Startseite
    Antiamerikanismus
    Antisemitismus
    Islamismus
    Verwaltete Welt
    Kulturindustrie
    Rassismus
    Aberglaube
    Kulturalismus
    Make a wish
  Über...
  Archiv
  African Islamism
  Gesammelte Werke
  Texte
  African witch-hunts
  Gästebuch
  Kontakt
 

  Abonnieren
 


 
Links
   Sofakunst
   Wikipedia
   Fremdwörter-Lexikon
   Marx-Engels-Werke
   Asia Times
   This is Zimbabwe
   
   Achse des Guten
   adf
   africa daily
   african studies quarterly
   african sun news
   aftershow
   against
   allafrica.com
   Antibürokratieteam
   Arabs for Israel
   Jaegerzaun
   Atlas Shrugs
   Bad Blog
   Bahamas
   What is witchcraft?
   Botschaft Israels
   ca ira Verlag
   unterdemstrich
   Camera
   classless
   ChinaDaily
   Die Jüdische
   Dissidenz
   Emma
   e pluribus unum
   Ex-Blond
   EYEontheUN
   FdoG
   Frontierpost Pakistan
   Fuchsbau
   Gripsiltis
   Haaretz.com
   Hadith Database
   honestly concerned
   Iranfocus
   iraqui bloggers central
   israel defence force
   Israel News Infolive
   Israpundit
   Ivison
   Jerusalem Post
   John Cox
   kaffe ohne sahne
   Karwan Baschi
   LittleGreenFootballs
   lizas welt
   maedchenblog
   Matthias Küntzel
   MEMRI
   Middle East Info
   myissue
   nada
   No Blood for Sauerkraut!
   planethop
   prodomo
   sandmonkey
   sozioproktologe
   spirit of entebbe
   starblog
   Telegehirn
   tous et rien
   ugly dresden
   unkultur
   WADI
   weapons of modern democracy
   western resistance
   Wind in the Wires

kostenloser Counter

Webnews



http://myblog.de/nichtidentisches

Gratis bloggen bei
myblog.de





 
Black Box Afrika – Ein Kontinent driftet ab

Hans Christoph Buch . ZuKlampen 2006, 159 Seiten, 16€.
ISBN 3-934920-94-2

Zeitungsartikel zwischen 1995 und 2005 einfach zusammenzupacken und mit ein paar Kommentaren, Postskripten zu jedem Artikel, versehen zwischen zwei bunte Hardcover zu klatschen genügt anscheinend, um den öffentlichen Hunger nach Afrikathemen zu sättigen. Augenscheinlich wird die Literatur über Afrika derzeit vor allem von Publizisten und gefärbten Hilfsorganisationen abgedeckt. Wissenschaftliche Rahmenbedingungen sind da von sekundärem Interesse, Fussnoten, Zeitangaben, all das braucht ein Buch nicht, solange es „literarische“ Essays versammelt. Leider rutscht die Darstellung dadurch etwas in Richtung Populismus und Exotismus. „Niemand ist gefeit gegen Klischees, die manchmal der erste Schritt zur Wahrheitsfindung sind.“ (159)

Dieser nicht ganz falsche Satz scheint bisweilen Programm zu sein, wenn es um grobe Verallgemeinerungen beispielsweise der zahlreichen unterschiedlichen familialen Systeme in Afrika geht: „Interessanter, weil empirisch nachprüfbar, ist der Hinweis auf die afrikanische Familienstruktur, ein verkapptes Matriarchat, bei dem der Vater nur die Rolle des Erzeugers spielt, während die Erziehung der Kinder Onkeln und Tanten obliegt. Allein unter wirtschaftlichem Druck hat sich in Afrika die Einehe durchgesetzt, während die Polygamie nicht nur unter Moslems weit verbreitet ist. In diesem Kontext ist die von Autoren wie Stuart Vail beschriebene Mentalität der instant gratification einzuordnen, also eines hemmungslosen Lustprinzips, das bei der Wunscherfüllung keinerlei Aufschub duldet und die Betroffenen für Alkohol, Drogen und schnellen Sex, sprich AIDS empfänglich machen soll.“ (154)

Ob Polygamie die Regel war oder ist, bleibt höchst fraglich ob der verbreiteten Praxis der weiblichen Genitalverstümmelung, die Jungfräulichkeit und eben Einehe garantieren soll und von Brautpreissystemen beispielsweise in Kenia, die es Männern von je kaum erlaubten, mehrere Frauen zu „erwerben“. Trotz aller stilistischen Mängel, die erwähnte Nachlässigkeit bei Fakten und Zeit- wie Ortsangaben, das etwas unübersichtliche Springen von Schlaglicht zu Schlaglicht, bemüht sich Buch um Reflexion und nüchtern-brutale Darstellung, nicht zuletzt mit dem Ziel, gutmenschliche Irrtümer über Afrika bloßzulegen. Das Buch kann schnell auf einer Zugreise weggelesen werden, die Leserschaft erhält ein gewisses Halbwissen, und ebenso schnell wurde es anscheinend geschrieben, bzw. aus Artikeln zusammengestellt.

