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Jostein Gaarders "Gottes auserwähltes Volk" und "Ein Klärungsversuch" ins Deutsche übersetzt.

Der Text "Gottes auserwähltes Volk" von Jostein Gaarder wurde vom Simon Wiesenthal Zentrum ins Englische Übersetzt. Sirocco übersetzte die Antwort Gaarders auf den Aufruhr, den er hervorrief, "Ein Klärungsversuch", ins Englische. Eine deutsche Übersetzung von Nichtidentisches folgt der Übersetzung des ursprünglichen Artikels. Das Blog Kulturtechnik hat zwar schon eine deutsche Übersetzung von "Gottes auserwähltes Volk", aber damit man nicht das dortige antisemitische Vorwort und die antisemitischen Kommentare danach lesen muss, folgt hier eine eigene, geringfügig, aber teilweise relevant abweichende eigene, unauthorisierte Übersetzung. Fehler sind vorbehalten, um Korrekturkommentare wird gebeten. Allen, die die englische Sprache beherrschen, wird empfohlen, die englischen Übersetzungen oder sogar das norwegische Original vorzuziehen.

 

Gottes auserwähltes Volk

Von Jostein Gaarder, Aftenposten 05.08.06

Aus dem Norwegischen ins Englische vom Simon Wiesenthal Zentrum und vom Englischen ins Deutsche von Nichtidentisches.

Israel ist jetzt Geschichte. Wir erkennen nicht länger den Staat Israel an. Es gibt keinen Weg zurück. Der Staat Israel hat die Anerkennung der Welt vergewaltigt und wird keinen Frieden erringen, ehe er nicht seine Waffen niedergelegt hat. Der Staat Israel in seiner jetzigen Form ist Geschichte, schreibt Jostein Gaarder.

Es gibt kein Zurück. Es ist an der Zeit, eine neue Lektion zu lernen: Wir erkennen nicht länger den Staat Israel (an). Wir konnten nicht das Apartheid Regime von Südafrika anerkennen, noch haben wir das afghanische Taliban Regime anerkannt. Es gab viele, die Saddam Husseins Irak oder die ethnischen Säuberungen der Serben nicht anerkannten. Wir sollten uns an den Gedanken gewöhnen: Der Staat Israel, in seiner aktuellen Form, ist Geschichte. Wir glauben nicht an die Idee von Gottes auserwähltem Volk. Wir lachen über die Launen dieses Volkes und weinen über seine Untaten. Als Gottes auserwähltes Volk zu handeln ist nicht nur dumm und arrogant, sondern ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Wir nennen es Rassismus.

Grenzen der Toleranz

Unsere Geduld hat Grenzen und es gibt Grenzen unserer Toleranz. Wir glauben nicht in göttliche Versprechen als Rechtfertigung für Besetzung und Apartheid. Wir haben das Mittelalter hinter uns. Wir lachen beklemmt über die, welche immer noch glauben, dass der Gott von Flora, Fauna und der Galaxis ein einziges Volk als bevorzugtes auserwählte und ihm dumme Steintafeln, brennende Dornbüsche und eine Lizenz zum Töten gegeben hat. Wir nennen Säuglingsmörder “Säuglingsmörder” und werden nie akzeptieren, dass solche Leute ein göttliches oder historisches Mandat haben, das ihre Verbrechen entschuldigen soll. Wir sagen nur: Schande über alle Apartheid, Schande über ethnische Säuberungen und Schande über jeden terroristischen Anschlag gegen Zivilisten ob nun ausgeführt von Hamas, der Hisbollah oder dem Staat Israel.

Skrupellose Kriegsführung

Wir erkennen, und beherzigen Europas tiefe Verantwortlichkeit für die Not der Juden, für die schändliche Qual, die Pogrome und den Holocaust. Es war historisch und moralisch notwendig für die Juden, ihre eigene Heimstatt zu bekommen. Aber der Staat Israel, mit seiner skrupellosen Kriegsführung, seinen widerlichen Waffen, hat seine eigene Legitimierung massakriert. Er hat systematisch internationales Gesetz, internationale Abkommen und zahllose UN-Resolutionen lächerlich gemacht, und kann nicht länger Schutz durch das Gleiche erwarten. Es hat die Anerkennung der Welt zerbombt. Aber fürchtet euch nicht! Der Kummer wird bald vorbei sein. Der Staat Israel hat sein Soweto gesehen. Wir sind nun am Scheideweg. Es gibt kein Zurück. Der Staat Israel hat die Anerkennung der Welt vergewaltigt und wird keinen Frieden haben, bevor er nicht seine Waffen niedergelegt hat.

