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Rauchen als Verkehrung

"Raucher". David Teniers d.J. (ca. 1637).

„Wir sind keine Römer, wir rauchen Tabak!“ (Friedrich Engels)

Die Affinität von Tabakgenuss und Renitenz ist höchstwahrscheinlich archaischer noch als Engels und die verrauchten Rätesitzungen des 19. und 20. Jahrhunderts. Die südamerikanischen Schamanen verwenden und verwandten Nikotinabsud als Einlauf und Tee, Tabak wurde immer dann geraucht, geschnupft oder gegessen wenn sie Übermächten gegenübertreten mussten, eine Krise lösen sollten oder Einsicht in Krankheitsgefüge suchten. Das dort stärker nikotinhaltige Tabakkraut löste halluzinatorische Vergiftungserscheinungen aus, in denen Gesichte und analytische Prozesse stattfanden. Kurz nach der Entdeckung Amerikas wurde in Europa das Tabaktrinken unter Todesstrafe gestellt, einige wenige Gemälde zeigen fröhliche Spelunken, in denen man dem verbotenen Vergnügen frönt.

In der Linken und dort wiederum insbesondere in der antideutschen Szene fällt ein überproportionaler Anteil an Rauchern auf, der nicht allein auf die oft jugendlichen Strukturen zurückfällt, sondern anscheinend direkt mit einer gewissen Ideologieform korreliert. Teilweise beträgt der Anteil an Rauchern in antideutschen Kreisen bis zu 90%. Das einfach auf einen spezifischen Chic zurückzuführen wäre ein leichtes, greift aber zu kurz. Im Rauchen werden unliebsame Teile von abstrakten Denkprozessen nach außen verlagert und konkretisiert, zur Zigarette wird vor allem in Verlegenheitssituationen gegriffen, um die Konzentration zu fördern. Während also ein Gegenstand diskutiert oder durchdacht wird, muss zwanghaft, und dies nicht allein aus körperlichen Suchtgründen, ein Teil dieses Prozesses abgespalten werden.

Das Bewusstsein von Ohnmacht, das aus der kritischen Theorie erwächst, eine gewisse fatalistische Grundhaltung, wie sie sich auch im schwarzen Humor antideutscher Identifikationswitzeleien – das Nachäffen von antisemitischen Parolen, oder das völlig trockene Vortragen derselben - findet, muss kompensiert werden in einem vermeintlich beherrschten Prozess, dem des Drehen, Anzünden und Rauchen. Ähnliches findet im Extrem bei einigen psychisch kranken Personen statt: Sie rauchen im Zustand der Krankheit intensiver und häufiger, um sich an einem Stückchen Realität festzuhalten und darauf zu beziehen. Diese Beherrschung ist schwabbeliger Schein, der von den rauchenden Personen selten durchschaut wird. Anschaulich wird das an den häufigen Beispielen von Ex- und Gelegenheitsrauchern, die bis zuletzt behaupten, sie hätten die wieder- oder neuaufgenommene Sucht im Griff. Einsicht erfolgt allenfalls dann, wenn es zu spät ist und diese nur noch in Schicksalsergebenheit münden kann.

Rauchen und Warenfetischismus ähneln sich: Beiden ist gleich, dass ein kurzfristiges Durchschauen dessen nicht die Aufhebung zur Folge haben muss. Es erforderte die gesellschaftliche Tat, beides zu durchdringen. Ebenso wie die Aufhebung des Kapitalismus nur durch die Assoziation emanzipierter Individuen stattfinden kann, muss das Aufgeben des Rauchens ein Bruch mit allem bisher bekannten darstellen, ja er muss gesellschaftliche Tat werden, um nicht von einem System aus sozialer Abhängigkeit und quasi kulturalistischer Toleranz eingeholt und aufs Neue verschlungen zu werden. Entwöhnung ist der beste Begriff für einen solchen Prozess, der eben beinhaltet, das bekannte, wohnliche Elend zu verlassen.

Entweder das Individuum greift zur Robinsonade, es vereinzelt sich, löst sich aus den gesellschaftlichen Zusammenhängen heraus, die es stets aufs Neue in das Suchtverhalten treiben, oder es geht dazu über, mit der eigenen Freiheit die Freiheit aller einzufordern.

In dem Maße, in dem kulturalistische Toleranz eine Gesellschaft bestimmt, wird sie auch die Freiheit des Individuums nicht verwirklichen können, sie wird ihr nur als verkehrte erscheinen können, nämlich die der Freiheit eines objektiven Prozesses, sei dies Staat, Religion oder Suchtkrankheit zum Zugriff auf das Individuum. Ebenso wie es eine zivilisatorische Errungenschaft ist, um das Leben einer Person gegen deren Willen zu kämpfen, ist das angekündigte Rauchverbot in Kneipen eine zutiefst emanzipatorische Errungenschaft. Es schafft einen einzufordernden Rechtsstatus des Individuums auf körperliche Unversehrtheit, was zu Nachteilen derer geht, denen die im Rauchen praktizierte schrittweise Selbstvernichtung und in Kauf genommene (wenn überhaupt bewusste) Vernichtung des Anderen als Freiheit gilt. Vernichtung des Anderen ist dabei nicht Telos, sondern akzeptiertes Übel. Bezweifelt sei aber, dass Rauchen eine derartige Attraktivität entfalten könnte, wenn es nicht gerade gefährlich sei, den Tod enthalten würde. Unbewusst kennt jedes Individuum die Bilder von Raucherbeinen, die Statsistiken von Raucherkrankheiten, das ambivalente Suchtverhalten zieht einen gewissen Reiz aus dieser Todessehnsucht und Todesverachtung. Die Verächtlichkeit für die Gesundheit und die, denen diese etwas bedeutet, mündet in ein nicht selten offen artikuliertes „Ihr liebt das Leben, wir lieben den Tod.“

Der Tod erscheint als Lust, die das Leben erst lebenswert mache. Die intrinsische Abhängigkeit von einem weitgehend objektiven Suchtprozess wird geleugnet oder verharmlost, das Leiden daran auf seltene Momente verdrängt. Der Leidensgewinn verspricht Selbstbestrafung, frühen Tod, Trotz und Auflehnung gegen die verhassten Subjekte, denen man wirklich etwas bedeutet, nicht zuletzt der eigenen Person. Die Freiheit zum Tode erscheint als das einzige wirklich selbstbestimmte, was in der Totalität noch möglich ist, wenn nicht Suizid sogar zum Event verkommt. Anders als bei anderen beliebten selbstzerstörerischen Prozessen wie übermäßigem Alkoholkonsum ist das Rauchen jedoch stets notwendig auch das Leiden derer, die gar nicht leiden müssten. (Der Autounfall des Alkoholikers ist kein notwendiger, weil schon von Rechtsnormen erfasst und begriffen. Er ist häufiger Ausnahmezustand, während das Passivrauchen akzeptierte Normalität, Normalisierung des Ausnahmezustandes ist).

Anstatt nun aus Einsicht in den selbstzerstörerischen Prozess einzugreifen und zumindest die Zerstörung des Anderen abzuwenden, wird der, der an die begrenzte Unabhängigkeit in der verhassten Möglichkeit einer Symbiose von Tabakabstinenz und Freiheit gemahnt, zum Störenfried, sein Anspruch ist die Verneinung der eigenen Freiheit zum Tode. Frech und unverschämt, totalitär und antiliberal sei sein Beharren auf dem Willen zum Leben, ein Rauchverbot in der WG, Mindeststandard zivilisatorischer Praxis, gilt den antideutschen Rauchern als Wiederkunft des Faschismus. Folglich geben sie sich schwer generös, wenn sie gelegentlich rhetorisch anbieten, auf die eine oder andere Zigarette zu verzichten, was der noble Nichtraucher natürlich abzulehnen hat, gefragt wird ohnehin erst mit gezücktem Feuerzeug und um die Droge gespitzen Lippen.