„Und weil das Wort Stamm einen kolonialen Beiklang hat, erklären Gutmenschen in Europa sie für nicht existent.“ (145)

„Kollektive sind hier wichtiger als Individuen, denn ähnlich wie im vormodernen Europa gilt nur ein Mitglied der eigenen Volksgruppe als vollwertiger Mensch, während Angehörige fremder Ethnien als quantité negligeable betrachtet werden, deren Leiden wenig oder gar kein Mitgefühl hervorruft. Der Videofilm mit der Folterung und Ermordung des gestürzten Staatschefs Samuel Doe war ein Bestseller in Liberia, und auf meine Frage, warum er seine afrikanischen Brüder und Schwestern töte, antwortete ein Kindersoldat in Monrovia mit der Gegenfrage: Warum nicht?“ (150)

„Tribalismus, also Stammesdenken, ist das Hauptproblem Afrikas, und die Auflösung der Staatlichkeit, Somalisierung genannt, schreitet unaufhaltsam fort. […] Allein in der an Uganda grenzenden Ituri-Provinz sind 50 000 Tote zu beklagen, die Wirtschaft ist zu 100%, die Infrastruktur zu 80 % zerstört, 50% der Frauen und Mädchen wurden vergewaltigt oder sexuell versklavt, und in den Flüchtlingslagern breitet sich Cholera aus.“ (31)

„1972 wurden in Burundi 200.000 Hutu-Evolués, lese- und schreibkundige Angehörige der Unterschicht, von der Tutsi-Armee ausgelöscht, und beim bisher schlimmsten Völkermord im benachbarten Ruanda haben Hutu-Milizen im Sommer 1994 bis zu einer Million Tutsi niedergemetzelt.“ (43) „In Afrika herrscht das Führerprinzip – die Leute hier wollen einen starken Mann.“ (48)

„Zum Abschied fragt er [Jean-Baptiste Bagaza] mich, wie Hitler es geschafft habe, sechs Millionen Juden umzubringen. Ob das technisch möglich gewesen und ob die Zahl nicht übertrieben sei?“ (53)

„Ich will wissen, ob in Monrovia umlaufende Gerüchte stimmen, wonach es im Busch immer wieder zu Fällen von Kannibalismus kommt? – Ja, aber nicht zur Stillung des Hungers, sondern als magisches Ritual, mit dem der Geist der Toten seinem Mörder dienstbar gemacht werden soll.“

„Man spricht von Sobels – Soldaten bei Tag und Rebellen bei Nacht.“ – „Und warum hacken sie den Leuten die Hände ab?“ – „Zur Abschreckung, damit sie nicht von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen. Im Wahllokal wird jeder Bürger mit Fingerabdruck registriert. Trotzdem hat das Volk den Putschisten eine Abfuhr erteilt und einen demokratischen Präsidenten gewählt.“ (92)

„Man macht die Libanese, die den Ein- und Ausfuhrhandel kontrollieren, für alles verantwortlich, aber ich glaube, die Leute hier haben die falsche Mentalität und sind an ihrer Misere selber schuld.“ (95)

„Auf frischer Tat ertappte Diebe werden in Afrika auf offener Straße gelyncht, denn der Marktplatz ist hierzulande ein heiliger Ort.“ (151)

„Um sich vor übler Nachrede und bösem Blick zu schützen, muß jeder, der Reichtum oder Macht besitzt, seinen Clan mit großzügigen Geschenken bei der Stange halten – ein feudales Klientelsystem, das demokratische Transparenz verhindert und die in Afrika allgegenwärtige Korruption nach sich zieht.“ (152)

Der Autor H.C. Buch, dem auch im Buch die angenehme Nähe zu materialistischen Erklärungsansätzen anzumerken ist. Dabei bleibt er jedoch weitgehend immun gegen imperialistische und Postkolonialistische Wahngebilde, bisweilen lässt sich ein hauchzarter Duft kritischer Theorie im Abgang bemerken. 

2.10.06 15:38
 


Werbung


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung