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Antisemitismus

Jean Améry - Werkausgabe komplett

Jean Amérys Werkausgabe wurde der neunte und letzte Band ["Materialien": 900 S., 40€] hinzugefügt. In für die taz sehr ungewohnten Tönen rezensiert der Marburger Literaturwissenschaftler Jan Süselbeck:

Ganz andere Qualität hat in der vorliegenden Materialien-Auswahl Henryk M. Broders Artikel über Amérys Kritik des linken Antizionismus, der 1993 in der taz erschien. Man sollte diesen Text jedem jungen Menschen, den man heute noch mit einem "Palituch" um den Hals antrifft, freundlich in die Hand drücken. Broder fasst hier auf seine pointierte Art die wesentlichen Essays Amérys über den Antisemitismus in der deutschen Linken zusammen. Zentral ist dabei ein - heute mehr denn je gültiger - Satz Amérys von 1973: "Wer die Existenzberechtigung Israels in Frage stellt, der ist entweder zu dumm, um einzusehen, daß er bei der Veranstaltung eines Über-Auschwitz mitwirkt, oder er steuert bewußt auf dieses Über-Auschwitz hin."

Jetzt, da das iranische Regime Mahmud Ahmadinedschads den Staat Israel offen mit dem möglichen Bau einer Atombombe bedroht, ist es besonders dieser politische Werkkomplex Amérys, der 30 Jahre nach dem Freitod des Autors wieder dringende Beachtung verdient: "Aus dem Anti-Zionismus erwächst die Giftblüte des Antisemitismus. Die pro-arabische Stimmungsmache hat den Konsensus: von der äußersten Linken über die bürgerliche Mitte bis zu den alten Nazis", stellt Améry im April 1975 in einem Schreiben an den Merkur-Herausgeber Hans Paeschke fest. Man möchte der nunmehr vollendeten Werkausgabe wünschen, dass ihre Leser diese Wahrheit zur Kenntnis nähmen. Damit wäre der Grundstein zu einer differenzierteren Rezeption eines der streitbarsten Publizisten des 20. Jahrhunderts gelegt.

 

6.5.08 17:41


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Eau de Cologne

Köln geht achselzuckend an einer antisemitischen Dauerkundgebung in seiner innersten Mitte vorbei. Zur Kölner "Klagemauer" wurde hier bereits ausführlicher geschrieben. Bei meinem Köln-Besuch stand die Plakatwand wie ein sozialromantischer Atavismus verwaist herum, niemand las, niemand missionierte. Auch ich brachte den Mut nicht auf, beim Vorbeigehen gegen ein Schild zu stolpern und den ganzen Kladderadatsch zum Einsturz zu bringen. Meinungsfreiheit würde eher an eine Millionenstadt die Anforderung stellen, doch wenigstens eine von offiziellen Seiten unterstützte professionelle Gegenaktion anzuberaumen. Das Schweigen, mit dem das antisemitische Lügen (4,3 Millionen Palästinenser seien vertrieben worden, Highways seien nur für Israelis benutzbar) geduldet wird, ist symptomatisch, nicht das öffentliche Artikulieren einer zutiefst hasserfüllten und antijüdischen Haltung. Die idiomatische Wendung "Israels hässliches Gesicht" spricht von tief verankerten Rassemerkmalen, in denen das Böse sich ästhetisch artikuliere. Perfide wird noch die "Klagemauer", für religiöse Juden heiliges Symbol des zerstörten Tempels, als solches gegen den jüdischen Staat umgemünzt. Das friedensbewegte Köln will sich eben an einer ökumenischen Klagemauer gründlich über "Israels hässliches Gesicht" ausweinen.

9.4.08 11:13


Vorsicht Propaganda

Hier geht es um ein islamistisches rosa Riesen-Häschen, das Assud ('Löwe') heißt, weil es kein Hasenfuß sein will und in Wirklichkeit Juden auffressen (sic!) möchte. Sein Bruder, Nahoul,  stirbt exaltiert und theatralisch, wie es sich für ein Stofftier gehört. Assoud will deshalb Märtyrer werden.

Ein Trugschluss wäre es zu glauben, solche postmoderne, bunte Propaganda stünde der bedrückende nationalsozialistischen Hetzfilmerei in effektivem Grauem etwas nach. Wenngleich die unfreiwillige Satire durch die Poren trieft, darf nicht verleugnet werden, dass hier Kinder dazu aufgerufen werden, Selbstmordattentäter zu werden.

Dank an den Leser Sly_von_Voigt für den Hinweis auf dieses wirklich bemerkenswerte Dokument der Proliferation von antisemitischer Gewalt durch jenes Racket, das mit Israel in sogenannten Friedensverhandlungen steht.

17.3.08 15:05


Heftige Raketenattacken auf Ashkelon und Sderot

In den letzten 24 Stunden schlugen 80 Kassams im südlichen Israel ein. Neun wahrscheinlich in Ägypten eingekaufte Katjusha-ähnliche GRAD-Raketen russischer Herkunft trafen Ashkelon und verwundeten 2 Personen. 1000 Raketen wurden seit Anfang 2008 von Terroristen aus dem Gaza-Streifen abgefeuert.
Quelle: Israel News
29.2.08 21:31


Dolchstoßlegende am Rosenmontagsumzug

Der Deutsche kann von gewissen liebgewonnenen Traditionen nicht lassen. Am Rosenmontagsumzug präsentierte der Kölner Zoch wieder ein auserlesenes Modell deutscher Kleinkunst: Ein Nokia-Handy verwandelt sich in einen Dolch, der drei harmlose deutsche Arbeitskräfte aufspießt.
 
Damit wird die öffentliche Meinung eingefangen, bei Nokia handele es sich um einen "Subventionsbetrüger", eine Heuschrecke gar, die am deutschen Blute zapfe, um selbstsüchtig das Kapital zu mehren.
Dass Deutschland quasi Rumänien über Jahre hinweg durch Subventionen den Nokiastandort noch abpresste, ist sein gutes Recht inmitten nationalstaatlicher Konkurrenz. Der Vertrag, in dem gemeinhin das Maß der jeweiligen Äquivalenten, die zum Tausch anstehen, besiegelt ist, ist allerdings ebenso gutes Recht, und darin steht, dass Nokia nach einiger Zeit in Rumänien Arbeiter zum 10-fach günstigeren Lohntarif ausbeuten und mit den dann dort hoffentlich Streikenden verhandeln darf. Nun mag man sich über die Dummheit deutscher Staatsideologie empören, die solche Verträge überhaupt festschreibt, um der Krisenhaftigkeit des Kapitals auf einen prolongierten Zeitraum zu entwischen und den dringend benötigten Schein eines krisenfreien Kapitalismus zu polieren. 
Wenn nun dieser Schein unter dem Presslufthammer der globalen Realität und Mobilität des Kapitalverhältnissen durchbrochen wird, kräht man schnell von heimtückischen Kräften, die dem eigentlich guten, wahren, schönen Arbeitsverhältnis ungebührliche Gewalt antun. Es zählt eben die willige, ehrliche Arbeitsbereitschaft nichts mehr beim Kapitalisten, dieser hat, oh Wunder, sein patriarchales Verhältnis aufgegeben und entfleucht ungehemmt und ungebunden zum Weltmarkt für schnöden Mammon. Anstatt, dass man sich dem darin enthaltenen Versprechen, der freien, grenzenlosen Fluktuation von Geist, Waren und Körper anschmiegt und das positive daran aufzuheben versucht, nimmt man Nokia übel, dass es in Rumänien Arbeitskräfte heuern will, und dort nicht wie anständige Deutsche nur billig Urlaub macht. Nicht verstehen kann man, dass Nokia die hübschen deutschen arbeitssamen Gesichtlein und die liebliche Aussicht auf deutsche Gauen gegen ein gerütteltes Maß an Profitrate eintauschen will.
Dem schleicht sich subtil Rassismus ein: Dass nun "der Zigeuner da unten" auch wenn er jetzt endlich "da unten" bleibt, dem Deutschen noch im "eigenen Land die Arbeitsplätze wegnimmt", die auch noch, wie befremdend, "der Finne" von "da oben" "gemacht" hat, ist wirklich der Gipfel an Zumutung, den deutsche Gartenzwerge erdulden müssen, und wie gewohnt geht er statt zum streiken zum Fasching, um hinterher wieder bei Kaffee und Vanillekrem vom Elend der globalen Marktwirtschaft zu lamentieren.
Den vom Lebensstandardabsturz betroffenen Arbeitskräften gilt meine Solidarität solange, als sie das Kapitalverhältnis an sich als ihnen feindlich gesinnt begreifen und sich nach verständlicher Empörung entsprechend nüchtern und rational verhalten und organisieren. Sobald jedoch im Rahmen deutscher Gemütlichkeit Herr Kraut und Frau Kartoffel ihre höchst individuellen Deprivationsängste auf diese banale Werksschließung projizieren zu müssen glauben, hat man als Individuum von je das Schlimmste von diesen zu erwarten.
 
