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Die Ökonomie der Hexerei


Buchbesprechung:
David Signer: „Die Ökonomie der Hexerei – oder Warum es in Afrika keine Wolkenkratzer gibt.“ Wuppertal, Peter Hammer Verlag, 2004. 456 Seiten, 22,- €, ISBN 3-7795-0017-5

Leichte Kost ist es nicht, was David Signer, ein Schweitzer Ethnologe als Ergebnis mehrjähriger Feldforschungen, Reisen und Recherchen, dem political-correctness verwöhnten deutschsprachigen Publikum auftischt. Er mutet der vermutlich linksintellektuellen Leserschaft zu, Verallgemeinerungen zu denken, die über das betuliche Klein-Klein des herkömmlichen Feullietonbetriebes hinausgehen, fordert von ihm, sein eigenes Oszillieren zwischen Abneigung und Faszination nachzuempfinden und sich vorbehaltlos auf die Suche zu machen nach dem Grund, warum der Hexenglauben in Afrika sich entgegen allen Fortschritts halsstarrig am Leben erhält, ja sogar mit der Modernisierung einen Aufschwung erlebt.

Signer begleitete in Westafrika mehrere Feticheure auf ausgedehnten Lehrreisen, lässt sich letztendlich selbst initiieren, um einige letzte Geheimnisse zu erfahren. Sehr klar wird die übertriebene Frage der Ethnizität in Frage gestellt. Auch wenn es geringfügige, regionale Unterschiede in Form und Inhalt des Hexenglaube gibt, so stellt Signer doch eine „Irrelevanz des ethnischen in der Heilkunst“ fest, solcherlei Kulturalismus, Überbetonung von Ethnischem in der Ethnopsychiatrie, sei vor allem ein europäisches Wunschdenken. (185)

„Hexerei ist eine Realität – keine „materielle“, aber eine soziale.“ (31) Sie schafft Fakten, aus denen sie selbst ihre Legitimation zieht. Die permanente Angst vor Hexerei führt dazu, dass ökonomisch erfolgreiche Individuen an psychosomatischen Erkrankungen leiden, deren Symptome eben jene der Verhexung sind: Antriebslosigkeit, chronische Erkrankungen, nervöse Ausfälle bis hin zu Unfällen. Sie entfliehen entweder dem Druck der Gemeinschaften, und bestätigen so deren Sentiment über den „assozialen“ Emporkömmling, oder sie vollziehen die obligatorische, parasitäre Umverteilung des Erworbenen, den Potlatch, an dessen Ende er selbst meist ärmer dasteht als vor seinem Erfolg. Gleichzeitig ist es nicht so, dass Macht als unrechtmäßig erscheint.

„In Afrika ist die Moral der power nicht entgegengesetzt, sondern folgt ihr. Der Erfolgreichste ist ein Muster des richtigen Lebens.“ (59) „Oft werden tatsächlich die Mächtigen der Hexerei verdächtigt, aber offen angeklagt wird ein Ohnmächtiger, beziehungsweise der Mächtige in einem Moment, da sein Thron zu bröckeln beginnt.“ (377)
Ein verkehrtes, aber im Vergleich zu Heuschreckenphantasien deutscher Ideologen nicht notwendig primitiveres Verständnis von Kapitalismus offenbart sich in Sprichwörtern wie „Es ist das Geld, das uns Geld bringt. Gegebenes Geld ruft Geld.“ (67) Geld besitze sogar, wie Menschen, ein spirituelles double, das beschworen werden könne. Die abstrakte Seite des falschen Ganzen wird geahnt, aber dennoch zwanghaft konkretisiert in Hexen und Geistern.

Anstatt aber Investition zu tätigen, verlagert man die Zirkulation vollständig auf eine mystische Ebene, Geld fällt buchstäblich vom Himmel, es zirkuliert aufgrund geheimnisvoller Kräfte, und wird nicht mit Arbeit in Verbindung gebracht. (201) Diese Beschwörungen erfordern allerdings zahlreiche und finanziell aufreibende Opfer, und stellen einen gewaltigen Teil der Ökonomie, sind insofern also doch „Produktion“. Der dichten Erzählung des Autors folgend, opfert man in Westafrika beständig Rinder, Ziegen, Hühner in horrender Zahl, kauft Zauberringe, Fetische, die magischen Talismane (grus-grus), bezahlt Orakel und beschenkt Bettler und Fremde, mit der Absicht, den Neid der Hexen zu schmälern und finanziellen Erfolg zu erlangen, der dann doch nur in pompösen Beerdigungen, Hochzeiten, Feiern verschwendet wird.

Hexerei fungiert als psychologisches wie als materielles Korrektiv, der Psychoterror der Verwandtschaft mündet anscheinend nicht selten in die Verabreichung von materiellen Kontaktgiften, die Frage, wer einen verhext hat, bekommt einen sehr bedrängenden, realistischen Sinn. Selbst wer nicht an Hexerei glaubt, ist diesem System unterworfen, ein außerhalb der Gemeinschaft stehen wird selten akzeptiert. Hexerei ist buchstäblich „ansteckend“, (203) und vollständig abgedichtet gegen Zweifel. Sollten einige der zahlreichen Orakelsprüche nicht zutreffen, ist dies die Schuld der launischen Geister, des Unmuts der Ahnen, oder es ist tatsächlich ein Bewusstsein von Scharlatanerie vorhanden, die als Ausnahme jedoch die Regel der wunderkräftigen Marabouts und Feticheure bestätigen. Zur Aufwertung des kollektiven Narzissmus weiß ein jeder abstruse Augenzeugenberichte von den Fähigkeiten der Orakelpriester und -priesterinnen zu erzählen, die direkt der Freudschen Traumwelt zu entspringen scheinen, es wird umhergeflogen, verwandelt und verhext, was die Phantasie und das Unbewusste hergibt.

Erfreulich häufig und fundiert zieht Signer dann auch psychoanalytische Modelle zu Rate:
„Der Vater bleibt eine idealisierte, recht ferne und abstrakte Figur, mit dem jede offene Rivalität undenkbar ist. Die eigentliche Rivalität spielt sich zwischen den Brüdern ab, wobei der Wunsch und das Verbot, den Vater zu besiegen; ersetzt wird durch die gefährliche Aussicht, den größeren Bruder zu überrunden. Die Kastrationsdrohung im Falle eines tatsächlich errungenen Sieges wird in Afrika im Idiom der Hexerei formuliert.“ (175)
Neid ist dabei die wesentliche Konstante, das dominierende, „afrikanische“ Gefühl. Neid, nicht um ein Objekt zu beherrschen, aus dem Wunsch heraus, sondern um einem anderen das Objekt nicht zuzugestehen. Daraus, wie aus einem ausgeprägtem Narzissmus, der Misserfolg nicht als persönliches Versagen oder Unzulänglichkeit vertragen kann, speist sich die Projektionsleistung des Hexenglaubens.

„Die „Hexe“ wäre dann gewissermaßen die Verkörperung dieses Verleugneten oder Verdrängten, das, da es im Eigenen unerträglich ist, immer im Anderen gesucht (und gefunden) wird. Die „ Hexe“ vereinigt also die Aggressivität der ganzen Gemeinschaft auf sich und ermöglicht ihr so, „sauber“ und „friedlich“ zu bleiben, beziehungsweise die Konflikte latent zu halten. Wir hätten also die Möglichkeit, an dem, was in einer Gesellschaft „Hexe“ oder „Hexerei“ genannt wird, zu studieren, von was für Konflikten sie bedroht wird, die nicht manifest werden dürfen. Die Hexe als das Unbewusste einer Kultur!“ (175f)

Hexenglaube ist dabei kein Privileg der unaufgeklärten Dorfgemeinschaften: „Je mehr Diplome einer in Afrika besitzt, desto mehr glaubt er Zielscheibe von Neid und Magie zu sein, und desto mehr benützt er zu seinem Schutz Talismane“. (391)
Das nach Marx Fetischisierung benannte Bewusstsein von kapitalistischer Ökonomie kommt direkt als Fatalismus, als Ausdruck einer sich vollständig von Natur beherrscht wähnenden Ideologie zum Tragen: „So wie die Natur „sozialisiert“ wird, wird andererseits das Gesellschaftliche biologisiert. Die Natur wird zum Modell, durch das Herrschaftsverhältnisse legitimiert werden.(412) Zur zweiten Natur gerät, was ureigenstes Produkt des sozialen Handelns von Subjekten ist, veränderbares verwandelt sich im fetischisierten Bewusstsein in unveränderbares, in Naturgesetze. Dabei gibt es kein Privates mehr, nichts, was allein das Individuum beträfe, Hexerei sucht als Schuldbewusstsein der Gemeinschaft gegenüber oder als Neid der Gemeinschaft das Individuum doppelt heim.
Und mit Etounga-Manguelle kommt Signer zum logischen Schluss:
„Faschismus in Afrika ist nicht nur die Mörderfolklore eines Idi Amin oder Bokassa; er spricht in unseren Eingeborenensprachen und tanzt im Rhythmus unserer Verhexung. Unsere Gesellschaften sind durch und durch totalitär. Die afrikanische Einheitspartei? Man muss ihr nichts vorwerfen, sie korrespondiert perfekt mit der Mentalität unserer Völker.“(429)

Theoretisch verflicht Signer materialistische, psychoanalytische und strukturalistische Konzepte zu einem abgebrühten, stichhaltigen Gesamtwerk, das erfreulich von der Beliebigkeit postmoderner Arbeiten abweicht. An ein paar Modellen hat er merklich seinen Narren gefressen, Augés „heidnische Logik“ verfolgt im Werk auf Schritt und Tritt, ohne dass je ein Punkt erreicht wäre, an dem man dem vorbehaltlos zustimmen könnte. An anderen Enden mag sich ein Pedant auf exaktere Begriffsentfaltung versteifen, an Paraphrasen herummäkeln, den etwas verwirrenden, unchronologischen Aufbau bemängeln, er muss doch zum Schluss kommen, dass Signer dem ehrgeizigen Geist eine, besser DIE, afrikanische Denkform so konsistent präsentiert, dass das notwendige rationalistische Zähneausbeissen beim Einlassen aufs Objekt noch auf einen Hauch Wahrheit im Eurozentrismusvorwurf verweist.
Insgesamt hat die Arbeit Signers Aussicht auf einen hervorragenden Erfolg als ethnologisches Standardwerk, weil es nicht bei der Beschreibung von Erscheinungen verharrt, sondern um kritische Analyse bemüht ist. Der extravagante Weg über strukturalistische Theorieexoten tut dem Ergebnis dann keinen Abbruch mehr.
6.6.06 21:00
 


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