Wenn der komische Kauz von Nichtraucher aber aufmuckt, gar noch trotz solider Mehrheit von ihm oppositionell gesinnten Tabakkonsumenten frech auf seinem Fleisch besteht, ist die Empörung satt vor Idiosynkrasie. Coabhängigkeit ist das Resultat, wer seine Freunde nicht verlieren will, schweigt, wird assimliert und nicht selten selbst zum Raucher, ist er doch in der schwächeren Verhandlungsposition, in der des Angreifers, der einen unzumutbaren Zustand einfordert. Dieser Zustand ist jenen noch dumpf aus grauer Vorzeit bekannt. Ihn durch die eigene Raucher-WG überwunden zu haben, deucht ihnen als individuelle Tat der Befreiung und Emanzipation, ist aber zutiefst gesellschaftlich. Wo man Kopftuch und Frauenbeschneidung akzeptiert, muss das Individuum auch jeden anderen Schmerz, den das Kollektiv ihm dafür zufügt, dazu zu gehören, akzeptieren, und sei es von entschiedenen Feinden der ersteren Zumutungen. Das Rauchen wird dann ausgerechnet jenen zum Ersatzkollektiv, die an bestehenden Kollektiven das Falsche benennen können. Es formt dieses Kollektiv. Die Individuen wissen das nicht, aber sie tun es. Indem sie schnorren, um Feuer bitten, den Aschenbecher herüberreichen produzieren sie einen Kollektivgewinn, sie simulieren ein Netzwerk, das sie auf wirklich sozialer Ebene gegen das Rauchen, also auch mit Nichtrauchern und gegen kapitalistische Verwertungsgesetze zu schaffen nie in der Lage sind.

Während also das Bewusstsein der Sucht oszilliert zwischen Überhöhung, deren Leidensgewinn sklavische Ergebenheit in die Abhängigkeit ist, und Verdrängung in Lust, wobei der Leidensgewinn sich klar lokalisieren lässt in der stärkeren Position einer Verteidigung von Lustfreiheit gegen Prüderie, wird die Nichtsucht zur Krankheit, zum Problem stigmatisiert. Nichtraucher müssen sich in solchen Zusammenhängen für ihr Nichtrauchen entschuldigen, rechtfertigen, aushandeln und stets aufs Neue erkennen, dass zwei Stunden später das Ausgehandelte Makulatur, niemals reliabel ist. Nun den Vertrag einzufordern, hieße endgültig zu vergällen, allzu pingelig sein. Der Nichtraucher ist zum Opfer nicht bereit, das von ihm gefordert wird, um das zwanghaft friedliche Zusammenleben des Kollektivs zu erhalten. Akzidentielle, weil auf Wahrscheinlichkeiten basierende Schäden wie Krebserkrankungen werden in dieser Ideologie zu Hirngespinsten des Nichtrauchers, die dieser in Wahn und Hypersensibilität nur ausspiele, um seinen Machtgelüsten, Kastrationsägsten und Deprivationsängsten Abhilfe über Beherrschung von unschuldigen Rauchern zu verschaffen. Ein selbstbestimmtes Handeln von Tabakrauchkonsumenten hin zu freien Assoziationen, in denen die Eigenschaft "Rauchen" zur sekundären auch und vor allem von Seiten des Rauchers gerät, scheint ausgeschlossen, das System, das sie erschaffen und sie erschafft ist ein autopoietisches, es kann allein aufgebrochen werden durch die Gewalt der kritischen und damit selbstkritischen Vernunft, die gegen die Fetischisierungen von Sucht und Wahn ankämpfen muss, um je Gehör im Individuum zu finden. Die Tabakkonsumenten erachten ihre durch den Suchtprozess bedingte Persönlichkeit (beider Parteien, denn auch die des Nichtrauchers und des Coanhängigen verändert sich) als ontologisch, natürlich, sie begreifen ihren augenblicklichen Zustand bereits als Freiheit, die Basis des Kommunismus sein müsse, und verteidigen mit Händen und Füßen ein verselbstständigtes Gefängnis, das sie sich selbst erbauten und erbauen.

Hamm: Erinnerst du dich an deinen Vater?

Clov (überdrüssig): Dieselbe Replik. (Pause) Du hast mir diese Frage millionenmal gestellt.

Hamm: Ich liebe die alten Fragen. (Schwungvoll) Ah, die alten Fragen, die alten Antworten, da geht nichts drüber!

Samuel Beckett: Das Endspiel

Zitat "Passivrauchen" auf Wikipedia:

"Tabakrauch wurde von der International Agency for Research on CancerWeltgesundheitsorganisation (WHO) als Karzinogen der Gruppe 1 eingestuft. In diese Gruppe werden Stoffe eingestuft, die schon kleinste Mengen krebserregend sind. Es werden dabei keine Grenzwerte festgelegt, es gibt also keine „unbedenkliche Menge“, der man sich oder Dritte aussetzen kann." (IARC) der

Postskriptum: Ein billiger Gag wäre es, mit Bildern von Raucherbeinen oder Krebsgeschwulsten hier Worten Glauben verleihen zu wollen. Der Autor ist der Meinung, dass diese ohnehin nur verdrängt und abgewehrt würden, solange die Analyse nicht stattfindet.

Postskriptum 2: Da der Autor mit dem Veröffentlichen des Textes anscheinend sämtliche Freundschaften verspielte, sei dies hier bedauert und einem mangelndem Verständnis des Textes geschuldet. Zumindest in einem Fall kann ich sichergehen, dass das Vorgebrachte nicht wirklich Anlass des Zornausbruches war, sondern lediglich Ventil. Der besseren Verständlichkeit wegen wurde der Text noch einmal korrigiert, ein wirklich schlechter Satz gestrichen, dem Kritiker sei Dank.

Die Diskussion unten sei folgendermaßen zusammengefasst:

- Frank lieferte eine nette und lesenswerte Ergänzung über paranoische Projektion.

- M. meint, ich hätte im Text mit Freunden gebrochen und findet die Form der Kritik an diesen respektlos.

- Schlipsiltis meint ironisch, Individualverkehr, also Autofahren sei dem gleichzusetzen und würde ebendiese Kritik erfordern.

- Ich verwies auf einen QUALITATIVEN Unterschied zwischen Autofahren und Rauchen, der sich in ökonomischen Abhängigkeiten äußert, ferner in quantitativ unvergleichbaren Opferstatistiken.

- Schlipsiltis hält "die Unterscheidung zwischen Autofahren und Rauchen vor dem Hintergrund eines "gesellschaftlichen Nutzens" für nicht sehr relevant - aus Freude/ Genuss zu rauchen ist in meinen Augen ein genauso guter Grund es zu tun, wie aus Praktikabilitätserwägungen mit der Karre statt der Bahn zur Arbeit zu fahren; dafür lebe ich schließlich in einer halbwegs freiheitlich organisierten Gesellschaft."

- Schlipsiltis meint, der Rechtsgüterschutzauftrag werde missverstanden, wenn davon ausgegangen werde, dass ein Suizidgefährdeter rechtlich belangt werden kann. Davon ging ich nicht aus. Das Gesetz schützt Nichtraucher, der Vergleich wurde nur geführt um auf einen emanzipatorischen Gehalt hinzuführen.

- M. gerät von der sachlichen Ebene auf die emotionale. Er sieht im Dargestellten eine Gleichung: "Rauchen=Tod Raucher= Freunde des Todes Rauchen= Tötung und Schädigung von anderen heutiges Rauchen=Holocaust an Nichtrauchern! Raucher=Nazis und Islamisten von heute! Da bleibt nur noch, dass du behauptest, die Nazis hätten ja alle vor den Krematorien nur getraucht und die Juden seien durch dieses Passivrauchen gestorben!"

- L.M. betritt pathologisierend die Bühne und empfiehlt eine Psychoanalyse. Er glaubt, "dass Hegel leidenschaftlich Pfeiffe rauchte und Du scheinst lebender Beweis, dass dies einem Nichtraucher nicht möglich ist." L.M. dagegen hat einen Fertigbetonbegriff vom Nichtidentischen und kann dies im Verhältnis denken, was er stichhaltig beweist. Dem Autor unterstellt er, dies nicht zu können und mit der Namensgebung in Selbstherrlichkeit zu verfallen. Der getreue Korrepetitor geht leider in keinster Weise auf Inhaltliches ein.

- Dies vermeint er nachzuholen, um den Preis der Mottenkiste. Er hält dem Autor vor, die eigene Sucht nicht bewältigt zu haben und schöpft daraus Genugtuung. Vernichtung ist für ihn allein im Suicide Bombing erreicht,der Vergleich damit sei unzulässig. Eine Rechtsnorm könne zudem nichts begreifen. Was ein grammatikalischer Irrtum ist, denn nicht die Rechtsnorm begreift im Satz, sondern eine diese setzende, nicht erwähnte, vorrausgesetzte Gesellschaft. Er kontert das Ganze affirmativ: "Ein zivilisatorisches Hoch auf die Kettenraucherkneipe!" Ferner ist er glücklich über die ausgrenzende Wirkung, denn ansonsten müsse er sich solcherlei Geschwafel den ganzen Tag anhören. Was eine Verkehrung darstellt, denn ohne diese Wirkung wäre das Geschwafel nicht existent.