5.2.08 12:40


"Wo bitte geht's zu Gott" bald indiziert? Ein Lehrstück in Sachen Kritikresistenz

Heide Oestreich, gelegentliche Produzentin eines pseudo -feministischen Antifreudianismus, berichtet in der taz recht positionslos und langweilig über den Indizierungsantrag des Familienministeriums gegen das beim Alibri-Verlag erschienene Buch "Wo bitte geht's zu Gott" von Schmidt-Salomon/Nyncke. Den inhärenten Antisemitismus, den das Bilderbuch transportiert, wies ich bereits vor längerem hier nach. Das Ergebnis des Verbotsantrages: Das Buch kletterte kurzfristig auf Platz 3 der Amazon-Charts, in der taz tobt sich die halbaufgeklärte Elite gegen den Antrag aus und von den Autoren ist wenig Selbstreflexion zu vermerken. Wie es dem wahnhaften Verhalten so recht passt, münzt man sich vom Angreifer in den völlig zu Unrecht Attackierten und geht so auf einer eigens eingerichteten Website in Notwehrstellung:
 
Ganz offensichtlich werde in dem Antrag „ein Feindbild aufgebaut, das in dem Buch überhaupt keine Entsprechung findet". Im Gegenteil, die „ganz bewusste gestalterische Gleichbehandlung aller drei Religionsvertreter werde absichtlich unterschlagen und in antijüdische Propaganda umgemünzt". „Eine Unverschämtheit", so der Zeichner.
 
Ein Unrechtsbewusstsein hat der Täter selbstverständlich nicht, deshalb wird er erst recht unverschämt.
 
Möglicherweise habe „die verantwortliche Referentin des Familienministeriums in Ausübung ihrer beruflichen Pflichten zu viele Gewaltvideos angeschaut", meint Schmidt-Salomon. Andernfalls könne er sich kaum erklären, warum die Jugendschutzreferentin fantasiere, dass der Rabbi „einem Vertreter des christlichen Glaubens eine Schriftrolle auf den Mund drückt und ihn zu ersticken droht", wie es in dem ministerialen Schreiben heißt: „Also ehrlich: Den Unterschied zwischen einer harmlosen Rauferei und einem Mordversuch sollte man doch schon erkennen können! Nebenbei: Haben Sie schon einmal versucht, einen Menschen mit einer dünnen Papierrolle zu ersticken? Wenn Ihnen das gelingen sollte, melden Sie sich doch bitte bei Uri Geller!"
 
Auf einmal soll das vom Buch angeblich kritisierte Verhalten, nämlich der religiöse Fanatismus, "eine harmlose Rauferei" sein - zumindest inkonsequent. Warum ausgerechnet der jüdische Zauberkünstler und Taschenspieler Uri Geller jemanden mit einer "dünnen Papierrolle" ersticken sollte, ist nur aus dem trotzigen, zirkulären Verharren im antijüdischen Ressentiment zu erklären. Für den Fall des Zusammenbruchs des eigenen Weltbildes durch die juristische Aburteilung hält man Verschwörungstheorie parat:
 
„Wenn vernünftige Argumente bei dieser Verhandlung auch nur einen Pfifferling wert sind, kann ich mir das beim besten Willen nicht vorstellen!", sagt Schmidt-Salomon. „Ich gehe fest davon aus, dass die Verantwortlichen der Bundesprüfstelle diesen verrückten Indizierungsantrag abschmettern werden und somit das Buch auch weiterhin frei über den Buchhandel erhältlich sein wird! Allerdings sollte man nicht übersehen, dass auf der Gegenseite mächtige Interessensgruppen mit im Spiel sind. Man muss also auf alles gefasst sein..."
 
1938 Personen unterstützen bislang die Solidaritätserklärung mit den Autoren. Indizierung ist prinzipiell ein falsches Mittel der Aufklärung, im Falle von Kinderbüchern jedoch zu erwägen. Das Argument des Antrags zumindest unterstütze ich hiermit voll und ganz. In einer längeren privaten Korrespondenz mit Nyncke war keine Spur von auch nur angedachter Selbstkritik zu bemerken. Da sich die Autoren trotz der vernünftig vorgetragenen und sehr begründeten Kritik von jedweder auch nichtreligiöser Seite an der inhaltlichen und graphischen Gestaltung und nicht am prinzipiellen, erklärten Zweck einer Religionskritik für Kinder, nicht im entferntesten zum Denken animieren lassen, kann der Befund nicht mehr Irrtum oder Unachtsamkeit, sondern allein Antisemitismus lauten.
1.2.08 11:52


Hisbollah War Memorial

Jochen Bittner von der "Zeit" hat ein Hisbollah-Museum besucht und gefilmt:

"Makabres Museum

24.1.08 12:05


Hamastan Rockets

Ein unbedarfter Tourist würde in Gaza solche Konstruktionen vielleicht für eine spezielle einheimische Kreuzung aus Rutsche, Schaukelgerüst und Wippe halten.
Es handelt sich jedoch um fest installierte Raketenabschußgerüste der Hamas. Seit diese Mitte 2007 den Gazastreifen übernahm, wurden von dort laut IDF 428 Racketen und 590 Mörsergranaten in Richtung Israel abgefeuert. Am 3.1.2008 traf erstmals eine Katjusha iranischer Bauweise ein Neubaugebiet der Stadt Ashkelon nördlich des Gaza-Streifens. Bereits am 7.10.2007 war eine verbesserte Version des Katjusha-Geschosses aus russischer Produktion über Ägypten eingeschmuggelt und in Richtung Netivot abgefeuert worden.

Nachtrag: Laut "Jüdische Allgemeine" vom 10.1.2008 wurden 1/3 der Raketen aus Gaza von Fatah-Ablegern gezündet. Am Dienstag schlugen überdies im Norden Israels zwei im Libanon abgefeuerte Katjushas ein.

9.1.08 16:29


Sderot - Für Terrorideologen keinen Zirkelschluss wert

Seit Jahr und Tag hält sich hartnäckig die deutsche Lüge, dass zum Streiten immer zwei gehören und damit der in der Geschichte meist deutsche Angreifer per se jeder Kritik enthoben ist. In der Erweiterung dessen wird Terror auf den Krieg gegen den Terror zurückgeführt, weil ein Mensch, der ungerechtes Leid erfahren musste, in der Ideologie der Ich-Psychologen und vorgeblich meinungslosen Meinungsmacher automatisch zum blutrünstigen Schlächter werden müsse und somit seine Schuldfähigkeit auf einem imaginären Karmakonto mit dem erlittenen Schmerz zum Kurs 2:1 verrechnen dürfe.
Die Gütekraft-Friedensforscher stellen die Hilfstruppen derer, für die Opfer Angreifer und Angreifer Opfer sind: Sie hämmern den Opfern ein, sie müssten nur stillhalten und geschickt sich arrangieren, notfalls opfern, um den Angreifer zu einem ihm ontologisch innewohnenden menschlichen Verhalten zu nötigen.
In Sderot werden solche rationalisierenden Irrationalismen mit rationalem Nichtbegreifen des Unfassbaren Lügen gestraft. Dort schlagen seit sechs Jahren immer weiter entwickelte Kassam-Raketen ein, terrorisieren die Bevölkerung aufs Unerträgliche gerade durch die Wahllosigkeit des täglichen Einschlags. Und entgegen den Theorien der notorischen Exkulpanten des islamistischen Terrors:
Aus Sderot kommen keine Selbstmordattentäter nach Gaza, keine Hobbylabore entwickeln Gegenkassams, vielmehr verweigern immer mehr junge Männer den Kriegsdienst. Und nicht einmal damit tun sie den scheinheiligen Friedensaposteln einen Gefallen, die von Ursache-Wirkung schwelgen, als hätten sie keinen Anteil daran. Vielmehr wollen sie mit der Kriegsdienstverweigerung die Regierung dazu bringen, Sderot aktiv zu schützen, notfalls nach Gaza einzumarschieren, auch wenn das mehr israelische Todesopfer fordern sollte, als die Kassams in Sderot es tun.
Bevorzugt wird von allen die Entwicklung eines effektiven Kurzstreckenraketenabwehrsystems. Damit könnte man die EU-finanzierten Irren hinter ihrem Berg hausen lassen, ohne sich noch den Kopf zerbrechen zu müssen, warum sie so irre wurden und damit einen noch belästigen.
Broder ist zu kritisieren, wenn er wie üblich das Szenario imaginär an die Grenze zwischen Holland und Deutschland verlegen möchte, um die Folgen hierzulande zu eröffnen. Ein solches Verlegen dient  weder der Aufklärung noch einem Zugewinn an Empathie. Wo letzterer sich nur an deutschen Opfern generieren kann, ist Empathie schon ihre Verkehrung, Einfühlung ins deutsche Opferkollektiv. Holland hätte nämlich noch immer mehr Grund, sich an Deutschland für Vergangenes zu rächen, als Gaza an Israel. Sollte der Vergleich wirklich annähernd schlüssig gezogen werden, müsste Peenemünde als Aggressor und etwa Warschau als angegriffener Ort gewählt werden, um das wirklich Unfassbare am Terror aus Gaza zu fassen: Dass Nazis seit Jahr und Tag noch immer ihr gesamte Waffenarsenal zur Vernichtung von Juden einsetzen können.
Dem Vergleich ist als Zweck das Glaubhaftmachen der Notwehr eingeschrieben. Darin verborgen lauert allerdings das Unverständnis über das Stillhalten der israelischen Armee gegenüber dem penetranten Terror aus Gaza. Dieses würde besser als Kritik der israelischen Regierung direkt ausgesprochen, als in kaum spaßhaften Vergleichen Israel nach Deutschland zu verlegen und mit den Verhältnissen ein solches von Kritik und Gegenstand komplett der Verwirrung anheim fallen zu lassen.
2.1.08 12:09