Ohne Verteidigung, ohne Haut

Mögen Geist und Wort die Apartheid-Mauern von Israel hinwegfegen. Der Staat Israel existiert nicht. Es ist jetzt ohne Schutz, ohne Haut. Möge die Welt daher Mitleid haben mit der zivilen Bevölkerung; denn unsere Prophezeiungen des Verhängnisses zielen nicht auf zivile Individuen. Wir wünschen dem Volk Israel Gutes, nichts als Wohlergehen, aber wir behalten uns das Recht, keine Jaffa-Orangen zu essen, solange sie faul und giftig schmecken. Es war erträglich, für einige Jahre ohne den Verzehr von den blauen Trauben der Apartheid zu leben.

Sie feiern ihre Triumphe

Wir glauben nicht, dass Israel mehr über vierzig getötete libanesische Kinder trauert, als es über vierzig Jahre in der Wüste vor 3000 Jahren geklagt hat. Wir sehen, dass viele Israelis solche Triumphe in der selben Art und Weise feiern, wie sie einst die Plagen des Herrn als „passende Strafe“ für das ägyptische Volk bejubelten. (In dieser Geschichte erscheint der Herr Gott von Israel als unersättlicher Sadist.) Wir fragen uns, ob die meisten Israelis denken, dass ein israelisches Leben mehr wert ist, als vierzig palästinensische oder libanesische Leben. Denn wir haben Bilder gesehen, von kleinen israelischen Mädchen, die hasserfüllte Botschaften auf die Bomben schreiben, die auf die zivile Bevölkerung von Libanon und Palästina geworfen werden sollen. Diese kleinen israelischen Mädchen sind nicht niedlich, wenn sie vor Schadenfreude über Tod und Qual auf der anderen Seite der Front einherstolzieren.

Das Vergelten von Blutrache

Wir erkennen den Staat Israel nicht an. Wir erkennen nicht die Spirale von Vergeltung und Blutrache, die in “Auge für Auge, Zahn für Zahn” ihren Ursprung hat. Wir erkennen nicht das Prinzip von zehntausend arabischen Augen für ein israelisches Auge an. Wir erkennen nicht die Kollektivbestrafung oder die Bevölkerungsausdünnung als politische Waffen an. Tausend Jahre sind vergangen, seit ein jüdischer Rabbi die archaische Doktrin „Auge für Auge, Zahn für Zahn“ kritisierte. Er sagte: “Behandle Andere, wie du behandelt werden möchtest.” Wir erkennen nicht einen Staat an, der auf anti-humanistischen Prinzipien und auf den Ruinen einer archaischen nationalen und kriegerischen Religion gegründet wurde. Oder, wie Albert Schweitzer es ausgedrückt hat: „Menschenfreundlichkeit besteht niemals darin, ein menschliches Wesen einem Zweck zu opfern.“

Mitleid und Vergebung

Wir erkennen nicht das alte Königreich Davids als Modell für die Karte des mittleren Ostens im 21. Jahrhundert an. Der jüdische Rabbi verkündete vor zweitausend Jahren, dass das Königreich Gottes keine kriegerische Erneuerung des Königreichs Davids ist; das Königreich Gottes ist in und um uns. Das Königreich Gottes ist Barmherzigkeit und Vergebung. Zweitausend Jahre sind vergangen, seit der jüdische Rabbi die alte Kriegsrhetorik entwaffnete und vollkommen humanisiert hat. Bereits in dieser Zeit operierten zionistische Terroristen.

