Daten nach.
Isam al-Khafaji legt den Vergleich zwischen dem Irak und Preußen nahe. Die Embargopolitik lehnt er nach umfassender Darstellung der Sachverhalte ab.

Die diplomatischen, ökonomischen und militärischen Interessen an einem ba’thistischen Irak hat Jörn Schulz recherchiert. Ofra Bengio stellt Vermutungen über eine Nachkriegsordnung an: Sezessionismus sei kaum zu befürchten. Den „Deutschen Exportweltmeister als Todeshändler“ entlarvt Hans Branscheidt. Er recherchiert Verknüpfungen und Parteinahme der deutschen Waffenhandelstreibenden und der Bundesregierung.
Dass das kurdische „Autonomiegebiet“ lediglich eingerichtet wurde, um sich eines Flüchtlingsproblems zu entledigen behaupten Thomas Uwer und Thomas von Osten-Sacken.
Wie das alles der deutschen Friedensbewegung aber nicht zur Abscheu vor dem Regime gereichte, sondern zu heftiger Unterstützung gegen jegliche militärische Aggression und teilweise sogar in Verklärung Saddam Husseins als antiimperialistischem Held mündete schildert zuletzt Andrea Woeldike.

Den Abschluss dieses rundum kritischen, vielseitigen, gelungenen und aufgrund der detaillierten Analyse auch visionären Buches bildet eine Zeittafel der wichtigsten Ereignisse des Irak.
Zu bemängeln bliebe ein in wenigen Anschnitten positivistisch anmutender Materialismus.
Auch nach dem Irakkrieg dient das Buch noch ausgezeichnet zum Verständnis des derzeitigen desolaten Zustandes über ein Verständnis der vorangegangenen Zerstörungen, ferner ermöglicht es einen intimen Blick in die Paradoxien des naiv-pazifistischen Verständnisses vom Ba’thistischen Regime, dem hier entschieden widersprochen wird.
Das Buch ist beim konkret Verlag und im Buchhandel für 14,80 € erhältlich.
9.4.06 14:06





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