Dämonische Dialoge - proamerikanischer Antisemitismus

Sobhi Ghandour ist Direktor eines "Arab-American Centre for Dialogue in Washington ". In der "Gulfnews" veröffentlicht so einer unter dem Zeichen des allenorts gepriesenen Dialogs satte Propaganda und andere globale Portale wie die "worldnews" und "Africa Daily" verlinken es. Ghandour beginnt wie alle Antisemiten mit Geschichtsfälschung.

"Israel realised when it signed peace treaties with Egypt, Jordan and the Palestinian National Authority that it would be difficult for these governments to go to war again.

The late Egyptian president Anwar Sadat said that the war in 1973 was "the last of the wars with Israel". Yet, this applied only to the Arab governments and not to Israel. These treaties did not stop Israel from continuously waging wars against Lebanon, Syria, Palestine and the rest of the Arab world. Naturally, these wars resulted in the formation of popular movements to resist Israel's occupation and its brutality."

Jenseits historischer Belege verlagert dieser wahrscheinlich noch staatlich finanzierte Propagandist die Kriegsschuld auf die Seite Israels. Überdies kann er in dieser Volte die Kriegsschuld der arabischen Staaten an den vorhergehenden prospektiven Vernichtungskriegen gegen Israel in deren scheinbar geläuterten Friedenswillen aufgehen lassen. Das perfide "and the rest of the arab world" will schon diese erneut dazu aufrufen, den Friedensschluss zu verwerfen und erneut das als Volksfeind identifizierte Israel anzugreifen. In der Steigerung dessen betet man dem Publikum seine unartikulierten Ressentiments als selektierte und scheinbar geprüfte Fakten vorbetet.

"Israel's three objectives were: (1) branding Islam as the new "enemy" of the west (2) convincing westerners that Israel had a significant security role to play to protect western interests (3) equating resistance with terror.

The terrorist attacks on September 11, 2001, provided an opportunity for Israel to try to achieve its goals. One of the main obstacles Israel was facing prior to 9/11 was the refusal of the US to brand certain countries and organisations as terrorists or supporters of terror. But now, that problem is solved."

Welche Staaten konkret von Israel auf die Terrorliste gehoben werden sollten, darf im Dialog der Kulturen verschwiegen werden. Etwa Saudi-Arabien? Der Iran? Ohne weitere, für eine der Legitimität sich annähernde Diskussion etwa relevante Topoi zu eröffnen, wird im kryptischen Andeuten die Reihe zum Massenmord geschlossen. Darin sieht Ghandour seinen Vorläufern gleich, es ist die übliche Propaganda, deren Spezifität in einer an Mearsheimer/Walt angelehnten Parteinahme für die USA und gegen Israel besteht:

"Israel has tried to convince Americans and the west that Palestinian and Lebanese resistance is terrorism and similar to what happened on 9/11, and that, therefore, its fight against the Palestinians and Lebanon is similar to America's fight against the Taliban and Al Qaida. The US should feel insulted and should reject such a ludicrous claim.

Such a false comparison would suggest that the US was a colonising power that would want to bring settlers to Afghanistan; similar to what Israel is doing in the West Bank and Gaza. It would suggest that the US would occupy Afghanistan and Iraq for 40 years; similar to what Israel has been doing.

Before the war on Iraq, the US-Israeli "marriage" was at the core of the problem that had tarnished the image of the US in the Arab and Muslim world."

Das Abgrenzen von Al-Quaida eröffnet den Minimalkonsens, von dem ausgehend man um so ärger wüten kann. Die angestrebte Allianz zwischen einer antisemitischen US-amerikanischen Klientel und den arabischen Nationalisten besitzt offenbar eine nicht unrelevante Attraktivität. Diese Wendung des herkömmlichen antiamerikanischen Antisemitismus, wie sie wohl in den USA auch eine bedingte Besonderheit darstellen dürfte, wächst sich zu einer nicht zu unterschätzenden Bedrohung aus. Die 'Nation of Islam' und die antisemitischen KKK-Nachfolger der 'Aryan Nations' werden nicht die einzigen sein, die solche willkommene Feindbestimmung im leicht kündbaren Solidarvertrag mit Israel einer diffizilen Analyse und der Perspektive auf 40 Jahre Krieg gegen den Terror vorziehen.

19.11.07 13:24


Die Judas-Meerschweinchen

Seit man dem Deutschen die kirchliche Obrigkeit genommen, den Adel enthauptet und das Judenmorden verboten hat, fühlt er sich leer. Seiner kulturellen Identität beraubt versucht der kulturnationale Deutsche dennoch unverzagt, dem himmelschreienden Elend der Kulturlosigkeit zu trotzen. Beim Pilgern auf dem Jakobsweg verspürt er andächtig spirituelle Weihen, beim Promi-Dinner schreibt er die Rezepte mit und beim allabendlichen Comedy-Kabarett haut er sich auf die Schenkel, dass es klatscht. Weil ja zur Kultur auch Lesen gehört, hat der Deutsche überall Buchläden an Bahnhöfen und Tankstellen. Dort wird alles verkauft, was nicht unter eine Mindestdicke und nicht über ein Höchstniveau steigt. Die Titel werden beim Scrabble-Spielen zusammengemischt, mindestens ein Trigger muss dabeisein: Blut, Gift, Mord, Raub, Sex. Mehr als drei Silben sollte kein Titel haben, das würde zu intellektuell wirken. So liest der Deutsche im Zug zum Pilgerstartpunkt noch rasch einen Wälzer wie "Der Schwarm", "Die Zwerge" oder eben frisch aus dem Schaufenster "Das Judasgift", "Der Judasfluch " oder "Die Kinder des Judas".

Die ersten beiden Bestseller sind aus der Hand des britischen Autoren Scott McBain. In ihnen wurde ein unlesbares Bollwerk von Scheinhandlung um die Silberlinge, mit denen Judas laut neuem Testament für seinen Verrat an Jesus entlohnt wurde, gebaut. Diese Silberlinge sind selbstverständlich verflucht und richten weiter Unheil an, töten den Papst, drohen die katholische Kirche zu stürzen, wenn sie in falsche Hände geraten und so weiter.

"Die Kinder des Judas" von Markus Heitz ist auf dem gleichen Mist gewachsen: Es geht um eine geheime Sekte, die seit dem Mittelalter Wissenschaftler und böse Männer für die Erlangung der Unsterblichkeit engagieren und sich natürlich ganz nebenbei, wen wunderts, an Blut laben. Das will von dritter Seite mit dem folgenden Satz rezensiert sein:

"Die Kinder des Judas halten sich selbst für Auserwählte, sie sind aber nicht weniger verdammt, als diejenigen, über die sie sich selbstgefällig erheben."

Da schwingt die gesamte Tonleiter des christlichen Antisemitismus lauthals mit. Dabei gibt man sich äußerst unschuldig, genutzt wird der geschichtliche Spannungswert des Signifikants und behauptet wird, nichts von dieser Geschichte zu meinen. 2000 Jahre wird nun Judas als Jesusverräter mit den Juden gleichgesetzt, die antisemitischen Gassenhauer von Chrysostomos über die Päpste mit dem Namen Innocens zu Stöcker und Hitler wählten stets die noch gleichen Schlüsselwörter der modernen Romänchen: Gift, Heimtücke, Sex, Geld und Machenschaften. Das zieht sich weiter in die ohnehin erbrechenswert faschistoiden Rollenspiele.
In dem Rollenspiel "Dark Seattle" gibt es die "Judaskinder" als Non -Player-Charaktere:

"Zusätzlich nimmt ihre Besessenheit von Schmerz und Leid die Judaskinder ziemlich mit. Sie sind emotional instabil und dadurch schwankt die Willenskraft eines Judaskinder ausgesprochen stark. Wann immer das Judaskind einen Punkt temporäre Willenskraft ausgibt (um einen automatischen Erfolg zu erzielen, um in Raserei eine Runde kontrolliert zu handeln, um eine Disziplin zu aktivieren) verliert es automatisch einen weiteren Punkt temporäre Willenskraft. Hat das Judaskind nur noch einen Punkt temporäre Willenskraft und gibt diesen aus, erleidet es automatisch eine Stufe schwer heilbaren Schaden."