- Biertrinker findet Raucherkneipen dufte und vergleicht Alkoholstraftaten mit Passivrauchen. Worauf schon eingegangen wurde.

- Ein kurzes halbwegs sachliches Palaver zwischen Schlipsiltis und F. entsteht über die Suizidfrage und den Rechtsgüterschutz.

- L.M. ist zurück und breitet Ressentiments gegen das Bloggen aus. Insbesondere kränkt ihn dieses als "Rückzug". Er geht davon aus, dass mit den bisherigen Kommentaren eine "Kränkung" des Autors erreicht sei, weshalb die Diskussion mit dem "Herrn. F. " wie immer nichts bringe, denn dieser sei ein verhaltensauffälliger Dauergekränkter. Beim Bloggen fürchtet er, dass (seine) Kommentare gelöscht werden könnten, und so ein "Maestro seine Kreise nicht stören lasse." Andere Maestros wie L.M. lassen ihre Kreise nicht stören, indem sie sich jeder Kritik im vornherein entziehen. Weiter wiederholt er seine Forderung, der Autor solle eine Psychoanalyse unternehmen und seinen IQ pimpen.

- mangolapholie hat die Faxen dicke und will das Wort "Hölle" nicht hören, dies sei ein Vergleich mit Auschwitz. Es wurde gestrichen.

- raucherbein konstatiert beim Autor ein Bedürfnis "Szenedoktor zu spielen" und empört sich über einen von ihm festgestellten apostolischen Gestus." Er hat keine Lust sich das Ganze genau durchzulesen.

Postskriptum 3:

Die polemisch überhöhte Aussage "Ihr liebt das Leben, wir lieben den Tod" wird selbstvertsändlich kaum unverschlüsselt herausgerückt, dann bedürfte sie ja auch nicht der Analyse. Enthalten ist sie sinngemäß in dem Vorwurf der Lustfeindschaft an die militanten Nichtraucher.   

21.10.06 00:34
 


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bisher 66 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Der renitente Raucher (21.10.06 09:37)
Also das Eingangszitat stammt wohl von Heine:
http://www.staff.uni-mainz.de/pommeren/Gedichte/NeueGedichte/zeitg20.htm
und wurde von Engels pejorativ gebraucht.
(vgl. http://www.mlwerke.de/me/me02/me02_611.htm)
Und dann noch sowas: "Ebenso wie der Kapitalismus nur durch die Assoziation emanzipierter Individuen stattfinden kann"
Nee nee, diese Fehler liefern mir den besten Vorwand um weiter im Tabakparadies zu verweilen. Eine Zigarette macht keine Fehler! Du aber beleidigst sie. Warum beleidigst du meine Zigarette?


nichtidentisches (21.10.06 10:52)
Danke für die Links und deine Korrektur. Ich beleidige dich, nicht deine Zigarette, denn das hieße Maschinenstürmerei.


nichtidentisches (21.10.06 11:04)
Hach, auch ich verfalle der Verkehrung. Also nochmals korrekter: Nicht ich beleidige deine Zigarette oder dich, sondern du und deine Zigarette beleidigen mich. Letzteres ist allerdings Norm im Ganzen Falschen und wird daher als richtig erachtet.
"Im Faschismus wird dies Verhalten von Politik ergriffen, das Objekt der Krankheit wird realitätsgerecht bestimmt, das Wahnsystem zur vernünftigen Norm in der Welt, die Abweichung zur Neurose gemacht." (Adorno/Horkheimer, Dialektik der Aufklärung)


Der renitente Raucher (21.10.06 15:59)
Mal was anderes: Irgendwann habe ich mal ein Interview mit einem Kettenraucher gelesen, der permanent Zitronen aß, um die schädlichen Wirkungen des Tabakabusus' "auszugleichen", weswegen er sich strahlend weißer Zähne erfreute. Das war nur ein Nebensatz in der Einleitung (?), sämtliche Details des Interviews sind mir entfallen, dies jedoch nicht.
Was sagt nun der Psychoanalytiker zu diesem Casus? Handelt es sich um eine Ersatzhandlung oder wie lässt sich ein solches Verhalten auf dem Begriff bringen?


nichtidentisches (22.10.06 14:21)
Ich bin kein Psychoanalytiker, daher kann ich allein psychoanalytische Grundbegriffe in kulturwissenschaftlicher Absicht verwenden. Da ein gleiches Symptom verschiedene Ursachen haben kann und umgekehrt, ist eine fixe Aussage kaum zulässig.
Vermuten lässt sich ein Schuldbewusstsein, Kastrationsängste (Zähne sind häufig Ersatz für Potenz, siehe Zahntraum), die mit der Selbstbestrafung des Zitronenessens beseitigt werden sollen... Auf lange Sicht greifen Säuren allerdings den Zahnschmelz stark an!
Immerhin hatte er ein Bewusstsein von der schädlichen Wirkung und er wird kaum den Menschen in seiner Umgebung Zitronen gegen die Wirkung des Passivrauchens empfehlen, sondern dies als individuelle Marotte bewusst vertreten.


frank (22.10.06 15:32)
Die Paranoischen Wurzeln des Tabakgenusses

Die folgenden Überlegungen beruhen auf einer Annahme, auf die ich beim Lesen eines Rauchentwöhnungsratgebers gestoßen bin, der allerdings keinen Psychoanalytischen Anspruch hatte. Diese Annahme kann ich als Ex-Raucher auch nur bestätigen. Sie besagt, dass Raucher mit der Vorstellung leben, dass die Symptome ihrer Entzugserscheinungen (Nervosität, Unausgeglichenheit etc.) den Zustand widerspiegeln in dem Nichtraucher sich ständig befinden. Unter Verwendung der psychoanalytischen Terminologie hieße das ja nichts anderes als dass sie ihre eigenen, auf Entzugserscheinungen zurückzuführenden Unlustempfindungen in ihre Mitmenschen, auch und gerade die Nichtrauchenden, projizieren. Der durch ihre eigene Sucht hervorgerufene Ausnahmezustand wird so nach paranoischem Muster als Normalzustand imaginiert und in die Liste von Zumutungen eingefügt, von denen das Individuum geplagt wird. Ganz nach dem Prinzip der zweiten Natur, mit dem Unterschied aber, dass man sich von ersterem mittels Zigarette emanzipieren kann.

to be continued


frank (22.10.06 15:33)
So lässt sich dass Paradoxum erklären, dass Raucher ihre Abhängigkeit als ersten Schritt zu Freiheit und Unabhängigkeit verstehen, wesen sich ja auch die Werbung bedient (bestes Beispiel Marlboro). Das Rauchen stellt eben auch auf Grund dieser imaginierten Emanzipation einen Lustgewinn zur Verfügung, der über die bloße Erleichterung der Entzugssymptome hinausgeht und die negativen Folgen des Tabakkonsums mehr als aufwiegt. Vielleicht besonders bei Menschen, die die Erfahrung gemacht haben, dass noch so vollständige individuelle Durchschauung der zweiten Natur und Emanzipation von deren gesellschaftlichen Konsequenzen lange nicht zusammenfallen und die gerade darum ihr klein bisschen „liberte touchours“ („Gauloises“ Slogan) mit besonderer Vehemenz verteidigen.

Frank


nichtidentisches (23.10.06 13:03)
Das passt hervorragend und überzeugt mich! Was noch genauer herauszuarbeiten wäre (auch im Artikel) ist, warum Nichtraucher sich dem fügen, ja sogar diese Coabhängigkeit in Bestätigung der Raucher übergeht, diese mitunter verteidigt oder zumindest nicht wesentlich protestiert. Der Satz vom Wahnsystem und der Neurose meint ja nicht nur, dass für die Außenstehenden der Nichtrauchen nichtnormal ist, sondern dass er tatsächlich neurotische Züge zu tragen gezwungen ist, also sein eigenes Verhalten ändert.