Israel will nicht hören

Seit zweitausend Jahre haben wir den Lehrplan des Humanismus eingeübt, aber Israel will nicht hören. Es waren nicht die Pharisäer, die dem Mann am Wegrand halfen, der Räubern zur Beute fiel. Es war ein Samariter; heute würden wir sagen, ein Palästinenser. Wir sind zuallererst Menschen – dann Christen, Muslime, oder Juden. Oder wie der jüdische Rabbi sagte: “Und wenn du nur deine eigenen Brüder willkommen heißt, was tust du mehr als andere?“ Wir akzeptieren nicht die Entführung von Soldaten. Aber genauso wenig akzeptieren wir die Deportation einer ganzen Bevölkerung oder die Entführung von legal gewählten Parlamentariern und Regierungsministern. Wir erkennen den Staat Israel in seinen Grenzen von 1948 an, aber nicht den von 1967. Es ist der Staat Israel, der es nicht schafft den international gesetzmäßigen Staat Israel von 1948 anzuerkennen, zu respektieren oder sich darin zu fügen. Israel will mehr – mehr Wasser und mehr Dörfer. Um das zu erreichen, gibt es jene, die mit Gottes Beistand eine Endlösung für das Palästinenserproblem wollen. „Die Palästinenser haben so viele andere Länder“, haben gewisse israelische Politiker argumentiert; wir haben nur eines.

Die U.S. oder die Welt?

Oder wie es der stärkste Beschützer des Staates Israels ausdrückt: „Möge Gott fortfahren, Amerika zu segnen.“ Ein kleines Kind hörte das. Es drehte sich zu seiner Mutter um und sagte: “Warum beendet der Präsident von Amerika seine Reden immer mit “Gott segne Amerika”? Warum nicht “Gott segne die Welt”?”

Dann gab es den norwegischen Dichter, der diesen kindlichen Seufzer aus dem Herzen entließ: “Warum schreitet die Menschlichkeit so langsam fort?“ Er war es, der so wunderschön über Juden und Jüdinnen schrieb. Aber er wies die Vorstellung von Gottes ausgewähltem Volk zurück. Er persönlich zog es vor, sich selbst Muslim zu nennen.

Ruhe und Barmherzigkeit

Wir erkennen nicht den Staat Israel an. Nicht heute, nicht als dies geschrieben wird, nicht in der Stunde von Trauer und Zorn. Wenn die gesamte israelische Nation auf sich selbst zurückgefallen ist, und Teile der Bevölkerung von ihren besetzten Gebieten in eine weitere Diaspora fliehen muss, dann werden wir sagen: Mögen ihre Nachbarn ruhig bleiben und Mitleid zeigen. Es ist ein ewiges Verbrechen, ohne mildernde Umstände, Hand an Flüchtlinge und staatenlose Menschen zu legen. Frieden und freies Geleit für die evakuierte, zivile Bevölkerung, die nicht länger von einem Staat beschützt wird. Schießt nicht auf die Flüchtigen! Zielt nicht auf sie! Sie sind jetzt verletzlich – wie Schnecken ohne Gehäuse, verwundbar wie die langsamen Karawanen der palästinensischen und libanesischen Flüchtlinge, schutzlos wie die Frauen und Kinder und Greise von Qana, Gaza, Sabra und Shatilla. Gebt den israelischen Flüchtlingen Obdach, gebt ihnen Milch und Honig! Lasst nicht ein israelisches Kind mit dem Leben bezahlen! Viel zu viele Kinder und Zivilisten wurden schon ermordet.

 

Ein Klärungsversuch

Jostein Gaarder, Aftenposten 12.08.06

Aus dem Norwegischen ins Englische von Sirocco und ins Deutsche von Nichtidentisches.

Ich wurde offensichtlich von Vielen ob der literarischen Technik die ich beim Schreiben von “Gottes auserwähltes Volk” verwendete, missverstanden, und halte es daher für notwendig mit einem Klärungsversuch zum Aftenposten zurückzukehren.

Wir brauchen Diskussion

Das Genre hat den Bedarf bewiesen, und ich bedauere, wenn ich jemanden verletzt haben sollte — obwohl ich beabsichtigte, harsch in meiner Kritik an Israel zu sein und dies immer noch tue. Nichtsdestotrotz brauchen wir die Diskussion und den Austausch von öffentlichen Meinungen. Ich meine faire Diskussionen und Austausch von Sichtweisen – nicht unartikulierten Missbrauch.

Der Traum vom Dialog

Ich bin immer dankbar für rationale Kritik – und selbstverständlich für alle Beistandsbekundungen. Ich habe einen weisen und nüchternen Kommentar des Vorstandes der Mosaischen Religionsgemeinschaft, Anne Sender, zur Kenntnis genommen. Wir haben uns über das Thema leidenschaftlich gestritten, aber ich teile mit ihr den “Traum vom Dialog.” In meinem Artikel im Aftenposten am 5.8.2006 schrieb ich unter anderem: “Wir erkennen, und beherzigen Europas tiefe Verantwortlichkeit für die Not der Juden, für die schändliche Qual, die Pogrome und den Holocaust. Es war historisch und moralisch notwendig für die Juden, ihre eigene Heimstatt zu bekommen.“ Es geschah vor diesem Hintergrund und von dieser grundlegenden Prämisse aus – also der Anerkennung des Staates Israel – dass ich Israels Kriegspolitik scharf kritisierte.