Auch bei Monstersgame gibt es das Judaskind:

"In Südosteuropa gelten rothaarige Vampire als Abkömmlinge des möglicherweise rothaarigen Judas Ischariot.
Das herausragendste Merkmal der Judaskinder ist, das sie Ihre Opfer meist mit einem einzigem Biss oder auch Kuß töten können. Wenn sie gebissen haben, hinterlassen sie nicht den üblichen Vampirbissabdruck, sondern die Wunde sieht aus wie 3 Kreuze. Das gilt als Symbol für die 30 Silberlinge ( den Judaslohn! ) das Judas bekommen hatte nachdem er Christus verriet!"

Selbstverständlich ist das der einzige Charakter des Spiels, der in der Beschreibung ein Ausrufungszeichen erhält, der Text wird herumkopiert und findet sich identisch auf zahlreichen anderen Foren.

Ob Judas nun rote Haare hatte oder nicht, ob er sich von den 30 Tacken eigentlich einen Bausparvertrag oder ein Zitroneneis kaufen wollte, interessiert niemanden. Was reizt, ist die mitschwingende Gefühlsebene. Der große Verrat ist der notwendige Antipode zum narzisstischen allumfassenden Gutsein des ewigen Jesuskindleins. Wohl wissend, dass Judas nur irgend wo ein Freak gewesen ist, kauft sich der Deutsche die in absurd schlechter literarischer Qualität gehaltenen Schinken und ergraust sich wohlig am Wähnen vom möglicherweise enthaltenen Fünkchen der Wahrheit, das ihm in allem Schmarrn wahrzunehmen beigebracht wurde. Wohl wissend, dass im Ernstfall auch der Skandal sich gut verkauft, liebäugeln die Autoren noch mit Antisemiten als breite Käuferschicht. Ein solches zynisches Unterfangen ist leicht gewagt und daher sei hier einmal citius, altius, fortius auf den fahrenden Zug aufgesprungen:

Die Judas-Meerschweinchen (Abstract)

Vor uralter Zeit (also wirklich lange her) lebte Judas Ischariot. Bevor er seiner eigentlichen Berufung folgte, züchtete er Meerschweinchen. Als er den hübschen Jesus traf, verkaufte er sie, und folgte dem Guru. Später reute ihn seine Tat, er verkaufte den Sektenführer an irgendwelche Römer, um von dem Geld die viel netteren Meerschweinchen auszulösen. Diese aber hatten längst einen Geheimbund gegründet und planten die Weltherrschaft an sich zu reißen. Dazu wollten sie ein unsterbliches Supermeerschweinchen erfinden, das künftig den Lauf der Geschichte zu ihren Gunsten verändern sollte. Judas starb tragisch, wie alle Figuren eines Romans, mit denen der Leser sich garantiert nicht identifizieren soll. Als er am Baume baumelte, tropfte sein verfluchtes Blut auf ein just in diesem Moment kopulierendes Meerschweinchen, das fortan ebenfalls verflucht war. Und seine Nachkommen natürlich ebenfalls. So kam es, dass der Lauf der Geschichte fortan von den Judas-Meerschweinchen bestimmt wurde: blutgierige, verfluchte Wesen, mit dem unstillbaren Durst nach Macht und Geld. Und wenn niemand an ernsthaften Komplikationen gestorben ist, leben alle Protagonisten noch heute in einem unentdeckten Atoll, auf dem ein verrückter Wissenschaftler Dinosaurier aus dem Blut einer Mücke klonen will, aber das ist eine andere Geschichte.

8.11.07 15:37


Voice of the simple minded

Manche Kommentare hier sollten unbedingt der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden: Nicht ob des Spotts über ein Individuum, sondern um eine besondere Ausformung einer gesellschaftlich weit verbreiteten Neurose der Analyse habhaft werden zu lassen. Vollzitat, no comment: 

Tante Emma (31.10.07 13:18)

Versteh ich das richtig ja?Du bist wirklich der Meinung das man das Persische Volk ausrotten sollte weil du denkst etwas ueber sie zu wissen? Wusstest du das ein wichtiger Grund fuer die Abneigung gegen Israel der ist,das Israel im Irak-Iran Krieg an beide Parteien alles an Waffen verkauft hat was benoetigt wurde!!!Da stellt sich die Frage einfach nach dem warum!!! Warum so undankbar?? Wir haben nicht wie die Deutschen,Russen ect.versucht sie auszurotten!!! Ohne die Persiche Geschichte waeren die Juden schon in Babylon damals ausgerottet worden. Aus der Sicht eines Persers und Moslems kann ich dir nur sagen,das ich,wir, Juden,Christen,Bhuddisten,Hindus,Atheisten einfach alles ehren und schaetzen.

Wichtig ist fuer dich doch eher warum damals Jesus A.S davon gesprochen das in seinem Namen viele Sterben werden und viel unheil verbreitet werden wird.Was meinte er damit und wann bekennt man sich dazu,mnahct es besser beziehungsweise. Was meinte Jesus damit als er sagte er sei gekommen um Feuer,Schwert,krieg in die Welt zu werfen. Das man im Islam keinen steinigen darf weiss jeder,warum du nicht?? Jesus hat es doch auch erlaubt oder nicht,nur der Suendenfreie soll es halt tun!!!! Das selbe ist im Islam auch der Fall,da es keinen Suendenfreien Menschen gibt,wird auch keiner gesteinigt!!!! Und eine Sache zum Zionismus! Warum demonstrieren Weltweit Rabbiner dagegen wenn es doch so sehr mit dem Judentun zusammen haengt wie du denkst und vormachen moechtset. Einfach mal den Thalmud lesen und dann weiss wogegen die Rabbiner demonstrieren. Willst du auch denen Wahnsinn und Judenhass vorwerfen???:-) Einfach malo das obere Ende von deinem Koerper zum denken hernehmen dann klappst besser wie hier denke ich!!!!!

31.10.07 22:18


Symbolistische Exorzismen statt Entnazifizierung - das Kerner-Prinzip

Günter Jauch, Harald Schmidt oder war es Johannes B. Kerner? Einer von denen jedenfalls lud eine Autorin ein, deren Positionen er kannte und der er eine Plattform bieten wollte, sich dafür zu entschuldigen. In einer aufregenden Talkshow-Runde mit einigen Ex- und In-spe-Granden des Showgeschäfts sollte "Missverständliches" geklärt werden können.
Offensichtlich gab JBK vor allem sich selbst und den Anwesenden eine Plattform, eine rituelle Handlung zu vollziehen, die als Schuldbock-Projektion bekannt ist: In der harmlosesten Variante dessen wird eine Ziege symbolisch mit den Sünden aller Anwesenden beladen und in die Wüste geschickt.

Das Formelwesen der Entnazifizierung verhindert Aufklärung über die Schwäche der Mehrheitsideologien für subtile antisemitische und faschistische Codes. Die scheinbar resolute, klare Handlung des Rauswurfs durch JBK trieft nur so von Hilflosigkeit und intellektueller Inkompetenz. Das Reizwort "Autobahnen" - was genau da gesagt wurde, weiß man nicht, wenn man den Beitrag nicht im Volltext gesehen hat - genügte wohl, um den Schwachsinn, den ein Professor der Geschichte verzapft, zu übergehen: Die Rede von der "gleichgeschalteten Presse" sei ein Nazibegriff und damit tabu. Schauen wir mal in den Volltext rein:

Wippermann: Nein also, das stimmt nun nicht, das „Gleichschaltung“ kein nationalsozialistischer Begriff ist. Natürlich war „Gleichschaltung“ ein nationalsozialistischer Begriff. Gleichschaltung der Parteien, der Verbände und der Länder. Und sie haben hier einen nationalsozialistischen Begriff gebraucht. Und ich finde es irgendwie sehr problematisch, dass sie Zitate, dieses Zitat, dem haben sie ja auch ihre Entlassung zu verdanken, das ist in allen Zeitungen. Jetzt sagen Sie, das hat es nicht gegeben. So kann man da nicht mit umgehen als Historiker. Das ist doch sozusagen da.
Herman: Also wie sie damit umgehen, kann ich auch nicht damit umgehen, da tut mir leid.
Wippermann: Und deswegen machen sie jetzt Verschwörungselogien und sprechen von verlorenen Bändern, an die man nicht mehr rankommt.
Herman: Ja.
Wippermann: Das ist eine Verschwörungspathologie, die sie dort haben. Also, das ist doch sehr problematisch.
Herman: Seien Sie doch ein bisschen vorsichtig mit dem was Sie hier äußern mir gegenüber. Und ich möchte jetzt auch ehrlich gesagt zu Ihnen gar nicht mehr Stellung nehmen. Und ich möchte auch nicht mehr Stellung nehmen zu weiteren Vorwürfen in diesem Zusammenhang, denn nochmal: Sie müssen nur Google eingeben. Und da können sie jede Zeitung durchgehen, welche Zeitung diesen Begriff bereits benutzt hat.
Kerner: Aber auch falsch, auch falsch.
Herman: Natürlich ist er da benutzt worden. Aber es sind auch Autobahnen damals gebaut worden und wir fahren heute drauf. Moment.
(Unruhe im Publikum)
Wippermann (ruft): Ja, das ist ja das Schöne. Adolf hat die Autobahnen gebaut – ja, das war es (ironisch) Das Autobahn-Argument ist das beste (ironisch).