Nichtidentisches (23.10.06 17:55)
Weiterführende Thesen:

- Der abstrakte Denkprozess drängt in einer warenproduzierenden Gesellschaft zur Konkretion. Weil "Antideutsche" sich jegliche Konkretion versagen müssen sie in Zigaretten Scheinwaren produzieren, die sie sodann vernichten. Das Drehen soll an nichtentfremdete Arbeitsprodukte erinnern, Produktion und Konsum fallen ineinander, das Schnorren simuliert Konsum ohne Warentausch. Der Preis dafür fällt um den Lustgewinn zu erhalten der Verdrängung anheim.

- Verdrängte sexuell/sinnliche Regungen, die im Denkprozess keinen Platz finden, müssen in der Flammensymbolik des Feuergebens sublimiert werden. Die von Freud dargestellte Homoerotik in der Flammensymbolik könnte zudem die verdrängte ersetzen, die die Beschäftigung mit den unerreichbaren Idolen Adorno, Marx, et alii hervorruft. Das Geschlecht ist dabei nachrangig, da Kreuzidentifikationen möglich sind.


Bademeister / Website (26.10.06 11:20)
Was mir als Widmung über diesem Artikel fehlt, ist ein "Für L., S., M., M., J., E. [...]". Ich frage mich auch hier, wieso ein weiteres Mal eine Debatte im Freundeskreis auf die allgemein-gesellschaftliche Ebene zu hieven versucht wird. Lieber F., lies doch mal "Der Vogel ist krank" von Arnon Grünberg. Deine Briefe erinnern mich stark an das Verhalten des Protagonisten gegenüber seinen (in der Erzählebene schon ehemaligen) Freunden.


Nichtidentisches (26.10.06 15:43)
Für M.

Wenn mir nichts an jemandem läge, wäre er auch der Kritik nicht wert. Deinen Buchtip nehme ich gerne an.
ich dachte, ich hätte die intrinsische Verflechtung von Verhaltensänderungen auf beiden Seiten aufgezeigt, und das Ganze somit zur Metaselbstkritik gezeichnet. Da ich selbst Ex-Raucher bin und es beileibe nicht allein um meine Freunde geht, sondern um weitaus mehr, siehe Abschlussabend der Bahamas-Konferenz oder diese altbekannte Kneipe wäre ich doch glücklich, dies als notwendige Kritik an Gesellschaftlichem das die Individuen notwendig tragen und nicht als Anfeindung zu verstehen. Bis bald, Picasso oder so?


nichtidentisches (26.10.06 20:53)
Das Schwert der Zivilisation, McDonalds, hat jetzt ein Rauchverbot in allen Filialen zum Schutz der Mitarbeiter eingeführt. Ebenso hat die DB in ihren Bordbistros Rauchen verboten. Die Emanzipation schreitet voran!


schlipsiltis / Website (27.10.06 02:48)
Mich würde ein in inhaltlicher wie formaler Ausrichtung entsprechender Beitrag zum Thema "Individualverkehr" sehr interessieren und erfreuen! )

LG


schlipsiltis / Website (27.10.06 02:49)
Huch, der Smiley sollte so aussehen:




nichtidentisches (27.10.06 11:53)
Bitte erläutern und genauer eingrenzen. Assoziiere: Individualverkehr - Sex - Auto - Kollektivverkehr...


schlipsiltis / Website (27.10.06 17:09)
Ah, vor dem Missverständnis hatte ich Angst

Ich meine natürlich Individualverkehr im Sinne von "Autofahren" ob der augenscheinlichen Parallelen zum Topos (Passiv-)Rauchen - Umweltverschmutzung und insbesondere Fremdschädigungen durch Abgase sowie ganz handfeste Gefahren für Leib und Leben.

LG


schlipsiltis / Website (27.10.06 17:18)
Darüber hinaus kann ich ganz grundsätzlich das hier geäußerte Verständnis vom 'Kampf um das freiverantwortlich disponierte Leben als zivilisatorische Errungenschaft' ganz und gar nicht teilen. Umgekehrt wird ein Schuh draus! Vgl. hierzu ausführlich Georg Freund: "Erfolgsdelikt und Unterlassen. Zu den Legitimationsbedingungen von Schuldspruch und Strafe", Köln 1992.


nichtidentisches (27.10.06 21:44)
Dieses Argument habe ich interessanterweise schon mehrmals gehört. Du würdest das Rauchen also dem Autofahren vergleichbar machen? Im einen Falle geht es doch um weitgehend Selbstgewähltes, ohne weitere ökonomische Schäden in begrenzt gesellschaftlichem Rahmen Aufhebbares (Gruppenentzug, selbstgewählter Rauchverzicht in geschlossenen öffentlichen Räumen), im anderen um sehr viel tieferliegende gesellschaftliche Umstände, in denen ein Individuum durchaus nicht mal eben auf sein Auto verzichten kann. Interessant dazu ist der Film "Speed", übrigens ein sehr selbstverständlich jüdischer Film.
Die Todesursachen gehen zudem frappierend auseinander. Rauchen ist Todesursache Nr. 1. Verkehrsopfer dagegen sind vernachlässigbar und sinken anhaltend. Die durch Autofahren verursachten Krebsarten sind zudem prozentual in keinster Weise mit denen des Rauchens vergleichbar, wenn auch nicht unrelevant.


nichtidentisches (27.10.06 21:45)
Ich müsste also bei diesem Vergleich einen latenten Hang zur Verharmlosung der Folgen von Rauchen unterstellen, empfehlenswert einmal bei Wikipedia oder google ein paar Informaitonen einzuholen zu Raucherbein, Herzinfarkt, Mundbodenkrebs, Kehlkopfkrebs, Bronchialkarzinom etc.. Ein Vergleich wäre allenfalls zum alkoholisierten Autofahren zu ziehen, aber das habe ich ja im Text erwähnt.
exzerptiere dochmal eine zentrale These von Georg Freund, ich komme momentan nicht dazu.


schlipsiltis / Website (28.10.06 02:29)
Zum Vergleich Rauchen und Autofahren - es handelt sich also ganz offensichtlich um einen rein quantitativen Unterschied, keinesfalls einen qualitativen. Der Text hier macht nun aber in weiten Passagen wiederum nicht den Eindruck, als ließe er sich entschärfen, wäre das Rauchen etwas weniger gefährlich. Davon abgesehen halte ich die Unterscheidung zwischen Autofahren und Rauchen vor dem Hintergrund eines "gesellschaftlichen Nutzens" für nicht sehr relevant - aus Freude/ Genuss zu rauchen ist in meinen Augen ein genauso guter Grund es zu tun, wie aus Praktikabilitätserwägungen mit der Karre statt der Bahn zur Arbeit zu fahren; dafür lebe ich schließlich in einer halbwegs freiheitlich organisierten Gesellschaft.

Es geht bzgl. Freund einfach nur um den Grundgedanken, dass das "Rechtsgut" menschliches Leben selbstverständlich im selben Maße verfügbar ist, wie jedes andere x-beliebige Rechtsgut auch. Daher wird innerhalb eines funktionierenden und seinem Begriff nach wirkenden Rechtsstaat zum Glück auch nicht "um das Leben gegen den Willen des Lebenden" gekämpft (vorausgesetzt, die Willensäußerung ist nicht mit rechtlich beachtlichen Willensmängeln behaftet). Das wäre nämlich kein zivilisatorisches Projekt, sondern viel eher ein Rückfall in die Barbarei, weil gleichsam grundlegendes Missverständnis des staatlichen Rechtsgüterschutzauftrages!


schlipsiltis / Website (28.10.06 02:31)
Es muss im zweiten Abschnitt natürlich "Rechtsstaates" und nicht "Rechtsstaat" heißen - pardon!