Was ‘Anerkennung’ meint

Der Artikel beginnt mit dieser rhetorischen Wendung: “Es ist an der Zeit, eine neue Lektion zu lernen: Wir erkennen nicht länger den Staat Israel an…” Es hat ohne Zweifel viel Verwirrung gestiftet, dass ich hier frei mit verschiedenen Bedeutungen des Wortes ‘anerkennen’ spielte. Ich beziehe mich an einem Punkt auf die Internationale rechtliche Anerkennung eines Staates, aber ich verwende das Wort auch im Sinne von „anerkannt werden für eine Praxis“, „Anerkennung gewinnen“, „Anerkennung genießen“, etc. Oder wie in meinem Artikel: “Wir erkennen nicht die Rhetorik des Staates Israels an. Wir erkennen nicht die Spirale von Vergeltung und Blutrache an…etc.” Und gegen Ende: „Wir erkennen nicht den Staat Israel an. Nicht heute, nicht während dieser Text geschrieben wird, nicht in der Stunde von Trauer und Zorn.“ Der Artikel wurde am selben Tag geschrieben, als uns die Bilder aus Qana erreichten.

1948 versus 1967

Bezüglich der Belange des internationalen Rechts möchte ich spezifizieren, wie ich es in allen Interviews versucht habe: “Wir erkennen den Staat Israel von 1948 an, aber nicht den von 1967. Es ist der Staat Israel, der es nicht schafft den international gesetzmäßigen Staat Israel von 1948 anzuerkennen, zu respektieren oder sich darin zu fügen.“ Dadurch stelle ich nicht Israels Existenzrecht in den Grenzen von 1948 zur Disposition, lediglich die Grenzerweiterung von 1967 mit Mitteln der militärischen Gewalt und internationalen Rechtsbrüchen. Damit weiß ich sowohl die Meinung der UN als auch der Mehrheit der Welt hinter mir.

Kein gottgegebenes Mandat

Viele meinten, ich vermischte Religion und Politik. Genau das Gegenteil habe ich versucht zu tun. Als ich den Artikel „Gottes auserwähltes Volk“ nannte, geschah dies in der Absicht, zu betonen, dass wir nie akzeptieren, dass irgendeine Partei für einen Konflikt ein gottgegebenes Mandat beanspruchen kann. Hier hatte ich vor allem jene im Sinn, die wir “Christliche Zionisten” nennen, i.e. Vorstellungen, dass Gott immer noch einen Plan für die Juden hätte, und dass das, was heute im Mittleren Osten geschieht ein Omen für die Apokalypse, die Wiederkehr Jesus Christus, etc. sei.

Zurück nach Israel

Ein Beispiel für das, wovor ich warnte, sind die jüngsten Verlautbarungen aus dem Pentecostal Bewegungswerk in Israel. Er hob hervor, dass die Wiederkehr Jesus Christus und die Erlösung der Gläubigen an die Möglichkeit der Rückkehr der Juden nach Israel gebunden sei. Mit Israel meinte er: „Von der Steppe und vom Libanon an bis zum großen Strom, zum Euphrat reichen – das ist das ganze Land der Hethiter – und bis hin zum großen Meer, wo die Sonne untergeht.“ (Joshua 1,4). Laut einer jüngsten Ausgabe einer Zeitung sagte er: “Wie können wir an Gott glauben, wenn er nicht diese Versprechen erfüllt? Das ist der Glaubensinhalt für viele Evangelikalen Christen, davon 70 Millionen in den USA.” Er fuhr fort: „Weder Judäa oder Samaria waren jemals Teil des arabischen Reiches. Warum besteht man auf den Terminus ‚besetztes Land’?“ Entsprechende Konzepte sind auch unter orthodoxen Juden vertreten, speziell einiger Siedler in den besetzten Gebieten.