Wohl dem, der noch nicht die kollektive Volkswut aus den Medien unisono lärmen hörte. Und so wie Herman in der Presse anschließend ausschließlich in Halbsätzen zitiert wurde liegt der Verdacht zumindest nahe, dass da überkompensiert wird. Grundsätzlich hat Herman hier völlig recht: Gleichschaltung ist ein in jedem Schulbuch zu findender Begriff, der völlig korrekt aus antifaschistischer Sicht das faschistische Vorgehen kritisch bezeichnet. Dass sich die Nazis positiv darauf bezogen, macht das Wort eben zum Begriff, dessen Aufladung von dem abhängig ist, der wie auf der Autobahn darauf fährt. Auch Faschismus ist ein von den Faschisten erfundener Begriff. Dass Wippermann seinen Fauxpas nun mit einem gefundenen Fressen, der Identifizierung von Hermans berechtigter Kritik mit dem alten deutschen Loblied auf Adolfs Autobahnen übertünchen will, ist mehr als dümmlich.

An Herman wurde ein Exempel statuiert, das der Realität Hohn spricht und darum verharmlost. Im Osten verfallen ganze Landstriche dem Volkssport Nazismus. In Moscheen wird für Totalverhüllung und lebenslange Seklusion von Frauen geworben. Ein Vertreter der Muslim-Liga Bonn vergleicht im Rathaus Marburg Scharon mit Hitler ohne auch nur Gegenrede von den anwesenden illustren Intellektuellen zu erhalten - Dialog der Kulturen. Stoiber, der einst vor der "durchrassten Gesellschaft" menetekelte, wird derzeit mit Ehrbekundungen und Laudatien überhäuft. In jedem Nest finden sich opulente Kriegerdenkmäler, mal für die "Helden", mal für die, die "für uns starben" - 1938-1945 selbstverständlich. Sudetendeutsche und pommernsche Landsmannschaften fordern und fördern die "Repatriierung" Ostpreußens mit expliziter Unterstützung der CDU/CSU, verharmlosen nach Kräften und drängen mit ihrem Opferdenken in die Schulbücher. Im Fernsehen wird ein Panzer aus einem dreckigen deutschen Fluss gefischt, im Hintergrund die General-Feldmarschall-Rommel-Kaserne. Dort werden immer noch auf dem Ehrenfriedhof SS-Soldaten geehrt, die im suizidalen Endkampf 7 amerikanische Sherman-Panzer abschossen. Zwei weitere Kasernen sind dem Nazi-Offizier und gescheiterten Wegbereiter der prospektiven Vernichtung der Juden in Afrika und Palästina gewidmet, man fragt sich, wie viele der im Publikum Anwesenden in solchen Kasernen ihren Ehreneid leisteten und SS-Denkmäler schrubbten.

An einem immerhin naiven und damit billig zu inkriminierenden Subjekt wie Herman agiert sich die Mehrheitsgesellschaft aus, die einen aggressiven Faschismus in sich trägt und über das Ritual vor sich selbst zu verbergen sucht. Die romantisch-regressive Hinwendung an das "früher" und die intakte Familie findet sich in beliebigen CDU-Parteiprogrammen und -Wahlwerbungen, ein prägnanterer Sexismus lässt sich beim vom Volksmund bejubelten Mario Barth entdecken. Expliziter Antisemitismus lässt sich nicht bei Herman, wohl aber in den Berichten des ZDF und der ARD über Israel aufspüren. Ausländerfeindliche Hetze ist bei Herman vergeblich zu suchen, bei illustren und immer gern gesehenen Talkshow - Gästen wie Lafontaine oder Stoiber aber vielfach dokumentiert. Das Streicheln der deutschen Gemütlichkeit wird auf Bierfesten ebenso allumfassend vollzogen wie bei deutschen Comedians Zivilisationsfeindlichkeit und penetranter Antiamerikanismus.

Wenn JBK also diese absolute Mehrheit der deutschen Medienlandschaft und der deutschen Gesellschaft in Herman symbolisch aus dem Saal verweist, so sollte er seine "Gedanken" auch kundtun. Wenn er den Antiindividualismus Hermans mit dem Rosenbergs vergleich, muss er zur Sprache bringen, welchen Ideologien und Bevölkerungsgruppen das noch zupass kommt. Sich als Mehrheitsgesellschaft aufzuspielen und an einem Symbol rituelle Reinigungsakte vorzuspielen, damit das intakte Bild der gesunden, kritischen Öffentlichkeit gewahrt bleibt, ist Ideologie und fauler Zauber. Von einer inhaltlichen Beschäftigung mit dem Nazismus ist bei den Anwesenden wenig zu merken. Man kann sich des Populismus der Veranstaltung gewahr werden, wenn man sich überlegt, ob Walser, Stoiber oder Kohl im Falle eines ähnlichen Diskussionsverlaufs "hinausgebeten" worden wären. Das von den Kurzmeldungen kryptologisch verkürzte und damit für alle Projektionen geöfftnete Ende analytisch zu deuten, ist einfach: Senta Berger hat ihre Hausaufgaben nicht gemacht und will schwänzen. JBK will ihr diese Peinlichkeit ersparen und betont, dass er sich Gedanken gemacht hat, obwohl in der ganzen Sendung kein einziger intelligenter Satz gefallen ist. Mario Barth ist Thronfolger und darf ein wenig komödiantisch parlieren. Der männliche Phallus enttrohnt den matriarchalischen Angriff unter wohlwollender Zustimmung der Autorität und Genugtuung macht sich breit. Von einem intellektuell begründeten "Rausschmiss", geschweige denn von relevanten Gründen dafür, ist wenig zu entdecken.

Berger: Die jungen Leute in Sachsen-Anhalt haben doch keine Jobs. Man muss Arbeit schaffen. Das ist ihr gutes Recht und dann können sie auch eine Familie gründen. Ich muss gehen. Ich kann diese Diskussion nicht mehr führen. Dann muss ich mich besser vorbereiten und ihre Bücher lesen.
Kerner: Es sind die Momente, wo man sich Gedanken macht, wie man weitermacht. Ich habe mich entschieden, dass ich mit drei Gästen weitermache und dich, Eva, jetzt verabschiede. Danke schön.
(Eva Herman geht, großer Applaus, Kerner zeigt auf Mario Barth und bietet ihm Eva Hermans Stuhl an)
Barth: Soll ich mich setzen?
Berger: Ja bitte. Es hängt jetzt an dir.

Volltext 1
Volltext 2

Nachtrag

So, jetzt habe ich auch die Sendung mal gesehen. Das Gespräch ist etwas informativer als die Abschrift. Und fraglos schwafelt Herman auch einigen sehr deutschtümelnden Quatsch, von demographischen Kurven, braunen Keulen, dass man vom "Verlauf der Geschichte" nicht reden dürfte, etc... Dennoch distanziert sie sich sehr deutlich von dem Doppelsinn, den sie mitverursacht hat. Was von anderen nicht akzeptiert wird, denn das würde den Sinn der Sendung auflösen. Hätte Kerner wirklich Herman auf den Zahn fühlen wollen, wäre der Zweier-Talk erfolgsversprechender gewesen. Wenn man die deutsche Ideologie hinter Hermans Äußerungen diskutieren hätte wollen, wäre man gut beraten gewesen, das Thema auch darauf zu beschränken und hätte nicht noch über Mario Barths Frisur oder Hausaufgaben reden müssen. Der Rausschmiss erfolgte zu einem Zeitpunkt als die Diskussion wirklich interessant wurde und nicht nach einem Eklat. Dieser wäre schon vorher da gewesen und hätte auch entsprechend noch geklärt oder aufgeklärter konfrontiert werden können. Das wurde nicht gemacht und damit ist eine aufklärerische Absicht perdu.