Bettenraucher (alias M) (28.10.06 11:32)
Felix, Felix, Felix: deine These, die deine Aussagen mit denen von PETA identisch macht: Rauchen=Tod Raucher= Freunde des Todes Rauchen= Tötung und Schädigung von anderen heutiges Rauchen=Holocaust an Nichtrauchern! Raucher=Nazis und Islamisten von heute! Da bleibt nur noch, dass du behauptest, die Nazis hätten ja alle vor den Krematorien nur getraucht und die Juden seien durch dieses Passivrauchen gestorben! Was ein Schwachsinn, der hier steht!


nichtidentisches (28.10.06 20:59)
Sehr schöne Zusammenfassung, danke dafür. Also:
Rauchen=Tod
Wie jetzt? Rauchen ist gesund? Die Studie musst du mir zeigen.
Rauchen gleich Tötung und Schädigung von anderen:
Sobald man andere dazu zwingt, si!
Affinität ist nicht gleich Identität. Das Argument, ich sei lustfeindlich und faschistoid, weil ich Rauchen in meiner Wohnung ablehne, habe ich schon öfters gehört und tut mir leid, im Prinzip ist es dasselbe wie "ihr liebt das Leben, wir lieben den Tod". Der Hass auf "Gesundheitsfanatismus" ist nichts anderes als Hass aufs lustvolle Leben, dem das Sein zum Tode protestiv mit der Kippe entgegen gequalmt wird.
Aber das ist ja auch Produkt der Suchtverkehrung, dass ich mich rechtfertigen muss, anstatt dass sich Raucher mir erklären würden, aus welchem Grund genau sie meine Lieblingskneipe mir in weiten Teilen unmöglich machen.
Eine Reflexion auf die tückische Allgemeinheit von psychologischen Grundbedingungen von Antisemitismus würde beinhalten, dass sich ähnliche Komplexe auch auf andere Verhaltensweisen ausdehnen, bzw. hier Ventile suchen.


schlipsiltis / Website (28.10.06 23:36)
Schade, dass auf meine Kritikpunkte nicht eingegangen wurde.. :/


L.M. (29.10.06 06:12)
Lieber F.,

bitte begeb Dich doch mal auf die Couch, eigene Störungen in ein solches Geschwafel zu quetschen, die eigene Unfähigkeit sich mit und im Individuellem zu konfrontieren und dies in einem wirren Begriffsapparat zu überführen, grenzt an vielem, was ich nicht benennen mag. Wer in großen Lettern sich so wunderbar "Nicht-Identisches" nennt, sollte doch wenigstens diese Konstellation der Begriffe beherrschen ("Während also ein Gegenstand diskutiert oder durchdacht wird, muss zwanghaft, und dies nicht allein aus körperlichen Suchtgründen, ein Teil dieses Prozesses abgespalten werden, der in diesem nicht enthalten ist, das Nichtidentische wird nicht mitreflektiert, sondern in Rauch aufgelöst, verbrannt." Was sich alles in Rauch auflöste, eine widerliche Metapher, ja verbrannt wird das Nichtidentische, Assoziationen mit anderen Verbrennungen schieben wir mal beiseite, sie drängen sich ja auch gar nicht auf, aber lieber F. wie denke ich denn Identität und Nichtidentität im Verhältnis? Geht das mit Zigarette nicht? Ich glaube, dass Hegel leidenschaftlich Pfeiffe rauchte und Du scheinst lebender Beweis, dass dies einem Nichtraucher nicht möglich ist, oder einfacherere Frage: Was ist denn Nichtidentisch? A' und A, gut, aber dann halt doch bei der Beantwortung mal Deine "Abstraktion" durch);


L.M. (29.10.06 06:15)
wer dies ohne Kenntnis der Person liest, könnte meinen, derjenige würde mit Begriffen wie auf einer Klaviatur spielen, tatsächlich nur Unnötiges, halbgebildetes Gequäke, was sich spätestens dann entpuppt, wenn der Maestro zur Abstraktion greift (ein Kalauer: "weil schon von Rechtsnormen erfasst und begriffen", eine begreifende Rechtsnorm! Der Kasus macht mich weinend); besonders widerlich: "Es schafft einen einzufordernden Rechtsstatus des Individuums auf körperliche Unversehrtheit, was zu Nachteilen derer geht, denen die im Rauchen praktizierte schrittweise Selbstvernichtung und Vernichtung des Anderen als Freiheit gilt." Vernichtung, ja, Rauchen ist Vernichtung; irgendeinen Gedanken beim Schreiben verwendet? Rauchen als Suicide Bombing? Tut mir leid, aber hier tippt derjenige, der seine Sucht nie überwand... der ehrengemordete Nicht-Raucher F., das letzte, das total vernichtete Opfer, eine rote Nelke auf sein Grab...
Wie wunderbar, dass im HavannaAcht nach Herzenslust gequalmt werden darf, sonst müsste man sich dieses Gequatsche noch den halben Abend anhören! Ein zivilisatorisches Hoch auf die Kettenraucherkneipe!


gipsiltis (29.10.06 06:22)
@schlipsiltis
Ich glaube, Herr Nichtidentisches hat soooo viel von Staat und Recht gelesen, er hat einfach keinen blassen Schimmer davon und "Rechtsgüterschutzauftrag" hat der Bub auch noch nicht vernommen, schließlich steht das nicht im Duden und bei google findet er es auch nicht, ein Trauerspiel...


Hohn und Spott (29.10.06 09:23)
Touche! Zu dumm, dass das viele Begreifen von Rechtsgüterschutzaufträgen die rauchende Klasse nicht zur Emanzipation trieb. Und es bestätigt sich nur das gesagte, weshalb nicht weiter auf Wahngebilde herumargumentiert werden soll...
@L.M.
Dieser Satz wird tatsächlich gestrichen.


schlipsiltis / Website (29.10.06 10:38)
In der Tat schade, dass ein aufkeimender Diskurs über die Dimensionen eines effektiven staatlichen Rechtsgüterschutzauftrages und mithin der Frage nach dem (rechtlichen) Verhältnis von Selbstbestimmung und Lebensschutz hier offenbar nicht weitergeführt werden will :/


schlipsiltis / Website (29.10.06 10:43)
Oha, es muss natürlich "die Frage" sein - wo nehm ich da bloß wieder den Genetiv her?




Biertrinker (29.10.06 11:37)
ich freue mich, dass du mir wenigstens das biertrinken lassen möchtest. allerdings lässt sich zweifelsohne nicht nur nachweisen, dass alkohol für mich schädlich ist, sondern dass 2/3 aller gewalttäter unter alkoholeinfluß standen oder nicht? du magst nun einwenden, das sei wohl richtig, aber es läge kein automatismus vor, aber ebensowenig sterbe ich automatisch vom passiv-rauchen, wenn ich mich öfters mal in kneipen rumtreibe.
im gegenteil: ich habe dort eine schöne zeit, kann kommunizieren, flirten und mich heillos betrinken, um für eine kurze zeit die ganze scheiße um mich herum zu vergessen. und das tut gut, sage ich dir. solltest du auch mal versuchen, anstatt hier propaganda für gesundheit und reinheit rauszuhauen, zu der dein vorgebliches eintreten für den schutz des lebens verkommt!


nichtidentisches (29.10.06 13:17)
"aus Freude/ Genuss zu rauchen ist in meinen Augen ein genauso guter Grund es zu tun, wie aus Praktikabilitätserwägungen mit der Karre statt der Bahn zur Arbeit zu fahren"
Als du noch vornehm ein zwei Zigarillos pro Abend rauchtest, hätte ich dir das abnehmen können. Der Spass hält sich aber spätestens dann in Grenzen, wenn der kalte Entzug droht, dann zählt Stoff statt Taste. Ich warte auf eine angemessene Erklärung, wie etwas zum Spass oder zur Lust erklärt wird, das auf ziemlich ekelhafte Weise tötet und wie ein Suchtstoff halt eine Dosissteigerung verlangt.
Im Pflegebereich beispielsweise bekommt man in der Regel keinen Job ohne Auto. Allenfalls als Filmstar oder als Tabakwerbemodel jedoch ist man darauf angewiesen, zu rauchen.


schlipsiltis / Website (29.10.06 13:19)
Also nun entschuldige mal, lieber F., aber so undeutlich hatte ich meinen Kritikpunkt nicht formuliert. Darüber hinaus dachte ich ohnehin, dass du an sachlicher Kritik, wie sie von meiner Seite ergangen ist, regeres Interesse hättest (zumindest wenn ich deinen Beitrag "we need more intelligence" richtig verstanden habe), als es mir hier den Eindruck macht; der Tenor deiner Antworten mir gegenüber lässt mich dies zumindest vermuten.

Also hier nochmal das, was ich sagen wollte:

Vor der auch in meinen Augen zumindest dubiosen Beobachtung, in antideutschen Kreisen würde nicht selten "offen" ein "Ihr liebt das Leben, wir den Tod" artikuliert, schreibst du Folgendes:

"Ebenso wie es eine zivilisatorische Errungenschaft ist, um das Leben einer Person gegen deren Willen zu kämpfen, ist das angekündigte Rauchverbot in Kneipen eine zutiefst emanzipatorische Errungenschaft."