Reicher im Humanismus

Ich glaube nicht, dass jüdische Lehre und Praxis weniger humanistisch waren, als die der christlichen oder islamischen Geschichte. Vielleicht ist das Gegenteil der Fall: Ich glaube eine vergleichende Studie würde feststellen müssen, dass die Kultur und die Praxis der Juden viel reicher im Humanismus und freier von religiösem Fanatismus war, als die christlich geprägten Gebiete (mit ihren Kreuzzügen, Konquistadoren, Inquisitionen, Judenverfolgungen, und dem Holocaust, etc.) Verschiedene Deutungsweisen Aber das war nicht der Punkt. Nur in Bezug auf die Vorstellung eines “Königreichs Gottes“ glaube ich, dass Jesu’ Predigten und was ich für Christlichkeit halte, mehr eine Deutung als Humanismus beinhalten, als der späte Jüdische, und jetzt Christlich-Zionistische, Glaube einer politischen Erneuerung des Königreichs Davids als „Gottes Königreich“ für das Volk Israel. Ich beziehe mich hier auf verschiedene Interpretationen der religiösen Botschaft – sei es christlich oder jüdisch – und auf die Probleme, denen wir alle begegnen, wenn extreme Deutungsweisen aufleben.

Ein Symbol der Intrasingenz

“Mögen Geist und Wort die Apartheidmauern Israels hinwegfegen,” habe ich geschrieben. Damit verlieh ich meiner Hoffnung Ausdruck, dass Diplomatie und intellektuelle Kräfte Erfolg haben, Israel dazu zu überreden, dass die illegale Mauer auf besetztem Land niedergerissen werden muss, nicht zuletzt, weil sie sonst Symbol der Kompromisslosigkeit wird. Die Mauer verursacht nicht nur tägliche Verstörung und Leid beim palästinensischen Volk, sondern wird in absehbarer Zeit eine größere Gefahr für Israel sein, als das Land verkraften kann. In anderen Worten, Ich fürchte, Israel’s unnachgiebiger Umgang in Bezug auf seine Nachbarn wird auf lange Sicht eine Gefahr für Israel selbst darstellen.

Gewalt gegen die zivile Bevölkerung

Ich fordere natürlich nicht, das Bürger von Israel jemals ihr Land verlassen müssen. Für mich ist das nicht einmal eine Option. Wenn ich das Bild von israelischen Zivilisten, die aus ‚besetzten Gebieten’ (wie Jerusalem und die West Bank) fliehen, entwarf, bin ich mir bewusst, dass das vielleicht starke Emotionen hervorrufen kann. Aber die Botschaft ist doch kristallklar: Was auch immer der Hintergrund und der Kontext sein mögen – was auch immer für religiöse oder eschatologische Konzepte wir haben – wir können niemals Gewalt gegen eine Zivilbevölkerung tolerieren.

Antisemitismus auslösen

Und zuletzt: Es kann ausgesprochen unverantwortlich sein, voreilig einen Diskussionsteilnehmer des Antisemitismus zu beschuldigen – einfach weil es der Legitimation und Produktion des Antisemitismus dienlich sein kann. (Wenn der oder die ein Antisemit ist, hey, vielleicht ist es nicht so schlecht einer zu sein) Wenn einer der Provinzgemeinderäte den Boykott israelischer Waren beschließt, wird das in bestimmten jüdischen Zirkeln als „im Geiste der Nazis“ bezeichnet, und sie schlossen daraus, dies sei „dies zweifellos ein Ausdruck von Antisemitismus“. Nun, solche Charakterisierungen sind meines Erachtens nicht nur hochgradig irrational. Auf lange Sicht könnten sie sich als fatal erweisen. Denn wie sollen wir dann [echten] Nazismus und Antisemitismus beschreiben?

Missiles und Bomben

Ich hoffe, ich habe einige Missverständnisse mit diesem Auftritt ausgeräumt. Währenddessen regnet es Missiles und Bomben; Zivilisten sterben; Straßen, Wasserversorgung, und medizinische Versorgung sind um Jahrzehnte zurückgeworfen. Wir alle schulden den Kriegsopfern einen Aufschrei des Kummers. Lasst uns nun aufs Wesentliche konzentrieren.

Mehr zu Gaarders kristallklarem Antisemitismus auf diesem Blog: "Randnotizen zum Fall Gaarder" und "Sofies Welt braucht keinen Adorno nicht".

24.8.06 17:35
 


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