Nochmal die Sprachanalyse, sofern ich ihr mächtig bin:

„Wir müssen den Familien Entlastung und nicht Belastung zumuten und müssen auch eine Gerechtigkeit schaffen zwischen kinderlosen und kinderreichen Familien. Und wir müssen vor allem das Bild der Mutter in Deutschland auch wieder wertschätzen lernen, das leider ja mit dem Nationalsozialismus und der darauf folgenden 68er-Bewegung abgeschafft wurde. Mit den 68ern wurde damals praktisch alles das, alles, was wir an Werten hatten, es war eine grausame Zeit, das war ein völlig durchgeknallter, hochgefährlicher Politiker, der das deutsche Volk ins Verderben geführt hat, das wissen wir alle, es ist damals eben auch das, was gut war, und das sind Werte, das sind Kinder, das sind Mütter, das sind Familien, das ist Zusammenhalt - das wurde abgeschafft.“
 
Teil 1 des Zitats ist klar: die 68-er Bewegung wurde nicht abgeschafft, daher ist das "und" eine eindeutige Reihung: Im NS und durch die 68-er wurde ein Bild der Mutter abgeschafft.
Teil 2 des Zitats ist fragwürdig: Hier wäre dem Unbesonnenen tatsächlich nicht ersichtlich, ob Herman nun die Werte des 3. Reiches meint. Hätte man den Rest der Sendung, die, wie Herman glaubhaft betont, nicht herausgegeben wird, könnte man ein klareres Bild bekommen. Ich halte Hermans Hinweis auf ihr Kapitel im Buch und ihre Distanzierung für glaubhaft genug, um zum Schluss zu kommen, dass der möglicherweise zu entnehmende Doppelsinn sich bei ihr verbietet. Sie bezieht sich recht eindeutig auf die klassische bürgerliche Familie.

Sendung Teil 1 , 2 , 3 , 4 , 5 , 6.

11.10.07 21:54


'Die Israel-Lobby'? Nicht der Rede wert...

Wenn sich derzeit viele Blogs und andere Medien (1, 2, 3, 4, 5) mit Mearsheimers und Walts neuem antisemitischen Wälzer befassen, liegt das vielleicht ein bisschen an der Bequemlichkeit, mit der den beiden ein manifestes Antisemitismusproblem diagnostiziert werden kann. Wenn ich mich als notorischer Bonvivant nicht ausführlicher damit befasse, liegt das an der gleichen Bequemlichkeit.
Wer wie manche Vollhonks diesem Buch nicht schon am Klappentext die Diskussionsfähigkeit abzusprechen vermag, wem nicht schon in den ersten Zeilen der konzentrierte Wahn in die Augen springt, dem ist mit einem ausführlichen Artikel über das Buch auch nicht mehr zu helfen. Selten habe ich ein plumperes, populistischeres und gewollt skandalisierendes Machwerk in der Auslage einer linken Buchhandlung gesehen.
Nicht die gegebene und bei Mears/Waltheimer völlig übertriebene Existenz einer Israellobby verstört die Massen, sondern dass diese eine vernünftige Politik in Bezug auf Israel vorschlägt, was so gar nicht den gemeinhin standardisierten sozialbewegten Anforderungen an brave Juden entspricht. Darauf aufbauend wird jegliche rationale US-amerikanische Politik auf jüdisch-zionistischen Einfluss zurückgeführt.
Daraus ergibt sich notwendig das Fazit beim vom Buch begeisterten politblog:

"Die US-Regierung boykottiert die “UN World Conference against Racism”, weil Israel irgendein Problem damit hat."

5.10.07 16:18


Defamation - der Al-Dura Fall

Wer auf der Documenta war, wird sich vielleicht noch an ein gut besuchtes Kunstwerk erinnern, bei dem ein paar aquarellierte Fotos von Mohammed al-Dura an die Wand gepappt wurden, um den Schrecken von Krieg im Allgemeinen näher zu bringen. In der Jerusalem-Post fasst Nathan Sharansky nochmal die Einzelheiten zusammen:
Kanal France 2 hatte Videomaterial über eine Schießerei mit Schauspieleinlagen manipuliert und einen 59 Sekunden-Clip gesendet, der unterstellte, dass israelische Soldaten einen 12-jährigen Jungen mutwillig erschossen. Der Clip fachte die 2. Intifada an, in der deutschen Presse war wieder einmal die Rede von israelischen Kindermördern und die palästinensische Sache brummte wie selten. Ein Journalist, Philippe Karsenty, hatte die Entlassung der verantwortlichen Journalisten gefordert und wurde prompt vom Sender wegen Rufmordes verklagt.
Nun forderte der Richter, der über den Fall der "Defamation" Karsentys urteilt, die Herausgabe und Sendung der 27-minütigen Rohfassung des Zusammenschnitts, der bislang von 3 Journalisten eingesehen werden durfte und nach deren Aussagen erbärmlich gefälscht ist. Man darf gespannt sein, ob die Originalversion auch in Deutschland gezeigt werden wird.
Wann sich die großen Medien endlich zu einer objektiven und - angesichts von Skandalen wie der Massaker-von-Jenin-Lüge und den Fälschungen von Qana - vorsichtigen Berichterstattung über Israel durchringen, bleibt vermutlich vergeblich abzuwarten. Schließlich lechzt die Leserschaft nach Titeln wie "Auge um Auge in Nahost", nach "Falken und Terroristen auf beiden Seiten", nach kleinen Jungen mit Steinchen gegen dicke Panzer, kurz: nach bösen Juden, die den Antisemitismus der Vergangenheit im Nachhinein rechtfertigen sollen.
4.10.07 11:51


Vernunft vs. Christentum: Eine Kritik von Wertmüllers Verteidigung Papst Benedikts

Bei seiner berechtigten Verteidigung der Rede Papst Benedikts gegen seine sensualistischen und positivistischen Kritiker beruft sich Wertmüller auf ein Schisma in der katholischen Kirche, das so nicht existiert. Ich stimme mit Wertmüller überein, dass der Sensualismus, den sich Kulturrelativisten und Fassonsverfechter auf die Fahnen schreiben, ein selbstzerstörerischer Popanz ist, gerade wenn es um Religion und hier insbesondere den Islam geht. Ferner bin ich weder willens noch kundig, der philosophiegeschichtlichen Darstellung etwas entgegenzusetzen.

Wo Wertmüller allerdings den „fundamentalen Unterschied im Wesen zweier Religionen erkennen will“, versiegt die Überzeugungskraft: Die absolute Transzendenz Allahs sei es, die Islamisten ihre Unvernunft als unergründbaren Willen Gottes vertreten lasse. Anstatt nun das Gegenstück im Christentum aufzutun, macht Wertmüller den Sprung zu Ratzinger und dessen individuellen Anspruch an Vernunft. Die Synthese von Christentum und hellenistischer Philosohpie wird von Ratzinger als gangbarer und fälschlich von Duns Scotus unterbrochener Weg aufgezeigt. Gott sei nun mal Logos. Das verteidigt Wertmüller gegen die volkschristlichen und dümmlich-atheistischen Angriffe, um zur Kritik zu schreiten: Die Versöhnung von Religion und Vernunft sei unmöglich. Kants totale Transzendenz sei auch die Wiederkehr des von ihm kritisierten Willkürgottes. Benedikt sei lediglich inkonsequent und entscheide sich für den Glauben, anstatt kritische Theorie zu studieren. Immerhin (!) habe er den Antisemitismus des Vatikan zurückgefahren: Er sehe nämlich Juden nicht mehr als Platzhalter des Bösen, sondern als Teil eines Plans Gottes. Ohne Tötung Christi keine Erlösung der Sünden, daher mussten die Juden Jesus töten.

Meine Kritik an Wertmüllers Text bezieht sich auf drei Elemente: Eine sehr selektive Idealisierung der frühkatholischen Theologie, das Absehen von religiösen Texten und das Ausblenden des Judentums mit dem peinlichen Schweigen vom Antisemitismus.

Gerade der letzte Punkt lässt Misstöne aufkommen: Erstens haben nicht „die Juden“, sondern die Römer Jesus ans Kreuz genagelt. Erst über die Rolle Judas oder die Volksabstimmung zwischen Barnabas und Jesus ließe sich streiten.
Zweitens ist das noch keine Abkehr vom Antisemitismus, denn über das Instrument Gottes sagt es noch wenig aus: Ob Gott nun einen bösen oder einen guten Juden nimmt, um Jesus zu töten, war dem Antisemit von je egal. Die Wut auf den „Gottesmord“ ist ja nur Produkt der Verschiebung, dass Jesus für unsere, also auch meine Sündhaftigkeit sterben musste, also ich armer Sünder am Tode des so reinen, frommen und guten Jesuleins schuld bin. Diese unerträgliche Schuld verlangt geradezu danach, auf ein Objekt abgeladen werden.