Hierauf nahm ich schon vor geraumer Zeit klar Bezug: Diese Aussage stimmt dahingehend nicht, dass "um das Leben von Personen gegen deren Willen" de facto nicht gekämpft wird. In Wirklichkeit sieht es - zu Recht - umgekehrt aus! Wenn jemand WILLENTLICH - i. S. v. frei von Willensmängeln - über sein Leben disponiert, dann wird gerade nicht mehr darum gekämpft, d.h. an dieser Stelle endet der sog. "Rechtsgüterschutzauftrag" des modernen Rechtsstaates! Es ist nicht Angelegenheit des Staates, Rechtspositionen zu schützen, die bereits willentlich aufgegeben sind. Und alles andere wäre ein Rückfall in die Barbarei! Das, was staatlichen Eingriff zum Lebensschutz legitimiert, ist das persönliche, individuelle (in vielen Fällen auch antizipierte, keine Frage!) Interesse des Einzelnen am Erhalt seiner Rechtsposition, und sicher kein überindividuelles Interesse, welches du vorauszusetzen scheinst, denn anders macht der von mir zitierte Abschnitt keinen Sinn.

so long.


nichtidentisches (29.10.06 13:26)
Zum Rechtsgüterschutz:
Es soll ja auch nicht gegen den Willen um das Leben einer sterbewilligen Person gekämpft werden, sondern diese daran gehindert, andere selbstverständlich mitzuschädigen. Des weiteren geht es mir nicht um konkrete Personen, sondern um die Wirkung, die deren individuelles Verhalten im Kollektiv erhält und zweitens um die Rationalisierungen, die diesem Verhalten folgen.
Drittens wird gerade in einem funktionierenden Rechtsstaat gegen den Willen um das Leben von Selbstmördern gekämpft, was ich für emanzipatorisch halte, da davon ausgegangen wird, dass diese Personen aus einer Krise geholfen werden kann und dies tatsächlich Erfolg hat.
Das Rauchverbot in Kneipen hätte zur Folge eine Bewusstmachung von Unerwünschtheit und Nichtreformierbarkeit auf wirklich emanzipatorischer Basis, eine Minderung der Rauchfrequenz und auf lange Sicht eine Abnahme von Rückfällen, die am häufigsten nach dem dritten Bier in einer verrauchten Spelunke passieren. Ich werde den tränenden Augen, den nächtlichen Reizhustenanfällen nach einem durchzechten Abend, den stinkenden Klamotten und Schweißausbrüchen wie Herzrasen kaum nachtrauern.


schlipsiltis / Website (29.10.06 13:29)
Ja F., du hast ja Recht! Natürlich ist man oft auf ein Auto angewiesen, und sicher ist niemand existentiell dazu gezwungen zu rauchen. Soweit geh ich doch d'accord, und das hatte ich eigentlich auch schon klar gemacht. Ich halte diesen offensichtlichen Unterschied nur nicht für einen sonderlich relevanten, da ich hier in einer halbwegs freien Gesellschaft lebe. Was du hier propagierst klingt für mich ein wenig nach: "Genuss ist kein Zwang, es ist nicht lebenswichtig, zu genießen, also können wir es getrost verbieten. Pünktlich zur Arbeit kommen und Geld verdienen allerdings schon, daher können wir keine Autos verbieten. Und - du kannst es mir glauben oder nicht - Rauchen stellt in der Tat für mich schlichten Genuss dar, undzwar obwohl ich oft mehr als zwei Zigarillos am Abend rauche. Zumindest rauche ich nie, wenn ich nicht in Marburg bin, und habe zu diesen Zeiten nicht das geringste (körperliche) Bedürfnis danach. Und das bezieht sich nicht nur auf zwei bis drei Tage, sondern auch auf mehrere Wochen.


schlipsiltis / Website (29.10.06 13:37)
OK, auf deinen ersten Absatz bezogen: Dann hast du die Passage, die ich zitiert habe, schlicht falsch formuliert. Denn sie besagt das, wovon ich ausging, dass sie es tut. Daher bleibt meine Kritik an dieser Formulierung bestehen, und wenn du tatsächlich nur sagen willst, dass "diese daran gehindert [werden], andere selbstverständlich mitzuschädigen", dann solltest du die Passage ändern/ streichen. Denn das sagt sie nicht aus. Aber das weißt du auch selbst.

Die Erwähnung von Selbstmördern und dem Umgang mit ihnen stellt im Übrigen keinen Widerspruch zu meinen Bemerkungen dar, sondern unterstreicht sie im Gegenteil: wie du richtig sagst, werden sie nach Möglichkeit präventiv von ihrem Vorhaben abgehalten, da man eben nicht sicher weiß, ob sie wirklich frei verfügen! Auf der anderen Seite habe ich noch niemanden gesehen, der wegen versuchten Totschlags an sich selber abgeurteilt worden wäre. Und das liegt nicht an regelmäßigem und institutionalisiertem Mitleid der Gerichte mit armen Selbstmordkandidaten. Das liegt systematisch schon daran, dass die §§ 211 ff. StGB ausschließlich "fremdes Leben" schützen.


L.M. (29.10.06 14:18)
@schlipsiltis
Diskussionen mit dem Herren F., gerade wenn der Widerspruch gereizt, sind so ergiebig wie das Erkennen durch "Sein und Zeit". Wie aufreizend muss doch die Flucht in den Blog sein, wo jeder ein sinnentleertes Begriffsgeklapper entfalten kann, ganz befreit vom Bangen, es setzte suddenly die Kritik ein, die zu herben Kränkungen führen könnte (Kommentare können immerhin noch gelöscht werden oder erscheinen in der Peripherie, bloß nicht die konzentrischen Kreise des Maestros störend). Immerhin hat er doch schon alles Gesagte stichhaltig und bis ins Letzte als "Wahngebilde" überführt, ein Dank dem großen Denker!


L.M. (29.10.06 14:18)
Ich empfehle das weiterführende Ignoriere, zu Schade einen Funken daran zu verschwenden. "We need more intelligence" ist ein kecker Euphemismus: richtig abgebildet "we need something like intelligence" oder richtiger "we need suddenly a psychoanalysis"....


L.M. (29.10.06 14:19)
IgnoriereN muss es heißen, mensch, sonst wird noch ein Schühchen draus!


mangolapholie (29.10.06 16:00)
(Dies ist eine bewusst absurde These, die den Grund in einer wirklichen Absurdität hat, nämlich der Tatsache, dass dies gerade bei den Individuen gehäuft autritt, die sich der Emanzipation verschrieben haben und dennoch ungerührt anderen die Hölle bereiten und dies auch noch als emanzipatorisches Projekt verkaufen).

Ja, ja, dann ist alles absurd und nicht so gemeint, nur zu blöd, dass wieder die Opferparanoia durchschlägt: Das Rauchen von Zigaretten ist die Hölle bereiten, also praktisch Auschwitz plus Gulag plus Atombombenabwurf, die HÖLLE!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!


nichtidentisches (29.10.06 17:50)
Langweilig. Kommt auch noch was neues, was nicht bereits abgehandelt wurde? Verfliegt vielleicht langsam die Kränkung und Reflexion stellt sich ein?
Insbesondere L.M. kenne ich mittlerweile gut genug, um sein hohles Repetieren der immergleichen Phrase als Volte zu erkennen. Ein Argument habe ich von ihm noch nicht gehört, daher getrost pöbeln lassen, da fühlt er sich zu Haus.
Alle Empörung gegen die "Vergleiche", die keine sind, endet stets aufs Neue in Affirmation und Selbstbeweihräucherung.


raucherbein (29.10.06 19:56)
um ehrlich zu sein hatte ich keine lust darauf mir gerede darueber durchzulesen, dass nichtrauchen ein akt der emanzipation sei. einmal davon abgesehen, dass ein gewisser f. sich hier zum szenedoktor erklaert, der im rauchen eine form des jihad sieht: welches problem hast du? woher kommt dieses beduerfnis, sich zum apostel aufzuschwingen, der endlich einmal die wahrheit ueber "die raucher" verkuendet?


schlipsiltis / Website (29.10.06 21:45)
Um ein Missverständnis aus der Welt zu schaffen, lieber F.: SCHLIPSILTIS, das ist nicht der M., das bin ich, der E. Ich hatte dir auch vor längerer Zeit mal gesagt, dass der Gripsiltis-Blog von zwei Menschen betrieben wird, und dass "Bademeister" (bzw. "Witziltis") und ich, der Schlipsiltis, unterschiedliche Personen sind.

In deiner Kurzdarstellung verkehrst du leider die Diskussion zwischen uns; ich wollte nicht deinen Text im Allgemeinen kritisieren. Ich habe keine allzu ausdifferenzierte Meinung zu ihm; einige Stellen gefallen mir nicht. Das ist - wie bereits erwähnt - zunächst diese Vermutung, Antideutsche würden nicht selten offen sagen: "Ihr liebt das Leben, wir den Tod". Zweitens halte ich den Unterschied - und dabei bleibe ich, und dabei wird wohl unsere Bewertung auseinanderfallen - zwischen Autofahren und Rauchen zumindest SYSTEMATISCH für nicht gegeben. Was die Ausmaße anbelangt magst du Recht haben. Drittens - und das war mir am wichtigsten - konnte ich einen speziellen Satz des Textes schlicht nicht teilen. Das war nicht Teil einer allgemeinen Debatte, sondern ein konkreter Kritikpunkt an einem Abschnitt deines Textes, der einen Sachverhalt in meinen Augen FALSCH darstellt. Du schriebst: "es [ist] eine zivilisatorische Errungenschaft, um das Leben einer Person gegen deren Willen zu kämpfen". DAS konnte ich so nicht teilen und übte berechtigte Kritik daran, und du würdest vielleicht ganz gut daran tun, diese Passage im Sinne des hier offenbar aufgetretenen Missverständnisses deinerseits (du wolltest damit ja angeblich etwas anderes sagen als das, was du tatsächlich ausdrückst) zu korrigieren.

In diesem Sinne, lG


nichtidentisches (30.10.06 11:10)
Dann erkläre nochmals, warum du das nicht für eine zivilisatorische Errungenschaft hältst. Ich halte es nach wie vor für eine.


schlipsiltis / Website (30.10.06 12:53)
Weil die Möglichkeit zur freien Ausübung des Willens im Vergleich zum Leben die bedeutsamere Rechtsposition ausmacht. Ich kann schlüssig behaupten, dass ich nicht mehr leben will; ich kann aber sicher nicht schlüssig fordern, meinen freien Willen nicht mehr auszuüben. Folgerichtig ist innerhalb moderner Rechtssysteme eine ganz grundsätzliche und selbstverständliche Dispositionsfähigkeit aller Individualrechtsgüter verankert. Das finde ich gut. Wer in den Boxring steigen oder sich tätowieren lassen will, der soll das tun. Und wer sterben WILL, den soll keine Staatsgewalt davon abhalten können - was für ein Staatsverständnis müsste man einem solchen Zwangsakt auch zu Grunde legen?


Xaver (30.10.06 17:15)
Früher hab ich den Blog ofters mal konsultiert, jetzt muss ich aber mal erkennen, dass hier offensichtlich jemand schreibt, der vollständig den Kontakt zur Realität verloren hat. Rauchern zu unterstellen, sie handelten nach der Devise eines antisemitischen Massenmordes - man erinnere sich an den 11. März-, der hat drastische Probleme, anscheinend brechen alle seine erotischen Beziehungen ab, weil er die Zigarette danach verschmäht, ein armer Kerl...


nichtidentisches (30.10.06 22:29)
@schlipsiltis: wie definierst du freier Willen und was ist ein Subjekt? Ich meine nicht, dass eine suizidale Person einen "freien Willen" hat, sondern einen unfreien, und die einzige Möglichkeit der AUfhebung dieser Unfreiheit sieht sie im Tod, was den anderen Individuen die Pflicht auferlegt, dieser Person andere Wege aufzuzeigen und neurotisches Elend in normales Unglück zu verwandeln.

@Xaver: Wie jetzt? Du dachtest echt, die übrigen Artikel hätte jemand geschrieben, der irgendeinein Bezug zur Realität hat? Sie wurden durch einen Zufallsgenerator erzeugt, der auf Beteigeuze 7 stationiert ist, ein Programm, das zur Disziplinierung von Planeten der Entwicklungszonen Stufe F entworfen wurde.


mangolapholie (30.10.06 23:49)
@nichtidentisches
wenn suizid eine aufhebung ist, dann gut nacht' dialektik! Auflösung muss es heißen und zum Freitod: Les doch mal Jean Amery, aber anscheinend ist ja der Wille bei dir das wabbernde Leben... und noch irgendwas, wo was zu aufhebung drin steht...


nichtidentisches (31.10.06 11:36)
@mangilapholie
Wo behaupte ich, dass Suizid die Aufhebung der Unfreiheit sei? Auflösung halte ich auch für korrekter, wenn von einem psychischen Spannungsverhältnis ausgegangen wird.
Es heißt "Lies" im Imperativ und nicht "les". Und im übrigen sollte endlich der Begriff der Klabusterbeere (englisch "Dingleberry") entfaltet werden.

Zwischen Benjamins quälbaren Leib, Jean Amerys Folter und einem depressiven Suizid finde ich zumindest so viele Unterschiede, dass ich nicht einem anderen undiffereziert Amery an den Kopf werfen würde, sobald von Suizid die Rede ist. Grundvorraussetzung des Gesagten war ja angefügt, dass es andere Wege auch gebe, einhergehend mit einem gesellschaftlichen Willen zum Individuum.


nichtidentisches (31.10.06 12:42)
Jean Amery sagt:
"Im individuell-psychologischen Feld müssen die Antworten auf solche Fragen ganz unterschiedlich ausfallen. Man kennt den bis ins Altern und Alter hinein "Sorglosen". Der lebt, so scheint es jedenfalls und so versichert er´s, im Gleichgewicht, Sterben und Tod gehen ihn nichts an. Es gibt andere, die man gestört nennt, die rennen vor dem Tod in den Tod davon [vgl. Text], und bilden sich, weiß Gott, noch ein, der Akt, der ihre Unfreiheit unwiederbringlich besiegelt, der Selbstmord, sei die Bekräftigung ihrer Freiheit. Nietzsche hätte vielleicht, wäre die Umnachtung nicht ihm zuvorgekommen, so gehandelt, denn er hat geschrieben: "Nur ist der Tod unter den verächtlichen Bedingungen ein unfreier Tod, ein Tod zur ungerechten Zeit, ein Feiglingstod. Man sollte aus Liebe zum Leben den Tod anders wolen, frei, bewußt, ohne Überfall." Eine Narrengeschichte vom Freitod."
(In Jean Amery: "Über das Altern,Rrevolte und Resignation." Klett, 1971, S. 129)


nichtidentisches (31.10.06 12:45)
Und darin erkenne ich keinen Widerspruch zum Gesagten.
Interessant wäre das "vor dem Tod in den Tod", was Freud als mögliche Erscheinungsform des Thanatos (neben der Aggression) beschreibt.


(31.10.06 12:45)
Melusine: Krawehl, krawehl... Taubtrüber Ginst am Musenhain- Ginstrüber Taub am Musenginst.......krawehl krawehl!


mangolapholie (31.10.06 14:20)
"dass eine suizidale Person einen "freien Willen" hat, sondern einen unfreien, und die einzige Möglichkeit der AUfhebung dieser Unfreiheit sieht sie im Tod"

Dieser Satz ist quatsch. Ob jemand die Freitod erwählt kann nicht einfach so, mal ganz allgemein abgehandelt, als Ausdruck des "unfreien Willens" (cool, ein Wille, der unfrei ist, spannende geschichte) ausgelegt werden, da steht ja schließlich "unterschiedlich ausfallen" - bei amery.
"und die einzige Möglichkeit der AUfhebung dieser Unfreiheit sieht sie im Tod" Ob sie irgendetwas als Aufhebung siehen würde, ist doch bullshit! Das meinte ich.
Und jetzt komm nicht mit benjamin, amery und so, liest du doch alles bloß nur, um mal schnell noch einen kommentar anzufügen, ...quälbarer leib benjamins... hahaaha... wichtigtuer...


mangolapholie (31.10.06 14:23)
wenn du damit nämlich argumentieren würdest, wär' dein regress auf den Schutz des lebens auch nicht mehr tauglich...


schlipsiltis / Website (31.10.06 19:14)
Also an die Bestimmung eines freien Willens im hier relevanten (wiedermal rechtlichen) Sinne würde ich die Maßstäbe des funktionalen Verantwortlichkeitsbegriffes ebenfalls nach Georg Freund anlegen; hier dazu ein kleiner Ausschnitt aus einer Hausarbeit von mir:


schlipsiltis / Website (31.10.06 19:19)
»Jenseits der dogmatischen Erkenntnis, dass auch über das menschliche Leben als „Individualrechtsgut“ im strengen Sinne verfügt werden kann, stellt sich die eher praktische Frage, unter welchen Umständen eine Disposition tatsächlich als freiverantwortliche Entscheidung zu respektieren ist, und wann sie warum (für eine entsprechende Verhaltensnormbegründung) nicht beachtet werden darf. Bisweilen wird sich bei der Klärung dieser Frage an den Exkulpationsregeln – den sog. Schuldausschließungsgründen – orientiert. Dass dieser Ansatz jedoch ganz offensichtlich verfehlt ist, zeigt sich auf Grundlage des bereits Herausgearbeiteten schnell: Denn die Exkulpationsregeln betreffen den Fall der Resignation des (straf-)rechtlichen Vorwurfs trotz eindeutiger Verhaltensmissbilligung sowie evidenter Schutzwürdigkeit und -bedürftigkeit des Opfers an-gesichts bestimmter Defizite beim Täter. Vorliegend geht es aber vielmehr um die Frage, wann aus Gründen der Personenautonomie ein Schutz aufgezwungen und deshalb nicht zu rechtfertigen ist;« [...]


schlipsiltis / Website (31.10.06 19:19)
»da die Zuschreibung von Verantwortlichkeit als notwendiges Attribut der Freiheit des Subjekts den Täter insofern „als ein Vernünftiges ehrt“ , als ihm damit zugleich die Fähigkeit zu künftigem rechtstreuen Verhalten zugeschrieben wird, trägt der Sachgrund der im Freiheitsentfaltungsinteresse zu vermeidenden Bevormundung der „Rechtsgenossen“ lediglich den Respekt vor solchen Entscheidungen, die nicht als Ausfluss irgendwelcher defizitären Verhältnisse oder Zustände zu begreifen sind. Diese Defizite umfassen mehr als nur die fehlende habituelle Verantwortlichkeit der disponierenden Person (bis hierher würde die sog. „Lehre von der rechtfertigenden Einwilligung“ folgen), sondern auch das nicht im Bewusstsein und nicht mit dem Willen entsprechender Gefährdung Handeln. Denn auch in diesen Fällen legitimiert das Rechtsgüterschutzinteresse eine Beschränkung der Personenautonomie. Wann entsprechende „defizitäre Verhältnisse“ bei der Willensbetätigung nun genau vorliegen, lässt sich sicher ausschließlich – am Einzelfall orientiert – auf die ganz konkrete Entscheidung des Gutsträgers beziehen. Es ließe sich über eine entsprechende „Rangskala“ der in Frage stehenden Rechtsgüter in Bezug auf die zu erwartenden Verantwortlichkeitsindizien nachdenken.«


schlipsiltis / Website (31.10.06 19:26)
Nocheinmal grundsätzlich lässt sich gemeinsam mit Georg Freund: »Erfolgsdelikt und Unterlassen. Zu den Legitimationsbedingungen von Schuldspruch und Strafe«, Köln u. a. 1992, S. 200 sagen:

»Ein Schutz vor freiverantwortlichem, bewußt selbstgefährdendem oder –verletzendem Verhalten ist ein aufgezwungener Schutz, der schon als Einschränkung der Handlungsfreiheit des zu Schützenden aus Gründen der Personautonomie prinzipiell auszuscheiden hat,« und daher »ein in einem auf dem Prinzip der Selbstverantwortung des einzelnen basierenden Gemeinwesen indiskutables Unterfangen« darstellt.


nichtidentisches (31.10.06 22:41)
@mangolapholie
Im Gegensatz zu dir kann ich wenigstens noch Zitate anbringen und muss weder auf Verbalinjurien noch auf nacktes, gegenstandsloses und argumentfreies Namedropping zurückgreifen, um mein Ichideal zu verteidigen.

@schlipsiltis (e. i presume?)
Vielleicht liegt ein grundlegender Irrtum darin, dass von deiner Seite aus vermutet wird, ich würde ein Eingreifen des Staates zum Schutz des Rauchers vor sich selbst befürworten. Dies ist nicht so. Ich befürworte den Eingriff des Staates zugunsten des schwächeren Individuums, das auf seine prinzipielle Unversehrtheit besteht.
Freund hört sich etwas apologetisch an, wenn er den Schein von Autonomie in unfreien Verhältnissen schon als Autonomie selbst setzt. Ein "Freitod" ist eine Contradictio in adjecto und alle, die den Selbstmord dem Foltermord vorzogen, würden sich weigern, diese Entscheidung als "freie" zu verkaufen.


schlipsiltis / Website (1.11.06 12:53)
As always, E. comes along as the schlipsiltis!

Zum ersten Abschnitt: OK, da haben wir uns wohl wirklich falsch verstanden. Du hast Recht, die Frage nach dem staatlichen Schutzes zugunsten des Passivrauchers ist in der Tat eine völlig andere.. Und diese habe ich auch nicht behandeln wollen mit meinen Ausführungen. Dein Abschnitt, den ich nun schon vielfach zitiert habe, klang aber auch nach einer anderen Problematik, nämlich danach, dass du Verfügende (Raucher? Sicher aber Sterbewillige) vor sich selber schützen willst.

Und Freund hast du glaube ich falsch verstanden: Autonomie in unfreien Verhältnissen (gerade den von dir beschriebenen Fall) würde er NIE und nimmer als freiverantwortliche Verfügung bezeichnen! Im Gegenteil.. Gerade diese Fälle erfasst sein funktionaler Verantwortlichkeitsbegriff ja.. Es geht eher um Fälle schwerster, unheilbarer, schmerzstiftender Erkrankungen oder Ähnliches.


Nichtidentisches (1.11.06 13:34)
Ja, das kann ich eher nachvollziehen, gerade dabei halte ich aber strengste Differenzierung für unabdingbar. Ein vor Schmerzen winselnder Mensch ohne Aussicht auf Heilung ist etwas anderes als ein Neurotiker, der in einer Analyse oder mit ein paar Tabletten einen entspannteren Zustand erreichen könnte. Aber selbst in ersterem Fall kann ich keinen Arzt verurteilen, der bis zum Tod und gegen den Willen des Patienten um sein Leben kämpft. Tollwut gilt beispielsweise als unheilbar. Dennoch wurden in den USA zwei Personen erfolgreich therapiert, weil man sich nicht damit abfinden wollte.


schlipsiltis / Website (1.11.06 18:47)
D'Accord!


Helgoländer Vorbote / Website (17.1.07 23:21)
Wir hams ja mal versucht mit dem Rauchen, aber es wird einem wirklich zu schwer gemacht hier in Deutschland - von den Deutschdeutschen.
http://www.vorbote.de/Raucher/


Telegehirn / Website (18.1.07 16:49)
Rauchen ist eine wichtige Form des Antifaschismus. Ebenso wie das Vertilgen von Fleisch.

Hitler war doch Nichtraucher und Vegetarier...oder?


Götz / Website (25.12.07 23:17)
Hallo "Felix",

ich finde den Text sehr schön und kann über alle, die sich furchtbar über den Text aufregen nur lachen. Möglicherweise, weil ich dem "antideutschen Jargon" nicht mächtig bin, doch das hindert mich nicht daran den Text unterhaltsam und gelungen zu finden.
Obgleich ich in meinen politischen Ansichten vermutlich meilenweit von Deiner und denen der meisten deiner Leser hier entfernt sein dürfte, so sind wir uns doch zumindest in der Frage des Rauchens oder Nichtrauchens einig.


Grüße aus Stockholm,
Götz


Das T. (22.7.09 02:04)
und ich dachte schon, das sei mehr oder weniger "ernst"

:-D

als hätte das Rauchen etwas mit (Anti-)deutsch zu tun. Wenn das so wäre, würde ich tagtäglich an die 5 Päckli rauchen. Die Waldorfschulen heissen doch so wegen dem (damaligen) Tabakmulti, nicht? Oder war Steiner auch antideutsch?

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