Die hellenistische Tradition, die Benedikt frech als christliche ausgiebt, ist originär eine des Judentums, das es über Tausend Jahre hinweg schaffte, solche Elemente bis zu einem Grad der Vernunft zu integrieren, der in „Buch Kohelet“ oder „Weisheit“ zu Tage tritt. Erst über die arabisch-islamischen Übersetzungen unter anderem jüdischer Intellektueller wie Maimonides erhielt das Christentum ab einem gewissen Punkt wieder Zugang zu den einst verpönten philosophischen Texten der griechischen Polytheisten. Wertmüller vermag nicht zu benennen, wieso gerade dem Christentum eine solche Weihe zukommen solle, das Judentum aber mit einem Stillschweigen bedacht wird, das um so unangemessener ist, als auch das hellenistische Christentum mit der hellenisierten Vernunft des Judentums in entscheidenden Stellen kollidiert.

Wo bleibt die Vernunft, der Äquivalententausch zwischen Gott und Mensch, der Vertrag, der es Moses erlaubt mit Gott zu handeln, der die Strafen Gottes rechtfertigt durch das Verletzen des Vertrages und der es sogar Hiob erlaubt, mit Gott trotz allen Glaubens zu rechten, wo bleibt nun diese an Erfahrung geknüpfte Vernunft in der Bergpredigt, als Feinde Freunde werden sollen, der Arme reich, der Schwache stark, der Verrückte vernünftig oder zumindest selig werden soll? Die narzisstische Umkehr, die Grundberger/Dessuant wie auch Vinnai in der Bergpredigt verorten, ist Kern des Christentums, das Vernunft GEGEN die Überzeugung der eigenen Vergottung, der Selbstidolatrie des Narzissmus niemals dulden wird.

Auch Unvernunft wird ambivalent verhandelt. Ist in Gottes Sohnopfer die Erfüllung der absoluten Vernunft, des totalen Plans von der Erbsünde bis zur Erlösung zu erkennen, so scheitert diese utopische Vernunft notwendig an der Realität. Die Christen haben dieses Scheitern mit dem Antisemitismus, Mystizismus und Selbstkasteiung gelöst. Das Judentum gestand Gott zu, unvernünftig und abwesend zu sein.

Als Moses Gott von der Auslöschung des gesamten Volkes am Berg Sinai abhält und doch selbst vor Wut tobt, unterstellt er Gott selbst Unvernunft. Und was sagt Gott über sich selbst? Er sei ein zorniger Gott, Herr der Heere ist einer seiner zahllosen Namen. Noch deutlicher wird dieses Verhältnis zur Vernunft in der Sintflut: Gott reut die ganze Sache, und er belässt den Menschen fortan in seiner Unvernunft, weil Vernichtung nur wieder Unvernunft ist. Gott ist fehlbar, man kann mit ihm handeln, ihn beschwören, ihn beeinflussen, ihn beschwichtigen, wenn sein Interesse dem des Menschen zuwiderläuft oder an ihm zweifeln wie Jonas oder Hiob.

Der christliche Gott hat die Fehlbarkeit überwunden, sich durch das Sohnopfer abgedichtet und mit der Bergpredigt den Wahn vollendet, der es fortan erlaubt, von den Juden das Hinhalten der anderen Wange zu fordern und doch selbst mit dem Schwert in die Welt zu ziehen. WEIL Gott Logos ist, wird alles von Vernunft durchherrscht, vom Sohnopfer bis zum Feudalismus: Knechtschaft wie Herrschaft ist vernünftiger und unangreifbarer Plan Gottes. Das ist die Inversion, die das Christentum betreibt, und von der Wertmüller schweigt. Wenn nun Benedikt beabsichtigt, zu den hellenistisch-jüdischen Wurzeln zurückzukehren, und das wahnhafte Christentum mit einer Portion jüdisch-hellenistischen Realismus' vom Ärgsten zu kurieren, dann ist das recht und billig. Auch dass er in Auschwitz dem Schweigen Gottes die vernünftigen Taten der Menschen entgegensetzen will, sei legitim und sogar beachtenswert. Wenn er jedoch penetrant verschweigt, von WEM dieser Realismus unter Absehen von Dogmen stets neu ausgehandelt wurde, nämlich dem Judentum, das SEINE eigene Kirche von je ausrotten wollte, ist diese Anmaßung und das Plagiat zu kritisieren, und nicht die Glaubhaftigkeit seiner Theorien. Ob Benedikt nun Antisemit oder nicht ist: Wenn er keiner ist, so ist das kein Verdienst, wie Wertmüller andeutet, sondern das mindeste, was man von einem christlichen Offiziellen und von Menschen überhaupt erwarten kann.

Eben aus diesem Schweigen von Vernunft und Unvernunft beim Judentum erklärt sich die recht dürftige Nachlässigkeit, mit der man im Islam das Prinzip der Unvernunft verorten möchte. Weil Allah undurchdringlich ist, könne man nicht mit ihm rechten, daraus zögen die Islamisten heute ihre Energie. Dass hier nur die absolute Vernunft des Weltgeistes durchschimmert, der selbst die barbarischsten Massaker des Kolonialismus noch mit dem Fortschritt der Zivilisation entschuldigte, entgeht der Auffassung, die Ambivalenzen in Texten nicht denken möchte. Die Almohaden entfachten 1148 Judenpogrome dort, wo eben Moslems 711 die Juden aus dem Joch der Christen befreiten. Die katholische Kirche setzte den Antisemitismus gegen die arianischen Christen durch. Inmitten des wucherndsten Antisemitismus widersetzten sich noch Individuen dem auf den gleichen philosophischen und religiösen Prinzipien aufbauend, etwa Ludwig der Fromme oder Karl der Große oder der Bischof Rüdiger von Speyer.

Der Islam IST unvernünftig, weil er auf einem Mangel an historischer Erfahrung literalistisch aufbaut und fünfzig für eine Minderheit erfolgreiche Jahre zum Exempel für Jahrtausende machen will. Er ist nicht unvernünftig, weil er behauptet, es gebe etwas, was nicht zu begreifen sei. Er ist auch nicht unvernünftiger als Hegel, wenn er behauptet, dass dieses Unbegreifliche vernünftig sei. Er ist dann unvernünftig, wenn er wie die Fundamentalisten behauptet, man habe das Unbegriffene mit Begriffen erfasst und Identitäten geschaffen. Eben dem sperren sich allerdings selbst noch einige Suren im Koran, in denen vor der Hinterlist Gottes gewarnt wird: Verschlungen seien die Pfade Gottes und nicht ergründbar, im Irrtum, wer sich voreilig auf ihn beruft. Ohne Frage: Zahllose andere Suren rechtfertigen und fordern Gewalt, Unterwerfung, Judenfeindschaft und Mord, wie Luther baut Mohammed auf dem enttäuschten instrumentellen Wunsch an Juden und der folgenden Vernichtung und Abwertung auf und ja, der Islamismus ist orthodoxer Islam und keine Verfälschung des Textes. Davon spricht Wertmüller jedoch nicht. Geschichte geht ihm in seinem eigenen Text in wenigen Autoren und identischen Begriffen auf, die zudem idealisiert werden, womit sich der letzte Kritikpunkt eröffnet.

Der von ihm als lobenswertes Beispiel für christlich-hellenistische Vernunft angeführte Thomas von Aquin, angeblich hellenistische Oppositionspartei des Schismas zwischen Hellenismus und Sensualismus rechtfertigte den damals noch spärlichen Hexenglauben mit der Vernunft Gottes, die das Böse in die Welt bringe, um Menschen zu prüfen. Wo 906 noch Abt Regino von Prüm, eine Ausnahmeerscheinung, den GLAUBEN an Hexerei als unchristlich verurteilte, beeilt sich Thomas von Aquin nachzuweisen, dass dieser Glauben vernünftig sei, weil Gott über alles Macht habe, und somit den Dämonen erlauben könne, ihr Unwesen zu treiben. Man muss das betonen: GEGEN die frühen psychologischen Erkenntnisse über die Dämonen als Halluzination und Einbildung (denen auch das Judentum entgegen der verfälschenden Übersetzung von ritueller Magie als Hexerei in Levitikus schon folgt) verficht Thomas von Aquin noch jeden Aberglauben, um mit Wertmüller zu sprechen: jedes „Narrenhütchen“ des „kindlichen Volksglaubens“, als göttliche Vernunft. In eben den von Adorno gerühmten „Summen“ des Thomas von Aquin finden sich „Beweise“ des Geschlechtsverkehrs mit einem Sukkubus, und letztlich auch die wissenschaftliche Untermauerung des satanischen Fluges. Gegen die zum Gesetz gegen den Hexenglauben geronnene Vernunft im späten christlichen Rom reinstallierte eben jener Scholastiker den Hexenglauben als Vernunft und bereitete entscheidend den Boden für die Hexenjagden der frühen Moderne vor.

Hat nun Papst Benedikt eben jenem Thomas von Aquin seine Heiligkeit abgesprochen, wegen dessen Unvernunft? Nein. Selbst Wertmüller idealisiert ihn noch zum Vorkämpfer der Vernunft gegen den Sensualismus, Adorno unterstellt ihm sogar noch, nirgends (!) den Begriff der Vernunft zu verfehmt zu haben (q.e.d). Wie nun eine solcher Vernunftbegriff mit dem Glauben an Hexerei, an die (überaus sensualistische) Bergpredigt und an die Johannes-Apokalypse einhergehen soll, bleibt im Dunkeln, wie bei der Kritik an Islam und Christentum von dem geschwiegen wird, woraus beide ihre Stärken ziehen und auf das beide deshalb ihre Mängel projizieren: das Judentum in seiner selbstreflexiven und selbstkritischen literarischen Rationalität, die durchaus schon kritisch-theoretische Elemente der Versöhnung mit der Unvernunft in der Begriffslosigkeit Gottes und der unerklärlichen, existentialistisch anmutenden Wahl des Volkes Israel zum auserwählten trug und trägt. Das Christentum stellte einen gescheiterten, wenngleich im Prinzip notwendigen Versuch dar, diesen Glauben zu universalisieren, und die darin zum tragen kommende Vernunft einem allgemeinen Publikum zugänglich zu machen. Wie die Bergpredigt wollte es dabei allerdings von Besonderheiten und Erfahrungen absehen, das was besonders blieb, nämlich die zu Recht auf die Überlegenheit ihres Textes beharrenden Juden, kränkte das Christentum.

Der Islam schlägt in die gleiche Bresche, vor Gott und Allah sind alle gleich. Ebenso "denkt" das Geld verdrängt im Citoyen. Dem entgegen beharrt das Judentum auf seitenlangen Abstammungslinien, auf der Individualität der intellektuellen Größen wie Salomo oder Kohelet und auf das Heldentum der Makkabäer, die eben nicht wie die Heiligen oder die Dämonen zum großen Plan Gottes oder des Weltgeistes gehörten, sondern auf Gott zwar vertrauten, mehr aber noch wie Bourgeois und Odysseus ihr Glück versuchten, um das Beste zu erreichen.

Die Widersprüche in den Religionen sind beim Islam wie beim Christentum nicht zur Identität zu zwingen. Den Besonderheiten ist nicht durch Verallgemeinerung und Trennung zweier Opponenten zu begegnen. Derart salopp, wie Wertmüller den Islamismus auf ein Prinzip reduziert und den Koran auf ebendieses mag die Sache vereinfachen. Mehr begriffen wird dadurch nicht.

Justus Wertmüller: „Gott hat keinen Gefallen an Blut. Benedikt verteidigt die Vernunft gegen den Islam.“ In: Bahamas 51, 2007.

Justus Wertmüller: "Im Angesicht des Bösen. Deutschland wartet auf die iranische Bombe." In: Bahamas 52, 2007.

Rudolf Krämer-Badoni: „Judenmord, Frauenmord, Heilige Kirche.“ 1988, Knesebeck & Schuler.

Bernard Lewis: „ ‚Treibt sie ins Meer!’ Die Geschichte des Antisemitismus.“ 1989, Ullstein.

22.9.07 16:40


RTL-News: Antisemitismus als Imageproblem

Zuerst urteilt der Nachrichtensprecher: "Israel gibt vor, nach Terroristen gefahndet zu haben." Man wundert sich. Angeben hätte es heißen müssen. Ein Tipp bei Freud zu Versprechern kann nicht mehr gesucht werden, denn promt geht es mit einem zweiten Beitrag weiter: Israel erfrecht sich scheints, mit schönen Frauen am Strand um Touristen zu werben. Was anderen Staaten billig ist, sollte Israel recht sein. Pustekuchen: Ein "Imageproblem" solle damit ausgebügelt werden, von den unhaltbaren Zuständen in Palästina abgelenkt, als seien die auf Israel zurückzuführen. Man merke: Ein Imageproblem hat Israel bei den Antisemiten der Welt, die Palästinenser haben bei RTL den Stein im Brett, den sich der als Imageproblem Israels gefilmte Junge fast selber auf die Füße donnerte beim Versuch, ihn wurfgerecht zu zertrümmern.
20.9.07 20:03


Russland heizte die Krise zwischen Syrien und Israel an

Laut Jerusalem Post förderte Russland durch gezielte Desinformation der syrischen Regierung die Krise zwischen Israel und Syrien im Frühsommer. Russland erhoffte sich demzufolge einen Gewinn durch Waffenhandel mit Syrien und schürte mit Fehlinformationen Ängste Syriens vor einem geplanten Militärschlag Israels.

Israel würde einen derzeitigen Angriff Syriens wohl kaum politisch gewinnen können. Die Golanfrage würde in jedem Fall von beflissensten Konfliktforschern neu aufgerollt und als Ursache für Syriens Aggressivität angeführt. Die Hisbollah würde im Schutze der UN erneut losschlagen. Israel könnte sich kaum auf eine Verteidigung des nunmehr israelischen Golan zurückziehen, sondern müsste in die Offensive gehen, und dabei der UN im Libanon auf die Füße treten, wie auch in Syrien gegen die iranischen Hilfstruppen antreten. Der dauernde Dreifrontenkrieg mit Kassams aus dem Süden, Selbstmordattentätern aus Judäa und Samaria (Westjordanland), und der Hisbollah im Norden ist durchaus geeignet, Israel zu schwächen. Die vierte Front der antisemitischen Internationalen in UN und EU wird nun ergänzt durch eine fünfte: Kriegsgewinnler, zu denen sich Russland wohl zählen möchte. Israels Regierung muss zwischen all diesen Fronten agieren, und hat es anscheinend geschafft, zumindest Russland diplomatisch in seine Schranken zu verweisen.
Wer sich da schlauer dünkt, oder noch zu anmaßenden Aufrufen zum friedlichen Dialog verpflichtet fühlt, hat ganz offensichtlich einen Sprung in der Schüssel.    



   

30.8.07 11:13


Kampf der Gewerkschaften

Nachdem die britischen Gewerkschaften sich einmütig für einen Boykott Israels aussprachen und damit in jedem Antifakalender als rechtsradikale Organisation geführt werden müssten, die südafrikanischem dem Vorbild nachdödelten, weil sie anscheinend keine eigenen Probleme haben in einem Land mit über 30 % AIDS-Infektionsrate und 40% Arbeitslosigkeit, gibt es einen Lichtblick, der wie immer aus dem Hort der Emanzipation, aus den USA herüberscheint:  
 
Die US-amerikanischen Gewerkschaften haben den Beschluß gefaßt, sich von diesen Erscheinungen zu distanzieren und sie offen zu kritisieren. Die Jüdische Allgemeine vom 9.8.2007 berichtet darüber etwas ausführlicher. 
Anscheinend kommen jetzt auch die deutschen Gewerkschaften unter Zugzwang. Wie das ausgehen wird, weiß man ja, der Kommentar der Gewerkschaften wird vermutlich so oder ähnlich lauten:
Boykotte sind der falsche Weg, um Israel zu vernichten, schafft Frieden in der Region, ergo: unterstützt lieber die Hisbollah. Aber so offen dürfe man das ja nicht sagen, weil die Juden die Medien beherrschen.   
12.8.07 09:39


Palästinenser für Israel!

Die Jüdische Allgemeine (Nr. 27/07) fasst eine Umfrage zusammen, nach der 26 % der Bewohner der Westbank und Gaza sich die Auflösung der Autonomiebehörde und die Einrichtung einer internationalen Verwaltung wünschen. 49 % waren für die Beibehaltung der jetzigen Regierungsstruktur , 10 % hatten keine Meinung und:

16 % bezeichneten die erneute Besetzung durch Israel als die angemessenste Lösung.

Um das zu verdeutlichen: 16 % entspricht der SPD in Deutschland. Wo bleibt die Solidarisierung mit dieser starken palästinensischen Friedensbewegung? Wo die Gesprächsangebote? Wieso sammelt niemand Geld für diese Menschen, damit sie ihr Anliegen in UNO und vor der EU angemessen vertreten können? Nicht, dass eine erneute Besetzung wünschenswert wäre. Niemand kann von Israel erwarten, auf eigene Kosten in Gaza und der Westbank das dort mithilfe von EU, der arabischen Liga und dem Iran aufgehäuftem Kriegsmaterial abzurüsten. Israel hat jedoch Erfahrung mit den palästinensischen Terroristen, was auch 16% der Palästinenser anscheinend zu honorieren wissen. Vor allem zollen diese 16% der verleugneten Realität Rechnung, dass es in der palästinensischen Geschichte keine sicherere und prosperierendere Zeit gab als die der israelischen Besatzung, der humansten der Welt, die man deshalb in Feullietons hierzulande nur mit "völkerrechtswidrig" betitelt angemessen verunglimpfen kann.

6.7.07 12:16


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